Ausgabe 
4.7.1922
 
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DAS Stadt und Land.

Gießen, den 4. Juli 1922.

Heber den 43. Stenographentag des Der- bMldes Gabelsderger Stenographen vom Hessisch - Nauffauischen (Rhein - Maingau) Verband

teilen wir in Ergänzung unseres gestrigen De- richts noch folgendes mit:

Am Sonntagnachmittag strömten die Steno­graphen nach dem Philosophenwald, um das ErgebnisdesWettschreibens entgegen­zunehmen. Das Resultat war ein sehr erfreu­liches. denn es war in allen Abteilungen gut gearbeitet worden, so daß noch 96 Wettschreiber mit Ehrenpreisen belohnt werden konnten.

Auch die Gießener Stenographen betei­ligten sich erfolgreich. Es wurden nach der folgen­den Aufzeichnung, in der G Gesellschaft, V = Verein von 1861, D Damenverein, E--Ehren­preis, P = Preis. LE Lobende Erwähnung bedeutet, ausgezeichnet: 240 Silben: 3. P. August Hirsch. G. 200 Silben: 1. P. u. E. Karl Hammel, M Elfriede Winzer, D, 1. P. Johanna Werner, Elli Dingel, G, 3. P. Karl Kolbe. V. 180 Silben: 1. P. u. E. Dabette Eckert. D, Georg Wahl, G, 1. P. Tilla Wadenpfuhl, G. 160 Silben: 1. P. u. E. Karl Mattern, G, Lina Wahl, Melitta Charak. D. 1. P. Therese Schmal!, D, 2. P. Life! Sich, G, Luise Zinser, D, Wilh. Jlge. V, Wilh. Philipp, Anna Schäfer, G. Josef Schmidt, G, 2. P. Emilie Prang, D, 3. P. Theodor Hahn, D. 140 Silben: l.P. Willy Philipp, Anna Schweitzer. Daniel Schäfer, G 120 Silben: 1. P. und E. H. F. Schirmer, G, Heinr. Konrad, V, 1. P. Maria Graf, G, Hans Seibert, V, Luise Eckert, Lydia Bechtold. Käthe Decker. Käthe Wilke, D. 2. P. Anni Storto, G, Gertrud Götz, D. 100 Silben: 1. P. u. E. Rudolf Diehl, V, 1. P. Elisab. Kra­mer, Hilde Sparing. Willi Weber, Leonhard Kroll, Lilli Fourier, Karl Pfeil Heinrich Graf, Ottilie Treser, Else Drott, Johanna Flamme, Heinr. Schneider. Karl Krebs. Karl Rage!, Hein­rich Gaub, Hans Honig, Karl Appel, G. Elisabeth Jalvb. Luise Rohrbach, D, Fritz Schupp, Otto Renke!, Marl List, V, 2. P. W. Roll, V, Erich Arnocd. Richard Sommer, V, Hanni Pfeiffer, Gretel Pechtolö, D, Hedwig Mayer, Heinr. Joedt, Fritz Del us, Hans Pfaff, Berta Löber, G, 3. P. Karl Sommer. Willy Rinn, Fr. Schick, G, L. E.: Karl Decnd. V.

Als besonders bemerkenswert seien außer den vopsteher.den noch folgende Resultate ge- itannf: In der Abteilung 320 Silben errangen den 1. und Ehrenpreis Frieda Mandavid, Mainz Bg.. den 2. Preis Dr. Anton Dietz, Reu- Isenburg. C<n der Abteilung 300 Silben gewann den !. und envreis Johannes Plätters, Mainz Dg. In der Abteilung 280 Silben wurde Adam Heißnev. Weisenau-Mainz Dg. mit dem l. und Ehrenpreis ausgezeichnet. In der Ab'n--: 76'- S-'lben erhielten den 1. Preis und ünij .:n< Hans D. Linz, Offenbach. D. Otto W a ch e l a . Frankfurt Pr.. Ernst S ch n ü t - gen, Wiesbadcu, Willi F r i e b e l, Kassel, Hch. Jacobi, Frankfurck-Süd, Ges. und den 1. Preis Karl Rockel, Frankfurt Pr. In der Abteilung 240 Silben konnten verliehen werden: der l.Pr. und Ehrenpreis an Maria Fischer, Königstein- Höchst a. M. und der 3. Preis an Willi Koch, Mainz Dg und Aug. Hirsch, Hanau a. M. Dg.

, Am Sonm gabend fand die Feier des 2 5 j ä h- r i g e n Bestehens der Stenographen- Gesellschaft in der Turnhalle und dem Kauf­männischen Pgreinshaus statt. Auch zu dieser Feier hatte sich in dankbarer Weise der Gesang­verein .,H e i! e r k e i t" zur Verfügung gestellt, und ebenso erfreute der -Zither- und Mandolinen- verein ,,R e a p o l i t a" durch seine Vorträge.

Der 1. Vorsitzende des Stenographenvereins von 1861, Herr Hasenkrug, überreichte im Ramen des Vereins und des Damrn-Vereins der Gesellsch,ift unter Giürl wünschen eine Gabelsber- Lcr-Gedenimnnze. Herr G r a v e l i u s ülerreichte Fm Auftrage der Gesellschaft unter Dankrsworten dem 1. Vorsitzenden Herrn Fst'el Dalken und dem Rechner Herrn August Siebert für ihre treuen Dienste eine Ech.:ngghe.

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FsuiVetrrn,

Graf Wald^see über PismarokSMeister- W'z von 1871.

Die Erimrei ungen des Eeueralfeldmarschalls Grafen Waldcrsw, die Heinrich Otto Meisner in derDeutschen Revue veröffentlicht, enthalten in ihrem Schlußabschnitt ein befairders interessan­tes Kapitel, nämlich Div Tätigkeit Waldersees als Geschäftsträger gleich nach dem Friedensschluß von 1371. D r Graf überuah'm auf besonderen Wunsch Dis-uarcks den schwierigen Posten, bei dem es sich in erster Linie um Festsetzung der Zahlungsbei i a.ungen für die Kriegsentschädigung handelte, u:-d uurde dann Anfang September von dem eigentlichen Gesandten Graf Harry Arnim abgelöst. Als er nach Paris kam, stand die Stadt noch völlig unter den Rachwirkungen der Kom­mune und bot ei.<en höchst traurigen Anblick. Aber das äußere Leben und Treiben entwickelte sich von Tag zu Tag mehr und mehr und war schließ- lid-- zu Waldorsees Erst «inen fast wie vor dem K'icge. Zu den leitenden Persönlichkeiten unter­hielt ci die besten Brzic hangen und gibt ein­drucksvolle CHaralterisjiken von Thiers und Favre.Herr Thiers war das Abbild des Fran­zos« n älterer Schule! ein kleines, etwas zur Kor­pulenz neigenden Männchen mit einer Drille vor den großen Augen, sehr lebendig und eigentlich immer sprechend, aber so, daß man ihm gern zu­hörte: er wechselte schnell mit den Themen, täm von G.s t.ästen auf Militaria, Geschichte. Politik, dann u i .er auf Geschäfte und so fort. Ein sehr ge- schestcr, kenntnisreicher und höflicher Mann, mit dem das Temperament oft durchging. Ratürlich fehlte die Eitelkeit nicht und offenbarte sich mit­unter recht komisch, so wenn Becthiers auf mili­tärischen« Gebiet sein Urteil haben wollte, wenn er, wie das späterhin geschehen ist, bei einem Schieß'oersn.ch im Käppi erschien Er lebte zu­sammen mit Frau und Schwägerin, ein Paar un- liebcnswürtzige unb mißvergnügte Vertreterinnen des schönen Geschlechts. Ich habe es mehr-mals gesehen und sogar am lauten Schnarchen gehört, daß Madame Thiers in ihren Soirieen einschlief. Anfangs wunderte ich mich, doch sagten mir Fran­zosen entschuldigend, das sei so die Regel. Der Alte steht früh 5 älhr auf, ist im Gange bis l/27 Uhr abends, legt sich dann eine Stunde zu Bett und diniert um 8 Uhr, worauf stets Envp- fang folgt, der bis gegen Mitternacht dauert. Die Damen behaupteten, du fie mit dem Alten

Verschiedene R^mer brachten der Gesellschaft Glückwünsche dar, und die seit dem Gründungs- jahr der Gesellschaft angehörigen Mitglieder Hch. Rau und Karl Heinrich Kuhl, welche sich um die Stenographie und die Gesellschaft sehr ver­dient gemacht hatten, wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Die Herren Adam, Delz, Kinkel, Muhl und Rühl erhielten für ihre langjährige treue Zugehörigkeit zu dec Gesellschaft Diplome. Zwei Gründer der Gesellschaft, das Ehrenmit­glied Otto Mandler aus Schmalkalden und Karl Weidmann aus Bad-Rauheim hatten es sich nicht nehmen lassen, der Jubelfeier beizu­wohnen. Auch die Feier des Stiftungsfestes nahm einen glänzenden Verlauf. Sehr zu bedauern ist es, daß Gießen leider keinen größeren Saal auf- weisen kann, in der derartige große Tagungen und Feiern abgehalten werden können.

Der 14ontag führte noch eine große Anzahl auswärtiger und hiesiger Kunstfreunde vormittags und abends im Frankfurter Hof und nachmittags aut der Hardt zusammen. Daß es den fremden Gästen außerordentlich gut in Gießen gefallen hat, wurde in vielen Ansprachen der auswärtigen Ver­treter zum Ausdruck gebracht.

Ort für den luchsten Derbandstag ist Wiesbaden bestimm! worden.

Aus dem Geschäftsbericht erwähnen wir noch nachträglich, daß der Verband zur Zeit über 2 0 0 Vereine mit weit über 15000 Mitglieder zählt, von welchen 135 im ab- gelaufenen Geschäftsjahr die amtliche Prüfung an d/rr Handelskammer mit Erfolg ab­gelegt haben.

2.11. Jahres f eier der Universität. Am Samstag beging die Landesuniversität in ihrem schönen Festrau in, der neuen Aula, ihr Jahrcsfest in der üblichen Form. Die Aula war von den Dozenten und ihren Damen, von geladenen Gästen, von Teilnehmern aus der Bürgerschaft und von Studenten und Studentinnen gefüllt. Rach dem einleitenden Musikstück: König Heinrichs Aufruf und Gebet ausLohengrm trug der aka­demische Gesangverein den Psalm 13 für Frauen­chor, vor, woraus der Rektor, Professor Dc. R o - l o f f, die Anwesenden willkommen hieß. Hierauf hielt er die Festrede überRußland und der Bal- kankrieg von 1912. Anschließend hieran verlas er die Chronik der Universität für das abgelausene Jahr und verkündete die Ergebnisse der für lc.21 22 gestellten Preisaufgaben. Von den Aufgaben sind die der medizinischen Fakultät, sowie diejenigen der philosophischen Fakultät aus den Fächern der Botanik und Geographie nicht bearbeitet worden. Der Arbeit für die geologische Fa­kultät über das ThemaIst das Deuteronomium ein praktisch durchführbares Staatsgesetz?" wurde der Volke Preis z jeiEannt. Verfasser ist Stud. theol. Pa.il Gerhard Schäfer. A.'ch der Bearbeitung der von dec luristlschen Fakultät ge­stellten Aufgabe:Die Teilpacht tm römischen and im heutigen Recht" konnte der voll» Preis za- erkannt w-'rden. Verfasser iit Referenda: Georg Eister Dir Arbeit aus der veterinärniedizini- schen Fakultät: ..Darch tackeKokogische .'Intersa- chungen ist zu ermitteln, ob der Bazillus pyogenes weiter verbreitet ist, als bisher festgestelki wurde, ist des vollen Preises würdig. Verfasser ist Stud. med. Willi Kappel hoff. Vva der Philoso­ph ifchen Fakultät find drei Aufgaben bearbeitet worden: sämtlichen Arbeiten konnte der volle Preis zueckannt werden. Die Arbeiten heiße,'.: l.ous dec römischen Philologie:T. PompenN Attici cpistularcm fragmenta et teftigia colli- gantur"; 2. aas dec Geologie:De' West and dec Lahmnulde; 3-aus der alten Geschichte:Die Verwendung dec Begrisfe pepalas and Plebs auf den lateinischen Inschriften". Die Vecfaster find' Dr. Phil. Friedrich Kredel, Stud. geol. Heinrich Richter, Kand. Phil. cL Karl L ü l l. Für die Lj o nn - Beulwitz - Stift arg waren TdL= gendc Arbeiten eingegangen urtb entsprechend dem Gutachten der Fak al täten mit Preisen bedacht worden: 1. Privatdozent und Pro­sektor am veterinär - anatomischen Institut Dr. Schauder: Die fetale Entwicklung der Sehnenmuskeln" des Pferdes: 2. stud. theol. Pe­ter Brunner:Begriff und Heilsbedeutung des Glaubens in Calvins Jnstitutio und im Ca- techismus Genevensis"; 3. cand. phil. Karl O b - mann:Die Entwicklung der Begriffe SetmSatpvia

und superstitto"; 4. cand. phil. Fritz Bender: Die Liebfraueickirche in Worms"; 5. stud. mach. Leinrich Loh:Es soll für eine dreifach ausge­dehnte Mannigfaltigkeit von konstantem Riemann­schen Krümmungsmah, ausgehend etwa von der Riemannschen Form des Linienelements, die Geo­metrie oder wenigstens die Differentialgeometrie zweifach ausgedehnter Mannigfaltigkeiten ein­heitlich entwickelt werden. Mit einem.geistlichen Lied für gemischten Chor von Brahms vnd einem Marsch ausRienzi" von Rich. Wagner fand die Feier ihren Abschluß.

** Eine Sitzun g der Stadtverord- neten-Dersammlung findet am Frei­tag, den 7. Juli, nachmittags 5 Uhr, im Sitzungssaals des Stadthauses, Bergstraße, mit folgender Tagesordnung stakt: Mitteilungen. Bau­programm für 1922. Genehmigung ton Rech-- mrngen über die freihändige Beschaffung von Baustoffen. Erhöhung der Vergütung an das Chem. llntersuchungsamt und Hygienische In­stitut für die Untersuchung des Trinkwassers. Umlegung der Wasserleitungen in dem zur Be­bauung vorgesehenen Gebiet gegenüber der Sie- chenanstalt. Anlieferung von Erde Mr Auffül­lung der Vorgärten vor den Baugruppen 5, 6 und 7 an der verlängerten Bleichstraße. Ver­breiterung des Lechgeslernec Weges vor der Gum- mifabrrk. Kreditbewrlligung für bauliche Ver­änderungen an der Liebigshöhe. Ergänzung der Richtlinien über die Ablösung der Zwangseinmie- tung. Baugesuche: a) für die Erbauung einer Halle auf dem Grundstück der Zigarrenfabrik von Gail, b) für die Errichtung einer Halle auf dem Grundstück Guten berg straße 14, c) für die Herstellung einer Einfriedigung aus Holz vor den^ Deamienwohnhäusern an der Senckenberg­straße. Erhöhung her Kredite für die Unter­haltung der öffentlichen städtischen Uhren. Wohn- hauskolonie Licher Straße, Döringstraß? und An- nereber Weg: hier: Abrechnung mit ter Bau­genossenschaft 1894. Bewilligung eines Kredits von 150 000 Alk. zur Vervollständigung der Stra­ßenbeleuchtung. Die Rechnung der Armenkasse für Rj. 1918. Gesuch des Gleiberg-Vereins um Erhöhung des Jahresbeitrags. Gesuch des Gie­ßener Lesehallevereins um Erhöhung des Jahres­beitrags. Gesuch des Hessischen Polizei- und Schutzhundevereins und des Vereins für deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Gießen, um Ermäßi­gung der Hundesteuer. Gewährung eines Dar­lehens an den Wassecsportterein Hellas. An­passung der Teuermngszuschläge der städtischen Beamten an die Neuregelung der Reichs- und Staatsbeamten. Anpassung der Bezüge der Rühe- geHalts- und Wittpengeldempfchnger an die dies­bezügliche Regelung des Hesiischen Staates. Er­weiterung des Verwaltungsgebäudes des Elektr. Werkes. Ermäßigung des Fahrpreises aus der Elektrischen Straßenbahn für Kriegsbeschädigte.

Der Fernsprech- und Tele- grayhenbetrieb ruht heute nachmittaa auf Gr:und höherer Anordnung von 3 bis 3.10 Uhr vollständig. Rach Ablauf dirsex ^Zehn- minutenpause werden die Dienststellen wieder zur Verfügung stehen.

** Drei Gießener als Parla­ments st enographen. Im Anschluß an die Stenvgraphentagung in Gießen dürfte es interessieren, zu hören, daß gegenwärtig drei Gießener imWortwahrdienst in deutschen Par­lamenten beschäftigt sind. Es sind die Herren > Dr. jur. Kübel, Stolze-Schreyer, im Reichs- I tag, stud. mach. Dörr, Gabelsb^rger, eben­falls im Reichstag, und Ger.-RHerendar M ö- | buS, Gabelsberger, im Hessischen Landtag.

** Kanzleibeamte und Angestellte der K c e i s ä m t e c, die als Fachgruppe dem Hessischen Duceaubeamtenverband angeschlossen sind, hielten, wie man uns schreibt, am 26. Juni in Frankfurt a. M. eine zahlreich besuchte Haupt­versammlung ah. Cs wurde beschlossen, an den Landtag und an die Regierung wegen höherer Einstufung in die Besvldungsordnung heranzutre- ten, da die Kanzleibeamten und Angestellten der Kreisämtec gegenüber gleichartig beschäftigten Staats-, Kreis-, Stadt- und Gcmeindebeamten unb Angestellten um mehrere Gruppen geringer be­soldet werden. Die Kanzleibeamten standen früher

den Gendarmen, Wachtmeistern in den Strafe anfialten, Steueraufsehern und anderen Staats­beamten gleich, während sie nach der neuen Bc- soldungsocdnung nicht mehr wie diese besoldet werden. Die mittleren Beamten der Kreisämcer sind in drei Gruppen (Gruppe 79) mit Drsöc- derungsmöglichteit nach Gri^ppc 10 eingestusr. Die Kanzleibeamten hätten folglich auch nur in drei Gruppen und zwar in den Gruppen 46 mit De- förderungsmöglichkeiten nacf Gruppe 1 eingestuft werden können, sie sind aber ungeachtet her ver­schiedenen Tätigkeiten in vier Gruppen (Gruppe 36) eingestuft worden. Biele Stadtoerwaltuagen haben die Einstufung der staatlichen Kanzler- beamten als unzulänglich cra^et und beschlossen, die gleichartig beschäftigten städtischer (Beamten in höhere Gruppen der Besoldungsordnung einzu­stufen. Auch mehrere Kceisausschüsfe hielten die 1 Einstufung der Kanzleibeamten für nicht der Tätigkeit entsprechend unb ist von biefen in meh­reren Fällen ohne gesetzliche Verpflichtung die Hebernahme von Kanzleibeamten auf die Kreise taffen nach Gruppe 6 und 7 beschlosfen worden. Sc wird nun dch gleiche Tätigkeit aus dem einen Am! von einem staatlichen Kanzleibdäm4en mit Be­zahlung nach Gruppe 3 und bei einem anderen Amt von Kreis- Kanzlei beamten mit Bezahlung nach Gruppe 6 und 7 erledigt, was eine begreif­liche Erregung unb große Änzusriebenheit unter den staatlichen Kanzleibeamten und Angestellten verursacht hat. Außerordentlich interessant ist aber die Tatsache, daß die Kreisämter nach den Richt­linien des Ministeriums des Innern für die Be­soldung dec Gemeindebeamten die Gemeinden darauf Hinweisen, daß die ®cmeinbcbureau5eomteF mindestens nach Gruppe 4 und sofern sie nicht nur einfache Dienste leisten, dementsprechend in höhere Gruppen 5, 6 usw. einzustusen sind. Es ist bei die­ser Sachlage unbegreiflich, daß die meisten Kanz­leibeamten und Angestekllen dec Kceisämter nur nach Gruppe 3 der Besoldungsordnung besoldel werden.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag, tzichtfpiethaus, SelterswLg. ab heute:Aus dem Schwarzbuch eines Polize.kemmissars.

Landkreis Gießen.

k. Alfen d o rf a. d. Lda., 3. Juli, ©ofterft fand in dem nahen Rvrdeck das diesjährige B e- wertungssingerr statt für die Vereine, die dem SängerbrrndLumdatal" angeschlofsen sind. Die Vereine boten durchweg Gutes und zeigten, daß sie in erster Linie das Volkslied Pflegen Die Höchstzahl an Punkten konnte von den Preis­richtern demMännergesangverein Al­le n d o c f a. d. Lda. zueckannt werden.

R v d ge n . 2. JuN. Heute wurde auf "vrnr FrreößLs die G e b ä ch t n rs h a l k e für Sic Gefallenen des Wekr'c!. ege 6 aus unsrer E:- ir.emöe enrgew.ih!. D'c hiesigen EefaugLe< ei.e und die oberste Schulklasse sowie der Pojauneo- chor von Kkoin-Liad.?n verschönter dr' <y.vr_m;t eirtfprcchsndcn G.saags- keza. Jastcun la - ü bietungen. Das De.rkm.rl ist cur We-'i oes Archi­tekten Harrs Burgaus G-ießen uni) cin ehr end-, s Zeugnis für den Gemeinsinn und die Opfer Willigkeit unferer Gemeinde. Es bilde! ein mit einer Freitreppe versehene Halle, im Hintergrund eine um ihren hoffnungsvoll tn die Ferne schauen­den Soh'r traiicrnbe Mutter d rrstellend Links und rechts daoon stehen auf 'fxei Tawa- ric Ra-men öec Gefalle ne <r auL unserer @tmei a.e. Der.' Fuö ter Grupps t.äg! eie .:,;'i:.nung ö.r G - meinTc. In der Hakle sind < * .roch RuhPänke angeö-a't. Di: trefflich i . ? a; e Wcir/Srcde

*.£* Pwreer Oro t ij. B cgwar 'ße 'Kraus- - a a r üLernahnr vas' Denklnaä in den Schutz der !J<incinI}e.

KreiH Biwrngen-

nd. R i b d a, 3. Juli. Gestern fand hier das Jugendfest der Schulen statt. Errgeleitet wurde dasselbe vormittags durch einen Jugend­gottesdienst, in dem die Schüler Gesänge und Gedichte vortrugen upd Pfar.Verwalter Wiß- mann eine herzliche Ansprache an die Kinder unb deren Angehörige hielt. Die Kirch? war mit Blumen unb Birken ges hmückt. Mittags zogen sämtlich? Schulklasse« unter Füh.ung ih^er Lehrer unb Lehrerinnen in einem Festzugs vom S.chul- Hofe ducchl die Hauptstraßen dec Stadt auf die

aufstehen müßten, wären sie abends 11 Uhr sehr müde, wogegen sich nichts eintoenben ließ." Jules Satire bezeichnet Waldersee als den richtigen sranzösischen Advokaten":Weil er über alles reden konnte, glaubte er auch alles wirklich zu verstehen. So hatte er sich auch zugetraut, ein ausgezeichneter Minister des Auswärtigen zu sein, und verunglückte dabei völlig; ganz be­sonders, wenn er mit Bismarck zu verhandeln hatte."

Heber die Friedensverhandlungen Bismarcks mit dem Franzosen hat der Kanzler selbst Wal­dersee vieles erzählt, und er gewann auch persön­lich einen tiefen Einblick. Ec nennt den schnellen Friedensschluh durch Bismarckeines der Mei­sterstücke seiner ganzen Laufbahn unb teilt über die Festsetzung der Höhe der Kontribution fol­gendes mit:Bismarck stellte als Ziel aus, eine Summe zu normieren, die so hoch sei, daß sie Frankreich sehr wehe täte, aber nicht dem Lande unerschwinglich schiene und es vielleicht nötigte, zu einem Verzweiflungskampf zu schreiten. Als Ratgeber hatte Bismarck außer Samphausen und Delbrück den Bankier Bleichroeder unb als geschickten Finanzmann unb Kenner Frank­reichs ben Grafen Guido Henckel zugezogen. Die Ansichten sind nun sehr weit auseinandergegangen und mit Ausnahme des Grafen Hencke! weit unter 5Mittiarben geblieben; unseren Finaliz- leuten, auch Bleichroeder, fehlte Verständnis da­für, was eine Milliarde bedeutete und was ein Land wie Frankreich leisten konnte." Wie Bis­marck erzählte, habe er bei der Frage der Milliar- denzahlung gesagt,die Summe wäre so hoch, daß er sie nicht laut ausfprechen könnte, er hat sie auf ein Blatt Papier geschrieben und Thiers zu- geschvben. Dieser ist, nachdem er einen Blick dar­aus geworfen, in die Höhe gesprungen, als ob ein toller Hund ihn gebissen, hat laut aufgeschrien und dann angefangen, in allen Tonarten Sturm zu laufen, vom Drohen mit Verzweiflungskampf bis zum Flehen und Appell an daS edle Herz des Königs: er benahm sich so konfus und auf­geregt, daß Bismarck anfing, deutsch zu sprechen, und es fange dauerte, bis ruhiges Verhandeln möglich wurde. Bismarck meinte, dec Alte hätte ihm wirklich leib getan. Pouyer-Queclier erzählte mir, es sei ihnen vom Kanzler furchtbar mit Kognak zugcsetzt worben, von dem mehrere Flaschen auf dem Tisch ge- von dem rnehrece Naschen auf dem Tisch ge­standen hätten; er war augenscheinlich imponiert

von der ileberlegenfjeit und Originalität des Kanzlers; es ging durch seine Erzählungen das stille Anerkenntnis:Bismarck ist in ber Tat ein Mocbskerl. Bei den ßanbgbtretungen wollte Bw- macck nach dec Darstellung Waldersees nicht io weit gehen, als nachher geschah.Da Moltke aber sehr entschieden auf Metz bestand unb der Kaiser sich dieser Richtung anschloh, so hat er nach­gegeben. Als wähcenb dec Bechanblungen sich jemand bei ihm erfuenbigte, wie es mit Metz wer­den würde, hat er ecwibect:Ich fürchte, wir haben es schon auf dem Halse." Bismarck lag daran, zu einem möglichst raschen Fciedensschiuß zu fommen, und deshalb war er auch bei ben Kapitulationsbedingungen nachgiebig.Dec Kaiser tour mit ben Bedingungen dec Kapitulation von Paris kernestvegs einverstanden," schreibt Waldrr- see, und in dec Armee war man ausnahmslos Wohl sehr unzufrieden und enttäuscht. Dec Kaiser hatte wie im Jahre 1814 er war ja damals dabei gewesen einen feierlichen Einzug machen wollen mit einem Dankgottesdienst auf dec Place de la Concorde. Ec hatte sich aber, obwohl ver­bittert, gefügt und leider auch zugelassen, daß die Kapitulationsoechandlungey nicht von Moltke, sonbecn von Bismarck ohne Gegenwart irgend­eines Offiziers geführt wurden. Es klingt unglaub­lich, ist aber Tatsache. Es toar das die Rache, die Bismarck am Generalstabe, mit dem er seit Reims in Fehde gelebt hatte, nahm.

Shakespeare-Stücke.dieinGng- landnichtgespieltwerden. Es gibt sieben Werke Shakespeares, des englischen Rattonal- dichtecs, die seit Menschengedenken auf einer stehenden London ec Bühne niemals gespielt woi- den sind. Es sind diesVerlorene Liebesmüh", Ende gut, alles gut,Timon von Athen", Pecicles",Troilus und Cressida",Titus An- bconicus" undKönig Heinrich VI. Wenn es den Londonern möglich war, die ersten vier Smcke doch zu sehen, so verdauen sie dies der Volks­bühne desOld Vic", die nur gelegentlich Aus­führungen veranstaltet.Troilus" ist von Stu­denten der Universität Cambridge in letzte.' Zeit mit großem Erso'g auf geführt worden: in London aber erschien dies Derk, das zu den genialsten des Dichters gehört, seit dem 18. Jahrhunbec- nur zweimal in flüchtigen Festauffühcungen. D'^se Vorstellungen boten das Werk nicht in dec ur­sprünglichen Form, sondern in dec Bearbeitung Drydens, die. tvehr von Dryden als vvu ShaD'-

speare enthält.Titus A:dro: icus unbKönig Heinrich Vf. sind in London in ihrer Original fassung überhaupt nicht mehr gegeben toorben, feit sie Shakespeare verfaßte.Heinrich VI. wurde ohne Kürzungen 1906 von Sic Franc Benson zu Stratsoct-en-Avvn aufgeführt;2i U5 Andcv- nicus ist 1852 und 185Z zuletzt bacgestellt wor­den, aber in einer Form, die die Wildh Uten dieses Jugendstückes milderte. Wenn man bedenkt, daß die meisten der hier aufgezählten Dramen h: Deutschland zahlr.tche Au öru i ci er ebt Haf en und zum Teil zu den beson>)ecc?. Stel lingen des Publikums gehören, so erhält man wieder einen Beweis für die oft gehörte Behauptung, daß Shakespeare in Deutschland heimischer sei als in feinem Vaterland.

D i e erste heilghmnastische An­stalt. Dishec glaubt? man, daß das Jitiefte hmlgymnastisch? Verfahren, bei dem der Patient in Erschütterungen versetz! wird, die Methode des Schweden Bieter Heinrich Ling fei, die im Jahre 1813 zur Anwendung kam. F. M. Feldhaus teilt nun aber tn derDeutschen Medizinischen Wochenschrift" eine Stelle aus der Kcünitzichen Enzyklopädie mit, die zeigt, dcij) «es bereits im Jahre 1796 eine heilgymnastische Anstalt gab, in der diese Methode angetoenbet wurde, und zwar in der Spandauer Getpehrfabrik. Im 71. Banbe dec Enzyklopädie, dec 179b erschicni, heißt es dort von einer Ecschüttevungsmaschine: In dec Spandau befindlichen Gewehc-facnik ist in dec Schlei'- und Poliermühle die Erschüi'?- ru^gsmaschine beionders merkwürdig, welch? ' o i Paul Engel, einem scharfsinnigen mechanischen Künstler, erfunden worden ist. Sie ist in einem oberen Zimmer derselben und mit einem zu dieser Muhle gehörigen Wasserrabe dergestalt vei bunben, vah man, entweder sitzend ober stehend, an dem ganzen Körper, gelindec ober stärker, so wie die Maschine gestellt ist, erschüttert wird. Die Bewegung ist dabei so regelmäßig, daß man sie mit Vergnügen verträgt. Bei gelähmten unb vom Schlage gerührten, auch hypochondrischen Per ­sonen, ist sie schon öfters nützlich besunden wor­den, und noch nie hat man gehört, daß sie widrige Folgen aus die Gesundheit des Menschen zurück- gewirkl hätte, so viel ihrer auch gewesen sind, die sich dieser Motion bedient haben. Eben der­selbe Künstler hat nachher auch eine andere, mehr einfache Ecfchütterungsmaschii'.e erfunden, die von eben dec Wirkung, als die erste ist, und von einer Person gemächlich regiert werden kann."