Ausgabe 
4.4.1922
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (tzderhefsen)

Er. 80 Zweites Blatt

Dienstag, 4. April 1922

agte er.®r soll I zu telegraphieren, bafl Orla kommt. Eine Stelle dazu treibt. Er kann er dort jederzeit bekommen, das hat Ray

(Nachdruck verboten.)

26. Fortsetzung.

schon oft geschrieben, unb Orla mutz eben vorlieb nehmen, wenn die Stellung auch nicht gleich sehr

Mg. Dr. Schreiber (Ztr.): Der Minister hätte kinc Stellung erleichtert, wenn er sich bei seinen Gedanken uoer staatsrechtliche F.agen, ins- be'ondere seinen Beamten gegenüber, größere Re° serve auserlegen würde. Der Redner erkennt an, daß trotz der ,2Iuebel>imnq und des Umfanges des Innenministeriums der Etat eine beinerkentwerte Sparsamkeit aufweise. Der Tätigkeit der Ver­waltung für Siedlung elsah lothttngi cher Slücht- linge sei besonders dankenswert gewesen. Die Frage der besetzten Gebiete sei eine ge amt deutsche Angelegenheit. Die Technische Rothilse sei kein sozialer, sondern ein Rotzustand. Aus die Zilm- zensur könne nicht verzichtet werden und man müsse an eine Revision des Lichtspielgesetzes herantreten.

Abg. Mumm (Dntl.) sagt, der Massenein- Wanderung landfremder Elemente müsse vorge­beugt werden. Dagegen dürften die Wolga^ und Ulrainedeutschen nicht an der Heimkehr gehindert werden. Die Auswüchse des Kinowesens schreien

3a, das meine ich auch,- sagte er. nur gehen, wenn ihn die Lust dazu treibt. wird doch nie für ans für dich, was ich von

tung sein. Sie werden die größten und mo­dernsten ihrer Art in ganz Deutschland sein. An diesen Speichern (im ganzen werden es drei sein) wird sich auch die größte der be­rühmten Königsberger Schälmühlen an­siedeln, die Fabrikate aus Erbsen, Gerste und Hafer herstellen und sie nach ganz Europa ver­enden. P.W.

Von der Tätigkeit der Giehener Handelskammer.

n.

Zur Bekämpfung des immer mehr überhand nehmenden Wandergewerbes haben die hessischen Handelskammern neben einer wesent­lichen Erhöhung des Steuertarifs eine Reihe von Anträgen gestellt, die in ihrer praktischen Durchführung geeignet sein dürften, dem orts­ansässigen Handel den unbedingt notwendigen Schutz zu gewähren. Auch zu dem von der Stadt Gießen vorgelegten Steuerplan hat die Handelskammer in der Weise Stellung genom­men, daß sie sich gegen die Einführung einer Fremdenabgabe, für die Beseitigung von Ver­brauchsabgaben für Trauben-, Obst- und Brannt­wein und für die Beibehaltung der bestehenden Filial- und Warenhaussteuer ausgesprochen hat.

Richt weniger als drei große SchiffahrtSprojekt« !>at man ausgestellt, die nun miteinander um die praktische Durchführung ringen. So soll eine Schiffahrtslinie als ein Teil des von dem Julda- Lavnkanal-Verein verfochtenen Rlxnn-Weser- kanals unter Benutzung der Flußläufe der Fulda, Eder, Schwalm Ohm. Lafin, Ridda die Weser mit den Main hei Frankfurt a. M. verbinden. Die künftigen Untersuchungen und Vorarbeiten über dieses Projekt sollen sich auch aus einett Stichkanal Gießen Frankfurt er- trecken. Ein solcher Zweigkanal toürxc or allem "er wirtschaftlichen Ausschließung Oberbesse ns in hervorragendem Maße dienen, durchzöge er doch den dichtbevölkerten und industriellen meist entwickelten Teil der Provinz. Soweit sich schon heute beurteilen läßt, würden seiner Ausführung nennen werte techui che Schwie­rigkeiten kaum im Wege stehen. Der Stichtanal würde vor allem dem Durchgangsverkehr dienen

Was die künftige W t r t s ch a f t s - Organisation anbetiisst, so lehnte d.e Kam­mer die Bildung von Wirtschaft >provinzen im Sinne sich abschließender, eine einheitliche Wirt­schaftspolitik des Reiches verhindernder Reu- tÜbungen ab. Hingegen trat sie nach wie vor für die in der Reichsverfasiwig veranle ten Be zirkswirtschastsräte cm, deren Ha.iptau'gnbe tn der Watz' ung der spezi ifeb-regionalen Untere'kn der jeweiligen Wirtscha t g bie e b stehen müsse.

Aus ter sonstigen Arb.i s ü'le d r Handels­kammer sei an dieser Stelle noch liervorge hoben, daß die hessischen Handelskammern ein gemein­sames Stenographen - Prüfung samt zwecks Heranbildung von Geschäfts Stenographen errichtet haben und daß ferner von ihnen ge meinfame Vorschriften über die öffentliche 21 n ft e II u n g und Vereidigung von Buchsachverständigen aufqc"eilt wo r der sind Schließlich sei noch der Ausstellung Der Friedensvertrag von Versail­les- gedacht, welche die Handelskammer im Sommer des Berichtsiahres veranstaltet hat, um in die weitesten Kreise des Volkes die 'Erkenntnis hineinzutragen, daß die Revision des Diktats von Versailles eine Leben snotwendigkIt für da« deutsche Volk ist.

Das glaube ich durchaus nicht," sagte Inger eikriä 3d> habe nur nicht den richtigen Weg dazu gesunden. 2lber vielleicht finde ich ihn doch noch einmal.

Als Inger bet diesen Worten ihrem Manne in die Augen sah. .las sie eine solche Angst und Verzweigung darin, daß sie sich erschrocken über

^Was hast du, Jens?" rief sie.3ft irgend etwas a schehm?" , . .

Rein, Rein!" schrie er beinahe, indem er aufstand und anfing, auf und ab zu gehen.

Sie folgte ihm mit den blicken: dabei kam ein unsäglich trauriger Ausdr ick in ihr Gesicht, und ihr Körper sank wie in hilflosem Stimmer in sich zusammen. Dann aber straffte fre lta> wieder. Sie sah ihm an, datz ihr bekümmerter Blick ihn quärte, und sie wußte, datz ihm nichts eine größere Pein war, als wenn man feinen Ge-> mütszu^and beachtete.

Frau Inger fuhr sich über die 2higen.

^Wir haben von Orla gesprochen," sagte sie dann mit Heller Stimme.

3a,* fiel der Hauptmann ein und blieb vor ihr stehen.Was tei l er denn letzt?"

Er will fort, und ich meine, wir sollten ihm "kein Hindernis in den Weg legen, Iens." Frau Inger sagte dies in einem gewißen überredenden Ton, als erwarte sie heftigen Wider­spruch, und sie war erstaunt, als ihr Mann Io» jort zustimmend nickte.

Die Pforte der Paradieses

Roman von Ingeborg Vvllquartz. Bered)tigte Ueberfefcung aus d m TLaischen.

diese Verantwortung trug; da sie aber jetzt deut­lich sah, datz er dieser Au'gabe nicht gewach m war, hatte sie nur den einen Wunsch, er möchte sich ihr anvertrauen, damit sie ihm lerne Last tragen h lfen :nte.

Du hast sei e 2lbrechnungen über dein Geld und das deiner Schwester verbrannt und hast sie natürlich vorher nicht einmal durchgesehen," sagte sie miß).

Rein!" rief er und drehte sich zu ihr um. Das tue ich nicht mehr! Die ersten beiden Male sah ich die Ab echnung höchst gewisien- haft durch, und es war auch gar nichts daran a-uszusetzen sie stimmten stets genau immer eine Masse unvorhergesehener Ausgaben, not- wendige Aufbesserungen im Haus und .tnbe- kingt notwe.dige Verb siwu''.en der Wrh un; gen. Einmal mukte diese Wohnung tapeziert wer­den, sonst wollten die Mieter au-ziehen, und dann sollte eine andre Wohnu g neu gemalt werden, oder faulte irgendwo das Ho'zwerl Dann mußten dir Läden umgebaut werden, w i! ein Butter- und Milchgeschäft nicht ohne weiteres da einziehen konnte, wo vorher eine Schusters- tDCifffatt gewesen war, und so in alle Unenb» lichkeit, so daß ich endlich das Gefühl hatte, ich würde verrückt aus lauter Angst, das Geld reiche nicht zu dem allem.

Und dann hast du die Abrechnung ver­brannt, ohne sie a-*5ur't> n fajte I gcr kopf- schüttelnd.Warum bist du denn nicht zu dem Dachwal er gega-gm?"

Das habe ich getan; aber er wu^te so virle Erklärungen zu geben, die so wahr ch in'ich lau­teten, daß ich mich meines Mißtrauens schämte

(Fortsetzung folgt)

Großartige Hafenbauten in Königsberg in Preuhen.

Man schreibt uns: Die letzte Königvber- qer Ostmesse hat Der ostpreußischen Haupt­stadt und alten Seehandelsstadt Königsberg soeben einen Erfolg gebracht, der alle Er­wartungen übertroffen hat und im Hinblick auf die im Gange befindlichen Entwicklungen im Osten von größter Bedeutung ist, nicht nur für Königsberg selbst. Zu den wichtigsten Auf­gaben, welche die Stadt derzeit zu erfüllen begriffen ist, gehören die E n t f e st i g u n g, die im vergangenen Jahre planmäßig ihre Fortschritte gemacht hat (besonders am Bran­denburger und vor dem Sackheimer Tor), und die großartigen Hafenbauten. Bereits vor dem Weltkriege gehörte Königsberg zu den ersten Seehandelsplätzen Deutschlands. Der Hafen wurde vom P r e g e l gebildet, dessen Arme innerhalb der Eingemeindungsgrenze eine Länge von 13' , Kilometer haben. Die Ge­samtlänge des Kais betrug 1914 rund 2330 Meter. Der Ausbau des Innenhafenö wurde 1902 begonnen und 1906 beendet; die Kosten betrugen 1,9 Millionen Mark. Technisch be­achtenswert sind die neuen Pregelbrücken, die durchweg hydraulische Aufzüge besitzen und den größten Seeschiffen die Durchfahrt er­möglichen. Seitdem der 61/» Meter tiefe See - f anal von der Mündung des Pregels durchs Frische Haff nach dem 40 Kilometer entfern­ten Borhafen Pillau erbaut wurde, können die großen Seeschiffe, ohne in Pillau zu leichtern, direkt bis Königsberg einlaufen. 1912 betrug die Zahl der ein- und auslaufenden See­schiffe 5203, während pregelaufwärts 30352 Seeschiffe ein- und ausgingen.

Schon, nachdem der Krieg begonnen hatte, 1915, wurde ein neues, großes Hafenprojekt ausgearbeitet. Die neuen Hafenanlagen kom­men an die Südseite des Pregels westlich der Stadt bzw. des Hauptbahnhofs in das aus­gedehnte Gebiet der Pregelwiesen, in der Ge­gend des jetzigen Kai-Bahnhofs. Bon den fünf geplanten Hafenbecken, von denen die Becken I bis III als Handelshäfen, die Becken IV und V als Industriehäfen gedacht sind, wurden bisher aber infolge des 1918 einge­treten Umschwungs der Berhältnisse nur die Becken HI und IV in Angriff genommen. Am weitesten vorgeschritten ist das 1915 begon­nene Becken IV, das bis Ende 1922 betriebs­fähig sein wird. Am Becken III wurden die Bauarbeiten erste in den letzten Wochen be­gonnen, es soll bis Ende 1923 fertig sein. Das Becken IV wird 1250 Meter, das Becken III 750 Meter lang. Das Decken IV erhält an der Nordseite eine 750 Meter lange Kai­mauer, die es gestatten wird, daß gleichzeitig 10 Seeschiffe laden bzw. löschen können. Auf der Nordseite dieses Beckens werden durch die von der Stadt und der Kaufmannschaft be­gründete Speicher-A.G. große Speicher er­richtet, von denen zwei, die gegen 40 000 Ton­nen fassen, bereits im Ausbau begriffen sind. Diese Nordseite wird dem Berkehr mit land­wirtschaftlichen Produkten dienen, der südliche Kai dagegen der Industrie. Das Becken II soll F r e i g e b i e t werden und erhält auf der Stadtseite eine Kaimauer von 450 Meter Länge, an der gleichzeitig 5 Seeschiffe anle­gen können. Hier wird sich vornehmlich der ÄuSlandSverkehr abwickeln.

Gelegentlich der vierten Ostmesse fand un­ter Führung des Stadtbaurats Kutschke eine Hafenrundfahrt statt, an der u. a. auch Pro­fessor Halperin als Bertteter Sowjet- Rußlands teilnahm. Er teilte bei dieser Ge­legenheit mit, die Sowjet-Regierung beab­sichtige, in Zukunft einen großen Teil chrer Ein- und Ausfuhr über Königsberg zu leiten. Sie werde die Königsberger Speicheranlagen benutzen, um Stapellaaer für Flachs, Hanf, Borsten, Roßhaar und sonstiges Tierhaar, Felle, Häute und Pelzwerk zu errichten. Kö­nigsberg sei auch besonders geeignet, um den Holzexport aus Deihruthenien und der Ukraine aufzunehmen. Im Hinblick auf die Wiederaufnahme des Handelsverkehrs mit Rußland werden daher die neuen Speicher­anlagen am Decken IV von größter Bedeu-

tbm erhofft hatte."

Doch, ich glaube, daß er M8 wirb, 3end. wenn auch vielleicht nicht ganz in der 2lrt. ro e du dir gedacht hattest Du hast gewiß allzu­viel von ihm erwartet."

Der Meinung bin ich Durchaus nicht, _ er­widerte der Hauptmann hart.Er ist unser äl'e» ster Sohn und wir haben mehr für ifin geran, als die meisten Eltern für ihre Kinder zu tun pflegen Wenigstens haben wir ihm gröbere Opfer gebracht, als den beiden andern, deshalb dürfen wir auch mehr von ihm erwarten."

Ellern toerötn h stufig ungerecht ge'en ihre Kinder, sagte Frau Inger sanft.Weil er der älteste ist, weil wir in unserer Liebe . ober viel­leicht auch in unserer Eitelkeit ihm mehr ge­opfert haben, als wir, streng genommen, eigentlich getenm hätten, kann sich ber arme 3u ige doch nicht selbst Gaben geben, die er nun einmal nicht hat Wir dürfen dankbar dafür sein, daß er we­nigstens ein guter und rechtlicher Mensch ist. Es ist dumm und eitel von Eltern, wenn sie darüber trauern, bafj ihre Kinder keine Muste- linder sind, mit denen sie prahlen können. 2ch bin überzeugt, Orla wird noch ganz recht werden, aber ich meine, wir sollten ihn so rasch als mögllch abreifen lasten."

Das treiben wir allerdings tun rnus'en," tarn "es bitter aus dem Munde des Hauptmanns. Demi ehe ein Monat um ist, hat er doch wieder die Lust dazu verloren.

Frau Inger überhorte den spitzigen Ton, in dem dies gesagt war.Orla hat ja während beä letzten Fabres mit Kay Aarstedt in Bnef- l ^schrei gestanden, und wir brauchen nur an Kay

glänzend ist."

Dann mutz also für Restegeld gesorgt wer­den," sagte der Hauvtmann, der wieder angefan- i gen' hatte, auf und ab zu gehen', er blieb dabei i vor Inger stehen und schaute sie unsicher an. I

Iawohl, bestätigte sie.2tber das hat vielleicht fdne Schwierigkeiten?

Warum meinst du das? fragte der Haupt- ' mann eifrig.Ist dir irgend etwas zu Ohrrn gekommen?" _

Rein," erwiderte Frau Inger und schaut r . ihren Mann mit etwas trübem Lächeln an.Aber ich kenne dich doch so gut, Iens, daß ich sehen tarnt wenn dich irgend etwas drückt. Du hättest mir 'wirklich die Briefe zeigen sollen, die von Herrn Flint-Iensen an dich gekommen smd."

Der Hauptmann warf ihr einen raschen Blick zu.

Die habe ich verbrannt," sagte er.

'Aber en hielten sie denn nicht die Adrech- raingen über dein Geld?"

Doch " Der Hauptmann stellte sich ans Fen­ster und tat, als o er hinaussehe.

Inger begriff sofort, daß es ihm am liebsten toäre wenn sie nicht roeitßrfragte, aber sie meinte, fie könne es nich. b?rantroorten, ihn mit d.esen Sorgen, an denen er augenscheinlich schwer trug, allein zu lassen.

Gleich nach Tante Ellinvrs Tod hatte sie ihn und Rora mit dem Geld schalten und walten lassen und niemals danach gefragt, wil fie so innig wünschte, sein Sell>i!vwtrau-m möchte 'ich, ixaan stärken, dap er von ihr völlig unabhängig |

jung angenommen. ;

Es folgt die zweite Lesung des

Etat des Reichsministeriums des Innern.

Der Etat des Auswärtigen wird zurück- ' gestellt, da der Minister Rat Henau am Erscheinen verhindert ist. _

Minister Dr. Köster: Der Etat des Innern schließt mit 24 000 Millionen ab. Davon entfallen auf direkte ober indirekte Kriegsfolgen, die Schutz- Polizei, den Reichswassenschutz, die Technische Rot- hllfe usw. rund zwei Mllliarden, so daß rund 400 Millionen für weitere Zwecke übrig blei­ben. Bon dieser Summe sind noch die Ausgaben für die rheinischen Desetzungsgebiete, die ehe­maligen Kadettenanstalten, die K.iegsgrabersüi- sorge, die zentrale Rachwci-behörde, die Be­kämpfung der Säuglingsste.b ichk.it usw. tn Hötze von rund 300 Mlllionen Mark, so datz für Ver- waltungs- und Kultiraufgaben nur etwa 120 Mil­lionen übrig bleiben. Sparsamkeit ist nötig, aber angesichts der ganzen Sachlage bei uns ist von einem besonderen Sparsamkeitsmt i ecium nichts zu erwarten. Es werden noch Iahrzchnte ver­gehen, ehe wir die schweren Kriegsfolgen aus dem deutschen Vollskörper herausgeb.acht haben. Dazu drohen ständige neue Gefahren durch die Flücht­linge aus Dem Osten. Ehe das Volk nicht körperlich wiederhergestellt ist, kann der Geist moralisch und politisch nicht gesunden. Hierzu gehört in erster Linie die Pflege der 3agenö. Schon haben sich solche Iugendliche zusammengetan, um Tausende von unsittlichen Schriften zu verbrennen. Dieser Geist der Iugend muh gepflegt werden. Er ist wichtiger für uns als neue Gesetzesparagraphen Dazu muh auch

die Sorge für den geistigen Arbeiter mehr vertieft werden. Der deutsche Zour° nal ist droht von Iahr zu Jahr mehr in Ab­hängigkeit vom Kapitalismus zu kommen. Wir müssen erwägen, ob wir nicht diesen deutschen Ioumalisten gesetzlich Helsen können. Dabei will ich zugleich der augenblicklichen Notlage der deutschen Presse gedenken. Das ist nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern eine Frage, welche den Aufbau des geistigen und politischen Deutschlands tief berührt. Ein toeiterer Zu­sammenbruch und Ausfall _b o n Dutzenden kleinerer Zeitungen hätte nicht nur schlimme wirtschaftliche Folgen , sondern würde auch für u n ° f er gesamtes politisches Leben von größter Tragweite sein. Die breiten Schichten des Volkes sind schon durch kaiserlichen Erlaß seinerzeit zur Mitarbeit am öffentlichen Leben auf gerufen worden. Wenn die Rechte daher das parla­mentarische Leben bekämpft, so bekämpft sie etwas was sch>n unter der kaiserlichen Regierung beschlossene Sache war. Wir weroen gegebenen- falls den Volksstaatsbegriff verteidigen gegen rechts und links. Wir werden keine Gesinnungs- schnüfffelei treiben und nicht kleinlich sein, aber wir werden verlangen, daß der Beamte fest auf diesem Boden steht. Ohne Symbole ist kein Staat möglich Möge auch die Rechte Respekt vor diesen Symbolen haben. Führen Sie eventuell denKamps, aber in einer Form, den den Blick auf das Aus­land nicht verliert. Tief bedauerlich ist es, wenn Ausländsdeutsche wieder Amerikaner werden tool- len weil sie die neuen deutschen Farben nicht anerkennen. Auch wir wollen ein neues deutsches Rativnalbewußtseln au'leben lassen. Gr üllen wir den staatsrechtlichen Deariff des Reiches mit sozialer Verantwortung, fühlen wir nut republi­kanischem Staatsbewusstsein und haben wir jenes demokratische Nationalbewusstsein, bann werden wir das werden, was wir sein können: nach autzen eine Ration, nach innen ein Voll. (Beifall bei den Soziall^mokraisu)_____________

Aus Stabt und Land.

Dietzen, den 4. April 1922.

Bei der Kreisgruppe Gießen de rReichsvereinigangehem. Kriegs­gefangener ging ein vom 25. März d. I datierter Brief des Deutschen Hilssaus- schusses der P. G. Lamalgue-Toulon ein, in dem u. a. heißt:Wir können immrr noch nicht den Empfang der am 3 (Januar d. I akgeschickten Kiste mit so wertvollem Inhalt o;- ftätlgen, das tut uns aufrichtig leid, besonders auch um die Treuen mt> Ehemaligen, welche das Opfer brachten. Einen Verlust von Post­paketen bis zu 10 Pfund haben wir noch nicht zu beflogen gehabt.----Gestern ist ein glücklicher

Karlsruher als plötzlich Begnadigter heimgetehrt. So ist nun die Zohl der Letzten auf 30 reduziert. Anhaltspunkte für w itere B g ablgungen haben wir nicht---Mit größter Freude erwarten

wir »u Ostern oder nach dem Fete den Vesucy der beiden deutschen Geistlichen, welche schon drei­mal hier waren und uns mit heimatlichen Lauten« Licht und Trost brachten." sEs ist Ehrenpflicht jedes Deutschen, das ©einige zu tun, im unsere gefangenen Brüder endlich aus der Gefangen­schaft zu befreien.)

* Lesehalle-Verein. Während des Iahres 1921 ist die Bücherhalle in ihrem Bestand erhalten worden. Es war möglich, Abgänge zu ettetzen, durch Gelegenheitskäufe Lücken auszu­füllen und in den abgesteckten engen Grenzen auch n uere Literatur anzuscha'fen. Die Ziffer der aus­geliehenen Bände weist einen Rückgang auf (18 405 gegen 22 142 im Vorjahrs), nicht weil die Rachsrage abnimmt, sondern well das An­gebot gar oft versagt. Angesichts der stetig wachsenden Preise für Bücher, Zeitungen und Zeitschriften befindet sich der Lesehallen-Derein, der nun im 25. Iahre wäre, in schwerer Rotlage. Seine Tätigkeit verdient Unterstützung durch die amtlichen Stellen wie durch Private.

* Diebstähle. In letzter Zeit wurden In Gießen zwei Trauringe, gezeichnetH. D. und

R." und ein Zigarrenetui aus echtem Krvko- dilleder entwendet.

Landkreis Gicszen.

A Ettingshausen, 31. März. Die D o * saltindustrie in unserer Gemeinde befind« sich in bedeutendem Aufschwung. Sie stand ichvn seit Iahren in Blüte, da in der Gemarkung, grobe Lager erstklassigen Basalts vorhanden sind.

zum Himmel. Auf den Berliner Bühnen werden französische Stücke gegeben, eines schamloser als das andere. Der Reichskunslwart sollte sich der elenden deutschen Brieimaiken annrhnien, die nach einer Synagoge aussehen. Weshalb wird nicht gegen die Repplokale vorgegangen? Das kom­mende Gesetz gegen Schund und Schmutz darf sich nicht auf das Lichtspiel beschränken.

Weiterberatung Dienstag mittag 2 Uhr. Vor­her Anfragen, dritte Lesung des Mantelgesetzes. Schluß 1/oZ Uhr.

Einen besonders großen Roum in der Tätig­keit der Handelskammer hat das Verkehrs­wesen eingenommen, wobei die Kammer sich veranlaßt sah, bu Ecklärung abzugeben, daß die fortgesetzten aus di? gesamte deutsche Volkäwirt- schast verhängnisvoll wirkenden Tariferhö­hungen nicht der richtige Weg zur Gesunding der deutschen Ei'enbahnsinanzen fei. Gleichzeitig gab sie ber bestimmten Erwartung Ausdruck, datz alsbald in ernsthafte Prüfung darüber eingetre­ten wird, inwieweit eine Aenderung der Fracht- atze für die einzelnen'er ncvch ihrer toter- chaftlichen Leistung fähigkcit möglich u d du ch- ührbar ist. Bezuglich der Reuordnung des Eisen- stnhnwesens Hal die Handelskammer die Abf­assung vertreten, daß an dem bi heriaen System xr deutschen Ei enbafin inanzen seien. Gleichzeitig len sei und daher Vorschläge, welche auf eine Ueberführung der Rei chseisenbahn m gemein­ober privatwirtschaftlichen Betrieb abzie'.en, be­kämpft werden müssen. Im Hebrigen entfaltete die Handelskammer eine rege Tätigkeit sowohl aus dem Gebiete des Personen- wie Güterverkehrs: es seien hier nur llirz erwähnt die Anträge auf Zugv erbesserung auf den Strecken Gie­ßen Frankfurt Darmstadt, ©ie- hen Fulda, LauterbachGedern, Mücke Laubach, LollarNiederwalgern, TrierKoblenz GießenBerlin, Nord-Sudvollbahn Münster- SiegenFrankfurt a.M. über Allendvrf: Ein­schränkung der Haftpflicht der Eisenbahn nach § 86 EBBO., Wagenmangel, Wagenstandgeld, Priatanschlußgleis-Gebühren usw. Richt minder schlimm lagen die Dinge auf dem Gebiete des Post-, Telegraphen- und Fernsprechwesens. Wenn auch die Schwierigkeiten der Post- und Tele­graphenverwaltung keineswegs veikan tt we.den sollen, so muß doch auch an dieser ©teile offen erklärt werden, daß auch auf diesem Gebiete eine Reform an Haupt und Gliedern unbedingt not­wendig ist, damit Leistung und Gei^nleistung wenigstens einigermaßen wieder in Einklang ge­bracht werden.

Den Vorgängen auf dem Gebiete der Schiff­fahrt wurde im Berichtsjahre eine ganz be­sondere Aufmerksamlett geschenlt. Es handelt sich hierbei vor allem um die Verbindung Süddeutsch­lands mit der Weser, die als einziger Fluhlauf frei von fremdländischem Einfluß geblieben ist.

Deutscher Reichstag.

201 Sitzung, mittags 2 Uhr.

Berlin, 3. April.

Ein Gesetzentwuis wegen Heraufsetzung der Unfallveilicherungsgrenze für die Zwangsversiche­rung der Betriebs beamten und der Seeunfall­versicherten von 40 000 auf 75 000 Mk. wird an den sozialpolitischen Ausschuß v.-rwiesen.

Sodann wird der Initiativantrag auf Aen- berung des Gesetzes über die Ausbildung von Kriegsteilnehmern zum Richteramt nach kurzer Debatte nach den Beschlüsien der zweiten Le-