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Nr. 5

Erstes Blatt

(72. Jahrgang

Aeitag, b. 3anuar l922

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Örurf und Verlag: vriihl'sche Univ.-Such- und Steindruckerei H. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstratze 7.

Dureaueinrichlung mit

lueinrichtung mit ganz geringem Personal Darmstadt vollständig hinreichend. alS Ver­

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der Bevölkerung jetzt vielfach erscheint.

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sie wolle die Reich bezahlen, die Auslands- Aehnliche Trans-

waltungsstelle rein geschäftlicher Ratur zu dienen. Die Unkosten müssen durch Weglasfung aller nicht unbedingt nottnenbigen Einrichtungen soweit wie irgend möglich verringert werden und die Tätig­keit auf die drei Hauptgebiete. Ackerbau (Pilan- zen- und Gartenbau). Viehzucht und DetriebS- einrichiung konzentriert werden, damit die Land­wirtschaftskammer allmählich das werde, was sie sein soll, eine Einrichtung zur Hebung der prak­tischen Landwirtschaft, und nicht eine bloß« bureaukratischr Tecwaltungsmafck,i e, als die fif

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Die Konferenz in Cannes.

Cannes, 5. Han. (Havas.) Die erste Vollsitzung der Konferenz wird mor­gen Freitag vormittag 11 LIhr im Cercle nautic unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Driand abgehalien werden. Sie wird sich mit der Prüfung der Probleme des wirtschaftlichen und finanziellen Aufbaues Europas be­fassen. Jede Delegation wird ihre Auffassung darlegen. Die Frage der Reparationen wird morgen nicht zur Sprache kommen, da die vor­bereitenden Arbeiten der Sachverständigen noch nicht weit genug gefördert sind Es ist wahrschein­lich, daß die Vollsitzung der Konferenz den fran­zösischen, englischen, italienischen und belgischen Ministern offiziell das Mandat erteilen wird, die Tlntersuchung der technischen Fragen fort­zusehen. die bisher nur offiziös geführt wurden. Man glaubt allgemein, dah diese älntersuchung im Laufe des Samstags beendet sein wird.

Cannes, 5. Jan. (IDTD.) Der italienische Minister des Aeuhern Marquis dellaTor- tetta ist heute nachmittag 1/23 in Cannes eingetragen.

Cannes, 5. Ian. (WTD.) Heute vormittag hat Briand mit den Sachverständigen gearbeitet. Rachmittags fand von 4 bis 6 Uhr in der Villa Valetta eine neue Besprechung zwischen Briand und Lloyd George statt.

habe, nicht erklärt fragliche Summe an

wofür dann das schuld zu übernehmen

und diese selbst finden zu können. So kam unter Mitwirkung von Philipp Köhler, Langsdorf, das grundlegende Gesetz betr. die Landwirt­schaftskammer vom 16. Mai 1906 zustande. Dieses Gesetz und die folgenden Verordnungen usw. führten in Hessen eine Zwangsorganisation der Landwirtschaft mit Beitragspflicht für jeden Landwirt ein. Die größte Schwäche dieses Ge­setzes war. dah es das Schwergewicht der Tätig­keit. das seither in den Provinzen gelegen hatte.

Annahme oon Anzeigen für bie Tagesnummer bis zum Nachrn ttag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Stets für 1 mm höhe für nzeigen v 34 mm'Breite örtlich 70 Pf., auswärts 90 Pf.: für Reklame« Anzeigen von 70 mm Breite 3.M Pf. Bei Platz. Vorschrift 20 u/0 Auf.chlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil: Karl Walther: für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

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DTV) Aru'er meldet l Har ding u?.b das .nett häien zvei Erörterung de-r schaftslaae Der- itgeteilt, dah keinerlei lierikonis-en Pvlütk in an einer enrnväischen AZher sei von seile» In offi.ulfc oberhalb- ,r eine Beteiligung an

bewertet mit 600 000 Mk. so würde er 3 600

Mark = 1800 Mk. zu zahlen haben. Da nun die Dodenwerte zur Zeit sehr hoch sind, so dürften auch die hier zu zahlenden Beiträge meist viel höher sein, als in unserem Beispiel angegeben. Aber nicht allein den Wunsch der Klärung dieser Verhältnisse, noch einen viel weitergehenden Wunsch hegen weite Kreise der landwirt schäft - lid-en Bevölkerung nämlich den, es möchte dieser. ueiiu.u^.i, »» ÄwjfF-rf.Jn hör

2lr<lah den Anstoh geben, die dringend nötige zu fetzen, dann unterliege der Miverfoig der

Reform des landwirtschaftlichen K a m m e r g e s e h e s in die Wege zu leiten, eine Reform, die den Leitgedanken tragen muh: das Schwergewicht der landwi.Nchastlichcn Tätig- Eeit gehört in die Provinzialstellen. Eine kleine

aktionen sollen mehr vorgekommen sein! Eine weitere gänzlich unklare Sache ist die älmwand- lung der Schuld in eine Frankenschuld. Wie lange hat die Schuld als Markschuld be­standen? War der Kredit wirklich so unvorsichtig ausgenommen, dah er von der Danktäglich" gekündigt werden konnte? Warum ist die Land­wirtschaftskammer nicht sofort an dip in Betracht kommenden Stellen herangetreten, um die Schuld sofort oder doch sobald irgend tunlich zu decken?

Heber alle diese Fragen sagten uns die Be­richte der Landwirtschaftskammer nichts oder so gut wie nichts, und das Parlament muh alle diese Fragen unbedingt klären, bevor es der weiteren Frage der Schuldentilgung nähertritt. Hat das Reich wirllich verboten, die Schuld zu zahlen, so muh das Reich mit decken helfen. Hat die Auf­sichtsbehörde der Landwirtschaftskammer diese nicht genügend scharf überwacht, so muh auch der hessische Staat zur Deckung mit heran. Treffen endlich bei der Kreditbeschaffung oder hinssicht- lich der Bemühungen zur sofortigen Abstoßung der Schulden den Vorstand und seine ausführen­den Beamten eine Schuld, so müssen auch sie unbedingt mit herangezogen werden. 3rt welchem Umfange dann schliehlich die Landwirte mit an diesem hoffentlich letzten Leichenbegängnis aus der Aera Haas teilnehmen müssen, das möge sich zeigen, wenn alle Schuldbekenntnisse der anderen Mitwirkenden vorliegen.

Die Vorlage der hessischen Staatsregierung, die sehr einfach ohne weitere Prüfung des ganzen Fragenkomplexes vorschlägt, die Deitragspflicht der Landwirte auf 3 Mark pro 1000 Mark Be­sitzwert zu erhöhen, und so die Schulden sang- und klanglos zu bejahen, ist aus den obigen Gesichts­punkten heraus ganz unannehmbar. Die gewaltige Erregung der Landwirte aller Kreise verlangt heute Klarstellung und Klärung aller in Betracht kommenden Verhältnisse, und so wird auch der Hessische Landtag ohne richterliche Prüfung dieses Falles nicht entscheiden können.

Wie stark die Belastung der durch die Re­gierung vorgeschlagenen Erhöhung der Deitrags- pslicht den einzelnen Landwirt trifft, möge an einem Beispiel erläutert werden: Rehmen wir an, ein Landwirt bewirtschaftet 50 Morgen Land.

SilbestersHleßai.

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London, 5. Jan. (WTB.) Eine Ex­change-Meldung besagt: Bisher wurde kei­nerlei lUebereinkommen bezüglich des Programms der Konferenz des Obersten Rates erzielt. Lloyd George, der der Ansicht sei, dah die Frage der Reparation vom wirtschaftlichen Wiederauf­bau Europas abhange, möchte diese Frage gern an. die Spitze des Programms gesetzt sehen. Briand stelle sich jedoch auf einen anderen Standpunkt.

London. 5. Han. (WTD.) Eine unbe­stätigte Meldung aus Cannes besagt. Briand sei von seiner gestrigen Unterredung mit Lloyd George sehr befriedigt. Er habe erftärt, man sei vorwärts gekommen und seiner Ansicht nach werde man die Grundlage f Ü r ein neues Europa legen. Auch Lloyd George lieh durchblicken, dah er von dem Ergebnis seiner gestrigen Unterredung befriedigt sei.

Auherdem wird noch aus Cannes gemeldet, in Konferenzkreisen hege man die auf bestimmte Informationen begründete Zuversicht, dah, wenn ein Plan für die finanzielle Reuordnung Eurovas von Lloyd George und Briand aufgestellt werde, die Vereinigten Staaten sich bereit er­klären würden, mitzuwirken.

Paris, 5. jan. Wie die Havasagentur aus Cannes meldet, hat die erste vor­bereitende Sachverständigenzu- sammenkunft heute vormittag von 1/IA2 bis I Ahr stattgefunden. Rach Schluß der Sitzung sei keine Mitteilung gemacht worden. Die französischen, englischen, italienischen und belgischen Minister haben heute nachmittag eine neue Konferenz über die Reparatwns-

keitsgebiete überlassen waren, verblieben. Hier­durch wurde der Kammer ein zentralitischer und bureaukratischer Charakter ber ieten, den viele Landwirte bald mehr ahnten als begriffen und der mehr als alles andere dazu beitrug, die Kam­mer unbeliebt zu machen. Der zweite noch größere Fehler war, dah die Organisation der Kammer nicht einfach das bestehende landwirtschaftliche Vereinswesen übernahm, sondern dah man es versäumte, der Landwirtschaftskammer einen wirk­lich in Fühlung mit den Landwirten bleiben­den Unterbau zu sichern. Zwar wurden sogen. Bezirksvereine mit Vorsitzenden usw. geschaffen, allein diese neuen Vereine waren tot­geborene Kinder, und ihre Tätigkeit wurde dadurch noch erschwert, dah die landwirt­schaftlichen Ausschüsse in den Provinzen kelneVor- träge usw. veranstalten durften, sondern die Vortrags» und Ve.sammlungstätigkeit von Darm­stadt von der Kammer aus geregelt werden sollte. Da aber die Kammer für diesen Zweig weder Geld noch Kräfte hatte, so konnte man sagen, dah dieses Feld wirklich schlechter bestellt war, als zur Zeit der landwirtschaftlichen Vereine, zumal die den landwirtschaftlichen Lehrern für solche Vorträge gewährten Vergütungen durchaus un­zureichend waren so dah auch deren Mitarbeit erschwert war. Die praktischen Landwirte emp­fanden diesen Mangel vielfach ebensoschwer, wie sie den Rückgang des früher stark gepflegten land­wirtschaftlichen Versuchsvereins und den Rück­gang in manchen Gebieten tierzüchterischer Arbeit sehr bedauerten, zumal die von ihnen erhobenen Beiträge zur Landwirtschaftskammer langsam, aber sicher stiegen. Man hatte bei der Schaffung der Landwirtschaftskammer geglaubt, dah sie durch ihr Beitragsrecht in der Lage sein werde, auch einen beträchtlichen Teil ihrer Mittel selbst aufzubringen. Die erste Enttäuschung kam schon bei der Gründung, denn es zeigte sich, daß durch die Zentralisierung der Tätigkeit der Kammer eine größere Zahl von Beamten neu eingestellt werden muhten, die natürlich viel Geld kosteten. Ebenso waren die Versammlungen der Kammer selbst sehr teuer und schliehlich verschlangen an­dere Anforderungen, wie die Schiftung eines Repräsentationsgebäudes, das mit Recht von den Landwirten als Palais-Haus bezeichnet wurde, große Summen. So kam es. dah die Hess. Land­wirtschaftskammer schon gleich bei Ujrer Grün­dung genötigt war, den ihr vom Gesetz zuge­billigten Höchstbeltrag pro Flächeninhalt zu er­heben, und dah bald weitere Erhöhungen des Beitrages folgen muhten, wenn überhaupt aus den Mitteln der Landwirtschaftskammer etwas zur Förderung der Landwirtschaft übrig bleiben sollte. Alles andere wurde von den Derwal- tungskosten verschlungen. Diese Erscheinung wurde chronisch. Die La dwirtschastskammer blieb nach wie vor, trotz eigenen Beitragsrechtes, im großen ganzen aufStaatsmitteln angewiesen, besonders un­ter ihrem 1. Präsidenten Haas. Was dieser Rame für die hessische Landwirtschaft bedeuten will, da­rüber braucht hier nicht gesprochen zu werden, besonders nicht bei allen denen, die sich der Land­wirtschaftlichen Genossenschaftsbank in Darmstadt, der Verwaltungs- und Verwertungsgesellschaft in Frankfurt und der Landw. Hauptgenosfenschaft in Friedberg erinnern, die zusammen mit mehr als 1 Milliarde Gvldmark in Friedenszeiten Bankerott gingen. Dasselbe, was sich bei diesen hessischen Gründungen alles zeigte, läht sich auch bei der Hess. Landwirtschaftskammer e kennen, nämlich eine gewisse Sucht zurAeberorganisation", ein Drang zur Ausdehnung der im Interesse der Ge­schlossenheit sowie Wirtschaftlichkeit des Ganzen durchaus verwerflich war. Ein Dauberatungs- dienst. eine Rechtsauskunftstelle, ja ein eigener Forstdienst, wurden eingerichtet, oder sollten ein­gerichtet werden und verschlangen Mittel, die für viel näher liegende Zwecke besser zu verwenden gewesen wären. Aber nicht nur in der Gründerzeit zeigten sich solche Exprefsionsgelüste. der Streit der landwirtschaftlichen Lehrer mit der Kammer, der erst vor Kurzem auch in der Presse behandelt wurde, läßt erkennen, daß die Landwirtschafts­kammer noch bis in die Jetztzeit das Streben nicht aufgegeben hat. ihren Einfluß auf die landwirt­schaftlichen Schulen immer mehr zu erweitern, und es wird von Wohl unterrichteter Seite behauptet, daß es nur der Einfluß der Landwirtschaftskammer gewesen sei, der die Verlegung und Verschmel­zung der landwirtschaftlichen Versuchsstation mit Der Aniversität Gießen unmöglich gemacht habe, weil die Landwirtschaftskammer die Absicht habe, die landwirtschaftliche Versuchsstation unter ihre Leitung zu ziehen und damit ihre Anforderungen und ihr Budget neu zu belasten. So darf man sich auch heute nicht Wundern, wenn in den zahlreichen Protestversammlungen, die die Landwirte abhal­ten. der Landwirtschaftskammer vvrgeworfen wird, daß sie immer mehr eine reine Einrichtung der Bürokratie gewesen sei. auf die st löst der Vorstand so gut wie keinen Einfluß mehr gehabt hatte und daß die Dauern es ftrifte ablehnen, für die jetzt , entstandenen Schulden der Landwirtschaftskammer ; aufzukommen. Der Grundton der in diesen Der- , fammlungen gesungenen Lieder ist stets derselbe ; und lautet:Wir haben von der Landwirtschafts- ; kammer außer dem Deitragszettel nichts gesehen . und gehört, sie ist eine Haassche Gründung, deren ; Bankerott für das ganze Land nur eine Erlösung , ist, und wir lehnen es aEr, für die dort entstandenen

Schulden einen Pfennigen bezahlen."

Die politischen Parteien aller Richtungen werden gut tun, sich bei Abstimmung über die Regierungsvorlage betr. Erweiterung des Dei- tragsrechts der Landwirtschaftskammer dieser Tatsache zu erinnern, denn die Stimmung der _______... _________ , , landw Bevölkerung aller Grade ist durchaus nunmehr nach Darmstadt in die Kammer legte, I krisenhaft! Was nun die jetzt angehäuften während in den Provinzen nur finanziell selb- Schulden der Landwirtschaftskammer angeht, so ständige Ausschüsse, denen nur einzelne Tätig-1 kann hierüber Authentisches zunächst nicht gesagt

werden, da sich die Landwirtschaftskammer in ihren zahlreichen gewundenen Crllärungen vor genaueren zahlenmäßigen Angaben scheut. Fest­zustehen schein? folgendes: Die Landwirtschafts- kammer hatte enttoäer in den Jahren 1917 oder 1918 ckuch darüber schweigt man sich aus oder aber auch vielleicht in alle den zwei Jahren Vieh (Sirnrnenthaler) aus der Schweiz bezogen und dieses an ihre Züchter versteigert. Die Vieh­züchter haben das Vieh gesteigert und angeb­lich schon damals mit einem Valuta- zuschIag bezahlt. Die Landwirtschaftskammer ihrerseits konnte das Vieh in der Schweiz nicht bezahlen, angeblich weil das Reich die Ausfuhr des Geldes nicht gestattete. Durch den Sturz unserer Valuta nach der Revolution wurde die Schuld in gleichem Verhältnis höher, als wie die Mark sank, und so wurden die Schulden der Landwirtschaftskammer immer großer und damit auch die Zinsen, über deren Hohe auch nichts bekannt ist. die aber kaum unter 89 Prozent betragen haben dürften.

Die Bank, bei der die Landwirtschaftskammer schließlich die nötigen Kredite ausgenommen hatte, soll dann eines Tages die ganze Schuld rückzahl­bar innerhalb zweimal 24 Stunden gekündigt haben, wenn diese nicht aus Mark in Franken umgewandelt würden, und so sollen bei dieser Umwandlung für die Landwirtschaftskammer neue große Schulden entstanden sein.

Man sieht diesen wirren, teils zusammen­hanglosen Mitteilungen aus der Presse sofort an, daß hier eine ganze Reihe dunkeler Punkte vorhanden sind, die der Aufllärung dringend bedürfen, ebenso wie die Kardinalfrage, die die Herzen so vieler Landwirte in der Weihnachtszeit so sehr bewegt hat: wie groß sind denn nun eigent­lich- diese sagenhaften Schufen? "Es sollen nach der einen Lesart 36, nach der anderen 33, nach einer dritten sogar 42 Millionen Papier man. fein. Rehmen wir im Interesse unserer hcimi- schen Landwirtschaft an, daß es nur 33 Mil­lionen Mark feien, dann darf man Wohl "sagen, das dies für ein Hahr als Weihnachtsü'oer- raschung vollauf genügt, und man kann die furcht­bare Erbitterung vieler Landwirte versteiten, die sofortige 21u, bebarg der Landwirtschaftskammer und Haltbarmachung des Vorstandes sowie der leitenden Beamten verlangen. Zur Sache selbst läßt sich, soweit die Entstehung der Schulden in Frage kommt, nur sehr wenig sagen, außer dem, daß die unbedingte richterliche Klarstel­lung der Vorgänge für die Landtag die Vor- aussetzung fein muß, bevor er sich mit der Frage der Tilgu.ig der Schulden befassen kann. Von selten eines sachverständigen Finanzmannes wur­den vor kurzem in dieser Angelegenheit einige Hinweise gegeben, die zweifellos ebenso wichtig wie wertvoll sind. Es wurde hierbei die Frage aufgeworfen, warum die Landwirtchaitskamrner. als das Reich die Ausfuhr des Geldes zur Be­gleichung der Schulden in der Schweiz verweigert

frage.

Paris, 6. Han. (WTD.) Wie der Sonder­berichterstatter desPetit Pa risien" ausCannes meldet, bestätigte man gestern von englischer Seite, daß Lloyd George von der Rot- wendigkeit durchdrungen fei, die Frage des euro­päische wirtschaftlichen Gleichgewichts anzu- schneiden. uni> daß die bereits im voraus fest­gesetzte Rede, die er heute vormittag in Cannes halten werde, ein offenes und vollständiges Ex- pofs über feine gesamte europäische Politik bar» stellen werde. Die Antwort, die Driand in diesem Falle geben werde, werde auch beachtet werden.

Rach den Meldungen der Sonderbericht­erstatter der Pariser Rachrichtenpresse aus Cannes unterliegt es keinem Zweifel, daß der gestrige Tag vollkommen damit ausgefüllt wurde, die Frage der belgischen Priorität zu be­handeln. DasEcho de Paris" gibt zu. daß Italien nach einigem Schwanken sich schließ­lich dem in London zwischen Lloyd George und Driand festgehaltenen Zahlungsplan 1922, 1923 und 1924 angeschlossen habe. Die Vertreter Bel­giens seien also von gestern ab isostert. Der Sonderberichterstatter desMatin" glaubt fugen zu können, es sei sicher, daß angesichts Der sehr bestimmten Haltung Belgiens das in London festgelegte Revarastons» Programm nicht aufrechterhalten werden konnL nun Lloyd George und Driand darauf

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ständig, um die hessische Landwirtsch-aft, die den Zusammenbruch- von Rieder-Moddau usw. mit» erlebt hatte, mit den schwersten und bangsten Sorgen zu erfüllen. Die Rervosität der hessifchen Lanowirte wurde durch die verschiedenen durch-

Die Hessische

Land roirtschafskammer und ihre Schulden.

Bei der LInzulänglichLett der bisherigen Ausilärungen über die finanziellen Verluste der Hessischen Landwirtschaftskammer be­grüßen wir eS, daß in der folgenden Zu­schrift aus Fachkreisen dieses Kapitel im Zusammenhang mit Organisationsfragen ein­mal von Grund aus angeschnitten wird:

Der hessischen Landwirtschaft ist im Dezember des nunmehr zu Ende gehenden Jahres ein recht schweres, dornenvolles Weihnachtsgeschenk zuteil geworden. Wohl munkelte man schon feit Jahren, daß über dem Palaste der hessischen Land- wirtschaftskammer. wie et sich mehr massig wie schön an der verringerten Rheinstraße in Darm­stadt erhebt, recht dunlle schwere Wolken liegen. Wohl erklärten manche Eingeweihten längst, daß es bald äleberraschungen in weiten Kreisen der Landwirtschaft geben dürfte, aber Genaueres wußte niemand, oder wollte niemand wissen. Erst

Itcsnu bs,

Der (Siebener Änjttaer erscheint täglich, außer St nn- und Feiertags. Mmatlicheßezuarpreife: Mk. 9.50 einschl. Träger» lol'N, durch die Post Mk. 10.- einschl. Bestell- gelb, auch bei Nichterschei­nen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech.Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geichäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gießen.

postschectk'»nto:

Sranffurt a. M. 11686.

die Indiskretion desMainzer Anzeigers" brachte einige näheren Angaben über Die Millionen- hesfische landwirtschaftliche Det-

aus unzureichenden Mckteilungen der Landwirt- schaftskanimer, die halb Dementi, halb Ein­geständnis waren, nur noch gesteigert und so ist es erklärlich, daß jetzt überall zum Teil in recht drastischen Formen ein furchtbarer Unmut und Zorn über die Landwirtschaftskammer losbricht und vielleicht noch viel mehr losbrechen dürfte, wenn erst nähere Einzelheiten über den Fall be­kannt werden.

Wohl in den meisten Fällen ist der schwerste Vorwurf, der der hessischen Landwirtschaftskam­mer gemacht wird, der. sie sei ein rein bureau- kratisches Institut, beschäftige eine Unfumme von Beamten, arbeite viel zu teuer und ohne jede Fühlung mit der hessischen Landwirtschaft. Von anderer Seite wird erllärt. die Landwirtfchafts- kammer ist eine Haassche Gründung und geht schließlich bankerott wie alle Haasschen Grün­dungen, weil sie auf einem viel zu großen und viel zu kostspieligen Fuß angelegt ist. Hessen hätte keine Landwirtschaftskammer nötig gehabt. Das hessische landwirtschaftliche Vereinswesen war vorbildlich, seine Leistungen waren bei ganz ge­ringen Unkosten hervorragend, seine Verbindung mit den Landwirten ganz vorzüglich.

Es ist nicht möglich, in solch einem rein orientierenden Aufsatz auf alle diese Anwürfe einzugehen. Vieles läßt sich aus dem geschicht­lichen Werdegang der Landwirtschaftskammer er­klären, darum seien diesem hier zunächst ein paar Worte gewidmet. .

Bis zum Mai 1906 war die hessische Land­wirtschaft in Gestalt ihrer Fachvereine und des hessischen Landwirtschaftsrates offiziell vertreten. Die Fachvereine gliederten sich in Kreisvereine, diese waren zusammengeschlossen in Provinzver­eine und diese wiederum hatten als gemeinsames Organ den durch einlleines" Bureau in Darm­stadt ständig vertretenen hessischen Landwirt- schaftsrat. Tie hauptsächlichste Täiigkeit übten die Provinzialvereine unter Mitwirkung der Kreisvereine aus, wobei als Sachverständige einestells tüchtige Landwirte, andemteils die in der Provinz tätigen Landwirtschaftslehrer mit­wirkten. Da die Tätigkeit bis auf geringe Tag- gelder und Reiseentschädigungen unentgeltlich war und da auch die kleinen, gewöhnlich von einem Tierzuchtinspektor geleiteten Geschäftsstellen der Provinzvereine nur geringe Kosten verursachten, so konnte mit einem fast lächerlich geringen Auf­wand an Verwaltungskosten recht viel zur He­bung der hessischen Landwirtschaft getan werden. Was in dieser Richtung, besonders in der Pro­vinz Oberhefsen. unter dem Präsidium des Grafen Laubach und des Oekvnomierates Schlenke, von den Vereinen geleistet worden ist, wobei Oekono- mierat Leithiger, Zuchtinspektor Schwarz und andere führend mitgewirkt haben, das gehört der Geschichte als Ruhmesblatt an und es Hingt in den Erzählungen unserer Landwirte ebenso wie jetzt in ihrem Zorn immer und immer wieder an. Die Stärke und zugleich die Schwäche dieser landwirtschaftlichen Vertretung lagen in ihrem freien VereinScharakter, wobei nur etwa lOProz. der selbständigen Landwirte Mitglieder der Ver­eine waren. Aber auch wenn ein großer Teil der Landwirte nominell nicht dem Verein an- gehörte, so wurde durch Versammlungen usw. Der Vereine ein gewisser Einfluß auf sie erzielt. Die Mittel, die den Vereinen zur Verfügung standen, waren sehr gering, sie waren im wesent­lichen auf Staatsmittel angewiesen. Man glaubte durch Schaffung einer Z wa n g s Organi­sation mit Deitragsrecht bzw. -pflicht die Interessen der Landwirte an ihrer Vertretung

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