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Die Türkei und der Friede.

Paris, 30. April. (WTB.) Aach einer HavaSmeldung aus Konstantinopel hat der Minister für Auswärtige Angelegenheiten gestern den Oberkommissaren der Alliierten die Antwort der Pforte aus den Verrnitt-- lungövorschlag der Alliierten überbracht. Die ^Bedingungen der Alliierten werden in ihrer 'Gesamtheit angenommen. Jedoch behält sich jdie Pforte das Recht vor, über gewisse beson-- idere Fragen zu verhandeln. Nachdem die «Note auf die Notwendigkeit einer raschen Räu- iiming der besetzten Gebiete hingewiesen hat, verklärt sie, es sei leicht zu beweisen, daß die lAbtretung eines Teiles von Ostthrazien iim Widerspruch stehe zu den Grundsätzen, die chie alliierten Mächte angenommen hätten. ^Die Note verlangt ein gerechtes Regiment für die Muselmanen und die Aufrechterhaltung der religiösen jahrhundertealten Autorität !Les Sultans. Sie protestiert gegen die Zu- ierfennung einer Entschädigung an Griechen- lland wegen der den Alliierten geleisteten iDienste, besonders wenn eine solche Entschä­digung auf Kosten der territorialen Integri- ität der Türkei erfolgen sollte. Was den Schutz Iber Minderheiten anbetrifft, so verpflichtet isich die Pforte, alle Rechte und die Ge­wissensfreiheit derselben zu achten. Jedoch dürfe dies nicht in eine Tyrannei gegen die Mehrheit ausarten. Endlich wird gegen den :Plan einer Aeberwachung der Meer­engen durch eine interalliierte Kommission nach einer Entmilitarisierung Widerspruch er­hoben und allen Staaten Freiheit der Schiff­fahrt auf dem Fuße vollkommener Gleichheit versprochen.

Eine deutsche Industrie-Ausstellung in Sowjetruftland.

Moskau, 29. April. (WTB.) Zu dem Plan einer deutschen Industrieaus- stellung in Svwjetruhland wird mit­geteilt: Mit der Organisation der Ausstellung wurden das Volkskommissariat für Außenhan­del und der oberste Volkswirtschaftsrat be­traut. Die Ausstellung soll vom 1. bis 15. Juli dauern. Es sollen nicht nur einzelne Ma­schinen, sondern ganze Komplexe und ganze Einrichtungen ausgestellt werden. Besondere Aufmerksamkeit wird den Maschinen der Großindustrie gewidmet sein. Ebenso sorgsam wird die Abteilung für wirtschaftliche Ma­schinen, für Elektrotechnik und die Einrich­tung von Fabriken usw. bedacht sein. Die Or­ganisatoren des Planes beabsichtigen, insbe­sondere Erzeugnisse der deutschen Industrie vorzuführen, die durch ihre letzte Vervoll­kommnung Waren, die früher aus anderen Ländern nach Rußland eingeführt wurden, er­setzen könnten. Es werden auch alle Surrogate der technischen Industrie der letzten Zeit ver­treten sein. Eine große Zahl von informierten bevollmächtigten Vertretern der deutschen In­dustrie wird eintreffen, weshalb die Möglich- ^keit zu Verhandlungen und Vertragsabschlüs- ^sen bestehen wird.

, Der Münchener Fälschungsprozeh.

München, 29. April. (Prozeß F e ch e n° bach.) In der heutigen Fortsetzung der Ver­handlung folgte die nochmalige Vernehmung des Grafen M o n t g e l a s, der die neuerdings in Entenrekreilen vertretene Behauptung, Oesterreich habe am 31. 7. den vollkommenen Rückzug an­getreten, sei aber wider Willen von Deutschland zum Kriege gezwungen worden, als vollständig unwahr hinstellt. Er wies dabei auf das Tele­gramm des Kaisers Franz Iosef vom 31. 7. hin, das zu einer Zeit abgegangen sei, als in Deutsch­land gerade der Zustand der drohenden Kriegs­gefahr erklärt wurde, was in Wien nicht bekannt fein konnte. Der Inhalt dieses Telegramms stellt die Antwort auf das Telegramm Kaiser Wilhelms dar, das den letzten Versuch enthält, Oesterreich zur Annahme der Greyschen Vorschläge zu be­stimmen. Das Telegramm des österreichischen Kaisers hob auch bereits hervor, daß Oester­reich unmittelbar, nachdem es die Greyschen Vor­schläge !und auch den Bericht empfangen habe, daß Rußland an der österreichischen Grenze mobil gemacht habe. Beide Telegramme sind in der Darstellung der Entente unterschlagen. Darauf wird der Landtagsabgeordnete Girr als Sachverständiger vernommen, dec sich in längeren Ausführungen über die Ergebnisse der von ihm im Auftrage des Landtages vorgenommenen

DieSakeKmentshex.

Roman von Marie Kerschen st einer.

3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Die Wcrldsackerin hatte sich zwar nicht za beklagen über die Fügsamkeit, mit der sich das Pfarrmädel den Anforderungen des Bauernlebens unterzog. Aber es lätymie trotzdem die Freudig­keit ihrer- barmherzigen Lat, bah Lene, statt sich übel die Aufnahme im Waldsacker beglückt zu zeigen, wie in einem bösen Traum umherging. Es war ein ihr unerklärliches Mittun an dem Kind, so, als ob es nur- körperlich zugegen sei. Dreimal mußte sie ost dasselbe sagen, bis das Mädel verstand, und sie sprach doch, weiß. Gott, nicht polnisch! So recht von Herzen zu schaffen, was die W-aldsackerin darunter verstand konnte das Psarrmädel ebenfalls nicht, plnd doch wurde es von Tag zu Tag blässer, und machte einen müden Eindruck. Im Torfe mochten sie wohl meinen, sie habe alle Arbeit auf die Schultern des Kindes abgeladen. Das verdroß. Was wußte die schlichte Wa dsackerin davon, wrevirl Kraft verhaltene Sehnsucht zu erschöpfen'vermag, wie ruhlos die Seele des Kindes die Stätten seines zerstörten Glückes suchen ging? Sie sah nur, daß die Hände allzu ost in den Schoß sanken, die der Herrgott zu nützlicher Arbeit ge­schaffen hatte, daß kein Dabeisein war bei allem Tun. Doch ließ sie den Mut nicht sinken, betete fleißig um die straft der Beherrschung und zog im übrigen die Zügel noch straffer. Sie wußte gor nicht, wie all ihr Wohlmeinen so ganz der Liebe bar war.

Untersuchung ergeht. E:s habe sich bei dieser Untersuchung niemals darum gehandelt, irgend etwas zu verschweigen, sondern nur darum, die wirkliche Sachlage genau festzustellen. Hinsicht­lich der doppelten Buchführung sei er wie die airderen Zeugen der Ansicht, daß eine solche niemals bestanden habe. Erst nach dem Ausbruch der Revolution habe ein vollständiger Geheim­dienst eingesetzt, der erst auf ausdrückliches Ver­langen des Arbeiter- und Ovldatenrates etwas gemildert wurde. Bezüglich der Eisnerfchen Publikation stellt sicy der Sachverständige auf den Standpunkt, daß die Hervorhebung ein­zelner Bruchstücke nur dem Zweck dienen sollte, die Schuld Deutschlands am Kriege zu beweisen. Dieser Beweis sei v o l l ko m - men mißlungen. Besonders die Stellen, die von .Lokalisierungsabsichten der deutschen Re­gierung handeln, dürften auf keinen Fall in der Publikation fortgelassen werden, oder es hätte zum mindesten diese Auslassung charakterisiert werden müssen. Der Sachverständige Dr. Girr kommt dann auf die F ä l f ch u n g e i n e s Fern­gesprächs der daher. Gesandtschaft in Berlin am 31. 7. 1914 zu sprechen. Er bezeichnete ,die Veröffentlichung als völlige Irreführung der öffentlichen Meinung. Während in dem Fern­gespräch von einer Demarche Englands und Deutschlands die Rede war, spricht Eisner in ferner Veröffentlichung nur von den redlichen Bemühungen Greys. Diese Irreführung scheine mit voller Absicht bezweckt worden zu sein.

In der c.'kchmittagssitzung wurde Professor Hans Delbrück, Herausgeber der Preußischen Jahrbücher, vernommen. Er erklärte, es sei kein wahres Wort daran, daß Deutschland Oesterreich in den Krieg treiben wollte.

Die Verhandlung wurde auf Dienstag vor­mittag 9 Uhr vertagt.

Aus bf-m Reiche.

Der Reichstag.

D e r l i n, 29. April. (Wolff.) Der Ael- te st en rat des Reichstages beriet heute unter Teilnahme des Vizekanzlers Bauer über den Wiederzufarnmentritt des Reichs­tages, der ursprünglich für den 2. Mai in Aus­sicht genommen worden war. Der Aeltesten- rat beschloß, von diesem Termin Abstand zu nehmen und erst die Klärung der auf der Kon­ferenz von Genua angeschnittenen Fragen ab- zuwarten. Er will dann Ende nächster Woche wieder zusammentreten, um den Termin für die nächste Plenarsitzung zu bestimmen. Ueber diesen Termin soll inzwischen mit dem Reichs­kanzler eine Vereinbarung erzielt werden. In der Zwischenzeit soll der Hauptausschuß die Etatsberatungen beendigen, auch der Rechts- auöschuß, der Soziale Ausschuß und der Be° völkerungsausschuß werden ihre Arbeiten als­bald wieder aufnehmen.

Es ist auch wahrscheinlich, daß der Aus­wärtige Ausschuß zu der Beratung im An­schluß an die deutsch-polnischen Vereinbarun­gen über Oberschlesien zusammentreten wird. Der Tag hierfür ist auch noch nicht bestimmt.

Berlin am 1. Mai.

Berlin, 30. April. (WTB.) Die Ber­liner Zeitungen erscheinen infolge des Beschlusses der Berliner Buchdrucker, wegen der Maifeier eine vierundzwanzigstündige vollständige Arbeitsruhe eintreten zu lassen, erst wieder am Abend des 2. Mai.

Neue Erhöhung der Gütertarife?

Berlin, 29. April. Das Reichsverkehrs­ministerium hat eine neue Tarifer­höhung vom 1. Juli ab ins Auge gefaßt. Es ist beabsichtigt, die Gütertarife abermals um etwa 20 Prozent zu erhöhen. Die davon erwarteten Mehreinnahmen sollen einen Aus­gleich schaffen für die bevorstehende Erhöhung der Deamtengehäckter und Arbeiterlöhne. Die Personentarife werden in bisheriger Höhe beibehalten. (Frks. Ztg.)

Die Erhöhung der Veamtengehälter.

Berlin, 29. April. (Priv.-Tel.) Die Spihenorganisationen der Gewerkschaften ha­ben ihre Vorschläge für die Erhöhung der Deamtengehälter und der A r b e i t e r- löhne dem Reichsfinanzministerium über­reicht. Die Vorschläge verlangen keine Er­höhung der Grundgehälter, sondern nur die Heraufsetzung beider Arten Teuerungszu- schläge, und zwar für Beamte, Diätare und Pensionäre, die Erhöhung des allgemeinen Teuerungszuschlages zum Grundgehalt auf 60 Prozent. Die bisherige Sonderzulage auf bie ersten 10 000 Mark ist in der Weise zu verändern, daß auf die. ersten 15 000 Mark ebenfalls 60 Prozent gewährt werden. Für die

Lenes Herz, das der Liebe nachgehen mußte, wandte sich deshalb von ihr ab. Leise tastend streckte es seine Fühler nach dem Herzen des Bauern aus. Ter hatte Mitleid mit dem verstör­ten Kind, und wenn es in seine Nähe kam, dann strich er ihm freundlich übers Haar hin, oder sagte ein kurzes aufmunterndes Wort, das wie Himmelstcru aus Lenes dürstendes Gemüt fiel.

Mit den Dörflern verhielt es sich so: Trafen sie in Gegenwart der Waldsackersleute mit Lene zusammen, dann nahmen sie sich in acht. Aber- Lenes Pflichten führten sie oft allein ins Dorf, und diese Gelegenheit benützten sie dann, ihre stichelnde Bosheit an dem Kind auszulassen. Lene wußte nicht, warum Iungfer Kolath, der sie allabendlich die frischgemolkene Milch, der Walds- ackerin Geschenk, ins Haus brachte, jedesmal einen Hokuspokus über den Tops machte, bevor sie ihn aus ihrer Hand nahm. Einmal traf es sich, daß vor einer Hütte, an der Lene vorbei­ging, ein Wägelchen stand mit einem strampeln­den Wiegenkind. Sie hatte noch nie ein so win­ziges Menschenkind gesehen und blieb in hellem Entzücken vor dem Wagen stehen, um es zu be­trachten. Im selben Augenblick schoß die Mutter zum Haus heraus und warf sich über das Kind, denn sie fürchtete, Lene würde es mit dembösen Blick" verderben. Solch? Auftritte häuften sich, ohne daß Lene ihre Ursache hätte ergründen lönnen. Aber die l i rterhä'.tische Schadenlust der Tauern tat sich dabei nicht genug. Allmählich kam es auch Tätlichkeiten, mancher Stein und manch gastliches Wort flogen dem Pfarr- mädel hintennach. Boshni mit Bosheit zu Der* gelten, brachte Len? nicht zaw g. Dir Bosheit lag ihr nicht. Ader noch weniger war sie still

Angestellten sind diese Erhöhungen ent­sprechend anzuwenden. Für die Arbeiter wird eine Erhöhung der Stundenlöhne um 5 Mk. gefordert. Obige Erhöhungen sind mit Wir­kung vom 1. Mai an in Kraft zu setzen. Die Verhandlungen über diese Forderungen wer­den am 1. Mai beginnen.

Die Lohnverhandlungen der Buchdrucker.

Berlin, 29. April. (WTB.) Nachdem die Lohnverhandlungen im Tarif aus­schuß der Buchdrucker ergebnislos ver­laufen waren, ist gestern in später Nacht­stunde im Reichsarbeitsministerium ein Schiedsspruch gefällt worden, der den Buchdruckergehilfen und dem Hilfspersonal eine weitere Lohnerhöhung in den gleichen Ausmaßen, wie sie für April vereinbart war, zuspricht.

Aus Hessen.

Tagung

des Demokratischen Landesausschusses.

rm. Darmstcrdt, 30. April. Der Landes- auSschuß der Deutschen Demokratischen Partei Hessens hielt heute in Frankfurt a. M. eine Tagung ab, die aus allen Teilen des Landes gut besucht war. In bezug auf die Partei­organisation wurde nach einem Referat des Lan­des Parteisekretärs Kuhlmann beschlossen, zur Sicherung des Landesparteisekretariats und zur Erinöglichung einer intensiveren Agitation den Beitrag der Ortsvereine an den Landesverein auf 10 Maik pro Jahr für das einzelne angemeldete Mitglied zu erhöhen. Die Besprechung der hessi­schen Politik leitete Finanzminister Henrich durch einen kurzen U.eberblick über die Stellung der demokratischen Fraktion in der Koalition und durch eine Beleuchtung der verschiedenenFälle" der jüngsten Zeit ein. Die Aussprach.' ergab, daß die überwiegende Mehrheit der Versammlung ein­zelne Vorgänge zwar als sachlich bedenklich und politisch unklug verurteilt, ihnen aber nicht die Bedeutung zuerkannte, daß sie auf den Bestand der Regierungskoalition entscheidenden Einfluß haben könne. Im Zusammenhang mit der Lage der Koalition wurde zugleich die Frage der Ver­breiterung derselben besprochen, ohne dazu durch einen Beschluß Stellung zu nehmen,lieber- die Reichspolitik referierte ReichStagsabg. K o r e l l in anschaulicher und packender Weise. Die Ar­beiten des Reichstages in den letzten Monaten kurz streifend, leitete er auf die gegenwärtigen schweren politischen Fragen über, die er im Sinne der Verantwortlichkeit des Volkes und seiner Führer für den deutschen Gedanken in über­zeugender Weise beleuchtete. Eine angeregte Dis­kussion schloß sich an. Der Parteitag soll im Frühherbst, vermutlich in Oberhessen, stattfinden.

Aus LtQdt und Lsnd.

Gießen, den 1. Mai 1922.

Maien.

Nun ist er gekommen, der Wonnemonat Mai, der eigentlichste herrliche Frühlings­monat. And wir setzen in diesem Zähre, wo uns der Lenz bisher, von wenigen Sonnen­tagen abgesehen, nur trübes, unfreundliches Regenwetter brachte, ganz besonders unsere Hoffnung darauf, daß er seinem alten Ruf Ehre macht und uns wirklich den Frühling bringt. Dann aber hinaus in die Natur, um fern den kahlen, dumpfen Häusern das Herz weit werden zu lassen. Beim Anblick der schaffenden Natur vergessen wir alle zerstören­den und häßlichen Neigungen wie Haß, Neid, Selbstsucht. In seinem lebendigen jungen Grün ist der Mai das echte Bild der Hoffnung, die auch in dem Menschen neuen Lebensmut weckt, wie Uhland singt:Nun armes Herz sei nicht bang, nun muß sich alles, alles wenden." Lind nicht minder dringt in unsre Herzen Lenaus schöne Frühlings-Ode:

Die hochgeschwellten Bäche fallen

Durch Blumen hin mit trunknem Lallen. Sein bräutlich Lied der Vogel singt, Die Knosp' in Wonne still zerspringt.

Darüber goldner Wolken Flug, Die Liebe ist in vollem Zug.

An jeder Stelle möcht ich liegen!

Mit jedem Vogel möcht ich fliegen!

Es fesselt mich und will mich treiben!

Ich möchte fort und möchte bleiben! Dem Herzen wird so wohl, so bang, Umglüht, umrauscht vom Frühlingsdrang.

*

* Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und die Post er­folgt in der Woche vom 1. bis 7. Mai d. Zs.

unverändert wie in der Vorwoche zum Preise von 1200 Mk. für em Zwanzigmarkstück, 600 Mk. für ein Zehnmarkstück. Für die aus­ländischen Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt. Der Ankauf von Reichs- silbermünzen durch die Reichsbank und Post findet unverändert Kum 21fachen Betrage des Nennwertes statt.

Bpvnotizen.

Tageskalender für Montag: Ctadktheater, VI? Uhr: Gastspiel des großrussi­schen Valalaikcr-Örchesters. Astoria-Ltchtspiele, ab heute:Die Geheimnisse von London" und Der langsame Tod". Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße, ab heute:Die Prinzessin von Tos­kana" undDas zweite Leben".

Aus dem Stadttheaterbureau. Das großrussische Balalaika-Orchester, das gestern einen großen Erfolg erzielt hat, gibt heute abend 8 Uhr ein zweites, unwiderruflich letztes Gast­spiel mit vollständig neuem Programm-, in dem auch die russischen Tänzer wieder auftreten. Cs sei nochmals daraus hingewiesen, daß di- für Dienstag und Mittwoch angesetzten Gast­spiele der Musikalischen Kamme r- spiele Berlin nicht 'stattfinden können.

Die Volkshochschule bittet uns, nochmals daraus hinzuweisen, daß das neue Se­mester von heute Montag, 1. Mai, abbeginnt. Näheres über die einzelnen Kurse wird von heute an jeweils am Tage vorher im Anzeigenteil be- kanntgemacht.

Kreis Friedberg.

ss. Friedberg, 28. April. Der hiesige Volksbildungsverein feiert in diesem Zähre sein bOjähriges Bestehen: aus die­sem Anlasse hatte er gestern abend seine Mit­glieder und Freunde zu einer schlichten Feier in den Festsaal der Augustinerschule eingeladen. Der Vorsitzende des Vereins, Professor Gebhard, hielt die Festrede, in der er einleitend einen Rück­blick auf die Geschichte des Vereins warf, um sich dann über den Wert und das Wesen der Volks­bildung zu ergehen. Aus der Geschichte des Ver­eins ist zu bemerken, daß die drei ersten Vorsitzen­den lReallehrer B l i ck h a h n, Professor Wiese- h a h n, Professor Walz) jeder 16 Zahre seines Amtes gewaltet haben, der jetzige Vorsitzende hat vorher schon 16 Zahre das Amt als'Schriftführer innegehabt. Der Bürgermeister der Stadt, Dr. <3 et) b, brachte dem Vereine im Namen der Stadt seine Grüße und Glückwünsche und teilte mit, daß die Stadt für die Zubiläumsspeude dem Verein 2000 Mark bewilligt habe: auch aus den Kreisen der Bürgerschaft sind bereits namhafte Beträge für diese Spende, die hauptsächlich zur Erweiterung der Bücherei dienen soll, gezeichnet worden. Frau Professor Schaum verschönte den Abend durch Vortrag einiger Lieder von Schu­mann: die hiesige Quartettvereinigung eröffnete und schloß durch Vortrag einiger Sätze aus den Quartetten von Haydn.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 30. April. Der am Samstag früh kurz vor 5 Uhr erfolgte Mord an dem Polizeiwachtmeister Fr. Günther hier hat die Staatsanwaltschaft, wie die Kriminal­polizei zu fieberhafter Tätigkeit auf derSuche n a ch dem Mörder angespornt, ohne daß man bis jetzt zu einem bestimmten Resultat gelangt wäre. Es steht fest, daß der Getötete auf seinem Frühpatrouillengange, den er gegen die Vorschrift ohne den vorgesehenen Begleiter von der grünen Polizei allein unternahm, die Elisabethenstrahe herunterging und Ecke der Zimmerstrahe mit zwei Personen zusammenstieh, die kurz vorher aus der Elisabethenstraße in die Zimmerstrahe geeilt waren. Von dort sind ohne vorausgegan- genen Wortwechsel drei Schüsse gefallen, von denen einer Herz und Lunge verletzte und töd­lich war. Sofort an dem Tatort erschienene Personen konnten nur den Tod Günthers sest- stellen. Eine wegen dringenden Verdachtes, die Tat begangen zu haben, festgenommene Persön­lichkeit mußte nach eingehenden Ermittelungen wieder freigelassen werden, da iHv Alibi erwiesen ist. Der Verdacht liegt nahe, daß die Tat mit dem Einbruch in der Zentralgenossenschaft, der in der gleichen Nacht begangen wurde und den Tätern den Betrag von etwa 15 000 Mk. in die Finger spielte, zusammenhängt, da die beiden Tatorte nicht weit auseinander liegen. Wahr­scheinlich hatten die Mörder des G., der ihnen unerwartet gegenüberstand, die Polizei zu fürch­ten. Nicht unwahrscheinlich ist nun. dah man eS mit dem raffinierten Einbrecher PH. Riedel aus Darmstadt zu tun hat, der vor kurzem aus der Strafanstalt Butzbach ausgebrochen ist (der bekannte Löffelschlucker). Jedenfalls wird die Staatsanwaltschaft ein entsprechendes Ausschrei­ben mit Zusicherung einer größeren Belohnung erlassen. G. steht etwa 14 Zahre im Polizei­dienst. Er stammt aus Eich in Rheinhessen. Er galt als tüchtiger Beamter. Es ist nicht aus­geschlossen, dah cr auch einem Racheakt zum Opfer fiel.

za dulden geschaffen. Sie fing an, sich gegen die Angriffe der Dörfler za wehren. Sie konnte nicht anders! Und als die Schlupsline einmal vor ihr nassPie, schlug sie ihr den Eierkorb aus der Hand, daß fein ganzer Inhalt verloren war. Die Schlupsline kam in den Waldsacker und for­derte Schadenersatz. Es gab ein Verhör, in dem Lene den kürzeren zog. Denn die Schlupsline verschwieg den Grand, der das Kind zur Wehr veranlaßt hatte, and Lene litt unter einer Hem­mung, die es ihr unmöglich machte, sich zu recht­fertigen. Sie mußte ihr Vergehen zugeben, ohne Cclj sie raffiniert genug gewesen wäre, der Schlnpf- line Taktik zu durchblicken. Sie hatte immer nur den Eindruck, daß ihre Peiniger die merkwürdige Kunst verstanden, das Unrecht, das sie ihr zu- sügten, hinterher so darzustellen, daß es wie Recht vussah! Sie aber fühlte, daß es lein Recht war. und wenn die Waldsacker in bei solcher Gelegenheit von ihr verlangte, Abbitte za tun, dann weigerte sie sich, and keine Veranstaltung half, ihren Trotz za brechen. Das alles schürte der Waldsackerin Unzufriedenheit und trug nicht dazu bei, die Gegensätze zu überbrücken.

Im Winter, wo man mehr auf das Haus angewiesen war, wurde es besser. Für den kran­ken Waldsackerbuben war der Wintckr immer eine harte Zeit. Meist mußte cr das Bett hüten, und Lene lag die Pflicht ob, ihn zu pflegen. Das tat sie mit Hingabe und einer kindlich eifrigen Mütter­lichkeit. Wie niemand anders verstand sie es, dem unglücklichen Kind die träge dahinschleichen­den Stunden zu verkürzen. Das gewann ihr einen Teil des guten Willens der Waldsackerin zurück. Wenn Lene allein an Romans 'Bett

botenen S i:le der Pfarrburg wieder auf, unH Lene erzählte ihre Geschichten, die jetzt um so glühender oas ihrem phantastischen Kopf stiegen, je unerbittlicher sie inzwischen niedergczwungen worden waren. Da gab es wieder Stunden lang­entbehrten Glücks für Lene und für den Bub

Glorreich war der Mai in die Heide g^* kommen! Es war ein Schwellen, Blühen, Dran­gen in der Natur, ein Blust rind eine Sastfulle, wie sie in dem öden Erdenwrnkel seit Menschen- gedenken nicht erlebt worden waren. Gerade als wollte der Lenz den Dörflern zeigen, das selbst das large Heideland seiner Werbung nicht wider­stand, rvenn er einmal Lust hatte, sie daran zu vergeuden. Auch die Menschen waren von den Frühlingsgeistern ergriffen und emporgehoben. Es war ihnen friedlicher und wärmer ums Herz als sonst wohl. Ein jeder bestellte sein bißchen Feld und war zu voll von Erwartung aus Ernte und Lohn, um in andrer Leute Töpfe zu gacken. Kurz, es schien, daß die Friedfertigkeit bet den Heidedörslern einmal zu Gast sitzen wollte.

Auch Lene war es zumute, als ob der Früh­ling sie aus einem Gefängnis befreit hätte! Denn jetzt fing die Zeit an, wo die Kinder täglich mit den Ziegen hinaus mußten, wo sie wieder in hohem Gras liegen and den hundertfältigen Stimmen lauschen durften, mit denen die Natur z r ihnen sprach. Niemand störte sie, keine andre Pflicht lag ihnen ob als dre, die Tiere am Abend heil ins Haus zurückzubringen. Zeht fingen sie erst rech: an, was ihnen geraubt worden war. wieder aufzubauen.

saß, dann griffen sie in aller Heimlichkeit du /

(Fortsetzung folgt.).