Ausgabe 
2.11.1922
 
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(Nachdruck verboten.)

29. Fortsetzung.

was

Ser fährt am Samstagabend nach Gppen Hausen um» kommt erst Sonntags zurück."

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Aus dem besetzten Gebiet. Tartarin auf der Kropsburg.

DaSHeidelberger Tageblatt" läßt sich

Mtnoerung veryanoeH werden, die er In Tharle- roi verübt haben soll. Ser Angeklagte befindet sich in Llntersuchungshast.

Deutschland, Seutschland über

Aus Stadt und Land.

Dieben, den 2. November 1922.

Unserer Anzeigenkundschaft zur gefl. Beachtung.

Infolge der schwierige« Verhältnisse im ZettungSgewerbe muß der Annahmeschluß für Anzeigen pünktlich eingehalten werden. Die Entgegennahme von Anzeigen findet bis zum Abend vor dem Aufnahmelag statt; An­zeigen für die Samstagsnummer müssen spä­testens bis Freitag mittag aufgegeben sein.

Geschäftszeit

von 812V, Uhr und von 251/» Uhr.

Verlag des Gießener Anzeigers.

Die Herweghs

Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Sill.

alles. Sie hatten aber noch nicht die erste Strophe zur Hälfte gesungen, als sie die Strafe für ihre Freveltat erreichte. Vier französische Kriminalisten stürzten sich auf die Uebeltäter. mb trotz der Tränen der zu Tode erschrockenen Mutter wurden sie aus der Reihe der Festteib- nehmer fvrtgefchleppt ins Gefängnis, allwo sie nner strengen Bestrafung entgegensetzen. Immer­hin dürfen wir hoffen, daß sie wenigstens nicht lebenslänglich eingesperrt werden, denn Tartarin im Rhein ist bekanntlich nicht nur allwissend, sondern auchgerecht".

Sief er selbe Herr Major Prudhomme hat be- . kccnntlich auch die Veranlassung gegeben, daß das Fest der pfälzischen Presse in Landau abgesagt werden muhte. Er hat nämlich an den Fest- russchuh die Forderung gestellt, dah ihm. Herrn Prudhomme, für dieses Fest eine besondere Loge zur Verfügung gestellt werden mühte, die min­destens so grvh sei wie die Ministerloge. Rur unter dieser Bedingung könne er die Genehmigung zum Fest erteilen. Sa der Festausschuß sich vor­aussichtlich wegen des Herrn Prudhomme nicht in unnötige Hntoften stürzen kann, dürfte somit das Pfälzer Pressefestad calendas graecas" ver­schoben werden.

Aber Lutz unterschrieb keine Blankos.Soll ich einen Mcqor auf Pistolen fordern oder post- lagernde Briefe unter Lebensgefahr für dich ab­holen, oder bedroht sonst einer deine Tugend! Ich stehe zu deiner Verfügung, vorausgesetzt, dah es nichts kostet."

Rein, das war es alles nicht, Gretes Wunsch war harmloser. Doch durfte Ernst undniemand auf der Welt" ic etwas davon erfahren.Schwör mir das, Lutz/

Er schwur es ihr.

Also, Grete wollte einmal wieder eine Larve tragen und sich austanzen.

Gelt, du nimmst mich am Samstag mit ins Kinhaus auf den Maskenball." schmeichelte sie, und ergriff seine schmale, gepflegte Hand, die ein zierlicher Wappenring schmückte Lutz äußerte Be­denken.Solche Redouten haben es an sich ... wenn das Ernst erfährt .. . ober die Schmidt

Sie schmeichelte und bat.

Ich hab' ein Pagenkostüm, das niemand kennt, und du gehst in Zivil, nicht wahr?"

Ja, natürlich, nicht im Paradeanzug."

Sei nett, Lutz, und sag ja.

Sein Tugendpanzer schmolz langsam.

In Gottesnamen," sagte er,aber machen wir mit unserem Ernst?"

seinem Pfälzer Korrespondenten schreiben:

Unter dem Stabe des französischen Bezirks­gewaltigen von Landau, des Majors Prudhomme. herrschte wieder einmal grobe Aufregung. Eine gewaltige Invasion germanischer Heerscharen aus dem Badener Land, hauptsächlich aus Karlsruhe, war angesagt. Rach feinen Informationen sollte dieser badische Heerbann die pfälzische Kropsburg mit stürmender Hand besetzen. Zwar wollte man ihm einreben, es handle sich nur um harmlose Pfälzer Waldfreunde, die in Erwiderung der pfalzfich-älemannischen Woche am Sonntag, 22. Oktober 1922, einige Stunden reiner Raturfreude gemeinsam mit ihren Pfälzer Landsleuten auf der schönen Kropsburg genießen wollten. Aber Tar» tarin-Prudhomme ist zu erfahren, zu klug und zu ängstlich, am nicht zu wifsen, dah dahinter nicht der teutonische Plan eines eventuellen -Ueber- falls auf Frankreichs Besatzungsarmee stecken könnte.

Deshalb traf er also umfassende Vorbereitun­gen. Auf den Bahnstationen Maikammer, Wes­heim und Edenkoben wurden grobe Kommandos bereitgestellt, bestehend aus französischen Krimi­nalbeamten, Agenten und Spitzeln. Leider muhte auch die deutsche Gendarmerie ein Kontingent dem französischen Oberkommando unterstellen. Als dann die harmlosen Bergwanderer nach ihrer Ankunft ahnungslos zur luftigen Bergeshöhe hin­aufstiegen, wurden sie beim Aufstieg von diesen üleberwachungskommandos förmlich eskortiert. Droben verteilten sich Kriminalisten, Agenten und Spitzel unter die Teilnehmer, unfi> wo drei Deutsche zusammenstanden, konnte man versichert fern, dah Der vierte Mann nicht fehlle. Sie französischen Beamten hatten ftrenge Anweisung, darüber gx wachen, dah keine politische Rede gehalten, kein vaterländisches Lied gesungen, kein verbotenes Abzeichen getragen touübe.

Es muh als ein großes Glück betrachtet werden, dah die Festteilnehmer sich durch dieses Heer vonAgents provocateurs" nicht heraus­fordern liehen. Das Fest nahm einen harmonisch- schönen Verlaus und Tartarin-Prudhomme hatte wieder einmal umsonst im Bewußtsein seiner großen Verantwortung qualvolle Stunden ver­bracht, wenn nicht am Schluß der Gang der Er­eignisse ihm doch recht gegeben hätte. Zwei Karlsruher Gymnasiasten sie hatten leider ein Glas Pfälzer Wein zu viel erwischt stimmten plötzlich beim Abstieg das verpönte Lied

Der Druckpapierpreis für November.

Sas810fache des Friedenspreises!

Rach vielstündigen Verhandlungen über den Druckpapierpreis fürRovem- ber erklärte der Vertreter des ReichSwirt- schastsministeriums einen Preis von 187 Mark abzüglich einer auf etwa 25 Mark j e Kilogramm zu bemessenden Aückrechnung der Holzstoff- und Zellstoffverbänds als an­gemessen. Somit müssen die deutschen Zeitun­gen mit der Tatsache rechnen, dah die Dop­pelladung Papier vom 1. Rovemberab 1 620 000 Mark kostet. DaS bedeutet nahe­zu eine Verdoppeln ngdeöursprüng- lichen Oktoberpreises und übersteigt den in der zweiten Oltoberhälfte bereits außerordentlich erhöhten Preis um über 600 000 Mark. Die Zeitungsverleger erklär­ten, sie konnten die Verantwortung für diese Preisbemefsung nicht übernehmen, ohne daß dadurch allerdings das Endergebnis der Ver­handlungen wesentlich verändert sein dürste. Somit hat der Druckpapierpreis das 810- fachedeSFriedenspreises erreicht.

Die Tenerungszahlen in Hessen.

Die Teuerungszahlen sind berechnet auf Grund der Preise vom 20. September 1922, für den Vormonat (in Klammern beigefügt) vom 23. August 1922. Erstmalig finb bei den Städten Darmstadt, Gießen und Worms die Ausgaben für die Bekleidung mitberücksichtigt: Mainz 11 269 (7707); Darmstadt 11 161 (7340), emschl. Bekleidung 15 785 (9248); Offenbach 11 556 (7369); Worms 11 030 (7440), emschl. Bekleidung 16 313 (9603); Gießen 11161 (7197), emschl. Beklei­dung 15170 (9843); Reu-Isenburg 11 449 (7246); Friedberg 10 843 (7629); Lampertheim 11105 (7084); Bad-Rauheim 11 711 (8445); Viernheim 10 767 (8075). Durchschnitt der 10 größten Ge­meinden: 11205 (7580). Bensheim 11 055 (7048): Bingen 11 168 (6945); Alzey 10 402 (7034); Rn - selsheim 11 187 (7471); Hepvenheim 10 769 (6575); Sieburg 11 729 (7402); Groß-Gerau 11551 (8240); Alsfeld 10 498 (7905); Butzbach 11 461 (7405); Lauterbach 10 792 (8373); Oppenheim 11 107 (7847); Büdingen 10 341 (6211); Erbach 11076 (7941); Schotten 10 278 (7778). Durchschnitt der 24 Gemeinden: ausschl. Bekleidung 11 061 (7510), einschl. Bekleidung 15 700 (9751). Die Teue­rungszahl emschl. Bekleidung ist vom Juli auf August um 46 Prozent, vom August auf Sep­tember um 61 Prozent gestiegen.

Das Notgeld.

Das Reichsfinanzministerium veröffentlicht im Reichsanzeiger" eine Uebersicht über die erteilten Genehm gungen zur Ausgabe vonRotgeld. Danach ist bis jetzt in 348 Fallen die Heraus­gabe von Roigeld bewilligt worden. Provinzen, Kreise, Dezirksverbände, Städte und zahlreiche industrielle Unternehmungen find di? ausgehenden Stellen, die dem Reichsfinanzministerium Sicher­heitsleistung in Höhe des vollen Betrages des ausgegebenen Rotgeldes geben mußten. Für Hessen wurde die Rotgelbausgabe der Provinz Oberhessen und den Städten Darmstadt, Mainz und Worms gestattet. Für die Rachbarbezirke ist es genehmigt worden den Kreisen Dillenburg und Biedenkopf, den Städten Kassel, Frankfurt a. M., Fulda, Höchst a. M. - und Biebrich den Firmen Henschel & Sohn in Kassel, Höchster Farbwerke in Höchst a. M., Chemische Fabrik Griesheim Ele'trrn, Sitz Frank'u t a. M und der Rassauischen Landesbank in Wiesbaden, lieber die Summen, die genehmigt wurden, enthält die Aufstellung keine Angaben.

Abfindung der Kriegerwitwen bei Wiederverherratung.

Das Recht auf den Bezug des Witwengeldes nach dem Militärhinterbliebenengesetz und der Witwenrente nach dem mit Wirkung vom 1. 2lpril 1920 in Kraft getretenen Reichsversorgimgsgeseh erlischt mit dem Ablauf des Monckts, in dem die Witwe sich wieder verheiratet. Während jedoch das Militärhinterbliebenengesetz der Witwe feinen Rechtsanspruch auf Zahlung einer Abfindung an Stelle des Witwengeldes gab, der Witwe viel­mehr unter bestimmten Voraussetzungen aus Bil» ligkcitsgründen lediglich eine Zuwendung gewährt werden konnte, ist durch das Reichstersoogungs- gesetz ein Rechtsanspruch der Versorgung^berech­tigten Witwe auf Abfindung im Falle der Wie­derverheiratung in Höhe des dreifachen Iahres- betrages der von ihr zuletzt bezogenen Rente allgemein anerkannt worden. Da dieser Rechis- spruch erst neu geschaffen worden ist, so muß die Wiederverheiratung, an die das Gesetz das Abfindungsrecht knüpft, nach dem Inkrafttreten des Gesetzes erfolgt sein. Eine weitere rück­wirkende Kraft legt sich das Gesetz nicht bei. Die Witwe muß außerdem grundsätzlich zur Zeit ihrer Wiederverheiratung einen Rechtsanspruch auf

Es paßte also ausgezeichnet.

Aber Mund halten, Verehrteste, sonst bringt er mich um.

Als Ernst sich am nächsten Samstagabend verabschiedete, fa/tb er feine Frau in ihrem Schlaf­zimmer am Toilettentisch sitzen. Sie hatte ihr Haar aufgelöst. Rebenan richtete die Jungfer eben das Bad. Sie wollte ftch das Haar waschen, sagte Grete, und bann zu Bett gehen. Er zögerte. Er konnte sich immer noch nicht überwinden, zu ihr zu sein wie sonst, und doch tat es ihm leid, daß es so war.

Geh nur, Ernst, ich fühle mich gar nicht einsam."

Doch," sagte er, während er ihre Hand fest­hielt.Ich sehe ein, dah ich mich mehr um dich kümmern muh, aber ich habe augenblicklich zu viel im Kopf. Ich arbeite ja für uns beide und du wirst einmal die Früchte dieser Arbeit ernten.

Ja, natürlich," sagte Grete und blickte heim­lich nach der ^lhr,versäume nur nicht den Zug."

Du bist wohl noch böse wegen

Ach -ilnfinn, sagte Grete. ^Ich hatte nur was mit der Köchin. Gegen dich hab' ich gar nichts." Sie legte ihre Ringe in die Schublade.

Rebenan lief das Wasser in die Badewanne. Ich bin froh, dah ich einmal daheimbleiben darf, es ist so gemütlich hier, und ich beneide dich nicht um die Sitzung in Eppenhausen. Aber du wirst noch den Zug versäumen." Da ging er endlich.

Gott sei Dank, dachte Grete, erhob sich und Verriegelte die Schlafzimmertür, um dann mit fliegenden Händen ihre Kleider abzuwerfen. Statt ins Bad gx steigen, schlüpfte sie in den knappen Pa^enanzug aus silbergrauer Seide. Sie Jungfer frisierte sie, brachte Domino und Pelz und zog

Witwenrente nach dem ReichSversorgungsgesetz gehabt haben, sei es, daß sie die Rente nach Maß­gabe dieses Gesetzes tatsächlich bezog, sei es, dah ihre nach dem Militärhinterbliebenengesetz sesig.setzte Versorgung nach dem für sie günstige- ren R eichsv.rs o rgungsgesetz mit Wirkung vom 1. April 1920 ab noch umanzuerkennen war.

* Ausstellung von Lebensmittel» Abmeldescheinen bei Reisen, Der Reichsministcr für Ernährung -mb Landwirtschaft hat an die behördlichen Stellen folgendes Schrei­ben gerichtet : Da seit der Aufhebung der Reichs- leisebroim.r.len sich der Preisunterschied zwischen Mcvrlenbrot und markenfreiem Brot in sehr be­trächtlichem W.c vergrößert hat, sind zahlreiche Klagen über dir dadurch hervorgerufene Ver­teuerung der Lebenshaltung auf Reisen, beson­ders feilend weniger bemittelter Personen, die aud beruflichen oder gesundheitlichen Gründen _ zu einem vorübergehenden Verlassen des gewöhn­lichen Aufenthaltsortes gezwungen werden, laut geworden, üm diesen Klagen, soweit sie berech­tigt sind abzuhelfen, wird in Abänderung der bisher geltenden Bestimmungen die Ausstel­lung von Lebensmittel-Ab melde- scheinen bei Reifen von längerer DaueralsvierWochenz.i gelassen. Ich bitte daher t-ie Kommunalverbände mit ent­sprech erÄren Weisungen zu versehen. Bemerken will ich poch, daß.der Ernährungsausfchih des Deut­schen Städtetages, mit dem ich mich zuvor ins Benehmen gesetzt Hobe, trotz der den Gemeinden erwachsenden Mehrbelastung mit Derwaltungs- orbeiten diese neue Regelung einstimmig befür­wortet hat.

** Sie Einfuhr von Auslands- zucker ist vorn. 16. Rovember ab nur noch auf Grund behördlicher Einftchrbewilligung zulässig. Für Auslandszucker, der vor dem 1. Rovember gekauft ist, werden den ein führenden Firmen auf Antrag Einfuhrbewilligungen noch erteilt werden, wenn sie den Zucker der zuckerverarbei­tenden Industrie zur Verfügung stellen. Für Auslandszucker, der nach diesem Zeitpunkt ge­kauft ist, Wirch lediglich den Spihenverbänden der zuckerverarbeitenden Industrie Einfuhrbewil­ligung erteilt werden. Die Sperre der Einfuhr von Lluslandszucker tonnte vor- genommen werden, da damit gerechnet werden faitn, daß der Mundbedarf der Bevölkerung and der inländischen "Ernte hin­länglich befriedigt werden kann. Andererseits erwies sich die Sperre als notwendig, um zu ver-- brnberft, daß die älnzuträglichkeiten, die sich im abgelaufenen Wirtschaftsjahr durch das Vor­handensein von teurem Auslandszucker und billi­gerem Inlandszucker gezeigt haben, - in Zukunft sich wiederholen. Die erste Verteilung von Zucker neuer Ernte ist durch die Zucker- wirtschaftsstelle nunmehr vorgenommen worden. Der Zucker, dessen ilnterberteitung den einzelnen Landern obliegt, wird im Laufe des Monats Ro- vember zur Aasgabe gelangen.

** Der Kleinverkaufspreis für Vollmilch ist mit Wirkung von gestern ab auf 71 Mark je Liter festgesetzt worden.

i"" Der Wochenmarkt auf dem Os - waldsgaiten findet vom Samstag, 4. Ro- vember, ab wieder aus dem Brandplah statt.

* Rocht beste llung von Telegram­me n. Vom 1. Rovember bis 31. März werden wir in den Vorjahren Telegramme und Eilbriefe in der Zeit von 9 11 abends bis 7 Uhr vormittags nicht mehr bestellt. Zugestellt werden in den betreffenden Stunden n ir solche Telegramme, die den Vermerk Rachts" tragen oder aas deren Inhalt gx er* sehen ist, daß. er oringlich ist.

** Oeffentliche Bücherhalle. 3m Oktober wurden 1469 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 940, Zeitschriften 102, Iugendschriften 98, Literaturgeschichte 4, Gedichte und Dramen 27, Länder- und Völkerkunde 54, Kulturgeschichte 48, Geschichte und Biographien 49. Kunst­geschichte 7, Naturwissenschaft und Technologie 63, Heer- und Seewesen 1, Haus- und Land­wirtschaft 3. Gesundheitslehre 12, Religion und Philosophie 27, Staatswissenschaft 15, Sprachwissenschaft 5, Fremdsprachliches 14 Bände. Rach auswärts kamen 24 Bände.

**Pl.euhrsch-Süddoa tscheKlasfen- lotterie. Ser anhaltenden Geldentwertung ent­sprechend, sah sich die General-Lotteriedirektion veranlaßt, den Plan zur 21. (247.) Klassenlotterie nochmals zu ändern. Der Preis der Lose beträgt in der ersten Klaffe für ein Achtel 75 Mk. und in der zweiten bis vierten (Schluß.-) Klasse je 100 Mk., zusammen für die vier Klassen umfassende Lotterie, 375 Mk., so daß ein ganzes Los dementsprechend nunmehr 3000 Mk. kostet. Die Hauptgewinn sind schon in der ersten bis dritten Klaffe entsprechend nochmals erhöht, besonders aber hat die vierte (Schluß-) Klaffe Hauptgewinne und Prämien von

ihr die Pelzstiesel über die seidenen Schuhe. Grete w-arf ihrem Spiegelbild noch einen befriedigten Blick zu. Ser breite Atlaskragen ließ nur ein Stück des Hälschens frei. Gerade genug, um einen Kuß auf den Racken zu drücken, dachte Lutz, der unten im Wagen an der Ecke gewartet hatte.

Du machst aber lange, sagte er und hals ihr beim Einsteigen.

Ich konnte nichts dafür, Ernst war daran schuld, sagte sie atemlos. Sann schloß er den Wagenschlag und die Pferde zogen an. Gretes Jungfer, eine Mainzerin, machte sich nun auch zur Red oute zurecht. Ein Schreiber hatte sie da­zu eingeladen.

Sie ging als Zigarettenkönigin und hatte sich das Kostüm an vielen Abenden mit Zigaret­ten und Spielkarten benäht, die dicke Köchin fand eszum Kreischen".

Sie waren überzeugt, daß die junge Frau zu einem Rendezvous gefahren sei, und zerbrachen sich nur den Kopf, wer in dem verschlossenen Wagen gesessen habe, der an der Ecke dem Haus gegenüber gewartet hatte.

In der Garderobe erklärte Lutz, daß er Grete als Tänzerin einführen werde.Also benimm dich danach,"' fügte er hinzu.

O Gott. Lutz!" Sie sah lachend zu ihm auf. Er sah bildschön aus in feinem Frack, so elegant und vergnügt.Mitgegangen, mitgehangen Jetzt ist's zu spät zur Reue, verehrte Lolo, so heißt du nämlich vergiß das nicht."

Sann nahm sie der Maskentrubel auf.

©rete,tarnte sich einmal satt an diesem Abend.

Lutz brachte ihr ferne Freunde an, ein paar flotte Sranffurter Husaren in Zivil, einen blonden Grafen von der Regierung, den sie oft genug

fünf Millionen Mark aufzuweisen, dazu kommt eine reichliche Ausstattung mittlerer Gewinne von 250 000 bis 60 000 Mark. Größter Gewinn int günstigsten Falle auf eint ganzes Los 12Vs Mil-' Lianen Mark. .

** Elsaß-Lothringische Woche. Mit dem Zwecke, den Zusammenhang der elsässischen, und lothringischen mit der allgemeinen deutschen Kultur darzutun und in der Hoffnung, einen namhaften Reinerlös an bedürftige Elsaß-Loth­ringer Gießens, deren es insgesamt über 300 gibt, zu erzielen, veranstaltet, wie schon hier und im Anzeigenteil berichtet, die Ortsgruppe Gießen 1 und das Wissenschaftliche Institut des Hilfs­bundes für die Elsaß-Lothringer im Reich in der Zeit vom 5. bis 11. d. M. eine Elsaß-Loth­ringische Woche. Das überaus reichhaltige, auf besonderer Höhe ftebenbe Programm ist bei den im heutigen Anzeigenteil bekannt gemachten Stellen erhältlich; ebenda findet der Kartenverkauf statt. Die Mitglieder einer größeren Anzahl hiesiger Vereine, die 'm der Ferberschen Buchhandlung zu erfahren sind, erhalten bebeetenö ermäßigte Preise. Die Veranstaltung verspricht einen kultu­rellen Genuß eigenster Art.

** Verein Hundesport Gießen. Die immer mehr in den Vordergrund tretende wirt­schaftliche Bedeutung der Jagd bedingt eine weid­gerechte Hege unseres Ruhwildes. Lieben energi­schem Schuh des Wildes vor zweibeinigen Frev­lern muh der Jäger sein Hauptaugenmerk auf die einheimischen vierbeinigen Qtauber, wie Fuchs, Marder, wildernde Katze und unter Umftänbcn den Dachs richten. Auch hier soll ein weidgerechtes Bejagen stattfinden, wozu ein starker Erdhund un­erläßlich ist. Das am 29. Oktober vom Verein Hundespvrt Gießen veranstaltete Preisschlie­fen auf Fuchs zeigte, was planmäßige Zucht und Führung vermögen, den roten Räubern mit gutem Hund auch in feinen unterirdischen Schlupfwinkeln bcizukvmmen. Etwa 25 Crdhunde Dachshunde und Foxterrier waren zu dem Wettbewerb gemeldet. Das Richtrramt lag in den Händen des Bürgermeisters a. D. S i 11 i g - Königstein, wel­cher folgenden Entscheid traf: Offenes Schlie- f en s ü r Dachshunde: 1. und Ehrenpreis Schlupp vom Bieberberg des Herrn O. Brück­mann. Birklar. Iugendschliefen für Dachshunde: 1. Pr. demselben. Osfenes Schliefen für Foxterrier: 1. und Ehren­preis Dici v. Sollen des Herrn M. Hartmann, Gießen. 2. Preis Vidi v. Sollten, Bef. Dr. Erb, Gießen. 3. Preis Fee v. Kinzigtal, Bes. R. Mulll Hanau. 4. Preis Lotte Gründau, 'Des. O. Wenzel- Gießen. Iugendschliefen für Fox terrier: 1. Preis Dici v. Sollten, Bes. M. Hart­mann. 2. Preis 'Bergkatze v. Kinzigtal, Bes. R. Hüge, Hanau. 3. Preis Beduin v. Kinzigtal, Bef. O. Kreis, Hanau. Reulingsschliefen für Foxterrier: 1. und Ehrenpreis Lotte Grün­dau, Des. O. Wenzel, Gießen. 2. Preis Erda Ha bertus, 'Des. M. Hartmann, Gießen. 3. Preis Deduin v. Kinzigtal, Bes. O. Kreis, Hanau.

Wettervoraussage

für Freitag:

Wechselnd bewölkt mit Schauern, zeitweise böiger West- und Rordwestwind, kühler.

Der Tiefdruckwirbel im Rorden hat sich sehr verstärkt. Wir haben mit zeitweise stürmischem Westwetter zu rechnen.

Bornotizen.

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Tageska lender für Donners­tag: Postkeller (Wagengasse), 21/» llhr nachm Handwerkerversammlung. ÖswaldSgarten, 8 älhr: Eröffnungsvorstellung des Zirkus Bar- num und Bailey. Eafe Leib, 8l/t Mbr: Licht­bildervortrag der Liga zum Schuhe der deutschen Kultur. Astoria°Lichtspiele, ab heute:See­piraten", 1. Teil:Die Braut des Seeräubers. Lichtspielhaus Bahnhofstraße, ab heute:Der Gmf von Monte Christo, 4. Teil:Die Rache". - Palast-Lichtspiele, ab heute:Das Geheimnis von Schloß Hollowah" undVorübung zur Ehe".

Der Zentralverband der An- Se stellten (Iugendgruppe) feiert am amstag, abends 8 übr, im Philosophenwald fein Stiftungsfest. Ser Festüberschuß findet für den Ausbau der Iugendgruppe Verwendung Ein gemütliches Zusammensein bei Sauer, Os- Waldsgarten, am Sonntagabend beschließt die Feier. (Siehe Inserat.)

Aus dem Stadttheaterbureatl. In der VorstellungDer Biberpelz" am Freitag, 3. Rov., werden die beiden Haupt rollen der Frau Wolff und des von Wehrhahu von Rose Rubner und Oskar Feigel gegeben. Weiter .sind mit größeren Aufgaben betraut die Herren: Telekh, Volck, Hell born, Heding, Jacob. Dech stein, Meh nert und die Damen Türk, Schubert-

Seutiger Stand des Dollars

10 Ähr vormittags:

Berlin 4750, Frankfurt a. M. 4700.

unter den Kavalieren der Gräfin Tesstz gesehen hatte und von dem sie jeden Augenblick mit Herz Kopsen erwartete, daß er auch sie erkennen wurde. Aber es fiel dem Grafen gar nicht ein, zu denken, daß die kleine Lolo eine einfache Rechtsanwalts frau aus der Kochbrunnenstraße sein könnte. Diese Kreise berührte die feinen kaum. Diese Kavaliere, welche Grete zum Tanz holten, ihr Eis brachten und Sekt, ihr den Fächer zerbrachen, sie mit Konfetti bestreuten und mit Serpentinschlangen nach ihr warfen, machten sich keine Gedanken über Lutz' neue Flamme. Ser blasierte junge ©riet verließ ihretwegen seinen weihen Domino, um eine Valse Boston mit Grete zu tanzen, und nach­her brachte er feine Auserwählte sogar an ihren Tisch. Es wardie Dessel", die Grete noch vor' kurzem als Kaiserin Theodora in den Maifest- fpielen bewundert hatte, die Same mit den wun­derbaren Toiletten. Hetzt wußte Grete, wer diese Pelze und Diamanten bezahlte ... Hab auf ihrer anderen Seite saß ein leibhaftiger Erbprinz ... Er hatte lange in seinem Domino gelangweilt unter den Säulen der Estrade gestanden, bis chn Lutz entdeckt hatte. Aus dem Runddiwan unter der Palme ging es. fidel zu.

Der Prinz war äußerlich ganzGenre Lutz°, groß, schlank, von jener blonden nordischen Rasse, die sie nun einmal liebte, und der junge Erker war, trotz feines steifen Lackes, ein echter Rhein­länder, der gar nicht seiner Schwester Elsbeth glich, die ihres Hochmutes wegen bekannt war, nie -inen Fuß in das Kurhaus setzte, und die man nur im Viererzug oder von ferne in ihrer Loge sah.

(Fvrffetzung folgt)

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