DieMoit)
,360cSA ? U s0?0 erörw,?^ev
Helwig j2 ten“-4 Prfc di°!° Schrift de» "s»-L n Volömork °llen.
-bt. bi.se °"ven.
kvnvMou Wmg. lWtotrb yy^len S&N
»25*- toltiÄn ben 'U ohne ihn ju Mng ober eüt.
hräÄMgw L.
estern trat dir für MtkW S des fntmjfifb Mffl, um Lor- stungsbeschrän- ^t Zwei sie l für §eet&, ernannte.
Kasino
ir:
gramml
■Tee
nntags.
(*D
«jentic'1 ^Allongen —J
vamstadt
MM
zeigen
Hochzeit jtten fome }ftcn Dank
chardt
>7° ?>".......
M«« )wig »teinbtt Milte Mdy ter tags- tfi
Ar. 206
Erscheint täglich, anher Sonn- und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GießenerFamilienb lütter Monatliche vezuaspreife: MK.75.- und Mk. 5.- Trüger lohn,durch diePost Mk. 75. -, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.— Fernsprech- Anschlüsse: für die Schrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn.
poftschecttonto:
Frankfurt a. M. 11686.
Samstag, 2. September 1922
172. Zahrgang
Erstes Blatt
mAMiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vrnO tmö Verlag- Srühl'sche llniv.Such- und Steindruckerei R. Lange. Schristleitung, Geschäftsstelle und vrnckerei: Schulstraße 7.
Annahme von Anzeigen für die Tayesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen d. 27 mm Breite örtlich 300 Pf., auswärts 400 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 1200Pf. Bei Platz- Vorschrift 20 °/0 Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Uug. Goetz,- für den übrigen Teil: Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.
Wochenrückrblick.
Die Entscheidung der Reparationskommission, die am Donnerstag mittag gefällt wurde, mag von den Völkern der Entente, oder auch von unbeteiligten Zuschauern, als „salomonisches Urteil- begrüßt werden — wir Deutsche können sie nur mit Mißfallen und Bekümmernis aufnehmen. Denn im Grunde hat der Pariser Areopag zugunsten der Fiktion Poincares entschieden, der Deutschland zur Zahlungsfähigkeit verurteilt, weil der tief gewurzelte Grundsatz, „der Boche zahlt alles", der „Siegernation" nicht verloren gehen darf. Deutschland erhält kein Moratorium. Frankreichs Gründe sind seine Machtansprüche. Von „Recht" im Sinne einer moralischen Ordnung ist da nicht mehr die Rede. England weiß es, Italien, das aus Opportuni- tätSgründen Stimmenthaltung geübt hat, weiß es ebensogut, daß die deutschen Zahlungsmittel, die Anstrengungen der deutschen Wirtschaft, nicht ausreichen werden, das Londoner Zahlungsprvgramm durchzuführen. Wir haben die beredtesten Anwälte gerade in England für uns gehabt; die nicht mehr abzuweisenden Fingerzeige aller wirklichen Sachkenner haben allmählich die ganze Welt überzeugt, daß der Versailler Vertrag und seine Londoner Finanzfolgerung unerfüllbar sind. Was ist das Ende der sogenannten Er- füllungspolitik? Eine Wirtschaftszerrüttung über ganz Europa hinweg, eine Verelendung der »großen Mehrheit des deutschen Volkes, eine radikale Vernichtung des mobilen Kapitals in Deutschland — wie der Staatssekretär Schroeder sich ausdrückte —, und keine Rechtserkenntnis am Ende dieser langen und furchtbaren politischen Fastenzeit, kein positiver Sieg der Wahrheit, sondern nur ein verzweifeltes Ringen machtpvlitischer Faktoren um die Vorherrschaft. Wenn jetzt der Reichskanzler Dr. Wirth mit der belgischen Regierung über die Sicherheiten verhandelt, die Belgien dafür zu gewähren sind, daß es sich mit deutschen Wechseln auf sechsmonatiger Laufzeit statt mit Barzahlung begnügt, so blickt ihm auch noch nicht ein Schimmer jenes Lichtes der Weltbekehrung auf den Schreibtisch, dem er sich anvertraut hatte. Das drohende Chaos ist auf einige Wochen zurückgebannt worden, aber am Ende der neuen Gnadenfrist wird es noch immer zweifelhaft sein, ob das Friedensbedürfnis der Völker über die Macht der Finsternis zu siegen vermag.
Trotzdem, ein Augenblick der Erleichterung unserer trostlosen Lage ist gekommen. Roch führt Frankreich seine Drohungen nicht aus. Wir zahlen nicht und scheinen, wie ein leichtfertiger Spieler, Wechsel zu unterzeichnen, die wir nicht einlösen können. Za, es ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortdauernd Böses muß gebären. Deutschland wird immer zu Versprechungen g e z w u n g e n, die es nicht hallen kann. Die Unsittlichkeit liegt, wie bei der Unterzeichnung des Versailler Vertrages, wiederum auf der Seite der Entente. Der Beschluß des Wiederherstellungsausschusses, der mit vielen Seufzern der Erleichterung begrüßt wird, weil er dem drohenden Bruch der Entente vorgebeugt hat, bewegt sich in seltsamen Widersprüchen. Der Ausschuß „berücksichtigt", daß Deutschland jeden Kredit nach innen und nach außen verloren hat, daß die Mark auf drei Tausendstel ihres Wertes gefallen ist — und er zieht nicht die einzig richtige Konsequenz, einen Zahlungsaufschub zu gewähren. Die Unterschrift, der Schein, muß wieder triumphieren. Eine neue Konferenz, die am Ende der Frist des Hangens und Bangens steht, die sich, wie so viele Vorgängerinnen, mit einer endgültigen Lösung des Reparationsproblems beschäftigen soll, ist ein magerer Trost für uns. „Die etwaige Herabsetzung der auswärtigen Schuldenlast Deutschlands in dem Maße, wie eine solche Herabsetzung als für die Wiederherstellung seines Kredits für notwendig erachtet würde" — diese bedingungsweise Ankündigung in dem Beschluß des Wiederherstellungsausschusses beleuchtet die W i l l k ü r der Politik Poincares, die ganze Anehrlichkeit seiner zahlreichen rednerischen Anschuldigungen Deutschlands. Er kann nicht offen erklären: „Za, die Versailler Rechnung war eine Torheit, man kann Deutschland nicht bis zur letzten Erschöpfung auspumpen." Solange die Entente nicht überhaupt erklärt: „Unsere Kriegsanstrengungen können in keinem Verhältnis stehen zu den .Gewinnen', die aus dem Siege zu ziehen sind", so lange die Völker sich nicht gegenseitig ihre Kriegsschulden streichen, muß Frankreich die Wahrheit hinter dem Berge halten. Es pocht auf seinen Schein, /nicht nur Deutschland, sondern auch seinen „Freunden" und Mitstreitern gegenüber. Der Kampf für die Kraft und Macht der vollen Wahrheit ist unzulänglich geführt worden —
das ist der historische Fehler, die große Unter- lassungssünde der Erfüllungspvlillk.
Es scheint nicht, daß die belgische Regierung auf der Hinterlegung von Gold bei einer auswärtigen Bank weiter bestehen wird, nachdem die autonome Reichsbank diesen ursprünglichen Kompromißvorschlag, als im Interesse der Besserung unserer Währungs- verhältnisse untunlich verworfen hatte. Sonst hätte der Wiederherstellungsausschuß nicht auf den Weg solcher direkten Verhandlungen mit Belgien selber verwiesen. „Falls keine derartige Vereinbarung zustande kommt," so dekretiert das Tribunal, „bleibt es bei der Hinterlegung von Gold bei einer auswärtigen Dank." Ohne Zweifel wird das Kabinett Wirth das neue Pariser Gebot ohne Widerrede und Einschränkung ausführen. Dann geht die HUslose Fahrt ins Angewisse weiter, die Hoffnungssegel nur wenig geschwellt von den Aussichten auf die amerikanischen Rovember- wahlen, die vielleicht einen Europa günstigeren Kurs der Washingtoner Politik ein- leiten werden.
Mit dem Zurücktreten des Dollars auf einen etwas bescheideneren Stand, verflüchtigen sich vorläufig auch die finsteren Vorboten einer inneren Krisis in Deutschland. Die Reichsregierung hat im Einvernehmen mit den maßgebenden Arbeits- und Wirtschaftsfaktoren ein neues Programm der Einschränkungen und der Sparsamkeit auf- gestellt. Die Teuerung erfordert aber grausamere Opfer als den Verzicht auf Starkbier, Schnaps oder Leckereien. Sie treibt ihr Zerstörungswerk weiter besonders an den Schichten des MlltelstandeS, und während der Reichspräsident auf der Frankfurter Goethe- Woche und neuerdings wieder bei der Haupt- marnifeier in Breslau die geistigen und künstlerischen Bedürfnisse des Volkes in den Vordergrund rückte, konnte er es doch nicht verhüten, daß die deutsche Presse, ohne die sich die Pflege solider Kultur nicht denken läßt, einer immer gefährlicheren Bedrängnis entgegengeht. Auch der Deutsche Katholikentag in München hat Stimmungen zum Ausdruck gebracht, die der Entwicklung des modernen Deutschland gerade keine feierliche Bewunderung entgegenbringen. Der Kardinal v. Faulhaber sprach bittere Worte über die Revolution und die „Verfassung ohne Gott*. Seine Rede zeigte deutlich, wie im Zentrum die verschiedenartigsten Anschauungen und Tendenzen einander gegenüberstehen. Roch tempern men tooHer als seine innerpolitischen Betrachtungen waren Faulhabers Kennzeichnungen der Völker demokratie, die uns den Frieden bescheren sollte! Der Völkerbund in seiner heutigen Beschaffenheit — in einigen Tagen beginnt eine seiner neuen Tagungen in Genf — bilde nur immer neue Zündstoffe zu neuen Konflikten, die vielen Konferenzen schürten nur die Spielhölle der Valuta- schieberei und müßten versagen, weil der wahre und göttllche Geist des Friedens und der Gerechtigkeit nicht mit dabei sei. Der Redner betonte den Anspruch des Papstes auf Mitwirkung bei der Regelung der Weltfriedensverhältnisse.
Wir müssen in der Tat, welcher Konfession wir auch angehören, bei den inner- politischen wie den außenpolitischen Verwicklungen den allgemein christlichen Gedankengängen einen größeren Spielraum geben, denn sie führen uns am ehesten hin zu wahrem Volksgemeinschaft. Möchte es der Zentrums- Partei gelingen, wieder mehr zu einer Politik der Mitte zurückzukehren. Mit Geschick und Klugheit hat auf dem Katholikentag Professor Mausbach die geharnischten Worte t«rs Kardinals Faulhaber in Einklang gebracht mit der Rotwendigkeit, den gegenwärtigen Staat auch in seiner neuen Form zu stützen und zu stärken. Die Basis des Volkswillens gewährt die Möglichkeit, die staatlichen Einrichtungen zu vervollkommnen, und allein in stetiger positiver Mitarbeit ist das Heil zu finden. Mit solcher Besinnung auf maßvolle Politik der Mitte hat der diesmalige Katholikentag eine nützliche Wirkung hervorgerufen. Es ist anzunehmen, daß diese Wirkung auch in dem künftigen Verhalten der Zentrums- Partei öfters in die Erscheinung treten wird.
--“—»»•»ir . -
Eine Erklärung des Reichskanzlers.
Berlin, 1. Sept. (WTB.) Im Ueber- wachungsausschuß des Reichstages erklärte der Reichskanzler: Die Herren, die in Paris mit der Reparativnskommis- f l o n verhandelt hätten, könnten über Geist und Sinn der Entscheidungen der Reparationskommission eine zuverlässige Auskunft geben. Rach deren Rückkehr werde der Reichskanzler sobald als möglich die Parteiführer in die Reichskanzlei bitten, um mit ihnen die außenpolitische Lage zu besprechen. Ob das morgen abend schon geschehen könne, lei im Augenblick noch nicht sicher.
Belgiens Vertreter reisen nach Berlin.
P a r i s, 2. Sept. (WTB.) Wie das „Zour- nal" meldet, begeben sich Delacroix und De- melmans am Samstagabend nach Berlin, um die Verhandlungen mit der deutschen Regierung über die Schahbondssicherheiten aufzunehmen. Man rechnet damit, zum Ziel zu kommen und am Montag früh wieder zurück zu sein.
Interessante Enthüllungen aus der Reparatiouskommission.
Paris, 1. Sept. (WTB.) Aeber den Verlauf der ^gestrigen Sitzung der Reparationskommission teilt Der „Temp s" folgendes mit: Der Meinungsaustausch in der offiziösen Sitzung ergab klar, daß eine Mehrheit bestand, die der Ansicht war, dah Deutschland gegenwärtig unfähig sei, die monatlichen Barzahlungen zu leist en, und dast auch eine Mehrheit vorhanden war, um die Beschlagnahme derGruben und Wälder abzulehnen. Wenn bei dieser Lage der Dinge der Standpunkt der französischen Regierung strikte aufrechterhalten worden wäre, wie das in London geschehen war, so riskierte Frankreich, in der Reparationskommission mit drei gegen eine (Stimme in die Minder h e i t zu kommen, und auf der anderen Seite hätte der Vertreter der Vereinigten Staaten nicht verborgen, dah sein Gefühl mit dem der M e h r- heit identisch sei. Angesichts dieser Sachlage schlug bei Beendigung der offiziösen Sitzung der französische Delegierte Dubois einen Aufschub für den Beginn der offiziellen Sitzung vor, um mit Poincar 6 noch sich besprechen zu können. Er begab sich sofort nach dem Quai d'Orsay und trat dort mit seiner ganzen Energie und mit ganzem Herzen für seine Ansicht ein. Er wies auf die Gefahr hin, in der sich Frankreich befinde, in der Reparationskommission i s o - liert zu werden, auf die Folgen, die aus dieser Isolierung entstehen würden und auf das Interesse, das Frankreich daran habe, Deutschland gegenüber die Einmütigkeit im Schoße der Reparationskommission aufrechtzuerhalten, und fügte hinzu, dah aus den Erklärungen seiner Kollegen hervorgehe, dah über die belgische Tagesordnung Übereinstimmung erzielt werden forme, wenn die französischen Delegierten sie annähmen. Poincars habe nichts weniger gewünscht, denn die mögliche Einigkeit unter den Alliierten aufrechtzuerhalten. Er habe aber nicht seine Zustimmung geben können, dah ein Moratorium ohne Die von ihm verlangten Pfänder bewilligt werde. Die Kommission sollte also das einfache Moratorium ablehnen. Dann konnte er sich aus dem Geiste der Versöhnlichkeit heraus und obgleich er ihn neulich in London abgelehnt hatte, dem belgischen Vorschlag anschliehen. Rach dieser Anterredung kehrte Dubois ins Hotel Astoria zurück, wo sich dann die Abstimmung in der bekannten Weise vollzog.
Berlin, 1. Sept. (WTB.) Rach einem Pariser Telegramm der „Voss. Ztg." teilte Bradbury zu Beginn des zweiten Teils der Sitzung der Reparationskommission 'mit, dah er beauftragt fei, die Kommission zu verlassen und dah er die Verantwortung hierür Frankreich überlassen müfe, denn er glaube, dah es durch seine Haltung das einzige Organ zerstöre, das noch Aussicht habe, die Probleme und Schwieckgkeiten des Versailler Vertrages zu lösen. Rach Annahme des belgischen Vorschlages erllärte Bradbury, er habe von Lloyd George den Auftrag bekommen, sofort nach London zurückzukehren, wenn der englische Vorschlag abgelehnt worden sei. Da er noch keine Gegenorder empfangen habe, müsse er die Kommission verlassen, um nach London zurückzukehren.
Weitere Berliner Prcssestiurmen zum Pariser Spruch.
Berlin, 1. Sept. (Wolff.) Die Berliner Abendblätter besprechen weiter die Entscheidung der R epa ra t i o n s ko mm i s si on.
Der „Berliner Lokalanzeiger" bringt eine Auslassung des Direktors A r b i g von der Dis- conto-Gesellschaft, der sagt, wenn das Reich nicht in der Lage sei, die Goldsumme aufzubringen, und es sei dazu nicht in der Lage, wie sollten dann die Großbanken diese Summe garantieren ? 50 Millionen in Gold könne keine Regierung aus der ausgepowerten deutschen Wirtschaft heraus- bekommen, da auherdem der Zwang bestehe, Rah- rungsmittel für die Bevölkerung zu kaufen. Die Periode derDrohungen erscheine zunächst abgeschlossen. Das Problem sei aber nicht gelöst. Zu der Haltung Poincares habe vermutlich die Entwertung des französischen Franken'beigetragen, der in den letzten Tagen von 45 auf 40 heruntergegangen sei. Der belgische Franken habe die Verbundenheit mit dem Falle dev Mark noch stärker gezeigt.
Der „V o r w ä r ts " schreibt: Die Ausgabe der verlangten Schahscheine gibt Belgien das Recht, nach sechs Monaten Deutschland Gesamt- Wechsel von 270 Millionen Goldmark zu überreichen. Belgien hat aber auch das Recht, die monatlich zu verausgabenden Schahscheine als Zahlungsmittel im internationalen Verkehr weiterzuleiten. Teile eines Wechsels könnten ans also nach Fristablauf von einem anderen Gläubiger vorgelegt werden. Diese Fragen müssen von der deutschen Regierung und den Garanten der Schahscheine überprüft und mit der belgischen Regierung besprochen werden. Auch wird es nicht leicht sein, für die Schuld geeignete Garantien als Unterlagen zu finden. Trotzdem darf man den Pariser Ausweg nicht von der Hand weisen. Die belgische Regierung erweise sich einer Vernunft nicht unzugänglich. Es ist
ein Zeichen von Vertrauen, wenn sie bereit ist, mit uns gesondert Abmachungen zu treffen, ohne vorerst von der Rückendeckung durch die Entente Gebrauch zu machen. Dieses Vertrauen ist wert, von uns erwidert zu werden. Gerade der Mangel an internationalem Vertrauen lastet ja auf der ganzen Welt.
Das „Acht uhr-Abend blatt'/ schreibt: Hat die Erfüllungspolitik des Kabinetts Wirth Schiffbruch erlitten ? Wird das Kabinett, wie es in einer demokratischen Republik in einem solchen Falle üblich ist, aas seinem Mißgeschick die Konsequenzen zu ziehen haben? Wer aber inmitten des brausenden Sturmes, der über die deutsche Menschheit fegt, sich noch die Gabe der Objektivität zu wahren vermocht hat, wird vielleicht gerade angesichts der letzten politischen Erscheinungen zugeben müssen, dah ungeachtet aller augenblicklichen ungeheuren und gesahrvollen Schwierigkeiten der Lage von einem Fiasko dieser Erfüllungspolitik nicht die Rede sein kann, denn das Gewissen der Welt ist immerhin erwacht. Wenn Frankreich von den beabsichtigten Retorsionen in letzter Stunde Abstand genommen hat, so ist diese Hemmung am Ende doch nur auf den Widerstand zurückzuführen, den seine Ansichten nach dieser Richtung bei den Alliiertem gesunden haben. Schon lehnt es England ab, mit einem außer Rand und Band gerat .men Frankreich gemeinsame Sache zu machen, und beste und feinste Köpfe in den Vereinigten Staaten bestürmen ihre Regierung und die europäischen Kabinette zugleich, Deutschland, und mit Deutschland das Abendland vor seinem nun wirklich drohenden Untergang zu bewahren. Das ist eine politische Wandlung, deren Bedeutung^ nicht unterschätzt werden darf. Heute glaubt überall auf dem Erdenrund, ausgenommen am Quai d'Orsay zu Paris, jedermann an Deutschlands redlichen Willen, bis zur Grenze seiner Leistungsmoglichkeit gutzumachen, wieder- aufzubauen und Frieden zu halten, und man hat von Zürich bis Reuyork und von London bis Brüssel, bis Rom, ja vielleicht von Prag bis Belgrad, die ungeheure Gefahr allmählich erkannt, die Frankreichs Zertrümmerung sw ille jenem armen Torso gegenüber, der vom Bismarckschen Reiche noch übrig geblieben ist, für Wirtschaft, Kultur und Politik der ganzen Welt bedeutet. Diese Erkenntnis stellt einen wertvollen Aktivposten im deutschen Haupt- buch dar, auch wenn er nicht über Rächt liqui» diert toerben kann. In der Politik gibt es nur Wechsel auf mehr ober minber lange Sicht.
Pariser Kommentare.
Paris, 1. Sept. (WB.) Das „Zourn'k des D 6 b a t s" nennt die Entscheidung der Re- parationtkommission ein Kornpromih. Die ganze Anstrengung der Regierung müßte darauf gerichtet sein, Frankreich aus dem Dickicht herauszuführen, in dem es seit 3 Zähren fest- sitze. Um das zu erreichen, müsse man Amerika beiseite lassen und die Frage der interalliierten Schuloen und die Reparationsfrage zusammen lösen. Poincare wisse, daß darin allein sich eine Lösung befinde, da er den Plan voi> bereitet habe, von dem man seit Wochen spreche. Er soll sich beeilen, diesen Plan in allen seinen Einzelheiten bekanntzugeben und so den Vorteil der Initiative wieder aufzunehmen, den er sich auf der Londoner Konferenz habe wegnehmen lassen. Der gestrige Beschluß sei nur gerechtfertigt, wenn man entschlossen sei, nicht länger xu warten, um an die große interalliierte Liquidation heranzugehen. Sei diese erledigt, dann werde sich Frankreich in einer sehr günstigen Lage befinden, um auf Deutschland einen ständigen Druck auszuüben, ohne den es nichts von seinen Verpflichtungen erfüllen werde.
Die „E v e R o u v e l l e" findet es bemeckens- toert, dah zum erstenmal in einem offiziellen Dokument die R e pa r a ti o n s k o m m i s s i o n ohne Umschweife erkläre, dah Deutschland die gesamten finanziellen Verpslichtun- g e n, die ihm durch den Versailler Vertrag auferlegt seien, nicht würde erfüllen können, und daß es zur Wieder-Herstellung des deutschen Kredits notwendig sei, die durch den Londoner Vertrag festgesetzte fatale Ziffer von 132 Milliarden beträchtlich herabzusehen. Der gestrige Tag sei gut für den Frieden gewesen. Man könne jetzt das Ergebnis der amerikanischen Wahlen abwarten und ernsthaft eine große Brüs-' seler Wirtschaftskonferenz vorbereiten, wo das Blatt den „internationalen G e i st" wiederzufinden hofft, der, trotz Poincare, in so glücklicher Weise die gestrigen Beratungen im Hotel Astoria beseelt habe.
Poincars will abwarten.
Paris, 1. Sept. (WTB.) Havas Der» öffentlich! folgende amtliche Mitteilung: Die Minister find heute vormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik zu» sammengetreten. PLineare fetzte den ge» genwärtigen Stand der außerpvlitischen Fragen auseinander. Da die Reparationskommission Deutschland das verlangte Moratorium nichtgewährt hat, stellt^ sich der Ministerrat auf den Standpunkt, dah - er für den Augenblick von diesem Beschluß nurKenntniszunehmen habe. Da Belgien, das auf Grund seines Prioritätenrechts die gesamten nächsten Zahlungen erhalten soll.
heutiger Stand des Dollars
10 Uhr vormittags:
Berlin 1300, Frankfurt a. M. 1325—1375


