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X5ngentuni in Rußland besahen, das einem russi­schen Bevollmächtigten übertragen war.

Genua. 2. Mai. (Spezialbericht des Ver­treters des WTD.) Der ganze gestrige Tag war der Fortführung des Memorandums an Ruhland gewidmet, wobei in wesentlichen Punkten eine Liebereinstimmung erzielt wurde. Ms B a r t h o u den Brief Tschitscherins verlesen hatte, sagte er, die einzige Bemerkung, die er daran zu knüpfen hätte, sei, dah Frankreich niemals dem russischen Volke feindlich gesinnt ge­wesen sei, und dah es die Wiederaufnahme nor­maler Beziehungen zwischen Frankreich und den Alliierten einerseits und dem russischen Volke an­dererseits wünsche. Frankreich wende sich nur gegen die russische Regierung, die den Vertrag von Brest-Litowsk unterzeichnet habe.

Lloyd George erwiderte, er habe eine "Abschrift des Briefes von Tschitscherin erhalten imb sehe in der Tatsache, dah diese ihm zuge­schickt wurde, einen Deweisguten Willens. Hierauf begann die älntettommission die Prüfung des Artikels 2 (Russische Schulden), wie er vom Fünfer-Ausschuh aufgestellt worden war. Lloyd George bemerkte, er habe den Artikel genau studiert. Er nähme ihn an unter dem Vorbehalte, dah auch die anderen Staaten ihm zustimmen würden. S ch a n z e r sprach sich darauf ebenfalls für die Annahme aus. Bei der Prüfung des Ar­tikels 6 (Privateigentum) erklärte der Vertreter Belgiens, er habe schwerwiegende Gründe gegen die vvrgeschlagene Fassung zu erheben: Die Interessen Belgiens in Ruhland bezifferten sich auf über eine Million Pfund Sterling. Lloyd George drückte die Hoffnung aus, die Belgier würden die Fassung annehmen. Groh- britannien habe fünfmal mehr Interessen in Ruß­land als Belgien. Der Artikel sei sehr wichtig. Die Alliierten mühten sich genau an die Reso­lution von Cannes halten. Diese Resolution be­sagt. Rußland solle das Privateigentum zurück- erstatten oder Kompensationen geben. Rach einer längeren Diskussion wurde beschlossen, die Artikel zur Reuredigierung zurückzuverweisen.

Sn der Rachmittagssitzung wurde der ganze Rest des Memorandums endgültig redigiert. Es siiü» nur noch kleine Veränderungen vorzunehmen, zu welchem -Zwecke die Sachverständigen morgen vormittag zusammenkommen werden.

Die gesunden englischen Finanzen.

London, 1. Mcri. (WB.) Bei Einbringung des V u d g.e t s im Llnterhause hat der Schatz- ttanzler Sir Robert Hörne a usgefühtt, dah sich die gegenwärtigen Einnahmen trotz des dar- miederliegenden Handels <rif 1124 Mill. Pfund Sterling beliefen, also nur 90 Millionen hinter dem Voranschlag zurückblieben. Das Hahr schließe mit einem Mehr von 45 Millionen, zu Gunsten der Verringerung der schwebenden Schuld ad.'Dies ,fci ein beredtes3>-igni3 für die Ge­sundheit der englischen Finanzen. .Für das kommende Hahr würden die Ausgaben auf 91G Millionen veranschlagt, wovon 335 Mü­ll ionen für den nationalen Schuldendienst bestimmt ifeien, einschl. 25 Millionen für die amerikanische.r Forderungen. Es siehe zu hoffen, daß eine wei­tere Verringerung der Ausgaben möglich sein werde. Die Regierung habe sich entschlossen. Etn- nahmen nur in einer Höhe aufzubringen, dir hinreichend sei, um die Ausgaben zu decken. Der Schatzkanzler kündigte sodann beträchtliche Herabs'ctzungenderPo st gebühren und beS Teezollcs, sowie eine beträchtliche Her- Lhsetzung der Einkommensteuer an.

Bürgerkrieg in China.

Peking, 29. April. (Wolff.) Reuter. General Egnyahsiang. der Militärgvu- verneur von Scheust, befehligt die Truppen von Tschili, welche Tschang-Tso-Hinan» greifen. Truppen von Fengtien kamen dem Angriff der Truppen von Tschili bei Tat- schang, wo erstere zusammengezogen waren, jdurch einen Angriff auf zwei Brigaden der 2. Division zuvor, welche sie dezimierten. Bei der Ankunft von Wu-Pei-Fus eigenen Trup- :fxn begann der heftige Kampf von neuem. :(5ine große Anzahl verwundeter Truppen von Fengtien kam heute durch Tentsin.

An drei Fronten wüten jetzt Kämpfe mit einer bei den Chinesen ungewöhnlichen Heftig­keit. Zwei chinesische Kreuzer verliehen Tschifu am 27. April, nachdem sieangekündigt hatten, sie wollten die Eisenbahn von Peking nach Mukden, nördlich Schanheikwan, zer­stören. Sollte dies gelingen, so würde es Feng­tien bei den Kämpfen ernstliche Schwierig­keiten bereiten und im Falle einer Riederlage ihm den Rückzug abschneiden.

Einem Reuyvrker Telegramm aus Peking zufolge wurde den ganzen Sonntag hindurch gekämpft. Tschang-Tso-Hin soll bei Tatschang siegreich gewesen sein.

DieSakramentshex. Roman von Marie Kerschen st einer.

9. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Heute hatten sie sich lange tm übermütigsten Spiel getummelt, bis der Knabe, mitten in die Lust hinein, vom Schlaf übermannt, ins Gras gesunken war. Er Ihg auf dem Rücken und die Sonne bräunte sein bleiches Gesicht. Lene kauerte daneben, ermattet von Glück und doch zu heftig ergriffen von der neu erwachten Lebenslust, um Ruhe zu finden. Träumerisch brach sie Bl ime am Blume und fügte sie z i einem Kranz. Ihre Lippen summten dabei ein selbst erdachtes Lied. 3n dem klugen Gesicht malte sich das Suchen der Gedanken, die Lust am Fabulieren. Ülnd als der Kranz fertig war. sprang sie auf, löste ihre Flechten, schüttelte den Kopf, bis die rotschil- lernde Mähne sie wie ein Mantel umgab, und drückte sich die Blumenzier aufs Haar. Langsam, feierlich schritt sie so dahin von einem inneren Bild ganz erfaßt: Blumenkönigin ist sie! Ruht in einem solchen Rosenkelch von lichtblauen Fal­tern getragen, schwebt durch den Frühlingsblust, huldreich ohne gleichen! Ihr zu Füßen der Blu­men Reich! Dort wimmelt's und lebt's tote in der größten Stadt! Käferlein stürzen durch schmälste Gassen, braune, bunte, goldschim- mernde! Verkünden an allen Enden: Die Kö­nigin naht! Die Königin naht! Run hastet's und klnnmt's die Halme hinan, Samträupllin, pelzverbrämte, u'ib die flinken braunglänzenden Amcislein: Die Königin, Herbei! Herbei: Himmel­schlüssel, schwing deine Fahne zum Gruß! IInb

Die amerikanische Gesandtschaft ersuchte die Washingtoner Regierung, ein weiteres Kriegsschiff nach Tientsin zu schicken.

London, 1. Mai. (WTB.) Rach einer Reutermeldung aus Peking ist das Artil­leriefeuer um Mitternacht heftiger gewor­den. Ein kleiner Teil des Heeres von Tschang- Isv-Lin zog sich in der Richtung südwestlich der Mauern Pekings zurück. Wu-Pei-FuS' Heer führt eine Flankenbewegung aus, wäh­rend Tschang-Iso-Lin die Marco-Polobrücke über den Fluh Hun und die ZusahrtSwege nach Peking verteidigt.

Aus Dem Reiche.

Die Maifeiern.

Berlin. 2. Mai. DieDeutsche Zeitung" meldet, daß in Ze na gestern vormittag zwischen kommunistischen Arbeitern und einer studentischen Verbindung eine schwere Schlägerei entstand, wobei das Verbindungs- Haus der Burschenschaft Germania von den Arbeitern gestürmt wurde. Einig; junge Fuchse dieser Verbindung hatten ein Schild mit der Aufschrift Freibier" zum Fenster des Houses herausgehängt. Die Kommunisten drangen in das Haus ein und schlugen auf die Studenten mit Stöcken ein, wobei zahlreiche Personen verletzt fein sollen. Schließlich wurde das Haus von der Polizei in Schuh genommen.

Köln, 1. Mai. (WB.) Die Mairmzüge, an welchen sich zahlreiche männliche und weib­liche Qlrbeiter beteiligt hoben, sind 'bei schönem cätetter ohne Zwischenfall verla isen.

München, 1. Mai. (WD.i Die sozialisti­sche Maifeier auf der Theresienwiese ist ruhig verlaufen. Die Straßenbahnen verkehrten wie an den übrigen Tagen. Am Vormittag marschierten die Züge von den Standquartieren nach der Theresienweife. Als Redner sprach der fran­zösische Sozialist Grumbach. Rach der Feier aus der Theresienweife zogen die Teil­nehmer zum Ostfriedhof zur Enthüllung des Denk­mals für die während der Revolution Gefalle­nen. Die Gesamtzahl der Teilnehmer betrag etwa 20 000.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 2. Mai 1922.

** Amtliche Personalnachrich- t e n. Am 27. April 1922 wurde der Baupra- tifant Philipp Fung zu Darmstadt mit Wir­kung vom 1. April 1922 an zum Oberbau­sekretär bei dem Kulturbauamt Darmstadt er­nannt. Ernannt wurden: die Oberzvllsekre- täre Fritz Walther beim Landessinanzamt Darmstadt, Oskar Schanz beim Hauptzoll­amt Darmstadt und Rikolaus Schmitt beim Hauptzollamt Dingen zu Zollinspektoren. Am 26. April d. F. wurde dem Pfarrassisten­ten -Rene W a l l a u zu Buchschlag die evan­gelische Pfarrstelle zu Ober-Seemen über­tragen.

L. äl. Von der Landes-älniversität. Dem a. o. Prosesfor der Volkswirtschaftslehre an der Oanbedun iberf itä t Gießen Dr. W. F Bru ck ist an der Universität Marburg ein Lehr­auftrag übertragen worden. Er wird im Sommer- Semester über:Die Finanzierung der Industrie" lesen.

* Sinkende Preise. 3n letzter Zeit wurde aus verschiedenen Gegenden des Reiches über ein sich bemerkbar machendes Sinken der Preise für Lebensrnittel (u. a. für Margarine) berichtet. Daß es tatsächlich anderswo besser bestellt ist als bei uns, zeigt ein Angebot eineö Berliner Warenhauses, das beispielsweise Tafel­margarine für 29 Mk., Kalbskamm und -brüst für 24 Mk., Kalbsnierenbraten für 27 Mk., Zwiebel­leberwurst für 28 Mk. und Eier für 3,50 Mk. ver- fauft; an Fischen werden Dorsche für 5.90 Mk. und Kabeljau für 6.90 Mk. für das Pfund an­geboten. Das sind erheblich billigere Preise, als wir sie bezahlen müssen. Hoffentlich macht sich der Preisrückgang recht bald auch bei uns bemerkbar. Von anderer Seite wird uns aller­dings berichtet, daß die Margannepreise in den Fabriken schon wieder herwrfgesetzt seien.

** Diebstähle. 3n der Rächt zum 26. d. M. hat ein von Essen dahier zugereister Schlosser versucht, einen Schaufenster-Einbruch zu begehen. Zu diesem Zweck warf er zwischen 10 und 11 älhr mit einem Stein die Scheibe ein und entfernte sich, zigarettenrauchend, als wenn nichts geschehen wäre, um später die Tat auszuführen. Ilm das Geräusch des Einwerfens unbemerkt ge­schehen zu lassen, wählte er den Moment, als der elektrische Straßenbahnwagen an dem Hause vor­beifuhr. Er hatte jedoch nicht damit gerechnet, daß er beobachtet toorben war, denn ein in der Rachbarschaft wohnender Kaufmann hatte gesehen, wie er die Scheibe einwarf, verfolgte ihn, nahm

sieh! Fetzt leuchtet's und slammt's von lauter Dlumengesichterlein! Fetzt blitzen viel tausend liebste Aeuglein! Anemone wmkt mit zartweißen Händen: Der Enzian blaut. In Trüppchen wispern die Blouveigelein. Was flüstern und nicken sie sich zu? Sie weiß! Denn was keinem Auge gegeben, sie, die Königin, kann's! Die hauchfeinen Seelchen erblickt sie unter demBlamen- kleid! Da drinnen steht's: wir sind dir gut! Ewig gut! Ewig gut! Da fühlte sie, wie's ihr zum Herzen strömt. Die beugt sich ins ©raS, schlingt den Arm liebend um ihre Kinderlein, stammelnd vor Liebsein: Ich auch! Ich auch! Unö die Sonne tut, was sie tarni! Wirft Gold übers Blumen­land! Küßt heißen Atems die freudetrunkenen Häupterlein! ttnd Sandmännchen huscht durchs Gras, schließt leise ein Lid um das andre zu! Rur der Hc^elstrauch reckt noch den Arm und rührt die Königin an: Komm in mein kühles Schloß, ich wiege dich etnl ilni> die Königin, halb schon tm Traum, tut, wie er bat, streckt sich in seinem Geäst auf em Himmelbettlein mit grü­nem Baldachin! Hört nicht den Tritt, der sich naht, wie aus weiter Feme nur eine Stimme, die fragt:Was raschelt denn da drin?"Die Elfenkönigin" haucht sie und entschläft.

Der Weberhaimes setzte seinen Weg fort Das Pfarrmädel interessiert ihn heute nicht. Auch ihn hatte der allgemeine Frühlingstaumel ge­packt und eine heillose Idee in fein Hirn ge­pflanzt Er stand im Begriff tn den meilen- fernen Marktflecken zu wandern, dort feine Zie­gen an den Mcmn zu bringen. Für den Erlös wollte er Sauen kaufen und Setzlinge, beim solch ein Wunderjahr wollte genützt sein. 3n ein Sack­tuch gebunden trug er den Tagesproviant, in

ihn mit Hilfe eines Soldaten fest und lieferte ihn der Polizei ab. In der Rächt zum ver­flossenen Freitag wurde ferner in einer Villa in der Hofmannstraße dahier ein Einbruchsdiebstahl ausgeführt wobei den Dieben verschiedene silberne Körbchen, Tabletten, Teekannen, Milchkännchen, Zuckerdosen usw. und ein Herren-Regenschirm mit silbernem Griff in die Hände fielen und in der Rächt von Samstag zum Sonntag wurden aus einem Hühnerstall in der Westanlage zwei Hühner und ein Hahn gestohlen und am Tatorte abgeschlachtet.

*f Straßensperrungen. Wegen Vornahme von Walzarbetten ist die Kreis- straße GießenReiskirchen bis auf weiteres vom Bahnübergang im Gießener Wald bis zum Abzweig der Kreisstraße nach Annerod für jeden Auto- und Fuhrwerksver­kehr gesperrt, ebenso die Kreisstraßenorts­durchfahrt Albach. Der Verkehr wird im ersten Falle über Rödgen, Grohen-Buseck und umgekehrt, im zweiten über Steinbach geleitet.

** E i n Promenadenkonzert findet am Donnerstag, den 4. Mai, mittags 12 Llhr, statt Musikfolge: 1. Krönungsmarsch aus der OperDer Prophet" von Meyer beer: 2. Fubel- Ouvertüre von Dach: 3. Fantasie aus der Oper Carmen" von Bizet: 4. WalzerMondnacht auf der Alster" von Fetras: 5. Armeemarsch Rr. 163 von Graf von Redern.

** D i e Maifeier verlief in Gießen, in den Rachmtttagsstunden durch aufklärendes Wetter begünstigt, ruhig. Mehrere Züge von Feiernden bewegten sich unter Absingen von Liedern nach den Versammlungsplätzen und Festlvkalen. Am Vormittag fand im Gase Leib eine grshe Versammlung statt, in der der Vor­sitzende Ottilie vom hiesigen Gewerkschafts­kartell die Maiansprache hielt.

** Gießener Freiwillige Sani­tätskolonne. 0m abgelaufenen Viertel­jahr wurde die Kolonne in über 300 Fällen in Anspruch genommen. Davon bei 250 Kran­kentransporten. Für die Allgemeinheit dürfte von Interesse sein, zu wissen, dah an Sonn» und Feiertagen von 3 Mr nachmittags bis 8 Ahr abends eine Wache, bestehend aus drei Sanitätsleuten, Sonnenstrahe 2, zur Verfü­gung steht. Beim Anruf durch Telephon ist die Wache mib Rr. 1010 (Feuerwache) oder 1354 (Kolonnensührer) zu erreichen. Die In­anspruchnahme von Kolonnenmitgliedern zu anderen Zeiten kann durch die angeführten Telephonnummern, sowie bei den durch Schil­der gekennzeichneten Verbandsstellen erfol­gen. Bei Bedarf von Gegenständen zur Krankenpflege aus der Verleihanstalt, die für eine geringe Leihgebühr abgegeben werden, wende man sich an den Kolonnenführer L. Kratz, Schulstr. 11. Die Verleihung er­folgt nur gegen Bescheinigung eines Arztes oder einer Pslegeperson.

** Der Wartburgverein veranstaltete am Sonntagabend seinen äußerst zahlreich er­schienenen Gästen einen selten schönen Familien­abend, der allen Anwesenden wohl noch lange Zeit in freundlicher (Srumerung bleiben wird. Den Abend, der zur Ehrung des Vereinsleitcrs von beiden Fugendabteilungen ins Leben gerufen worden war, füllte ein abwechslungsvolles Pro­gramm aus. Ein Theaterstückchen, das äußerst gewandt und lebendig gespielt wurde, verurteilte in humoristisch seinen Anspielungen den alten Erb­fehler der Deutschen, den Patteihader, und er­zielte mit feinem Bekenntnis zum Rationalen eine tiefe Wirtting. Lieder zur Laute, die zum Vor­trag kamen, scherzhafte Gedichte in Wetterauer Mundart und schöne, musikalische Darbietungen liehen die Zeit nur allzu schnell verstreichen. Der Abend war erneut ein Beweis für das rege Leben, das in diesem Vereine herrscht, vor allem aber ?uch ein schönes Zeugnis für den in ihm lebendigen Geist herzlicher Gemeinschaft, an dem man nur seine Freude haben kann.

Der Himmel im Mai. Wenn am 21. Mai die Sonne in das Zeichen der Zwillinge tritt hat sich die Tagesspanne, die am 1. Mai 14 Stunden 41 Minuten betrug, auf 15 Stunden und 43 Minuten erweitert. Am 4. Mai haben wir zunehmenden Mond, am 11. Vollmond, am 18. abnehmenden Mond und am 26. Mai Reu- mond. Von den Planeten ist zu erwähnen: Mer­kur ist mit Ausnahme der ersten Woche den ganzen Monat abends im Rordwesten sichtbar, um die Mitte des Monats herum 3/i Stunden. Die Sichtbarkeitsdauer der Venus nimmt auf eine bis 3/d Stunden zu. Mars ist vom 26. ds. Mts. an die ganze Rächt sichtbar. Fupiter geht von Mitte Mai an vor Sonnenaufgang unter und ist Ende Mai noch 5 Stunden lang sichtbar. Saturn kulminiert Mitte Mai bei Sonnenuntergang und ist bis dahin noch die ganze Rächt hindurch sichtbar.

der Rechten einen Knüppel zur Stütze und Wehr. Eifttg schritt er fürbaß. Er fant an kleinen Aeckern vorbei, die in früheren Fahren kaum hundert armselige Stengel getragen. Fetzt drängten sich Halm an Halm die jungen Aeh-ren, roter Mohn und die blauen Kronen der Kornblumen dazwi­schen. Unb die Obstbäume, die auf der Heide nur mannshoch wuchsen, standen blütenbeladen, wie kleine, glückübergossen e Dräute.

Der Weber Hannes hatte schon einen guten Teil Weges hinter sich, als er auf dem Gipfel des Weilerberges ein Glitzern and Flimmern bemertte, das er nicht zu deuten wußte. Sollte dott droben die Sonne ihr Spiel noch toller treiben als drunten auf der Heide? Aber nein: Mit einem Male schien es, als ob sie ein Schleier­chen um das andre vor das gleißende Gesicht zöge, um mit dem Hannes zu kokettieren. Die Geißen fingen an tn die Luft zu schnuppern, statt im Vorbeigehen an Gras und Blatt zu naschen, älnd je mehr ihr Führer sich dem Gipfel des Berges näherte, um so weniger lenzlich wurde es ihm zumute. Auf einmal flatterten feine weiße Federn durch die Luft. Zärtlich legten sie sich dem Hannes auf die Rase. Aber der hätte für sein Leben nicht zugegeben, das; es Schneeflocken feiern Bald aber konnte er sich's nicht mehr verhehlen. Denn was dort die Dergkuppe zudeckte, erkannte er jetzt deutlich als Reuschnee. Sollte er um« lehren? Rein! Es konnte sich doch nur um einen verspäteten Aprilschauer handeln, und er war schon drei Stunden vom Dorf entfernt! Also vor­wärts! Also vorwärts! Die Geißen meckerten miß­vergnügt, er mußte sie mit dem Stecken zum Gehorsam aufmuntern. Inzwischen kamen die Flocken reichlicher. Zielsicher durchstrichm sie die

Vornottzen.

LageSkalenderfürDienStag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Prin­zessin von Toskana", undDas zweite Leben".

Der Gleiberg-Verein hält am Samstag nachmittag 3Vs älhr auf der Burg Gleiberg seine djesjähttge Generalversammlung ab. Als geeignetste Bahnverbindung kommt der um 1.20 nachm. abgehende Zug der Diebertab­bahn in Frage. Auf der Tagesordnung steht außer Rechnungsablage und Geschäftsbettcht die Feststellung des Voranschlages für 1922/23 und Reuwahl für den ausscheidenden 1. Vorsitzenden.

Landkreis Gießen.

= Hungen, 2. Mai. Bei einer gestern in hiesigen Waldungen stattgefundenen H o l z v e r- fteigerung wurden wieder unsinnig hohe Preise geboten. Dei allen Versteigerungen sind es die Steigerer selbst, die die Holzpreise in die Höhe treiben, sie müssen immer wieder von den VeZ'teigerungsleitern auf ihr überängstliches Ge­bühren auftnettsam gemacht werden. Es wurden geboten für 2 Meter Duchenscheiter 1300 bis 1400 Matt, 3 Meter Duchenprügel bis 1500 Mk.. 4 Meter Duchenstöcke bis 2100 Mk.

Kreis Lauterbach.

Herbstein, 28. April. Däe Meister- Prüflinge des östlichen Vogelsberges hielten hier eine statt besuchte Versammlung ab. Sie be­schlossen einstimmig eine Eingabe an die Handwerkskammer mit dem Ersuchen, die Meisterprüfungen für die Vogelsberger Bezirke Lauterbach und Herbstein in einem dieser beiden Otte abzuhalten. Das Gesuch wurde mit den hohen Reisekosten bis Gießen und den durch den Krieg zahlreichen rückständigen Prüflingen be­gründet.

Kreis Schotten.

Freienfeen, 30. April. Gestern abend ertränkte sich eine hier wohnende Krieger-- witwe in dem Seenbach. Wie man hött, sollen Zwistigkeiten mit dem Manne, dem sie die Witt- schäft führte, die Selbstmördettn in den Tod getrieben haben.

We t terf eld bei Laubach, 30. April, ilnfere Gemeindeverwaltung gedenkt auch tn die­sem Fahre den Steinbrucham Rod" (zwi­schen Röthges und unserem Dorfe) wieder aus­zubeuten. Dieser Steinbruch liefert einen weit und breit geschätzten Baustoff, Unter prächtiges Ehrendenkmal am Dürgelkops liefert einen deutlichen Beweis dafür.

I Vom oberen Wettertal, 30. April Gestern mittag tobte mehrere Stunden ein hef­tiger Gewitter sturm, teilweise mit Schnee­gestöber, über unserer Gegend. Heute ist nur wieder das schönste Frühlingswetter. Eine alte Bauernregel sagt:Der April: Macht's wie er will," oder:Der April ist nichts so gut, er schneit dem Bauer auf den Hut!"

Kreis Friedberg.

£ Butzbach, 1. Mai. Die hessische Regie­rung will fiskalisches Gelände mit der Stadt austauschen. Die Gemeindevettretung findet die Bedingungen derart schwer, dah sie den Tausch unter den angebotenen Vorschlägen ablehnt und den Beigeordneten Heil beauftragt, mit der Regierung mündlich zu verhandeln. Das Gesuch des Vereins für Rasenspiele um Ueberlaffung der Festhalle zu dem S p o r t f e ft e am 29. und 30. Juli wurde genehmigt.

A Ostheim bei Butzbach, 1. Mai. Der Gemeinderat streikt feit Samstag. Die Mehrzahl der Gemeinderatsmitgli^>er hat wegen Meinungsvettchiedenheit mit dem Bürgermeister ihr Amt niederg legt.

Starkenburg und Rheinhesse«.

rm. Darmstadt, 1. Mai. Einbrüche. Außer bei der Landwirtschaftlichen Zentral- genossenschaft ist in der Rächt zum Samstag auch in der benachbart liegenden Handwerks­kammer ein Einbruch verübt worden. Auch hier suchten die Diebe nur nach Geld. Sie brachen verschiedene Pulte, Schränke, Tische usw. auf und es fielen ihnen etwa 1500 Mark an Bargeld in die Hände. Zweifellos hat man es hier mit den­selben Tätern zu tun, wie bei dem Kreisamt und der Handwerkerzentralgenossenschaft. Bisher wa­ren sie leider nicht zu ermitteln.

c. Darmstadt, 30. April. Vor einigen Wochen hat eizi Dahnbeamter einen etwa achtjährigen Knaben in einem Zuge aus der Bahnstrecke Franksutt nach Darmstadt ohne Fahrkarte angetroffen. Er hat angegeben, seine Mutter sei unterwegs ausgestiegen und habe ihn sitzen lassen. Der Funge wurde dem Jugendamt zu Darmstadt zugeführt und befindet sich jetzt noch in feiner Fürsorge. Der vorliegende Fall gewinnt dadurch ein besonderes Interesse, als der an sich aufgeweckte Junge, der angibt, Josef Götz zu heißen und aus Mannheim zu sttn, den Wohnort seiner Eltern nicht Hüffen will. Da auch die Eltern offenbar kein Interesie für den Verbleib ihres Kindes zeigen, war es der Behörde bis jetzt nicht möglich, die Herkunft des Knaben festzustellen, da sich alle seine Angaben als falsch erwiesen haben.

unbewegte Luft, rasteten auf Gras und Strauch, auf dem Fell Der Tiere, ober verirrten sich tn des Weberhaimes weitabstehenden Hemdkragen, von wo aus sie ihm über den Rücken riefelten, daß er bald jämmerlich zu frieren begann. Er steckte den Lebensvorrat in die Hosentaschen, band das Sacktuch um den Hals und stapfte eigensinnig weiter, obwohl der weihe Fußteppich dichter und dichter wurde. Endlich auf der Dergeshöhe an- gelangt, sah er die wette Tallandschast vor sich im tiefsten Winterlleid! Viele Stunden Wegs lagen noch vor ihm bis zum nächsten schützenden Obdach! Selbst dem Weberhannes begann es zu dämmern, daß die ttmkehr das Klügste seii Fluchend trat er den Heimweg an. So schnell als möglich wünschte er jetzt nach Hause zu kommen. Der Gedanke an seine Ofenecke und etwas Wärmendes für den Magen erfüllte ihn mit schmerzlicher Sehnsucht. Aber auch da gtngs ihm wider den Stttch. Der Schnee lag bereits so tief, dah man die Füße hoch heben mußte, um vom Fleck zu kommen. Die Wolken hingen tief und schwer, die Flocken fielen eiliger, und erfüllten, eng aneinander geschmiegt, die Lust. Rastlos, unbeirrbar sanken sie nieder und begruben den Frühling unter sich, älnd mehr und mehr stellte sich ein tolles Fagen eim In Fetzen warf es den Schnee vom Himmel, der sich auftürmte, als sollte die Welt in einem Schneebett ersticken: Dröhnend brachen die Bäume des Waldes unter der wasser- schweren Bürde, die stärker war, als ihre last- gewohnten Arme. Es war ein Krachen und Knat­tern tote in der Schlacht.

(Fortsetzung folgt)