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Nr. 81
Erscheint täglich, außer Sonn» und Feiertags, mit betSamstaqsbeilage; GiehenerFamilienblürter Monatliche Ve;uy5preise: Mk. 16.- und Mk. 1.50 Trägerlohn,durch diePoft Mk. 17.50, auch b ei N ich t - erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. - Fernsprech- Anschlüsse: für die Schrift« leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen.
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Erstes Blatt 172. Jahrgang ' Mittwoch
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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, 5. April (922 Annaym. von flnjeigen ftr die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 120 Pf, auswärts 150 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 450 Pf. Bei Platz. Vorschrift 20 Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigente,l: Hans Beäi, sämtlich in Gießen
fern die Interessen Europas zu erörtern. Die Tatsache, Daß die Deutschen und die Rus- fen an den ^Beratungen teilneßmen, sei an und für sich schon eine Bedeutung, die niemand in Abrede stelle. Die ersten Erörterungen in Ge° nua würden alle die verschiedensten Standpunkte
Poincar^s letzte Anweisungen.
Paris, 4. April. (WTB.) Ministerpräsident P o i n c a r e tat für morgen nachmittag die französischen Delegierten und Sachverständigen für die Konferenz von Genua zu- sammenbnmsen, um ihnen die letzten Anweisungen zu erteilen.
Eine optimistische Aeußermig Schanzers.
London, 4. April. (WB.- Der italienische Minister des Auswärtigen Amtes, Schanz er, erklärte in einer Unterredung mit dem römischen Berichterstatter des Reuterbureaus, die Genueser Konferenz sei zweifellos eines der größten historischen Ereignisse seit der Pariser Friedenskonferenz. Man könne von der Genueser Konferenz keine Wunder erwarten und auch nicht, das) alle internationalen Probleme, die noch immer auf der Welt lasteten, gelöst würden. Andererseits würde es ein großer Fehler sein, mit (Zweifel und Skeptizismus in die Zukunft zu schauen. Die Bedeutung der Genueser Konferenz gehe aus der
batten, sie doch schließlich die Forderungen unterschrieben haben. Diese neuen Forder-ungen hätten die Fehler einem Kompromisses. Die Lage am Borabend von Genua sei also die: Die Alliierten haben Forderungen aufgestellt, die sie logischerweise erzwingen müßten, obwohl einige der Alliierten bzw. ihre Vertreter in der Repa- rationskommission nicht glauben, daß die Forderungen unerfüllbar sind. Statt daß Deutschland vorgebe, zuzuslimmen, widersetze es sich offen den Alliierten. Dadurch werde cs unmöglich, die Krisis hinauszuschieben und das Re- parationsproblem aus der internationalen Versammlung auszuschalten, bei der die Alliierten mit Deutschland an einem Tisch sitzen werden.
Abreise der russischen Delegation nach Genua.
Berlin, 5. April. Die russische Delegation für Genua mit Tschitscherin, Litwinow und Joffe an der Spitze hat gestern abend Berlin verlassen. Krassin hat sich nicht mit nach Genua begeben, sondern ist nach London abgereift, wo er Verhandlungen zu führen hat.
ReparationskoinMission und Kohlenausfuhr.
Paris, 4. April. (WTB.) Lieber den gestrigen Beschluß der Reparationskommission betreffend die Ausfuhr der deutschen Kohle teilt Havas mit, es handle sich um die Bestimmungen des Wiesbadener Abkommens vom 7. Oktober 1921. Die Reparationskommission habe festgestellt, daß sie einem zwischen einer alliierten und der deutschen Regierung geschlossenen Abkommen, das ihre Vollmachten und Pflichten beschränke, nicht zustimmen könne. Für den durch das gegenwärtig in Kraft befindliche Liefe- rungsprogramm gedeckten Zeitraum verzichte sie auf ihre im Versailler Vertrage festgesetzte Vollmacht, die Ausfuhr zu untersagen. Sie könne aber zur Zeit sich dieser Vollmacht nicht für einen längeren Zeitraum entäußern, als er dem lausenden Lieferungsprogramm entspreche. Sie nehme das französisch-deutsche Abkommen sowie die Erklärungen des belgischen, des italienischen und des englischen Delegierten zu der Angelegenheit, die diese im Ramen ihrer Regierungen abgegeben hätten, jedoch zur Kenntnis. Die Reparations- kommission wünsche zur Zeit keine Barzahlung entsprechend der deutschen Kohlenausfuhr im freien Handel zu fordern unter der Bedingung jedoch, daß die von der Kommission vorgeschriebenen Barzahlungen künftig ausgeführt würden.
Die deutsche Antwort über die Schutzpolizei.
Berlin, 5. Avril. In der Reichskanzlei sand gcflcm eine Besprechung über die Antwort auf die letzte Rote der interalliierten Kontrollkommission über die S ch u h p 1 i z e i statt. An den Beratungen nahmen auch die Innenminister der Lände-' teil. Die Antwort auf die Rote, über die laut „® u^chw Xl-emciren Zritung" in der gestrigen Bes r'cbung voll'' Einmütigkeit herrscht, wird voraussichtlich bereits heute übergeben werden.
Aus dem Reichs.
Eine Nachprüfung der Lebensmittelpreise.
Berlin. 4. Avril. (Wolff.) Wie die .Neue Berliner Mittagszeitung" hört, plant die Reichsregierung, eine allgemeine Nachprüfung der Lebensmittelpreise auf Grund der Wucherverordnungen vorzunehmen. In den einzelnen Städten, z. B. Hamburg, sind die Preisprüsungsstellen bereits Ende voriger Woche selbständig vorgegangen. In Hamburg werden Milch- und Dutterpreise einer Rachprüfung unterworfen.
Fragen der Getreideversorgung.
Derlin, 4. April. (Priv.-Tel.) Wie die „Kreuzzeitung" mitteilt, haben im preußi - fchen Landtag die Deutsche Volks- Partei, das Zentrum und die Demokrat e n beantragt, das Staatsministerium zu ersuchen, von der weiteren Fortführung des in Kraft befindlichen TImlaqever fahrens abzusehen, dagegen umgehend mit den landwirtschaftlichen Organisationen in Beratung darüber zu treten, in welcher Weise die Sicherstellung der Getreideversorgung erreicht werden kann. Die wichtigste Maßnahme zur dauernden Sicherstellung der Ernährung sei die Hebung der Erzeugung, die am sichersten auf der Grundlage der f r e i e n W i r t s ch a f t möglich sei. Da die Deutschnativnale Volkspartei bereits vorher einen Antrag auf Einführung der freien Wirtschaft stellte, ist jetzt wenigstens in Preußen eine Einheitsfront der bürgerlichen Parteien für die Beseitigung des Umlageverfahrens hergestellt.
Lärmszenen im preußischen Landtag.
Berlin, 4. April. (Wolft.) Bei der Besprechung der bekannten Vorgänge im L r ch t e r - selber Kadettenhaus kam es im Ab - geordnetenhause zwischen der Rechten und der Linken zu lebhaften Zwischenfällen. Als der unabhängige Sozialist Cohn äußerte, die bekanntesten Schüler der Kadettenanstalt, Hinden- bura und Ludendorff, hätten in^ihren
Hessischer Landtag.
11. Sitzung.
St. Darm stabt, 4. April
Am Regierungstische: Staattpräiident Ulri ch, Finanzminister Henrich, Winschaftminister Raab.
Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10V4 Ülhr. Man tritt alsbald in die Tagesordnung ein und berät zunächst den Antrag Bornemann •
die Pachtschuhordnung
betreffend und in Verbindung damit einen Antrag Obenauer in gleicher Angelegenheit. Sen Ausschußbericht erstattet Abg. S t u rm s el s. Der Antrag Bornemann lautet: Wir byantragen, die Regierung yu «ersuchen: 1. den hessischen Reichs- ratsbevollmachtigten zu beauftragen, bei der bevorstehenden Beratung des Gesetzentwurfs zur Verlängerung der Pachtschuhordnung dafür einzutreten, daß in den Pachtschuy auch die Jagd- und Fischereipachtverträge, sowie die Pach.en von Steinbrüchen einbezogen werden; 2. die hessischen Gemeindeverwaltungen anzuweisen, für bevorstehende Verpachtungen ihrer Jagden ufm. in den Vertragsentwurf eine Bestimmung auf ,u ehmen, wonach der erzielte Pachierlos nur den Mindest - betrag darstellt und sich bei Fälligwerden jeweils entfprechend der Markwährung erhöht.
Der Ausschuß war der Auffassung, daß der Antrag grundsätzliche Berechtigung hat und daß die bestehenden Zustände dringen) der Olbhilfe bedürfen. Da es sich um Vertragsrechte handelt, bleibt nur der Weg über die Reichsgesehgebung übrig, und der Ausschuß schließt sih dem Ersuchen des Antrages Bornemann mit geringfügiger Änderung an. _
Inzwischen ist ein Antrag Dr. Muller u. Gen. (Bbd.) eingegangen, der die Schaffung von Einigungsämtern in Angelegenheiten der Jagd-, Fischerei- und Steinbruchverträge usw. wünscht. x -
Abg. Obenauer (Dem.) bespricht eingehend die gesamten einschlägigen Verhältnisse und tritt für den Ausschußantrag ein
Abg. Dr. Müller (Bbd.) bittet um Annahme seines Antrages.
Abg Ruß (Ztr.) spricht sich ähnlich aus. Der fundamentale Rechtsgrundsatz, daß an bestehenden Verträgen nicht gerüttelt werden dürfe, ist auch z. D. im Mietengesetz usw. bereits durchbrochen worden.
Abg. Schott (D Dp.): Auch die Finanzlage der Gemeinden spricht für die Rotwendigkeit eines gerechten Ausgleiches. Die Iagdpächter sind heute ganz andere wie früher und wer heute die leider zum Sport gewordene Jagd als Sport auSübt» kann auch die Preise zahlen.
Abg. Obenauer (Dem.) verliest bann eine kleine Anfrage, die mit zur Debatte gestellt wird, und in der angefragt wird, was die Regierung bisher auf seinen Antrag getan habe.
Staatsrat Dr. Schwartz erwidert, daß die Regierung schon seit langem, im Sinne des Antrages Bornemann bei der Reichsregierung tätig war, bah die Reichsregierung aber am 31. Matz geantwortet hat, dal) sie grundsätzlich gegen die Aufnahme Der Jagd- usw. Verträge i i die Pacht - schutzvrdnung ist, weil das zu unerträglichen Kon« feguenxen führen muß.
Abg. Bornemann (Soz) begründet eingehendfeinen Antrag. Die Pachtschuzordnung fei im wesentlichen eine Pächterschutzordnung geworden. Die Stellungnahme der Reichsregierung sei bedauerlich und es bleibe zu hoffen, daß bet Reichstag eine andere Stellung eirmehmen weroe.
Abg. Rint (KPD.) erörtert Eijelialle. 2Uf Grund des B.G.B. könne die Regierung wohl
Die Mark als Markstein für Genua.
In ihrem großen Finanzprogramm hat Pie Reichsregierung seinerzeit die Währungsreform als den Schlußstein ihrer Pläne bezeichnet. Was sind Hoffnungen, was lind Entwürfe! Mit der geplanten Stabilisierung der Valuta geht es der Regierung -ebenso wie mit dem feierlichen KvbinettS- lbeschluß, wonach im Jahre 1922 mit dem Abbau der Preise begonnen werden sollte. Aber Die Preise wollen nicht, und die Valuta will Nicht. Eigentlich hätte die Regierung sich selbst sagen können, daß jede Stützungsaktion für die Währung im Zeichen der Reparation als hoffnungslos zu gelten hat. Der Sturz der Mark begann, als Deutschland auf allen Märkten der Welt nach Devisen jagte, um die erste .Gvldmilliarde zu zahlen, und er setzte .sich fort unter dem Druck der Dekatenzahlun- ^en. Roch am l.Iuli v.Z. stand der Dollar auf 75 Mk., um dann im Zeichen der Devisen- aufläufe und der Zerstückelung Oberschlesiens am 8. Rovembcr v.I. bis zu 310, im freien Verkehr sogar bis zu 330, hinaufzuschnellen. Als dann die Hoffnung auf eine Halbwegs erträgliche Lösung der Reparationsfrage sich zu regen begann, konzentrierte sich der Dollar wieder rückwärts, um am 9. Januar d. I. den „Tiefstand" «von 168,50 zu erreichen. Dann aber setzten die Dekadenzahlungen ein, und damit sank die Mark und stieg der Dollar plangemäß, um bei dem Bekanntw.erden des Pariser Reparationsdiltats zeitweise auf über 340 zu klettern.
Darüber besteht jetzt nirgends mehr ein Zweifel, daß die deutschen Finanzen nicht ohne eine langfristige Anleihe repariert werden können, und daß diese Anleihe, also diese Reparation der deutschen Finanzen, nur möglich ist bei einem ganz erheblichen Nachlaß der Reparationen. Wenigstens in England und in Italien hat man endlich begriffen, daß die Währungsreform nicht in der Macht des deutschen Schuldners steht, sondern von dem Verhalten der Gläubiger Deutschlands abhängt, aber letzten Endes auch im Interesse der Gläubiger Deutschlands liegt, nicht etwa nur mit Rücksicht auf die im Ausland befindlichen Papiermarkbestände, die auf 80 Milliarden geschätzt werden und durch die damit betriebene Spekulation mitschuldig sind an der Fieberkurve der Mark. Nein, auch deshalb, weil der Tiefstand unserer "Valuta einmal die Importkonkurrenz gegen das Ausland dauernd verschärft und zweitens Deutschland als Käufer aus dem Weltmarkt ausscheiden läßt zum schweren Schaden der Weltwirtschaft. Drittens endlich, weil, je tiefer die Mark herabgedrückt wird, desto geringer die Aussichten für unsere Gläubiger werden, überhaupt irgendeine Reparation aus dem ausgepowerten Deutschland herauszuschlagen. Will die Konferenz von Genua wirklich Vvgelstraußpolitik treiben und an all diesen Dingen blindlings und blind Vorbeigehen? Werden die verantwortlichen Staatsmänner in den alliierten Landern nicht doch noch einsehen, daß der Reparationsspatz in der Hand besser ist als die Sanktionstaube auf dem Dache?
Die Haltung Frankreichs.
Paris. 5. April. (WTB.) Wie Der .Petit Parisien" mitteill, ist im gestrigen Kabinettsrat festgelegt wor et, daß die französische Delegation, die sich nach Genua begibt, nicht Plein-pouvoir besitzt und daß sie für die Entscheidungen, die sie zu treffen hat, jedesmal bei ihrer Regierung anfrag en solle. Aus diesem Grunde fordert der .Petit Pa- rifien“ auf, die Regierung zu fragen, ob Frankreich nach Genua geht, um ein Programm oor- zulegen, oder ob es dorthin gehe, um sich gewissermaßen absolut eine Reserve aufzuerlegen. Das Blatt erinnert an die Aufforderung Tar- dieus, die er vorgestern in der Kammer hat ergehen lassen, Frankreich müsse in Genua ein positives Programm haben.
zu Tage treten lassen und die Grundlage für günstige Ergebnisse legen, die dem Wirtschaftsleben Europas einen neuen Antrieb geben würden. Die Genueser Konferenz würde Europa au! den Weg des Wiederaufbaues bringen und wenn sie vielleicht auch nicht in der Lage fein werde, vollkommen alle Probleme zu lösen, so werde sie doch die gesamte europäische Lage klären. Der Erfolg der Konferenz.werde ad- hängen von der Klugheit und Mäßigung aller Teilnehmer. Ministep Schanzer erllärte, er selbst ei optimistisch, da er der Ansicht sei, daß alle Teilnehmer sich der riesigen Verantwortung bewußt sein würden, die sie übernommen hätten. Italien gehe auf die Konferenz mit Dem vollen und sicheren Glauben an ihren Erfolg.
Bcncsch über die Ausgaben der Konferenz.
Prag, 4. April. (WTB.) Tschecho-Slowa- kisches Pressebureau. Ministerpräsident Dr. Bene s ch, der morgen nach Genua abreift, erschien heute im Auswärtigen Ausschuß des Abgeordnetenhauses und berichtete über die Aufgaben der Konferenz von Genua. Er führte aus, die gegenwärtige Lage sei durch die zer- törenden Folgen des Krieges entstanden. Es ei natürlich und logisch, Daß sich die Konferenz nicht mit den Friedensverträgen befassen könne. Die Auswerfung dieser Frage würde die Äon» erenz nicht zum Ausgangspunkt einer Rekon- Iruftion machen, sondern die völlige.Zerrüttung Europas herbeiführen. Die Großmächte vom Range Frankreichs, Englands und
Deutschlands müßten Differenzpunkte, wie es die Reparationen seien, vor allem unter i ch selbst ausmachen. Der Ministerpräsident )ehandelte bann die Hauptprobleme der Regeneration Europas. Das erste sei die Rekonstruktion Rußlands und die Anknüpfung von Beziehungen mit ihm. Diese Frage lasse sich, wie Lloyd George richtig sehe, nur in recht ferner Zukunft der Lösung zuführen. Der praktische Plan der Wiederaufrichtung Rußlands fei rügender: 1. Liquidierung der alten russischen Verbindlichkeiten aus der Vorkriegszeit, das heißt der Öffentlichen und privaten Schulden des früheren russischen Kaiserreiches. 2. Die Errichtung einer ständigen Kommission zur Kontrolle dieser Verbindlichkeiten mit Abgrenzung ihrer speziellen Rechte. 3. Die Prüfung der Frage, bis zu welchem Qrtaße und unter welchen Rechtsnormen und Bedingungen fremdes Kapital in Rußland angelegt werden könne. Ferner die Frage Der persönlichen Sicherheit der Ausländer, der Konsularrechte, der Gerichte und die Gültigkeit ihrer Urteile sowie das Problem der Beteiligung fremder Gerichte, eventuell gemischter, in Streitfragen zwischen Russen und Ausländern. 4. Die Methode der praktischen rekonstruktiven Arbeit auf Dem Gebiet Rußlands. Dieses Programm sei mehr wirtschaftlicher Natur, und es werde wohl darüber leicht zu einem ilebereinfommen mit Sowjetrußland kommen. Weniger leicht werde dies in rein politischen Fragen sein, namentlich in der Frage der rechtlichen Anerkennung Rußlands. Der zweite Hauptpunkt der Konferenz sei das Problem der Wiederaufrichtung des wirtschaftlichen und geschäftlichen Lebens überhaupt und in Zentraleuropa im besonderen. Viel konkrete Arbeit sei von den Sachverständigen der
Alliierten in dieser Frage nicht geleistet worden, so daß alles vorläufig Den Kommissionsarbeiten Vorbehalten bleibe. Heber das Valuta- Problem herrsche die einmütige Auffassung, daß künstliche Maßnahmen zur Lösung des Problems nicht zum Ziele führen, ja schädlich wirken würden. Die dritte große Aufgabe der Konferenz sei der Versuch, zwischen den ehemals feind', ich» en Staaten and Den Neutralen zum ersten Male nach dem Weltkriege direkte Beziehungen herzustellen, eine europäische Interessengemeinschaft zu erwecken und die jetzt noch bestehende Kriegspsychose aus der Welt zu schaffen. Es sei bedauerlich, daß die Vorarbeiten der Konferenz _ nicht so weit vorgeschritten seien, wie dies wünschenswert sei, und daß die definitive Losung des Repa- rationsproblems wegen der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nicht erfolgt sei. Die tschechoslowakische Delegation gehe nach Genua ohne Befürchtungen, aber auch ohne übertriebene Hoffnungen. Wenn wir, so schloß Dr. Denesch, in unseren Erwartungen bescheiden sind, werden wir wahrscheinlich bestimmte positive Resultate wirtschastlichen und finanziellen Charakters erzielen, die vielleicht allen zum Wohle gereichen werden und die für uns wie Die übrige Welt einen Erfolg bedeuten.
Eine englische Stimme.
London, 4. April. (Wolsf.) Der Pariser Berichterstatter der „Westminster Gazet e“, Sislah Huddleston» schreibt, man habe gehofft, daß das Reparationsproblem beseite gelegt werde mindestens bis nach Schluß der Genueser Konferenz. Als die Reparationskommillion ihre letzte Roke sandte, habe man aeglaubt, daß Deutschland eine solche Summe zahlen könne, man habe jedoch geglaubt, Daß eine neue Krise auf mehren Monate hinausgeschoben werden würde. Zur Enttäuschung derer, die dies gehört hätten, habe aber Deutschland, statt Den Forderungen Der Reparationskommission zum Schein zuzu-
Schriften das Gegenteil von Bekennermut. sic hätten Feigheit bewiesen, kam es zu st ürmische r Lärmszenen im Hause. Dem Beifall Dct äußersten Linken folgten von Den Bänken Dct Deutschnationalen laute Rufe: »Iüdiiche Frechheit!" Mehrere unabhängige und kommunistische Abgeordnete stürmten Darauf auf Die deutschnitto- nalcn Zwischenrufer zu und der unabhängige Abgeordnete Meier mußte von seinen Freunden von Tätlichkeiten zurückgehalten werden. Von rechts und links fallen Schrnähruse und Der AbgeorDnete Schulz-Neukölln wirft ein Heft Protokolle nach einem deutschnationalen Gegner. Schließlich gelang es dem Präsidenten Leineri, die Ruhe wiederherzustellen.
Die Diätenfrage
im preußischen Abgeordnetenhaus.
(Berlin, 5. April. Em gemeinsamer Antrag aller Fraktionen des Preußischen Landtages fordert eine Abänderung des Gesetzes vom 23. April 1921 über die Entschädigung der Mitglieder und des Präsidenten des Preußischen Landtages. Der Antrag verlangt mit Wirkung vom 1. April eine Aufwandsentschädigung von 5000 Mark monatlich (bisher für du Berliner Abgeordneten 3000, für die auswärtigen 3500 Mark), ein Tagegeld von 120 Mark und einen .Versäumnisabzug von 150 Mark gleichmäßig für alle Abgeordnete.
Das Ende eines Streiks in Berlin.
Berlin, 5. April. (Priv.-Tel.) Unter dem Vorsitz des Demobilmachungskommissars ist gestern zwischen den seit 13 Wochen strei - kendenBerlinerMüllkutschernund Den Arbeitgebern ein Schiedsspruch gefällt worden, den beide Parteien angenommen haben. Durch den Schiedsspruch, der den Ausständigen einen Arbeitslohn von 8 0 0 Mark wöchentlich zubilligt, hat der Streik der Berliner Müllkutscher endlich ein Ende gefunden.
Tatsache hervor. Daß man zum ersten Male nach I stimmen, rundweg erflärt, Daß Die Forderungen dem Kriege wieder Sieger unD Besiegte olme unerfüllbar seien. Es sei Tatsache, Daß, Llnlcrschied Zusammentreffen werde, um gemein-1 trotzdem Die britischen Delegierten sich Den unter- fam Die Interessen Europas zu erörtern. Die breiteten Vorschlägen zum großen Teil widersetzt


