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Nr. 285

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Erster Blatt

172. Jahrgang

Montag, Dezember 1922

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vrttck und Verlag: vrükl'sche UniverfllStz-vuch- und Steinörucferei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Vachmirtag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen, 27 mm Breite örtlich 12 Mk., auswärts 15 Ulh.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 40 Mk. Bei Platz» Vorschrift 20' Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: 21ug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumlchein; für den Anzeigentett: Hans Beck, sämtlich in Bietzen.

Eine Rede des

Berlin, 4. Dez. (WTB ) Der Verein Berliner Presse cevanftallete li brn Räu men des Rrichswgs einen Empfang, zu dem au5er dem R ich.prüf d nten Gbe t, dr i Reich - kanzler Dr. Cuno und bcn meisten ÄaDinett8e Mitgliedern auch die Spitzen der Staats- und städtischen Behörden, die Präsidenten der Tara- mente sowie eine grobe Anzahl namhafter Parla­mentarier und Mitglieder der Gesellschaft er­schienen waren. Der Vorsitzende des Vereins, Georo Bernhard, betrübte zunächst drnReichs- präsibenlen, den Reichskanzler und die übrigen Gäste und führte dann in einer Ansprache Wei er au3: Seine Anschauungen auS ehrlicher sub­jektiver Lleberzeugu ng mit der ganzen Kraft seines Temperaments zu äubern, ist nicht nur daS Recht, sondern die p o l i t i s ch e Pflicht des Iournalisten Auf der Er­kenntnis dieser politischen Pflicht deS Journalisten bernrht die Achtung, die jeder Kollege dem Kollegen im gegnerischen Lager entgegenbringt, beruht aber auch die Achtung, bie der Journalist für sich selbst von ziHen Regierungen fordert, aus welchen Parteien die Regierung sich auch jeweils zu- fammensetzen mag. Die Meinung des Gegners müsse bekämpft, aber sie darf nicht gefälscht werden Die Ri.gie.ung ist im parlamentarischen System nicht mehr Obrigkeit, sondern ein Teil des Volkes s lbst, der von der parlamentarischem Mehr­heit mit der Fahrung betraut und mit der Ver­antwortung belastet wird. Die Presse, die neben der Regierung und dem Parlament ein selbstän­diger politischer Faktor in e nem freien Volke ist. entnimmt aus ihrer Mitverantwortung das Recht und die Pflicht, jede Regierung nach ihrer beson­deren Anschauung zu werten Aber die es Gefühl der Mitverantwortung gebietet der Pres e, gleich­zeitig der Uebermittlung von Kundgebungen der regierenden Männer an das deutsche Volk und an das Ausland zu dienen. Zum Schlub sprach Bernhard im Hinblick auf die politische Lage die Hoffnung aus, dab die Erkenntnis der Gemein­samkeit des europäischen SchickalS sowie die wei­tere Erkenntnis immer mehr Raum gewinnen, dab die Welt sich selbst helfe, wenn sie Deutsch- lanb helfe.

Die Rede Cunos.

Rach bet Rede Georg Bernhards nahm der Reichskanzler Cuno das Wort. Er führte aus, das festliche Beisammensein von Presse und Re­gierung im Hause des Parlaments sei die Folge von drei Faktoren, die für die Zukunft des deut­schen Volkes bestimmend sein wurden. Die Zu­sammenarbeit von Presse, Parlament und Regie­rung müsse zusammenklingen zu einem Akkord der gemeinsamen Arbeit, dem einen Ziel entgegen: dem Wohle und der Wtederaufrichtung des deut­schen Volkes. Die Presse sei freier: der Abge­ordnete sei nicht so frei und der verantwortliche Leiter der Regierung sei am wenigsten frei in seinen Säuberungen, Aber wenn Sprachen, Wege und Ausgangspunkte auf dasselbe Ziel gerichtet seien, dann werde das gegenseitige Verstehen einen lebendigen Gedankenaustausch und gegen­seitiges Geben und Rehmen bedeuten. Die Presse solle geben. Sie solle der Regierung ein zuver­lässiges und genaues Bild der Gedanken und Stimmungen im Volke geben, das hinter ihr steht, denn das Parlament und die Regierung könnten nur bestehen, wenn sie sich mit der groben Mehr­heit dsS Volkes in Uebereinftlmmung befinden. Ferner soll die Presse nehmen. Sie solle von der Regierung die Erklärungen entgegennehmen und sie dem Volke wahrheitsgetreu und objektiv übermitteln. So werde die Presse zwischen wech­selseitigem Geben und Rehmen zum eigentlichen Bindeglied zwischen Volk, Parlament und Re­gierung. Gewib werde die Presse wie die Mit­glieder dieses Hauses sich von Gegensätzen nicht frei halten formen und dürfen. Aber ihr Kampf solle nicht um des Kampfes willen, sondern um die Errichtung des gemeinschaftlichen Zieles zum Besten unseres Lawes und unseres Volkes ge­führt werden. Er begrübe es, dab ihm heute Gelegenheit gegeben werde, dem Zusammen­wirken zwischen Presse und Regie­rung Ausdruck zu verleihen, indem er den Vor­zug habe, ein Wort über die Arbeit der Regie­rung zu sagen. An den Richtlinien des neuen Kabinetts in der äufreren und inneren Politik, die vor genau neun Tagen von demselben Platz auS,gesprochen worden seien, habe sich nichts geändert. Er werde deshalb heute nur ganz allgemein sprechen. Er werde auch nicht so sehr als Leiter des neuen Kabinetts, sondern vielmehr von Person zu Person, von Mensch zu Mensch sprechen. Seit dem Bestehen des neuen Kabinetts habe die öffentliche Meinung begonnen, das Ka­binett nach den verschiedenen Methoden wissen­schaftlicher Forschung zu sezieren. Man habe die Parteizugehörigkeit der einzelnen Mitglieder ge­nau durchforscht. Man habe sich gefragt: Wie stehen diese Männer zum Parlament und wie zur Weimarer Verfassung? Wie stellt sich das neue Kabinett zu iXti tzrvben Problemen, die uns im Innern und nach auben hin täglich mit Sorge erfüllen? Ha, man habe sogar schon Mei­nungsverschiedenheiten zwischen Mit- aliebein des neuen Kabinetts herausgefunden und sich über die Lebensdauer der neuen Regierung ernste Gedanken gemacht. Die Mitglieder des Kabinetts aber hätten sofort ihre sachliche Arbeit, entsprechend dem im Reichstag verkündeten Ar­beitsplan, auf genommen. Ricmals sei im Kabinett von irgendeinem auch nur der leiseste Zweifel daran geäubert worden, dab dieses Kabinett auf dem Boden der Verfassung stehe, auf die alle Mit­glieder vereidigt seien, älnd sie seien gewohnt, ihren Aid zu halten. Auch von Meinungsverschiedenheiten

Reichskanzlers.

innerhalb Des Kabinetts habe er bisher nichts erfahren. Die Beziehungen zu den Ländern seien sofort aufgenommen worden in der Tleberzeugung, dab nur eine von dem Vertrauen der Länder getragene ReichZregierung in der Lage sei, die Einheit nach innen und auben zur Geltung zu bringen, die wir viel­leicht schon bald bitter nötig haben würden. Was die Sorge anbetreffe. wie lange diese Regierung wohl Regierung bleiben werde, so antwortete er darauf: Solange wir von dem Vertrauen des Volkes und des Parlaments ge­tragen sind, solange werden wir unsere Pflicht bis zum letzten Rest unserer Kraft tun. Aber auch nicht länger. Damit komme er zu dem Punkt, dec seines Erachtens von ausschlaggebender Be­deutung fei Es fehle an Vertrauen. An Vertrauen zwischen den einzelnen Volksgenossen, zwischen den verschiedenen Klassen und Berufs- schichten. Cs könne jedoch nur eine Arbeit, die von allen Volksschichten getragen werde, die sich der Rot der arbeitenden Klasse ebenso wenig vec- sch'.iehe wie der des Mittelstandes oder des Tlntetnehmertums, in der heutigen Zeit im Innern Früchte bringen. Dieses Ver­trauen müsse aber auf eine feste Grund­lage von Moral und Autorität gegründet sein. Die ,Umschichtung aller Volksschichten und auch der VermögensNasse sei so grundsätzlich, dab die ReichensichzwarderRechte abernicht cher Pflichten des Reichtums bemüht seien. Spiel und Tanz spielten eine ausschlag­gebende Rolle, während auf der anderen Seite viele Tausende von Volksgenossen in bitterer Rot verkümmerten. Das sei nicht das rechte Vertrauen, die richtige Hilfsbereitschaft. Selbst wenn die Re­gierung mit freigebiger Hand gebe, so sei dies nur ein Tropfen, der das Elend zu verhüten nicht hin­reiche. Er appell.ers desh lb an die private Hi fe des einzelnen. Der deutsche Volkstörper fei trank und müsse pfleglich behandelt werden. Es könne nicht alles umgestaltet werden, sondern es müsse auf der Grundlage unserer Verfassung weiter- gebaut und versucht werden, den Volkskörper ge­sund zu machen. Der Geist des Vertrauens im Innern müsse in die Welt hinausdringen und dort Vertrauen zu uns auslösen. Auch der Welt fehle das Vertrauen, und das sei der Grundstock allen Tiebels. Die Welt müsse wissen, day wir, ein Volk in tiefer Rot. ehrlich bestrebt sind, eine Losung der aubenpolitifchen Fragen zu finden, eine Lösung. die uns Arbeit und Existenz unter Erfüllung der vereinbarten Ver­pflichtungen ermöglicht. Solches Streben heibt, das Vertrauen der Welt wieder Herstellen. Das tut not; denn solange di e Völker ein­ander mit Mibtrauen gegenüber­stehen. kann keine gedeihliche Mit­arbeit erfolgen. Man hat namentlich in französischen Kreisen gefunden, dab meine Erklärungen zur Reparationsfrage ent- täuschen, und dab man den Willen vermisse, auch nur in dem Tlmfapg zu leisten, in dem es damals abgegrenzi war. Das ist irrig. Der Grundsatz, dab wir nicht mehr als im Rahmen der Rota vom 13. Aovember leisten können, kann den Ver­ständigen. der die deutsche Wirtschaft kennt, nicht enttäuschen. Eine andere, weitergehende Erklä­rung hätte nur einen Tlnverständigen, der die deutsche Wirtschaft nicht kennt, täuschen können. Hal jemals die völlige Vernichtung des Schuld­ners oder gar sein Selbstmord dem Gläubiger verhvlfen. seine Forderungen erfüllt zu halten? Oder ist es nicht richtiger, dab die beiden zu­sammentreten und mit ganz offenen Karten mit­einander zu verhandeln? Auch geschäftlich ist es klug und notwendig, die Grenzen des Haushalts nicht zu überschreiten. Diese Wahrhaftigkeit, ohne die die Lösung nicht gefunden werden kann, nehme ich für mich in Anspruch. Ich stehe seit längeren Jahren in der internationalen Arbeit und habe eine Reihe von Verträgen und Ab­machungen abgeschlossen, die dem Geist und dem Wort nach erfüllt worden sind. Allerdings, das Vertrauen von einem zum andern wird nur ge­schaffen werden können, wenn man in offenen Verhandlungen von Mann zu Mann einander gegenübersteht. Ich werde, wie ich es meinen Geschäftsfreunden gegenüber getan habe auch zu politischen Vertragsparteien sprechen und mich in keiner Weise Frankreich gegenüber anders als irgendeinem andern Partner der Welt gegenüber benehmen; denn wir müssen mit Frank­reich in Orbnung kommen, wo immer die Möglichkeit von Verhandlungen geboten wird. Rur durch solche Terljand- lungcn können die Grenzen des Möglichen, inner­halb deren wir leisten können, abgesteckt werden, nicht nur Ultimaten und Etnrna^jchdroHungen. Hinsichtlich der'ung der Reparations­frage werden die Mitglieder des neuen Kabinetts n ^ch t die Hände in den Schob legen und einfach warten, auch nicht auf das Mitleid anderer Aoer noch fehlt es am Glauben an die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit unserer Worte, den wir bean­spruchen dürfen. Immer erneut erleben wir. wie der Friede, den das deutsche Volk sucht, und dem es ehrlich dient, a u f der anderen Seite noch nicht waltet. Die Verkennung der von uns abgegebenen Er­klärungen, Geist undWortlautder n.ue- st en Rote aus Passau und Ingolstadt roie die zum Teil Wiede.' dementierten Wsich'.en und Stimmen, die aus den 'Beratungen t m Elyföe-Palast zu Paris herücerdrange t das alles klingt nicht danach, als ob überiH wahrer Friede und förderndes Verständnis für eine Zusammenarbeit der Völker schon ein» gezogen märe. (Sehr richtig!) Was der Rote

gegenüber zu sagen tft, das wird von der Regie­rung im Einvernehmen mit der bayerischen Re­gierung geprüft werden. Die Tatsachen werden festgestellt und wo tatsächlich Tlnrecht ge'chehcn ist. wird das älnrecht wieder gut gemacht werden Den Cinmarschdrohungen gegenüber aber, die im Rheinland beunruhigen, m einem La.rde. wo jeder Stein von deutschem Wesen spricht, allen diesen Drohungen gegenüber wollen wir mit einem Wort nur erflären, daß das Rhein­land fest zu Deutschland gehört und Deutschland fest zum Rheinland steht. (Stürmischer Beifall und Händellatschen.- Wir können und werden nicht z-t- lasfen. dab die Rhein lande, die Rheinprovinz, die Pfalz. Rhein- Helfen und das Saar gebiet jemals preisgegeben, ihre Befreiung ge­fährdet oder hinausgeschoben weede. Darauf können sich unsere Brüder und Schwestern am Rhein fest verlassen. (Wiederholt, (türm. Brifall und Händeklatschen.) Weriei die Hemm­nisse endlich überwanden, die einer sachltchenRege- lung der Reparationsftage -entgegenstrh»en. d imt wird endlich auch der feste Punkt ge.unben fein, die Wirtschasts - und Pre is fragen mit sicherem Erfolg der Gesundung entgegenzuführen. Entschlossen, schon vorher keinen Blick von diesem Problem zu lassen und alles zu tun, was nötig ist, erhebe ich den Appell an die Welt, es endlich zuzulassen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dab wir unser Volk aus diesem Wirbel und dem sprunghaften Steigen aller Preise dwch die Stabilisierung Der Mark end.ich retten können. Mehr a l s irgend ein an­derer 'Beruf leidet b i e Presse. Aus Hunderitausenden von Haushalten schwinden Zei­tung und Buch. Soll wirklich zur materiellen Ver­atmung die geistige Verkümmerung kom­men? ,?Tiag die Welt ein armes Deutschland sehen, ein seelisch armes Deutschland, ein Deutsch­land, das weniger geistig und weniger deutsch ist als das Deutschland voriger Zeiten, soll sie nicht sehen! (Bravo!) Ehre und Würde kann niemand von auben geben und nehmen. Unser Volk selbst hält sie unv wird sie halten und mehren. Alle die ernsten Sorgen, die uns hier erfüllen, schliebe ich ein in das Gelöb.ris: Dem deutschen ßanbe, das unser aller Mutterland ist, das jetzt nieder­gedrückt, beherrscht und besetzt, aus tau'end Wun­den blutet, dem deutschen Volle, das vier Jahre, nachdem die Waffen ruhen,' noch heute daS schwerste Schicksal eines Volles zu ertragen und die Tlngewibheit auf seinen Schultern lasten hat, diesem deutschen Lande und Volke gelte unsere gemeinsame Arbeit! (Anhaltender stürmischer Bei­fall und Händeklatschen.)

Eine bayerische Darstellung der Vorkommnisse in Passau und Ingolstadt.

München. 2. Dez. (WTB.) Zu den *Bor­te m m n i ff en in Passau und Ingolstadt wird amtlich gemeldet: Gelegentlich ter Kontrolle der hiesigen verbandsstaatlichen Distriktskommis- fion wurden am 24. Oktober in Passau und am 22. Rovcmber in Ingolstadt die Mitglieder dieser Kommission von Teilen der Bevölkerung schwer beleidigt und teilweise mit Steinen betoo/fevt. Diese Vorkommnisse wurden von den zuständigen Staatsbehörden sogleich eingehend unte s ch' und dabei festgestellt, dab den Polizeibehörden keinerlei Schuld beizumessen ist. schon des­wegen nicht, weil sie über das Eintreffen der ter» bandsstaatlichen Kommission nicht unterrichtet waren und Daher rechtzeitig polizeiliche Mahnah- men nicht treffen konnten. Die staatsanwaltschaft- liche Untersuch ung gegen die Täter ist noch im Gange. Die Städte Passau und Ingolstadt richteten an die hies.ge Kowrollkommis ion wegen der Vorkommnisse besondere Entschuldi­gungsschreiben. Darüber hinaus war es der Regierung auf Grund der Sachlage jedoch unmög­lich, die von der interalliierten Militärkontroll» fommiffion noch weiterhin verlangten Strafmab- nabmen (Versetzung des verantwortlichen Poll ei- chefs) vorzunehmen. Trotzdem machen nun die Ter- bandsstaat.m die örtlichen Polizeibehörden feierlich verantwortlich und verlangen von ihnen und von den beiden Städten die Erfüllung drückendster Verpflichtungen und aubervrdentlich hohe Geld­buben und Strafversetzungen und stellen bei Richt­erfüllung bis zum tO Dezember schärfste Sank­tionen in Aussicht. Das Verhalten der Bevölke­rung und ihre zunehmende Entrüstung über die dauernde demütigende Kontrolle ist für jeden national empfindenden Deutschen verständliche dennoch verlangt das Gebot der Stunde kluge Zurückhaltung und Beherrschung der inneren Gefühle. ES mutz den DerbandSstaaten auch der Schein des Rechtes genommen werden, uns immer wieder drückend« und gänzlich un­berechtigte Opfer aufzuerlegen.

Wegen der Fälle in Passau und Ingolstadt ist Bie bayrische Regierung mit der Reichs- reg ieru n g in Verbindung getreten.

München, 2. Dez (Wo.ff.) Wie die Korre­spondenz Hoffmann meldet, reift der bayrische Ministerpräsident Dr. v. K n i l l i n g am nächsten Montag nach Berlin, wohin der Reichsianzler die Ministerpräsidenten der Länder für den 6. De­zember zu einer Aussprache eingeladen hat. Der Ministerpräsident wird am Dienstag die An­gelegenheit der Sühneforderungen der interaHiierten militärischen Kontrollkommission mit den zuständigen Reichsstellen besprechen, nachdem er hier die notwendige Fühlung mit dem Landtag bereits genommen hat. Die Entscheidung der bay­rischen Regierung wird sofort nach der Rückkehr des Ministerpräsidenten getroffen und der Ceffent» lichkeit mitgeteilt werden.

Die französische Pfänderpolitik.

P a r i S, 4. Dez. (WTB.) DerTernpS" schreibt, nichts hindere die amerikani­schen Finanzleute, eine grobe Kre­ditoperation zugunsten der Reparatio­nen vorzuschlagen. Wenn beiartige An­gebote den alliierten Regierungen in präziser Form, mit geeigneten Garantien unterstützt, gemacht würden, müsse man f;e selbstverständ­lich Prüfen. Frankreich könne aber 1 e in Moratorium ohne Pfänder bewilli­gen. Man müsse sich erst damit beschäftigen, Pfänder zu nehmen, um sie im Interesse der Alliierten auSzubeuten; denn jetzt sei kein Platz mehr für grobe theoretische Programme, de­ren Anwendung die Wirklichkeit nicht gestatte.

Kein kurzfristiges Moratorium?

Paris, 4. Dez. (WTB.) Die Havas- a g e n t u r beschäftigt fick) mit der Frage, ob daS britische Kabinett beabsichtige, den Vor­schlag zu machen, Deutschland em kurzes provisorisches Moratorium von höchstens zwei Monaten zu gewähren. ES scheine sich hier um Verhandlungen zwischen den Kabinetten von London und Paris zu han­deln. Damals habe Donar Law die Ansicht ausgesprochen, es scheine ihm schwierig, die Reparationsfrage vor dem 31. Dezember zu regeln, weshalb man vielleicht ein Moratorium von ein oder zwei Monaten Dauer erwägen müsse. Donar Law werde vielleicht leinen festen Vorschlag machen, sondern nur Poin- care befragen. Der französische Mi­nisterpräsident habe sich aber ge­gen den Gedanken eines Morato­riums gewendet, und sich, da Donar Law nicht nach Paris gehen tihne, entschlossen, nach London zu reisen, um jede Verzögerung zu vermeiden, die die Regelung der Frage vor dem 1. Januar behindern könnte. Hierdurch sei der Vorschlag der britischenRe- gierung f>inf ällig geworden.

Sparsamkeit in der französische» Wiederanfbaupolitik?

Parts, 2. Dez. (WTD.)IournHe in­dustrielle" weist darauf hin, dab auf die Ini­tiative der Regierung das Dudget des Mini­steriums für die befreiten Gebiete für 1923 u m fast 140OMillion. FrankSherabge- s e y t werden soll. Das Dlatt zieht daraus Schlüsse auf eine gewisse Reuorientie­rung der französischen Repara­tionspolitik. Die bisherige Auffassung ist von dem Grundsätze ausgegangen, Deutschland würde bezahlen. Daher machte man Ausga­ben über Ausgaben, ohne zu rechnen. Künftig werde der Wiederaufbau unbedingt abhängig sein von der Energie, womit Frankreich als Gläubiger gegenüber dem deutschen Schuldner vorgehe und tatsächliche Zahlungen erziele. Die Finanzierung des Wiederaufbaus be­herrsche jetzt die ganze Aubenpolitlk Poin- careS.

Die Bezüge der Mitglieder der interalliierten Kontrollkommission.

Derlin, 2. Dez. (Priv.-Tel.) Wie die Dlätter mitteilen, sind die Dezüoe der Mitglieder der interalliierten militärischen Kontrollkommissio­nen wieder einmal erhöht worden. DiS 1. September erhielten neben den Heimatbe­zügen und freier Wohnung: der Vorsitzende General Rollet 310 800 Mark, die Generale 229 425 Mk., die Obersten und Oberstleutnants 163 875 Mk., die Majvre 147 525 Mk., die Hauptleute und Leutnants 139 275 Mk., die Anterofiziere 75 750 Mk., Gemeine 45 900 Mark monatlich. Die Dotschafterkonferenz be- schlotz nun, dab diese Dezüqe mit Rückwirkung vom 1. Oktober zu verdreifachen sind.

Lord d'2lberuorr in London.

London, 2. Dez. (WTD.) Reuter. Der englische Dotschafter in Derlin, Lord d'Abernon, ist hier eingetroffen und hat sofort das Foreign Office aufgesucht, wo, wie verlautet, die Reparationsfrage durch­gesprochen wurde.

(Sine Meihnariitssammfnng der NenhorkerStaatszeitung".

Derlin, 2. Dez. (WTD.) Die Reu» YorkerStaatszeitung" hat zur Lin­derung der Rot in Deutschland eine Weih­nachtssammlung eingeleitet, der sich die mit ihr verbundenen deutschen Dlätter ange­schlossen haben. Der Reichspräsident hat sich auf Wunsch derStaatszeitung", die sich mit 1000 Dollar an die Spitze der Sammlung stellte, gern bereit erklärt, den Ertrag der Spende entgegenzunehmen und für zweck- mäbige Verteilung zu sorgen. Als vorläufiges Ergebnis der Sammlung Überreichte nun die­ser Tage der hiesige Vertreter derStaats­zeitung" dem Reichspräsidenten 1 2 000 Dollar. Der Reichspräsident lieb der Staatszeitung" und allen Spendern für die tatkräftige HUfe herzlichsten Dank üüermtt*