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Nr. 55

Der Siebener Anzeiger -rscheinl lägl'ch, nutzer Sonn- und feiertags. Monatlicheve;ug5preise: Mk 11.50 emschl. Träger« lohn, durch die Post Dlh. 14 - fin|d)L Bestell« gelb, auch bei Nichterschei« nen einzelner ffturnmern infolge höherer Gewalt. 3 e r n | p r e d) Anschlüsse: fürbieSd)riftIeitung 112: für Druckerei, Verlag und Geichastsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten .'lnzeiger Sirtzen.

poftscheatonto:

Frankfurt a. M. 11686.

Erster Blatt

172. Jahrgang

Montag, 6. März 1922

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi-2 zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen v 34 mm "Breite örtlich 90 Pf., auswärts 120 Pf., für Reklame» Anzeigen von 70 mit Breite 350Pf. Bei Platz» Vorschrift 200 0 Aufschlag. Hauptschristleiler: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik. Aug. Goetz: für den übrigen Teil: Karl Walther: für den

vnick und Verlag: vrühl'sche Unio.-Vuch- und Steindruckerei 8. fange. Sdjriftkitung, Seschäslsstelle und ©ruderet: Schulstratze?. um mr£1n5®?, ® ee£

Friedensvertrags- auMärung.

Die Liga zum Schutze der deutschen Kul­tur läßt gegenwärtig in Berlin eine Friedens- vettragsausftellung laufen zur Aufklärung über die noch immer wenig bekannten Folgen des Friedensdiktates. 'Bei dieser Gelegenheit scheint es uns angebracht, einige Hinweise zu aeben, unter welchen Gesichtspunkten die Auf­klärung im AuSlande getrieben werden muh. GS ist doch wohl llar, daß diese Propaganda eine ungeheuere Wichtigkeit hat.

Zunächst müssen die arbeitslosen Massen in den Entente- und neutralen Staaten dar­über aufgeklärt werden, bah chr Elend dem Wahnsinn von London und BersailleS ent­springt. Gute Dienste bei dieser Arbeit wird leisten der Llufruf der englischen Arbeiter­partei gegen den Bersailler Frieden, fr'.e Quelle der Arbeitslosigkeit. Hier ist ein guter Ansatzpunkt, das Interesse der öffentlichen Meinung im Auslande zu wecken, denn über­all nimmt die Wirtschaftskrise bedenkliche For­men an.

Wenn so das Interesse geweckt ist, gilt es, die Entente moralisch ins Anrecht zu setzen. Hier ist eine wuchtige Waffe der Nachweis, dah der Borfriedensvertrag vom 5. Novem­ber 1918, der die 14 Wilsonspunkte als Grund­lage deS künftigen Friedens versprach, ge­brochen wurde. Der englische Volkswirt Key­nes fahle seine Empörung darüber in die fol­genden Worte zusammen:Nichts wird die Nachwelt weniger Grund haben zu ver­zechen; ein Krieg, der angeblich zum Schutze der Heiligkeit völkerrechtlicher Verträge ge­führt wurde, endigt mit einem offenen Bruch eines der denkbar heiligsten solcher Verträge." 3n dem Altimatum vom 16. Juni 1919, das uns zur Anterschrift des Diktatfriedens durch Drohungen zwang, heiht cs, dah Deutschland sich in einem großen Irrtum be­finde, wenn es glaube, dieser Krieg könne wir jeder andere durch einOpfer" des Anter- legcnen beendigt werden. Diesmal handele es sich darum, der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. Nach Ansicht der Verbündeten habe Deutschland das gröhte Verbrechen der Weltgeschichte mit der planmäßigen Entfesse­lung des Weltkrieges begangen. Dieses Ver­brechen müsse Deutschland sühnen. Nicht der Sieg der Entente verpflichte Deutschland zur Wiedergutmachung, sondern der Sieg derGe- rcchngkeit.

Gerechtigkeit ist die einzig mögliche Grundlage für die Abrechnung dieses fürch­terlichen Krieges. Gerechtigkeit soll Deutsch­land werden. Deshalb haben die Verbün­deten nachdrücklichst erklärt, Deutschland müsse als grundlegende Bedingung ein Werk der Wiedergutmachung bis zur äußersten Grenze seiner Leistungsfähigkeit unternehmen, ist doch Wiedergutmachung des Anrechtes, das man verursacht hat, das eigentlichste Wesen der Gerechtigkeit."

Hier sieht man, welche Bedeutung die Schuldlüge hat. Mit aller Kraft gllt es, den Lügenschleier zu zerreißen. Gelingt dies, dann haben wir im Kampfe um unser gutes Recht noch den Trumpf in der Hand, dah die En­tente selbst erklärte, dah nur die Alleinherr­schaft "Deutschlands am Kriege uns zur Kriegs­entschädigung verpflichte. Herr Poincarä sagte:Wäre die Verantwortung geteilt, dann müßten auch die Kosten geteilt werden", und Lloyd George erklärte:Sollen die wiedergut- rnachen, die schuldig sind, oder diejenigen, die unschuldig sind?" ÄuS den Dokumenten, die immer zahlreicher jetzt ans Licht kommen, er­gibt sich immer mehr die Anhaltbarkeit der Schuldlüge.

Dies sind die hauptsächlichsten Gesichts­punkte. unter denen wir unsere Propaganda treiben müssen, und sie muß getragen wer­den von dem Willen der Gesamtheit unseres Volkes, der Wahrheit zum Siege zu ver­helfen.

Die Krisis in England.

London, 6. März. (WTB.) Die Ausfüh­rungen der Sonntagsprefse lassen auf ein zeit­weiliges Nachlassen der innerpoli­tischen Krise schlichen. DerObscrver" sagt, nachdem Chamberlain am Freitagabend dem Pre­mierminister die Loyalität der Konservativen aus- gcdrückt habe, sei die Krise diese Woche vvrüber- ficgangcrt. Der Weg sei jetzt frei bis z u r n ä ch- st e n Krise, die kommen müsse. Es würde aber viel besser sein, diese noch um einen Monat zu verschieben und vorher die Neuwahlen vor­zunehmen. Der britische Staatsmann, der die Politik von Genua cinleitete, müsse in der Lage sein, diese fortzusehen. Niemand sei für dieses Werl so geeignet wie Lloyd George. Wer zuerst müßten er und Europa wissen, ob G'-o^-Britan- nien wirklich ßint:r ihm stehe. Wenn Lloyd George als allseitig gebilligter Vertreter E g.cmds nach Auflösung des Parlaments nach Genua gehen könnte, würd» sein Einfluß im Auslande unge­

heuer gestärkt werden. G a r v i n schreibt noch imObscrver", die Autorität des Premiermini­sters müsse wiederh-ergestellt werden. Bisher sei keine Lösung erzielt worden. Die Neben Cham- beclaiens und Worthington Evans am letzten Freitag bedeuteten nicht die Wiederherstellung der Autorität des Premierministers. ES müsse abgewartet werden, ob Balfour am nächsten Dienstag die ßage bessern könne. Lloyd George könne sein Amt als Premierminster nur unter Der Bedingung weiterführen, dah Sir George Pounger zurücklrete Es werde ledoch versichert, Daß der Rücktritt "Bolingers nicht in Frage komme.

Paris, 5. März. (WTB.) Der Londoner Berichterstatter derChicago Tribüne" meldet seinem Blatte unter Vorbehalt, daß die englische Krise ihr Ende gefunden habe. Lloyd George habe sich ent sch lo sen, seine Rücktritts­drohung zurückzunehmen und im Amte zu verbleiben, bis die augenblicklichen großen Aufgaben durchgesührt seien. Dieser Entschluß solle in ein oder zwei Tagen veröffentlicht werden.

London. 4. März. (WTB.) Winston Churchill sagte in einer Rede in Lough­boroughs, es werde sicher in der nächsten Feit eine politische Schlacht geschlagen. Die Frage sei. ob sie auf unserer Seite von einer nach den Plänen geschickter Führer organisierten Amee oder ohne einen wirtlichen Plan, ohne Organi­sation oder Einheitlichkeit im Kommando von Generälen geschlagen werde, die damit beschäftigt seien, bewährte Führer zu unterdrücken. Die Schlacht werde gegen die wachsende Gefahr des K o m m u n i s m u s gekämpft werden müssen,aber der Sieg sei sicher, wenn man geeinigt bleibe. Wenn man sich spalte, würde man einer Partei Platz schaffen, deren Politik dem Zusammenhang des britischen Reiches schädlich sei. Churchill sprach die Erwartung aus, daß aus Der Koalition eine starke geeinigte und DaucrnDc n a t i o n a l e P a r- tei entstehe, die liberal-fortschrittlich sei in fried­licher Politik im Inland und Ausland und ent­schlossen sei, die Aeberlieferungen des geeinigten Reiches ausrechtzuerhalten.

lieber die auswärtige Politik sagte Churchill: ilnfer Einfluß war niemals großer, well wir stetig eine Politik der Festigkeit und des Friedens befolgen, weil wir uns bemühen, die Gefühle der Rache gegen den geschlagenen Feind zu mildern und soweit als möglich das Wieder­aufleben der Wirtschaft in Mittel­europa, von dem das Gedeihen Großbritan­niens so sehr abhängt, sicherzu stellen.

Paris, 5.März. (WTB.) DerTemps" schreibt zu einer Bemerkung des Observer", daß Frankreich nicht darauf rechnen könne, daß der französisch-englische Schutzvertrag abgeschlossen werde, wenn Lloyd George zurück­trete, eine derartige Meinung sei sogar in Paris ausgedrückt worden. (Gemeint ist eine Aeußerung desPetit Parisien".) DerTernps" will aber seinerseits die Frage des Paktes nicht mit einem Minister oder Ministerium verbinden. Er weigert sich grundsätzlich. Da er Der Ansicht ist, daß der Schuhvertrag eine illusorische Garantie wäre, wenn er nur ein gewöhnliches Werl geschickter Männer sei, anstatt den kollektiven Willen eines Landes auszudrücken. Entweder die große Mehr­heit Des britischen Volkes wolle den Pakt, wie das französische Volk, Dann werde jede britische Negierung ihn unterzeichnen oder aber das bri­tische Volk in feiner großen Mehrheit bleibt in­different oder feindlich, dann werde auch lein Personenwechsel es dahin bringen, daß er mit Aeberlegung angenommen werde. DerTernps" erinnert Daran, daß man Frankreich im Jahre 1919 und im Jahre 1922 diesen Schutzvertrag zuletzt unter der Bedingung, Daß Frankreich die Politik von Genua annehme, angeboten habe. Hetzt würde inan aber dieselbe Warenoch- mals an bieten, und diesmal verlange man, Daß Die französische Regierung den Wahlerfolg des Ministeriums erleichtere. Nein, so sagt Das Blatt, Der Schutzvertrag kann keine Ware fein, die man sich Dreimal bezahlen läßt, ehe man sie liefert.

Chamberlain über das nen gefestigte Bündnis zwischen England und Frankreich.

LonDon, 4. März. (Wolff.) Chamber­lain besprach in seiner Oxforder Rede auch Die Außenpolitik. Er sagte. England habe eine klarumschriebene Politik, die darin bestehe, seine Freundschaft mit den bisherigen Verbün­deten zu erhalten und zu festigen und im beson­deren Europa Sicherheit und eine neue Friedens­gewähr zu geben durch ein Bündnis mit Frankreich und Belgien zur Verteidi­gung der gemeinsamen Interessen gegen unver­schuldete Angriffe.

Chamberlain fuhr fort: Wir legen Wert auf dieses Bündnis und empfehlen es nicht nur, weil cs an sich Das Richtige ist, sondern weil es unserer Ansicht nach diesen ßänbern die Sicher­heit gibt, welche gerade die Grundlage für eine gemäßigte und vernünftige Behand­lung unserer geschlagenen Feinde ist, und die zur Rehabilitierung Europas auf Wiederherstellung der europäischen Wohlfahrt notwendig ist. In allen diesen Fragen werden die nationalen Liberalen Schulter an Schulter mit uns kämpfen. In allen diesen Fragen for­dert die Arbeiterpartei unsere Po­litik heraus. Wenn ©roßbritannicn zögert oder strauchelt, wenn zur Angewißheit über die Politik anderer Regierungen noch Die Ansicherheit über die Politik Der britischen Regierung kommt, wenn die Regierung Großbritanniens der Gnade einzelner Gruppen preisgegeben ist. Dann ver­lieren wir unsere Stellung, und mit unterem Ruin geht auch Europa zugrunde.

Die Ministerkonferenz in Paris.

Paris, 5. März. (WTB.) Dach einer HavaSmeldung aus Rom ist der italienische Schatzminister Peano heute abend nach Paris abgereist, um an der Konferenz der alliierten Finanzminister tellzuneymen. Er wird von zwei höheren Beamten seines Mini­steriums begleitet.

Paris, 5. März. (WB.- Wie die Havas- Agentur mitteilt, hat Der italienische M t - nister für auswärtige Angelegen­heiten, Schanzer. seinen französtschen und englischen Kollegen ersucht, Die Beratung über das Orientproblem bis zum 21. März auf- zuschieben. Vorher fei es nicht möglich, Italien zu verlassen, da das Ministerium Facta sich erst am 16. März Dem Parlament vorstelle.

Die Vorbereitung der Konferenz von Genua. Paris, 4. März. (WB.) Die Abendblätter bestätigen. Daß Die alliierten Sachverständigen, Denen Die Vorbereitungen des technischen Pro­gramms der Konferenz von Genua ob­liegt, erst am 13, März in London 3u jammen* treten. Sie teilen gleichzeitig mit, Daß Die Zu­sammenkunft Der beiden Finanzminister Sir Ro­bert Home und de Lasteyric In Paris end- giltig auf Den 8. März festgesetzt ist. Für die Konferenz Der Außenminister von Frankreich and Italien, Die sich speziell mit Der Orientfrage beschäftigen soll, ist ein Zeitpunkt gegen Den 13. März inö Auge gefaßt.

Paris, 6. März. (WTB.) Der Londoner Korrespondent DerChicago Tribüne" behauptet, in englischen amtlichen Kreisen werde erklärt, daß der italienische Außenminister Schanz er England und ".Frankreich bereits inoffiziell noti­fiziert habe, daß die Abhaltung der Konfe­renz in der Karwoche unerwünscht sei. Es sei deshalb mehr als wahrscheinlich, Daß Die Konferenz bis frühestens 18. "April verschoben werde.

Der Pazifie-Vertrag.

Washington, 5. März. (WTB.) Präsident Harding und (Senator Lvdge berieten über die Ratifikation des Pazific - Vertrages. Cs verlautet, daß der Präsi­dent dem Vorschläge LvdgeS zustimmte, daß die Prüfung des Vier-Mächte-Llbkommens am ORontag im Senat beginnen soll. Der Präsident erklärte, daß der pazifische Vertrag vor dem Flottenvertrag und den übrigen noch unerledigten Verträgen ratifiziert werden müsse, da die Vereinigten Staaten sonst nicht in der Lage sein würden, ihr Flottenbaupro­gramm aufzugeben.

Minute.

Fiume, 4. März. (Wolff.) Agenzia Sie- feni: In Der gestrigen Kundgebung hat Der Fiumer nationale Verteidig ungsaue- schuß D.c provisorische Regierung Zanellas für endgültig abgefeßt erklärt. Die ver­fassunggebende Versammlung übernimmt bis auf weiteres Die ihr com Hyupt Der Fiumer Re­gierung offiziell übertragenen Vollmachten. Der VerteiDigungsausschuß legt Die Sorge für Dt: Aufrechterhaltung Der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in Die Hände Der (Sarabinteri unD Der italienischen Truppen und fordert Italien auf, die Verwaltung Des Fiumer Stadtgebietes m Der Person seines gesetzmäßigen Vertreters zu übernehmen, Der allein Ordnung und Ruhe toicDer Herstellen könne.

Die aus bewaffneten Bürgern gebildete Na- tionalgarDc hat Die Ordnung ohne Zwischcn- fälle wiederher gestellt. Von morgen ab wird der ganze öffentliche Dienst wieder tn gewohnter Weife funktionieren.

Graz, 4. März. (WTB.> DieTagespost" meldet aus Fiume: Der Präsident Der Fiumcner Republik, Zanella, hat gestern nach Der Kapi­tulation in Anwesenheit Des Sekretärs für innere Angelegenheiten und dreier Mitglieder Der revo­lutionären Regierung ehre Abdankungs- erllärung unterzeichnet, worin er sich u. a. auch verpflichtet, aus Dem politischen Leben Fiumes vollständig auszu scheiden. Um 9 Uhr verließ Zanella Fiume und reist in Begleitung von italienischer Carabinieri über Abazzzia in un­bekannter Richtung weiter. Die Regierung wurde vom Komitee für nationale Verteidigung über­nommen. Attiliv Prodam steht an dessen Spitze. Abends herrschte in der Stadt wieder voll­ständige Ruhe. Die Anhänger des gewesenen Präsidenten Zanella hatten in Den gestrigen Kämpfen 3 Tote, 7 Schwer- und 1 Leichtverwun- beten die Fascisten 1 Toten und 7 Verwundete, Die Carabinieri 1 Toten und mehrere Leichtver­wundete.

Gegen die Entrechtung der Deutschen in der Tschechoslowakei.

Berlin, 6. März. Etwa 20 Vereini­gung e n der Deutschen Dolkspartei, der Deutsch­nationalen und der Deutsch-Demokratischen Par­tei protestierten gestern in einer Versammlung gegen Die Entrechtung Der Deutschen in Der Tschecho-Slowakei. Namens Der Deutsch-Oesterreichei- gab Bundesrat Bier- bäum (Wien) von Der Großdeutschrn Partei Er­klärungen ab. Nachdem noch Vertreter der reichs- deutschen Parteien gesprochen hatten, wurde eine Entschließung angenommen, in Der Die Achtung des Selbstbestimmungsrechtcs der Deutschen in Der Tschecho-Slowakei gefordert und ihren Bestrebun­gen vollste Anteilnahme der Berliner Bevölkerung au sged rückt wird.

Die türkischen Forderungen.

Konstantinopel, 6. März. (WTB.^ Der türkische Minister des Aeußeren ist nach London abgerefft, um dort die türkischen For- derungen zu unterbreiten.

Die spanisch-französischen Zollvcrhandlungen.

Paris, 5. März. (WTB.) Der Madrider Korrespondent desTernps" berichtet,3mbcxial" undLibertad" kündigten Den möglichen Abbruch Der französisch-spanischen Zollver- handlungen an. Sie machten Frankreich den Vor­wurf Der Intransigenz. Das Blatt A. B. C. setzte Den französischen Standpunkt im einzelnen aus­einander, spreche aber auch von Der Vköglichkeit eines Bruches. Von allen Seiten wiederhole man, Daß die Verhandlungen tatsächlich unterbrochen seien und Daß man Daran zweifle, eine mögliche Grundlinie für ein vorteilhaftes Mkommen zu finden.

Die Teuerung.

B e r I i n, 5. März. (Wolff.) Die Teuerung nahm im Februar start zu. Tic Retchsindex- Ziffer für Die Lebenshaltungskosten, die vorn Statistischen Reichsamt auf Grund Der Erhebun­gen über Die Kosten für Ernährung, Heizung. Beleuchtung und Wohnung berechnet wird, i|t vom Januar dis zum Februar von 1640 aut 1989, also um 349 Punkte oder 2 1.3 Prozent gestiegen. Verglichen mit Dem Stand v 0 r einem Jahre (1921) bedeutet dies eine Der teueuung Der erwähnten vier Lebensbedürfnisse am 12.8 v. H. Die Kosten Der Lebens - Haltung haben sichalso seitdem wem mehr als verdoppelt.

Zur Verteuerung im Februar trugen hoi allem Die Ernährungsausgaben, Deren Index- Ziffer von 2219 im Januar um 23 v. H. auf 2727 gestiegen ist. Außer Schellfischen, Deren Preise sich teilweise etwas ermäßigen konn­ten, tour Den alle Lebensrnittel viel teurer. Be sonders stark zogen Die Preise für Kartoffeln und Gemüse an, Da Die lange Kälteperiode und die zu Beginn des Monats ungünstigen Verkehrs Verhältnisse Die Teuerung für Dic^c Lebensmittel sehr verschärften. Inzwischen sind diese Preise, efcenfo wie Die für Eier etwas zurückgegangen. Die um Mitte des Monats cingetretene Brot Preiserhöhung kommt in Den Indexziffern für Februar erst zur Hälfte zum Ausdruck. Auch die Ausgaben für Heizung, Beleuchtung und Wohnungsmiete steigerten sich weiter. Die Aus- wärtsdewegung Der Preise war, wie im Vormonat, innerhalb Des Reichs nicht einheitlich.

Aus dem Reiche.

1 Eine Gedenkfeier für die Gefallenen.

Berlin. 5. März. (Wolff.) Im großen Sitzungssaalc das Reichstages, dessen Hin­tergrund einfachen, aber würdigen Traucrschmuck trug, veranstaltete mittags Der Volksbund für Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Gedenkfeier für unsere im Weltkriege Gefal­lenen. Den Mittelpunkt der stark besuchten, ppn einer großen und einheitlichen Stimmung ge­tragenen, Dabei künstlerisch überaus hochstehenden Feim-, bildete eine ergreifende Ansprache des Reichstagspräsidenten L 0 e b e.

Das Amsatzsteuergesetz.

Berlin. 4. März. (WTB.) 3m Steuer ausschuß des Reichstages wurde ein deutschnationaler Antrag, der das 11 in - satzsteuergesetz erst am 1. April in Kraft treten lassen wollte, mit 14 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Das Gesetz tritt, wie eS in der ersten Lesung vorgesehen war, rückwirkend vom 1. Januar 1922 in Kraft.

Frauen als Schöffen und Geschworene?

Berlin, 4. März. (WTB.) Der Rechtsausschuß deS Reichstages nahm in erster Lesung einen Gesetzentwurf über die Heranziehung der Frauen zum Schöffen- und Geschworenenamt an. Der besonderen Eigenart der Frau trägt der Entwurf dadurch Rechnung, daß er den Frauen die Möglichkeit gibt, die Berufung zu dem Amte des Schöffen oder Geschworenen abzu lehnen.

Preiserhöhung der 3eitiince*

Berlin, 6. März. Die Berliner Morgenzeitungen kosten von jetzt tra im Straßenhandel eine Mark.

Luther-Erinnerungsfeier in Wittenberg.

Wittenberg, 5. März. (WTB.) Anter stärkster Beteiligung der evangelischen Kirchen des 3n- und Auslandes, der kirchlichen Ver­bände, der theologischen Fakultäten, der Kir­chen- und Stadtgemernden begann am Sams­tag die Luther-Erinnerungsfeier in Wittenberg. Die erste Anregung zur Dier- hundertjahrfeier der Rückkehr Luthers von der Wartburg mit der fettigen Uebersetzung der Neuen Testamente und seines Kampfes gegen die Schwarmgeister ging von dem Führer der schwedischen Kirche D. von Söderblom aus. Gestern abend fand eine Begrüßungsfeier in der Schlvßkirche statt, die die Grabstätten Lu­thers und Melanchthvns umschließt. Von den auswättigen Gasten sprachen dabei Erzbischof -Daniel von Söderblom-älpsala, der Dane D. Jörgen sen-Kopenhagen, der finnische Bischof