Ausgabe 
3.4.1922
 
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Hr. 79 Zweiter Blatt Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessenf Montag, 5. April (922

düngen.

der

Der Vorsitzende. Provinzialdirektor Mat­thias. gab zunächst bekannt, daß die Pro- vinzialtagSmitglieder Merz- Schotten und Prof. Dr. Schian-Gießen ihr Amt freiwillig nie» der gelegt hätten und an ihre Stelle Kaufmann S i l l c r - Homberg und Land- und Gastwirt Pjannstiel - Ulrichstein getreten seien. Er ge­dachte hiernach der seit der letzten Tagung ver- slorbeuen früheren Provinzialausschuhmitglieder Daurat Stahl- Friedberg und Bürgermeister S t ö p l e r - Lauterbach, und würdigte deren Ver­dienste um die wirtschaftliche Entwicklung der Provinz Oberhessen Zur Ehrung der Verstör- denen erhoben sich die Anwesenden von ihren Sitzen. Sodann wurde in die T a g e s o r d -

Aach Erledigung der Tagesordnung schloh Vorsitzende mit Dankeswocten die Sitzung.

den belgischen Soldaten belästigt. Die Kontrolle der Pahausweise durch die Patrouillen ist direkt zu einer Pahschikane (, isgewachsen. Die Pa­trouillen Zeigen überhaupt grohe Willkür. Oesters lösen sie Versammlungen aus, auch solche, die vor­her regelrecht von der Desatzungsbehörde ge­nehmigt worden sind.

In Düsseldorf sind in dem in einem Jahre DesahungSzeit über 100 Personen zu teils er= heblichen Freiheitsstrafen und über 400 Personen mit Geldstrafen, darunter mehrere bis zu 10 000 Mark, bedacht worden. 47 Personen wurden auö Düsseldorf auSgewiesen. In beiden Städten findet noch heute eine Zensur, und zwar eine offene und eine geheime, durch die Besatzung statt. Auch die gesamte Verwaltung unterliegt der Ueberwachung. Berichte an Vorgesetzte und Ver­fügungen an unterstellte Behörden müssen der BcsatzungSbchörde zur Genehmigung vorgelegl werden. Ebenso sind alle Ernennungen. Ver­setzungen und Entlassungen, ja sogar alle über vier Wochen währende Beurlaubungen von Be­amten in leitender Stellung. Lehrern und Polizei­beamten. der Desayungsbehörde anzuzeigen.

Dah natürlich auch Die Presse in diesen unter dem Belagerungszustand stehenden Städten schwer zu leiden hat. ist selbstverständlich. Jede Erörte­rung der Kriegsschuld, auch wenn sie völlig unter innerpolitischem Gesichtspunkte erfolgt, ist verboten. Während der Abstimmung in Ober­schlesien waren alle Aufsätze und Abhandlungen über Oberschlesien unter Vorzensur gestellt. In Duisburg sind fast sämtliche Zeitungen schon von einem Verbot betroffen worden. In Düssel­dorf wurden das ..Düsseldorfer Tageblatt" und dieDüsseldorfer Zeitung" wiederholt verboten und ihre Schriftleiter mit Gefängnis bzw. Geld­strafen bedacht.

Die schweren Desahungslasten, welche die beiden großen Industrie- und Handelsstädte zu tragen haben, die Rechtsunsicherheit, die durch den immer noch währenden Belagerungszustand hervorgerufen ist. haben ungemein schwere Fol­gen für das gesamte wirtschaftliche Leben. Die städtischen Finanzverhältnisse in beiden Städten sind auf das schwerste gefährdet. Es wird höchste Zeit, das) dem Abbau der wirtschaftlichen Sank­tionen möglichst bald auch die Beseitigung der miliitärischen Sanktionen folgt und Düsseldorf und Duisburg von der Besatzung befreit werden.

Heidemann (K.f in einer fast zweistündige Rede eine Herabsetzung der Umsatzsteuer ver­langt and iich namentlich gegen irgendeine Ber- günsiigung der Presse wendet.

Die Abgg. Brodaus (Dem.) unb Dr. Heis­se r i ch (Dtfchntl.) nehmen alsdann ihre Anträge aus Freilassung der Handelsvertreter von de älmsatzsteuer wieder auf.

Minister Dr. Hermes bittet, diese Anträge abzulehnen, da solche Bevorzugung der Agenten dazu führen würde, dah die Geschäftswelt sich die Befreiung von der älmsatzsteuer in weitestem Maße nutzbar machen würde, damit würde aber das ganze ^lmsahsteuergZ.y durchbrochen. Aachdcm as Zentrum seine älnterstützung des Antrages Brodaus zurückgezogen hat, werden die beiden Anträge gegen die Stimmen der Rechtsparteien und der Demokraten abgelehnt. Aerztliche Hilfe- ciftungen und Arzneimittel, soweit sie von den Krankenkassen zu zallen sind, nach einem ent­sprechenden Antrag der Mehrheit, von der Um­satzsteuer befreit.

Zur Inseratensteuer wird der von den lln* abhängigen wieder aufgenommene Antrag aus Staffelung, wie es der 'Ausschuß in zweiter Le­sung beschlossen hatte, angenommen, mit der Matz­gabe. das) statt des Kalenderjahres das Kalender­vierteljahr wieder cingeführt wird. Die Steuer ermäßigt sich bet Zeitu:gcn und Zeitschriften von den ersten 200 000 Alark des vierteljährlichen Entgeldrs auf 1 Pro,Zent, bei den nächsten 200 000 Mark des vierteljährlichen Cntgeldes auf l3-'« Prozent, und beträgt dann von je weiteren , 200 000 Mark 2 Prozent. 21 .. und 3 Prozent. Von den nächsten weiteren 100 000 Mark beträgt die /Steuer dann 3>2 Prozent und ton allem, was

nommen, daß. wenn ein Stcrr.rzahlec mehrere Zeitungen oder Zeitsch iften beizt, für eine et­waige Ermäßigung jede Zeitung und jede Zeit­schrift selbständig zu behandeln ist.

Auch der Rest der plmsatzsteuer wird sodann

Deutscher Neichstay.

Berlin, den 1. April 1922.

Aachdem der Gesehcntwu f über die Auto­nomie der Reichsbank dem Haaptaueschutz über- wiesen worden war, wird die dritte Lesung der

Die Besatzungslasten von Düsseldorf und Duisburg Don H. H. Bormann.

Außerordentliche Sitzung des Provinzialtags der Provinz Oberhessen.

Sieben. 25. März.

angenommen.

Es folgt die Erhöhung der Verbrauchssteuer.

Die Verbrauchssteuer wird in allen drei Le­sungen ohne Debatte angenommen, desgleichen die Vorlage über die Erhöhung der Zölle (Kaste?, Kakao und Tee) sowie über die Aufhebung der vorübergeh mden Zoll.r'eichteru igen. Autzerdem werden angenommen das .^uckcrsteuerges tz, das Süßstvffoeseh. das Rennwett- urd Lotteriege'eh, das K.aftfah'-zeugsteuergesetz und das Versiche- rungssteuerg setz. Da ni'. sind alle Ste> erre'e e in allen d ei Lesu ige t ang-nommen Auch das MantelgZch einscht. der Zwa-g an'.ei e wird in zweiter Lesung angenommen. Gegen die sofortige d i te Lesung erheben die Unabhängigen Ein­spruch.

Angenommen wird dann noch eie Entschlle- tzung des Zentrums auf Fürsorge für kinderreiche Familien.

Es folgt die zweite Lesung eines von allen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten be­antragten Gesetze'.twurses über die AurbMu 'g von Kriegst llnehmern zum Richteramt. Der Ge­setzentwurf kürzt den Vorbereitungsdienst für die­ses Amt um mindestens 6 Monate Der Aus­schutz batte beantragt, die Handhabung des Ge­setzes den einzelnen Ländern zu überlassen.

Abg. Dr. Rosenfeld (U.) prvte irrt da­gegen und verlangt ein eigenes Reichsgesetz. Aach­dem je ein Vertreter des Preu i'ch'n Justiz­ministeriums und des R ichrmini er u s d Ver- siche u ra abgegeben haben, datz ei e ei.thcilliche wohlwollende P aris Hatt,i tben solle, die einer unzulänglichen Au. bi'dang vorbeuge, werden die Au fhu b.'schlü s- a g nommen.

Räch te St-.u tg Montag nachmittag 2 älhr. Etat des Auswärtigen Amtes.

Gics;encr Strafkammer.

G ieh en. 31. März 1922.

Wegen Betrugs wurde der Mechaniker G. W. auS Coburg zu drei Jahren Ge­fängnis verurteilt. Ec schwindelte einem hie­sigen Straßenbahner vor. er könne ihm billige Lebensmittel besorgen und veranlaßte ihn. einen Bestellschein ,u unterschreib n. Mit diesem begab er sich zur Frau des Beamten, zeigte den Schein

Punkts Rächt ragsvora n schlag zum Voranschlag der P r o v i n z i a l k a s s e b e t Provinz Ober Hessen für das Rech­nungsjahr 19 2 1. Infolge der starken Geld­entwertung und der dadurch verursachten Er­höhung der persönlichen und sachlichen Kosten wurde die Ausstellung eines R a ch t r a g s v o r - anschlags notwendig Die gesamten Mehr­ausgaben betragen 972 000 Mk.. denen an Mehr­einnahmen nur 97 000 Mk. gegenüber stehen. In- olgedessen müssen nachträglich 875 000 Mk. um­gelegt werden. Der Vorschlag des Provinzial- ausschusses, diesen älmlagebedarf um 350 000 Mk.. die ans dem Rechnungsrest von 1920 entnommen werden sollen, zu lürzen. fand Annahme. Dem­entsprechend setzte der Prvvinziallag die Rach- tragSumlagen auf 525 000 Mk und die gesamten Umlagen auf 4 975 000 Mk. fest. Es sind dies gegen das Vorjahr 115 000 Mk mehr. Jin übrigen gab der Rachtragsvvranschlag nur noch zu einer kurzen Debatte über die Art der AuS- zahliing der Kinderzulagen Anlast. Das vom Provinzialausschuß seither geübte Verfahren wurde als berechtigt anerkannt.

Punkt 2. Antrag deS Provinzial- ausschltsses betreffend die Tage­gelder der Mitglieder des Provin- zialtagS sowie der Mitglieder und E r s a tz m i t g l i e d e r des Provinzial- Ausschusses. Der Provinzialtag beschloß ent­sprechend dem Vorschlag des Provinzialausschus- ses. dast 1. für die regelmäßigen Sitzungen in Sietzen die Fahrtauslagen für die 3. Klasse er­stattet und 2. an Tagegeldern und Ülebernach- tungsgebühren die jeweils für die Landtags- abger röneten geltenden Sätze vergütet werden Die Regelung unter 1 tritt mit Wirkung vom 1 April 1922, die unter 2 mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 in Kraft.

Punkt 3. Antrag des Provinzial­ausschusses auf Krediterweiterung für den Ausbau der elektrischen äleberlanda ii lagen in der Provinz O b e r h e s s e n. Der für den Ausbau der Heber- landanlace bewilligte Kredit reicht in Anbe­tracht der feil dem Frühjahr 1921 weiter fort­geschrittenen Geldentwertung nicht aus. Die fer­nerhin eintretenden Kreditüberschreitungen sol­len der Senehmigung in einer späteren Sitzung des Provinzialtags Vorbehalten bleiben Der Provinzialtag war in Liebereinstimmung mit dem Provinzialausschust und der Provinzialver- waltung d-r Ansicht, dast der geplante Ausbau der ilebertanbanlage durchge ührt werden solle. Im Anfchlust an die vorgebrachte Beschwerde üb-r den langsamen Fortgang der Dauarbeiten b-richte c Prov.n ialrat Wolf über den Ver­lauf des Ausbau?«. Im Jahre 1920 seien 17, in 1921 52 und in 1922 bis jetzt 21 ®?meinb>n und austerdem noch insgesamt 41 besondere Anlagen an die Lieberlandanlage abgeschlossen worden. Der Ausbau schreite, nachdem mancherlei Or­ganisation? Mängel säens ber Rheinischen Elek- tri-itäts-Aktien°Gesellschaft behoben worden seien, rüstig voran. Diese Gesellschaft habe den weiteren ' Ausbau nur unter der ausdrücklichen Bedingung , übertragen bekommen, dast sie ihn bis zum , Iahresschluß beende. Die Abgg. Reh und , Braun- Alsfeld begründeten eine Anregung, dast Alsfeld für den Sih der technischen Filiale , an Stelle von Lauterbach vorgesehen werden , möchte. Der Vorsitzende. Direktor v. Stadler, , uni/ Abg. Re chtien erläuterten die Gründe, warum Lauterbach sich besser für den Sih dec , Filiale eigne als Alsfeld. Der Antrag des Pro- i vinzialausschusses aus Erweiterung des Kredits . wird einstimmig gutgeheißen.

Ein volles Jahr dau^ri nunmehr die Be­setzung von Düsse d ri un DuiSburg. Qlm 9 März 1.921 wurde ü?cv die beiden Städte der schwere Druck der militärischen .Sanktionen" verhängt. Während die gleichzeitig in Kraft getretenen wirtschaftlichen .Sanktionen" nach Unterzeichnung des Ultimatums zum größten Teil wieder ab» gebaut worden sind, bestehen die militärischen, die Besetzung von Düsseldorf und Duisburg, ohne jeden Rechtsgrund noch heute. Diese Aufrecht­erhaltung der militärischen .Sanktionen" bedeutet eine unheilvolle Erschütterung des Rechtsnefühls.

Düsseldorf und Duisburg stehen noch heute unter d m rn litärischen Belagerungszustand, also 'Usschliehlich unter Militärherrfchast. Die Ordon­nanzen der Rheililandkommission haben in diesen tzeiden Städten keine Gültigkeit. Alle Macht liegt in den Händen des sranzösischen und belgischen Generals W e sehr eine solche Militärherrfchast in die bürgerlichen Rechte der Bevölkerung, in daS gewerbliche Geben, in die Freiheit der Presse und in die Selbstverwaltung eingreift, liegt flar auf der Hand.

Mit am schwersten wird die Devöllerung be­drückt durch die rigorose Beschlagnahmung von Wohn- und Unterbringungsräumen für die Offi- riere und Truppen. Obwohl in Düsseldorf, das Garnisonstadt war. Kasernen vorhanden sind, wurden auster diesen Kasernen eine Reihe anderer militärischer Gebäude, wie das Dezirkslommando. Militärgericht und ferner zahlreiche Schulen und andere öffentliche Gebäude beschlagnahmt. Zeit­weilig waren mehr als 300 Schulklassen ihrer vestimmung entzogen. Auch heute sind, trotzdem >ui die Defatzungstruvpen eigens ein größerer Xafemcnneubau errichtet werden must le. noch ,wei Schulen ganz von Truppen belegt. Eine weitere Schule ist für den Unterricht der Kinder der Defahungsangehörigen bZcUagnahmt Für Offiziere und teilweise für die Unterbringung non Unteroffizieren mutzten Bürgerhäuser zur Verfügung gestellt werden. Dis zu 1200 solcher Offiziersguartiere wurden zeitweilig gefordert, und heute noch sind über 300 Wohnungen von ic zwei bis acht Räumen in Düsseldorf beschlag­nahmt. Auch eine größere Anzahl von Dureau- räumen mußten für die Desahungsbehörde frei- gemacht werden. In Duisburg ist die Woh- uungsbcfchlagnahmung noch größer: denn Duis­burg hat im Frieden niemals Militär gehabt und verfügt deshalb über keine Kasernen. Hier sind bis zu 26 Schulen, ferner zahlreiche Turn­hallen und Säle, beschlagnahmt worden. Außer­dem mußten bis zu 1285 Privatquartiere bereit- gestellt werden. Heute, wo die Dsfayung in Duisburg von einem Bestand im Mai v. Is. 25 000 Mann auf 4500 Mann zurückgegangen ist. find immer noch sechs Schulen und 34 Sale als Massenquartiere beschlagnahmt. Außerdem bean­sprucht heute noch die Besatzung 593 Privat­quartiere mit 1115 Zimmern und 254 Küchen. Die Stadt Duisburg, die wie jede Großstadt

Punkt 4. Antrag des Provinzial­ausschusses aus Kreditbewilkigung für die Errichtung von Werkwvhnu n- gen fürdasPerfonalderelektrifchen Ueberlandanlage. Rach einer kurzen Aus­sprache und Anhörung von Vorschlägen der Abgg. Lux und Fourier beschloß der Provinzialtag im Sinne dcs Antrags des Provinzialausschusses dah zur Beschaffung einer Anzahl von Wohnun gen für das Personal der Ueberlandanlage di geeigneten Schritte unternommen werden sollen. Vorsorglich wird ein Kredit von 2 Millionen Mark zur Verfügung gestellt.

I anderen Plätzen die Militärpersonen nut die Hälfte des eigentlichen Eintrittspreises bezahlen, beträgt int Monat 60 000 Mk. Bei militärischen Empfängen und Paraden müssen die Straßen auf Kosten der Stadt mit Sand bestreut und oft stundenlang gesperrt werden. Die Straßenbahnen tonnen während diesen Stunden zum großen Teil nicht verkehren. Der Verlust an Fahrgeld auS solchen Anlässen ist mit einigen Hunderttausend Mark noch niedrig bemessen, ganz abgesehen von den weit größeren Allgemeinen wirtschaftlichen Schäden derartiger sinnloser Derkehrsunterbin-

sehr unter Wohnungsnot zu leiden hat (es fehlen in Duisburg 11 000 Wohnungen), hat feit Juli j. Is. wiederholt sich bereit erklärt, fafernen- mä6ige Baracken für die Unterbringung der De- satzungstruppen bauen zu lassen. Die belgische Desahungsbehörde hat aber hierzu bis jetzt ihre Zustimmung noch nicht gegeben. Sie stellt viel­mehr an die Stadt das dreiste Ansinnen, sie solle zuerst bescheinigen, daß sie die Baracken aus eigenem freien Willen bauen werde, also gewissermaßen aus Wohlwollen für die Be­satzungstruppen. Die Einquartierungslasten in Duisburg haben in dem einen Jahr Desahungs- zeit insgesamt 40 Millionen Mark Unkosten ver­ursacht.

In Düsseldorf hat die beschleunigte Herstel­lung der Kasernenneubauten einen Kostenauf­wand von 30 Millionen Mark verursacht. Zur Ausstattung von Quartieren mußten weiter bis­her 20 Millionen Mark aufgewandt werden. Bauliche Aenderungen in Massen- und Einzelquartieren, die auf Befehl der Desahungs- behörde ausgeführt werden mußten, verursach­ten außerdem noch etwa 10 Millionen Mark Kosten. Auch die Vorteile, die sich die De- satzungstruppen aus eigener Machtvollkommen­heit zugestehen, verursachen der Stadtverwaltung erhebliche Kosten. So müssen in Düsseldorf sämt­liche Militärpersonen, mit Ausnahme der Offi­ziere, auf der Straßenbahn gegen eine Ver­gütung von 50 Pf. befördert werden, während der Mindestfahrpreis für die Zivilbevölkerung 2 Mk beträgt. Das bedeutet natürlich einen er­heblichen Einnahmeausfall. Der Cinnahmeausfall in den städtischen Theatern, wo jeden Abend 2 Logen und eine Anzahl anderer Plätze un­entgeltlich der DesatzungSdehörde zur Verfügung gestellt werden müssen und wo überdies auf allen

Steuergesetze bei der Umsatzsteuer fortgesetzt.

Die Unabhängigen treten für die Befreiung------ -

der Genossenschaften ein. während der Abg I n u n g eingetreten.

In Düsseldorf mußte die rund 1200 Mann starke grüne Polizei beim Ginrücken der Dc- satzungstruppen sofort auf 600 Mann oemnger' werden. Eine Verstaatlichung der blauen stadti scheu Polizei, die in Düsseldorf tote auch i' Duisburg bereits in die Wege geleitet war. ts. von der Besatzungsbehörde verboten worden. 5)c- Oberbürgermeister von DuiSburg. der in einer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung diese Frage der Verstaatlichung der Polizei einmal erwähnte, wurde sofort protokollarisch vernom­men und verwarnt. Dabei genügen die vorhan­denen städtischen Polizeistreitkräfte in beiden Städten keineswegs, um die Sicherheit zu ge­währleisten. denn ihre Bewaffnung ist völlig unzureichend. In Duisburg kommt auf je drei Polizisten ein Karabiner. Wie wenig die De satzunqSbehörde selbst für Sicherheit sorgt, zeigt folgender Vorfall: Während der kommunistischen Unruhen war ein Anschlag auf die Danken ge­plant. Die Stadtverwaltung von Duisburg, die baoon Kenntnis erhielt, bat die belgische De- satzungSbehörde um Hergabe von Waffen für bie^^'u 1 100 000 Mark des vier.eliährlichen Polizisten. DaS wurde verweigert ledoch ßntqC[be3 hinausgeht. 4 Prozent. Außerdem Stadtverwaltung auferlegt, unbedingt fürdie & cin dcutschna ionaler Zu atzantrag ange- Sicherhett zu sorgen. Die Drlgier selbst taten - - -

nichts. Zugleich sind in Duisburg die Fälle von RoheitSausschrei'.ungen der Desatzungstruppen Allein in den letzten Monaten sind, über 250 derartige Fälle vorgekommen. Besonders wird in den Arbeitervierteln die Bevölkerung stark von

Vie Pforte des Paradiefer.

Roman von Ingeborg Dollquartz.

Berechtigte lleberfebung auS d m Dänischen.

25. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Er hat mir wohl ein paar Briefe geschickt, in denen er schreibt, das Gewünschte also das Geld komme in einigen Tagen, aber jetzt ist es sieben Wvchm her. s it ich Teir.cn letzten D ies bekommen habe. Ich habe auch an Jens geschrie- ben ober natürlich keine Antwort erhal en. An Malwine habe ich mehrere Male gefchrichen und sie gebeten, zu Herrn Flint-Jensen zu gehen, aber aus ihren Briefen wird man ja nicht klug. Sie schreibt bloß, wie liebenswürdig Herr Flint- Zensen gewesen sei, und wie seine Blicke sie un­ablässig verfolgt hätten. Und was sie über das Haus schreibt, verstehe ich gar nicht. Ist 'es mög­lich, daß beide Läden und zwei'Wohnungen leer­stehend Daß mir Jens nicht einmal einen ordent­lichen Brief schreiben kann! Ich versichere dir, Rapoleon kann es hier nicht schlimmer zumute gewesen s^in, als mir. Malwine hat auch ge­schrieben. Flint-Jensen habe gesagt, es seien so viele Qhtfgaben für Reparaturen am Hause nötig gewesen, und es sei elektrisches Licht gelegt und 'Wasser P :lu :g eingerich:et worden. Ich "begreife nicht, daß sich Zens der Wasserspülu-g nicht mit Händen und Füßen widersetzt hat. besonders da ich unglückliches Menschenkind "hier festsihe und nichts machen kann. Sie schrieb auch von großen Fensterscheiben und neuem Zement im Hof. aber gar nichts von Geld. So ist nun wohl "das Geld in der Dank dazu verwendet worden, das Haus fein zu machen, in dem die Mieter noch dazu so

sehr billig sitzen. Liebe Inger, du maßt zuseden. etwas Genaues über dies alles zu erfahren, denn ich kamt doch nicht ohne Geld hier sitzen bleiben. Ich teilt ja Jens nicht gerne Vorwürfe machen, aber Gott weiß, ob dieses Haus nicht ein schiech er Kauf gewesen ist. Solche Sach:n kann eine allein­stehende Frru wie ich, die nicht viel ertragen kann, nicht so gut untersuchen, daS wäre seine Sache ge­wesen, besonders wenn man ihm das blinde Ter° trauen schenkt, wie ich es getan habe. Ich habe dir schon oft meine Ansicht über Jens gesagt, du willst ja aber nicht hören. Run. vorläufig kann ich nur an mich selbst denken, liebe Inzer, und Du mußt entschuldigen, wenn dieser D iof e was verwirrt ist ich habe seit Wochen kein Aage geschlossen and bin so nervös und aufgere't, daß ich fürchte, ich werde noch richtig krank. So an­verantwortlich mit einer alleinstehenden Frau um­zugehen. hat niemand das Recht. Aber vor allen Dingen, schicke mir sofort Geld. Grüße Jens und die Kinder und sei selbst gegrüßt tron Deiner verzweifelten Schwäge.in Rora.

P. S. Ich muß mindestens tausend Kronen haben. Dedenke, ich bin feit elf Monaetn unter­wegs and habe seit Weihnachten nichts mehr bezahll. Rora."

Erstarrt blieb Frau Inger mit dem Dries in der Hand sitzen. Run begriff sie den merkwürdigen Umschwung in der Gemütsstimmung ih es Man­nes. nun begriff sie. warum er verschlossener war als je, und nun wußte sie, warum er die Driefe Les Sachwallers nicht mehr öffnete.

Er war in feiner Herzens unschuld, in seiner grenzenlosen älnwissenheit birüber, wie em ge­rissener Geschäftsmann spekuliert, hinters Licht geführt worden, und in seinem Ekel vor der

Art. v. '.c mit seinem und feiner Schweller Geld verfahren worden war. hatte er sich sogar davor gescheut, die sicherlich vollstäridig stimmen­den Abrechnungen des Sachverwalters zu lesen.

Aber wie die Sache auch stehen mochte, Rora mußte Hilfe b.kommen. Es war am besten, sie Tebcte noch heute abend mit ihrem Mann.

Immer noch saß sie mit dem Briefe in der Hand La, als Mogens sich mit seinen blank- geputzteii Sporen ins Zimmer stahl.

Sind sie nicht fein, Mutter!" fragte er und schaute sie mit glänzenden Augen an.

Doch-, das sind sie." nickte Inger und biß sich auf die Lippen, um nicht zu weinen.Wenn bi wenn du nur auch Gedraich dafür chnst. mein Junge."

Reuntes Kapitel.

Es ging doch nicht so. wie Frau Inger sich gedacht hatte: sie fand an diesem Abend keine Ge­legenheit mehr, mit ihrem Manne zu reden, denn als er ziemlich spät nach Hau'e kam. sah er so müde und angegriffen aus. daß sie nicht wagte, ihm mit neuen Sorgen zu kommen. Aber am nächsten Vormittag, nachdem Mögens und Ellen in ihren Kurs gegangen waren, klopfte sie an seine Tür und trat rasch ein.

Er saß am Fenster und las. aber sowie sie eingetreten war. legte er das Buch beiseite und schaute etwas scheu auf.

Ist es Geld? fragte er, und seine Stimme hatte gar keinen Klang.

3a und nein, sagte Frau Inger und nahm ihm gegenüber Platz.Ich habe gestern eingehend mit Orla gesprochen"

Dann kann ich mir das weitere denken Er mag nicht mehr fingen am?

Weim wir ganz ehrlich fein teo'len, Iens, fo hat keines von uns geglaubt, daß das Ver­gnügen daran lange dauern werde," sagte Inger sanft.

Du entschaldigst ihn immer," entgegnete der Hauptmann.

Es hilft ja doch nichts, wenn ich ihn anklage. Wenn wir £ iien Versuch machen, ihn zu be­greifen, wer sollte es dann tun?

Wo hast du nur die Geduld her. die di ihm entgegenbringst und uns andern." fügte er mit leiserer Stimme hinzu.

Wenn ich wirklich so geduldig bin, wie du behauptest, so kommt das wohl da' e-, daß ich immer mit schlechtem Gewissen Peru nLaufe, tagte Frau Inger.Ja," fuhr sie mit l ich e n Lächeln fort, als er ganz verblüfft zu ihr aufsah:ich meine nämlich, weder du noch die Kinder hätten den Halt an mir gehabt, den ihr eigentlich an mir hättet haben sollen, und wenn man offene Augen für die eigene älntauglichkeit hat, wird man nach- fichtig gegen andre."

Du untauglich!" rief der Hauptmann and schüttelte den Kopf.

Ach, ich meine ja nicht untauglich im ge­wöhnlichen Sinn," wandte Frau I-ger ein.Ich weiß wohl, daß ich eine ganze Menge zustande bringe, ober"

Das. was du am liebsten ausrichten möch­test, das bringst du nicht fertig, meinst Du wohl?"

,3a

Wenn du es nicht fertig bringst, Inger, bann ist es wohl UTrmöglich," sagte der Hauptmann, urtb seine Stimme klang sehr traurig.

(Fortsetzung folgt)