Ausgabe 
3.5.1922
 
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M.M

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_ Erstes Blatt

172. Jahrgang

Mwvoch, 3. Mai 1922

GletzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dmcf und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steinöruderei R. Lange. Schnftleitung, Sefchäftssteke und Druckerei: Zchulstrahe 7.

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Neuer Widerstand der Franzosen.

Genua, 2. Mal'. (WTB.) Darrere bat tn der Rackpnittagssihung der ersten »ilnterfom- miffion ertlärt, bah er am Vormittag von Paris Instruktionen erhalten habe, die ihm die Unter­zeichnung des Memorandums in der russischen Frage unmöglich machten. Er müsse neue Instruktionen abwarten. Die Sitzung -dauerte 7.30 Tlhr noch an.

Paris, 2. Mai. Havas meldet: Der fran­zösische Ministerpräsident drahtete heute vormittag an die französische Delegation tn Genua und ersuchte sie, die alliierten Vertreter bei der Konferenz zu bitten, die im Unterausschuß für russische Angelegenheiten ausgearbeitete Denkschrift den S o wj e t s b e v o l l m ä ch- tigten nicht zu übermitteln, bevor bas französische Ministerium davon Kenntnis genommen hätte. Falls das e Telegramm erst bei der Allreise Darthous ein» treffen sollte, sollen die in Genua verbliebenen Mitglieder die verlangten Schritte tun. Sollte dem Ersuchen nicht stattgegeben werden, so sollen sie alle nötigen Vorbehalte bezüglich -der in der Denkschrift enthaltenen Vorschläge ma­chen, besonders hinsichtlich des Artikels 6. Die Havasmeldung erinnert daran, dah der Vertreter Belgiens, Iaspar, den in diesem Artikel enthal­tenen Klauseln nicht zugestimmt habe und sagt Wetter, dah der französische Ministerpräsident der Ansicht fei, datz sich die französische Regierung über diesen Punkt ihre Ansicht vorbehalten müsse, bis weitere Aachrichten eingegangen sind. Der Ministerpräsident habe bis jetzt noch keine offi­zielle Kenntnis von dem Entwurf der Denkschrift erhalten, unb er wünsche, erst nach Kenntnisnahme des Wortlautes eine Entscheidung zu' treffen. Havas yölt es übrigens für wahrscheinlich, dah das Schriftstück morgen vormittag von Barthvu dem Ministerpräsidenten überbracht wird. Die * Havasmaldung erklärt weiter, dah Iaspar auf formelle Weisung der belgischen Regierung ge­handelt habe, als er die Zustimmung zu Artikel 6 verweigerte. Wenn Barihvu nicht die gleiche Haltung habe einnehmen wollen, so sei es zweifel­ns geschehen, well er glauite, in gewissen Kon­ferenzkreisen unüberwindlichem Widerstand zu be­gegnen, und well er sich nicht mit dem Quai d'Orsay tn Verbindung sehen konnte. Jedenfalls sei der französische Ministerpräsident entschlossen, diese Angelegenheit persönlich zu entscheiden, weil er jede Meinungsverschiedenheit mit der belgi­schen Regierung als besonders unangenehm be­trachte. Rach Havas wird heute abend sogar ver­sichert, das) Poincarö an die französische Dele­gation weitere Instruktionen senden wird, den von Iaspar vertretenen Standpunkt vollständig ein­zunehmen. Poincarö hat, wie die Havasmcldung weiter berichtet, noch immer keine offizielle Ein­ladung zur Teilnahme am Obersten Rat erhalten. Er sei auch weiterhin der Ansicht, dah eine der­artige Zusammenkunft gegenwärtig nicht angebracht wäre. Man müsse den Verfalltag vom 31. Mai abwarten und die Entscheidung, die die Reparationskommission im Falle der Aststellung einer absichtlichen Ver­fehlung Deutschlands treffen werde. Er sei auher- dem der Ansicht, dah jederMeinungsaus- tausch über die eventuell zu ergreifenden Sank­tionen unter den gegenwärtigen Umflänben zwecklos sei. Eine Debatte über ben deutsch- russischen Vertrag von Rapallo und seine poli­tischen, wirtschaftlichen ober sogar militärischen Folgen erscheine dem ftanzösischen Ministerpräsi­denten verirüht. Gr sei der Ansicht, dah es besser fei, das vollständige und endgültige Ergebnis der Konferenz von Genua abzuwarten.

Genua, 3. Mai. (Spezialbericht des Ver­treters des WTB.) Bei dem Zusammentritt der politischen ^Interkommlsston am 4 Tlhr nachmittags waren die D e I g i e r nicht anwesend. Die Franzosen kanten eine halbe Stande zu spät. Darrere teilte den Wortlaut eines Tele - grammsderfranzösischenRegierung mit, wonach er den Bedingungen des Memoran- dutns an die Russen nicht zustimmen sollte, be­vor Barthvu Paris erreicht und seinen Kollegen berichtet habe. Alsdann würden Instruktionen ergehen. Lloyd George sagte, diese Lage komm/e völlig unerwartet. Tar- thou habe bei seiner letzten ilntcrrebung mit ihm nichts derartiges erwähnt. Barre re er­widerte, das Telegramm sei erst kurz vor der Sitzung aus Paris emgegangen. Auf Vor­schlag Lloyd Georges wurde darauf e i n Artikel neu entworfen, erörtert und er­ledigt. Lloyd George richtete einen Appell an die französische Delegation, indem er sagte, der Miherfolg des ülebereinkommens wäre ein Mih- erfvlg der Pazifierung Osteuropas. Darrere er­widerte, er werde sein Aeuherstes tun, um eine Verzögerung zu vermeiden.

Das Memorandum den Russen Übersicht!

Genua, 2. Mai. (Spezialbericht des Ver­treters des WTB.) Das M-morandum wurde heute abend den Russen übersandt unter Vorbehalt der nachträglichen Zustimmung der frattzösischen und belgischen Regierung.

Blättermeldungen aus Genua zufolge ent­hält das den Russen übergebene Memoran­dum im wesenllichen folgende Bestimmungen: Die russische Regierung verpflichtet sich, die revolu­tionären Bewegungen in.anderen Starten nicht zu unterstützen. Sie erkennt die öffentlichen Schul­den an die verschiedenen Regierungen an. Die Mächte gewähren ein Moratorium auf Ka­pital und Zinsen. Die Alliierten übernehmen

Ikeine Haftung für Schäden der Degen- Irevol u t i o n. Sic Herabminderung ver­russ i s chen Kriegsschulden soll innerhalb eines allgemeinen Abkommens der Alliierten über die interalliierten'Schulden erfolgen. Die Sowjet- icflienmg erkennt die Schulden der verschiedenen russischen Regierungen gegenüber Ausländern an. Sie verpflichtet sich, mit den Vertretern der In­haber russischer Papiere ein Abkommen über die Wiederaufnahme des Anleihedienstes zu treffen. Wenn dieses Abkommen nicht zustande kommt, wird die Entscheidung einem gemischten Schieds­gericht von Vertretern der ausländischen Inhaber russischer Papiere, der russischen Regierung und einem vom Obersten Gerichtshof Amerikas ein­gesetzten Vorsitzenden übertragen. Die russische Regierung verpflichtet sich zur Rückgabe des aus­ländischen Kapitals oder zur Kompensation. Heber die Form der Kompensation hak ein Schieds­gericht zu entscheiden, das aus einem Vertreter der russischen Regierung und derjenigen Ration besteht, der der betreffende Eigentümer angehört. Schliehlich bestimmt das Memorandum, dah die russische Regierung Anordnungen zum Schuhe der Ausländer 'treffen muh. Den Russen ist zur Beantwortung des Memorandums keine bestimmte Frist gesetzt worden.

Ein neuer Reparationsvorschlag Lloyd Georges.

London, 3. Mai. (WTB.)Daily Ehro- nicle" berichtet aus Genua, dah auf der Konferenz wegen der Haltung Belgiens und Frankreichs eine ernste Krise entstanden sei. Poincare unternehme den endgültigen Versuch, die Konferenz zum Scheitern zu bringen. Der Brennpunkt der Aufmerksamkeit fei durch die Abreise Dar/Hous nach Paris verlegt worden. Di? Ansichten der in Genua anwesenden französischen Journalisten seien geteilt darüber, ob Darthou als Sieger oder überhaupt aus Haris zurückkehren werde. Andererseits befürchteten die Italiener, Reutralen und Deutschen, dah Darthou mit einer vitalen Konzession Lloyd Georges in der Tasche abgereist sei. Während er nach An­sicht desDaily Chronicle" mit dem Wort­laut des .russischen Memorandums nach Paris abgefahren ist, berichtet der diplomatische Korrespondent desDally Rews" aus Genua, dah Darthou Poincare einen neuen Plan LlohdGeorgesfüreineRegelungder interalliierten Kriegsschulden und der Reparationen überbringe. Dieser Plan, den Lloyd George Poincare endgültig unterbreite, sei in der Hauptsache von Basil Blackett entworfen und sehe vor, dah der Reparationsbetrag zunächst auf 1 1 0 Milliarden festge - s e-tz t wurde (wobei die Herabsetzung auf die bis­her schon geleisteten Zahlungen zurückzusühren ist) und dann in zwei Kategorien geteilt werden, die eine von 35 und die andere von 45 Milliarden. Die erste Zahl stelle die gesamte Summe der interalliierten Kriegsschulden dar und würde vorläufig vollkommen beiseite gestellt wer­den und von Deutschland 'würde nicht verlangt werden, dah es irgend­welche Zahlungen bezüglich dieser Summe leiste. Die übrigen 45 Milliarden würden bas unmittelbare Reparationsproblem bilden. Bei einer solchen Herabsetzung der Reparationssumme könne Deutschland eine inter­nationale Anleihe auflegen, die zum Beispiele die Zahlungen für die nächsten 5 Jahre decken könne. Die Annahme dieses Planes würde das Reparationsproblem auf eine ganz neue Gr rnd- lage stellen. Der Berichterstatter desDaily Rews" fragt: Welches sind die Aussichten dafür, dah eine so vernünftige Entscheidung von Frank­reich angenommen wird? Das Blatt stellt eine Reihe von Erwägungen auf, die bie Lage wahr­scheinlich nicht beeinflussen würden. 1. ülnmittel- bar vor Genua warne Groh-Britannien, dah die Vereinbarungen bezüglich der Erlassung der Zin­sen für den von Frankreich Groh-Britannien geschuldetcnTetrag jederzeft zu Ende gehen können. 2. Frankreich braucht dringend Geldmittel. Wenn die unmittelbarenVerpflichtungenDeulschlands auf 45 Milliarden herabgesetzt würden, so würde es möglich sein, eine internationale Anleihe auf» zunehmen, von der der gröhte T:il an Frank­reich gehen würde. 3. Während Frankreichs Rr- parationsanteil 52 Prozent betrage, besteh« Grund zu der Annnahme, dah, wenn der neue Plan angenommen werde, Groh-Britan­nien, das eine Stabilität Europas für einträglicher halte als Reparationen, einer Ver­gröberung des französischen Anteils auf Kosten Großbritanniens zustimmen würde. Dies seien im groben und ganzen die Bedingungen, die Darthou Poincare unterbreiten werde. Die Unterbreitung dieser VorscUäge eröffne ben Weg für eine Zu­sammenkunft zwischen Lloyd George und Poincarö in Genua oder anderswo. Darihou werde Poincare auch über die Verhand­lungen bezüglich des Durgfriedenspaktes Bericht erstatten, die nicht sehr günstig fortge­schritten seien infolge der Meinungsverschiedenheit darüber, ob der Pakt- gebrauch: werden solle, um bestehende Verträge zu stärken oder zu schwächen. Die Ansicht scheine Boden zu gewinnen, dab weit wichtigere Ergebnisse als sie durch einen Pa ft möglich seien, erzielt werden

könnten, durch die Ausnahme Deutsch­lands und Rublands in den Völker­bund. E-s bestehen zahlreiche Gründe, weshalb ter Völkerbund Staaten nicht einladen sollte, dem Bunde beizutreten, und die Aussichten, dah Deutschlqnd auf diese Weise ein Mitglied des Bundes werde, seien gering. Genua bilde jedoch eine Gelegenheit, die nicht ball? wiederkehren werde. Es würde gut möglich sein, in einer Voll­sitzung der Konferenz eine Entschliebung vorzu­schlagen, und zwar würde dies am besten durch Lloyd George geschehen, der von allen in Genua anwesenden Mitgliedern des Bundes die Ver­pflichtung verlangen solle, auf der Versammlung des Bundes im nächsten September einen Antrag von feiten Deutschlands und Rublands um Auf­nahme in den Bund zu unterstützen. In den rnast- gebenden "Kreisen werde diese Entwicklung ernstlich in Betracht gezogen.

Peinliche Verwaltungen Tschitscherins.

Genua, 2. Mai. (Spezialbericht des Ver­treters des WTD.) Die russisch? Delegation ver­öffentlicht einen Brief Tschitscherins vom 30. April an den Präsidenten der ersten Kom­mission. Minister Schanzer: Darin bestätigt Tschitscherin den Empfang eines Brieses Schan- zers vom 27. April, worin er von dem Mei­nungsaustausch Kenntnis erhalten habe, der auf Veranlassung der Delegierten Schwedens und der Schweiz in einer offiziösen Versammlung der Delegierten Belgiens, Frankreichs, Japans, Grob­britanniens, Italiens, Polens und Rumäniens stattgefunden habe. In Zusammenhang mit dem Telegramm des Herrn Iordania, der als Präsi­dent der nationalen Regierung von Georgien sich bezeichnet, und über angeblich? militärische Opera­tionen der Sowjettruppcn gegen ausstänbisch? Ge­orgier berichtet habe. Tschitscherin fährt fort, die Frage der Kompetenz der erwähnten Versammlung zur Prüfung einer solchen An­gelegenheit solle beiseite gelassen werden. Als Information wolle er Herrn Schanzer zur Kennt­nis bringen, dab kein Ausstand in dem genannten Gebiet ftattgefunben habe, und dab es somit auch nicht zu militärischen Operationen gekommen sei. In Europa gebe es unter den _ ehe­maligen Monarchen und Mitgliedern gestürzter Regierungen viele Leute, die aus persönlichen Interesse keinerlei Gelegenheit vorübergehen lie­ben, ohne nach Möglichkeit bie Herstellung fried­licher Zustände in Europa zu verhindern. Diese Bemühungen vervielfältigten sich naturgemäb an­gesichts der internationalen Konferenz, die eine Einigung unter den Rationen und die Beseitigung der bestehenden Konflitte erstrebe. Erstaunlich sei es aber, dab die einladenden Mächte einen Vorschlag geprüft hätten, der von einer Privatperson stamme und auf die Republik von Georgien Bezug habe, ohne dab die rechtmäßige Regierung dieser Republik nämlich die Sowjetregierung, vertreten war. Die russische Delegation stelle indessen mit Befriedig­ung fest, welches Interesse die genannten Regie­rungen daran nehmen, Mittel ausfindig zu machen, um jedes Dlutvergießen in Europa und anderswo zu verhindern. Eie halte es dafür für nötig, diesen Delegierten -zu empfehlen, ihre ernsteste Aufmerk­samkeit auf die Tatsache zu richten, dab in ver­schiedenen Gegenden ter Welt tatsächlich Blut ver­gossen werde, und auf die Gründe, auf die dieser Umstand zurückzuführen sei. Zuerst wolle die russi­sche Delegation auf die militärischen Operationen der Japaner in de' Republik des Fernen Ostens Hinweisen. Diese Operationen hatten im Fernen Osten die Bildung antirevolulionärer Ban­den ermöglicht, die von der Republik mit bewaff­neter Macht zerstreut worden feien. Darauf hielten bieIapaner die Besetzung aufrecht und schickten neue Truppen, so dab wieder neue militärische Ope­rationen unvermeidlich würden. Ferner wünsche die russisch? Delegation, daran zu erinnern, das) in Europa selbst die militärisch? Besetzung aus­ländischer Gebiete und die Vernichtung d?r Rechte der nationalen Minderhei'en Aufstände und blu­tige Feindseligkeiten mit sich bringe oder in der Zukunft unvermeidlich mache. Man brauche nur an die Folgen der Besetzung des Gebiets von Wilna durch den polnischen General Zeli- g o w s k i zu bcnlen, der di? Bevölkerung dieses Gebiets hindere, ihren Willen kund zu tun und frei über jf;r Schicksal zu entscheiden. Dasselbe sei in Ostgalizien der Fall. In Südost-- e u r o p a hatten die Rumänen gewaltsam Deh- arabicn bcfetzt und führen fort, die Bevölkerung dcs Landes zu bedrücken. Dieselbe Erscheinung sei in Zug oslawien in bezug auf dicxMontc- negriner. Kroaten und Mazedonier zu finden. In gleicher Weise würden die Rechte der Bevölkerung Thraziens und in Mitteleuropa die der Einwohner des Saarbeckens mit güten getreten. ©5 fei wohl kaum möglich, noch an alle Ülmstände ähnlichen Charakters zu er­innern, die in Indien, Aegypten, Tunis, Tripolis, Korea usw. sich zeigten.

Ferner könne die russische Delegation die zu­verlässigen Rachrichten über die jüngst zwischen General Wranqel und den rumänischen und jugoslawaischen Vertretern ab­geschlossenen Verträge nicht unerwähnt lassen. Diele Verträge hätten zum Ziel, ein? Offen­sive gegen bie ukrainische Republik vorzubereiten und blutige Kämpfe herbeizuführen.

Das Schreiben schließt, die russische Delega­tion halte es um sp wehr für angebracht, an die erwähnten Tatsachen zu erinnern, als5 gänzlich I von den Regierungen, deren Delegierte den oben I

erwähnten Brief veranlasst hätten, abhänge, bent Dlutvergieben ein Ende zu machen und weiteres zu verhindern. Die russische Delegation ihrerseits sei bereit, aus der Konferenz von Genua an einer Prüfung der Frage tellzunehmen, in welcher Weise allen unterdrückten Ratio­nalitäten die Möglichkeit gegeben werden könnte, frei über i h r Schick­sal zu entscheiden, und welches die geeig­netsten Mittel zum Schuhe der Interessen bei nationalen Minderheiten in Ländern mit gemifdy ter Bevölkerung seien. Auf jeden Fall bitte er, die obigen Ausführungen den intereffierten Re­gierungen zur Kenntnis zu bringen.

Die weitere Regelung der Beamtengehälter.

Berlin, 2. Mai. (WTB.) Die von der Reichsregierung am 1. Mai begonnenen Verhandlungen mit "ben Spihenvrganifa- t tonen über die Reuregelung der^eamten- g e h ä l t e r wurden gestern abend beendet. In den beiderseitigen Auffassungen wurde eine voll», ständige Ülebereinstimmung nicht erreicht. 3m Lause der Verhandlungen näherten sich die Vor­schläge soweit, dah zwischen dein Angebot der Regierung und den Forderungen bei Organi­sationen nur noch ein ülnterschied von 1000 Mark für das Jahr und jeden Beamten aller Besol dungsgruppen vorhanden war. Das letzte An­gebot der Regierung ging dahin, den allge - meinen Teuerungszusch lag von 30 auf 65 Prozent und ben bestehenben Son- berteuerungszuschlag von 3000 auf 5500 Mark zu erhöhen, während die Or­ganisationen den letzten Betrag aus 6500 Mark erhöht wissen wollten. Die Zugeständnisse der Regierung hatten einen jährlichen Mehraufwand vonMilliarden Mark betragen, nachdem erst am 1. April für ben gleichen Zweck 50 Milliarde Mark bewilligt worden sind Die Regierung glaubte damit den gegenwärtigen Teuerungsver- hältnifsen in dem erforderlichen Umfang1? Rech­nung getragen zu haben. Weiter glaubte bk Regierung * bei der. schwierigen Finanzlage und den sonst zu übenden Rücksichten nicht gehen zu können. Welche' Wirkungen ba< Angebot der Regierung auf das Gehalt deS eir zelnen Beamten gehabt hätte, ist daraus zu er­sehen, dah sich deisvielsweise di? Gehaltsve^ zöge eines Postschaffners in der 3. Ge­haltsstufe etwa im Alter von 32 Jahren in Berlin um folgende Beträge erhöht hätten: als Lediger von 33 520 auf 43 160 Ml., also um 8840 Mk., als Verheirateter mit zwei Kindern (durchschnittliche Kinderzahl) von 43 820 auf 55 560 Rkk., also um 11 740 Mk. Gemessen an diesem Gesamteinkommen bedeutet der von den Organisationen geforderte * Mehrbetrag von jährlich 1000 Mk. für txy ein­zelnen Beamten eine verhältnismäßig geringe Summe, während bie finanzielle Auswtllusg mit über 4 Milliarden Mk. angesichts der g-genwär- tigen Lage des Reiches unerträgliche Folgewir- lvngen auslösen könnte. Die Regierung, die die Rotlage der Beamten in vollem Maste anerkannt hat, wird mit grösster Beschleunigung die erforder­lichen Maßnahmen ergreifen, um die Entscheidung ter zuständigen gesetzgebenden Faktoren herbeizu- führen. Das Reichstabinett wird sich zu diesem Zwecke schon heute mit der Angelegenheit befassen.

Gras Lercyenfeld in Karlsruhe.

Karlsruhe, 2. Mai. (WTD.) Der bayerische Ministerpräsident Graf Lerchen- seid ist gestern abend zum Besuch der ba­dischen Regierung hier eingerrosfen.

Bei der Tafel, die heute nachmittag 2 rlhi im ctaatdmmlftcnum stattfand, wies Staats- Präsident Dr. Hummel aus die Gemein­schaft wirtschaftlicher uno politi­scher Interessen yin, die Bayern un£ ganz Süddeutschlanv mitelnanoer verbinden. Süddeutschland sei vielleicht besonders geeig­net, in der deutschen Politik der GegMvart eine führende Rolle zu spielen wegen der leidenschaftslosen Art der Betrachtung inner- und außenpolitischer Dinge. Bezüglich Genua haben wir den Eindruck, daß die Trä­ger der deutschen Politik in Genua es verstau- den haben, die Interessen Deutschlands und seine Ehre in Genua in beherzter Weise zu vertreten.

Graf Lerchenfeld betonte in seiner Erwiderung, dah die süddeutschen Staaten in unserem großen deutschen Vaterlande und darüber hinaus überall da, wo Deutsche woh­nen, eine besondere politische Mission zu er­füllen haben, denn es bestehe nun ein­mal eine Mainlinie kleiner. Un­terschiede zwischen unseren ein­zelnen Stämmen, zwischen Süden und Rvrden. ülnsere Aufgabe hier in Süddeutsch­land muh es sein, diese Mainliniezuver- wischen und nicht zu dulden, daß eine Main­linie sich politisch geltend machen kann. In Bezug auf Genua hob der Redner her­vor, daß ganz Deutschland hinter unseren Un­terhändlern in Genua stehen tnüsse. Heute han­dele es sich um nichts weniger als darum, das Erbe unserer Bäter, das einige Deutsche Reich, zu erhalten. Es sei notwendig, in diesen. Ta­gen alle Gegensätze zu verwischen und dafür zu sorgen, dah ein gegcnseiti? Verständnis unter den einzelnen Volks,.:,