Ausgabe 
2.6.1922
 
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8reltag. 2. Juni 1922

172. Jahrgang

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alliierte Kommission verhängte über die Stadt

Die Verlängerung des Moratoriums

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Maßnahmen nicht ausführen und andere Ab-1 teile alle Verbrechen ab, deren Opfer die fran- machungen zur Regelung der Fragen des Fehl-1 zösilcken und alliierten Truppen geworden seien.

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Weise der interalliierten Kommission im besetzten Gebier unterstellt. Das interalliierte Gericht ur--

28 Mai 1922_ hinsichtlich der Begrenzung der schwebenden Schuld im einzelnen aufgeführten

Wer darüber unterrichtet ist, wie im vori­gen Jahre der Kvrfanth-Putsch in Oberschle- fien vorbereitet wurde, wird sich der 'Befürch­tung nicht erwehren können, daß im Osten eineneueGefahrdroht. Es sind diesel­ben Anzeichen, die sich damals bemerkbar machten. Die Polen haben zudem nie ein Hehl daraus gemacht, dah sie sich mit dem doch für sie so günstigen Entscheid über die Tei­lung Oberschlesiens nicht zufrieden geben würden.

Mit angestrengter Aufmerksamkeit wer- die zuständigen.Behörden und wird mit ihnen

Die Antwort der Neparationskommission.

Berlin. 1. (Juni (Wolff.) Die Repara- tionskom Mission Hot der dcutfchen Kriegs- lastenkommistivn in Paris am 31. Mai abends olgendes Schreiben zugehen lassen:

Paris. 31. Mai 1922.

Die Reparationskommission beehrt sich, den Empfang des Schreibens des Reichs Kanzlers vom 28. dieses Monats zu bestätigen, in dem die Mass­nahmen mitgctellt werden, welche die deutsche Regierung bereits ergriffen hat. und die weiteren Maßnahmen, zu denen sie sich verpflichtet, um den Bedingungen zu genügen, die von der Kom­mission in dem Schreiben vom 21. März und 13. April hinsichtlich des teilweisen Auf­schubs für die während des Jahres 1922 in Ausführung des Zahlungsplanes zu bewirkenden Zahlungen gestellt worden sind. Die K>mmission beehrt sich, 3hnen in der Abschrift ihrer Ent­scheidung Ar. 1976a von heute mitzuteilen, in der gemäß dem im letzten TBschnitt der Entschei­dung Rr. 1841 vom 21. März vorgesehenen Ver­fahren der-

vorläufige Zahlungsaufschub bestätigt wird. Bei der Bedeutung einer sofortigen Ent­scheidung über die Frage des Aufschubs hat die Kommission geglaubt, berechtigt zu sein, die gr- normte Entscheidung schon jetzt -u treffen, obwohl mehrere Puntte des Schreibens, dessen Empfang sie bestätigt, iwch weiter aufgeklärt werden müs­sen Sie hat dabei die Fragen, die sie als noch nicht geregelt betrachtet, auf später vertagt, damit sie alsdann in der im Text der Entscheidung angegebenen Weile behandelt werden. Diese Fra­gen werden den Gegenstand einer weiteren Mit­teilung bilden, die in den nächsten Tagen an den Reichskanzler gerichtet teerten wird.

Unterzeichnet: Dubois, John Braddurh, Bemelmann. Raggi.

Die Kommission nimmt davon Kenntnis, dah wegen der Einzelheiten verschiedener Abmachungen zur Erfüllung der von der Reparationskommission gestellten Bedingungen ein Benehmen zwischen der deutschen Regierung und dem Garantietomitee stattfinden wird. Sie vermerkt andererseits, dah die Vorschläge hinsichtlich der schwe­benden Schuld von der deutschen Regierung nur für den Fall als geeignet betrachtet werden, in die Praxis umgesetzt zu werden, dah Deutsch- landeineausreichende^lnterstühung durch eine auswärtige Anleihe erhalte.

Die Reparationskvmmisstvn muh darauf Hin­weisen. dah der hiermit bestätigte Aufschub gemäß dem Schluß des letzten Abschnittes der Entschei­dung Rr 1841 injedemAugenblickwider- rufen werden kann, falls die Kommission später zu der Lleebrzeugung gelangt, daß Deutschland es an der Erfüllung der festgesetzten Bedingungen fehlen läßt. Llnbeschadet ihrer allgemeinen Befug- niste, die sie sich in dem genannten Abschnitt Vor­behalten hat, behält sich Sie Kommission ausdrück­lich das Recht vor, den Aufschub fu widerrufen, falls sie zu irgendwelchem Zeitpunkt von dem Fort­schritt der Regelung der noch in Schwebe befind- Ud;en Fragen nicht befriedigt fein sollte, ober falls Deutschland in Ermangelung der von ihm ge­wünschten Hllfe mittels einer auswärtigen Anleihe die in dem schreiben des Reichskanzlers vom

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polnisches Mordkomitee an der Arbeit

Berlin. 1. Juni. Wie Breslau melden, dauern die

und den Landkreis K a t t o w i h sowie die Ge­meinden Friedenshütte. Schwärzwald- k o l o n i e und Eintrachtshütte mit Wir­kung von heute Mitternacht ab den Delage- rungszustand. Die öfsenlllchen Lokale müssen um 8*/2 älhr schliehen. Der Straßenverkehr ist von 10 Ähr abends bis 4 ilf>r früh gesperrt.

Oberschlcsischcr Hilssbund.

Berlin, 1. Juni. (Wolff.) Vor einer großen Zahl von Vertretern der Presse hielt der Ober- präsidern für Oberschlesien Dr. B i t t a einen Vertrag über die kürzlich erfolgte Gründung des Oberschlesifchen Hilfsbundes. Dem Vorstand des Hilfsbundes gehören außer den beiden Oberprcs.dnten Ditta und Philipp, sowie dem Vorsitzenden Landgerichtsdirekt,: Szyga A. a. noch Graf Keyserlings)- Gammerau, der Regierungspräsident von Op­peln Brauweiler, von L o e b e l l, Dr. Reichenheim, Dr. Wagner und von Men­delssohn (als Schahrmister) an. Dem Vor­stand steht ein auS den ersten schlestschen und oberschlesi che i S.-chverstLndigen gebi beter (Bei­rat zur Seite. Es bildete sich ein Ehren- ausschub, dessen Ehrenvorsih der Reichs­präsident übernommen hat. *

Der Oberschlestsche Hilfsbund hat die Auf­gabe, die Aufrechterhaltung, Förderung und Stärkung aller deutschen kulturellen Bestrebun­gen in Oberschlesien, insonderheit aber des Schuhes des deutschverbliebenen Teiles von Oberschlesien gegen_ die Ve­

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das deutsche Bolk die Ereignisse in der Süd- ostecke des Reiches verfolgen müssen, um zu verhindern, das; dort dem Deutschtum und dem Reiche noch schlimmerer Schaden geschieht als chon seither. Bor allem auch den deutschen Brüdern im abgetretenen, nunmehr polnischen Gebiet muh diese Aufmerksamkeit gelten. Die wlnische Regierung hat jetzt Gelegenheit, zu teigen, wie weit sie das Genfer Abkommen re- pekliert. zu dem die gewählten Vertreter des »eutfchen Volkes am Dienstag blutenden Her­zens ihre Zustimmung geben muhten; bekannt­lich sieht dieses Abkommen den Schutz der Minderheiten ausdrücklich vor. Vorerst liegt die Verpflichtung, die deutsche Bevölkerung vor den Ausschreitungen des polnischen Ge° indels zu schützen, noch bei der 3 n t e r a l l i - ierten Kommission unter dem Vorsitz )es Franzosen-GeneralS L e R o n d. Die deut- che Regierung wird hoffentlich nicht lange- ;ern, von ihr noch einmal mit allem Rachdruck >as zu fordern, was sie bis jetzt immer unter­lassen hat.

Belagerungszustand in Oberschlesien.

©lei mit), 2. Zuni. (Wolff.) Heute hat die Interalliierte Kommission über den otabt» und den Landkreis © l e i w i tz, den Kreis Hin­denburg und den Kreis Rhbnik den Be­lagerungszustand verhängt. Auch hier müssen die Lokale spätestens um 9 W geschlosst werden. Der Strahenverkchr ist in der Zeit von 10 ITfrr abends bis 5 ITfjr früh untersagt. Die Zeitungen in dem Gebiet, in dem der Belage­rungszustand verhängt ist, sind unter Pressezensur

Ur. 128

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poftschelttonto:

Zransturt a. HL 11686.

beträges im Haushalt und der schwebenden Schuld nicht in einer die Kommission befriedigenden Weise regeln sollte."

Vertagung des Anleiheausschusses.

Paris, 2. Juni. (WTB.) DerMatin- schreidt, der internationale Anleihe- a u s s ch u h habe, nachdem er wieder 2 Luge Beratungen abgehalten habe, eine erneute Vertagung um 8 Tage beschlossen. Diese Tatsache an sich mache keinen guten Eindruck von dem Gelingen der Arbeiten, aber die Rach­richten, die trotz der Diskretion durchgedrungen seien, gestatteten, von einem wenigstens vor­übergehenden Scheitern zu sprechen. Man sei an dem Augenblicke angekommen, an dem die auswärtigen Bankiers die Frage gestellt hätten: Was schulde Deutschland den Alli­ierten? Darauf habe man geantwortet: 13 2 Milliarden © oldmark. Hierauf sei dann wiederum erwidert worden, man könne doch nicht von den Ersparnissen der Well 132 Milliarden Goldmark verlangen. Man müsse im Gegenteil eine raisonnable Ziffer verlangen. Darauf sei keine Antwort erfolgt, da keinerlei Bedingungen bestehen, die es Frankreich ge­statteten, eine Verminderung der deutschen Schul­den ins Auge zu fassen. DerMatin" sucht festzustellen, dah es falsch sei zu sagen, es fei Frankreich allein, das der Verwirklichung einer Anleihe ein Hindernis bereite, weil auch Nie Regierungen, die einen Schritt zum Entgegen­kommen tun könnten, dies nicht unternähmen. Amerika, das die alliierten Kriegsschulden herabsehen könne, verlange deren Zahlung und England spreche nicht mehr von irgend­welchen Verzichten. Der Berichterstatter will dies von einem weitblickenden und hochstehenden Staatsmann erfahren haben. Während der kom­menden 8 Tage, während deren die Afibetten unterbrochen würden, würden die Regierun­gen unter f i ch verhandeln; es fei aber wenig wahrscheinlich, dah sie zu einer Lösung des Problems gelangten. Auf alle Fälle werde die Reparationswmmistion es nicht lösen. Die Regierungen selbst würden früher oder später gezwungen sein, ihre Verantwortlich- kett zu übernehmen.

Kammerdebatte über Frankreichs Außenpolitik.

Paris, 1. Juni. (WTB.) Die Kammer setzte heute nachmittag, am 5. Tage der Inter­pellationsdebatte über die Auhenpolitikder Regierung, unter grohem Zudrange des Pu­blikums ihre Beratungen fort. Der Abg. C Ha­pe d e [ a i n e interpelliert über die Or^ntpoltttt und stellt £ie Frage, wie lange die Verhandlungen über den Frieden noch dauern werden. Wenn man nicht Eile zeige und den roten Einfällen ein Hin­dernis biete, dann könne man feine freie und unabhängige Türkei wiederherstellen.

Ministerpräsident Poincare ergreift als­dann das Wort zur Beantwortung. Er entwickell die vierzehn Interpellationen und sagt, er wolle zuerst ein Mißverständnis beseitigen. Die Lage Oberschlesiens fomie nicht verglichen wer­den mit der am linken Rheinufer. Das gehe aus dem Friedensvertrag von Versailles hervor. Die Kontrollkommission sei souverän und in feiner

ruhen in Oberschlesien an. Sie nahmen sogar an ilmfang zu. Trupps von 20 und 50 Men­schen durchziehen, polnische Lieder singend, die Strahen in Kattowitz. Personen, die für Deutsche gehalten werden, werden grausam verprügelt. Vor dem Hause des deutschen Vvlksbundes wurden eine große Anzahl Per­sonen schwer mißhandelt. Die Besatzungs­truppen und die Polizei sehen taten­los zu. 3n der Beilden-Hütte und der Fer- dinandsgrube wurden Arbeiter mißhandelt. 3n den Ortschaften Ruda, Kunzendorf, PaulS- dorf, Markoschau, Liebschowitz usw. durch­ziehen polnische Banden die Straßen. 3n Ruda wurde eine Anzahl Bergleute aufgefor­dert, bis zum 10. Juni das polnische Gebiet zu verlassen. Unterzeichnet sind die Drohbriefe: Polnisches Mordkomitee. Die neuen Grcnzpfähle, die die vorgeschlagene vorläu­fige deutsch-polnische Landesgrenze bilden, wurden herausgerissen. Auch in anderen Ort­schaften wurden die Grenzpfähle zerstört.

Laurahütte, 1. Juni. (Wolff.) Hier tarn es (gestern abend und in der Rächt an ver­schiedenen Stellen zu einer Schießerei. Mehrere Deutschgesinnte wurden miß­handelt. Zu ernsten Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Die Gemeindewache hat Be­fehl, starke Posten auszustellen.

Berlin, 1. Juni. Die Blätter melden über die polnischen Anruhen in Lau­rahütte, daß das Gebäude der Laura- Hütter Zeitung durch Handgranaten zerstört und dann ausgeplündert wurde. Der Berg- iverkSdirektor H i l p k wurde von polnischen Banden in seiner Wohnung fast totgeprü­gelt. Eine Anzahl Geschäfte in Laurahütte fit auSgeplündett worden, ebenso wurden Möbelwagen von auswandernden Deutschen umgeworfen und die Deutschen mißhandelt. 3n Eichenau wurde auf d ie Postagentur ein Ucfccrf all verübt, wobei Geld und Wertpapiere geraubt wurden. Der Postver- waller wurde schwer mißhandelt. Nachdem zahlreiche Geschäfte geplündert waren, ver­liehen di« Geschäftsleute den Ort fast sämt­lich. 3n Beuthen sind 1 50 deutsche Flüchtlinge an gekommen, ebenso suchen in Hindenburg und Gleiwitz zahlreiche Flüchtlinge Unterkunft. Der Ort Ruda wird von einer meist aus auswärtigem Ge­sindel bestehenden Bande von über 100 Mann terrorisiert. Die Eisenbahndirektion Kattowitz meldet erhebliche Betriebsstörungen, da sich Vie deutschen Eisenbahner weigern, in das polnische Gebiet einzufahren und umgekehrt die polnischen Angestellten nicht in den deut­schen Teil Oberschlesiens fahren wollen.

Wie offensichllich

poluischerseits zum Putsch gehetzt wird, zeigt ein Leitarttkel desK u r j e r P o l- sk i *, in dem das polnische Blatt über Ober- schlesien schreibt: ».Den größten Schmerz verur­sacht uns die Tatsache, dah wir auf Grund der Konvention die deutschen Güter und Fa- drllen nicht in dem Maße enteignen dürfen, Vie wir das für vorteilhaft halten, um so mehr, da wir gerade in Oberschlesien Rache üben möchten für die Leiden, die wir im gesamten preußischen Teilgebiet im Laufe von 150 Zähren zu erdulden hatten.'"

Die alliierten Truppen würden nunmehr baldigst aus Oberschlesien zurückgezogen werden. Die fran­zösischen Truppen seien es gewesen, die am stärk­sten zur Sicherstellung des Friedens beigetragen hätten, trotzdem man Frankreich so gerne annage, dah es ihn kompromttiere. Frankreich sei der beste 'Verteidiger J>eS Friedens in Oberschlesien, am Rhein und überall. Hierauf bespricht P o i n - c a r e die Vorverhandlungen über

die Genueser Konferenz.

Die Resolution von Cannes sei ziemlich beun­ruhigend gemefen. Er habe sich bemüht, von den Alliierten Garantien zu erlangen, die dahin gingen, bat Deutschland die Frage der Reparationen and der Verträge nicht oufhxrfen könne. Das fei geschehen. Die Entwaffnangsfragr hätte nicht besprochen werdcn dürfen, w.il ter t.rbanö damit betraut sei und weil man dessen Präroga­tive nicht im Entferntesten schmälern lassen wolle. Auch die Instruktionen an die französische De­legation in Genua verliest der Ministerpräsident, am auf die Anklagen zu antworten, die fran­zösische Regierung habe versucht, die Konserenz von Genua zum Scheitern zu bringen. Auf bei* Zwischenruf eines Kommunisten, warum ei (Poincar 6) nicht nach ©e..ua gegangen fei, antwortet er:Weil ich nicht beeilt war, einige Ihrer Freunde dort zu treffen und weil es während der Konferenz von Genua uner.äßlich war, dah der Ministerpräsident in Paris blieb. Frankreich habe sich getorigert, an allen Ver­handlungen teilzunehmen, die Minister Dr. Ra» t Henau vom 15. April ab über die Repara­tionen habe herbeiführen wollen. Man habe auch darauf verzichten müssen, in Genua in Anwesen- hett der Deutschen Fragen zu tiStutieven, die nur unter den Alliierten hätten diskutiert wer­den können Der deutsche Reichskanzler habe wohl davon gesprochen, bat} in Genua oft von der Reparationsfrage die Rede gewesen sei. Das sei Wohl möglich; das fei aber immer unter Ausschluß Frankreichs gewesen. Deshalb gehe das auch Frankreich nichts an.

Poincarö spiicht alsdann vom Rapallovertrag

und erinnert daran, welche Stellung Frankreich angesichts eines Abkommens eingenommen habe, das im Widersprach mit dem Frie- densvertragvon Versailles stehe. Man hätte als Sanktion den Ausschluß Deutschlands und Rußlands von der Konferenz verlangen kön­nen, ober eine milder» Maßnalpne fei ergriffen

Um Poincar6zu gestatten, sich etwas auS- zuruhen, wird die Sitzung unterbrochen und nach wenigen Minuten wieder ausgenommen.

Er verbrettet sich alsdann über

die Frage der französischen Iorderunger. an Rußland

und setzt in längeren Ausführungen den franzö- 1 fischen Standpunkt auch hinsichtlich des konfis­zierten Privateigentums auseinander.

P v i n c a r e erklärt im weiteren Verlauf feiner Rede, tt» franz si ch? Po itibfei im Schlepp­tau keiner anderen Politik in Genua gewesen; das müsse er Tardieu gegenüber erklären. Er habe den richtigen Begriff für die Größe Frank­reichs. Er bespricht alsdann

das Verhältnis Frankreichs zu Deutschland

und sagt, Frankreich sei geneigt, alle Mittel aus­findig zu machen, um dem allgemeinen Wohl durch eine loyale Zusammenarbeit zu dienen. Aber man sei von gewissen Bedingungen abhängig. Die erste sei, dah man nicht von Frankreich verlange, dah es Deutschland irgendeines der Rechte opfere, die es aus den Verträgen herleite P o i n c a r e geht weiter auf

die letzte Rede deS Reichskanzlers ein, in der er den Friedens vertrag ein Instru­ment des Kampfes und der Vernichtung genannt habe. Frankreich verlange nur die Ausführung; nicht mehr. Sei dieser Vertrag im Interesse Frankreichs allein abgeschlossen worden? Wie könne es Franzosen geben, die gegen seine Aus­führung seien? Dieser Vertrag sei von 25 Völ­kern unterzeichnet worden. Warum soll Frank­reich, dessen Boden den Rationen als Schlacht­feld gedient habe, die Rechte opfern, die der Vertrag ihm zuerkenne. Deutschland hat zu allen Zetten nur die Macht refpeEtiert, deshalb müs­sen wir die unsrige beibehalten.

Poincarö fährt alsdann fort, von der Sow­jetregierung zu sprechen, die den Kredit Europas in Anspruch nehme. Das sei ihr Recht, tme es auch das Recht Frankreichs sei, ihr Kredit zu gewähren oder zu verweigern. Schliehllch be­spricht Poincare noch die guten Beziehungen, die die Staaten der fleinen Entente mit Frankreich unterhalten und auch von der unveräußer­lichen Freundschaft zwischen Frank­reich und Belgien. Poincare drückt den Wunsch Frankreichs aus. die Solidarität, die es mit Grohbri tannien verbinde, aufrechtzu­erhalten. Alan habe in Frankreich wohl begriffen, daß es zwischen den zwei alliierten Rationen wohl Mettwngsverschiedenhetten geben könne, und daß eine noch so enge politische Gemeinschaft nicht ' immer vollkommene Mcinungsgleichheit _ zu Tage fördern forme. Aber die legitime Berechtigung seitens Englands muffe auch : legitim für Frankreich sein. Frankreich habe : das Recht, in den Fragen der russischen Schuld : und des Privateigentums anders z u d e n - ken wieEngland. Er wisse nicht, ob es in dem > Heimatdorf von Lloyd George zerstörte Häuser : gebe und Ruinen. Aber er Wille, dah in Frank- : reich, französische, britische und italienische Sol- i baten in einem Grabe ruhten und dah sie den 1 ewigen Schlaf (chlielen, weil sic die alliierten Rationen, die drei Rationen, verteidigt hätten. , Man würde ihr Andenken verraten, wenn maix

Neue Gefahr im Osten.

3n den letzten Tagen sind aus Ober­schlesien Rachricbten eingettoffen, die so recht den'Ernst der Lage kennzeichnen. Aus Kattowitz und neuerdings auch aus dem Kreise Rybnikwerden schwereAuS- schreitungen und Terrorakte der Polen gemeldet. Die Kattowitzer Stadtderord- netenverfammlung hat sich darauf veranlaßt gesehen, den Magisttat zu ersuchen, bei der Znteralliierten Kommission um Schutz der

Deutschen gegen die polnischen Ausschreitun­gen zu bitten. Die 3nteralliierte Kommission hat auch solchen Schutz zugesagt, tatsächlich ist aber bis zur Stunde nichts erfolgt, um das Treiben der polnischen Banden zu verhindern.

3n Ergänzung unserer gestrigen Meldun- verzeichnen wir heute folgende Rachrich-

3nnat)me von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede *BerbinbIid)kcit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 150 Pf., auswärts 180 'Pf.; für Reklame, Anzeigen von 70 mm Breite 500Ps. Bei Platz- Vorschrift 20" Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Derantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Gteßen.

fahren bet gewaltigen von Osten beranbrängenben Propaganda. Der Oberpräsident beadiynete de sofortige Einleitung einer groben finanziellen Stützungsaktion ganz Deutschlands als uneetäh* lich, falls nicht wieder unwiederbringliche deutsche

Deuthen, 2. Juni. (Wolff.) Die Inter- Wirtschafts- und Kulturwrrte endgüliig verloren * fein sollen.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

vnlck imb Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Stcinörudcrei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.