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Zranksur. c. M. 11686.

172. Zahrgang

Mittwoch, 2. August 1922

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck unö Verlag: Vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Zchristleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv. 34 mm Breite örtlich 150 Pf., auswärts 180 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 500 Pf. Bei Platz­vorschrift 20 °/0 Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil EmstBlumschein;fürdcn Anzeigenteil: Hans Bear, sämtlich in Gießen

Die deutsche Antwortnote an Frankreich. |

Die Reparationspolitik der Entente ist in eine Sackgasse geraten. Cs gibt praktischertoeise nur einen Ausweg: Die Herabsetzung der deutschen Reparationsschuld auf ein vernünftiges Maß. Ob durch Streichung oder Herabsetzung der an Amerika geschuldeten Beträge der Alliierten, ob durch Schuldennachlah unter den europäischen Ententemächten in irgend welcher Form muh Deutschland entlastet werden, wenn es nicht wirt­schaftlich zusammenbrechen und damit das Chaos in ganz Mitteleuropa herbeiführen soll.

Außer der wirtschaftlichen hat aber auch die Frage der Herabsetzung der deutschen Schuld noch eine juristisch-moralische Seite. Aach dem Frie- densvertrag, der bekanntlich in dieser wie in anderer Hinsicht den Bruch eines feierlich gegebe'- nen Versprechens der Entente (Wilsons vierzehn Punkte!) bedeutet, haben wir uns nur verpflichtet zur Wiedergutmachung der tatsächlich erlitte­nen Schäden. Dah man auf der Gegenseite gänzlich anderer Meinung gewesen ist, zeigen diegroft- zügigen" Schadensersatzforderungen, namentlich F«lnkreichs. So hat die französische Regierung eine Refxurationsrechnung von insgesamt 218l/3 Milliarden Papierfranken präsentiert, eine Summe, von der Keynes in seinem Buch über die Revision des Friedensvertrages schreibt, sie sei geradezu eine phantastische Llebertrei- bu n g dessen, was man bei einem Kreuzverhör würde rechtfertigen können. Er beweist das durch eine Reihe von Stichproben. Dabei stellt sich her­aus, daß selbst bei liberalster Schätzung beispiels­weise die Forderung von 36,9 Milliarden Franken für den Ersah der zerstörten Häuser im verwüste­ten Gebiet 31/3 fach zu hoch ist, daß sich für die durchschnittliche Bewertung der Möbel und festen Anlagen in dem Hause jedes Dauern und Bergarbeiters nach der französischen Rechnung ein Betrag von mehr als 1 6000 Gvldmark ergibt! Die französische Regierung verlangt nämlich dafür 25 Milliarden Franken. Das macht zusammen mit den Häuserschäden 6 2 Milliarden Franken! Alles in allem behauptet Keynes, datz im Durchschnitt der Anspruch Frank­reichs das 2 bis 3 s a ch e des tatsächlichen Scha­dens beträgt!

In völlig gleichem Sinne äuftert sich der ehemalige italienische Ministerpräsident Aitti in seinem Aufsehen erregenden BacheDas friedlose Europas za dieser Frage. Währens Keynes die deutsche Schadensersatzsamme zar Deckung sämt­licher Ententeschäden auf 53 Milliarden Gold­mark geschätzt wissen will, setzt Aitti nur 40 Mil­liarden dafür ein. Beide aber lehnen kategorisch Len französischen Anspruch aas Ersatz der M i - Litärpens ion en und Farnilien^an ter­st ü tz u n g e n, der sich aas insgesamt 7 3 M l l - iiarden Papierfranken beziffert, als rn keiner Weise gerechtfertigt ab.

Wie man in Paris mit den Geldern der anderen umspringt, läftt sich auch aus der fol­genden Mitteilung desJournal des Debats" ersehen. Danach hat es sich gezeigt, dah die ursprünglich für den Ausbau des Aisne-Depar- tements geforderte Summe von 36 Milliarden Franken um über 10 Milliarden Papier- franken zu hoch angeseht war! Aber auch diese Abschätzung ist nach den Aachrichten, die über den französischen Wiederaufbau vorliegen, noch auherordentlich weitherzig. Wenn man auf der anderen Veite so warm für Völkerbünde und internationale Schiedsgerichte eintritt, so sollte man sich endlich entschliehen, auch einmal an der Zeit dazu dürfte es wohl sein die alliierten Schadenersatzrechnungen einer Kommission neutraler Schiedsrichter zur objektiven Durchprüfung vvrzulegen. Es dürfte sich dann einwandfrei die Tatsache ergeben, dah die nunmehr in Aussicht genommene Herabsetzung der deutschen Schuldverpflichtungen keinGna­dengeschenk der Entente ist, sondern dah sie da­mit einfach die primitivsten Anforderungen an Recht und Moral erfüllt.

Die deutsche Antwortnote.

Berlin, 1. Aug. (WTB.) Die Antwort­note der deutschen Regierung auf die französische Aote vom 26. Juli hat folgen­den Wortlaut:

.Herr Ministerpräsident I Ich beehre mich, den Empfang der Aote Gw. Exzellenz vom 26. Juli 1922 zu bestätigen.

Das Abkommen über die Ausgleichszahlungen vom 10. Juni 1921 ist von Deutschland nicht mit einzelnen Mächten, sondern mit der Gesamt­heit der beteiligten alliierten Regierungen abge­schlossen worden. Demgemäh ist die Aote der deutschen Regierung vom 14. Juli d. I., wie der französischen Regierung bekannt ist, gleichzeitig auch an die anderen beteiligten Mächte gerichtet worden. Die deutsche Regierung kann sich über ihre weitere Stellungnahme aus diesem Grunde erst schlüssig machen, wenn sich alle beteiligten Regierungen geäußert haben. Eine andere Hal­tung ist ihr auch angesichts der in u 11 i m a - tiver Form angedrohten, nicht näher bezeich­neten Maßnahmen Frankreichs nicht möglich.

Indem.sich die deutsche Regierung ein wei­teres Eingehen auf die Sache selbst vorbehält, bemerkt sie schon jetzi: Die ZahlungLN. die Deutsch­land im Ausgleichsverfahren and aj£ Art. 297e leisten muh, können letzten Endes mr aas der­selben Quelle geschöpft werden wie dieRepaia- t i o n s za h l u n ge n. Gleichviel, ob es sich am Schulden des Reiches oder am Privatschalden handelt: in beiden Fällen bleibt dir Aotwendig- teit der Herausnahme von Devisen aas der ge­samten deutschen Volkswirtschaft die gleiche and für die Wirkung dieser Operation aas den Mark- Kurs ist es ohne Bedeutung, an welche Stelle

und auf Grand welcher Paragraphen die Zah­lung erfolgt. Wenn die deutsche Volkswirtschaft die Entziehung von monatlich 50 Millionen Gold­mart für Reparationszahlungen nicht tragen kann, so wäre es eine Illusion, za glauben, dah dre Ausgleichszahlungen von fast 40 Millionen Gold­mark monatlich weiterhin aufgebracht werden könnten. Alle diese Leistungen können nar als ein ein deutliches Ganzes betrachtet und in einem einheitlichen Plan behandelt werden. Der deutsche Antrag, der nicht eine Kürzung der Ausgleichszahlungen, sondern lediglich ihre Verteilung auf einen längeren Zeitraum bezweckt, beruht auf denselben Gründen, die für die deutsche Regierung bet ihrem Antrag aas Gewährung eines Moratoriums für die Reparationszahlungen maßgebend ge­wesen sind. nämlich der derzeitigen Er­schöpfung der Fähigkeit Deutschlands za Zah­lungen in ausländischer Währung. die in dem katastrophalen Riedergang der Mart deutlich zum Ausdruck kommt. Inzwischen ist nach dem Eingang der Aote Ew. Exellenz ein neu e r Sturz der deutschen Währung eingetreten und die Mark bis auf 1/160 ihres Friedenswertes gesunken.

Deutschland macht alle Anstrengungen, seine aus dem Kriege entstandenen Verpflichtungen zu erfüllen. Hierzu ist aber vor allem die Ge­sundung seiner Volkswirtschaft not­wendig. Diese wirtschaftliche Wiederherstellung wie die ganz Eur-vpas kann jedoch nur erfolgen durch die alsbaldige solidarische Zusammenarbeit aller beteiligten Mächte. Eine Politik der Drohun­gen wirft nicht wiederaufbauend, sondern zer­stören d."

Eine RückLuherrrng Poinear^s.

Paris, 1. Aug. (WTB.) Poincare hat heute dem deutschen Geschäftsträger von Hoesch folgende Antwortnote übermittelt:

Herr Geschäftsträger! Ich habe die Ehre. Ihnen den Empfang Ihres Brieses vom heutigen Tage zu bestätigen, der auf meine Mitteilung vom 26. Juli antwortet. Mit Bedauern muh ich feststellen, dah Ihre Antwort nicht die in meinem Brief geforderten Sicherungen enthält. Das Abkommen vom 10. Juni 1921 wurde damals zwischen Deutschland und den verschiedenen alli­ierten Mächten geschlossen. Seine Abänderung kann daher in der Tat nur aus einem einstim­migen jlebeteinlommen der vertragschliehenden Mächte hervorgehen. Die Regierung Frankreichs hat Ihnen bereits mitgeteilt, dah sie nicht daran denke, auf Grund der deutschen Aote vom 14. Juli Aenderungen vorzunehmen. Die ftanzösische Regierung hat daher das Recht zu verlangen, dah innerhalb der in dieser Aote vom 26. Huli gewährten Frist, d. h. vor dem 5. August, mit­tags, die Versicherung abgegeben wird, dah, bis die unerläßliche älebereinstimmung zu jener Ab­änderung gewährleistet ist, das Abkommen vom 10. Juni ganz und gar angewendet wird, und dah die Pflichtsumme von 2 Millionen Pfund Sterling am 15. August gezahlt wird. Wenn diese Zusicherung nicht gegeben wird, hat die französische Regierung das Recht, um die An­wendung des bestehenden Vertrages sicherzu­stellen,Ausgleichsmahnahmen" zu ergreifen, die sie im Interesse so vieler eigenen Staatsange­hörigen und derer der anderen alliierten Staa­ten, die das Ablommen unterschrieben haben, für notwendig erachtet. Diese Maftnahmen wer­den, wie ich bereits ausgeführt habe, vom 5. August ab in Kraft treten. Die französische Regierung glaubt jedoch, nicht heute schon ben vollständigen Plan, der hierfür gefaht wird, be- fanntgebcn zu formen. .Unter diesen Vorbehalten zu den Ausführungen der Aote vom 1. August bemerft die französische Regierung nur, dah die deutsche Regierung nicht die geringsten Anstreng­ungen macht, um die Zahlung der geschuldeten Summe an die alliierten Aemter durch die wirk­lichen Schuldner, d. h. durch die deutschen Pri­vatleute, sicher zu stellen, die nach den letzten uns zugegangenen Meldungen durch ihre An­käufe fremder Devisen za dem Markftarz beige­tragen haben.

Genehmigen Sie .... (gez.) Poincare.

Poineares Neise nttd) London.

London, 2. Aug. (WTB.) Die englische Regierung wurde amtlich benachrichtigt, dah Poincare am nächsten Montag in Lon­don eintreffen wird. Italien wird auf der Konferenz durch den italienischen Botschafter in London vertreten.

(Bwfebtifmmten verlangt NüMzahlung der Schulden.

L o n d o n, 2. Aug. (WTB.) G r o h b r i t a n- n ien richtete eine Aote an Frankre ich, Italien, Iugostawien, Griechenland, Rumänien und Portugal, in der es erklärt, dah es infolge des Verlangens der Vereinigten Staaten, dah Grobbritannien die von Amerika geliehene Summe von 850 Millionen Pfund Sterling zurückzahle, ge­nötigt sei, die Rückzahlung der Schulden der Alliierten an Großbritannien in Höhevvnl098MillionenPfundSter- ling zu verlangen. Die AoteBetont, dah die britische Regierung mit großem Bedauern dieIdeeaufgibt, alleKriegsschulden und Reparationen zu streichen, aber die britische Regierung erklärt, dah sie Amerika nicht bezahlen und gleichzeitig den Alliierten ihre Schul­den erlassen könne. Die Aote erllärt ferner, Groh- brikannten verlange nur, dah die Verbündeten die Summen bezahlten, die Grohbritannien in den Stand setzten, seine Schulden an Amerika zu be­gleichen.

Das neue italienische Kabinett.

Rom, 1. Aug. (WTB.) ©tefani. In den Wandelgängen der Kammer wird folgende Liste der Mitglieder des neuen Kabinetts mitgeteilt: Vorsitz: Facta: Inneres: Taddei: Aeuheres: Schanzer; Krieg: Soleri; Schatz­amt: Paratoro: Marine: de Vito: Finanzen: Derioni: Ackerbau: Bertini: Unterricht: Anlle; Arbeit: Dellosbarba: Justiz: Alessio; Industrie: Teosllo Rossi; befreite Gebiete: Grassi: Post: Fulci: öffentliche Arbeiten: Riccio: Kolonien: Amendela.

Rom, 1. Aug. (WTB.) D e Facta hat dem König heute nachmittag mitgeteilt, dah das neue Kabinett gebildet worden ist.

Die bayrische Entscheidung verschoben.

Berlin, 2. Aug. Wie die Morgenblätter aus München erfahren, ist der bayerische M i n i st e r r a t über die Antwort an den Reichs­präsidenten auf Mittwoch verschoben worden, lieber den voraussichtlichen Wortlaut der Ant­wort wird Stillschweigen bewahrt. Zuverlässig kann jedoch über den Inhalt der Antwort ge­sagt werden, dah sie in der Sache den bisher von der bayerischen Regierung eingenommenen Standpunkt bewahrt, aber in der Form dem auch von der bayerischen Regierung geteilten Wunsche des Reichspräsidenten nach einem güt­lichen Ausgleich des Gegensatzes Rechnung trägt. Bayern gedenkt dem Vernehmen nach die Errichtung eines auf Bayern be­schränkten Staatsgerichtshofes an­zuregen.

Eine Lügenmeldung.

Berlin, 1. Aug. 1WTB.) Eine Mün­chener Korrespondenz desD e r l i n e r Lokalanzeigers" berichtet über angeb­liche Vorgänge in Berlin folgendes: Im Berliner Eewerkschaftshaus fand eine gehe i m e Sitzung der Aktionsausschüsse der ün a b n- g i g e n und Kommunisten statt, wobei auch zwei Vertreter Sowjetruhlands anwesend gewesen sein sollen. Die deutsche Revolution solle endlich weiter getrieben werden und zu diesem, Zwecke soll unter Mitwirkung der Reichsregierung vor Ausbruch des Kampfes die Rechte entwaff­net (!) werden. Ein Abgeordneter des Moskau- ischen Generalstabes sei bereits in Berlin in einer CifenbaHnL>mmisfion untergebracht.

Von zuständiger Seite wird dem WTB. hierzu mitgeteilt: Es würde sich erübrigen, auf diese und ähnliche Phantasien ein­zugehen, wenn nicht durch folgende Sätze die poli­tische Tendenz der Berichte klar würde: DieReichs- regierung habe sich dazu entschlossLN, an diesem Plane mitzuwirken. Das Gesetz zum Schutze der Republik sei eine siegreiche Etappe der vorwärts- schreitenden Weltrevolution. Es sei gelungen, den Reichskanzler Dr. Wirth davon zu überzeugen, dah nur die Bildung ettter reinen Arbeiterregie­rung den Ausbruch der Konterrevolution ver­hindern könne. Aur der Block Bayerns sei noch zu zerstören, dessen historische Wendung heute darin bestehe, die deutsche Einheit gegenüber der internationalen Verbundenheit der Sowjetleute und der Dörsenmagnaten zu bewahren. Der Münchener Bericht desBerl. Lokalanzeigers" will also durch diese f r e«. erfundenen Er­zählungen aus Berlin einen Zusammen H ang zwischen der Reichsregierung und dem Gesetz zum Schutze der Rep.rblir einerseits und der Well- revclution andererseits behaupten, die Reichs­regierung als Mitverschworenen der interna­tionalen Revolution denunzieren and die bay- rffche Regierung als Wahrer der deutschen Ein­heit darstellen. Kaum sind die Mahnungen ver­klungen, die von allen anständig Denkenden nach dem Morde an Rathenau an die Presse gingen, sie möchte nicht durch grundlose Verdächtigung der Regierungen und Verantwortlichen Staats­männer eine Atmosphäre begünstigen, in der dre politischen Morde gedeihen, so sehen wir die frivolen Giftmischer wieder wie zuvor am Werke. Auch die schärfsten Schutzgesetze kön­nen auf die Dauer eine Ges andung unseres ver­gifteten öffentlichen Lebens nicht herbeiführen, wenn nicht die Presse selbst die niederträchtigen Elemente endlich abschüttelt, die fortfahren, durch verlogene und dumme Behauptungen kritiklose, leichtgläubige Menschen zu Verbrechern aufzu­reizen.

DerLokalanzeiller" auf drei Wochen verboten.

Berlin, 1. Aug. (WTB) Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: Der Minister des Innern hat gemäft Paragraph 21 des Gesetzes zum Schutze der Republik denBerliner Lokal- anzeiger" auf drei Wochen verboten. Das Verbot stützt sich auf den in der Morgen­ausgabe vom 1. August auf Seite 2 unter der üleberschriftDas kommende bayerische Kabinett" erschienenen Artikel, worin die erwähnten angeb­lichen Besprechungen erörtert werden.

Aus dem Reiche.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung".

Berlin, 1. Aug. Entgegen anders lautenden Dlatterrneldungen erklärt der Verlag derDeut­schen Allgemeinen Zeitung" u. a datz Stinnes an den Verkauf des Blattes nicht denke. Ebensowenig sei eine politische Richtungs­änderung des Blattes vollzogen oder beabsichtigt. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" bleibe, was sie seit ihrer Besitzwechselung gewesen sei, ein

bewuftt über dem Streit der P<u:teien sich halten des politisches Blatt, dessen Ziel die Uebertoin- dung des Parteizwistes im Sinne einer bewuhten großen nationalen Volksgemeinschaft sei. Keinem zuliebe und keinem zuleide wolle sie alle Kreist zusammenfassen, die bereit sind, positiv an bei nationalen Politik und Wirtschaft mitzuarbeiten

- » .laMuc» jani'if '

Hessischer Landtag.

2 5. S i hu n g.

St. Darmstadt, 1 Aug

Am Regierungstifche: Staatspräsident IIV« rich, Iustizminister von Brentano. Frnanz- minifter Henrich, Wirtschaftsminister Raab

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 83/4 Uljr. Vor Eintritt in die Tagesordnung richtet Abg. Kiel (I1SP.) die kleine Anfrage an die Regierung, ob es richtig ist, dah ein Lehrer aus Klein-Linden bei einem Aus­flug nach Hohensolms die Schulkinder vor dem Groftherzog habe patriotische Lieder singen lassen. Präsident II r ft a b t erklärt, eine älntersuchung se^bereits ungeordnet.

Die Besprechung des Voranschlags wird beim Kapitel 8,

Landesthealer, fortgesetzt.

Abg. Wünzer (D.Dpt.): Meine Fraktion kann den Betrag nur mit schwerem Herzen be­willigen. Mancher im Lande drauhen wird nicht verstri)en können, dah die Regierung in Darmstadt zwei Theater unterhält. Es mutz bringenb ersuch! werdens dah auf äußerste Sparsamkeit gesehen wird. Wenn das Theater seine hohe Mission erfüllen will, muh es in erster Linie einen erst­klassigen Spielplan auf ft eilen. In dieser Be­ziehung verlangen wir stärkere Berücksichtigung des Klassischen. Selbstredend muh auch der Mo­derne zu Wort kommen, aber hier muh eine sorgfältige Auslese getroffen werden. Da hat die Leitung unseres Landestheaters nicht immer eine glückliche Hand gehabt. Manches Mittelmätzigc wurde gegeben, das gleich wieder verschwand. Auch die Aufführung derStürme" von Unruh, dessen literarische Bedeutung niemand verkennt, war kein künstlerischer Gewinn, rechtfertigte jeden­falls nicht die enormen Kosten der Aufführung, i Bei Aufstellung des Spielplans kann schon viel, gespart werden. Daneben ist ein guteingefanelteS Perfonal erforderlich. In dieser Hinsicht war hier eine Besserung zu spüren. Rach meiner Ansicht könnte aber eine bessere Ausnutzung bet vorhandenen Kräfte erfolgen. Vielleicht kann das Kleine Haus hier Abhilfe schaffen, von dessen finanziellem Gewinn ich mir allerdings nicht sonderlich viel verspreche. Die Spielleitung des Landestheaters hat neben mancherlei Ausgezeich­netem, was sie brachte, nicht immer befriedig; Sie b»t doch recht häufig dem Dichter sowohl wie dem Künstler Gewalt angetan, küssen Indi­vidualität hinter dem des Regisseurs zurückgc drängt wurde. Hervorragend waren die Leistun­gen der Oper. Wir hoffen, dah die rheinhessische Musikwoche wiederholt wird, und dah auch Ober­hessen einmal da ran kommt. Wenn wir einmal nicht mehr in der Lage oder gewillt sind, die Kulturwerte, die gerade auch im Theater uns lebendig werden, zu erhalten, dann werden wir schonungslos dem ödesten Materialismus ver­fallen. Dagegen müssen wir uns wehren. Aeutzere Güter kann der Feind uns rauben, die Güter des Geistes müssen wir uns erhalten.

Abg. Frau Hattemer (Ztr.): Bei diesem Kapitel handelt es sich um hohe Zuschüsse. Der Versuch, die Zahl der Theaterbriucher zu erhöhen, hat wenig Erfolg gehabt. Cs ist falsch, immer zu sagen, Darmstadt habe Ruhen von dem Theater. Der Ruhen kommt dem ganzen Lande zugute, denn das Theater verbreitet hohe Kultur­güter. Das Theater ist eine Stätte, von de' aus dem ganzen Volle, zu allen Schichten des Volkes gesprochen werden kann. Dieser )cinei großen Ausgabe ist das Theater sich dewift'. Das Theater hat heute mehr wie je Pflicht, etrs Bildungs- und Erziehungsmittel des Volkes zu fein. Cs muft Stücke fernhallen, die das edle, sittliche Gefühl und die christliche Weltanschauung verletzen. Ich mochte auf den Dühn-envollsbund verweisen, der aus dem Geschäftstheater ein-', reine Kulturstätte schaffen will. Ich erkenne an. duft am Darmstädter Theater Kräfte am Werk sind, das Theater seiner eigentlichen Bestimmung zuz.iführen. Als Frau möchte ich noch sagen, daß meistens diese auf der Bühne nicht so bai- geftellt wird, wie sie heute wirftich ist. Die. deutsche Frau ist von höchster Kull Urbedeutung im deutschen Volk. Gespart könnte noch werden. Es sind viele Fächer doppelt besetzt und hervor­ragende Künstler werden nicht voll beschäftigt. An den Künstlerhonoraren, besonders denen der Künstlerinnen, sollte nicht gespart werden.

Abg. Dr. Buchner (Dem.): Die grofx Summe von 6 Millionen Mark sollte uns nicht schrecken. Aus den Friedenswert zurückgesührt, ist die Summe geringer als unsere Friedenszuschüsst. Cs ist gesagt worden, datz die starke Eigenheit unseres Intendanten gewissermaßen unterdrückt Es ist richtig, dah Intendant Hartung eine Per­sönlichkeit von stärkster Eigenart ist. Diese Eigenart mutz sich ausleben können, wenn auch mancher Künstler da vielleicht nicht mit kann. Jedenfalls hat der Intendant unserem Landestheater wieder einen künstlerischen Ruf im Reiche verschafft, es wieder in die erste Reihe vorgeschoben. Die For­derung, datz das Theater ein Bildungs- und Er- ziehungsmittel sein soll, kann ich nicht untcrschrri- ben. Die Bildungs- und Erziehungsarbeit muh ein selbstverständlicher Ausfluß des Theaters lern. Das Th.ater soll begeistern und entflammen, zu Höherem emporheben. Dem mutz auch der Spiel--.