Erscheinung treten.
In
trat
Die neue Verfassung der Studentenschaft.
Honnef. 1. Juni. Gestern nachmittag
chaft bedürfen. Bei Erfüllung dieser Ausgaben t der Austrag parteipolitischer und konfefsro- neller Gegensätze ausgeschlossen.
Die Verfassung der Deutschen Studenten- chaft bestimmt u. a. folgendes: Die Deutsche Studentenschaft besteht aus den Studentenschaften der Hochschulen des-Deutschen Reiches und der Technischen Hochschule Danzig Die Mitgliedschaft zur Studentenschaft einer Hochschule besitzen die Studierenden deutscher Retchsangehörigkeit. Aus Antrag muh sie aber auch zuerkannt werden: Studierenden, die vor dem 11. Aovember 1918 die deutsche Reichsangehöriakeit bejahen, den Studierenden deutsch-österreichischer Staatsangehörig-' feit und den auslandsdeutschen Studierenden, ofern sie vom Rektor als Auäla ^dZdeutsche anerkannt sind. Die Deutsche Studentenschaft behandelt ausschließlich die der Einzelstudentenschaft zugewiesenen. Ausgaben, sowie die Pflege der Dezi Hungen zu den Studentenschaften des Auslandes. Der Austrag politischer und konfessio- nekler Gegensätze i t ausgelch'o sen.
Aus Grund dieser Der assung haben sich die in Honnes versammelten Studentenschaften geeinigt, weiter für das Ziel der Deutschen Stu- dentenschatf zu wirken.
Minimums geregelt werden muh. Gegen alles Schiebertum und gegen jede Ausbeuterei der Konsumenten wurde energisch Stellung genommen. Gegen das Desoldungssperrgesetz.. das einen tiefen Eingriff in das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden darstellt und in seinen Auswirllingen besonders die Gemeindebeamtenschaft schädigt, wurde Front gemacht und dessen Aufhebung nach seiner derzeitigen Geltungsdauer (1923) verlangt.
schaftlichen Aufgaben, die der gemeinsamen De-s gehälter an die jewelligen Schwalingen ber arbeitung durch die deutsche Gesamtstudenten- Wirtschaftslage unter Wahrung emes Extstenz-
meinde zu tragen. *
* Zur Vermeidung von Staubentwicklung bei Bauten macht das Polizeiamt darauf aufmerksam, bah nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen diejenigen Strafe zu gewärtigen haben, die e8 unterlassen, bei Bauten, namentlich beim Abbruch von Gebäuden, alle Vorkehrungen zu treffen, um Gefahren für Vorübergehende oder lästige Staubentwicklung zu verhindern. — Verboten ist es, Blumenstöcke oder -breiter auf Dalkonen oder an Fenstern ohne genügende Befestigung aufzustellen, sowie Teppiche. Betten oder Tücher aus den Fenstern heraus auf die Strafte auszuschütteln.
" Die gestrige Bekanntmachung des städt. Brennstoffamts über Höchstpreise für Kohlen und Koks ist infolge eines Textfehlers in der heutigen Rümmer unseres Blattes wiederholt.
♦♦ Reisekreditbriefe stellt auch für die diesjährige Reisezett die Siebener Bezirkssparkasse aus: über die Bedingungen ist Räheres aus dem heutigen Anzeigenteile ersichtlich.
** Die Friseurinnung teilt unS mit, dah ihre Geschäfte am 1. Feiertag nur von 9 biS
der DeutscheStudententagzu einer Vollsitzung zusammen. Rach 14stündiger Sitzung cour- den heute morgen die Verhandlungen abgeschlossen. Die Ergebnisse kommen in folgenden Ent - schliehungen zum Ausdruck:
Die in Honnef versammelten stimmberechtigten 'Vertreter der Studentenschaften sind entschlossen, die Arbeit der deutschen Studentenschaft fvrtzuführen. Sie beschließen eine De rfassungfürdieGesomtstudenten- schäft und für die deutsche Studentenschaft. Diese Verfassung wird von benienigen Studentenschaft ten, die ihr zustimmen, als rechtsverbindliche Grundlage anerkannt. Der Vorst and wird beauftragt, darauf hinzuwirken, bah die Arbeit der Deutschen Studentenschaft sich ungeachtet des Derfassungsfireites weiterhin in Verkehr mit allen Studentenschaften vollzieht, und daß sich auch die in Honnef nicht vertretenen Studentenschaften an der Beschlußfassung eines Studententages über die Derfassungsfragen beteiligen.
Rack^em auf diesem Wege eine einheitliche rechtsverbindliche Grundlage für die Verhandlungen des Studententages geschaffen worden war, wurde ein Derfastungsentwurf mit 58 von 72 Stimmen angenommen
Die Verfassung der Deutschen Studentenschaft sieht u. a. folgende Regelung vor
1. D.i e deutsche Gesamtstudentenschaf t besteht aus der Deutschen Studentenschaft und den Verbänden derjenigen auherreichsdeutschen Studentenschaften, die von Rektor und Senat als Vertretung gller deutschen Studenten ihrer Hochschule anerkannt sind. Maßgebend für die Zusammensetzung dieser Studentenschaft sind die Grundsätze über die Zugehörigkeit zu den einzelnen Studentenschaften des Deu i chrn Rei t..
2. Die deutsch: Gesamtstudentenschaft setzt das Ziel, für die deutsche Kultur und Volksgemeinschaft zu arbeiten. Sie behandelt die Hochschulangelegenheiten und wirt-
Die bedrohliche Lage in Oberschlefien.
Berlin, 2. 3unt Zu den deutsch- 1 feindlichenAusschreitungenim polnisch werdenden Tell Oberschlesiens erfahren wir von zuständiger Stelle folgendes: Aach den am 31. Mai mittags in Berlin vorliegen- ; den Rachrichten muß die Lage im polnisch werdenden Tell Oberschlesiens als für die dortigen Deutschen bedrohlich bezeichnet wer- 1 den. Dach den bisherigen Erfahrungen sind Aufrufe, wie sie kürzlich die polnische Grenz- zettung veröffentlicht hat, in der Regel das erste Anzeichen eines allgemeinen Lvsschlagens der Polen gegen die deutsche Bevölkerung. Die Interalliierte Kommission in Oppeln hat das Treiben der Polen jedenfalls bis gestern abend nicht gehindert. Infolgedessen hat der deutsche Vertreter in Oppeln bei der Interalliierten Kommission Schritte unternommen und auf die lebhafte Beunruhigung der deutschen Kreise hingewiesen. Die Interalliierte Kommissiivn hat Maßnahmen zum Schutze der Deutschen zugesagt. Wieweit sich diese prakttsch auswirken werden, muh freilich vorerst abgewartet werden. Dach den Meldungen vom 31. mittags ist die Dacht zwar in Kattowitz selbst ruhig verlaufen, jedoch werden aus dem Landkreis Katto- witz, aus Laurahütte und anderen Orten Hn» rachen gemeldet. Auch im Kreise Rybnik hat der Terror gegen die deutschen Arbeiter und Beamten heute nacht stark eingesetzt.
Wie am 1. Iuni aus Kattowitz gemeldet wird, waren auch während des ganzen 31. Mai starke Polenansammlungen festzustellen. So zog unter Führung eines früheren Apo-Beamten, der eine rote Fahne trug, ein Trupp nach Zalenze, wo deutsche Beamte der Baildvn-Hütte vertrieben wurden. Der Oberingenieur BorriS wurde schwer mißhandelt. Den Zeitungsverkäufern auf der Straße wurde arg zugesetzt, sobald sie deutsche Zeitungen zum Verkauf anboten.
Dach einer Meldung des „Verl. ßot.» Artz." aus BerSlau steigert sich unter der polnischen Devöllerung die Erregung noch immer, und die deutschen Kreise in Ost-Oberschlesien sehen den nächsten Tagen mit Sorge entgegen. Schwere Bedenken erregt das Verhalten der französischen Truppen. Es ist feststgestellt worden, daß Angehörige der französischen Tankgeschwader sowie der technischen und Dasfvrmativnen in aller Stille mit alten Zivilanzügen ausgerüstet worden sind. Sie f>aben sich in den polnischen Tell Oberschlesiens begeben. Aus MhSlowitz, Li- pine, Knarvw und anderen Herden der polnischen Bewegung liegen Berichte vor, wonach inKürzediePvlengegendiedeut- t sche Bevölkerung vvrzugehen be- _ absichtigen. Vor allem sollen die deutschen y Bergbeamten in den Hütten und Gruben durch , Polen, Franzosen, Belgier und Tschechen ersetzt werden. Für alle leitenden Stellen in den Gerneinden und in den Stadtverwaltungen sind nicht Oberschllesier vorgesehen, denen man vfffenbar nicht traut, sondern Kongreß- und Grvßpvlen.
Ein Ausruf des oberschlefischen Obersten Volksrates.
Ka11owih, 3. Iuni. (WTB.) Der Oberste DvlksratfürOberschleiien erläßt an die vberschlesische Dwölkerug folgenden Ausr i f: LandsleuteI Wir erfahren, daß in verschiedenen industriellen Betrieben die Beamten mißhandelt und vertrieben worden sind. Eine solche Handlungsweise ist im höchsten Grade unvernünftig. Ohne Beamten kann kein Betrieb arbeiten. Wenn die Beamten vertrieben werden, so droht dem Betriebe die Gefahr der Stillegung. Achtet bte Ueberzegung anderer und vergebt nicht, daß wir in Zukunft in Eintracht zusammen leben müssen, da dies für uns und anderer Staaten Wohlstand erforderlich ist.
Aus Hessen.
Vertret ertag der hessichen Gemeindebeamten.
*Densheim, 2. Iuni. Die Gewerkschaft der hessischen Gemeindebeamten hielt hier ihren alljährlichen (Bertretertag ab Die Tagung zeigte das Bild einer einheitlich organisierten festgeschtossenen Gemeindebeamtenschaft im Bolksstaate Hessen.. Aus den erstatteten Referaten und den gefaßten Entschließungen ging hervor, daß die Gewerkschaft mit besonderer Wärme eintritt für eine sofortige Verabschiedung des Beamtenreichsrechtes, eine umgehende Regelung der Beamtenvertretungen und eine umfassende Reform der Verwaltungs- gesehe in Hessen. Die Prüfungsfrage und Urlaubs- I frage wurden eingehend behandelt und deren neuzeitliche Regelung betrieben. Die Frage der Be- | amtenkrankenkasse, die für die Beamtenschaft gerade heute einen äußerst wichtigen Faktor darstellt. wurde nach allen Setten hin erörtert. Be-
Die TenrnngSzahlen In Hessen.
Darmstadt, 2. 3unL Die Teuerungs- zahlen in den fünf größten hessischen Städten, berechnet auf Grund der Preise vom 10. Mai und 24. Mai 1922 (5. und 19. April), betrugen für Mainz 3273 (3079), Darmstadt 3029 (2865), Offenbach a. M 3125 (3005), .Worms 3038 (3067) und Gießen 3123 (3001). Der starke Rückgang der Gemüsepreise ist die Ursache, dah die allerdings nicht sehr bedeutenden Preissteigerungen sonstiger Leb^nsbedü fn s e in den Teuerung^zahlen kaum
Hindenburg in Elbing.
Elbing .1. Iuni. Feldmarschall H i n d en- burg traf gestern nachmittag um 5 Uhr hier ein. Eine gewaltige Volksmenge belebte den Friedrich-Wilhelm-Platz und die Rebenstraßen, wo Schulen und Vereine Aufstellung genommen hatten. Oberbürgermeister Dr. Mertens begrüßte den Feldmarschall als den Sieger von Tannenberg, als den Befreier Ostpreußens uno der russischen Gefahr und als den einzig noch lebenden Ehrenbürger der Stadt Elbing. Hindenburg erwiderte in feiner bekannten kurzen Weise mit einer Aufforderung zur Reubelebung der deutschen Tugenden, auf denen der Wiederaufstieg des Vaterlandes anzubahnen ist. Richt endenwollender Iubel brach nach der Rede des Feldmarschalls aus, die in ein Hurrah auf das deutsche Vaterland aaSflang. Äachdem dem Feldmarschalt *t>om Oberbürgermeister die Spitzen der Behörden vor- geftellt waren, schritt Hindenburg die Front der Schulen und Vereine ab. Hierauf begab er sich zur Schicha uwerf t, wo noch der größte Teil der Olt beiter anwesend war. Einer von ihnen begrüßte den Feßmarschatt, worüber dieser sichtlich erfreut war und der Arbeiterschaft besonders herzlich banfte. Er besichtigte dann die Werft und lieh sich zum Schluh die Dieselmotoren vor- führen.
12 Uhr geöffnet sind. Am 2. Feiertage bleiben fle ganz geschlossen. Dasselbe gilt auch für Friseusen.
*’ Silberne Hochzeit feiern am 5. Iuni die Eheleute Dreher Heinrich Best und Frau. geb. Groh sowie die Eheleute Louis Odel und Frau, geb. Zughard. Qleuftabt 26.
* Müller'sche Dadeanst alt. Wasserwärme der Lahn am 3. Juni: 19 Grab R.
Bornotizen.
— Tageskalender für SamStag: Astoria-Lichli viele, ab heute ..Macistes Aben- teuer“. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße, heute und morgen: „Die Hafenlore", 2. Teil.
— Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus Dahnhofstrahe, ab heute: »Ihr Kammerdiener" und „Richte nicht!"
— Oberhessischer Kun st verein. In- folge einer Aenderung deS Ausstellungsplanes können die erst seit kurzem ausgestelltSr Kunstwerke nur noch bis zum Dienstag verbleiben. Die Ausstellung ist somit nur noch an den drei Feiertagen von 11 bis 1 hrgeöffnet. Heute wurden noch eine kleine Kollektion Aquarelle von dem bekannten Genremaler A. O. Hoffmann-Berlin zur Ausstellung gebracht.
— Die Gießener Kunstsammlung mit der Dr. Hans Dock-Gedächtnisstiftung an Reuen Schloß ist vom 1. Pflngstfeiertagan nunmehr wieder regelmäßig Sonntags von 11 bis 1 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Kinder haben mir in Begleitung von Erwachsenen Zutritt.
— Astoria-Lichtspiele. Don heute ab beginnt die letzte Vorstellung täglich 9 Uhr abends, die Rachmittaas-Vorstellungen begtw nen 4 Uhr und 6'/? -llhr. Sonntags bleibt die Anfangszeit der Rachmittagsvorstellungen tote bisher bestehen. (Siehe Anzeige.)
svldungSfrage Wege der ges Wege der so
Landkreis Gießen.
A Aus dem Kreise Gießen, 2. 3unl Die Heuernte naht und schon nehmen die Heugrasversteigerungen ihren Anfang. Die Preise sind noch bedeutend höher gestiegen als voriges I«hr. Es hat dies sicher seinen Grund darin, daß 1921 die Heuernte äußerst gering war und die Grummeternte vollständig ausst^. Während früher die ßanbtoirte noch bis -um Herbste altes Heu füttern konnten, sind jetzt langst die knappen Erträgnisse von 1921 verfüttert. Da infolge des kalten Frühjahrs das Grünfutter drei Wochen später als in sonstigen fahren kam, haben viele Landwirte sogar Roggen abmähen und verfüttern müssen, Und vor allem fehlt es an dem Deutschen Rotklee, der infolge des strengen Winters erfroren ist. Aber gerade der Rotllee ist das erste Grünfutter und wirkt äußerst günstig auf die Milcherzeugung der Kühe. Untere jetzige Milch- und Butterknappheit hat also zum Teil ihren Grund im Fehlen des Rotklees. Das Heugras steht in der Umgebung Gießens ziemlich gut dagegen verspricht die Gegend von Lich und Grünberg eine geringe Heuernte. Die Wiesen haben infolge der Dürre von 1921 in ihrem Grasbestand sehr gelitten, das naßkalte Frühlingswetter beschädigte den Rasen ebenfalls in erheblicher Weise.
* Lich, 2. Iuni. In der Rächt auf heute wurde bei einer hiesigen Arbeiterfamilie ein- gebrrchen und mehrere Gegenstände im Gesamtwerte von ungefähr 10 003 Mk. sowie 1400 Mk. in bar gestohlen. Die Einbrecher - die Umstände sprechen dafür, daß es zwei waren — gelangten durch ein Fenster, an dem sie zuerst durch Ent- kitten geschickt eine Scheibe lvslösten und Herausnahmen, in daS zu ebener Erde [\egenbe Zimmer. An Ort und Stelle kleideten sich die Täter um. — Erst vor 3—4 Wochen wurden dieser Familie aus demselben Zimmer von dem angeblichen Liebhaber der Tochter der daselbst übernachtete. 6000 Mark in har gestohlen, womtt er das Weite suchte und seither nicht dingfest gemacht werden konnte. Alle Anzeichen deuten darauf Hm, daß er diesmal wieder die Hand im Spiele hat.
A Steinbach, 2. Iuni. Der alte st e Einwohner unseres Dorfes, Iakob Krämer VL, starb im Alter von 90 Iabren. Er war in seinem Leben kaum krank gewesen und hatte nur wenige Tage vor seinem Tode das Bett gehütet.
Kreis Lauterbach.
AHörgenau, 2. Juni. CtneA bschiedS- f e i e r zu Ehren des nach Landenhausen versetzten Lehrers Rausch veranstaltete die Gemeinde. Lehrer Rausch bat sich ganz besonders um das Zustandekommen des Denkmals für die im Weltkrieg Gefallenen verdient gemacht. Der Gesangverein „Sängerlust" verliert durch seinen Weggang feinen Dirigenten, die Gemeinde einen tüchtigen Lehrer.
rr. Schlitz, 2. Iuni. Heute feiern der städt. Vorarbeiter Andreas Kammei, ein Veteran von 1870/71, und seine Ehefrau Barbara geb. Blum das Fest der Goldenen Hochzeit. Das Iubelpaar, welches in unserer Stadt hohes Ansehen genießt, erfreut sich noch einer staunenswerten geistigen und körperlichen Frische und Rüstigkeit. — Rachdem der hiesige gemeinnützig« Bauverein in der Rähe unseres Bahnhofs eine 4- Familieimoc-Hnung erbaut hat, die schon in den nächsten Wochen bezogen werden wird, hat sich der Verein nunmehr zu einem gleichen areItcren Reubau entschlossen. Die Arbeiten sind bereits ausgeschrieben, die Errichtung des Baues soll baldigst erfolgen.
Kreis Friedberg.
Wilder Streik in Wölfersheim.
** Vorn Kreisausschuß. Die Berhand- lungen des Kreisausschusses am 1. Iuni hatten anscheinend für weite Kreise der Bevölkerung erhebliches Interesse; denn der Zuhörersaal des Sitzungssaales war so beseht, wie dies nur selten der Fall ist. Auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung stand die Reuregelung der Vergütungen der Bürgermeister und der Besoldungen der Beamten der Gemeinden Ettingshausen, Bettenhausen und Dors-Gill. In diesen drei Gemeinden hatten sich die Gemeindevertretungen nicht bereit finden lassen, die (Bergütungen der Gemeindebeamten so zu bewilligen, wie sie den vom Ministerium des Innern und dem Kreisamt Gießen erlasienen Richtlinien nach hätten festgesetzt werden müssen. Der Kreisdirektor des Kreises Gießen hatte deshalb gemäß den Bestimmungen der Canbgemeinbeorbnung das Dettoaltungsstreitverfohren gegen die drei Gemeinden eingeleitet. Roch vor dem Termin hatte der Gemeinderat zu Ettingshausen die De- soldunasregelung orbnungsmähig vorgenommen, so baß eine Verhandlung nicht stattzusinben brauchte. Die Gemeinde Ettingshausen wirb In- besten bie bis bahin entftanbenen Kosten des Verfahrens zu tragen haben. Diese Kosten bürsten bei ber Höhe bes Wertes bes Otreitgegen- stanbes unb in Anbetracht ber erft vor kurzem erfolgten wesentlichen Erhöhung ber Gebühren im Verwaltungsstreitverfahren nicht unbeträchtlich sein. In ber Verhanblung gegen bie Gemeinde Bettenhausen kam der Kreisausschuh zu der Feststellung, dah die Vergütung für den Bürgermeister sowie bie Besoldung für ben Gemeinberechner unb ben Polizeibien er ben erlassenen Richtlinien entsprechenb zu erfolgen habe. Der Feldschühe hatte sich mit Berechnung feiner Desolbung auf ber ©runblage einer geringeren Beschältigungsbauer, als die Richtlinien sie vorgesehen hatten, einverstanden erklärt, trotzdem seitens der Vertreter ber Gemeinbe in ber Sitzung anerkannt werben muhte, baß er zur orbnungsmähigen Ausübung seines Dienstes eigentlich mehr Zeit benötige. Der Kreisausschuh hatte unter biesen Umftänbcn keinen Aniah, über bie Forberung bes Felbschühen hlnaus^u- gehen. Die Äoften bes Verfahrens muhten ber Gemeinbe zur Last gesetzt werben. In ber Der- hanblung gegen bie Gemeinde Dorf-Gill erklärten sich ber Bürgermeister, ber Gemeinbe- rechner unb ber Polizeibiener ebenfalls mit Berechnung ihrer Vergütungen auf ber Grunblage einer geringeren Deschattigungsbauer, als solche in ben Richtlinien vorgesehen war, eüwerftanben und ber Kreisaulschuh verurteilte die Gemeindc zur Zahlung der ben Forberungen ber Beamten cntsprechenben Vergütungen. Die Desolbung bes Felbschühen würbe unter Zugrunbelegung ebter Beschält gungsdauer von burch'ch Ut'.ich wöchentlich 21 Stunben unb bieienige des Rachtwächters unter Zug unb legung einer Beschäfti u g bauer von burchschnitttich wöchentlich 9 Sturiben festgesetzt. Die Kosten bes Derfahrens hat bie ®e>
fpb. Fr ieb berg, 2. Iuni. Heute vormittag trat bie Belegschaft ber Grube Wölfersheim in einen wilden Streik ein. Der Grunb ist nach einer Pressemeldung darin zu suchen, bah ein feit fünf Monaten auf bem Werk beschäftigter Hilfsarbeiter sich weigert, Mitglieb bes Deutschen (Bergarbeiter- Derbanbes zu werben.
>r
/ Butzbach, 2. Juni, .©eibene Hochzeit feierten heute im Kreise ihrer Familie Anton W e i ck h a r b t unb ferne ©befrau4 geborene Büttel. - Don heute ab ist bas neue Wasser» Derk bei Griebel In Tätigkeit gesetzt unb bem Ortsnetz zuaeführt worben.
sf. griebberg, 2. Juni. In ber gestrigen Stabtverorbnetensihung, die von Dri- georbneten Langsborf geleitet wurde, nahm bie Dersammlung Kenntnis von ben Maßnahmen, bie als „A l t e r s hil f e" geplant sinb. Es sollen im Laufe bes Sommers mehrere große Deran- staltungen, wie turnerische Dvrfüchrungen, Konzert im Durggarten Blumentag, ein Theaterabenb, eine Lotterie usw. flattfinben. beren Ertrag ber „Altersh^lfe" zugute kommen soll. Einzelne Fachausschüsse, von ben hiesigen Dereinen gebilb^, leiten bie Dvrarbetten. Die Arbeit wirb zusam- menaefaht in einem Zentralusschuh, bem stäbti- jcherseits ber Finanzausschuß angehört. Sie
Aus und Land.
® le ft en, den 3. Iuni 1922.
Pfingftmorgen.
Don Sophie Rebel von Türkheim.
Einsam und kirchenstill bas Heibeland.
Der Frühwlnb betet,®olbftaub auf ben Schwingen, Unb um bie Dirken ist ein feines Klingen, Traumleise nur, von grofter Meisterhanb.
In junger Schöne grüßen sie ben Tag, Diamantensterne in ben lichten Locken, Am Silberlleid noch feine Flaumesflocken, Als löse sich ein dunkles Märchen zag.
Und „Gloria in excelsis deo“ rauscht In schwerem Purpursamt, am Himmel droben Die Sonne auf. — Ringsum nur loben, loben. Und meine Seele zittert, klingt und lauscht —.
Und neigt sich deiner Urgewalt'gen Kraft, Du Geist der Pfingsten. — Und In tiefem Beten Fühl plötzlich Ich die ganze Heide reden Und meiner Seele Saiten golbgeftrafft.
So weit und kirchenhehr das HeidÄand —
AuS Heiner Dogelbrust ein Ave in den Lüften, Und weihrauchschweres, wundersames Düften — Lös' deine Schuhe, hier ist Gottes Land!
rb würbe bie Reuregelung der De- Dcrfangt, die nicht wehr auf dem ifsellen Zuschläge, sondern auf dem »rügen Anpassung ber Beamten»
Aus dem Reiche.
Deschküffe deS ReichSwirtschaftSrctteS.
Berlin, 2 Juni. (Wolff.) Ser vorläufige Reichswirischaftsrat hat dem Ausschuhbericht zur Pachtschuhordnung unb ebenso bem Gesetzentwurf über bie Reuregelmg der statistischen Gebühr zugestimmt.
Die Rotlage der Presse.
Berlin, 3. Ium. Gestern mittag fand laut „Deutscher Allgem. Ztg." eine Chefbesprech- u n g und darauf eine Kabinettsslhung über ben Gesetzentwurf zur Behebung der Äotlage ber Presse statt. Die Dlättermeldung, bah ber Gesetzentwurf noch einmal an bie Ressorts zurückverwie- en sei, trifft also nicht zu.
Entschließungen deS ReichSstädtebundeS.
Oeynhausen, 2. Iuni. (Wolft.) Die Mtt- gliebertagung bes Reichsstäbtebunbes hat zwei Entschließungen angenommen.
Sie forbern im Hinblick auf bie katastrophale Lage bet kreisangehörigen Stabte infolge bes tetigen Anwachsens ber Kreisabgaben eine sofortige Aenderung' bes Lanbessteuer- ; e s e h e s unb eine ben gesteigerten Ausgaben >er Stäbte entsprechende wirklich ausreichende Uebertoeifung von Steueranteilen und Steuerquellen unter Beseitigung des Zuschuhsystems. Ferner wird verlangt, durch sofortige Reform des Kreis- unb Provinzialabgaben- rechts eine gerechte Derteilung ber Provinzial- unb Kreisabgaben auf bie stabtische unb länbliche Bevölkerung herbeizuführen unb bie Ueberlastung ber Stäbte mit Kreisabgaben zu beseitigen.
In bet zweiten Entschliehung wirb bie (Beteiligung ber Unierschelbung in bet (Be- hanblung ber Stäbte von über unb unter 10 000 Einwohnern bet Erhebung unb Derwenbung der Wohnungsabgabe gefordert.
Ferner wurden Leitsätze angenommen, wonach die Real steuern in vollem Umfange den Gemeinden zu überlassen sind. Sine wirksame ®runbtoertfleuer für Stadt unb ßanb soll eingeführt werben. Sie Gewerbesteuer sott formell In ihren Klassen verbreitet werben unb ihre Sähe entsprechen!) bem gesunkenen Geldwert gestaltet werben. Materiell sollen auch die freien Berufe erfaßt unb bie Qanb- unb Forstwirtschaft einschließlich der Rebeiigewetbe hero-ngezogen werden.
Als Ort der nächstjährigen Tagung ist Bad Harzbutg bestimmt.
Der neue schweizerische Gesandte in Berlin.
(Berlin, 2. Juni. (WTB.) Der Reichspräsident empfing ben neuernannten aufter» otentlichen Gesanbten unb bevollmächtigten Minister ber Schweizerischen Eibgcnossenschaft Gaston Barlin zur EntgegennaHme bes Beglaubigungsschreibens. Bei dem Empfange war ber Reichsminister deS Auswärtigen Dr. R a 1H e n a u zugegen.


