Ausgabe 
2.11.1922
 
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172. Jahrgang

Donnerstag, 2. November 1922

sietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

ümd und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und 5temdruckerei R. tauge in Sieben. Schristleltung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7.

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Nr. 258

Erscheint täglich, nutzer Sonn, und Feiertags, mit berSamstaqsbeilage: GietzenerFamilienblätter Monatliche Bejuasprelfr Mk. 185.- u Mk. 15.- Trägerlohn,durch diePost Mk 200. - .auch beiNicht. erscheinen einzelner Num- mern infolge höherer Gewalt. - Fernsprech« Anschlüsse: für dieSchrist. leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Stehen.

poslscdecllonto:

Srantlnrt a. Ul. 11686.

Um Deutschlands Rettung.

Dle ReparationSkvmmissionhat sich an das Krankenbett der deutschen Wirt­schaft begeben, um In Berlin an Ort und Stelle sich über den Zustand deS Kranken zu unter­richten. Es ist das Furchtbarste unseres gegen­wärtigen Anglücks, daß wir uns nicht selbst befreien können, sondern dem Machtspruch die­ser Kommission auSgeliesert sind. Äur wenn sie uns einen Zahlungsaufschub bewilligt und Schritte zur Festigung des Markkurses unter­nimmt, können wir hoffen, daß unsere Lage sich bessert.

3m deutschen Lager tobt indessen der Stteit, was geschehen müsse, wenn wir den Zahlungsaufschub erreicht haben. Die einen fordern eine Währungsreform, die anderen rufen nach der Steigerung der Produktion, beide Teile geben ihr Programm als die allei­nige Rettung aus. Die Frage ist von so auher-- oroentlicher Bedeutung, daß eine Klärung dieses StteiteS in der Oeffentlichkeit unbedingt notwendig ist. ES geht nicht weiter an, das; nur einige parlamentarische Gruppen hinter der Kulisse die Lebensangelegenheiten des deut­schen Volkes erledigen wollen, denn will man tatsächlich neue Wege zu Deutschlands Ret­tung beschreiten, werden Gesetze und Verord­nungen allein nichts helfen, man braucht un­ter allen Umständen das verständnisvolle und opferwillige Mitgehen aller Vvlkskreise.

Anser gegenwärtiges Papiergeld kann die Aufgaben des Geldes nur noch unvollkommen erfüllen. Es ist kein Wertmesser mehr, es ist kein Wertaufspeicherungsmittel mehr, ja sogar als Lauschmittel wird eS teilweise nicht mehr anerkannt, Fabriken verlangen Bezcchllrng in Dollars, Dauernverbände erheben ihre Bei- träge in Getreide. Schuld daran ist die gerade­zu ungeheuerliche Vermehrung des Geldum­laufes, dem eine verringerte Warenmenge ge­genübersteht. Witt man dem Papiergelde sei­nen Charakter als wirklichem Gelde (Wertmes­ser, WertaufspeicherungSmittel) wieder ver­leihen, so muh unter allen Amständen die Geldmenge verringert werden, um Waren­menge «und Geldmenge mehr inS Gleichgewicht zu bringen. Dazu wären große Besitz- und Einkommensteuern notwendig, verbunden mit gleichzeitigem Lohnabbau, weil sonst Kapital­mangel eintreten würde.

Dies alles ist aber nur die eine Seite der Sache. Will man dem Gelde wieder einen Wert verleihen, oder anders ausgedrückt, will man die Warenpreise verbilligen, muß auch die Warenmenge vergrößert werden. W i r produzieren gegenwärtig besten­falls nur 76Prozent unsererFrie- densleistung, d. h., selbst wenn die Mark den Friedensstand wieder erreichte, würde die verringerte Warenmenge eine starke Teuerung bewirken. Es kommt darauf an, Geldmenge und Warenmenge wieder in ein ausgegliche­nes Verhältnis zu bringen. Das ist aber nur möglich, wenn von beiden Seiten daraufhin­gedrungen wird. 3ns Leben übersetzt würde dies heißen: es müssen Opfer gebracht werden, von den Besitzenden an Geld und Gut, von den Arbeitern an Arbeit. ES ist ganz klar, daß diese Opferwilligkeit nicht durch Gesetze an» geordnet werden kann, es ist vielmehr unbe­dingt nötig, daß das deutsche Doll sich Rar darüber wird, daß der bisherige Weg ein Irr­weg ist. Die Parteien der Parlamente fühlen sich meist als Beauftragte einer Volksklasse, deren Interessen sie zu vertteten suchen. Des­halb rufen die Sozialisten nach der Währungs­reform, die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft nach der Mehrleistung. So geht es auf keinen Fall weiter, unsere Volksvertreter müssen sich als Führer des Volles ansehen, und jeder muh seinen Anhängern sagen, daß Deutsch­lands Rettung abhängt von der Opferwillig­keit jedes einzelnen. Alle anderen Versprech­ungen und Derheihungen von der Glückselig­keit würden sich gar bald als eitel Humbug Herausstellen.

Die Berliner Verhandlungen.

Sachlicher Verlauf.

Berlin, 1. Rov. (Wolff.) Heber die Ver­handlungen der R e i ch s r e g i e r u n g mit der Reparationskommission erfahren wir Folgendes:

Die erste Verhandlung mit der Reparations- kvmmiffion verlief in durchaus sachlicher Form. Der Vorsitzende der Reparcckionslvmmis- stvn Louis Darthou erklärte, dah erstens die Dalanzierung des Budgets, zweitens die Frage ber schwebenden Schuld und drittens die Stabili­sierung der Mark die Hauptaufgaben seien, die jetzt behandelt werden mühten. Die Kommission beabsichtige nicht, die deutsche Sou­veränität anzutasten; sie hoffe aber auf loyale Zusammenarbeit. Sie sei auf Grund der von Deutschland eingegangenen Verpflichtungen genötigt, eingehende Fragen zu stellen. Darauf hielt Staatssekretär Schröder einen Vortrag über die allgemeine Gestaltung des Budgets für

das laufende Iahr, soweit eS sich bisher über­sehen läßt.

Bei der Besprechung dieses Themas wurden von der Gegenseite verschiedene Fragen gestellt mit dem Zweck, hierüber näheres Material im Lause der nächsten Sitzung zu erhallen. Es in­teressierten besonders die Ausgaben für den Reichsbahnetat und die Ausgaben des außerordentlichen Haushalts Schnö­der. teilte mll, dah das voraussichtliche Defizit des Budgets etwa 440 Milliarden betragen werde, das jm wesentlichen zu Lasten des Frtedensver- trages gehe.

Die nächste Sitzung wurde auf Mittwoch nachmittag 4 älhr festgesetzt.

London, I.Rov. (Wolff ) Der Berliner Berichterstatter desDaily Telegraph" weist auf den versöhnlichen Geist hin, der auf allen Seiten auf der ersten Zusammenkunft zwischen dem Reichskanzler und den Mitgliedern der Repa r a t i on s k o mm i ss io n zutage getreten tfl. Wenn keinerlei Stimmungsänderung eintrete, so bestehe Aussicht darauf, daß die Verhandlungen auf einer rein kauf männ ischen Grund­lage durchgeführt werden konnten.

Berlin, 2. Rov. DasBerl. Tagebl." teilt mit, daß bei der gestrigen Besprechung mit der Reparationskommission den Ausfüh­rungen des ReichSfinanzministerS Dr. Her- m e S über den deutschen Standpunkt zur Frage der Markstabilisierung folgender Gedanken- gang zugrunde gelegen habe. Eine Aktion zur Stärkung der deutschen Währung könne nur auf der Basis eines Goldfonds durchgeführt werden. Da eine Inanspruchnahme des Gold­schatzes der Reichsbank nicht in Frage käme, so bleibe nichts anderes übrig, zu diesem be­sonderen Zweck, also nicht für allgemeine Re- parationSzwecke, eine Goldanleihe im Ausland aufzunehmen. Darthou habe in der gestrigen Sitzung verschiedene Fragen an Dr. Hermes gerichtet und sich Vorbehalten, zu einigen Punkten noch besonders Stellung zu nehmen.

DemTageblatt" zufolge verlautet iy den Kreisen der Reparationskommission, daß ihr Aufenthalt in Derlin zum mindesten wohl bis Ende nächster Woche bemessen sein werde. Wie man in unterrichteten Kreisen annehme, werde die Reparationskommission irgend­welche Entscheidung in Derlin nicht treffen. Die Diskussion über eine Reparationsanleihe und ein Moratorium werde vielmehr der großen Drüsseler Finanzkonfe­renz überlassen werden.

Berlin, 1. Rov. Die von der Reichs- regierung zur Teilnahme an der Währungs­konferenz eingeladenen ausländischen Finanzsachverstä.ndigen werden heute abend vollzählig in Berlin versammelt sein und morgen vormittag vom Reichskanzler empfangen werden. Unmittelbar an den Empfang schließen sich die sachlichen Beratungen über die Möglich­keiten für die Stabilisierung der deutschen Wäh­rung an. Deutschersells nehmen an der Wäh­rungskonferenz Reichsbankpräsident Havenstein, Staatssekretär Schröder und einige Vertreter der Dankwelt teil, u. a. älrbtg, Mendelssohn und Prof. Schumacher.

Eine Denkschrift der Gewerkschaften.

Berlin, 2. Rov. (WTB.) 3n einer Denk­schrift an den Reichskanzler, dieReichs- mlnifterien und die Parteien schlagen die Ge - Werkschafte >t aller Richtungen Wittel zur Regelung des weiteren Bestandes der Mark­wertung vor. 3n der Denkschrift heißt es laut Vorwärts", die Hauptquelle der Teuerung bilde die beständige Entwertung des deutschen Geldes. Alle Versuche. Die einheimischen Warenpreise an die Weltmarktpreise anzupassen, mühten aus­sichtslos bleiben, da deutsche Verbraucher solche Waren nicht mehr kaufen konnten. Die Anpassung der Lohne an den Weltmarkt würde die Wirt- schaftskatastrvphe nur beschleunigen. Aus diesem Dilemma fönne man nur durch die Stabili­sierung der Mark herauskommen. Mit der Erhaltung der Mark als Zahlungsmittel und Wertmesser ist das ßebensinie reffe der arbeiten­den Bevölkerung und das Wohl und Wehr aller Verbraucher, sowie das Schicksal des deutschen Volkes verknüpft. Eine Stützung der deutschen Mark würde unter anderem erreicht durch die Einführung einer wertbeständigen in­neren Anleihe. Des weiteren muffe die Gesundung der Staatsfinanzen auf dem Gebiete der Steter- Verwaltung verlangt werden. Es ist für die 21 r- beit nehmet ebenso unverständlich wie uner­träglich, daß ihnen Steuerabzüge vom Einkommen gemacht werden, während die Steuereinziehung bei den Unternehmern und den besitzenden Klas­sen Jahre lang auf ffiich warten läßt. Die Devisenordnung bliebe ein Schlag ins Wasser, wenn sie nicht durch prattische Ausgestaltung der Devisenkontrolle ergänz^ würde. Wir er­warten daß die Der Hand Lungen zur Erreichung einet Au slands an leihe zwecks Stabilifie- tang der Mark mit erneutem Rachdruck an­genommen und durchgeführt werden. Die Gewerk­schaften verlangen von der Regierung die Herbei- sühr rng einer ffröteren Durchsichtignwchung der Syndikate und Trusts, bfe teilweise durch eine volkswirtschaftlich schädliche Preispolitik den Ver­fall der Währung fordern. Die Denkschrift fordert schließlich Sparsamkeit und Vereinfachung in allen öffentlichen Betrieben und Verwaltungen.

Eine Rede Lenins.

Moskau, 1. Rov. (WTB.) Russische Tele- grabbenagentur. In der heutigen Sitzung der vierten Tagung der allrussischen Zentrale?ekutive hielt Lenin eine Rede, die den Arbeiten der von April bis September abgehaltenen Tagung gewidmet war. Lenin begrüßte zunächst die Be­setzung des Fernen Ostens durch die Rote Armee als einen Sieg über die letzten Reste der Gegen­revolution Die Räumung des Femen Ostens sei gleichzeitig ein Sieg der russischen Diplomalie, die auf der bevorstehenden Konferenz von Lau­sanne hoffentlich ebenso erfolgreich die Rechte der Sowjetrepubliken vertreten werde oder wenig- stens den Volksmasseit die wahren Hindernisse zur Derwirllichung der gerechten Forderung Ruß­lands zeigen werde. Lenin betont die Bedeutung des von der Tagung angenommenen Arbeitskodex der die ilnantaftbarfeit des Achtstunden­tages und andere Grundlagen der Ardriter- gesetzgebung in einem Augenblick kategorisch ftst- legc, wo die internationale Bourgeoisie zur Offen­sive gegen die Arbeiterklasse übergehe. Das in­dustriell zurückgebliebene Rußland werde in kurzer Zeit das kapitalistische Ausland tech­nisch einholen, uno zwar in einem Tempo, das im Auslande unbekannt sei. Durch die An­nahme des Dodenkodex habe die Sowiel- macht neuerlich den Interessen der Danemschast Rechnung getragen. Das neu angenommene Gesetz übet das Gerichtsverfahren könne dem Auslande als Beispiel vorgehalten werden. Die Sowjetmacht werde die Grenzen zwischen den gerechten Forde­rungen der Bürger im Zusammenhang mit der neuen Wirtschaftspolitik scharf ziehen. Die Ver­vollkommnung des Derwaltungsappacates und die Bekämpfung bei- Bureautratie bleibe eine wichtige Ausgabe, die mit dem Aufschwung der Arl.ciier- majjen zu einer höher en Kulturstufe gleichbedeu­tend sei. Die Ausführungen Lenin» wurden stür­misch begrübt

Mussolini.

London, 31. Oft. 3emanb, bet Musso­lini persönlich kennt, schreibt derTimes" über ihn:

Dor 18 Monaten wußte noch mema.rb, wer Mussolini trat. Er ist ein Mann von nicht ganz 40 Jahren, körperlich großer als die meisten Ita­liener. Er hat eine auffallend große, gerade Rase, dutchdrtngeTide Argen und einen großen Kopf and eine ungewöhnlich hohe Stirn, die dadurch n)ch hoher erscheint, daß er sein Haar nach rückwärts gekämmt trägt Seine massive breitschultrige Ge­stalt macht in der schwarzen älnisorm einen impo­santen Einbruch Seine Charakter stärke und Quali­tät sind außerordentlich. Er ist der Sohn eines Tagelöhners, in irgend einem Dorf der Rom mga geboren, ©ein Dreier war ein scharfer Sozialist. Der Sohn begann auch als Tagelöhner, tourte sich aber später selbst eine Bildung za verschaffen. Er ftubierte in Italien und in dec Schweiz. Da­mals trat er noch eifriger Anhänger des Sozia­lismus. Er wurde als ganz junger Mann Haupt- schriftlecker des Avanti, dann kam der Krieg und zerstörte seinen Glauben an den Internationalis­mus. Er brach mit seiner Partei, loste auch die Verbindung za dem sozialistischen Organ und gründete dann selbst eine Zeitung, die erPopolo bi Italia" nannte. Er verlangte darin das Ein­greifen Italiens in ben Krieg. Er tonte zunächst von den Sozialdemokraten scharf angegriffen und machte mit seinen Freunden schwierige Zeiten durch. Aber es gelang ihm, dem Blatte eine ge­nügend grobe Leserzahl zu verschaffen. Rachdem Italien in den Krieg eingetret ?n war, ging er selber an idie Front als Korporal der Berfaglieri. Er wurde verwundet und kehrte nach Rom z rrück, um feine Zeitung wieder zu übernehmen. Die Zu­nahme der bolschewistischen Richtung führte zu der eigentlichen Entstehung des Favismus. Ars dem Frffzistenkongreß in Rcupel fiel es auf, daß Musso­lini nur sagte, die Partei muffe einen ganz neuen Weg cinschlagen, aber nichts Räheres erklärte. TcW Har umfv auffälliger, als ei sonst mit fei­nem Programm ziemlich deutlich hervor getreten war. Er hatte eine zecklang ben Gedanken der Gründung einer »agrarischAi Demokratie" auf Kleingrundbesitz beruhend, gepflegt. Bei anderer Gelegenheit verlangte er Abschaffung aller Staats- monopole bei Eisenbahn, Post, Telegraphen. Salz und Tabak, ferner bessere Ausnrtz.'u; der Was­serkraft Italiens. Er ist lein Freu.rc brr Eng­länder. Er verlangt die Räumung Mallas durch die Brcken. In London ist man der Meinung, daß Mussolini einen mäßigenden Einfluß auf sein? Anhänger ausübt. Aber man fürchtet, daß ihm diese jetzt über den Kops wachsen und er nicht die Macht haben wird, sie in Ordnung zu f;alten.

Mussolini an Graf Sforza.

Paris, 1. Rov. (WTB.) Rach einer Ha- vasmeldung aus Rom hat Mussolini an Beantwortung der Demission des italienischen Botschafters in Paris Gras Sforza ein Tele­gramm zugehen lassen, in dem es u. a. heißt. Ich muß Ihren Entschluß, zurückzutreten, bevor Sie mein außenpolitisches Telegramm kennen ge­lernt haben, als eine wenig freundschaft­liche und zeitgemäße Handlung aus­legen. Wern Programm auf dem Gebiete der Außenpolitik werde ich vor der Kammer aus- einanderseheu und es wird auf alle Fälle nicht eine Summe von Gefühlen und Empfindlichkeiten fein, wie Sie zu unrecht annehmen. Ich fordere Sie in aller Form auf, im Amt zu bleiben und der Regierung, die im Augenblick den höchsten Ausdruck der nationalen Gefühle barstellt, keine Schwierigkeiten zu schaffen.

Rücktritt des italienischen Botschafters in Berlin.

Berlin. 1. Rov. Wie die italienische Botschaft mitteilt, hat der italienische Bot­schafter F r a s s a t i in Berlin gleich nach der Bildung her neuen italienischen Regierung in Anbetracht der veränderten politischen Lage seine Demission eingereicht.

Der Wahlkampf in England.

London, 2. Rov. (WTB.) Reuter. Sft *3 o u n g e i erklärt die Rach richten für unrichtig, wonach Vorschläge bzw. Drohungen seitens der Ralionalliberalen an die konservative Organisa­tion gerichtet werden seien. Cs wird indessen er­klärt, daß Lloyd George sehr entschlossen sei und dr.hend gesagt habe, daß der Kampf jeden Augen­blick ausbrechcn könne. Inzwischen richtet Lord Birkenhead energische Angriffe gegen Boau- ger, den <,c als Drahtzieher bezeichiret und von dem er sagt, daß es sein Ziel sei, Lloyd Ge)rge zu isolieren und ihn im neuen Parlament hilflos allem zu lassen.

Zusammentritt des neuen englischen Kabinetts. London, 1. Rov. Die e r ft e Sitzung des neuen Kabinetts hat heute stattgesunden.

Lloyd George erkrankt.

London, I.Rov. Lloyd George leidet an einer Erkältung und muß sich mehrere Tage Ruhe gönnen. Er mußte des­halb seine Rede in Bristol aufgeben; statt sei­ner spricht Lord Birkenhead.

Wiederausflackern

der irischen Aufstandsbewegung.

London, 1. Rov. Eine Abteilung Auf­ständischer hat in Irland mit Unterstützung von Panzerautos die Station von Clifden angegriffen und sie zur Kapitulation ge­zwungen. Auf beiden Seiten gab es mehrere Tote. 80 Mann der Regierungstruppen wur­den gefangen genommen.

London, 1. Rov. (Wolff.) Einer Blätter- mellung zufolge wurde in Dublin von den Rebellen versucht, das Polizeibureau in die Luft zu sprengen. Dabei sind sechs Personen verwundet worben. Es würbe eine An­zahl von Verhaftungen vorgenommen.

Bildunq einer neuen sozialistischen Partei iu Frankreich.

Paris, 1. Rov. In Paris hat heute eine private Konferenz der kürzlich aus der kommu­nistischen Partei ausgeschlossenen Mitglieder stattgefunden. Cs wurde u. a. über die B i.l - einer neuen sozialistischen Partei verhandelt.

7lus dem Reiche

Die Gefchastsgebahrung der Reichsmonopol­verwaltung für Branntwein.

Frankfurt a. M, 1. Rov. (WTB.) Die Handelskammer Frankfurt a. M. - Ha na u hat an bas Reichssinanzministerium eine Eingabe gerichtet, in ber es u. a. heißt, daß gegen die Geschäftsgebarung ber Reichömonopolvecwal- tung für Branntwein von allen Interessenten­kreisen schwere Klagen erhoben werden Das Branntweinmonopol werde rein fiskalisch in einer Weise ausgenüht, wie bas kein privater Unternehmer pagen dürfte, ohne mit ben Gesehen in Konflikt zu kommen. Die Preisheraufsetzung erfahre eine Ver­vielfachung in einem Maße, wie bas in keiner Geschäftsbräuche ber Fall fei. Die Gründe für die schadenbringenbe Preispolitik ber Reichsmono­polverwaltung lägen vor allem auch in ber Zu­sammensetzung bes Beirates, in ber die verbrau­chende Industrie viel zu toenig Stimmen habe und in ber sich auch biejenige Industrie schlecht ter treten finde, die Spiritus zu billigeren Preisen herzustellen in ber Lage sei. Eine Aenderung ber Gesetzgebung hinsichtlich ber Zusammensetzung des Beirates sei daher dringend erforderlich. Das Reichsfinanzministerium wird schließlich gebeten, die Beschwerde zu prüfen und für Abstellung ber Mißstände Sorge tragen zu wollen.

Abschluß der Verhandlungen übet die BeamtenbesoldunJsfcagin.

Berlin, 1. Rov. Die im Reichsfinanz- Ministerium mit Vertretern der Spitzenvrgani- sationenüber die Beamtenbesoldungs- fragen geführten Verhandlungen haben ihren Abschluß gefunden. Die Regierungsvor­lage wird nach Zustimmung des ReichSkabi- nettS sofort dem Reichstag vorgelegt werden.

Der 9. November.

Berlin, 2. Rov. Die Vollversammlunq der Berliner Gewerkschaftskornrnissionen be­schloß lautRoter Fahne", den 9. November durch vollständige Arbeitsruhe zu feiern. Die Durchführung von Demonstrationen bleibt den Arbeiterparteien überlassen.

Ern neuer Kriegsbrschuldigten-Prozeß.

Berlin, 1. Rov. Einer Blättermeldung aus Leipzig zufolge findet am J5. Rovember vor dem Reichsgericht ein neuer Kn^gsbeschuldigtenprozeh statt. Es wird gegen o\n Landsturm mann Grüner wegen angeblichen Diebstahls und