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fein. Wegen 'her Verwendung der Spende hat er den Reichsarbeitsmimster gebeten, schnell­stens einen Plan vorzulegen. Die nach diesem Plan festgelegte Verteilung beabsichtigt der Reichspräsident dem Reichsarbeitsministerium zu übertragen.

Der neue Rcichseruährungsminister.

Dr. Hans Luther ist als Sohn des ver­storbenen Kaufmanns, Handelsrichters und Aelte- sten der Kaufmannschaft von Berlin, Luther, am 10. März 1879 geboren. Aach dem Studium der Rechte in Genf, Kiel und Berlin bestand er die Referendar- und Llssessorprüfung. Don 1907 bis 1912 war er Stadtrat in Magdeburg, und von 1912 bis 1918 Geschäftsführer des Preußischen und des Deutschen Städtelags in Berlin. Wäh­nend des Krieges war er Mitglied vieler wich­tiger Kriegsorganisationen. Am 5. Juli 1918 wurde er als Oberbürgermeister von Essen ein­geführt als Aachfolger des Oberbürgermeisters Holle, der jetzt Oberverwaltungsgerichtsrat in Berlin ist. An der Spitze der Stadt Essen, die fast eine halbe Million Einwohner zählt, erwies Dr. Luther sich, so rühmt ihm dieÄöln. Ztg." nach, als kluger, weitblickender und verständnis­voller Leiter eines großen Gemeinwesens. Wie ec sich als Geschäftsführer des Städtetages überall großer Wertschätzung erfreute, so besah er auch in Essen das Vertrauen der gesamten Bürger­schaft. Er ist keine draufgängerische Kampfnatur, sondern sucht mit dem Mittel überzeugender Be­weisführung auch den Gegner zu gewinnen. Poli­tisch verschrieb er sich bisher keiner Partei: nach seiner ganzen bisherigen Haltung darf man ihn als einen auf allen Gebieten liberalen und fort­schrittlichen Mann bezeichnen. Als Oberbürger­meister vertrat er den Standpunkt, daß eine un­politische Verwaltung das einzig Richtige sei, und da in der Nachkriegszeit alles parteipolitisch aufgezogen wurde, wollte er im April 1921 im Interesse der Stadt Essen einem politischen Par- teimann freiwllgit Platz machen und als Aachfolger Schückings als ordentlicher Pro­fessor für Staatsrecht und Staatslehre an die Universität Marburg gehen. Eine einstim­mige Dertcauenskundgebung der Stadtverordneten bewog Dr. Luther, weiter in seinem Amt zu blei­ben. Der ganze Ruhrbezirk hat ihm viel zu Lan­den. Das zeigte sich besonders dann, wenn es galt, den Ruhrbeziick kulturell zu heben entsprechend dem von ihm geprägten Satz:Wo die wirtschaftlichen Werte geschaffen werden, da müssen dem Menschen auch die Güter der Kultur zuteil werden." Da die Ernährungsfrage gerade für das dichtbevöl­kerte Industriegebiet eine Hauptrolle für die Be­ruhigung der Arbeitermassen und damit für die Gesundung unfers ganzen wirtschaftlichen und politischen Lebens spielt, darf man von der neuen Tätigkeit Dr. Luthers, die er jetzt als Reichs- ernährungsminister beginnt wohl hoffen, daß sie von Segen für das ganze deutsche Volk begleitet fern wird.

Eine Debatte über Elsah-Lothringen in der französischen Kammer.

Paris, 2. Dez. (WTD.) Die Kam- kn er setzte heute die Beratung des Budgets für Elsah-Lothringen fort. Der So­zialist Ahry kritisierte die Verwaltung und sagte, daß eine ganze Reihe hervorragender Persönlichkeiten die Einrichtung des G e n e - -alkommissariatS verurteile. Er wen­det sich dagegen, daß man der französischen Dstbahn durch Aeberlassung der Dahnen von Elsah-Lothringen ein Geschenk von 130 Mil­lionen machen wolle. Elsaß und Lothringen ge­hörten in das politische System Frankreichs. Es kommt hierauf zwischen dem Redner und dem Abg. Werther zu einem lärmenden Zwischenfall, als älhrh einen Brief des be­kannten Zeichners Zislin (Hansi) verliest. Als Mrh von dem Abg. Walther sagt, er habe während des Krieges im deutschen Heere ge­dient, ereignen sich neue Zwischenfälle. Be­leidigungen fliegen hin und her, so daß der Präsident genötigt ist, die Sitzung zu schließen.

Paris, 3. Dez. (WTB.) 3n der gestri­gen Aachmittagssitzung in der Kammer er­klärte der Abgeordnete äl h r h, er nehme die

vormittags gegen den elsässischen Abgeord­neten Walther erhobene Beschuldigung, dieser habe während des Krieges im deut­schen Heere gedient, zurück. Er habe den Volksschullehrer Walther mit dem Abgeord­neten Professor Walter verwechselt. Hier­auf ergriff der Elsässer Altorffer das Wort und erklärte, daß durch den Unterricht in französischer Sprache der Unterricht in der deutschen Sprache nicht behindert werde. Wetterlö verlangte in einer Zwischenbe­merkung, daß die Hauptsprache die französi­sche sein müsse und die deutsche Sprache erst in zweiter Linie gelehrt werden solle. Die Kammer vertagte alsdann die Wei- terberatung des Budgets für Elsah-Lothrin- gen auf Montag.

Volksabstimmung über eine Vermögensabgabe in der Schweiz.

Bern, 3. (WTB.) Heute findet in der Schweiz eine Volksabstimmung über die Erhebung einer einmaligen Vermögens­abgabe statt. Diese Abstimmmig wurde durch die von der Sozialdemokratische Partei einge­leitete Volksinitiative veranlaßt, welche die älnter- stützung von 87 503 Schweizer Bürgern fand. Die Abgabe soll nach dieser Vorlage den Zweck haben, der Eidgenossenschaft, den Kantonen und den Ge­meinden die Erfüllung der sozialen Aufgaben zu ermöglichen. Der Ertrag der Vermögensabgabe ist auf 1 250 000 000 Franken geschäht worden.

Zürich 3. Dez. Die A b st i m m u n g über die einmalige Vermögensabgabe in der Schweiz ergab Ablehnung mit 7 10304 gegen 1 0 5 2 6 5 Stimmen. Die Initiative wurde in keinem einzigen Kanton angenommen. 3n dem stark sozialdemokratischen Zürich erreichten die Annehmenden eine Ziffer von 19 847, die Ab­lehnenden dagegen eine solche von mehr als 100 000. Es scheint, daß ein großer Teil der Sozialdemokraten selber zu den Gegnern über­gegangen ist. (Frkf. Ztg.)

Vcrurteilnng des Prinzen Andreas von Griechenland zur Degradation und Verbannung.

Athen, 3. Dez. (Wolff.) Gestern begann vor dem außerordentlichen Kriegsgericht der Prozeß gegen den Prinzen Andreas, der angeklagt ist, sich als Führer des 2. Armee­korps in Kleinasien geweigert zu haben, den Angriffsbefehl des Oberkommandierenden auszuführen. Prinz Andreas antwortete dem Vorsitzenden des Gerichts, der Angriffsbefehl habe die Weisung enthalten, Benachrichtigung durch das 3. Korps abzuwarten: eine solche sei aber nicht eingegangen. Aach General Papulas, der mehrere Einzelheiten schilderte, faßte der stell­vertretende Generalstabschef Sariiannis aus, der Oberkommandierende habe dem 2. Korps be­fohlen, energisch anzugreifen. Das Korps aber habe, statt den Befehl auszuführen, geantwortet, der Angriff sei in Anbetracht der starken Be­festigungen des Feindes unmöglich und könne im übrigen auch nicht viel nützen. Der Zeuge erklärte ebenso wie nach ihm General Papulas, daß Prinz Andreas nur deshalb nicht abberufen worden sei, weil er ein Bruder des Königs war.

Reuter meldet auS Athen: Prinz Andreus wurde zur Degradation unddauernden Verbannung verurteilt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 4. Dezember 1922.

Nothilfe Hessen im Landkreise Gießen.

Während die Winter-Aothilfe ) ür Klein- und Sozialrentner, KriogsbesHädigte, KriegerHinterblieLene und verschämte Arme in der Stadt Gießen gut vorwärts geht Ha ü)el. Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft haben bereits söhr große Mengen von Gaben aller gu- sammengebracht und lassen sie gegenwärtig durch Ausschüsse verteilen, während Geldsammlungen innerhalb der Vereine usw. noch im Gange sind soll jetzt das Liebeswerk derAothilfeHessen auch im Landkreise Gießen zur not- lindernden Tat werden.

Wie in den Städten, gibt es auch draußen auf dem Lande, in den kleinst Städtchen sowohl wie in den Dörfern, zahlreiche alte, nicht mehr

erwerbsfähige Leute, Kriegsbeschädigte. Kriegen- Hinterbliebene und kinderreiche Familien mit ge­ringem Verdienst, die alle unter der ungeheuren Aot der Zeit bitter zu leidet 'haben. Im Ringen um des nackten Lebens Aotwerdigkeiten müssen diese Bedauernswerten, bie vielfach in kacken Stuben 'Hausen und sich nicht einmal sattessen können unweigerlich zugrunde gehen, wenn ihnen nicht von allen, die trotz der Schwere des eigenen Lebenskampfes noch besser dran sind, schnelle und ausreichende Hilfe gebracht wird.

Zu dieser Hilfe ruft jetzt das K r e i s a m t auf. Es wird nicht verkannt, daß auch die schaf­fende Landbevölkerung heute in starker Weise unter dem Drucke der allgemeinen Wirtschafts- not steht, aber gewiß ist doch, daß die Möglich­keiten zur Hilfeleistung für den notleidenden Aäch- sten auf dem Lande immer noch größer sind als in den Städten. Und gewiß ist vor allem, daß das bäuerliche Landvolk, das in der letzten Zeit wieder so herzerquickende Proben echter christlicher Nächstenliebe gegenüber den bedräng- testen Städtern gegeben hat, nicht zögern wird, auch bei dieser Aothilfe-Sammlung zu Gunsten der Aermsten auf dem Lande zu zeigen, daß es bei Aot gegenüber das Herz auf dem rechten Fleck hat. Auf den viel bewährten Opfer­sinn der bäuerliche Bevölkerung rech­net die Aothilse Hessen im Landkreise Gießen in ganz besonderem Maße.

Die Organisation der Aothilfe Hessen für den Landkreis Gießen ist so gedacht, daß möglichst in allen Gemeinden Hilfsausschüsse gebildet werden, die Sammlungen von Geld oder von Aaturalien in die Wege leiten, um ohne Rücksicht auf die politische, wirt­schaftliche, soziale oder religiöse Stellung des einzelnen möglichst wirksame Hilfe zu bringen. Das in jeder Gemeinde Gesammelte soll in erster Linie in der betreffenden Gemeinde verbleiben, um die Aot der ortsansässigen Bedürftigen wirksam bekämpfen zu können. Erft wenn dort alle erforderliche Hilfe in ausreichen­dem Maße sichergestelll ist, soll ein etwaiger lleberfchaß zur Linderung der Aot in anderen Orten Verwendung finden. Auf die rege Mit­arbeit recht vieler freiwilliger Helfer aus allen Bevölkerungsschichten wird besonderes Gewicht ge­legt.

Zur Ingangsetzung beä Liebeswerkes werden im Laufe dieser und nächster Woche in ® i e- ßen, L i ch, Hungen und G r ü n b e r g Be­sprechungen mit maßgebenden Personen aller Be­rufe aus diesen Gegenden stattfinden. In diesen Versammlungen wird der zuständige Dezernent des Kreisamtes eingehende Erläuterungen zur Durchführung der Sammlungen geben.

Aus dem Gefühl der deutschen Volks­gemeinschaft hwaus muß auch dieses Werk der Aächstenliebe allenthalben nach bestem Können unterstützt werden. Möge es in allen Orten unseres Kreises alle, die imstande sind, noch etwas herzugeben für ihre bedrängten Dvüder und Schwestern, begciser.i zu schneller und um­fassender Opsertat damit den Bedrängten ein frohes Weihnachtsfest mit dem Aus­blick auf gemilderten Lebenskampf im Laufe der Wintermonate bereitet wer­den kannl

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** Die Gebühren der Verrnef- sungsämter. Mit Wirkung vom 1. Dezem­ber ab -ist der Teuerungszuschlag zu den Ge­bühren für die Arbeiten der Vermessungsäm­ter von 1700 v. H. auf 2600 v. H. erhöht worden.

♦♦ C i n wohlgelungener Familien­abend vereinigte gestern abend im Saale der Tunhalle, Oswa d garten, außerordentlich zahl­reiche Familien der M a 11 h ä u s g e m e i n d e. Bei guten Reden aus berufenem Munde, sie sehr beherzigenswert sind, musikali'chen und Sprech- vvrlrägen der verschieden ten Art, Aufführungen, Gesangsoorträgen, bei gutem Kaffee und Kuchen verlebte man einige recht genußreiche Stunden. Eine Verlosung von allerlei nützlichen Gegen­ständen gab Anlaß zu manch freudiger ileber- vaschung. Die Veranstaltung legte eindringlich Zeugnis ab von dem schönen Bewußtsein der reli­giösen Zusammengehörigkeit, das die Gemeinde erfreulicherweise in dieser schweren Zeit als ein einigendes Band umschlingt. Als ein Ausfluß dieses Gefühls des Derbundenseins kann auch die Tatsache angesehen werden, daß viele Ge- meindemckglieber/ die Geschäfte haben, die Ver­anstaltung durch Stiftung von Gaben für die Be­wirtung und für die Verlosung unterstützten. Der

Gießener Konzertverein.

Gießen, 3. Dez.

Rebner-Quartett: Mozart, Tesar Franck, Schumann.

Das Rebner-Quartett in seiner derzeitigen Zusammensetzung vereinigt in seltener CEBeife gegen­seitige Verschmelzung mit solistischer Freiheit des Einzelnen. Das rührt daher: Zwei große künst­lerische Persönlichleiten fügen ihr eminentes Können willig ineinander. Wir meinen den Führer Adolf Redner, dec mit dem berückenden Glanz seines Tones und der blendenden Ab­geschliffenheit seiner Technik unter die ersten Geiger der Gegenwart tritt, und den Cellisten Paul Ludwig, einen in Kraft und Zartheit, in Sicherheit und Kultur hervorragenden Meister seines Instruments. Diesen beiden Größen schließen sich als ebenfalls vollendete Künstler Her­mann Kraut und Ludwig Keißer an So ergeben sich Leistungen ersten Ranges in einer Reinheit der Ausführung, deren nicht ganz voll­kommene ^öne <>a zählen sind: in liebevoller Ausgestaltung der ger ngsten musikalischen Einzel­heiten, in lächelnder Bewältigung jeglicher rhyth­mischen Ausgaben. Möchte das Zusammenwirken dieser großartigen Fertigkeiten, die sich glücklich schätzen müssen, einander begegnet zu sein, Bestand haben. Von Dieser Bratsche und diesem Cello wünschten wir wohl das Doorzaksche ll-Dur- Quartett erneut zu vernehmen, dem andere hier im Februar 1919 manches schuldig geblieben sind.

Das Mo^artsche ^-Dur-Quartett wurde mit ungeahnter Tiefe und Gewall erfüllt. Mochte auch einer oder dec andere die Grenzen Mozartscher Tonsprache als überschritten empfinden, so laben eben unsere Künstler mehr aus der Schöpfung herausgeholt, als fein Schöpfer hineingelegt hatte: ein Beweis für dessen Eigenleben. Die überwälti­gende Wiedergabe des Andante darf als der ragende Höhepunkt des Abends bezeichnet werden.

Das O-Duc-Quarkett von Cäsar Franck ge­hört Iu dem besten, was der romanische Geist an Musik zu bieten vermag. Geflissentliche Wag­nisse auf dem Gebiete der Klanaschö.rheit liegen diesem guten Modernen fern. Bei starkem Inter­

esse für das Formale ist ihm doch ein klar ge­stalteter Inhalt unerläßliches Ewundersordernis des Schaffens. Das Schrrzo stellt sich den sommer- nächtlichen Glfentänzen eines Mendelssohn ober Sckuimann an die ©eit«. Der langsame Satz weist edlen Dau wtb vornehmes Empfinde i auf. Wenn dennoch, zumal in den Außensätzen und wie in der berühmt gewordei en Violins^nate der musi­kalische Inhalt seinerseits an einer gewessen for­malen Linienhaftigfeit der Zeichnung leibet und der letzten Einwirkung auf das Gemüt entbehrt, so dürfte hier die nationale Eigenart die Erklärung liefern. Es ist doch etwas am deutschen Wesen, was Jene niemals erreichen. Ferner darf immer­hin angesichts alles dessen, was Schöpfungen unserer Großen neuerdings als Erfchöpsungs- erscheinung ausgelegl wird, die A-thäasung von fragenden Dominantseptaktorden unter kärglicher Beantwortung, und von Reizmitteln, wie die Wiedererweckung der Themen vorangLgangrner Sätze, nicht unerwähnt bleiben. Desgleichen nicht die irdische Länge der meisten Sätze, der gegen­über es Wunder nehmen muß, baß dirhimm- llsche' Länge Schubertscher Werke noch immer hie und da unwirsch vermerkt wird.

Aach äleberwindung der ungeheueren Schwie­rigkeiten des Franckfchen Riesencprartetts waren die Künstler nicht mchr imstande, ihre gesteigerte Gestaltungskraft auch dem Schwmannschm ^-Moll-Quartett tuiut- kommen zu lassen. Das herrliche Werk tolrfte Eel untadeliger Wiedergabe durch sich selbst. Den Beifall der sichtlich eben­falls ermüdeten Zuhörer hätten wir uns gegen­über der gewaltigen Leistung dieser glänzenden Quartet toereinigung noch ^herzlicher gewüns-chtt.

, A.H.

Kirchenkonzert.

Adolf Wieder (Halle a. d. S.), OrgeL Elso Wilhelmi (Berlin), Sopran.

Gießen, 2. Dez.

Der in ganz Deutschland bekannte, ausgezeich­nete Konzertorganist AdolfWieber hacke am Vorabend des ersten Advents eine andächtige

musikalische Gemeinde zu einer Stunde tiefer Ver­innerlichung in der Iohanneskirche versammelt. Unterstützt durch den kräftigen, sehr tragfähigen Sopran von Frl. E l s a W i l h e l m i, der in seiner etwas herben Schönheit für das Oratorium ganz besonders berufen erscheint, diesmal aber in den beiden Liedern (Hirten" undSimeon") aus P. Cornelius' Wn'hnachtslledern und in keZ alten I. 2P. FranckAuf. auf zu Gottes Lob" trotz einiger kleinen Zufälligkeiten wirkungsvoller und glücklicher war als in Gefangen von I. S. Bach, brachte er Orgelwerke zum Vortrag, welche die Zeitspanne von der Periode vor Bach bis zur Gegenwart umfaßte. G. Muffats Passacaglio konnte ich leider noch nicht hören. Um so unmittel­barer, aber auch gegensätzlicher nach den beiden Gesängen von I. S. Bach wirkte auf mich das majestätische Orgelkonzert Händels in 8-Dur. Die Bearbeitung dieser Konzerte, die der Meister für Orgel und Orchester komponiert hat. wird immer eine Angelegenheit subjektiver Auffassung bleiben. Wieders Bearbeitung für Orgel allein zeugt nicht nur von einer außerordentlichen Versenkung in den Stil Händels, sondern auch vor allem wenn sie so meisterhaft dargebvten wird von einer geradezu spielend leichten liebettoinbung der riesengroßen Schwierigkeiten, welche die ileber- tragung und Ausgestaltung dieser ad libitum ge­haltenen und oft nur skizzierten Sähe bietet. Auf Einzelheiten kann ich mich an dieser Stelle nicht etnlaffen, ebensowenig die Frage der Pedalbehand- lung in den Allegrosähen bei Händel hier an­schneiden. Von Herzen mochte ich jedoch wünschen, daß Wieders Ausgabe bald im Druck vorliegt. Siefferts gelehrte Verdienste um die Wieder­erweckung der Händelschen Tradition, die chvrisch besetzte Holzbläser und Cembalo neben der Orgel aufstelll, in Ehren feine Ausgestaltung der Orgel­st imme 'hat Händels Stil, Gla.iz, Pracht und Leuchtkraft abgestreift. Lind wir stehen im Zeichen der Händelrenaiffance. Außer dem Dorspiä über «Es ist ein Reis" von I. Brahms, das dem Orgel­st il ziemlich entrückt und dem gereif testen Klaoier- stll .des Meisters genähert zu sein scheint, und einer sehr wirkuntzssicheren, um Innerlichteit ringenden Introduktion und Fuge von I. HaaS,

schöne Llbend. der die Teilnehmer in reichem Maße befriedigte, wird ein guter Werber für weitere Veranstaltungen dieser Art sein.

Bornotizen.

Tageskalen der für Montag. EewerbShaus, Kirchstraße, 8 Llhr: Vortrag über Säureschuh". Astoria-Lichtspiele, ab heute: Die Aacht der tausend Deelen",Der Fall Pa- liser" undScholitz muß zum Rendezvous". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Das Weib des Pharao". Palast-Lichtspiele, ab heute:Derg- Eyvind und fein Weib" undEr oder Gr".

Aus dem Stadttheaterbureau. Am .Mittwoch findet die Erstaufführung eines neuen Lustspiels von Ludwig FuldaDer Vulkan" 'statt. Den Hauptdarstellern und Dar­stellerinnen, den Herren Heding, Feigel und den Damen Franke. Keller, Rammel ist Gelegenheit geboten, sich in dankbaren Rollen zu betätigen: Die Spielleitung führt Herr T e l e k h.

Die Gießener Theaterge- meinde des Dühnenvolksbundes, die es sich zur Aufgabe gemacht, hat, ihren Mitgliedern den Besuch hochwertiger Theater­vorstellungen zu ganz erheblich verbilligten Preisen zu ermöglichen, eröffnet den Reigen ihrer Wintervorstellungen mitWallen­steins Lager" undDie Piccolo- mint" am 7. Dezember, undW allen­st e i n S Tod" am 18. Dezember.

lieberLandschastsbilder aus Deu t s ch - S ü dweft a s r i ka" spricht am Mitt­woch abend Pros. Dr. Hans Schneiderhöhn in der Reuen Aula. (Aäheres siehe Anzeige.)

Iugendgruppe der Deutschen Volkspartei. Der Arbeitsabend am nächsten Donnerstag fällt aus, dafür Aikolausfeter im Schützenhause. (Siehe Anzeige.)

Mettervoraussage

fürDienStag:

Wolkig und dunstig, nur geringe Nieder­schläge, kühl, nördliche Winde.

Die Wetterlage zeigt keine Aussicht auf Beständigkeit.

Landkreis Gießen.

* Wieseck, 4. Dez. In einer gestern nach­mittag im Dierauschen Saale stattgefundeneo Mieterversammlung sprach ReallehrHD Hebermehl - Gießen über das Reichsmieten- geseh. Im Anschluß daran wurde ein Mieter­verein gegründet, dem sofort 70 Mitglie­der beitraten. Die Einrichtung einer Bera­tungsstelle wurde vorgesehen.

* Lich, 4. Dez. Bei der gestern erfolg­ten Wahl des Beigeordneten unserer Stadt wurde Altbürgermeister Ludw. Dör­rn e r mit 772 Stimmen gewählt. Sein Gegen­kandidat, der von der Arbeiterpartei aufge­stellte Schreinermeister Menges, erhielt 332 Stimmen. Etwa 65 Prozent der Wahlbe­rechtigten nahmen an der Abstimmung teil.

is. Steinbach, 2. Dez. Der bei einer Firma in Lich beschäftigte Chauffeur Keßler von hier verunglückte beim Anzünden einer Automobillaterne. Diese explodierte und K. erlitt erhebliche Bra ndwunden im Ge­sicht und an den Händen.

tt. Treis a. d. Lda.. 2. Dtz. Bei der Samm­lung des hiesigen Bauernbundes für die Gießener Rentnerhilfe find 103 Zentner Spellekartoffeln eingegangen. Für das Elsaß-Loth­ringer Hifswerk wurden 5790 Mk. zusammen» gebracht.

Hessen-Naffau.

spd. Frankfurt a. M., 3. Dez. In einer Wohnung der Kuhgasse überraschte die Krimi- nalpoli.zei den 25jä'hrigen polnischen Staats­angehörigen Luser Goldmann dabei, als er eine große Anzahl den t s cher Silbermün- $ea einschmelzen wolt>. Einen Darren von Drei Kilo Silber hatte er bereits fertiggestellt. Ferner wurde in der Wohnung nach em mit deutschem Silbergeld gefüllter Sack aufgefunden. Der Bursche wurde festgenommen. Samstag vcrmittag gegen 11 Uhr hing ein Hausmädchen zwei kostbare Perserteppiche auf den Balkon eines Hauses in der Zeppllinallee, um sie

Heutiger Stand des Dollars

10 Ahr vormittags:

Berlin 8100, Frankfurt a. 1 8125.

statt deren ich mir eines der unsterblichen Werke seines Lehrers, Reger, gewünscht hätte von Haas habe ich auf andern Gebieten bedeutend tiefere Eindrücke empfangen, wurde von Herrn Wieder eines der eigenartigsten Erzeugnisse der Orgelliteratur. Bachs Kanzona, jenes romantische Kind Italiens mit der deutschen Seele, in wahr­haft mystische Derllärung getaucht und erschütternd nachgebetet. Allein wegen der Kanzona wird mir diese Eonnabendabendstunde unvergeßlich fein. In diesem streng bierftimmigen Satz im typischen Kanzonenrhythmus, in dem ein chromatisches zwei­tes Thema dem ersten gegenübertritt und, nach der Durchführung und einem Halbschluh im Vier­vierteltakt, der Wechsel des Rhythmus einen neuen Teil im Dreizweiteltakt und ein neues höchst genia­les Thema bringt, das aus dem ersten Gedanken entsprungen ist, erscheint wie vom Rebel verchüttt F> escobaldis bedeutsame Gestalt mit ihrem außer­ordentlichen Einfluß auf die Entwicklung des fugterten Spieles. Aber Dachs harmonische Tiefe und kühne Stimmsühi'ung leuchtet schon in ver­heißungsvollem Glanz.

Herr Adolf Wieder ist heute einer der aller- dedLutendsten unserer jüngeren Organisten, auf welche wir unsere Hoffnungen für einen konzert- mäßigen Gebrauch der Orgel und damit für die Entwicklung der modermen Musik überhaupt setzen. Seine hemmungslose, bis zur höchsten Stufe ge­stiegene Technik ersche'ntt im Dienste einer zu den Urgründen hinabdrrngenden Musikalttät. Eine gesunde reiche Phantasie, die in einer vor­nehmen Improvisation eigener Erfindung einen kühnen Ausdruck fand, gestattet ihm, gesichert und gebändigt durch ein starkes Stilempfinden, überraschende Kombinationen und eine Kunst der Registrierung mit weiten Perspektiven.

Schade, daß die schöne Walckerorgel, die für mein Empfind«^ allerdings von jeher einen etwa- schwffen, herben Charakter hatte, manche Wünsche (in Hinblick auf Intonation und Stimmung usw.) offen lleh und daher nicht allen Intentionen des Künstlers gerecht werden konnte. Man denkt bei dem Ramen Dalcker gar leicht an die Orgel ter Renioldokirche in Dortmund oder gerate jetjt an die Prätoriusorgel in Freiburg. Dr. H. R.

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