Ausgabe 
3.7.1922
 
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Nr. 155 ZWertes Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Montag, 3. Zuli 1922

men Gegen das Gesetz stimmten die Kommu- klage emes Abgeordneten, der sich deutschnatronal nisten, die bayerische Volkspartei und die beiden nannte, um Preußen sei deshalb wenig angebracht Rechtsparteien. __________________' gewesen.__

und Topfpflanzen hindurch an eleganten und I sich einen Whisky mit Soda zu besteNen. als verwöhnt aussehenden Menschen vorbei. ihm der Rame jenes merkwürdigen Gelehrten

(Rachdruck verboten.)

8. Fortsetzung.

Eine dieser weltmännischen Gestalten winkte ihm zu und Eduard erwiderte erfreut den Gruß. Es war Daron Hallam, ein sehr reicher Grund­besitzer, dessen VÄanntschaft Eduard schon wah­rend der Reise auf dem Schiff gemacht hatte.

Daron Hallam befand sich mit seiner ein­zigen Tochter und deren Erzieherin auf einer Vergnügungsreise durch den Orient, wo er neben­bei auch einige geschäftliche Dinge zu erledigen hoffte, denn er war dort im Besitze ausgedehnter

aus dem Munde des Barons entgegentönte. Er fuhr fast erschrocken zusammen und fragte mit allen Zeichen der Heberraschung:Wie, Sie kennen diesen Mann auch? 3d) bin soeben über eine Stunde mit ihm zusammengesessen."

sehen?"

Eduard hatte selbst schon den Plan gefaßt, in den nächsten Tagen einen Ausflug nach den Pyramiden zu unternehmen und ging mit Freu­den auf das Anerbieten des Darvns ein.

Es wird ein größerer Ausflug werden", fuhr der Daron fort,denn wir wollen bis Abusir und Scckkara. Ich habe vor kurzem hier einen mir bekannten sehr unterrichteten Herrn getroffen, welcher Doktor Perzelius heißt. Dieser Herr hat yllch aufgefordert, ihn zu begleiten, und da er gestattet hat, daß meine Tochter und Miß Mason mitkommen, werden wir eine ganze Heine Gesellschaft sein. Es ist mir natürlich sehr interessant, eine derartige Sache unter so kun­diger Führung zu unternehmen."

Eduard von Wulfsen war soeben im Begriff,

Deutscher Reichstag.

241. Sitzung, vormittags 11 iUjr.

Berlin, 1. Juli 1922.

Die Annahme des Getreideumlagegesetzes.

In dec dritten Lesung der Getteideumlage- Vorlage gibt

Abg. Becker-Hessen (D. Dpt.) eine Erklä­rung ab, daß seine Fraktion den Gesetzentwurf nicht als geeignet ansehe, die Bevölkerung aus­reichend zu angemessenen Preisen mit Brot zu versorgen. Sie stimme daher der Vorlage nicht zu, werde aber, wenn sie Gesetz werden sollte, mit allen Kräften an der Durchführung Mit­wirken.

Abg. Koen en (K.) nimmt den Antrag auf Erhöhung dec Getreideumlage auf 4V2 Millionen Tonnen wieder auf und bedauert, daß die Mehr­heitssozialisten mit den bürgerlichen Parteien zu­sammengehen, statt den Gedanken der Reichs­tagsauflösung bis zu Ende zu verfolgen.

Es folgt eine längere Auseinandersetzung zwischen den unabhängigen Abgeordneten Dr. Hertz und Crispien einerseits und dem Ab- geocbneten Koenen andererseits. Die beiden ersten werfen den Kommunisten vor, die Einheits­front der Arbeiter zerschlagen zu haben. Dies sei bei der Rotlage der Arbeiterschaft eine Versün­digung an derselben.

Abg. Koen en gibt den Vorwurf der Zer­störung der Einheitsfront der Arbeiter an die Unabhängigen zurück und fordert für die Fest­setzung des Drotpreises die Einsetzung eines Aus­schusses, der aus den Arbeiterorganisationen ge­bildet werden solle.

Rach einem Antrag Erkelenz (D.) und Diez (Z.) soll die Freigrenze zwei Hektar dec Getreideanbaufläche und für Betriebe 10 Hektar betragen. Dieser Antrag wird gegen den Ein­spruch des Reichsernährungsministers Fehr an­

genommen.

Ferner wird ein Antrag der sozialdemokra­tischen Partei angenommen, wonach die Der- socgungsberechtigung auf Antrag ein tritt.

Im übrigen wird das Gesetz da­rauf nach den Beschlüssen der zwei­ten Lesung mit 217 gegen 187 Stim­men. Gegen das Gesetz st

Pflanzungen.

Seine Erscheinung war groß und gepflegt und von einer lässigen, gediegenen Eleganz.

Als er Eduards ansichtig wurde, nahm er das Monokel aus seinem Auge und rückte einen der bequemen Stühle zurecht, während er Wulffen einlud, sich hineinzusetzen.

Eduard war froh, auf den seltsamen und etwas unappetitlichen Gelehrten hin nun die Geselllschaft eines so kultivierten Menschen teilen zu können, der aus einem Lebenskreis stammte, der auch für ihn Daseinsbedingung war. Er ließ sich an der Seite des Barons nieder und dieser ergriff sogleich das Wort:Wollen Sie mit­kommen morgen, wir gehen die Pycamrden an-

M 8«(awra m Mts.

Roman von Ernst Scheitel.

Ein scharfer Wind wehte vom Meere her und stieß am die brennenden Papierlaternen, so daß sie in zartem Tanze schaukelten. Der Mond war breit und leuchtend hinter den Palmen des Rils emporgetaucht und seine Strahlen rieselten gleich einer silbernen Flüssigkeit über die schlafende, geisterhafte Stadt.

Wie aus blauen Rebeln gewirtt, erhob sich die Zitadelle auf den Höhen des Mokattam und ihre dunkeln Zinnen stachen seltsam ab von dem schimmernden Alabaster der Moschee Mehemed Alis, deren Minaretts tote Fontänen einer leuch­tenden Milch zum Himmel stiegen. Und dar Mer lag die Stadt wie tn eurer tiefen Bezauberung, eingehüllt in die Düfte, die aus ihren Gärten strömten und wie betäubt von der Glut des Lebens. ' das stebernd und pochend durch ih e Adern 'rann. Stumm und gewaltig thronten die Kuppeln der Tempel und Paläste über den flachen Dächern unb der Dunkelheit dec Straßen. Die Moschee Hassans, die Ruinen der Tulun- moschee, El 2Izhar und El Mojed bauten sich auf tn verschleiertem Unreif) wie eine Fata Mor- gana, die von Feenhänden über den Himmel gezogen, Und weiter drüben, an den Ufern des Rils, wo Fostat nut seinen engen, krummen Gaffen und verfallenden Hütten schlief, schien sich das Licht des Mondes tn breiteu Bächen zu sammeln und auf den gehelligten Fluten strom­abwärts zu treiben. Dort verlor es sich m dem Wald von Masten und Wimpeln, die aus dem schlammigen Wasser des Hafens wuchsen.

Eduard von Wulfsen beugte sich über das Gitter der Terrasse und sah an dem fünfstöckigen

Jawohl, und trotz seiner Manieren schätze ich ihn", entgegnete der Baron und Hemmte sein Monokel wieder in das Auge.

Und dieser Wann wird mit uns gehend fragte Eduard weiter. .

Ja. und ich glaube auf diese Weise tiefere Einblicke zu gewinnen, als es sonst inöglich wäre. Auch für meine Tochter verspreche ich mir viel davon", sagte der Baron, während der Kellner das Getränk für Eduard brachte.

Durch die Erwähnung der Tochter des Ba­rons fühlte sich Eduard wieder entschädigt für den Schrecken, daß Doktor Perzelius mittam. Sein Gesicht hellte sich auf und er hörte mit Inter­esse zu, als der Daron weitersprach:Wir wollen etwa acht Tage ausbleiben. Doktor Perzelius hat. glaube ich, ein altes Grab entdeckt, in welchem sich noch Mumien befinden. Vielleicht gelingt es mir, eine davon zu erwerben. Er hat mir auch seine Theorien über das Ganze ent­wickelt, wirklich sehr interessant. Er wlll zum Beispiel Zusammenhänge mit dem antiken Orn- bos entdeckt haben, dem heutigen Kom Ombo."

Beim Klang dieses Wortes durchschauerte es Eduard mit einer settsamen. geheimen Angst, die er sich selbst nicht zu erflären vermochte. Er sah wieder den braunen Knaben vor sich der wie entseelt zu seinen Füßen gelegen hatte, und er füylte wieder die glänzenden dunkeln Augen dieses jungen Eingeborenen auf sich gerichtet, während dasselbe Wort mit fremdartigem Ak­zent von den negerhaften Lippen kam.

Einen Zusammenhang mit Ombos?" wieder­holte" Wulfsen geistesabwesend,was ist Ombos?"

Ja, da müssen Sie Doktor Perzelius selbst. fragen, gab der Baron zurück,Genaueres weiß |

Hotel hinab in die leeren Straßen, die wie schmale, schwarze Bänder zwischen den mond­hellen Häusern lagen. Dann richtete er sich auf und schritt zerstreut zwischen den Korbstühlen l

Kohlennot und Vrotversorgung.

Die Ursachen der Kohlennvt ir Deutschland, unter der wir ja alle schwer leiden, liegt klar vor aller Augen. Im vergange­nen Jahr gingen an die Entente allein 18 Millio­nen Tonnen,' ferner gingen über die Grenze des Reichs 81/., Millionen Tonnen, von denen noch 6 Millionen entsprechend dem Versailler Vertrag abzuliefern waren. Es bleiben im gangen 21/? Millionen Tonnen, die man als ausgeführt be­trachten konn, die aber für Einfuhrwerte kompen­siert werden mußten. Inwieweit die Verkürzung der Arbeitszeit tn den Bergwerken ebenfalls hem­mend auf Die Kvhlenproduktion wirkt sei hier nicht untersucht. Da also die deutsche Forderung nicht ausreicht, muß Deutschland für sein stark entwertetes Geld vom Auslande Kohlen einsüh- ren. So sind allein z. D. im Mai 796 000 Tonnen Kohlen eingeführt worden und wenn sich die Ein­fuhr weiter so steigert, hat Deutschland für Kohle mit einer Ausgabe von 16 Milliarden Mark an die Entente im Jahre zu rechnen. Diese Einfuhr ist aber insofern vorläufig nötig, damit nicht deutsche Arbeiter, die so wenigstens in der In­dustrie beschäftigt werden können, brotlos werden.

Unter dem Mangel der Kohlenproduktion leidet in Deuffchland besonders schwer die Land-

Der Arbeitsplan des Reichstags.

D e r l i n, 30. Juni. (Wolffs Der A e l t e ft e n- rat des Reichstages bestimmte in feiner heutigen Sitzung am späten Abend, daß die Gesetz­entwürfe über den Schuh der Republik und über die Amnestie am nächsten Mittwoch im Plenum zur ersten Lesung gelangen sollen, da zu­nächst am Montag diese Gesetzentwürfe im Reichs­rat behandelt werden müssen und Dienstag die einzelnen Fraktionen darüber Beratungen pflegen werden nachdem am Dienstag die Vorlagen dem Reichstag zugegangen sein werden. Der Montag bleibt von einer Sitzung des Plenums frei. Am Dienstag wird die Beratung des Arbettsnachweis- gesetzes fortgesetzt. Außerdem beschäftigte sich der Olelteftenrat mit dem Bericht des Geschäftsord­nungsausschusses über die Frage, ob der Reichstag verpflichtet sei, auf Anforderungen des Gerichts seine Akten auszuliefern. Diese Frage wurde ver- neint; der Reichstag ist nicht verpflichtet zur Aus­lieferung von Akten: er hat in jedem Falle selbst das Recht, zu prüfen, ob er solchen Aufforderungen nachkommen will. Diese Frage ist dadurch spruch­reif geworden, daß die Staatsanwallschaft für den Prozeß des Ministers Hermes gegen dieFrei­heit" die Akten des Untersuchungsausschusses des Reichstages in Sachen Hermes erbeten hat. Ueber diesen Spezialfall wird morgen der Unter­suchungsausschuß selbst Beschluß fassen.

ich auch nicht. Ich hörte durch ihn zum erstenmal davon."

Es ist settsam, daß Sie auch diesen Doktor Perzelius kennen", fuhr Eduard fort,dec wie ein Gespenst zwischen den Menschen herumgeht mit feinen unheimlichen Ideen. Wenn er spricht, ist es, als hebe er verwitterte Grabsteine auf. unter denen das Leben einer dunkeln Vergangen­heit modert. Er hat mir lange von seinen Ge­danken und Plänen erzähll, ohne jedoch jenen geheimnisvollen Aarnen zu erwähnen."

Sie kennen ihn wahrscheinlich noch nicht lange genug, erwiderte der Bacon,Dvttor Perzelius ist sehr vorsichtig, wie §s einem Kri­minalisten geziemt. Er erzähll sehr viel, um einen für seine Ziele zu erwärmen, und man meint dann man wüßte alles. Aber das Beste behäll er für sich. Ich habe ihn seinerzett in Konstantinopel kennen gelernt, als meiner seligen Frau ihr Halsband gestohlen worden war, ein Erbstück ihrer Großtante. Und er hat es wieder­gefunden, aber nicht in Konstantinopel, sondern in San Franzisko. Ich habe ihn gleich er­kannt, als ich ihn hier im Hotel traf.

Bei diesen Worten des Barons schob sich gerade der brüchige Körper des Doktors zur Lifttüre heraus und wankte vornüber gebeugt in seinen viel zu wetten Kleidern auf Wulffen und den Baron zu. Doktor Perzelius grüßte die beiden mit einer linkischen Handbewegung und rückte einen der Korbstühle heran. Dann Hopste er seine Pfeife über einem der Lorbeertöpfe aus und knickte unbehoffen in dem Stuhl zu­sammen.

Ah, Doktor!" rief dec Baron, als er des Gelehrten ansichtig wurde,schön, daß Sie auch noch kommen. Es ist ein herrlicher Abend."

Auch Eduard begrüßte den Gelehrten und sagte:Daron Hallam war so liebenswürdig, mich einzuladen, an dem interessanten Ausflug teilzunehmen, den er in Ihrer Gesellschaft unter­nehmen wird. Ich schließe mich natürlich mit Vergnügen an."

(Fortsetzung folgt.)

Die Deutsche Dolkspurtei Hessens zur Lage.

Darmstadt, 1. Juli. Der Geschäfts- sührende Ausschuß und die Landtags­fraktion der Deutschen Volkspartei waren gestern vollzählig versammelt Die Stt- zung muhte in der Wohnung des Herrn Abg. Dingeldey stattfinden. Der stellvertretende Vorsitzende der Landespartei, Herr Abg. Koh­le r - Worms eröffnete die Sitzung und gab na­mens der Anhänger im Lande dem Gefühle der Empörung Ausdruck über das, was in Darm­stadt geschehen konnte. Er versichert die betrof­fenen Führer des vollen Vertrauens der Partei, des tiefsten Mitgefühls und gab der Versicherung Ausdruck, daß die Partei nicht ruhen wird, bis ben beiden Kollegen volle Genugtuung zuteil ge­worden ist. Richt sie allein sind getroffen, sondern die ganze Partei im Lande. Die Anwesenden er­hoben sich zu Ehren der Abgg. Dingeldey und Osann von den Sitzen.

Abg. Dr. Osann berichtete nun über die Borgänge in seinem Hause, über die vandalischen Plünderungen und Zerstörungen. Als er er­wähnte, daß diese Zerstörung fast eine Stunde währen konnte, ohne, daß trotz dringender 'Bitten eine Polizeimacht erschien, ging helle Empörung durch die Versammlung. Es machte einen unver­geßlichen und tief ergreifenden Eindruck, wie der alte Führer schilderte, wie alles, was er in langer Lebensarbeit erworben hat, kurz und Hein ge­schlagen sei und wie er gezwungen war, teure Familienbriefe und Andenken von seinem für das Vaterland gestorbenen Sohn im Rinnstein zusammenzusuchen.

Abg Dingeldey gab einen Bericht über seine Erlebnisse, die ja durch die Presse zum größten Teil bekannt sind. Mit Verachtung und Pfuirufen wurde von einem Artikel desVolks- freund Kenntnis genommen, der mit schmutzigem Hohn die Behandlung des Abg. Dingeldey glossierte. Als mitgeteilt wurde, daß an dem mangelnden Einsatz der Polizei der Minister Raab schuw ist, der im Ramen des Gesamtministeriums Befehl gab, 400 Mann zu beurlauben, wurden neue Rufe der Empörung laut. Herr Raab hätte sich dabei gegenüber den Polizeiorganen darauf berufen, daß er im Ramen des Gesamtministeriums den Befehl gibt. Tatsächlich habe gar keine Sitzung des Gesamtministeriums in dieser Sache statt- gesunden. Rur durch ein Wunder ist der Führer der Partei mit dem Leben davongekommen. Wie jetzt feststeht, war es ein Darmstädter Stadtverordneter und Parteifreund, der in dem letzten Augenblick auf die Wache lief und an das Ehrgefühl der dortigen P v l iz e i b ed m t e n appel­lierte, so daß sich einige blaue Schutzleute ent­schlossen, den Weg durch die Menge zu bahnen und den Abgeordneten zu befreien. Die beiden Führer versprachen ttoh aller seelischen Rach Wirkungen nach kurzer Erholung wieder auf dem Posten zu fein, vorausgesetzt, daß die Ehre der Partei wieder hergestellt ist. In der Aussprache gaben alle Redner in bewegten Worten den Gefühlen des Lindes und der Hellen Empörung tn allen Städten und Dörfern Ausdruck. Es wurde beschlossen, dem Ernste der Zett Rechnung zu tragen und sich auf eine würdige Verwahrung der Landes­partei zu beschränken, die in nachstehender Ent­schließung niedergelegt ist. Die 2Ibgg. Köhler und Schian wurden beauftragt, mit der Re­gierung Fühlung aufzunehmen und eine Reihe von Forderungen vorzulegen, deren Erfüllung die V o r a u s s e tz u ng f ü r b i e Mit­arbeit der Partei darstellt. An der Spitze steht eine öffentliche ErHärung der Regierung, in der sie die Taten verurteilt und d>. schärfste Verfolgung der Täter und intellektuellen Urheber verspricht. Ferner wird eine Untersuchung dar­über gefordert, wer an dem Mangel an Schutz von Leben und Eigentum verantwortlich ist. Die Entschließung der Versammlung hat folgenden Wortlaut:

Der Geschäftsführende Ausschuß der Deut­schen Vollspartei, mit der Landtagsfraktion ver­einigt, hat zu den letzten Vorgängen wie folgt Stellung genommen:

Es ist fein Wort der Abscheu scharf genug, um die empörenden Vorfälle zu geißeln, die sich am 27. Juni in der Landeshauptstadt abgespielt haben. Wir kennen und' teilen die nur allzu berechtigte Erregung unserer Anhänger in Stadt und Land. Die Deutsche Vollspartei Hessens und ihre Landtagsfraktion haben Regierung und

eines neuen Paragraphen 8a, wonach den Stimm­berechtigten, die einen Zulassungsantrag einge­reicht haben, gegen die Entscheidung des Mini­steriums Beratung an den Staatsgerichtshof zu- stehen soll.

Staatssekretär v. Welser: Die Reichsregie­rung muß, sobald ein entsprechender Wunsch hervortritt, der sich mit der Frage der Reu­bildung des Reiches befaßt, prüfen, wie dec Wille der Bevölkerung ist. Ist der Wille klar erkennbar, so wird nicht erst zur Absttmmung zu schreiten sein. Die Reichsregierung denkt nicht daran, an jedem Tage und tn jedem Gebiete eine Abstimmung vorzunehmen.

Abg. Koch- Weser (Dem.) wendet sich gegen das Mißtrauen gegen das Reich, das aus den heutigen Ausführungen deutlich hervortrete. Die Reugliederung sei bei Koburg und Bayern ohne das Eingreifen des Reiches gegangen. Bei der Hamburger Hafenfrage liege die Sache schon anders. Es handle sich nicht darum, Preußen zu zerschlagen, sondern zwingende ©rünbe führten zu diesem Gesetz. Die unglückliche Zerstückelung des Reiches werde ohne dieses Gesetz niemals aufhören. Ein Reichskriminalgesetz hätten wir schon fett Jahren haben müssen, um politischen Ver­schwörungen begegnen zu können: leider habe Preußen bei diesen Bestrebungen immer Wider­stand geleistet. Freiherr v. Steins Worte gelten auch noch heute: Wir kennen nur ein Vaterland, das heißt Deutschland.

Abg. Beyer le (Bahr. Vpt.) spricht als Vertteter einer kleinen föderalistischen Partei seine Befriedigung über die Arbeiten des Aus­schusses aus.

Abg. Dc. Dreitscheid (11. Q.): Hier han­delt es sich um eine Reichssache, nicht um eine Sache dec Länder. Darum muh auch das Reich das Vorrecht der Initiative haben. Die Toten-

Rachdem Abg. Schulz- Bromberg (Dntl.) nochmals betont hat, daß sich der Gesetzentwurf in erster Linie gegen Preußen richte unb es ver­dammte Pflicht unb Schuldigkeit eines jeden guten Preußen fei, für fern altes Vaterland elnzutceten, schließt die allgemeine Aussprache.

Unter Ablehnung sämtlicher Abänderungs­anträge wird das Gesetz nunmehr in zweiter Lesung in der Ausschuhfassung an - genommen. Die sosoctige Vornahme der drit­ten Lesung scheiterten an dem Wioerspruch der Rechten.

Das Gesetz zur weiteren

Entlastung der Gerichte

wird in zweiter und dritter Lesung angenommen. Es folgt die zweite Lesung des Reichsgesetzes über die Schutzpolizei der Länder. Nachdem die Kommunisten und Unabhängigen stch gegen die Vorlage ausgesprochen haben, wird diese bei sehr schwach besetztem Hause gegen die Stimmen dieser beiden Parteien in zweiter Lesung angenommen. Bei der dritten Lesung bezweifelt Abg. H ö l - lein (Komm.) die Beschlußfähigkeit des Hauses.

Vizepräsident Riehec beruft die neue Sit­zung auf 10 Minuten später, also 61/2 Uhr ein.

In der neuen Sitzung wird der Staatsverttag über den Uebergang der Staatseisenbah' n en auf das Reich dem Haushaltsausschuß über­wiesen. Darm wird ohne Debatte

das Schutzpolizeigesetz

in dritter Lesung angenommen.

Rächste Sitzung Dienstag mittag 1 Uhr: Ra« pallovectrag, Arbeitsnachweisgesetz.

Schluß nach 6l/2 Uhr.

Das Personenschädengeseh, welches I einen Ersah der durch den Krieg und durch | die Besetzung deutschen Reichsgebietes verur­sachten Personenschäden bestimmt, wird daraus in dritter Lesung unverändert angenommen.

Es folgt die zweite Beratung des Gesetz­entwurfes über die

Zulassung der Frau zu Remtern und Be­rufen der Rechtspflege,

verbunden rntt einem von den drei sozialdemo- kcatischm Parteien beantragten Gesetzentwurf über die Gleichstellung der Frau in der Justiz. Das Gesetz wird in zweiter und dritter Lesung ange­nommen und der Antrag der Linksparteien für erledigt erklärt.

Hierauf iplrb eine Reihe kleinerer Anfragen debattclos erledigt, ebenso das Gesetz, welches bestimmt, daß in der Tatsache dec unehelichen Mutterschaft kein Grund zur Einleitung diszip­linarischer Maßnahmen gegen eine Beamtin liegt.

Es folgt hierauf die 'Beratung des Gesetz­entwurfes zur Prüfung des Artikels 18 der Reichsverfasjung über die

Reugliederung des Reiches.

Abg. S ch u l z - Dromberg (Dnll.) führt aus, daß das Gesetz der Verfassung widerspricht und drückt sein Bedauern darüber aus, daß nach den Erfahrungen fett Weimar die staatsrechtlichen Phantasten, die sich anmahten, das alte Preußen mit dem Lcneal aufzuteilen, noch nicht von dieser hirnverbrannten Idee abgekommen seien. Preu­ßen verlange nicht nach fremden Früchten, wolle sich aber auch die eigenen nicht nehmen lassen.

Abg. S o 11 m a n n (Soz.) erblickt tn dem Initiativrecht des Reiches, Abstimmungen vor­zunehmen, keine Verfassungsänderung. Wenn es Preußen nicht gelungen fei, die Gebietsteile von 1864 und 1866 für sich zu gewinnen, sei der Grund die konservattve Regierung gewesen.

Abg. Lauscher (Z.): Das deutsche Voll hat augenblicklich wichtigeres zu tun, als einen Umbau des Reichshauses vorzunehmen. Wenn Preußen die in sein Gebiet eingesprengten kleinen Staatstelle sich angliedert, sollte es sich auch nicht so kurz ablehnend wie im Hamburger Fall zu jedem Versuch einer Verständigung über die Gebietsabtretungen stellen.

Abg. Dr. Kahl (D. Vp.) fordert Ausdeh­nung der Sperrfrist für die Wiederholung eines abgelehnten Antrages auf Gebietsänderung auf 30 statt auf 10 Jahre und beantragt Einführung

Parteien gegenüber alle gebotenen Schritte ein­geleitet, um Genugtuung, Gerechtigkeit und Zu­sicherungen für die Zukunft zu erlangen. Wir wissen, daß unsere Reichstagsfraktion in Berlin ähnliche Schritte unternehmen wird. Unseren An­hängern gegenüber erübrigt sich die Mahnung zur Ruhe und Besonnenheit. Die Stellung dec Deutschen Volkspartei zur Verfassung, zum Staate und zum inneren Frieden ist über jeden Zweifel unb über jede Verleumdung erhaben. Wir er­warten aber auch von den übrigen Teilen des Hessischen Volles, gleichgültig welcher politischen Richtung, das gleiche Maß der Verantwortung, um alles zu vermeiden, was zu weiteren Erschütte­rungen führen könnte. Unseren verehrten Füh­rern Dingeldey und Dr. Osann sprechen wir tiefbewegten Herzens den Dank aus für ihre treue und hingebende Arbeit im Dienste des Vaterlandes unb der Partei, sowie für ihr mann­haftes Verhalten in schwerer Stunde. Alle Ge­walt und alles schreiende Unrecht, das an ihnen verübt wurde, verbindet Führer und Partei nur um so fester."

Der Zustand des Herrn Abg. Dingeldey hat sich so gebessert, daß eine ernstliche Gefahr nicht mehr vorhanden ist. Er hat aber auf dringenden Rat der Aerzte heute eine Erho­lungsreise angetreten. Er veröffentlicht in der Presse folgende Rotiz:

Anläßlich des feigen, wohl vorbereiteten Ueberfalles sind mir aus allen Kreisen der Stadt Darmstadt, aus dem ganzen Hessenlande, aus dem übrigen Deutschen Reiche in überwältigender Zähl Kundgebungen des Mitgefühls zugegangen. Ich bin tief ergriffen von diesem Beweis treuen Zusammenhaltens. Da ich augen­blicklich noch nicht die Kraft in mir fühle, allen Änzelnen zu danken, sei mir gestattet, diesen Dank auf diesem Wege einstweilen zur Kenntnis zu bringen. Ich danke auch den wenigen Ar­beitern, die mit Einsatz ihres Leibes die blutige Schandtat abzuwehren suchten. Gott gebe, daß auch dieses Erlebnis unserem Volke die Augen öffne, ehe es zu spät ist.