Nr. 260
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Samstag, 1. November 1922
172. Jahrgang
erstes Blatt
SietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Die Ueberreichung der Finanzdenkschrift an den Reparationsausschuß.
Wochenrückblick.
Der Dollar auf über 6000 Mark! Wie mag dieses neue drohende Zeichen des Niederganges der deutschen Währung auf die ReparationSkvmmissivn wirken? Ein Wort aus ihrem Munde könnte Wunder tun, aber sie findet dieses Wort nicht, und die „freundliche Sachlichkeit", mit der ihr Wortführer, Herr Barthou, verhandelt, hat dem Verderben keinen Einhalt geboten. Alle deutschen 'Börsenwerte sind in den letzten Tagen in der Anpassung an die gesunkene Mark im Kurs auf ungeheure Ziffern gestiegen, einige Kuxen auf mehr als das Doppelte ihres bisherigen Standes. Das ist die Flucht vor dem Wertschwund unseres Papiergeldes, und wir sehen alles als Zeichen eines abschreckenden Mißtrauens in das Wollen dieser von den Siegermächten eingesetzten Instanz, die allerdings seit ihrem dreijährigen Bestehen das Feuer der wirtschaftlichen Verelendung dcr Völker nur geschürt hat. Wenn ihr in der deutschen Reichshaupfftadt nun die Flammen ins Gesicht schlagen, so dürfen wir daraus immer noch nicht hoffen, daß das erlösende Wort nun fallen werde. Herr Barthou verbirgt hinter der sachlichen Miene die Geduld des Fallenstellers, der auf sein Opfer wartet. Die Psänderpolitik am Rhein ist ihm und seinem Freunde Poincare der Weisheit letzter Schluß. Das konservative englische Kabinett wird sich, trotz des WarnungSrufeS des „Manchester Guardian", nicht dagegen zu Taten aufraffen. Herr Donar Law hält nur farblose Zauderreden, und die Politik dieses iraben Mannes ist nur von eines Gedankens Blässe angekränkelt, daß es ihm nämlich recht bald vergönnt sein möge, einem Staatsmanne von festerem Willen Platz zu machen, damit die erwünschte Zielstetigkeit der englischen Politik endlich Wirklichkeit würde.
Es handelt sich gleichwohl in Berlin jetzt um ein tragisches Ringen des guten und des bösen Geistes, um Sieg oder Niederlage des wirtschaftlichen Gedeihens. Der Reichskanzler Dr. Wirth hat angesehene WirtschastS- gelehrte des Auslandes als Richter darüber angerufen, welche Schlußfolgerungen aus der unhaltbaren Lage gezogen werden mühten. Er hat ihnen, wie einem Tribunal, bestimmte Fragen unterbreitet, die uns Rückschlüsse gestatten auf den Inhalt der zur Stunde noch unbekannten Denkschrift, in welcher die deutsche Regierung der Reparationskommission eine Reihe von Vorschlägen unterbreiten will. Der Kern der Lösung sitzt in der zweiten Frage, die er stellte: „Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, um eine Stabilisierung der Mark zu ermöglichen?" — Wir wissen es längst: Die Deutschland auferlegten Lasten sogenannter Reparation müssen auf einen kleinen Bruchteil herabgemindert werden, damit das Ausland auf die Wiedergenesung Deutschlands überhaupt vertrauen kann. Auch der Reichskanzler Dr. Wirth kennt diese Wahrheit, aber er hat es bisher noch nicht verstanden, hinter dieser Wahrheit unsere ganze Volkskraft einzusehen. Er regiert mit einer Hälfte des deutschen Volles, hat vieles getan, um die innerpolitischen Ziele dieser Hälfte zu verwirklichen, aber wenig, um die Nation zu einigen und diese Einigkeit der von außen her geübten Versklavungs- Politik entgegenzustellen. In der Schicksalsund Entscheidungsstunde gewährt ihm die sozialdemokratische Partei nur schwache Stütze. War an der auch von uns wiedergegebenen Denkschrift der Gewerkschaften Vieles richtig, so fällt das sozialdemokratische Zentralorgan, der „Vorwärts", der deutschen Sache wieder einmal heftig in den Rücken. Das Blatt wirft dem Reichskanzler Einseitigkeit in der Auswahl seiner Sachverständigen vor! Sie seien alle Anhänger HavensteinS, der auf dem Standpunkt stehe: nur beileibe nichts tun und unter keinen Umständen den Goldschatz der Reichsbank produktiv verwenden. Dann fährt der „Vorwärts" wörtlich fort: „Wir _ glauben nicht, daß dieser Zu ft and, der den ausländischen Unterhändlern doch nicht verborgen bleiben kann, ihr Zutrauen zu dem guten Willen Deutschlands erhöht." Noch mehr Scheite ins Erfüllungsfeuer, das ist die Losung dieses Blattes, das für die Vereinigte sozialdemokratische Partei und die „hinter Zentrum und Demokratie stehenden Arbeiterschichten" die Meinung vertritt, der Sturz der Mark sei aufhaltbar. Hier wird also eine Schuldfrage wieder einmal zu ungunsten Deutschlands beantwortet. „Nichts hat uns," so >erklärt der „Vorwärts", „im In- und Auslande bisher so stark geschadet, wie unsere Tatenlosigkeit, verursacht durch die Resignation unserer maßgebenden Wirtschaftskreise." Sogar dem ..Berliner Tageblatt" erteilt das Blatt in diesem Sinne eine Zurechtweisung, weil es aus Hamburger
Handelskreisen sich eines anderen hatte belehren lassen.
Der Reparationskommission liegt es ob, durch bessere Sachkunde die Wurzel des AebelS zu beseitigen. Es heißt, die deutsche Regierung habe das Angebot einer auSländi- chen Anleihe erhalten, das dem ReparationS- ausschuh zur Genehmigung vorgelegt werden olle. Zahlungsaufschub für die Reparationen, die schleunigst auf ein vernünftiges Maß reduziert werden müffen, und ausländische Anleihe — das sind in der Tat die einzigen Rettungsmittel. 2llleS andere sind Zweckmäßigkeitsfragen zweiten Ranges, in denen ich für eine große Volksmehrheit bei richtiger Führung doch wohl auch eine Einigung finden lassen müßte. Man wäre versucht, die Italiener um ihren Mussolini zu beneiden, der innerhalb der deutschen Verhältnisse allerdings keine Gewaltpolitik treiben dürfte, denn daran haben wir genug in der Erinnerung an die Novembertage. Wohl aber würde uns etwas von diesem National sozialismus wohl tun, dem es gelingt, die Parteiketten zu zerreißen und große nationale Volksziele auszurichten. Wir schweben in der schlimmen Ge- ahr, daß uns die kalte Höflichkeit der Reparationskommission eine Finanzkontrolle und Drangsalierung des deutschen Wirtschaftslebens aufnötigen wird, wogegen wir nichts eintauschen können als falsche Wechsel auf die Brüsseler Finanzkonferenz. In dieser Beziehung weissagt uns die innerpolittsche Kon- tellatton nichts Gutes. Ohne gediegene Politische Grundlagen aber ist von internationalen Finanzkreisen nicht viel zu hoffen; sie bieten noch immer bas Bild jener „verdrossenen, dickschnutigen, nichts leihenden Welt", über die Rabelais' trefflicher Panurg sich so ergötzlich beschwert, indem er in sein lustiges Kapitel von Schuldnern und Gläubigern auch die aktuelle Sentenz mischt, daß die Menschen geboren sind, einander zu helfen und beizustehen. Solche Weisheit in Scherz und Ernst rührt heute das französische Volk nicht mehr. Dafür hängt es desto hartnäckiger an den aufgeblasenen Vorbildern abenteuernder Welteroberer, die seine Literatur satyrisch so oft in buntesten Farben schillern läßt und auch in der Geschichte nicht selten als typische Dertteter eines an- mahlichen Nationalismus auftauchen,
Brüskierung Deutschlands auf der internationalen Arbeitskonserenz.
Genf, 3. Nov. (Wolff.) Die internationale Arbeitskonferenz hat es in der heutigen Bormittagssihung ab gelehnt, in eine Besprechung der Äusschuhanträge, barunter den gestern beschlossenen Antrag des Tlnterausschusses über die neue Amtssprache, einzutreten, sondern beschloß, alle diese Anträge ohne Besprechung dem Verwaltungsrat zu überweisen mit Ausnahme des Antrages, der eine Dankkundgebung für die Schweiz darstellt. Der Antrag des deutschen Regierungsvertreters, Dr. Lehmann, auch den Spra^nantrag auszunehmen, da die deutschen Delegierten hierzu wenigstens eine Erklärung abgeben müßten, wurde abgelehnt.
Genf, 3. Nov. (WTB.) Die Behandlung der Frage über die Einführung der deutschen Sprache als dritte Amtssprache fand m dec heutigen Schlußsitzung der Internationalen Arbeitskonferenz einen ziemlich aufregenden Abschluß. Kurz vor Beginn der Nachmittagsdebatte verlangte der deutsche Arbeitnehmervertreter Reichsminister a. D. Wifsell das Wort zur Geschäftsordnung. Er er Härte mit ernster Stimme und nachdrücklicher Betonung folgendes: Wir werden auf der nächst en Konferenz Mittel und Wege finden, damit den Vertretern es nicht mehr im Reisefieber des Auseinandergehens unmöglich gemacht wird, Fragen zu besprechen, die im Interesse der Sache liegen. Ich weiß nicht, ob ich 1923 wieder hier stehen werde. Aber das weiß ich und muh ich erklären, daß ein Gefühl tiefster Erbitterung und tiefsten Schmerzes die Herzen von Millionen von Arbeitern erfassen wird, wenn ich ihnen erzähle, daß es einem Vertreter hier nicht möglich war, ihre Interessen auszudrücken. Der Präsident der Konferenz hat mir unmittelbar versprochen, daß ich hier zu Worte kommen würde. Das hat die Konferenz unmöglich gemacht. Aber, meine Herren, auch ein Volk, das so tief gestürzt ist wie wir, hat das Recht, den Kopf hoch zu tragen und den Glauben an die Zukunft nicht zu verlieren.
Diese mit großer Eindringlichkeit und tiefer innerer Erregung gesprochenen Worte lösten einen sichtbar starken Eindruck aus. Ein Teil der Versammlung sowie der Präsident brachen in Beifallklatschen aus. Wissell kehrte an seinen Platz zurück, um die französische Llebersetzung der Rede abzuwarten. Dann erhob sich die gesamte deutsche Abordnung und verlieh geschlossen den Saal. Nachdem die deutsche Abordnung den Saal verlassen hatte, ergriff Präsident B u r n h a m das Wort und er- klärte, es sei in der Tat richtig, dah er Wissell versprochen habe, ihm das Wort in der Sprachenfrage zu geben. Die Konferenz sei nun einmal souverän in ihrer Entscheidung. Hierauf hielt Burnham die Schluhrede.
Berlin, 3. Nov. (WTB.) In einer Besprechung mit den Mitgliedern der Reparationskommission hat der- Reichs- finanzministe r eine schriftlich e A Um arbeitung über die schwebende Schuld und die Stabillsierung der Mark überreicht. Die Mitteilung weiterer schriftlicher Unterlagen wurde vereinbart. Die Besprechungen nehmen Anfang nächster Woche ihren Fortgang.
Der Inhalt der Denkschrift.
Berlin, 4. Nov. lieber den Inhalt der gestern von der Reichsregierung der Reparationskommission überreichten Denkschrift weis eine sozialdemokratische Korrespondenz mitzuteilen, dah in der Denkschrift einleitend daraus hingewiesen wird, daß eine Stabilisierung der Mark gleichzeitig mit der Balancierung unseres Etats erfolgen müsse. Unter Hinweis auf die deutsche Steuergesetzgebung und die Verausgabung eines Teils des Reichsbankgoldes zu Stabilizierungszwecken begründet die Denkschrift dann die Zwecklosigkeit von Stabilisierung sm ah- nahmen im Inlande ohne äußere Hilfe. Eine große äußere Anleihe werde als Voraussetzung zu einer Stabilisierung der Mark für unbedingt notwendig erachtet. Unter der Voraussetzung, daß eine solche äußere Anleihe zustandekommt, sei, wie es in der Mitteilung der Korrespondenz heißt, die Reichsregierung nicht abgeneigt, auch den Goldbestand der Reichsbank tell- weise zu Stützungszwecken der Mark zu verwenden. Die Denkschrift verweise darauf, dah eine äußere Anleihe aber nur bann möglich sein werbe, wenn die durch das Londoner Diktat geforderten deutschen R e p a r a t i o nS- verpflichtungen einer Revision unterzogen würden und eine langfristige Stundung eintrete. Die Regierung bezieht sich bei dieser Feststellung besonders auf den Beschluß der Pariser Bankierkonferenz. Eine Stundung der Sachleistungen wünsche die deutsche Regierung nur für Materialien, die nicht ausschließlich für den Wiederaufbau Nordfrankreichs Verwendung finden. Die Kosten für die Wiederaufbaulieferungen wolle die Regierung möglichst durch eine innere Anleihe aufbringen. Die Denkschrift, die eine Erhöhung der Einnahmen und eine Verringerung der Ausgaben des Reiches anzustreben verspreche, führt zum Schluß eingehend den Beweis, dah eine Finanzkontrolle über Deutschland nur eine Schädigung der deutschen und damit der Interessen der Ententeländer herbeiführen müsse. — Wie das > „Tageblatt" hört, habe Reichsfinanzminister Dr. H e r m e s die Heber» reichung der weiteren schriftlichen Mitteilungen, die sich auf Einzelheiten des Antrages auf Beschaffung einer Goldanleihe im Ausland beziehen, Sonntag früh in Aussicht gestellt. Die Reparationskommission werbe sich heute versammeln, um zu der Lage Stellung zu nehmen.
Aenßerungen Bradbnrys.
Paris, 3. Nov. (Wolff.) Der Berliner Korrespondent der „Chicago Tribüne" hatte eine Unterredung mit Bradbury, der u. a. erklärte: „Die Atmosphäre hier ist für die jetzigen Verhandlungen nicht ungünstig. Der Rücktritt Lloyd Georges hat, obwohl er wahrscheinlich tm Agenblrck keinen Wechsel in der englischen Regierung Hervorrufen wirb, auf die französische öffentliche Meinung einen günstigen Einfluß gehabt. In Berlin haben wir den Reichskanzler unb den Reichsfinanzminifter aufs äußerste angespannt vorgefunden, um ber Reparationskvmmission einen Einblick in die tatsächliche Lage Deutschlanbs zu verschaffen. Die Frage ist an und für sich äußerst schwierig. Wenn die Kommission von Paris aus eine Kontrolle auszuüben wünscht, drohen zwei Gesahren: Die eine besteht darin. ba6 die Deutschen erklären würden, die Ratschläge der Repara- tionskommission seien undurchführbar. Wenn sie andererseits diese Ratschläge annähmen und nachwiesen, dah sie fehlgingen, dann wird die Verantwortung die Reparationskommission treffen. Deshalb sollte die Reparationskommission nach Berlin übersiedeln und vollständig für die Kontrolle im Einverständnis mit der deutschen Regierung organisiert werden. Die Situation erfordert größte GeduLd.
<§ine Entschließung des Reichswirtschaftsrats zur Stabilisierung derMark.
Von einem gemeinsamen Unterausschuß des finanzpolitischen und wirtschaftspoli- tffchen Ausschusses des Reichswirtscha fts- rata wurde, den Blättern zufolge, ein Gutachten ausgearbeitet, das folgende Voraussetzungen für eine dauernde Stabilisierung der deutschen Währung vorsieht:
1. Eine Neuregelung der Reparationsverpflichtungen, die Deutschland eine mehrjährige Atempause zur inneren Kräftigung gewährt.
2. Eine Sanierung des öffentlichen Haushalts. Es ist unbedingt geboten, schleunigst für den gesunkenen Geldwert entsprechende Mehreinnahmen zu schaffen, daneben für eine
möglichste Ermäßigung der Ausgaben zu sorgen, insbesondere durch Sparsamkeit und Vereinfachung in den öffentlichen Betrieben und Verwaltungen.
3. Eine Intensivierung undRatio- nalisierung der Produktion. Als Einleitung der nur unter diesen Voraussetzungen zu erreichenden Stabllisierung müsse jetzt eine Regulierung des Markkurses einsehen, die der künftigen Stabilisierung den Weg bahnt. Dazu sei erforderlich, dciß der Wirtschaft für die nächste Zeit diejenigen Devisenbeträge zur Verfügung gestellt werden, die sie für den unmittelbaren realen Bedarf nötig hat. Dabei sei die Mitwirkung der Reichsbank nicht zu entbehren. Voraussetzung fiir dieses Vorgehen sei die Zustimmung bet Reparationskommission unb die Erlangung einer auswärtigen Reparationsanleihe. Der Ausschuß empfiehli ferner die Ausgabe eines wertbeständigen Anlagepapiers, das die natürlichsten Bedürfnisse weitester Volksschichten nach Erhaltung ihrer Vermögenssubstanz befriedigt, sie vom Kauf von Devisen abhält und dadurch die normale Spartätigkeit wieder erhöht und anregt, ohne die ber Wiederaufbau und die Stärkung der Produktion nicht geleistet werden könnten. Der Ausschuß hält es auch für erwägenswert, die Goldanleihe noch mit einer kurzgesicherten Kreditaktivn für Industrie, Gewerbe, Handel und Landwirtschaft zu verbinden. Für eine unsundierte Goldanleihe des Reiches würde der Ausschuß die Verantwortung ablehnen.
Zur Erhöhrnrg der Postgebühren.
Berlin, 3. Nov. (Wolff.) Im Reichs» tagsausschuh für Postangelegen- heiten begründete ber Reichspostminister die Erhöhung ber Gebühren mit der fortschreitenden Geldentwertung Ein Tell des Fehlbetrags sei allerdings durch Vereinfachungsmaßnahmen im Personal unb Betriebs wesen ausgeglichen worden. So sei durch die Verlleine- rung des Deamtenkörpers eine Kürzung dec Ausgaben um 3 Milliarden erzielt worden. Eine Aussicht auf eine weitere Minderausgabe eröffne sich durch die im Gange befindliche Abgabe von entbehrlichen Beamten verschiedener Besoldungsgruppen an andere Verwaltungen. Trotzdem feien die neuen Vorlagen, die bei der Briefpost unb beim Fernsprechverkehr eine lOOProzentige und bei der Paketpost eine knapp öOprvzentige Erhöhung vorsehen, und die spätestens am 15. November in Kraft treten sollen, nötig. Bei ber Abstimmung wurden bte vvrgeschlagenen Erhöhungen ter Postgebühren angenommen. Danach kosten: Porto für eine Postkarte im Ortsverkehr 3 Mark, tm Fernverkehr 6 Mark, für einen Brief im Ortsverkehr bis 20 Gramm 4 Mark, einen Brief im Fernverkehr bis 20 Gr. 12 Mark usw. Auf Vorschlag des Abgeordneten R i p p l e r (D. Vp.) kam eine Entschließung zustande, worin die Regierung ersucht wird, von der Wiederein- sührung des Zeitungsbestellgeldes im Verordnungswege abzusehen. Angenommen wurde auch eine Entschließung ter Demokraten, wonach die Reichsregierung eine Nachprüfung ber Bestimmungen für die Beförderung von Drucksachen vornehmen solle, insbesondere ob eine Vereinfachung möglich fei. Bezüglich der Fern- fprechgebühren wurde eine Entschließung des Abg. Kopsch (Dem.) angenommen, wonach die Regierung prüfen soll, ob bei künftigen Gebührenregelungen die Fernsprechgebühren mehr nach s o - zialen Gesichtspunkten gestaltet werten könnten.
Ein Konflikt der hessischen Regierung mit dem Reiche?
Berlin, 3. Nov. (WTB.) Die hessische Re» gierung hatte im Oktober durch eine Verordnung auf Grund des Artikels 48 Absatz 4 ter Reichsverfassung die Ausfuhr von Kartoffeln für Hessen bis zum 4. November verboten. Der Reichspräsident hatte, dem „Berl. Tageblatt" zufolge, gegen die Verordnung sofort Einwendungen erhoben und die hessische Regierung zunächst um Aufhebung gebeten. Die hessische Regierung ist oer Ditte unter Hinweis auf das Beispiel Bayerns in ter Frage der Schuhgesehgebung nicht nachgekommen. Daraufhin stellte ter Reichspräsident, dem Blatte zufolge, gestern auf Grund des Artikels 43 Absatz 4 Satz 2 ter Reichsversassung das Verlangen auf Außerkraftsetzung der Verordnung.
Die finanzielle Wiederausrichtung Oesterreichs.
Wien, 3. Nov. (WTB.) Die Mitglieder ber Dolkerbunbsdelegation haben die Vertreter ter ausländischen Telegraphenagenturen empfangen und ihnen unter anderem folgendes mitgeteilt: Das österreichisch? Parlament hat heute ben ersten Schritt zur Ausführung des Programms des Völkerbunds rates für die Wiederaufrichtung Oesterreichs getan. Es hat bas Gesetz angenommen, das dazu bestimmt ist, das Defizit des Staatsbudgets für 1923 zu decken, ohne dah zu einer neuerlichen Ausgabe von Papiergeld geschritten werden muh. Der langfristige Völlerdundsk'-edit kann natürlich nicht vor Degnn des Jahres 1923 genährt werden da die Gen,er Protokolle vorher seitens ter Parlamente der Staaten, die Garantien hierfür versprechen, ratifiziert werden müssen. Der Plan des Döllerbundsrates hält es jedoch für richtig, daß ter Neudruck von Banknoten sofort auf«


