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172. Jahrgang
Donnerstag, 2. November 1922
sietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Nr. 258
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Um Deutschlands Rettung.
Dle ReparationSkvmmissionhat sich an das Krankenbett der deutschen Wirtschaft begeben, um In Berlin an Ort und Stelle sich über den Zustand deS Kranken zu unterrichten. Es ist das Furchtbarste unseres gegenwärtigen Anglücks, daß wir uns nicht selbst befreien können, sondern dem Machtspruch dieser Kommission auSgeliesert sind. Äur wenn sie uns einen Zahlungsaufschub bewilligt und Schritte zur Festigung des Markkurses unternimmt, können wir hoffen, daß unsere Lage sich bessert.
3m deutschen Lager tobt indessen der Stteit, was geschehen müsse, wenn wir den Zahlungsaufschub erreicht haben. Die einen fordern eine Währungsreform, die anderen rufen nach der Steigerung der Produktion, beide Teile geben ihr Programm als die alleinige Rettung aus. Die Frage ist von so auher-- oroentlicher Bedeutung, daß eine Klärung dieses StteiteS in der Oeffentlichkeit unbedingt notwendig ist. ES geht nicht weiter an, das; nur einige parlamentarische Gruppen hinter der Kulisse die Lebensangelegenheiten des deutschen Volkes erledigen wollen, denn will man tatsächlich neue Wege zu Deutschlands Rettung beschreiten, werden Gesetze und Verordnungen allein nichts helfen, man braucht unter allen Umständen das verständnisvolle und opferwillige Mitgehen aller Vvlkskreise.
Anser gegenwärtiges Papiergeld kann die Aufgaben des Geldes nur noch unvollkommen erfüllen. Es ist kein Wertmesser mehr, es ist kein Wertaufspeicherungsmittel mehr, ja sogar als Lauschmittel wird eS teilweise nicht mehr anerkannt, Fabriken verlangen Bezcchllrng in Dollars, Dauernverbände erheben ihre Bei- träge in Getreide. Schuld daran ist die geradezu ungeheuerliche Vermehrung des Geldumlaufes, dem eine verringerte Warenmenge gegenübersteht. Witt man dem Papiergelde seinen Charakter als wirklichem Gelde (Wertmesser, WertaufspeicherungSmittel) wieder verleihen, so muh unter allen Amständen die Geldmenge verringert werden, um Warenmenge «und Geldmenge mehr inS Gleichgewicht zu bringen. Dazu wären große Besitz- und Einkommensteuern notwendig, verbunden mit gleichzeitigem Lohnabbau, weil sonst Kapitalmangel eintreten würde.
Dies alles ist aber nur die eine Seite der Sache. Will man dem Gelde wieder einen Wert verleihen, oder anders ausgedrückt, will man die Warenpreise verbilligen, muß auch die Warenmenge vergrößert werden. W i r produzieren gegenwärtig bestenfalls nur 76Prozent unsererFrie- densleistung, d. h., selbst wenn die Mark den Friedensstand wieder erreichte, würde die verringerte Warenmenge eine starke Teuerung bewirken. Es kommt darauf an, Geldmenge und Warenmenge wieder in ein ausgeglichenes Verhältnis zu bringen. Das ist aber nur möglich, wenn von beiden Seiten daraufhingedrungen wird. 3ns Leben übersetzt würde dies heißen: es müssen Opfer gebracht werden, von den Besitzenden an Geld und Gut, von den Arbeitern an Arbeit. ES ist ganz klar, daß diese Opferwilligkeit nicht durch Gesetze an» geordnet werden kann, es ist vielmehr unbedingt nötig, daß das deutsche Doll sich Rar darüber wird, daß der bisherige Weg ein Irrweg ist. Die Parteien der Parlamente fühlen sich meist als Beauftragte einer Volksklasse, deren Interessen sie zu vertteten suchen. Deshalb rufen die Sozialisten nach der Währungsreform, die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft nach der Mehrleistung. So geht es auf keinen Fall weiter, unsere Volksvertreter müssen sich als Führer des Volles ansehen, und jeder muh seinen Anhängern sagen, daß Deutschlands Rettung abhängt von der Opferwilligkeit jedes einzelnen. Alle anderen Versprechungen und Derheihungen von der Glückseligkeit würden sich gar bald als eitel Humbug Herausstellen.
Die Berliner Verhandlungen.
Sachlicher Verlauf.
Berlin, 1. Rov. (Wolff.) Heber die Verhandlungen der R e i ch s r e g i e r u n g mit der Reparationskommission erfahren wir Folgendes:
Die erste Verhandlung mit der Reparations- kvmmiffion verlief in durchaus sachlicher Form. Der Vorsitzende der Reparcckionslvmmis- stvn Louis Darthou erklärte, dah erstens die Dalanzierung des Budgets, zweitens die Frage ber schwebenden Schuld und drittens die Stabilisierung der Mark die Hauptaufgaben seien, die jetzt behandelt werden mühten. Die Kommission beabsichtige nicht, die deutsche Souveränität anzutasten; sie hoffe aber auf loyale Zusammenarbeit. Sie sei auf Grund der von Deutschland eingegangenen Verpflichtungen genötigt, eingehende Fragen zu stellen. Darauf hielt Staatssekretär Schröder einen Vortrag über die allgemeine Gestaltung des Budgets für
das laufende Iahr, soweit eS sich bisher übersehen läßt.
Bei der Besprechung dieses Themas wurden von der Gegenseite verschiedene Fragen gestellt mit dem Zweck, hierüber näheres Material im Lause der nächsten Sitzung zu erhallen. Es interessierten besonders die Ausgaben für den Reichsbahnetat und die Ausgaben des außerordentlichen Haushalts Schnöder. teilte mll, dah das voraussichtliche Defizit des Budgets etwa 440 Milliarden betragen werde, das jm wesentlichen zu Lasten des Frtedensver- trages gehe.
Die nächste Sitzung wurde auf Mittwoch nachmittag 4 älhr festgesetzt.
London, I.Rov. (Wolff ) Der Berliner Berichterstatter des „Daily Telegraph" weist auf den versöhnlichen Geist hin, der auf allen Seiten auf der ersten Zusammenkunft zwischen dem Reichskanzler und den Mitgliedern der Repa r a t i on s k o mm i ss io n zutage getreten tfl. Wenn keinerlei Stimmungsänderung eintrete, so bestehe Aussicht darauf, daß die Verhandlungen auf einer rein kauf männ ischen Grundlage durchgeführt werden konnten.
Berlin, 2. Rov. Das „Berl. Tagebl." teilt mit, daß bei der gestrigen Besprechung mit der Reparationskommission den Ausführungen des ReichSfinanzministerS Dr. Her- m e S über den deutschen Standpunkt zur Frage der Markstabilisierung folgender Gedanken- gang zugrunde gelegen habe. Eine Aktion zur Stärkung der deutschen Währung könne nur auf der Basis eines Goldfonds durchgeführt werden. Da eine Inanspruchnahme des Goldschatzes der Reichsbank nicht in Frage käme, so bleibe nichts anderes übrig, zu diesem besonderen Zweck, also nicht für allgemeine Re- parationSzwecke, eine Goldanleihe im Ausland aufzunehmen. Darthou habe in der gestrigen Sitzung verschiedene Fragen an Dr. Hermes gerichtet und sich Vorbehalten, zu einigen Punkten noch besonders Stellung zu nehmen.
Dem „Tageblatt" zufolge verlautet iy den Kreisen der Reparationskommission, daß ihr Aufenthalt in Derlin zum mindesten wohl bis Ende nächster Woche bemessen sein werde. Wie man in unterrichteten Kreisen annehme, werde die Reparationskommission irgendwelche Entscheidung in Derlin nicht treffen. Die Diskussion über eine Reparationsanleihe und ein Moratorium werde vielmehr der großen Drüsseler Finanzkonferenz überlassen werden.
Berlin, 1. Rov. Die von der Reichs- regierung zur Teilnahme an der Währungskonferenz eingeladenen ausländischen Finanzsachverstä.ndigen werden heute abend vollzählig in Berlin versammelt sein und morgen vormittag vom Reichskanzler empfangen werden. Unmittelbar an den Empfang schließen sich die sachlichen Beratungen über die Möglichkeiten für die Stabilisierung der deutschen Währung an. Deutschersells nehmen an der Währungskonferenz Reichsbankpräsident Havenstein, Staatssekretär Schröder und einige Vertreter der Dankwelt teil, u. a. älrbtg, Mendelssohn und Prof. Schumacher.
Eine Denkschrift der Gewerkschaften.
Berlin, 2. Rov. (WTB.) 3n einer Denkschrift an den Reichskanzler, dieReichs- mlnifterien und die Parteien schlagen die Ge - Werkschafte >t aller Richtungen Wittel zur Regelung des weiteren Bestandes der Markwertung vor. 3n der Denkschrift heißt es laut „Vorwärts", die Hauptquelle der Teuerung bilde die beständige Entwertung des deutschen Geldes. Alle Versuche. Die einheimischen Warenpreise an die Weltmarktpreise anzupassen, mühten aussichtslos bleiben, da deutsche Verbraucher solche Waren nicht mehr kaufen konnten. Die Anpassung der Lohne an den Weltmarkt würde die Wirt- schaftskatastrvphe nur beschleunigen. Aus diesem Dilemma fönne man nur durch die Stabilisierung der Mark herauskommen. Mit der Erhaltung der Mark als Zahlungsmittel und Wertmesser ist das ßebensinie reffe der arbeitenden Bevölkerung und das Wohl und Wehr aller Verbraucher, sowie das Schicksal des deutschen Volkes verknüpft. Eine Stützung der deutschen Mark würde unter anderem erreicht durch die Einführung einer wertbeständigen inneren Anleihe. Des weiteren muffe die Gesundung der Staatsfinanzen auf dem Gebiete der Steter- Verwaltung verlangt werden. Es ist für die 21 r- beit nehmet ebenso unverständlich wie unerträglich, daß ihnen Steuerabzüge vom Einkommen gemacht werden, während die Steuereinziehung bei den Unternehmern und den besitzenden Klassen Jahre lang auf ffiich warten läßt. Die Devisenordnung bliebe ein Schlag ins Wasser, wenn sie nicht durch prattische Ausgestaltung der Devisenkontrolle ergänz^ würde. Wir erwarten daß die Der Hand Lungen zur Erreichung einet Au slands an leihe zwecks Stabilifie- tang der Mark mit erneutem Rachdruck angenommen und durchgeführt werden. Die Gewerkschaften verlangen von der Regierung die Herbei- sühr rng einer ffröteren Durchsichtignwchung der Syndikate und Trusts, bfe teilweise durch eine volkswirtschaftlich schädliche Preispolitik den Verfall der Währung fordern. Die Denkschrift fordert schließlich Sparsamkeit und Vereinfachung in allen öffentlichen Betrieben und Verwaltungen.
Eine Rede Lenins.
Moskau, 1. Rov. (WTB.) Russische Tele- grabbenagentur. In der heutigen Sitzung der vierten Tagung der allrussischen Zentrale?ekutive hielt Lenin eine Rede, die den Arbeiten der von April bis September abgehaltenen Tagung gewidmet war. Lenin begrüßte zunächst die Besetzung des Fernen Ostens durch die Rote Armee als einen Sieg über die letzten Reste der Gegenrevolution Die Räumung des Femen Ostens sei gleichzeitig ein Sieg der russischen Diplomalie, die auf der bevorstehenden Konferenz von Lausanne hoffentlich ebenso erfolgreich die Rechte der Sowjetrepubliken vertreten werde oder wenig- stens den Volksmasseit die wahren Hindernisse zur Derwirllichung der gerechten Forderung Rußlands zeigen werde. Lenin betont die Bedeutung des von der Tagung angenommenen Arbeitskodex der die ilnantaftbarfeit des Achtstundentages und andere Grundlagen der Ardriter- gesetzgebung in einem Augenblick kategorisch ftst- legc, wo die internationale Bourgeoisie zur Offensive gegen die Arbeiterklasse übergehe. Das industriell zurückgebliebene Rußland werde in kurzer Zeit das kapitalistische Ausland technisch einholen, uno zwar in einem Tempo, das im Auslande unbekannt sei. Durch die Annahme des Dodenkodex habe die Sowiel- macht neuerlich den Interessen der Danemschast Rechnung getragen. Das neu angenommene Gesetz übet das Gerichtsverfahren könne dem Auslande als Beispiel vorgehalten werden. Die Sowjetmacht werde die Grenzen zwischen den gerechten Forderungen der Bürger im Zusammenhang mit der neuen Wirtschaftspolitik scharf ziehen. Die Vervollkommnung des Derwaltungsappacates und die Bekämpfung bei- Bureautratie bleibe eine wichtige Ausgabe, die mit dem Aufschwung der Arl.ciier- majjen zu einer höher en Kulturstufe gleichbedeutend sei. Die Ausführungen Lenin» wurden stürmisch begrübt
Mussolini.
London, 31. Oft. 3emanb, bet Mussolini persönlich kennt, schreibt der „Times" über ihn:
„Dor 18 Monaten wußte noch mema.rb, wer Mussolini trat. Er ist ein Mann von nicht ganz 40 Jahren, körperlich großer als die meisten Italiener. Er hat eine auffallend große, gerade Rase, dutchdrtngeTide Argen und einen großen Kopf and eine ungewöhnlich hohe Stirn, die dadurch n)ch hoher erscheint, daß er sein Haar nach rückwärts gekämmt trägt Seine massive breitschultrige Gestalt macht in der schwarzen älnisorm einen imposanten Einbruch Seine Charakter stärke und Qualität sind außerordentlich. Er ist der Sohn eines Tagelöhners, in irgend einem Dorf der Rom mga geboren, ©ein Dreier war ein scharfer Sozialist. Der Sohn begann auch als Tagelöhner, tourte sich aber später selbst eine Bildung za verschaffen. Er ftubierte in Italien und in dec Schweiz. Damals trat er noch eifriger Anhänger des Sozialismus. Er wurde als ganz junger Mann Haupt- schriftlecker des Avanti, dann kam der Krieg und zerstörte seinen Glauben an den Internationalismus. Er brach mit seiner Partei, loste auch die Verbindung za dem sozialistischen Organ und gründete dann selbst eine Zeitung, die er „Popolo bi Italia" nannte. Er verlangte darin das Eingreifen Italiens in ben Krieg. Er tonte zunächst von den Sozialdemokraten scharf angegriffen und machte mit seinen Freunden schwierige Zeiten durch. Aber es gelang ihm, dem Blatte eine genügend grobe Leserzahl zu verschaffen. Rachdem Italien in den Krieg eingetret ?n war, ging er selber an idie Front als Korporal der Berfaglieri. Er wurde verwundet und kehrte nach Rom z rrück, um feine Zeitung wieder zu übernehmen. Die Zunahme der bolschewistischen Richtung führte zu der eigentlichen Entstehung des Favismus. Ars dem Frffzistenkongreß in Rcupel fiel es auf, daß Mussolini nur sagte, die Partei muffe einen ganz neuen Weg cinschlagen, aber nichts Räheres erklärte. TcW Har umfv auffälliger, als ei sonst mit feinem Programm ziemlich deutlich hervor getreten war. Er hatte eine zecklang ben Gedanken der Gründung einer »agrarischAi Demokratie" auf Kleingrundbesitz beruhend, gepflegt. Bei anderer Gelegenheit verlangte er Abschaffung aller Staats- monopole bei Eisenbahn, Post, Telegraphen. Salz und Tabak, ferner bessere Ausnrtz.'u; der Wasserkraft Italiens. Er ist lein Freu.rc brr Engländer. Er verlangt die Räumung Mallas durch die Brcken. In London ist man der Meinung, daß Mussolini einen mäßigenden Einfluß auf sein? Anhänger ausübt. Aber man fürchtet, daß ihm diese jetzt über den Kops wachsen und er nicht die Macht haben wird, sie in Ordnung zu f;alten.“
Mussolini an Graf Sforza.
Paris, 1. Rov. (WTB.) Rach einer Ha- vasmeldung aus Rom hat Mussolini an Beantwortung der Demission des italienischen Botschafters in Paris Gras Sforza ein Telegramm zugehen lassen, in dem es u. a. heißt. Ich muß Ihren Entschluß, zurückzutreten, bevor Sie mein außenpolitisches Telegramm kennen gelernt haben, als eine wenig freundschaftliche und zeitgemäße Handlung auslegen. Wern Programm auf dem Gebiete der Außenpolitik werde ich vor der Kammer aus- einanderseheu und es wird auf alle Fälle nicht eine Summe von Gefühlen und Empfindlichkeiten fein, wie Sie zu unrecht annehmen. Ich fordere Sie in aller Form auf, im Amt zu bleiben und der Regierung, die im Augenblick den höchsten Ausdruck der nationalen Gefühle barstellt, keine Schwierigkeiten zu schaffen.
Rücktritt des italienischen Botschafters in Berlin.
Berlin. 1. Rov. Wie die italienische Botschaft mitteilt, hat der italienische Botschafter F r a s s a t i in Berlin gleich nach der Bildung her neuen italienischen Regierung in Anbetracht der veränderten politischen Lage seine Demission eingereicht.
Der Wahlkampf in England.
London, 2. Rov. (WTB.) Reuter. Sft *3 o u n g e i erklärt die Rach richten für unrichtig, wonach Vorschläge bzw. Drohungen seitens der Ralionalliberalen an die konservative Organisation gerichtet werden seien. Cs wird indessen erklärt, daß Lloyd George sehr entschlossen sei und dr.hend gesagt habe, daß der Kampf jeden Augenblick ausbrechcn könne. Inzwischen richtet Lord Birkenhead energische Angriffe gegen Boau- ger, den <,c als Drahtzieher bezeichiret und von dem er sagt, daß es sein Ziel sei, Lloyd Ge)rge zu isolieren und ihn im neuen Parlament hilflos allem zu lassen.
Zusammentritt des neuen englischen Kabinetts. London, 1. Rov. Die e r ft e Sitzung des neuen Kabinetts hat heute stattgesunden.
Lloyd George erkrankt.
London, I.Rov. Lloyd George leidet an einer Erkältung und muß sich mehrere Tage Ruhe gönnen. Er mußte deshalb seine Rede in Bristol aufgeben; statt seiner spricht Lord Birkenhead.
Wiederausflackern
der irischen Aufstandsbewegung.
London, 1. Rov. Eine Abteilung Aufständischer hat in Irland mit Unterstützung von Panzerautos die Station von Clifden angegriffen und sie zur Kapitulation gezwungen. Auf beiden Seiten gab es mehrere Tote. 80 Mann der Regierungstruppen wurden gefangen genommen.
London, 1. Rov. (Wolff.) Einer Blätter- mellung zufolge wurde in Dublin von den Rebellen versucht, das Polizeibureau in die Luft zu sprengen. Dabei sind sechs Personen verwundet worben. Es würbe eine Anzahl von Verhaftungen vorgenommen.
Bildunq einer neuen sozialistischen Partei iu Frankreich.
Paris, 1. Rov. In Paris hat heute eine private Konferenz der kürzlich aus der kommunistischen Partei ausgeschlossenen Mitglieder stattgefunden. Cs wurde u. a. über die B i.l - einer neuen sozialistischen Partei verhandelt.
7lus dem Reiche
Die Gefchastsgebahrung der Reichsmonopolverwaltung für Branntwein.
Frankfurt a. M, 1. Rov. (WTB.) Die Handelskammer Frankfurt a. M. - Ha na u hat an bas Reichssinanzministerium eine Eingabe gerichtet, in ber es u. a. heißt, daß gegen die Geschäftsgebarung ber Reichömonopolvecwal- tung für Branntwein von allen Interessentenkreisen schwere Klagen erhoben werden Das Branntweinmonopol werde rein fiskalisch in einer Weise ausgenüht, wie bas kein privater Unternehmer pagen dürfte, ohne mit ben Gesehen in Konflikt zu kommen. Die Preisheraufsetzung erfahre eine Vervielfachung in einem Maße, wie bas in keiner Geschäftsbräuche ber Fall fei. Die Gründe für die schadenbringenbe Preispolitik ber Reichsmonopolverwaltung lägen vor allem auch in ber Zusammensetzung bes Beirates, in ber die verbrauchende Industrie viel zu toenig Stimmen habe und in ber sich auch biejenige Industrie schlecht ter treten finde, die Spiritus zu billigeren Preisen herzustellen in ber Lage sei. Eine Aenderung ber Gesetzgebung hinsichtlich ber Zusammensetzung des Beirates sei daher dringend erforderlich. Das Reichsfinanzministerium wird schließlich gebeten, die Beschwerde zu prüfen und für Abstellung ber Mißstände Sorge tragen zu wollen.
Abschluß der Verhandlungen übet die BeamtenbesoldunJsfcagin.
Berlin, 1. Rov. Die im Reichsfinanz- Ministerium mit Vertretern der Spitzenvrgani- sationenüber die Beamtenbesoldungs- fragen geführten Verhandlungen haben ihren Abschluß gefunden. Die Regierungsvorlage wird nach Zustimmung des ReichSkabi- nettS sofort dem Reichstag vorgelegt werden.
Der 9. November.
Berlin, 2. Rov. Die Vollversammlunq der Berliner Gewerkschaftskornrnissionen beschloß laut „Roter Fahne", den 9. November durch vollständige Arbeitsruhe zu feiern. Die Durchführung von Demonstrationen bleibt den Arbeiterparteien überlassen.
Ern neuer Kriegsbrschuldigten-Prozeß.
Berlin, 1. Rov. Einer Blättermeldung aus Leipzig zufolge findet am J5. Rovember vor dem Reichsgericht ein neuer Kn^gsbeschuldigtenprozeh statt. Es wird gegen o\n Landsturm mann Grüner wegen angeblichen Diebstahls und


