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Erstes Blatt

1Z2. Jahrgang

Samstag, 3. Juni 1922

General-Anzeiger für Oberhesien

Vrvck und Verla-: vrühl'fche Univ.-Such- und Stetndruckerei N. Lange. 5chriftleitung, Geschäftrstelle und Druckerei: Zchulftrahe 7.

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kommenden Woche den Weg zur Lösung des Prvblemes finden werde. Früher oder später

System Deutschland die Mittel zu liefern suchen, Bezahlung dadurch zu leisten, daß sich eine äußere Schuld schaffe. Deutschland werde übrigens nur in dem Maße, in dem es Geld leihen könne, aufrichtig werden.

London, 2. 3unt (Wolff.,Da i ly Ehro- nicle" schreibt in eiruem Leitartikel über bie Reparationsfrage, die letzten Erörterun­gen hätten erne Reu g rup p ier u n g der Länder zutage treten lassen, in der die Länder, denen die Anleihe zugute komme (Frankreich, Belgien und Deutschlard) auf der einen Sette, während di« Länder, aus deren Märkten die An­leihe aafgertDnunen werden solle (in der Haupt­sache Großbritannien und die Bereinigten Staa­ten) auf 'der anderen Seite ständen. Die An­leihe könne normaler Weise nur unter Bedin­gungen erhoben werden, die den Geldgebern an­genehm finb, und da die Finanzmänner der eng­lisch sprechenden Länder sich keineswegs über- stürzten, um ihr Geld in irgendeiner Weise an­zulegen. so würde es gut sein, wenn Belgien. Frankreich und Deutschland sich 'dem Standpunkt dieser Länder näherten oder wenigstens eine sehr beträchtliche Summe unter sich ausbringen mühten. Die Frage sei unter diesem Gesichtspunkt eine finanzielle und technische statt eine politische geworden. Trotzdem seien noch zahlreiche p o- litische Gefahren im Hrniergrundver­steckt. Eine Widersehlic^eit Deutschlands sei nie­mals in Frage gekommen, solange Dr. Wirth deutscher Reichskanzler f i Aber unter anderen Au'pizien könnte dies g.schechn. Wenn es ge­schehe, so werden, wie der Berichterstatter ge­sagt habe, Großbritannien und Frankreich in gleicher Weise besorgt fein, diese Widerspenstig­keit zu überwinden.

Paris, 2. Iuni. (Wolff.) »Oeuvre" bestätigt dieMatin"-Meldung, daß der internatio­nale Bankierausschuh die Sitzung für acht Tage unterbrochen hat, und daß in der Zwischenzeit Erhebungen bei den Re­gierungen veranstaltet werden sollen. Das Blatt gibt als Vorbedingung für das Zustande­kommen einer internationalen Anleihe die Rot-

ohne einen Ausweg vor uns zu sehen. Leider ist durch den Beschluß des Aeltestenausschusses auch der Reichstag in die Pfingstferien ge­schickt worden und deshalb nicht imstande, seinerseits zum Sauf der Dinge Stellung zu nehmen. So gleiten wir weiter auf der ab­schüssigen Bahn hinab.

Welch durchaus feindlicher Geist auch in Zukunft in Paris seine Herrschaft ausübt, zeigt ganz abgesehen von den Kammerdebat­ten die neue Rote der Dotschaster- ko nferenz mit ihrer sinnlosen Forderung aufZerstörung deutscherEisenbah- n e n. CS spricht aus ihr unverhüllt derselbe Geist des Hasses, den wir nun schon hin­reichend am eigenen Leibe haben spüren müssen. Dieser BernichtungSwut gegenüber gibt es für uns nur eine Losung: Fest und hart bleiben!

Besiegt sind wir; ob wir nun zugleich auch noch vernichtet und mit Recht verachtet sein wollen, ob wir zu allen anderen Ver­lusten auch noch die Ehre verlieren wollen, das wird poch immer von uns abhängqn. Der Kampf mit den Waffen ist geschlossen; eS erhebt sich, so wir es wollen, der neue Kampf der Grundsätze, der Sitten, des Charakters" so sprach einst in trüben Tagen, als die Siegerfaust des Korsen über unseren Vorvätern lastete, Fichte zur deutschen Ration.

Und fv gilt eS auch heute wieder. Die deutsche Wehr aus Eisen und Stahl zer­brach ; es bleibt uns der Kampf mit den Waf­fen des Geistes. Ihn auszufechten ist unsere- LZflicht vor uns selbst und vor dem kommen- ven Geschlecht.

Der Kampf der Geister näher als je ist uns der Wille zu ihm gebracht heute, wo wir uns rüsten, das Fest des Geistes zu begehen, des Geistes, der einst an jenem ersten Pfingstmvrgen die Heine Schar der Jünger mit sieghafter Kraft, mit dem bekennenden, bezwingenden Mute der Wahrheit erfüllte, der sich gegen eine Welt von Feinden, gegen eine Flut von Lügen noch immer besuchtet hat und behauptens wird. Alles was geschah, kann und darf uns nicht irre machen an dem festen Glauben, daß in unserem Volle trotz allen Zusammenbruches die Kräfte schlummern, die uns wieder hinauf­führen müssen und werden, wenn wir uns nur den Glaubenan uns selbst bewah­ren. Auch für uns soll gelten das Wort eines anderen der deutschen Wegbereiter zum einsti-

Deutsche Pfingsten.

Hebet den vielen und schweren Sorgen des Tages will man es schier vergessen, dah der Rosenmonat kam, und daß es Pfingsten wurde. In trübes Duickel ist noch immer die Zukunft, unseres Reiches und Volles gehüllt. Die Opttmisten, die in den letzten Wochen glaubten, Anzeichen für eine Besierung feft- stellen zu können, sind bald eines anderen nur leider nicht eines besseren belehrt worden.

In seiner ReichStagSrede am Mon­tag hat sich der Reichskanzler darauf beschränkt, eine geschickte Darstellung der Vorgänge auf der Genueser Kon­ferenz und namenllich der Hmstände, die zu dem Vertrage von Rapallo führ­ten, zu geben. Heber das, was man eigentlich von ihm hören wollte, über den Inhalt der von uns am gleichen Tage in Paris über­reichten Rote zur Reparativnsfrage, äußerte er nichts. So glückte eS ihm, sich eine für ihn günstige Stimmung im Reichstage und in der Presse zu schaffen. Es schien, als ob das in Aussicht stehende Mißtrauensvotum der Deutschnativnalen keine Hnter- stützung anderer Parteien finden würbe. Heber Rächt änderte sich die Lage, als der Inhcllt unserer Rote bekannt wurde. Sie überstieg tatsächlich die schlimmsten Erwartungen und führte dazu, daß nun auch die Deu t sche D v l k S p a r.t e i nicht mehr in der Lage war, der Reichsregierung ihr Vertrauen auszu­sprechen bzw. den von deutschnationaler Seite eingebrachten Mißtrauensantrag abzulehnen.

Tatsächlich muh man auch jetzt, wo man die ganze Tragweite des deutschen Schrittes übersehen und beurteilen kann, sagen, daß wir uns in Paris erneut auf gewaltige Zugeständnisse fe st gelegt haben, ohne entsprechende Gegenleistun­gen zu erhalten. Wir haben der Entente unsererseits Ersparnisse im Reichshaushalt in Höhe von Milliarden in Aussicht gestellt, wir versprechen ihnen eine gleich hohe Anzahl von Milliarden aus den Erträgen unserer Steuern und darüber hinaus aus deren etwa notwendig werdenden Ausbau, wir gestehen den Gläubigern in unsere Finanzwirtschaft nicht nur einen tiefen Einblick zu, sondern auch eine weitgehende Kontrolle darüber und ver­pflichten uns schließlich, eine große Summe Papiermilliarden einzuziehen, ohne zu wissen, wie wir das ausführen sollen, und machen als einzigen Vorbehalt, daß wir eine An­leihe erhalten. Wir hätten unbedingt for­dern müssen, daß angesichts unserer Zuge­ständnisse und der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage die Mliierten ihrerseits sich dazu ver­pflichteten, sofort die Sanltionen aufzuheben, das besetzte Gebiet einschließlich des Saar­gebietes zu räumen und uns bestimmte Zusagen auf eine Anleihe zu machen, die es uns ermöglicht, unsere Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen. Rur bei Erfüllung dieser Bedingungen ist es möglich, uns innerlich so zu kräftigen, daß wir die von uns verlangten schweren Lasten tragen können, und nur so wäre unsere Rote zu begründen und annehm­bar gewesen. RichtS von alledem geschah; wir sind nun auf Gnade und Hngnade der Reparationskommission und dem Anleiheausschuß ausgelie­fert und müssen abwarten und hinnehmen, waS man in Paris über uns beschließen wird.

ES kann nicht Wunder nehmen, daß man an der Seine und auch an der Themse sehr zufrieden" mit uns ist. Die Reparations- kvmmission hat in kürzester Frist unsere Rote beantwortet und uns das Mora­torium bis zum Ende des ZahreS verlängert, natürlichvorbehaltlich^ usw. Damit ist nun zwar augenblicklich d ie Gefahr beseitigt, die am 31. Mai drohte, die Gefahr nämlich, daß die Fran­zosen zu Svnderaktionen schreiten und etwa

Die Aussichten der internationalen Anleihe

gen deutschen Wiederaufstteg, das Wort Schleiermachers:Deutschland'ist

Die (Erwägungen des Anleiheausschusses.

Große oder kleine Anleihe. Die Neugruppierung der Länder".

Paris, 3. 3unL (WTB.) Der Frage der internationalen Anleihe widmet derPetit Parisien" seine Betrachtun­gen. Rach seiner Ansicht habe der internatio­nale Ausschuß zwischen den beiden Kombina­tionen, die er empfehlen könne, noch keine endgülltige Entscheidung getroffen. Die erste Kombination bestehe darin, auf dem internationalen Markt eine ziemlich große Anleihe unterzubringen. Das wäre jedoch nur möglich, wenn man die Her­absetzung der gesamten Schuld Deutschlands empfehle, indem man einen gleich großen Betrag der interalliierten Kriegsschulden annulliere. Diese Kompen- sativnsfrage könne glücklicherweise erst Dann gelöst werden, wenn Amerika seine Hal­tung zu der Schuldfrage ändere. Daraus er­gebe sich eine zweite Operationsmöglichkeit, für die seit Monat März Finanzminister de Lasteyrie und Sir Hohn Bradbury etn- getreten seien, nämlich eine kleine An­leihe, basierend auf Sicherheiten, aufzule­gen und die allgemeine Regelung für später aufzuheben. Auch hier seien Schwierigkeiten vorhanden, da nach dem französischen Stand­punkt eine berarttge Anleihe Frankreich nur eine geringe Summe ein treiben werde, da da­mit an erster Stelle die belgische Priorität be- rücksichttgt werden müsse. Einzelne Persönlich­keiten glaubten auch, ein Teil dieser Anleihe müsse zur Stabilisierung der deut­schen Mark verwendet werden. Andere Pläne gingen dahin, den Anteil Frankreichs hevab^usetzen. Deshalb sei es nicht wahrschein­lich, daß Der Bankierausschuh schon in der

das Ruhrgebiet besetzen. Man könnte versucht sein, das als einen Erfolg anzusehen. In Wirk- lichkett aber liegen die Dinge so, dah mit einer Verlängerung des Mora­toriums unserer Lage in keiner Hinsicht Rechnung getragen ist. Ab­gesehen von unseren Sachleistungen müssen wir ja doch auch weiterhin allmonatlich 56 Millionen Goldmark zahlen. Schon die Mairate ist nur unter den gröhten Schwie­rigkeiten beschafft worden, und unsere Reichs­regierung erklärte damals, wir seien zur fer­neren Aufbringung solcher Lasten nicht im­stande, wenn uns nicht hinreichend Hilfe ge­schafft würde. Wenn wir jetzt für die nächste Zahlung wieder die nötigen ausländischen De­visen kaufen müssen, jo muß unausbleiblich unsere Mark erneut sinken und eine Vermeh­rung unseres Rotenumlaufes, unserer schwe­benden Schuld, eintreten, also gerade das, was wir in unserer Role einzustellen ver- . _ _______

sprachen haben. Rach wie vor bewegen wir noch immer da und seine uns ich t- uns also im gleichen verhängnisvollen Zirkel,[bäte Kraft ist ungeschwacht!"

Dertrauenvotum für Poincare.

Paris. 2. Cunl (WTB.) Die Kammer sprach der Regierung mit 434 gegen 100 Stim­men das Bertra uen aus. Im Lause der Debatte erklärte P o i n c a r e, er habe am Vor­mittag auf Grund seiner Verantwortung als Re­gierungschef der Reparationskvmmission mit- geteilt, daß die internationale Anleihe nicht von einer wetteren Amputirrung der französischen Forderung abhängig gemacht werden dürfe.

Paris, 2. Iuni. (Wolff.) Die gestrige Rede des Ministerpräsidenten Poincare finbet in der Poesie fast ausnahmslos Zustim- m u n g. Zum Teil sprechen sich die Blätter be­geistert über die Art aus, mit der der Letter der französischen Polttll die Rolle Frankreichs in der Welt gezeichnet habe. Rach dem radikalen Rappel" habe Poincare mehr Kaltblütigkett gezeigt als sein englischer Kol^ge. Dieser Lo- chcinger kenne die germanische Mentalität besser als Lloyd George. Er wisie, daß, um wenig zu erzielen, man viel, geduldig und beharrlich schreien müsse. Er fühle die Macht einer energischen Hmflammerung; er habe sie gestern praktiziert, er werde morgen nicht darauf verzichten, wenn es nötig werde.

Der ..Petit P a r i s i e n" sagt, Poincars habe der Rolle Frankreichs, die einzelne entstellen wollten, ihren wahren großmütigen und idealisti­schen Charakter wiedergegeben. In einem großen Rahmen habe Poincare mit Klarheit und Logik alle Ereignisie. die in den letzten Monaten die Beziehungen Frankreichs zu allen Völkern auszeichneten, heute methodisch erläutert und sie durch lichtvolle Erinnerungen an den grundlegen­den Prinzipien der Rechte Frankreichs, besonders gegenüber Deutschland, erhellt.

DasJournal" spricht von einer starren Frescvmalerei. Man habe alle Persönlich­keiten, die in der internationalen Politik die großen Rollen ausübten, yvrbeiziehen sehen, manchmal mit einer leichten Retusche ihre Sil- houetten erkannt, aber das Schauspiel sei ernst gewesen. Es habe manchmal die Allüren einer vollen Geschichtsstunde angenommen.

Der »Figaro" zeigt sich befriedigt, axil die Rede des Ministerpräsidenten klar und präzise gewesen sei. Keine der diplomatischen Affären, die jetzt noch in der Schwebe seien, habe gefehlt. Man habe dem Ministerpräsidenten mtt großer Aufmerksamkeit zugehort. Die Mehrheit der Kammer, einschließ­lich zahlreicher Radttaler. habe ihm oft willig Beifall gespendet.

Der sozialistische .Populaire" nennt die Rede ein umfangreich^ und gelehrtes Plädoyer. Die Hauptthemata hätten sich wie ßeitnwttoc durch die komplizierten Darlegungen gezogen. Der beherrschende Gedanke fei gewesen, daß er Poincare nicht der Feind des Friedens sei. Das Blatt stellt die Frage, ob nicht der wahre Frieden, der wirkungsvolle Frieden, auf etwas anderem beruhe als auf der Ausführung über­

Wendigkeit einer Lösung der folgenden vier Fragen an: Interalliierte Schulden, Rückkehr zum Prvblemes finden werde. Früher oder später j Goldstandard. Reparationen, Wiederaufnahme muffe man durch das eine oder das andere I normaler Wirtschaftsbeziehungen.

nominaler Verpflichtungen und auf Anerkennung des Rechtes. Wenn die Erfahrung beweis^, daß ein Vertrag unausführbar fei, wie in dem Falle des Vertrages von Versailles. wenn die Rotwendigkeit der Dinge tatsächlich zwinge, jeden Tag ein wenig mehr von seinem Inhalt auszugießen. wenn dieser Widerspruch zwischen dem Buchstaben der Verpflichtungen und der Wirklichkeit bewsise, daß der Vertrag tatsächlich auf dein ganzen Weltall tafle, auf allen politischen, wirtschaftlichen und moralischen Bedingungen, wenn die Ansicht der Welt immer klarer die Ge­fahren dieses Widerspruches vor Augen habe, wären alsdann diejenigen, die sich beharrlich, ja sogar aggressiv an diesen toten Punkt klam­merten, nicht eine Gefahr für den Frieden und Feinde des Friedens?

Frankreichs Bedingungen für die Haager Konferenz.

Eine Denkschrift Poincar^s.

Paris, 2. Iuni. (Havas.) Poincare ließ heute abend an alle zu der Sachverstän­digenkonferenz im Haag eingeladenen Regierungen eine Denkschrift senden, in der er* die Bedingungen erläutert, die Frankreich für unerläßlich hält, um den Erfolg dieser neuen Kon­ferenz für die russische Frage sicherzustellen. Wie erinnerlich, batte der französische Minister­präsident vor ter K nserenz v n Ge. ua am 31. Ja­nuar eine ähnliche Denkschrift an die Alliierten, beim Obersten Rat in Cannes vertretenen Mächte und an die Staaten der kleinen Entente versenden lasien. Das neue Schriftstück knüpft an die all­gemeinen anerkannten rechtlichen Grundsätze an, die damals als unumgängliche Grundlinien für jede Verhandlung mit der Sowjetregierung auf» gestellt wurden und weist auf die Lehren hin, die man aus dxn langen Debatten in Genua mtt den russischen Delegierten ziehen müsse. Zum Schlüsse zeigt P o i n c a r £, daß die neue internationale Beratung außerhalb des Rahmens einertechnische nVerhandlung zwischen Sachverständigen zueinemMiherfolge ver­urteilt sei, in Anbetracht der Erfahrungen, die man kürzlich in Genua mit den diplomatischen Methoden der Sowjets habe machen können. Diese Denkschrift wird, wie Howas weiter meldet, veröffentlicht, so­bald alle Regierungen, an die sie gesandt wurde, sie erhalten haben würden. Erst nachher werde die französische Regierung vollkommen unabhännig wissen, ob sie es für angebracht hält, sich im Haag vertreten zu lassen oder nicht. Es sei von Interesse festzustellen, daß die offiziellen amerikanischen Kreise über die Zusammenkunft im Haag mit den französischen offiziellen Kreisen vollständig die gleiche Ansicht teilten.

Die Schweiz geht nach dem Haag.

Bern, 3. Iuni. (WTB.) Der Bundes« rot hat endgültig beschlossen, die Haager Konferenz zu beschicken. Heber die Zu­sammensetzung der Delegation wird demnächst Be­schluß gefaßt werrden.

Beruhigung in Italien.

Rom, 2. Iuni. (Wolff.) DieAgenzia Ste­fan! meldet: In der heu'igen Kamme-sihung gab der Ministerpräschmt Facta eine Darstel­lung der Lage in B o l v g n a. Er erklärte, die Regierung beabsichtige, maßvoll bvrzugehen, ober die Staatsautorität nicht durch Gewalttätig­keiten antasten zu lassen. Die Kammer nahm die Darlegungen des Ministerpräsidenten zur Kennt­nis und billigte die von ihm gemachten Vor­schläge.

Bologna, 3. Iuni. (WTB.) Auf Befehl Mussolinis verlassen die Faszisten die Stadt. Die Aussperrung in der Industrie wird zurückgenommen. Die Stadt nimmt ihr gewöhn­liches Aussehen an.

Die irische Frage.

London. 3. Iuni. (WTB.) Das Kabi­nett ist hrute wiederum zu einer Be­sprechung der ir°ischen Lage zusammen- getreten. Lloyd George beschloß, London heute nacht zu Der la ff en und sich nach Criccieth zu begeben. Dieser Beschluß wird als ein b o f f - nu ngsvolles Zeichen betrachtet. Weitere Truppen sind heute aus England nach Irland abgegangen.

London. 2. Juni. (Wolff.) Wie gemeldet wird, nimmt Balfour tätigen Anteil an den irischen Konferenzen und trifft heute mit dem Hlsterpräfidenten Griffith zusammen.

Die ungarischen Wahlen.

Budapest, 2. Iuni. (Wolff.) Im zwetten Wahlgang der RationalversammlungS- wählen wurde in 104 Bezirken abgestimmtz Aus 44 hauptstädtischen und Prvvinzbezirken, in denen die Abstimmung geheim war, wird erst das Resul­tat in zwei bis drei Tagen bekannt werden. Don den übrigen 60 Bezirken erhielten bis heute morgen 3 Hhr die einheitliche Regierungspartei 16, die regierunaunter stützende christlich-soziale Partei 8, die legittmistische Androsiy- Fraktion 6, dre Haller- Frattion 2 und die Sozialdemokraten 2 Mandate Parteilos sind drei gewählte Abgeordnete Aus 15 Bezirken steht noch die Entscheidung aus.

Kabinettswechsel in Finnland.

Helsingfvrs, 3. Iuni. (WTB.) Dee Reichspräsident hat den Rücktritt des Ministeriums Mennvla bewilligt und die neue Regierung ernannt, die bis nach den Abge­ordnetenwahlen die Geschäfte führen soll. >