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\U. Jahrgang

Montag, Mai (922

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General-Anzeiger für Oberhessen

Drud und Verlag.- vruhl'sche Univ.-Buch- und Steinöruderei H. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Drudcrei: Zchulstraste 7.

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DieKonferenzvonVenua.

Genua, 29. April. (WTB. Spezialberichi des Vertreters des WTD.) 3n der heutigen Vollsitzung der F i nan z ko m m i s s ion wurde eine Resolution angenommen, welche die Beschlüsse der drei Tlnterkommissionen der Fi- nanzkommission zusammenfaht und -um Dcschluß der Finanzkommission erhebt. Die Resolution wird der Gesamtkonferenz vorgelegt werden.

Der französische Delegierte B a r t h o u ist heute nach Paris abgereist.

In der russischen Frage wurden heute die Besprechungen in der Tlnterkommisfion des ersten Ausschusses fortgesetzt. Eine Einigung wurde bisher über einzelne Artikel des an die Russen zu richtenden Memorandums erzielt. Das Memorandum ist bisher den Russen noch nicht übergeben worden.

(Sin Borschlag Lloyd (tzeorges.

Paris, 1. Mat. (WTB.) Einer der Sonderberichterstatter desPetit Parisien" in Genua meldet, auf der am Samstag statt­gehabten zweistündigen Unterredung zwischen Bart Hou und Lloyd George habe letz­terer angekündigt, wenn die Konferenz ohne den Abschluß eines allgemeinen Vertrages mit Rußland zu Ende gehe, sei es klar, daß gewisse Staaten, die augenblicklich an den Be­ratungen teilnehmen, sich für berechtigt hal­ten würden, mit Moskau ein beson­deres Abkommen zu treffen.

Des Ferneren habe Lloyd George Bar- thou gegenüber wiederum die Notwendigkeit einer Zusammenberufung der Sig­natarmächte des Vertrages von Versailles vor dem 31. Mai betont, damtt über die Maßnahmen gesprochen wer­den könnte für den Z^all, daß Deutschland seinen Verpflichtungen nicht nachkomme. Lloyd George habe erklärt, nur die alliierten Re­gierungschefs' könnten die ernsten Fragen, die man in Paris durch die Botschafterkonferenz oder die Reparattvnskvmmission erledigen las­sen wolle, behandeln. Lloyd George habe als Ort der Zusammenkunft eine kleine Stadt in der italienischen Riviera, die nicht weiter wie San Remo von Genua ent­fernt gelegen sei, vvrgeschlagen. Die letztere Nachricht hat auch derCorriere della Sera" und der Sonderberichterstatter desEcho des Paris" mitgeteilt. Barthou habe sich gestern geweigert, sich über diese Nachricht auszu­sprechen.

Paris, 30. April. (Wolff.) DemNeu- hork Herald" wird aus Genua berichtet, Lloyd George habe den Vorschlag gemacht, man solle einen Schiedsrichter anrufen, den der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten zu ernennen hätte, um den Betrag Der Herabsetzung der russischen Kriegsschulden und der russischen Gegenforderungen zu bestimmen. Man habe auch vorgeschlagen, sich an eine Kommission zu wenden, die der Völkerbund bestimmen sollte. Die ganze Frage sei schließlich an Die französischen, eng­lischen, italienischen und japanischen Sachver­ständigen zurückverwiesen worden, die nun einen Entwurf ausarbeiten sollen. Man erwarte, daß die amerikanische Regierung durch Vermitt­lung deö Botschafters Child direkt von Den Sachverständigen fonDiert werde.

Ein energisches Verlangen der Russen.

Genua, 29. April. (WTD.) Speziasbericht des Vertreters des Wolfsbureaus. Die ru ss i s ch e Delegation hat heute an Den Präsiden­ten Der Konferenz, Fae t a, lolgendes Schreiben gesandt: Fünf Sage sind vorbei- gegnngen, seitdem den Sachverständigen der Kom­mission Die russischen Vorschläge vorgelegt wur­den, Die Den Inhalt meines Briefes vom 20. 4. an den britischen Premierminister in gedrängter Darstellung wiedergeben. Die russische Delegation würde Ihnen dankbar sein, wenn Sie ihr Den GrunD Der Richteinberufung Der ersten 'Kommission unD Der politi­schen Tlnterkommission sowie das Da­tum, an Dem diese Kommissionen zusammen­berufen werden sollen, mitteilen könnten. Die Gerüchte, denen zufolge eine dieser Kommissionen bereits emberufen worden sein soll, ohne die Teilnahme Rußlands, können offenbar nicht der Wahrheit entsprechen, da Rußland doch auf dem Fuße Der Gleichberechtigung in Dieser Kommission steht. Die Einberufung Der ersten Kommission ist um so wünschenswerter, als Die bisher von Der Konferenz 'm Der russischen Frage beobachtete Methode nicht geeignet ist, zu einem guten Ergebnis zu führen unD Der Resolution von Cannes nicht entspricht. Die Die positiven Ziele des Wiederaufbaues und der fi­nanziellen Hilfeleistung für die schwachen Länder an erster Stelle seht. Ich dedaare tief, bet dieser Gelegenheit erwähnen zu müssen, daß keine po­sitive Antwort bei der rassischen Delegation be­züglich des Betrages der Kredite eingeladfen ist. Die zum Wiederaufbau Rußlands notwendig sind und deren Zuweisung von Der russischen De­legation als Vorbedingung unD als absolut un­entbehrlich für das Abkommen bezeichnet wurde, dessen Plan in meinem Briese vom 24. 4. an Den britischen Premierminister skizziert war. Denn das Ausbleiben Der Antwort über Diesen Gegen­stand würde Die Unterbrechung Der Arbeiten der Konferenz bedeuten und daß die einladen-1 den Mächte ihre Annahme meines Briefes vom 20. 4. an Den britischen Premierminister Die |

Grundlage Der Diskussion zurückziehen, obgleich gewisse gtundlcgende Gedanken dieses Brie­ses in den Vorschlägen Der russischen Sachverständigen vom letzten Montag präzisiert wurden. In diesem Falle würde die russi­sche Delegation an meinen Dries vom 2 0. 4. nicht mehr gebunden fein. Sie würde zu ihrer im russischen Memorandum ausgesprochenen Haltung zurückkom­men, die ihre ursprüngliche Haltung war und die Der Ausdruck Der Grundsätze bleibt, die die russische Delegation für gerecht hält, obgleich sie aus versöhnlichem Geist Die in meinem Brief vom 20. 4. erwähnten Zugeständnisse gemacht hat, und zwar unter gewissen Bedingungen, ohne welche diese Zugeständnisse nicht in Kraft treten können. Im Hinblick auf diese Eventualität er­laube ich mir, der Konferenz das russische Memo­randum vorzulegen, dessen Kopien gleichzeitig an das Generalsekrelariat geschickt werden.

Ein Bries Tschitscherins an Barthou?

Paris, 1. Mai. (WTD.) Wie der Sonder­berichterstatter desMatin" zu wissen glaubt, hat Tschitscherin gestern abend an Bar­thou einen Brief entworfen, in dem er etwa fol­gendes sagt: Das Abkommen, das feit einigen Monaten in Berlin zwischen Deutschland und Rußland ausgearbeitet und das in Rapallo unter­zeichnet wurde, ist als ein gegen die französi­schen Interessen gerichteter Alt angesehen wor­den. Wiederholt ist ausgesprochen worden, daß dieser Vertrag Geheimklauseln militärischer oder politischer Art enthalte, die Angriffsabsichten Rußlands gegenüber Frankreich und feinen Ver­bündeten verbergen. Trotz Der wieDerholten halb­amtlichen Dementis Der deutschen und russischen Delegation, trotz der Erklärungen des Reichs­kanzlers in Der Presse erhält sich Der Argwohn in gewissem Sinne aufrecht unD beunruhigt die öffentliche Meinung unD Die Regierungskreise in Frankreich. Die russische Delegation hält es Daher im Interesse der Wahrheit und um jedes Miß­verständnis, das gegen Die friedliche Politik Ruß­lands aufkommen lönnte, zu beseitigen, für nötig, diesen Brief an Sie zu richten, da es nicht in Der Absicht Der russischen Regierung liegt, weitere besondere Abkommen zu schließen, die Das alte Abkommen vervollständigten, das Die Mächte gegenwärtig beraten.

Dieses Abkommen Tonnte erst Die Grundlage für den Weltfrieden werden: und, was besonders Frankreich anbetrifft, sei die russische Regierung der Ansicht, daß es viele Berührungs­punkte zwischen Den beiDen Ländern gebe. Die ein Aebereinkommen über alle schweben­den Fragen erleichtern. Rach dieser Richtung habe sich die Politik Rußlands trotz der feindseligen Haltung, die Frankreich geglaubt habe, gegen es seit mehr als 4 Jahren einnehmen zu müssen, nicht gewandelt. Die russische Delegation könne nicht ver­heimlichen, daß diePolitikFrankreichs in der öjfcnt- lichenMeinung Den lel haftestenWiderhall gesunden. Es gebe außer Dieser feindseligen Politik keinen Grund, Der die Wiederherstellung friedlicher Be­ziehungen zwischen Rußland und Frankreich und seinen Alliierten verhindern könne. Die rus­sische Regierung sei Davon überzeugt, daß eine AenDevung in dieser Haltung für Die Interessen Frankreichs unD Rußlands, für Die Bevölkerung Osteuropas unD für Die wirtschaftliche Wieder­herstellung Der Welt ebenso notwendig wie nütz­lich fei. Der Brief schließt mit Der Versicherung, er sei von Dem Wunsche Diktiert, jedes Miß­verständnis und jede Zweideutigkeit zu besei­tigen, Die Den normalen Verlaus der Arbeiten der Konferenz b:hindcrn könnten.

Ein Friedensbries des Papstes.

Rom, 29. April. (Wolff.) Der Papst richtete an den Kardinal-Staatssekretär Ga­spari ein Schreiben, in dem er den lebhaftesten Wunsch ausdrückt, in der ganzen Welt einen wahren und dauerhaften Frieden wiederhergestellt zu sehen, der in der Versöhnung Der Geister und nicht bloß in einem Verzicht auf Feindseligkeiten bestehe. Er könne nicht seine innigste Genugtuung Darüber verbergen. Dank Dem guten Willen aller ötarfen. Die Hindernisse beseitigt zu sehen. Die anfänglich Die Möglichkeit eines allgemeinen Einverständnisses aus.zuschliehen schienen. Die Rückkehr der menschlichen Gesell­schaft zu einem normalen Zustand, der im wesent­lichen mit Den Gesetzen Der Vernunft über- einftimmc unD Der sicherlich eine göttliche Ordnung sei, würde außerordentlich vorteilhaft für alle sein, für Sieger und Besiegte, besonders für Die armen Völkerschaften am äußersten Ende Europas. Das Schreiben schließt:"Sei Der uni­versellen Mission der R äch st en l ie be, D.^ dem Papste vorn Heiland anvertraut ist, mögen sich alle von neuem mit Dem christlichen Geist wechselseitigen Wohlwollens vereinigen in Dem Bestreben, für das gemeinsame Wohl zu sorgen, das endlich auch jeder einzelnen Ration die besten und dauerhaftesten Vorteile wiedergo- währen würde."

Rom, 29. April. ($aoa3j Der Papst sandte an den Kardinal-Staatssekretär ein Schrei­ben, in Dem er der Befürchtung Ausdruck ver­leiht, mit der Der Heilige Stuhl Die Arbeiten Der Konferenz von Genua verfolgt. Der Papst wünscht lebhaft einen Erfolg Der Kon­ferenz für das Wohl der Welt und den Welt­frieden. Er seht t-idflU. man könne nicht ohne Zittern an das ilnglüc? Denken, das aus einem Mißerfolg Der Konferenz entstehen Snn:.

Genua, 30. April. < Spezialbericht des Ver­treters des WTD.) Eine offizielle Erklärung Lloyd Georges besagt: Der Premiermini­ster ist sehr erfreut über den Brief des Papstes und bewundert feinen Inhalt. Der Papst spricht

mit vollster Kenntnis über Die Zustande, Die in I Osteuropa herrschen. Der Premierminister glaubt, | Daß eine so klare unD bestimmte Kundgebung j des Heiligen Stuhles zugunsten des Friedens mit Rußland eine große Ermutigung für alle christlichen Mächte Europas bildet.

Eine Vollsitzung des Wirtschaftsausschusses.

Genua, 29. April. (Spezialbericht des Ver­treters'des WTB.) Dec Vollsitzung Der Wirt­schaftskommission am gestrigen Tage la­gen Die bisher fertiggestellten Leitsätze der beiden Ilnterkommissionen des Wirtschaftsausschusses zur Deschlußsassung vor.

Aus dem Arbeitsbereich der ersten Unter­kommission handelte es sich Dabei um die Be­stimmungen. die sich mit einer möglichsten Ver­ringerung der Hindernisse des Außenhandels, sowie mit Der Publilationssorm und Der Gel­tungsdauer der Zolltarife Befassen. Ferner war über die künftige Gestaltung Der Aus- unD Ein­fuhrverbote Beschluß zu fassen. Die zweite Kom­mission. die ihre Arbeiten schon abgeschlossen hat, hatte Bestimmungen über die gleichmäßige Be­steuerung der Ausländer, über die Reuregelung Des Paßwesens und über den Schutz des indu­striellen, literarischen und künstlerischen Eigen­tums vorgelegt.

Die Beschlüsse der Llnterausschüsse fanden, von einigen formalen Aenderungen abgesehen, Die Billigung der Hauptkommission. Von England und Japan wurde eine zusätzliche Bestimmung vor- geschlagen. Die sich auf Die Stellung Der außer­europäischen Länder zu Den Beschlüssen Der Genueser Konferenz bezieht. Sie lautet:

Die von Der Wirtschaftskommission unter­breiteten Vorschläge werden von Den einladenden Staaten, so weit sie Europa angehören, ihren Re­gierungen unterbreitet. Davon ausgehend, daß die von der Genueser Konferenz beschlossenen Grund­sätze eine Bürgschaft nicht allein für den europäi­schen Wiederaufbau, sondern auch für die gleich­mäßige Behandlung des Handels in der ganzen Welt sind, würde die Wirtschaftskommission in voller Anerkennung der besonderen Bedingungen in den überseeischen Ländern den größten Wert Darauf legen, daß die Delegierten Der außer­europäischen Staaten, soweit sie cingelaben sind, ihren Regierungen Die zum Beschluß erhobenen GrunDsähe zur Erwägung unterbieten. Die Wirt­schaftskommission spricht ferner den Wunsch aus, daß alle übrigen außereuropäischen Länder gleich­falls Diese Beschlüsse in Erwägung ziehen."

Ausdrücklich wurde festgestellt, daß diese letz­tere Bemerkung sich auch auf die Kolonien und Schutzgebiete bezieht. Die vom Wirtschaftsausschuß angenommenen Beschlüsse werden voraussichtiia) am 3. Mai der Vollversammlung Der Konferenz zur endgültigen Beschlußfassung vorgelegt.

Genua, 29. April. (WTD.) Unter dem Vorsitz des französischen Delegierten Serruys hat Die erste -Slrrtcrlommiffion des Wirtschafts­ausschusses gestern Die Beratung des Lon­doner Memorandums fortgesetzt. Zur Debatte stand Artikel 45 dieses Memorandums, der mög­lichste Freiheit Der Rohstoffausfuhr von Ab­gaben vorsieht und bestimmt, daß jeDe unter­schiedliche Behandlung zwischen den Bestim­mungsländern bei Der Ausfuhr vermieden wer­den soll. Zu diesem Artikel lag von der italieni­schen Delegation ein Zusatzantrag vor, Der Die völlige Freiheit der Rohstosfaussuhr von jeder Art Gebühren oder anderen Abgaben bezweckt und Dem Ausfuhrlande unterlagen will, auf Dem inneren Markte niedrigere Preise als auf Dem Auslandsmärkte zft nehmen. Nachdem zunächst Der englische Vertreter gegen Diesen weitergehen­den Antrag Bedenken geäußert hatte, spi.ich sich Staatssekretär Hirsch ebenfalls sehr lebhaft gegen ihn aus und erklärte, Deutschland sei aus Drei ®rünDen außerstande, Diesem Anträge zuzustim- men. Einmal sei es Durch die Beschlüsse Der Re- parationskommission verpflichtet, auf gewisse Ausfuhrartikel Abgaben zu erheben. Diese seien zuDem Der Reparationskommission in ihrer Gesamtheit verpfändet. Aber auch wenn dieser Zwang nicht vorliege, würde die Finanz­lage Deutschlands Dazu zwingen, eine Differenz zwischen Den Inland- und Auslandspreisen für fiskalische Zwecke nutzbar zu machen. Schließlich seien bei Der gegenwärtigen Wirtschaftslage Deutschland und bei der sinkenden Wärung solche Abgaben notwendig, um einen übermäßigen Ab­fluß Der Rohstoffe nach Dem Ausland und eine allzu schnelle Anpassung des inneren Preis- neveaus an Daß äußere zu verhinDern. Hirsch brachte im übrigen Die Zustimmung Der Deutschen Delegation zu Der ursprünglichen Fassung des Artikels 45 zum Ausdruck. Der fianzösissche Dele­giere glaubte, daß eine genaue Ausarbeitung des Artikels 45 nottoenbig sei. Soweit Die Aus­fuhrzölle einen rein fiskalischen Zweck hätten, könne nichts gegen sie eingewendet werden. Es seien aber Fälle bekannt, in denen solche Aus- sithrzölle dazu benutzt würden, andere Ander in der internationalen Konferenz schlechter zu stellen. Eine solche unterschiedliche Behandlung in Der Produktion Der einzelnen Länder müsse verhindert werden. Die Debatte wird heute vor­mittag fortgesetzt toerben. Es wird ein Kompro- mißantrag üoer Die Rohstofftage erwartet. Die für DeutschlanD entscheidende und wichtige Ans- cinanDcrfet'ung über die Frage Der Meistbegün­stigung Dürfte vor Montag nicht zu erwarten fein.

Genua. 29. April. (WTD.) In Der ersten ilntcrtommiffion Des Wirtschaftsaus­schusses tourDc unter Dem Vorsitz des fran­zösischen Delegierten Serruys heute in der Er­örterung Der Rohstossrage sortgesahrew Staatssekretär Hirsch führte namens der dent­

is ch e n Delegation au5: Die Bedenken Deutsch« | lands, Die sich au s Dem Stande seiner i Währung ergeben, sind hoffentlich vorüber­gehend. Es zeigt sich aber auch bei dieser Frage, daß Die wirtschaftlichen Probleme nicht gelöst werden können, solange das inter­nationale Finanz- und W ihrungZproblem noch naht gelöst ist. Am Beispiel be» Kohlen- Preises legte Hirsch Dar, welch ungeheuren Ausfall Die deutsche Wirtlaxist erleidet, wenn ihr Die Möglichkeit Der Rob'lvobelaslung genom­men ist. Während Der Lohlenp eis pro Tonne vor Dem Kriege runD 13 Mark betrug, belief sich Der Weltmarktpreis Der deutschen Kohle in Italien Ende 1921 auf etwa 4 Mark, während Die englische Kohle mehr als 20 Mark kostete. So verliert infolge des Standes seiner Währung Deutschland wenn eS zum Inlandspreis verkauft, 75 bis 80 Prozent des GoldU'ertes, während es doch für seine Einfuhr den vollen Weltmarktpreis bezahlen muh. Die von Italien soeben borge- schlagene Höchstbelastung von 10 bis 15 Prozent genügt nickt, um Die Spannung zum Weltmarkt­preis für Deutschland auch nur einigermaßen aus­zugleichen. Darüber hinaus ist Deutschland schon deshalb nicht in Der Lage, diesem Vorschläge zu­zustimmen, weil Die Reparationskommissivn für die Kohle einen Steuerzuschlag von 40 Prozent gewünscht hat.

Auf Vorschlag der deutschen Delegation wurde schließlich eine Expertenkommission zur Vorlegung einer endgültigen Fassung des Ar­tikels 45 eingesetzt die 1>?utc nachmittag zusommen- tieten und ihr Ergebnis Der Gesamtlommission morgen unterorciten soll. Der Sachverständigen­kommission gehören Vertreter Der einladenden Mächte, Deutschlands und Der Schweiz an.

Ein javanisches Dementi.

Paris, 29. April. (WTD.) Rach einer Agenturnachricht, Die dasJournal des Drbats" veröffentlicht, Dementiert das japanische Außen­ministerium offiziell unD in aller Form Die von französischen Blättern gebrachte Rachricht,zwischen Japan, RußlanD und DeutschlanD sei eine Entente abgeschlossen worden.

Ein KommnniftenzwischenfaN in Paris.

Paris, 1. Mai. (WTD.) Gestern nach­mittag haben Die französischen Gewerk­schaften Moskauer Richtung in St. Quen, einer Vorstadt von Paris, eine Kund­gebung veranstaltet, ilm 5 älhr nachmittags wurde der Rückmarsch angetreten, wobei sich ein Zwischenfall ereignete. In der Avenue St. Quen hatte sich eine Gruppe gebildet, die ein Kom­missar mit etwa 30 Polizisten am Weitermarsche hindern wollte. Plötzlich fiel ein Schuh, und es sollen zwei Polizisten im Rücken leicht verwundet sein. Der Attentäter soll verhaftet worden sei i. Außer lebhaften Kundgebungen gegen d i e Wiederaufnahme des Krieges sollen sich keine weiteren Zwischenfälle ereignet haben.

Eine Nede Lord Cecils.

L v n d v n, 29. April. (WTB.) Lord R v - bert Cecil erklärte in einer Rede, der Fehlschlag der Genueser Konfe­renz würde ein sehr ernstes Ereignis sein. Lloyd George sei zum großen Teil ver­antwortlich für den vor drei Jahren ge­schlossenen Versailler Vertrag. Das Zusam­menwirken zwischen England und Frankreich sei von grundlegender Bedeutung für den Frieden Europas. Jede wirklich ernste und dauernde Entfremdung zwischen Groß­britannien und Frankreich würde verhängnis­voll sein nicht nur für England und Frankreich, sondern für ganz Europa. Cecil sagte, er sehe vollkommen em, daß em hoher Preis für das wettere Zusammenwirken zwischen Frankreich und England gezahlt werden müßte und könnte. Aber eine Erneuerung der feind­seligen Operationen würde ein zu hoher Preis dafür sein. England wolle vor allem Frieden, und es bestehe daraus, daß die britische Regierung und die Regierung eines Landes, mit dem er zusammenwirke, sich von einer Politik leiten lasse, die friedlichen Zielen mit friedlichen Mitteln entgegenstrebe. Lord Robert Cecil gab seinem Bedauern Ausdruck, daß zur Regelung mancher Fragen der Völ­te rbund nicht herangezogen werde. Wenn die Genueser Zusammenkunft von ihm selbst einberufen worden wäre, so würde die At­mosphäre auf der Konferenz eine bessere sein. Zu dem deutsch-ritsfischen Heber- einkommen erklärte Cecil, er könne nicht umhin, zu glauben, daß das Hebereinkvmmen Der erste Schritt sein könne zur Rückkehr zur internationalen Politik vor dem Kriege und zu einer Gruppierung einer Reihe von Mäch­ten, getrennt voneinander. Llody George habe mit Recht gesagt, daß dies unvermeidlich fe*. trenn gewisse Mächte auf eine bestimmte Art behandelt würden. Cecil bedauerte, daß mai Deutschland und Rußland noch nicht in Den Völkerbund aufgenommen habe. Der deutsch-russische Derttag zeigt deutlich, daß es unklug sei, irgend eine zivilisierte Nation außerhalb des Völkerbundes zu halten. Deutschland müsse sobald wie möglich in den Völkerbund ausgenommen werden.