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Die Nolle der amerikanischen Befatznugstrnppe».

London, 30. Hot?. (WTB.) Der .Times" zufolge wird die Mitteilung, Dafe die amerika­nische Reg ieruno ihre Besatzungs- truppen aus dem Rheinlande noch nicht z u - rückziehen Jonne, in Verbindung mit den aus Paris gemeldeten Planen über das Ruhr­gebiet gebracht, die jedoch von der französischen Botschaft in Washington offiziell deme nt iert roerDen.

Clemeneeau ans Reifen.

Paris. 30. Rov. (WTB.) Rach einer Ha- vasmelduna bestellte Clemenceau auf dem Dampfer .Paris", der am 12. Dezember von Reu- york nach Le Havre abgeht, eine Kabine.

Nitti Nobelpreisträger.

'Berlin 1. Dez. Die .Boss. Ztg." meldet aus Rom^ daß demSecolo" zufolge der R o b e l- preisfurden Frieden dem ehemaligen Mi­nisterpräsidenten R i t t i zugesprvchen worden sei. Wie das Blatt schreibt, dürfte das Werk Rittis .Das friedlose Europa" die Verleihung des Robel- preises an Ritti veranlagt haben.

Russische Flieger ans rumänischem Gebiet mißhandelt.

Moskau., 29. Rod. (WTB.) Rach einer Mitteilung der russischen Telegraphenagentur ge­rieten anfangs Juni der Kommandeur der Flie- gerabteilung P o l a j e w und ein anderer Flieger auf einem Fluge in der Rich.ung nach der Stadt Perwomajsk, da sie die Orientierung verloren, nach Bessarabien hinein. Als sie den Irr­tum bemerkten unb zu wenden beabsichtigten, versagte die Maschine und sie muhten landen. Sie steckten das Flugzeug in Brand und entfernten sich. Von Soldaten aufgegriffen, wurden sie nach Kischinew gebracht, bei den Verhören schwer mißhandelt und spater in einem Lager in­terniert.

Rach der Darstellung rumänischer offizieller Kreise hätten die Flieger ag­gressive Absichten und Propagandaziele verfolgt. Offizielle Radiomeldungen der rumänischen Re­gierung stellten den Vorfall als einen Vertrags­bruch der Sowjetregierung gegenüber des auf der Konferenz von Genua zustandegekommenen Ab­kommens dar. Auf das Verlangen des ukrai­nischen Volkskommissariats für auswärtige An- aelogenheiten, die Flieger freizulassen, antwortete Minister D u c a, daß er in dem älnglücksoll der Flieger die Tatsache eines Lleberfalls aus rumä­nisches Gebiet erblicke und dah die Internierung der Flieger erforderlich gewesen sei. Die Be­hauptung schwerer Misthandlungen wies Duca zurück. Die rumänische Regierung sei bereit, die russischen Flieger gegen die in Rußland zurück- gehaltenen rumanisc^n Staatsangehörigen aus- zutaufchL'n.

Am 19. Rodember sandten nun die russische und die ukrainische Regierung eine Rotean die rumänische Regierung, in der sie unter nochmaliger Darstellung des Sachverhalts betonen, dah die beiden russischen Flieger, die nur durch höhere Gewalt gezwungen in Bessarabien gelandet seien, kein Verbrechen begangen hätten und des­halb sofort, ohne Austausch gegen rumä­nische Gefangene, freigelassen werden mühten. Die beiden Regierungen protestieren ferner gegen die Mißhandlungen. deren Opfer die Flieger geworden seien, und verlangen strengste Bestrafung der hier­für verantwortlicyen Personen. Die Rote ist von Tschitscherin und Rakowski unterzeichnet T --

t Aus dem Reiche.

Empfange beim Reichskanzler.

Berlin, 30. Rov. (WTB.) Der Reichskanzler hat gestern den groh- britannischen und den italienischen Botschafter sowie den englischen RechtS- aelehrten Sir Thomas Barclay, uHd heute den spanischen Bot sch aste r, den DolkSkommissar der Sowjetrepublik Tschit­scherin, sowie den amerikanischen Senator Mac Cormick empfangen.

Hessisches Landestheater.

Strindbergs:Karl XII.

Erstausführung.

Wenn mit Recht von den Berliner Bühnen aesagt wird, dah die Reuinszenierungen im Zeichen der Regie stehen, so gilt das auch für die bedeu- tenden Bühnen im Deich. Von diesen steht im Vordergründe des In'errsses, wenn auch stark umstritten, die Darmstädter Bühne unter Gustav Hartung. Es darf aber wohl einmal gesagt werden: die vielgeschmähte .Provinz" ist hier w e in manchem anderen Berlin um ein Stück voraus. Wer die Reimann-Inszenierung derNosbeth" im Schauspielhaus und die Darmstädter Auffüh­rungSfari XII. sehen konnte, wird das bestätigen. Gustav Hartung, der seine Tätigkeit in Darm­stadt ebenfalls mit der überragenden Herrschaft der Regie begann, ist heute einen Schritt weiter, und zwar einen bedeutsamen. »Karl XII." erwies, dah auch für Gustav Hartung die Regie nicht mehr das allein herrschende ist. In seltenem Gleichllang war hier die Regie, Die Inszenierung und die Darstellung zu einem Dühnenwerk von imponierender Gröhe, zu einer künstlerischen Tat von gröhter Bedeutung geeint. Selten wohl ist die gesamte Äritil mit dem verstehenden Publikum so einig wie in diesem Urteil. Zur Gestaltung der Bühnenbilder hatte sich Gustav Hartung den jetzt in Berlin tätigen T. C. Pilartz außgeliehen, der den Intensionen seiner bühnenkünstlerischen Eigenart am besten zu folgen versteht.

Strindbergs balliges SchauspielStart XII. ist bekanntlich nicht ein umfassendes abgeschlossenes Drama, es gibt vielmehr nur eine Charakterisie- runa des grohen Schwedenkönigs von dem Augen­blick an, da die Riederlage von Poltawa das Ende seiner Europa beherrschenden Laufbahn beginnen lieh. Für Strindberg istKarl XII." nicht nur der Held, auch nicht nur der Weiber Hasser, sondern eine ins Gigan­tische gesteigerte mystische Persönlichkeit. Wie Strindberg es verstand, diese mystische Figur zu zeich . LN, oh re sie allem Menschlichen zu ent; remde-r, so wußte Gustav Hartung die Gesamtaufführung so zu gestalten, dah der überragende Kriegsheld tm Vordergrund stand, dah aber daneben der an sich einsame Mensch in allen Schwächen und Stär­ken lebendig und überzeugend ward. Gleichwie auch bi Regie und Darstellung m einem Ginfühlen in

Forderungen des Larrdvmrdes.

Der l i n, 30. Rov. (Priv.-Tel.) Der Reichs- l a n d bu n d hat an den Reichsernährungs» Minister eine Reihe von Forderungen ge­richtet. So verlangt Der Bund die sofortige Ern- berufung des Zwanziger-Ausschusses, um für das dritte Sechstel Getreideumlage einen Preis zu bestimmen, der den tatsächlichen Verhält­nissen entspreche. Der Reichslandbund betont schliehlich, dah nur die volle wirtschaftliche Frei­heit und die dadurch herbeigeführte Freiheit der Preisgestaltung die Ernährung des deutschen Volkes aus eigener Scholle stcherstelleir könne.

Der bayerische Landtag gegen den Wacher.

München, 30. Rod. (WTB.) Der Wirt­schaftsausschuh des bayerischen Landtags hat folgenden Antrag angenommen: Die Staatsregierung wird neuerdings aufgefor­dert, der Verlängerung einheimischer Vorräte durch selbstsüchtige Warenzurückhal­tung und Verschiebung mit Rachdruck ent- geaenzuwirken und ferner der unberechtigten Aus­fuhr in gewinnsüchtiger Absicht mit schärfster Strenge entgegenzuwirken, auch durch Anwendung der Zuchthausstrafe und Vermögensentziehung.

Arrs dem besetzten Gebiet.

Ei« französisches Krregsgerichlsurlell.

Wiesbaden, 30. Rov. (Wolff.) Das französische Kriegsgericht hat, wie die Blätter berichten, die drei Inhaber der hiesigen Arndt-Buchhandlung zu je einem Jahr Gefängnis und 10 000 Mark Geld­strafe verurteilt, weil bei ihnen Broschüren und Bücher beschlagnahmt worden waren, die nach der Anklage die Sicherheit der Besat­zungstruppen gefährden und deren Ansehen herabsetzen. Einer der Derurteilten ist Vor­sitzender des Deutschvölkischen Schutz- und TruhbundeS.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 1. Dezember 1922.

Erne eindrucksvolle Ehrung der Rhöu-Segelfliegcr.

Sin Aufhorchen der ganzen Welt, starke Ver­blüffung namenllich bei unseren Feinden im Westen das war wohl die grotzte Anerkenn tng, die unsere deutschen Segelflieger durch ihre hervorragenden Leistungen im September in der Rhön sich erzwungen hatten. Rimmermüde Tatkraft, kühner Wagemut, freudige Hingabe an eine große Sache beseelt diese Männer, auf die wir stolz sein können. Steckt ihre Arbeit auch noch sehr in den Anfängen, fo haben wir doch allen Anlaß, mit Freude und Zuversicht das große Werk zu versorgen undzu unterstützen, dem diese wackere Schar Dient

An der wohlverdienten Ehrung dieser Pio­niere wollte und konnte man es auch in Gießen, dem Sitze der Landesuniversität, nicht fehlen lassen: sind es doch rtamenllich auch hessische Flie­ger, die sich um die Sache des Se^lfluges hohe Verdienste erworben haben. Dieser Ehrung Diente eine Veranstaltung, zu der der Gießener Verein für Luftfahrt zu gestern abend in die Reue Aula ber Untoerfität geladen hatte, und zu der ein so zahlreiches Publikum erschienen, daß die Aula bis aus den letzten Platz gefüllt war.

Der Rektor der Universität, Prof. Dr. Eger, beglückwünschte als erster die Vertreter der Darmstädter akademischen Flieger­gruppe zu den hervorragenden Erfolgen ihrer Gruppe. Er führte in seiner Rede u. a. aus: Es ist uns eine große Freude, Vertreter unserer Darm­städter Schwester Hochschule hier begrüßen zu können. Mit frohem Staunen haben wir von den großartigen Leistungen gehört, die der Rhön- Segelflugwettbewerb im äeptember gezeitigt hat Die ganze Well hat ihr Auge daraus gelenkt. Besondere Freude und Stolz empfinden wir dar­über, daß auh Angehörige unserer Darmstädter Schwesterhvchschule in so ganz hervorragendem Maße an den Erfolgen beteiligt gewesen sind. Die Bewunderung dafür wächst mehr und mehr, je

Strindbergs Wollen die Charakterisierung der übrigen handelnden Personen scharf abgegrenzt wurde. Um nur eine herauszugreifen: Mit Recht verzichtet Hartung darauf, den bedeutenden Swe­denborg, der in Strindbergs Dichtung nicht eine feiner Bedeutung entsprechende Verlebendigung findet, mehr als der Dichter es wollte, in den Vordergrund zu stellen. Gleichwie auch der Görtz eine Charakterisierung fand, die wohl nicht seiner historischen Rolle entsprach, in Den Rahmen zur Dichtung aber nicht anders sein durfte. So stellte die Regie jeden Darsteller in Die Beleuchtung (in des Wortes zwiefacher Bedeutung), die allein es ermöglichte, aus der zerrissenen und in den ein­zeln en Akten in Der Bühnenwirkung ungleichen Dichtung ein scharf umriffened, in sich geschlossenes Drama xu gestalten. Die Bühnenbilder waren ent- sprechend Dem Rahmen des Ganzen mystisch und phantastisch in Form und Farbe, dabei jedoch von scharfer Charakterisierung der gewaltigen Hand­lung. Die Darsteller, durch vielfarbige Lichtkegel aus verschwimmendem Dunkel gehoben wuchsen zu Menschen wie aus anderen Welten, ohne dadurch die Glaubhaftigkeit des Wirklichen zu beeinträch­tigen. Bizarre Hintergründe durch Projektion auf den Rundhorizont geworfen, charakterisierten Die Seeküste, Gewittersturm, Parkszenen und schauern­des Dunkel der Feldschlachtnacht. Aus dem Dunkel des tiefen Orchesterraumes schlichen und stürmten Gestalten in Die Szene und verschwanden wieder tm Dunkel. So umrahmten Bild«: von bizarrer Schönheit die Handlung und so ward auch der dramatisch schwäche letzte Akt zu einem erschüttern­den Finis.

Die künstlerische Vollendung der Ausführung wäre unmölgich gewesen, wenn, in der Darstel­lung der Titelrolle Fritz Falk nicht zur Ver­fügung gestanden hälle. Der Künstler war in Maske, Sprache und Darstellung schlechthin meisterhaft. Es liegt an Strindberg, wenn Die zahl­reichen übrigen Darsteller Hinter Dem Träger der Titelrolle stark zurücktreten. Doch war hier jeder an seinem Platze.

Das Publikum war nach Verwindung des ersten erschütternden Eindrucks begeistert und rief die Darsteller, sowie Hartung und Plllartz zahl­reiche Male vor die Rampe.

Max Streese.

mehr man hört mit welchen Schwierigkeiten Sie (zu Den Darmstädter Gasten gewandt) kämpfen müssen, mll welchem eisernen Fleiß Sie trotzdem Ihrer Arbeit nachgehen, und welcher kühne Wagemut Sie beseelt. Hier glauben wir den leisen und zarten Flügrlsch'ag einer be seren Zu­kunft zu vernehmen. Der Wiederkehr einer Zeit wo Deutschstrnd draußen in der Well wieder in Ehren genannt werden wird. Diese Erfolge sind ein Zeichen für uns, dah wir die Hoffnung hegen können, daß auch Deutsch'.ands Weg wieder in Der Höhe und in der freien Luft enden wird. Welche praktischen Resultate Sie noch erzielen können, darüber zu sprechen überlasse ich Den Berufenen. Das aber haben wir erkannt, daß Ihre Taten Leistungen sind, die Die schlummernden Kräfte in unserem Volke zutage treten lallen, Die uns zum Wiederauf flieg führen werden. Deutsche Wissenschaft und deutsche Technik haben Großes getestet Die Theorie vermag ohne die ganzen Menschen Der T a t nur Kleines zu schaffen. Erst wenn Männer mit ihrer ganzen Person sich in Den Dienst der großen Sache stellen, kann Großes ge­schehen. Solche Männer haben sich namenllich in unserer akademischen Jugend gefunden. Wer die akademische Jugend kennt, ist dadurch nicht über­rascht. Wir, Die wir unsere akademische Jugend kennen, wissen, daß sie noch nicht vom Materialis­mus zerfressen ist, daß nicht das Wort von ihr gilt:Wenig Arbeit und viel Geld": daß es von Ihr vielmehr heißt: Schassen, schaffen, schaffen, daß sie auch Der kosten Bude noch von ^>hem Idealismus beseest ist. Als Vertreter dieser hoch­gemuten Hugend, auf die wir unser Hoffen in Deutschland setzen, begrüße ich (zu den Gästen ge­wandt) Sie. Mögen Sie dazu helfen, daß Deutsch­land wieder Den Weg zur Höhe gehen wird. Ich beglückwünsche Sie uno wünsche, daß Sie noch mehr Erfolge ernten, zur Ehre Ihrer Gruppe, zur Ehre des Hessenlandes und zur Ehre des deutschen Ramens.

Rach dieser Ansprache, die mehrfach von Bei­fall begleitet war und namenllich am Schlüsse mit starkem Deifall ausgezeichnet wurde, sprach Stu­diosus Finger, Vorsitzender des Asta, der u. a. sagte: Es muß laut hinausgerufen werden: Cs handelt sich hier um Taten! Das ist ein gutes deutsches Wort. Wenn Taten vollbracht werden sollen, verlangen sie aber Voraussetzungen. Diese sind frisch-fre-udiger Iugendmut, überzeugtes Wollen, hingebender Opfermut. Stolz können Sie (zu Den Gästen) und mit I^nen das deutsche Volk fein. Llns allen mu6 Die Sveuöe ins Herz ein- Liehen, daß des deutschen Lebens Baum zum ersten Male nach so langer Zeit wieder ein tzrünes Reis getrieben hat. Ihre Tat wächst über Sie hinaus und wird rum Symbol. Trotz Der Fesseln des Versailles Vertrages haben Sie alle SchwierAkeiten überwunden unD sind Sieger in diesem Kampfe geblieben. Möge jeder Deutsche diese Tatsache erkennen und fühlen, dah der tiefe Gedanke, der daraus zu uns spricht, der einzig unserem armen Vaterlaick)e Gesundung Dringen kann, nur Der ist: die Tat, die uns jcietec emporführt und das deutsch: Volk wieder groß mach:. Ans erwächst die hohe Pf sicht, die Er­kenntnis wckh. zu mrchrn, DaTj reu: durch die Tat die Wiederaufrtch^ung des deutsches Dolles möglich ist. Im Rainen der Studentenschaft heiße ich Sie in Gießen herzlich willkommen.

Starker Q^ifall zeichnete auch diese trefflichen Worte c-s. Danach sprach Geh. Rot Prof. Dr. König für den Verein für Luftfahrt kurZe, herzliche Wort? der Begrüßung an die Gäste, Denen er Worte des Stolzes auf die Erfolge der Darmstädter Gruppe hinzugesellte.

Herr slud. ing. Botsch - Darmstadt dankte so­dann in kurzen schlichten Worten für die Fülle Der Ehrungen, die seiner Gruppe auch, hier in Gießen zuteil wurde. Sein Dank llang aus in dem schönen Satze:Möge es uns gelingen, im nächsten Jahre ein gutes Stück weiter zu kommen zum Heile un­seres Vaterlandes". Hierauf wandte er sich seinem Vorträgelieber die Rhönsegelflüge" zu, der den Zuhörern einen auherordenllich fesselnden Einblick in die mühereiche, aber auch vpferfrohe Tätigkeit der Darmstädter Flieger gab. Man sah an Hand von Lichtbildern die Entstehung der einzelnen Flugzeugteile, bemerkte die Flieger bei ihrer Sätigteit auf der Wasserkuppe und manche heitere Episode aus dem Lagerleben dort oben, die der Vortragende mit schlichtem

Eine Ibsen-Erinnerung.

Die (gestalt Henrll Ibsens tritt immer mehr in jene geschichtliche Ferne, Die der Ruhm eines Klasiikers gewährt, und so ist es von hoher Wichtigkeit, daß die Erinnerungen solcher, Die ihn noch persönlich gekannt haben, uns aufbewahrt werden. Einen interessanten Beitrag zur Kenntnis seines Wesens liefert die Gattin des großen Phi­losophen Wilhelm Dilthey, Katharina Dilt- hcv, inWestermanns Monatsheften". Sie weilte mit ihrem Mann in Gossensah am Brenner und wohnte mit Ibsen in demselben Hotel. Man lernte sich fermen und war öfters zusammen. Ibsen war schweigsam," erzählt Frau Dilthey. Man weiß, daß er oft ganze Aberll^ nicht sprach. Aber wenn ein Gegenstand ihn tackte, konnte er plötzlich in längerer Rede seine (Meinung darlegen nicht leidenschaftlich und erregt, aber doch eindringlich, um ebenso plötzlich wieher in tiefes Schweigen zu verfallen, doch stets von Auf­merksamkeit und wacher Beobachtung für alles, was um ihn geschah und gesprochen wurde. Die Gespräche drehten sich im wesentlichen um Litera­tur, in besonderem Maße beschäftigte ihn die französische. Bei politischen Gesprächen trat immer stark seine Abneigung gegen ten Staat hervor, vor allem gegen dessen schädliche Wirkung auf die Individualität des Menschen durch seinen alles uniformierenden Einfluß. Da fand er denn frei­lich in meinem Mann, Professor Wilhelm Dilt- heh, dem Schüler Rankes, einen scharfen Gegner. Zwei Weltanschauungen, die Deß Dichters und des Phllosophen und Historikers, die sich sonst so vielfach berühren, standen sich hier schroff gegenüber und zogen sich doch auch wieder gegen­seitig an. Mir aber wurde bei diesen Dis­kussionen manche Gestalt in den Dichtungen Ibsens erst völlig klar, und ich lernte ihn dadurch tiefer verstehen. Später habe ich wohl bedauert, diese Gespräche nicht immer gleich nachher aufgeschrie­ben zu haben. Frau Ibsen, die mir stets als die wahre, ganz für ihren Mann passende ßebenS- gefährtin erschien obwohl sie, völlig entgegen- geseht den Frauen seiner Dichtungen, fest auf der Erde stand und hausmütterlich für ihn sorgte, war wie ich selbst, bei diesen Gesprächen immer nur Zuhörerin, auch wenn sie sich, was nicht selten vorkam, bis in den späten Abend ausdehnten."

Bekannte Dilthehs feierten damals in Gossen- saß eine Hochzeit, und zwar hatte die Braut erst

Humor zum besten gab, brachte Kunde von echter deutscher Kameradschaft in der Gruppe und lieh die Herzen der Hörer für diese vorbildliche Jugend noch wärmer schlagen. Die Vorführung zahlreicher Bilder im Film, die die verschiedensten Flug­leistungen zeigten, bildete Den Schluß der inter­essanten Darlegungen des Redners. Auf Grund ihrer bisherigen Resultate glaubt die Darmstädter Fliegergruppe an noch schönere Erfolge im näch­sten Jahre, denen zuzustreben ihr eifrigstes Be­mühen sein wird.

Sckh. Rat Prof. Dr. König sprach Den Darmstädter Herren im Ramen des Gießener Vereins für Luftfahrt Dank aus und appel­lierte in eindringlichen Worten an die Zuhörer­schaft, dafür zu sorgen, daß das große Werk der Rhönsegelflieger auch materiell nach besten Kräften gefördert werde. Je reicher Die Zuwendung von Geldmitteln fei, desto mehr werde die Arbeit der Flieger, die im Interesse unseres Vaterlandes geleistet werde, erleichtert und ge­fördert!

Geleitet von diesem ernsten MaHnwvrl gingen Die Zuhörer auseinander in Dem Bewußtsein, hier einen Blick auf ein gutes Werk getan zu haben. Möge aus dem Eindruck Der gestrigen Veranstaltung dem Werke auch aus Gießen reiche Förderung zuteil werden!

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Vornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadttheater, 7 Ahr:Wallensteins Tod." Hörsal des Physikalischen Instituts, 8 Ahr: Lichtbildervortrag des V.H. C. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Das Weib des Pharao."

Einen Lichtbildervvrtrag hält der B. 5). C. heute abend 8 Mr im Phy­sikalischen Institut ab. Näheres ist aus dem Anzeigenteil zu ersehen.

Wettervoraussage

Wollig, zeitweise Niederschlage, mild, west» liche Winde.

Der neue TiefauSläuser ist schnell näher ge> zogen und liegt heute über der Nordsee. Sein Einfluß wird auch morgen noch geltend sein.

C. 11. Von der Landesuniversltat. Dr. Phil. Julius Lewy, der sich für das Fach der semitischen Philologie an unserer Uninerfität zu habilitieren wünscht, wird morgen, Samstag, Den 2. Dezember, mittags 12 Uhr, in Der Kleinen Aula seine öffentliche Probevorlesung halten über das Thema: Grundlagen der Entwicklung Assyriens zur Hauptmacht Mesopotamiens.

** Fest genommen wurde eine Frauens­person aus Ri^er-Ohmen, die verschiedene Dieb­stähle in hiesiger Stadt aus geführt hatte. Weiter konnte ein steckbrieflich gesuchter Dieb in Sicher­heit gebracht werden.

** Gest ohlen wurde aus einem unbewohn­ten Gebäude von einer Wascheinrichtung zwei Messingspindeln, etwa 25 Ztm. lang und 10 bis 12 Ztm Durchmesser, nebst zwei Schieberkasten aus Gußeisen.

** Abschiedsfeier beim Landge­richt. Gestern vormittag versammelten sich auf der Kai^lei des Landgerichts sämlliche Beamter der Gerichtsschreiberei und Kanzlei des Landge­richts zu einer schlichten Abschiedsseier für Den in den Ruhestand tretenden Oberassistenten I o - sef Geck. Der Herr Landgerichtspräsident hob in kurzen Worten die hohe Gewissenhaftigkeit und Dienstfreudigteit des Scheidenden hervor und wünschte ihm, daß er seine weiteren Lebenstage in Ruhe und Gesundheit verleben möge. Don feiten der Beamten wurden dem scheidenden Kol­legen Atoei hübsche Blumenkörbe überreicht. S)err Geck dankte in bewegten Worten für die ihm er­wiesene Ehrung.

** Das Fest Der goldenen Hvchzrit feiern am nächsten Sonntag 3. Dezember, der Wiegemeister i. R. Wilhelm Wittich und Frau Emma geb. Dönsel.

Heutiger Staub des Dollars

10 Llhr vormittags:

Berlin Z600, Frankfurt a. M. 76507700.

nach langem Widerstand ihres Vaters die Ver­mählung mit ihrem Erwählten, einem österreiM- sch^n Offizier, durchgesetzt. Da zwei männliche Trauzeugen fehlten, wurden Dilthey und Ibsen dazu gebeten. Am Vorabend der Trauung flocht Frau Dilthey den Hochzeitskranz, und die Gesell­schaft war in fröhlicher Stimmung.Ibsen aber neben, mir wurde stiller und nachdenklicher, blickte sinnend auf den Brautkranz und fragte Plötzlich mit gedämpfter Stimme:Warum nur diese Hei­terkeit?"Aber, 's ist doch heute Polterabend und morgen Hochzeit, wie sollte man da nicht fröhlich fein? antwortete ich ihm.3m Gegenteil," war seine Antwort,ich meine, bei Hochzeiten sollte man weinen und bei Begräbnissen sollte man sich freuen. Die Blüten sanken mir aus Den Händen, und ich mußte mich einen Augenblick zusammen- nehmen, um mir die Stimmung zu wahren, so schwer legte sich mir bei diesen Worten eine angst­volle Ahnung auf die Seele. Niemand außer mir hatte diese Worte vernommen, aber sie prägten sich mir ein. älnd ach wie oft habe ich spater an sie denken müssen, und wie wahr hat in diesem Fall der Dichtermund gesprochen. Denn ein schwe­res Geschick sollte diesem jungen schönen Glück bald ein Ende setzen." Bei der Trauungerschien Ibsen, in Frack und Zylinder, geschmückt mit allen Orden des In- und Auslandes. Als ich ihn andern Tags fragte, wie er denn so schnell zu diesen Dingen gekommen sei, antwortete er mir, daß er sie stets auf Reisen mit sich führe, weil man nie wissen könne, ob man sie nicht einmal nötig habe. Man hatte Ibsen gebeten, beim Hochzeitsmahl die Rede auf das Brautpaar zu halten. Doch er hatte sich energisch Dagegen verwahrt, er habe nie eine Tischrede gehalten und könne es auch nicht." Während des Festes wurde ein dringendes Telegramm abgegeben, das an Ibsen gerichtet war.Zwei vollgeschriebene Blät­ter! Schweigend reichte er sie mir, die ich neben ihm sah, nachdem er sie gelesen hatte.Aus Ber­lin. Freie Bühne. Soeben glarrzender Erfolg IhrerGespenster". Heil Dem großen Dlchwr des Nordens!" und andere begeisterte Worte. UnD bann folgten wohl an hundert, zum Teil erlesene Namen. Heber die Züge des großen DichderS aber ging em stiller Glanz, ein Leuchten und Sich- freuen, wie ich's auf diesem ernsten Antlitz nicht wieder gesehen habe. Bekanntlich hatte Ibsen gerade mit der Ausführung dieses Stückes große Schwierigkeiten."