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Der russische Wiederaufbauplan.

Haag, 30. Juni. (WTB.) Haager Korr.-- Bureau. 3n der heutigen Sitzung der Anter- kommission für Kredite hat Litwinow den Plan der Svwjetregierung zum Wieberauftau Rußlands entwicielt. Nach diesem Plan braucht Rußland Kredite in einem Betrage von 3 2 2 4 000 000 G old - rubel, nämlich 1050 Millionen für Trans­portkredite, 924 Millionen für landwirtschaft­liche Kredite, 750 Millionen für Ondustrie- kredite und 500 Millionen für Handels- unb Bankkredite. In seiner Motivierung sagte Lit­winow, daß der Plan nur den drinArchsten Bedürfnissen Rußlands entspreche, und dies während einer dreijährigen Periode vom Januar 1923 bis zum Januar 1926. Der fran­zösische, belgische und englische Sachverstän­dige haben daraufhin weitere Auskünfte und die Mitteilung von Einzelheiten verlangt.

Die Krankheit Lenins.

Paris, 30. Juni. (Wolff.) DieTimes" meldet aus Riga, daß der deutsche Spezialist Dr. Förster die Krankheit Lenins als Tabes dorsualis festgestellt hat.

Der Berliner Zeitrurgsstreik.

Berlin, l.Iuli. Ein großer Teil der Berliner Mvrgenzeitungen ist wegen eines Streiks der Rotativnsmaschinenmei- ster nicht erschienen. Wie derVorwärts" mitteilt, werden heute die Buchdrucker zu dem Streik Stellung nehmen.

eurer Meldung veZ"Vorwärts" wurden tn Osnabrück der Fabrikant Froenbling, Der Fabrikbirektor Paul Meyer und der Deutschnationale .Parteisekretär Landwehr wegen Beihilfe cm der Ermordung Erzbergers verhaftet.

B e rlin, 30. Zuni. (WTB.) Amtlich. Au­ßer nach anderen deutschen Städten haben die Ermittelungen der Berliner politischen Polizei auch nach Schwerin geführt. Dort ist durch Berliner Beamte der Sekretär des Deutschvolli fchen Schuh- und Trutzbundes vom Bezirk Meck­lenburg, Erich Bade, sowie der ebenfalls im Sekretariat des Deutschvölkischen Schuh- und Trutzbundes tätige Angestellte Christian Ilse- mann, ein früherer Seekadett, festgenommen worden. Bade unb Ilsemann wurden am Tage vor der Mordtat von den Mördern, die zu einer angeblichenProbefahrt" von Berlin nach Schwe­rin gefahren waren, besucht. Bei diesemBe­such" hat Ilsemann den Mördern die Maschinen- bistvle übergeben, die am Tage darauf zur Er­mordung des Ministers Rathenau benutzt wurde.

Paris, 1. Juli. (WTB.) HavaS meldet aus Aeuyork durch Funkspruch, die Regierung in Ber­lin von der amerikanischen Polizei verlangt, sie möge den etnlaufenden Schiffen große Auf­merksamkeit schenken, um die Mitschuldigen an der Verschwörung, die zu dem Mord an Rathenau geführt hat, für den Fall zu verhaften, daß sie sich nach den Bereinigten Staaten begeben würden. Die Reuhorker Sicher­heitspolizei habe auf dem Passagierdampfer Präsident Tast" einen gewissen Max Petersen verhaft eck, der an Bord des Schiffes gekommen sei, ohne daß der Kapitän da­von gewußt hätte Die Offiziere des Schiffes hätten erklärt, Petersen habe ihnen nicht verheim­licht, daß er der Brigade Ehrhardt an'gehore und über alles unterrichtet fei, was den Mord an Rathenau betreffe. Er fürchte sich, nach Deutsch­land zurückzukehren, weil er dann zum Tode ver­urteilt würde.

Eine Schietzerei zwischen Deutschen und Franzosen in Hindenburg.

Oppeln, 30. Juni. (WTB.) 3n Hinden­burg fanden gestern abend innerhalb der Stadt zwischen 6 und 8 cklhr heftige Schießereien zwischen Franzosen und Deutschen statt. Rach den bisherigen Meldungen sind auf deut­scher Seite 17 Tote, darunter auch Frauen und Kinder, zu verzeichnen, außerdem 17 Ver­wundete, darunter einige sehr schwer. Unter den Verwundeten befinden sich zwei'deutsche Kranken­schwestern, die den Versuch machten, den Ver­letzten zu helfen. Rqch den vorliegenden Meldungen schossen die französischen Truppen blindlings in die Menge hinein. Soweft bisher bekannt ist, hat es auf französischer Seite einen Toten und drei Verwundete gegeben.

Aus den deutsch bleibenden Teilen Ober­schlesiens, die zurzeit noch der Regierungsgewalt der interalliierten Kommission unterstehen, ins­besondere aus Rieborowitz, werden Vorstöße und .Alkgriffe polnischer Banden gemeldet, die aus von den Polen besetzten Gebiet gekommen

Deutsche Fragen im englischen Unterhaus.

London, 29. Juni. (Wolff.) 3m Unter» HauS erklärte Stanley auf eine Anfrage, 'Deutschland dürfe gewiß gemäß der Dou- fcmgner Rote vom Juni 1920 eine Polizei- nn a ch t von insgesamt 150 000 Mann unterhalten. Die interalliierte Kontrollkommission habe nicht gemeldet, dalh diese 3<ibl augenblicklich über­schritten sei. Die deutschen Vorschläge für die Reorganisation der Polizeimacht würden gegen* IwärtiH von der Kontrollkommission geprüft. Stan­ley teilte dann mit, daß die britischen Desat- zungskosten am Rhein und in Oberschlesien vorn 1. April bis 30. Juni 1922 etwa 600 000 Sterling betrügen. Nachdem Horne Angaben über die Ergebnisse der deutschen Einkommensteuer 1921/1922 gemacht hatte, fragte Wedgwood, ob der britische Botschafter m Berlin Anweisungen evhallen habe, für den Fall einer etwa beabsich­tigten Wiedereinsetzung der Häuser Hohen- z o l l e r n und W i 11 e l s b a ch. Harmswvrth verwies nur auf seine Antwort vom 22. Juni. Kenworthy fragte, ob es nicht einleuchtend sei, daß die jüngsten Ereignisse in Deutschland es für die Republik absolut notwendig machten, eine ausreichende Polizeimacht zu unterhalten, und ob nicht alle dergleichen Fragen nach der Polizei- starke die Rlonarchisten unterstützten. Auf diese Frage erfolgte feine Antwort.

Wettervoraussage

für Sonntag.

Heiter, trocken, wärmer.

Mitteleuropa steht unter dem Eindruck hohen Drucks. Die Wetterlage hat jedoch feine. große Beständigkeit, da sich über Irland und Schott­land ein ftatier Tiefdruckwirbel zeigt, der schon bald seinen Einfluß geltend machen wird.

Arrs Stfrät unb Lernd« Gießen, den l.Iuli 1922. Zum 43. Verdandstag deK Hcfsij'ch- Rafsamschen (Main-Rheingau) Ver­bandes ÄabcSsberger Stenographen.

3m Jahre 1817 fing der Kanzlist Franz Ta6er Gabelsberger in München aus freier Zdee an, sich mit der Ermittlung einer Schnellschrift zu befassen. Er hatte dabei, wie er selbst später tn seinem Lehrbuch sagte, Leine andere Absicht, als die,etwa einem höheren (Staatsbeamten zur Erleichterung seiner Ge­schäfte tn der Art dienstlich zu werden, daß er vermittels solcher Schrift entweder einzelne Elaborate desselben gleich vom Munde weg aufnehmen, oder sich- selbst bei minder be­deutenden Gegenständen nur schnell das We­sentlichste notieren und das übrige bann selbst ausarbeiten könnte." Gabelsberger kannte keine fremben Systeme, sondern schuf etwas Originelles. Bereits im Jahre 1819 konnte er die Verhandlungen der Reichsräte aufnehmen. Er arbeitete Laa und Rächt an seinem Werk, das er immer mehr vervollkommnete. Neunmal verwarf er fern eigenes System, bis er ihm die im großen und ganzen auf den heutigen Lag noch bestehende Gestalt gab. Wie es den meisten genialen Erfindern ging, so hatte auch Gabelsberger viel mit Hngemach und Ncch- rungssorgen, zu kämpfen, ttoydem Derlor er aber nie den Mut und war stets zufrieden. Sin plötzlicher Tod durch Schlaganfall rtef ihn leider allzu früh ab. Sein Werk aber ging sticht unter, sondern es steht heute noch in ungeahnter überragender Größe fest da, denn die Zahl der Anhänger seines Systems wuchs immer mehr. Die Münchener erklärten das Grab Gabelsbergers für unveräußerlich, setzten ihm ein Denkmal und stellten seine Düste in der Ruhmeshalle auf. Millionen von Männern und Frauen in allen Berufs­ständen bietet heute die Kunst Gabelsbergers sichere Lebensstellung und Broterwerb. 3n vielen Städten Deutschlands und in Oester­reich ist das. Gabelsbergersche System amtlich emgeführt. Zn fast allen größeren Orten be=- stehen Stenographenvereine nach Gabelsber­ger, wie auch hier in Gießen schon seit dem Jahre 1861. Am 31. Mai 1897 wurde die

gum 400. Todestag von^Iohannes Reuchlin.

Am 30. Juni d. Z. sind 400 Jahre seit dem Tode eines der bedeutendsten Männer der deutschen Renaissancezeit verstrichen Johannes Reuchlings. Der große Humanist wurde am 23. Februar 1455 in Pforzheim ge­boren. Er studierie in Freiburg und Bafel, wo er 1477 Magister her fielen Künste wurde, spä­ter tn Patts, Orleans und Poitiers. 1848 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er an verschiedenen Orten.als Hochschullehrer, Ad­vokat, auch diplomatisch (so 1486 als Ge­sandter auf dem Reichstag zu Frar^furt)- ttg war. Ilm die Zahrhundertwende wandte er sich mit immer größerem Eifer dem Stu­dium der hebräischen Sprache zu, deren, wissen­schaftliche Erforschung eigentlich erst durch ihn angebahnt worden ist. Zeugnisse dafür sind seine Rudimenta hebraica (1506), ein Wör­terbuch unb eine Grammatik der alttestament- llchen Sprache, ferner eine Untersuchung über Betonung und Rechtschreibung des Heben! - scken, endlich die wichtigen Forschungen über die jüdische Geheimlehre, die sogen. Kabbala. Diese Studien verwickelten Reuchlin 1512 in Len bekannten Streit -mit dem Spitalmeister Johann Pfefferkorn in Köln, der beim Erz­bischof die Konfiskation und Vernichtung aller hebräischen Bücher als schädlich und gottlos durchzufetzen versuchte. Reuchlin trat energisch gegen diese Bestrebungen ein, der Streit setzt? die ganze deutsche Gelehrtenwelt in Bewe­gung; er wurde die Veranlassung zum hef­tigsten Vorstoß der jungen deutschen Huma­nisten gegen die Anhänger der Alten. Da­

mals entstanden die berühmten DunkelmLn- nerbriefe (Epistolae obfeurorum birorum) des Humanisten, Crvtus Rubianus, die das Trei­ben der Kölner satirisch behandelten. Den Prozeß gegen Pfefferkorn verlor Reuchlin in letzter Instanz, seine Verteidigungsschrift, der Augenspiegel, wurde 1520 als ärgerliches, für fromme Christen unstößiges Buch verworfen, und er selbst zu ewigem Stillschweigen ver­dammt. Doch hatte er alles, was in Deutsch­land für Wissenschaft und Fortschritt eintrat, auf feiner Seite. Reuchlin selbst war ein sttl- ler Gelehrter, dessen Leben ganz der wissen­schaftlichen Forschung gewidmet war unb dem die durch fein gelehrtes Wirken hervorgeru- fenen politischen Streitigkeiten höchst zuwider waren. Deshalb stand er auch der Reforma­tion mit großer Zurückhaltung gegenüber, trotzdem einer ihrer bedeutendsten Vorkämp­fer, Pyilipp Melanchthon^ sein Großneffe war. Reuchlin starb am 30. Juni 1522 in Bad Lie­benzell im Schwarzwald. Dr. St.

Der Orient als Heimat unserer Musik­instrumente.

Der Orient, dem wir bewußt oder unbewußt so viele Kulturgegenstände verdanke'.'., Ist auch die Heimat fast aller Musllinftrumenie, die sich in ber vielgestaltigen Well des modernen' Or­chesters zufammenfirrden. Julius Schlaffer hebt diese Tatsache in feinem vortrefflichen soeben bei Anton Schroll in Wien erschienenen Werk Unsere Musikinstrumente. Eine Einführung in ihre Geschichte" hervor. Diese Entlehnung der Mufiklnstrumente aus dem Osten, die etwa im 9. Jahrhundert einsetzt und in den Kreuzzügen anwächst, dauert bis auf den heutigen Tag fort, da unsere Vorliebe für erotische Musik Orchester- Wirkungen des fernsten Ostens verwertet. Bezeich-

Stenographen - Gesellschaft Da- belsbergcr und Damenabieilung in Gießen gegründet, welche nunmehr auf ein

25jährigeS Bestehen

zurückblickt. Ferner besteht hier noch ein Da- menverein Gabelsbeiger. Diese drei Vereine zählen zur Zett zusammen 813 Mitglieder und halten regelmäßig Vnterrichtskurfe in der Sabelsbergerfchen Kurzschrift. ab. Außerdem wird aber auch noch oas System Gabelsberger durch die Schülervereine^an den hiesigen höhe­ren Schulen gepflegt. 3n Hessen und besonders auch hier in Gießen nimmt das Gabelsberger­sche System eine überragende Stellung ein. Die hiesigen Vereine sind sämtlich dem H es- s r s ch - R a s s a u i s ch e n (Main-Rhein­gau) Verband Babelsbergers ch er Stenographen angeschlossen, der in die­sen Tagen hier seinen 43. Verbandstag abhält. Zu einer gewalttgen Heerschau der An­hänger des großen Meisters Gabelsberger wird sich diese Tagung gestalten. Wohl "an die tausend Wettschreiber aus allen Gauen des Verbanbsgebietes werden sich tn fried­lichem Wettkampfe messen. Es sind bereits so viele aus wattige Gäste gemeldet, daß sie nut mit Mühe in unserer Stadt untergebracht werden köynsn. Die Verbandsfragen werden am Samstag behandelt und am Sonntag- morgen findet das Wettschreiben in den Hörsälen der Universität und den Schulräu­men des Realgymnasiums statt. Den Fest- dottrag hält.Herr Regierungsrat Dr. M ü l l er aus Braunschweig um 12 Ahr in der neuen Aula der Universität. Zn Anerkennung der großen Bedeutung ber Stenographie haben die Provinz, der Kreis, die Stadt, die Ge­schäftswelt und viele Bürger namhafte Geld­beträge und Wertgegenstände gestiftet, so daß die auswättigen Gäste würdig empfangen und ben besten Weltschreibern auch noch wertvolle Ehrenpreise verliehen werden können, die im Schaufenster des Tapetenhauses Otto Täu- bert ausgestellt sind. Die Preisvertei­lung findet nachmittags im Phllofophen- wald statt und am Wend ist die Feier des 25jährigen Bestehens der Steno- graphen-Sefellschaft und Samenabteilung in der Turnhalle und im Kaufmännischen Ver­einshaus.

Aus nah und fern sind bereits heute nach- mittag viele Hunderte von Festgästen einge- ttvffen und morgen werden weitere unzählige Teilnehmer schon in den frühen Morgen­stunden nach Gießen strömen. Zhuen' allen gilt unser Willkommengruß I

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** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am- 22. Zuni der Schulamts- cmwärter Otto R a t h e s aus Alsfeld zum Lehrer an der Vvllsschule zu Eifa; am 23. Zuni der Lehrer Adam Stoppelhelm zu Ober-Mossau zum Lehrer an der Volksschule zu Erbach i. O. Ernannt wurden am 26. Zuni 1922 der Er­gänzungsrichter bei der Kammer für Handels­sachen In Darmstadt Herr Direktor Konrad Hesse m Darmstadt zum Handelsrichter bei dieser Kammer, und der Herr Fabrikdirektor Friedrich M a h in Darmstadt zum Ergänzungs- ttchter bei fcer Kammer für Handelssachen in Darmstadt, beide für die Zeit bis zum 31. De­zember 1924. Entlassen wurde am 23. Zuni 1922 der Strafanstaltsoberwachtmeister Zakob M a 11 h e i s an der Zellenstrafanstatt Butzbach aus sein Rachsuchen aus dem Staatsdienste. 3n den Ruhestand versetzt wurde am 7. Zuni der Gendarmeriewachtmeister Georg D l e s s i n g in Sprendlingen, Rheinhessen, auf sein Rach- suchen mit Wirkung vom 1. Oktober 1922 an.

* * Sein 25jähriges Jubiläum als Buchhalter bei der Firma Z. Rothschild hier begeht heute Philipp Brehm.

* * Der letzte diesjährige öffent­liche Zmpftermin wird im heutigen An­zeigenteil bekanntgegeben.

* * 3 n den Wohnungsbauabgabe- b escheiden für die Zeit tont 1. Zanuar bis 31. März 1922 ist irrtümlich nur der vierte Teil der zu zahlenden Abgabe angegeben, während in der Tat die crngeforderten Betrage viermalzuzahlen find, da der Ausschlags- fatz ton 60 Pf. den Ausschlag für das Vierteljahr vom 1. Zanuar bis 31. März 1922 darstellt und nicht für ein ganzes Zahr.

* * (Sin neues Frachtbriefenuster tritt ab l. Zuli in Kraft. Die bisherigen doppel-

nenb ist für diese orientalische Herkunft, daß eins der wichtigsten, Saiteninstrumente, die Laute, in allen europäischen Sprachen eine arabische Bezeichnung trägt; sie hieß ursprünglich Al üd, d. h. Holz. Ein anderer Dettreter der Familie der Griffbretttnstrumente, das nicht mit den Fin­gern gerifsene, sondern mit Klöppeln geschlagene Hackbrett, kommt von dem persisch-arabischen Santür her und spielt in der Geschichte der neueren Musik deshalb eine wichtige Rolle, well es der Vorläufer des 1700 von Chttstofott in Florenz erfunb.nen Hammerklaviers wyrde. Das Hackbrett, das nunmehr einen Tastenmecha­nismus erhielt, ist also der älteste Vorfahr des modernen Klaviers. Die Harfe, eines der urälieften Tonwerkzeuge, war schon im. alten Aegypten ein Hauptinstrument. Vielleicht aber sind es doch nicht die ottentalischen Harfen, die in der Musik des ORittelalters sich einbürgerten, sondern Fortwir­kungen der bodenständigen nordischen Volkskunst, und der Rame ist von dem altnordischen Harpan, d. h. reißen, abzuleiten. Die Streichinrumente dürften die einzigen unter den wichtigen Tonwerk­zeugen der modernen Instrumentalmusik fein, die auf germanischen Arsprung zurückzuführen find, denn es tritt immer klarer zutage, daß das Streichen der Saiteninstrumente eine Eigentüm­lichkeit der nordischen unb östlichen Völler ist, wahrend die mittelländischen Völler des klassischen Attertums in die Geschichte mit dem Zupfen ber Saiteninstrumente ein treten. Dem Orient ver­danken wir aber wieder die Flöte, sowohl die Querflöte wie die Oboe, Mc in der .irakischen Zamr ihren Vorfahren besitzt.

Von but Blasinstrumenten stammt dis zu so hohen Ehren gelangte T r o m p e t e, die zu Dachs Zeiten noch neben Flöte unb Oboe als Kolo­ratursängerin nuftrili, ton dem sarazenischen Blasinstrument her, das sich seit bem 11. Zahr- hundert im Abendland cinbürgcrtc. Sin Ab- kommlung dieser zunächst Dusine genannten sara­zenischen Trompete ist sowohl dem Namen als

fettig bedruckten Frachtbriefe verlieren ihre Gül. ttgteit. Da noch weitere Aenderungen bevor- stehen. empfiehtt es sich, nur auf kurze Zeit den Bedarf zu decken. Heber ein neues Frachtbrief­muster für den Verkehr mit Ostpreußen erteilen die Güterabfertigungen Auskunft.

'* Diebstähte. Aus dem Keller einer hiesigen höheren Schule wurde gestern ein Fahrrad mit unbekannter Marke und Num­mer, schwarzem Rahmenbau, ebensolchen Fel­gen, gelber Satteltafche und Rennfattel im Wette von 3000 Mk. entwendet. Der un­tere Rahmenbau weist eine von einem Bruch herrührende Nietstelle auf. Als Täter kommt ein etwa 20jähriger junge r' Ma nn mit rotblondem Haar und mittleren Größe in Frage, welcher Hellen, braungespren­kelten Anzug mit dunkelgeflicktem Hosenbo­den, und Halbschuhe mit auffallend schiefen Absätzen trug. Während der vergangenen Nacht wurden aus einem in einer hiesigen An­stalt gelegenen Hühnerstall 3 Hühner ge­stohlen und am Tatort abgeschlachtet. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminalpolizeientgegen.

** Lichtspielhaus. Den Anforderungen des Films entsprechend, hat Willi Rath die ergreifende Traumdichtung Gerhatt HauptmannS: Han ne les Himmelfahrt" zu einer glück­lichen Umdichtung verarbeitet. Dieser Film er­bringt den Beweis, daß man von einer FUm- kunst zu sprechen berechtigt ist. Margarethe Schlegel als Darstellerin des Hannele hat es verstanden, die Leiben des armen Mädchens so lebenswahr zum Ausdruck zu bringen, daß jung und alt aufs äußerste erschüttert wird. Der Besuch des Films, ber bis einschließlich Sonntag gespielt tyird, kann warm empfohlen werben.

Virnotizen.

-7- Tageskalender für Sams­tag. Astotta-Lichtspiele, heute und morgen: Tarzan", 1. Teil:Tarzan unter den Affen". Lichtspielhaus, 'Dahnhvfsttaße, heute und morgen:Hanneies Himmelsahtt".

Tageskalenber für Sonntag. LichtspiekhauS, Bahnhofstraße, 11 Uhr:Das neue jüdische Palästina".

Der Feftaktzum43. Stenographeu­tag des Hess.-Rass. (Rlain-Rheingau-)Derban- des Gabelsbergischer Stenographen findet in­folge deS vettpäteten Eingangs des Extrazuges erst um 12 Uhr statt.

Oberhessisch er Kunstverein. Die Kollektivausstellung unseres einheimischen Künstlers W. B a r t h e l, die besonders in den letzten Tagen einen guten Befuch aufzuweifen hatte, ist nur noch morgen, Sonntag, von 11 bis 1 Uhr geöffnet. Auch bic übrigen ausgestellten Kunstwerke werden nächste Woche toeitergefanbt. Don Montag an bleibt die Ausstellung wegen Vorbereitung der Otto Ubbelohde-Gebächtnis- Ausstellung geschlossen. - 3n der Gie­ßener Kunstsammlung im Reuen Schloß werden kommende Woche die seither ausgestell­ten graphischen Arbeiten unb die Rit­gen-Aquarelle ausgewechselt. Die Aus­stellung ist auch morgen, Sonntag, von 11 bis 1 Uhr unentgeltlich geöffnet.

Der FreieHess. Landesverband Kriegsbeschädigter und Hinterblie­bener, Ortsgruppe Gießen, hält am Montag, den 3. Zuli, abends 8 Uhr, im Saale deS Rest. Sauer, Oswalbsgatten, eine öffentlicheVer- sa.mmlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Gegenwärtiger Stand ber Versorgung ber deutschen Kriegsopfer, 2. Das Scheitern ber Eini- gungsverhanb (ungen unter den Kttegsvpferorga» nisationen. Als Redner ist ber GcHchäs tsführer der Gefchästsstelle Fulda,Verbanbssekretär Becker gewonnen.

3m Lichtspielhaus, Bahnhofstraße wird qm Somitag, den 2. Zuli, 11 Uhr torm., ber bereits in Berlin unb anderen Städten Deutschlands mit großem Erfolg torgeführte FilmDas neue jüdische Palästin a, vom Jüdischen RationalsondS E. D. Berlin, auch hier in Gießen vorgeführd Rach dem Urteil der Presse gibt der Film einen ausgezeichneten Ueberblick über das vom jüdischen dlational- sonds in- Palästina Geschaffene. DieVoffIsche Zeitung" schreibt:Was die jüdischen Arbells- pioniere hier leisten, um verödetes Land wieder urbar zu machen, wie sie auf den verschiedensten Gebieten ber Kolonisation sich betätigen, zeigen in abwechselungsreicher Mannig­faltigkeit bte Bilder. Von Jaffa bis Zeru- solem sind allenthalben schon OHufterfarmen in Betrieb genommen, beten erfolgreiche Arbeit zur Mit- und Weiterarbeit ermuntert." (Siehe Anz.)

der Form nach unsere Posaune. Die Zinken, die wohl heute nur noch wenig gebraucht Ser­ben, lassen sich bis in das sassaniblsche Persien zurückverfolgen. Der Einfluß des Orients, der im Mittelalter so bedeutend war, bauert bis in die neueste Zeit fort. Dafür ist eins der merkwürdigsten Beispiele die Entstehung unseres Harmoniums unb verwandter pnftrumente, die auf dem im Orient seit alter Zeit heimischen Prinzip ber freischwingenbenburchschlagenben" Zunge aufgebaut sind. Dieses Prinzip ist bas Kennzeichen der uralten chinesischenMund- orgel" des Seng; sie wurde 1636 von Mersenne in seiner Harmonie universelle alsindianisches -Instrument" abgebildet; später wandte man den Gedanken auf die Orgel an, und 1810 gab er den Anstoß zur @rfinbung des Harmoniums durch den Franzosen Orente. Auch die Mund- unb Ziehharmonika, die 1822 ton Busch­mann erfunben würbe, läßt sich ton bieser chine­sischen Mundorgel Verleiten. Die Schlagin - st tu mente haben sämtlich ihren Weg zu uns aus dem Orient gefunden, denn sie bilden das Hauptelement ber kriegerisch-orgiastischen Zanit- scharenmusik. Das nach Derlioz musikalisch wert­vollste dieser Instrumente, die Orchesterpauke; ist erst spat in unsere Konzertsäle gedrungen. Früher wurden die Kesfelpaufen bekannt und auch die Trommel, die in der türkischen Feldmusik eine so große Rolle spielte, ist sicher eine Orien­talin ebenso wie die uralten Becken. Ihr Ein­tritt ins Orchester tattert schon seit dem Ende des 17. Jahrhunderts; tn Glucks Iphigenie tn TauriS werden sie zur Charakteristik des 'Bar­barentums verwendet. Die letzte in ganz moderne Zeit herabreichendc Einfuhr zeigt sich in dem hitttettndisch-javanischen Gong, dessen echt orien­talische phantastischer Klang seit den Tagen Spon- tibtsj unb Meyerbeers in unferm Orchester er­scheint unb in aüerjüngster Zeit in den wunder lichen 3iffirumentcn bei Zazz-Musik noch weitere Rachfvlger gefunden hat.