Nr. \ Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen) Montag, 2. Januar (922
(Nachdruck verboten.)
27. Fortsetzung.
legen/
(Fortsetzung folgt.)
Umstande hervor, die unsere Annahme stützen, und da wir annehmen, datz die Männer den Mord nicht begangen müssen wir also nachzuweilen lachen, Gründe der eine gehabt Haden kann, ein unwahres Geständnis abzulegen."
anter- beiden haben, welche lolches
Spuren im Schnee
Roman von Sven Elvestad.
Ermächtigte Llebersehung.
So sprach der Detektiv und blickte sich suchend um.
Die Hessische Provinzialdirektion lecht ihren Dank in folgenden Wort Ausdruck:
„Durch den in den Braunkohlengruben des Kraftwerkes Wölfersheim plötzlich aus- gebrochenen Streik der Bergarbeiter wurden sowohl die Provinzialverwaltung als Unternehmerin der Elektrizitätsversorgung der Provinz Oberhessen, wie auch die ganze, auf Licht- und Kraftversorgung aus dem Werk Wölfersheim angewiesene Bevölkerung auf das Schwerste betroffen. Drohe Werte standen aus dem Spiel, und insbesondere schienen einige Bergbaubetriebe bereits dem Untergang durch Ersaufen verfallen. Die Technische Rothllfe hat es fertig gebracht, in überraschend kurzer Zeit die wichtigsten Notslandsarbeiten durchzuführen und allmählich wieder nach überallhin Licht und Kraft zu bringen. Sie hat damit der Allgemeinheit einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Cs drängt uns deshalb, allen Nothelfern für ihre schnelle und wirkungsvolle Arbeit, sowie insbesondere auch der Leitung für ihr zielbewuhteS und unermüdliches Handeln hiermit wärmsten Dank auszusprechen.
richtigen St ckos bcm Herrn für Schmuck inb Zierde seines Aeutzeren darbietet. Ein moderner Modepsychologe sucht das Tragen des Stocks der heutigen Herrenwelt verführerischer zu machen, indem er den Stock als Stimmungsbarometer empfiehlt. „Mit meinem gut sitzenden Promenaden- anzug zusammen," schreibt er, „trage ich mein zierliches Ebenholzstöckchen, das ich vermöge des Bleis im Handgriff sein und zierlich in den Fin-
gern balancieren kann. Der derbere Stock aus Malakka holz ist ein guter Begleiter in Frühlingstagen und bei fröhlicher, ausgelassener Stimmung. Wenn ich aber mich zu einem ganz besonders feierlichen Ausgang rüste, dann nehme ich einen Stock aus balkanischem Rosenholz zur Hand. Für- weite Spaziergänge, für ein rech.es Freiluftleden, patzt am besten der dicke Knoten- stvck, der so schwer und prächtig in der Hand liegt und einem Sicherheit verleiht, da er zugleich eine gute Waffe ist. Man schreitet mit ihm dahin wie unter dem Schutze eines würdigen und guten Kameraden. Nvch ein derberes Stück ist der dicke keulenartige Stock, der von irgendeinem afrikanischen Wilden herstammt, und mit dem ich mich zu abenteuerlichen Fahrten wie mit einem exotischen Maskenstück bewaffne . . .“
entgegenzunehmen.
Bei dem Empfang waren derReichskanz- ler sowie die beiden Staatssekretäre des Auswärtigen Amtes v. Hanie! und v. Simson zugegen. 3m Anschlutz daran sprachen die Mitglieder der Rsichsregierwig, der Reichskanzler, die Reichsminister, Staatssekretäre, Präsidenten des Reichstages und des preußischen Staats- ministeriums, sowie die Dertreter des Reichsrats und der Wehrnracht dem Reichspräsidenten ihre Glückwünsche aus.
Dem Vertreter des abwesenden Reichswehr- Ministers brachte der Reiche Präsident seine Genugtuung über die Fortschritte zum Ausdruck und betonte hierbei die Lleberzeugung, datz die« Wehrmacht auch in Zukunft eine sichere Stütze des Staates sein werde. Der Präsident fügte den Wunsch einer weiteren gedeihlichen Entwicklung der Wehrmacht an.
Dank an die Technische NoLhilse.
Für die Hilfe in Wölfersheim.
Bei der Technischen Nothilfe, Landesunterbezirk Main-Hessen, Frankfurt a. M., ist eine stattliche Zahl von Dankschrei-' ben behördlicher Dienststellen und industriel-- ler Unternehmungen eingelaufen, in denen zum Ausdruck kommt, daß es allein dem tatkräftigen und sachkundigen Eingreifen der freiwilligen Helfer der Nvthilfe zu danken ist, wenn der Stteik der vberhessischen Grubenarbeiter und Arbeiter des Kraftwerks Wölfersheim nicht schwerste wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden für die Gesamtbevölkerung Oberhess-ens im Gefolge hatte.
Starkenburg und Rheinhessen.
* Mainz, 31. Dez. Fe st g en o m mene Stratzenräuber. 3n der Nacht des erften Weihnachtsfeiertages wurde, dem „Mainz Anz. zufolge, zwischen 11 und 12 älhr in der Lohrstratze ein junger Mann von zwei Burschen überfüllen und seiner Geldbörse und Taschenuhr beraubt Es ist nun gelungen, die beiden Stratzenräuber festzunehmen. Die Taschenuhr hatten sie bereits in Bodenheim in Sicherheit gebracht, wo sie aus« gefunden und beschlagnahmt wurde. Bon der geraubten Geldbörse wollten sie nichts wissen, aber der eine der Täter hatte den Schlüssel der Taschenuhr bei sich, der sich in dem geraubten Potte- monnaie befunden hatte.
Hessen-Nassau.
fpd. Frankfurt a. M., 1. Jan Ein hiesiger Herr wollte von Mattenheide bei Bonn einen
lenbach zwischen Laubach und Freienseen gelegen) schon seit Zähren bei Regenwetter trübes Tag- wasser zeigte, hat man drei neue Quellen in tieferer Lage erbohrt. Hiervon sollen zwei Quellen neu gefaßt werden, deren Wasser für genügend erachtet wird. Kulturinspektor Daurat Steinbach ist mit der Aufsicht über die Ausführung der Anlage betraut worden. — Am 11. Januar findet hier die Weihe eines Gedenksteins zur Erinnerung an den 200. Geburtstag des Marschalls Grasen Nikolaus Luckner statt. Dieser hat hier auf dem Ramsberg bei Laubach am 21. März 1761 mit 4 hessischen Grenadierbataillonen und 15 Schwadronen den französischen General Diesbach (einen geborenen Schweizer) zurückgeschlagen und dem Erbprinzen von Braunschweig, der zwischen ®rün- berg und Durggemünden gleichzeitig von einen französischen älebermacht angegriffen wurde, entscheidende Hilfe gebracht. An der Eiche, unter der damals Luckner der äleberlieferung nach kom- mandiette (die sog. Luckner-Eiche) soll eine eherne Tafel mit entsprechender Inschrift angebracht werden. Die Gedächtnisfeier (wie auch die Errichtung des Gedenksteins und der Tafel) wird durch den Zweigverein Laubach des Vogelsberger Höhenklubs angeordnet werden. Zur Einweihung wird auch der als „Seeteufel" bekannte Graf Felix Luckner, der Kommandant des „Seeadlers" im Weltkrieg, ein ilrenlel des Marschalls, als Ehrengast erwattet.
△ ©ungenau, 31. Dez. Der hiesige Gemeinderat konnte sich nicht darüber einigen, ob man zuerst die Wasserleitung bauen oder das elektrische Licht einführen wollte. Die Hälfte der Gemeinderäte war für Wasser, die andere Hälfte für Licht. Gestern wellte nun der Kreisrat von Lauterbach hier, um mit dem Gemeinderate über die Streitfragen zu verhandeln.
. Es wurde beschlossen, in er st er Linie ein Wasserw erk zu bauen, da die Einwohner bisher das Wasser in Fässern aus den Moo- fer Teichen holen mutzten. 3m Laufe des neuen Jahres soll aber auch das elektrische Licht eingeführt werden.
△ Nieder-MvoS, 31. Dez. Unsere Gemeinde beschlotz, elektrische Beleuchtung einzuführen und sich an die Ueber- landzentrale Wölfersheim anzuschlietzen.
B. Aus dem Vogelsberg, 31. Dez. Ein Zwiegesprächaus dem alten Jahr. Kommt da in einem Dorfe des Vogelsbergs eine alleinstehende ältere Person, die nicht gerade zu den Schlauesten gerechnet wird, in ein Haus und klagt dem Hannes über die teueren Zeiten. ,Wäi se san, schlät die Post Widder uff. Eich Wern mer noch für e Wenk Koatte sorje." „Ei, Lisbeth, sagc lächelnd der Bauer, „däs boatt deich naut; bau muht nochde doch groad so väil durffhenke, sonst giht die Koarte näit soart." — Wie man hört, lieh sich die eifrige Briefschreiberin sehr schwer von ihrer Meinung abbringen.
Aus Stadt und Land.
Dietzen, den 2. Zan. 1922.
Der Stock als Barometer der Stimmung.
„Wonach sehen Sie sich um?“ fragte der Kapitän.
„Nach einer Zigarre," erwiderte T.
Nachdem T. eine Zigarre erhalten hatte, rauchte er eine Welle nachdenklich vor sich hin, ehe er fortfuhr. Er hatte während seiner Aas- einandettetzung dem Kapitän nicht einen einzigen Blick zugewvrfen, sondern die ganze Zell über mit hal^eschlossenen Augen, das Gesicht dem Fenster zugewendet, dagesefsen. Allmählich wurden die Fenster immer dunkler, da die Dämmerung anbrach. Wie er so im Halbdunkel mit |einem scharfgeschnittenen, bewegungslosen Gesicht basatz, hätte er für die verkörperte Logit gelten können, die gekommen war, alle Dinge in Ordnung zu bringen.
Seine Stimme war trocken, hatte aber doch einen eigentümlich eindringlichen Ton. Seine Art zu sprechen, bei der er über seinen Zuhörer vollständig wegsah, verriet, datz er nicht eine vorbereitete Rede hersagte, sondern datz seine Schlüsse aus den Gedankenreihen hervorgingen, mit denen sein Gehirn beschäftigt war. Ze weiter er kam, desto wichtiger wurde ihm selbst, was er vorbrachte. Es war, als habe et mit einer gewissen Gleichgültigkeit begonnen, als habe aber bann seine eigene Darstellung der Sache unb die folgerichtige Ordnung, in die er die Ereignisse brachte, seine Einbildungskraft unaufhaltsam geweckt und seine Teilnahme befeuert und, wie ein Strahlenbündel, neue Gedankengänge und neue Schlüssel aufleuchten lassen.
Wenn ich Sie recht kenne, so gibt es keinen schärferen Verfolger als Sie," sagte der Kapitän. „Sic erkennen bereits eine Spur, Sie haben die Witterung ..."
„Das ist richtig," bestätigte T. nut seiner trockenen, ausdruckslosen Stimme. »Ader ehe ich
Neujahrsempfang beim Reichspräsidenten.
Berlin, 1. Ian. (WTB.) Der Reichspräsident empfing heute die Chefs aller hiesigen fremden diplomatischen Vertretungen anlätz- lich des Jahreswechsels. Der apostolische Nuntius, Monsignore P i a c e l l i, als Doyen des biploma- , tischen Korps, hielt folgende Ansprache:
Herr Präsident! Zum ersten Male seit dem Weltkrieg versammelt sich das diplomatische Korps in Berlin anlählich des Neujahrsfestes vor dem höchsten Beamten der deutschen Republik. Ein glückliches Ereignis, ein Sinnbild fortschreitender Rückkehr dec Menschheit zum Ideal der Brüderlichkeit und des Friedens zwischen den Völkern, welches Ideal ben Ruhm der zivilisierten Völker bild«. Möge die göttliche Vorsehung, die die Menschen zu edlem Streben anspornt und sie leitet, ihnen trotz der Verschiedenheit der Stämme und Staaten ermöglichen, in diesem Jahre die wirkliche und dauer hafte Versöhnung der Völker zu vollenden, die von allen Aufrichtigen ersehnt wird und sich auf die Achtung bes Rechtes, auf ber fruchtbaren srieblichen Arbeit und auf den ewigen Gesetzen der Gerechtigkeit und Wahrheit gründet. Von diesen Gefühlen durchdrungen, bringen wir Ihnen heute, Herr Präsident, inmitten der schwierigen Aufgaben der Gegenwart unsere Huldigung und gleichzeitg unsere Glückwünsche für sie selbst und für bai deutsche Volk dar.
Der Reichspräsident erwiderte:, Herr Nuntius! Für die Glückwünsche, die Euere Exzellenz als Sprecher des diplomatischen Korps zum Zahreswechsel dem deutschen Volk und mir als tiefgefühltesten Dank entgegenzunehmen. Gern seinem Vertreter dargeboten hat, bitte ich meinen folge ich Ihnen in dem Gedanken, den heutigen Besuch der Herren Vertreter der fremden Mächte als ein Symbol ber allmählichen Rückkehr der Menschheit zum Frieden zu betrachten. Der Umstand, datz diese Worte aus dem Munde des Vertreters Seiner Helligkeit des Papstes kommen, der sein vornehmstes Ziel darin erblickt, den Frieden auf Erden zu schaffen und zu erhallen, gibt ihnen in meinen Augen eine besondere Bedeutung. Das deutsche Volk wünscht für sich nichts anderes, als in friedlicher Arbeit neben den übrigen Völkern sein nationales Dasein wiederaufzu- bauen. Es gibt sich der Hoffnung hin, datz im kommenden Jahre die Erkenntnis der Weltnotwen- bigteiten weiter wächst, und dah in dieser Erkenntnis jede Nation sich bemühest wird, durch fruchtbare Zusammenarbeit mit allen übrigen Volkern ber Menschheit ben wahren aufrichtigen Frieden zu geben. Mit dieser großen Hoffnung im Herzen, durchdrungen von dem Bewußtsein, daß ihre Erfüllung Gebot ist, bitte ich Sie, Herr Nuntius, und Sie, meine Herren, auch meine Glückwünsche für Ihr Wohlergehen und für das Gedeihen der von Ihnen vertretenen Regierungen und Völker
Die Hochblüte des Spazierstockes ist vorbei, wenngleich auch heute nvch gern das männliche Geschlecht sich mit einem solchen Werkzeug ausrüstet. Aber in der Zell der Dandys vor 100 Jahren gehörte der Stock ebenso zur Kleidung des Herrn wie die Kravatte, unb damals, sowie fchvn im 18. Jahrhundert, legte man sich große Stocksammlungen an, die viele Hunderte von Exemplaren umfaßten. Der Fürst von Pückler-Miskau, ber in allen Fragen der Herrentoilette ein ,o feinfühliger Kenner toaf, hat einmal von den Möglichkeiten geplaudert, die die Auswahl des
B. Burkhards, 30. Dez. Der Turnverein „Iugenbbund" hielt im Vereinslokal seine diesjährige Hauptversammlung ab, bei ber ein erfreulicher Zuwachs der Mitgliederzahl im abgelaufenen Jahre festgestellt werden konnte. Wiedergewählt wurden zum 1. Vorsitzenden Heinrich Klein, zum 2. Vorsitzenden Karl Schümm. Die Gemeinde bat dem Verein einen neuen Turnplatz oberhalb des Dorfes zur Verfügung gestellt.
ed. Eichelsachsen, 31. Dez. Den seit Jahresfrist in der Heimat weilenden Deutschamerikaner Robert Sachs traf schweres Mißgeschick. Seine in Kalifornien gelegene Farm
Hessische Handwerkskammer.
Für die Gewerbesteuer sind vor kurzem durch die Abänderung des vielumstrittenen Artikels 11 des Gemeindeumlagegesetzes gewisse Erleichterungen eingetreten, die namentlich den Klein- und Mittelbetrieben zugute kommen sollen. Zum tatsächlich vorhandenen Wert des Anlage- und Betriebsvermögens werden bekanntlich zu versteuernde Zuschläge dann gebildet, wenn das aus dem Gewerbe erzielte Einkommen höher als 6 Prozent des gesamten' rauhen Betriebsvermögens ist, und zwar werden diese Mehrerträge je nach ihrer Höhe vervielfacht und dem vorhandenen Vermögen zugeschlagen. Je geringer der Wert der Betriebsanlage also beziffert ist, um so höher wird der Zuschlag, gemessen an dem Einkommen, das der Inhaber zur Befriedigung seines Lebensunterhalts aus seinem Gewerbe erzielen muh. Dieses Verhältnis verschob sich durch die Geldentwertung in unerträglichem Matze und machte die Gesetzesänderung notwendig. Durch die letztere wird die Staffelung der zur Zuschlagsbildung erforderlichen Mehrerträge gegen früher verzehnfacht. Auf Empfehlung der Hess. Handwerkskammer wurde ferner bei der Zu schlagsbildung der Abzug des persönlichen Arbeitsertrags des Inhabers als Arbeitsrente vom gewerblichen Einkommen zu- gebilligt, indessen regierungsseitig auf höchstens 10 000 Mark beschränkt: Betriebe mit einem Ertrag von unter 10 000 Mark sind überhaupt zuschlagsfrei (nicht steuerfrei). In ihrem Gutachten über die Aenderung hatte die Hessische Handwerkskammer U. a. weiter noch empfohlen, die Gemeinden in der willkürlichen Festsetzung der ®e- werbesteuersähe durch Festlegung eines Höchst- ausschlagssahes (ähnlich wie m Preußen), zu beschränken.
Die ülmsatz steuer wird mit Wirkung vorn 1. Januar wahrscheinlich auf 21/» Prozent festgesetzt werden. Die Hessische Handwerkskammer empfiehlt daher allen Handwerkern von diesem Tage ab den Preisberechnungen diesen Steuersatz zugrunde zu legen.
steht, hat sie Einfluß auf den Richtersprach. Wir üftrjfeben jetzt deutlich die Entwicklung: la lernb unb argwöhnisch wegen der drohenden Gefahr gibt der Mann eine Antwort, vielleicht eine nichtssagende Antwort, ausweichend, verschleiert durch unbestimmte Worte und Dialektausdrücke, einigermaßen in der Luft schwebend unb nebelhaft Aber in der unvermeidlichen Entwicklungsreihe hat dieser Nebel Gestalt angenommen und liegt nun allf dem Gerichtstisch als unbarmherzig feststehende Tatsache. Obgleich es etwas sonderbar klingt, kann man diese Entwicklung mit dem bekannten Gesellschaftsspiel vergleichen, wobei man seinen Nachbar rasch ein Wort ins Ohr flüstert, das von Mund zu Mund ebenso weiter- gegeben wird. Das Wort heißt zum Beispiel zu Anfang „Kirchenschlüssel" und erreicht das Ende ber Reihe als „Kriegserklärung".
„Wir brauchen darum kein Gewicht aus die Erklärungen zu legen, in die unser Mann sein Geständnis gehülll hat," fuhr T. fort. „In dem Augenblick, wo man beginnt, das Geständnis selbst anzuzweifeln, verlieren auch alle Erklärungen ihren Wert. Das einzige, womit wir uns also zu befassen haben, ist dieses Geständnis selbst und der Grund, warum es abgelegt worden ist. Wir können da zu der Taktik 'übergehen, deren stch auch die öffentliche Rechtspflege in diesem Fall bedient hat: Wir heben nur d i e
„Vielleicht war sie nur eine Ausflucht, eine Umgebung der richtigen Antwort, in seiner eigenen Sprache abgegeben, die er in allen Schattierungen beherrscht, in allen doppeldeutigen Ausdrücken, die oftmals dem ausgesprochenen Sah eine andere, tiefere, eine zwiefache Bedeutung geben. Aber schon in dem Augenblick, da die Antwort im Gehirn des Dolmetschers anlangt und von diesem Hirn in eine andere Sprache übertragen wird, geht sic durch einen Filter, wird vereinfacht, bestimmter gefaßt unb dabei sicherlich tn die Richtung gelenkt, die der Dolmetscher ihr geben möchte — zu ungunsten des Angeschuldig. ten. Jedenfalls sind alle die Schattierungen, die ebensogut etwas anderes oder etwas mehr oder weniger bedeuten konnten, weggeblieben Wenn dann der Ueberseher seiner Auffassung der Antwort für den Untersuchungsrichter eine Form gibt, so unterliegt sie wieder einer Vereinfachung. Dabei drückt sich der Ueberseher in seiner Sprache aus, und die Antwort gibt nun vollkommen den Sinn wieder, den er ihr unterlegt. Und nun spielt noch herein, baß der Derhvrsleller ohne dah er deshalb parteiisch 8U s^n braucht, in seinem Streben nach einem klaren juristischen Ausdruck unbewußt die Antwort noch einmal vereinfacht, das heißt, in der Richtung zuspiht, m ber er wünscht, datz die Antwort auf seine Frage ausfallen möchte. In knappen, juristisch anan« fechtbaren Sätzen wird nun diese Antwort ms Protokoll eingetragen, unb allein so, wie sie da
•* Achtung! Neuer Posttarif! Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß gestern ber neue Posttarif mit seinen enormen Verteuerungen in Kraft getreten ist. Ein Dries im Ortsverkehr kostet jetzt 1.25 Mk., im Fernverkehr 2Mk., eine Postkarte im Ortsverkehr 75 Pf., im Fernverkehr 125 Mk., Drucksachenkarten 40 Pf., Ansichtskarten (nur fürtf „Höflichkellsworte") 40 Pf., Druck- achen bis zu 50 Gramm 50 Pf., bis 100 Gramm
1 Mk.. bis 250 Gramm 2 Mk.
* Hessischer Diakonieverein. Man schreibt uns: Abgearbeitete Krankenschwestern wissen heute nicht mehr, wie sie zum Besten ihrer Kranken und Gemeinden sich erholen und wieder Kräfte sammeln sotten, wenn ihre Organisator sie nicht in in Erholungsheim aufnehmen tann. Die Pensionspreise auch der billigsten Gasthöfe übersteigen weit bas Matz ihrer Kasse. Auch der Hessische Diakonieverein hat beschließen müssen, seinen Schwestern ein Erholungsheim zu schaffen. Er wendet sich an die Oefsentlichkeit und bittet um Spenden oder unverzinsliche Darlehen, die sowohl an Pfarrer Lio. Waas, Ober-Ram- stadt, wie an Pfarrer Scriba, Groß-Gerau, wie an Konsistor'.alrat Noack, Darmstadt, Wittmann- straße 22, gezahlt werden können, damit ein in Oberhessen in Aussicht stehendes Grundstück noch zu leidlich "billigem Preise erworben werden kann. Wer die Schwesternkräfte stützt unb arbeitsfrisch erhält, ist einer ber größten Wohltäter am Volte. Es ist bie Üleberzeugung cmsgeiprochen worden, daß viele Spenden, auch größere Stiftungen, zu erwarten sein dürften, wenn bie Öffentlichkeit von dieser Notlage erfährt. Einzelne Hände regen sich schon.
A Eine oberhessische Müller- Versammlung sand am Mittwoch statt. Es wurde eine bettächlliche Erhöhung des MahllohneS festgesetzt. Selbstversorger müssen für einen Zentner Frucht ohne Fuhrwerk 12 bis 15 Mk. bezahlen. Die bisherige Wasser- knappheit ist die Ursache der Erhöhung.
Landkreis Gießen.
gr. Röthges 31. Dez. Am Sonntag vor Weihnachten veranstaltete ber hiesige Männer- gesan gverein im Dereinslvkal bei Gastwirt Dutteron eine Weihnachtsfeier bie einen sehr schönen Verlauf nahm. Zur Aufführung gelangte ein Dolksstück in vier Allen von Otto Böttinger. Die Rollen waren gut verteilt, unb das Stück hinterlieh bei ben äußerst zahlreich erschienenen Zuhörern einen tiefen Einbruch bem nach auhenhin burch ben reichgespendeten Beifall Ausbruck gegeben würbe. Auch bie musikalischen Darbietungen ber Musikkapelle Leilich (Grünberg) fanben ungeteilten Beifall: besonders erwähnenswert ist ein Geigensolo von Kapellmeister Leilich. Als hellere Abwechslung gelangte nvch zur Aufführung: „Eine fibcle Gerichtssitzung" unb eine komische Szene: „Das 2ü» gennefl“. Der Gesangverein brachte unter Leitung seines Dirigenten L. Leilich, einige wohl- gelungene Chore zum Vortrag. — Es ist bedauerlich, baß infolge ber beschränkten Räumlichkeiten bie Feier nur als Familienfeier mit eingefühtten Gästen flaltfinben konnte. Allgemein besteht ber Wunsch, baß bas Theaterstück nochmals zur Ausführung gelangt.
Kreis Schotten.
tiefer in dieses Rätsel eindringe, mutz .ch mir erst klar darüber werden, warum der Mann gestanden hat In jener Nacht zum ersten Dezem- ber mutz etwas in ber Apotheke fror gefall en lein. Das geht deutlich aus Ihrem Briefe hervor.
Aus meinem Briefe?" fragte der Kapitän erstaunt. „Ich habe Sie doch nur gebeten, hierher zu kommen." ~ ___
„Jawohl," erwiderte T. „Aber Sie haben zwei Briefe geschrieben, einen an mich und einen an ben Iustizminister."
. Fünfzehntes Kapitel.
Der Kapitän war sehr erilaunt, als er vernahm, datz Detektiv T. etwas von seinem Brief an den Minister wußte. L
„Das ist richtig," sagte er. .Ich habe einet Brief an den Minister geschrieben, dessen Dache es ist, für bie Menschen einzutreten. Aber ich verstehe nicht, woher Sie bas wessen können.
„Sie vergessen, datz mir bereits das Verhorn- Protokoll mitgeteili worden ist. Ich habe mich also mit ber Polizei schon ins Einvernehmen gesetzt, unb der Minister hatte den Brief ber Polizei übergeben. Ich erkannte gleich Ihre Handschrift, behielt aber das Geheimnis für mich. 3n diesem Briefe haben Sie auf ben ilmflanb aufmerksam gemacht, datz bie beiden Männer am Morgen des ersten Dezember in ber Stadt angelangt teien, und datz sich dadurch ihr Alibi beweisen lass«. Nun gut, durch das Zusammenhalten aller Um- stünde, bie ich Ihnen soeben frorgetragen hab«, bin ich zu dem Schlüsse gelangt, daß bteram Abend des dreißigsten November irgend etwas vorgefallen sein muh, was deni einen Polacken veranlaßt hat, eine Art von Geständnis adzv-
branntenieber; Sachs gedenkt demnächst die Rückfahrt anzutreten. Dies ist insofern zu bedauern, als Sachs dauernd mit Präsident Harding im Briefwechsel stand unb diesen über bie deutschen Verhältnisse unterrichtete.
ck. Gonterskirchen, 31. Dez. Der Bau der K r e i s st r a ß e Gonterskirchen— Freienseen (Teilstrecke Gonterskirchen—Laubacher Wald) schreitet jetzt rüstig vorwärts. Die Planierungsarbeiten sind beendet, und eS wird nun mit dem eigentlichen Dau begonnen. Bereits im Jahre 1914 war die Neuanlage begonnen worden, der Krieg verzögerte bett Weiterbau.
□ Laubach, 31. Dez. Da die hiesige W ass e r l e i t u n g (im Quellengebiet ber Schei-


