Ausgabe 
1.3.1922
 
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Zweiter Blatt

Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Mittwoch, \. März (922

Nr. 5s

1. Zum Einkommen aus Grundbesitz.

a) Beim Besitz mehrerer Grundstücke empfiehlt es sich, die Angaben für die einzelnen Grundstücke zu trennen.

b) Vielfach sind im Interesse einer verein­fachten Berechnung von den Landesfinanzämtern 1 Pauschalsätze festgesetzt worden, die nach Wahl des Steuerpflichtigen an _ die Stelle der Einzelberechnung treten z. D. für Groh-Berlin 60 Prozent des Druttomietsertrages von Vormal­grundstücken für alle Unkosten und Reparaturen sowie Abnutzungen. (Es wird zweckmähig sein, sich bei dem zuständigen Finanzamt vor Abgabe der Steuererklärung nach dem Bestehen solcher Pau­schalsähe zu erkundigen.)

2. Zum Einkommen aus Arbeit.

Beim Einkommen aus Arbeit ist in diesem Jahre unter Ziff. 4 des Formulars die besondere Frage nach dem Bezug von D i e n st a u s- wandsentschädigungen gestellt worden. Es hat sich für die Steuerbehörde als notwendig erwiesen, dentatsächlichen Betrag des Dienst­aufwandes zu erfahren. Steuerpflichtig sind alle in Form von Dienstaufwand und ähnlichen Ent­schädigungen gewährten Bezüge, soweit sie den er­forderlichen Aufwand übersteigen. Die Vachprü­fung bleibt der Steuerbehörde auf Grund der von dem Steuerpflichtigen gemachten Angaben über­lassen.

Die Beantwortung der Frage nach den Spekulationsgewinnen (siehe Erläute­rungen zu Ziffer 5 des Formulars) ist ein viel­umstrittenes Gebiet. Heber das, was alsSpeku- lationsgewinn" ätlszufassen ist, spricht sich das Ge­setz selbst nicht so eindeutig aus, dah es nicht ver­schieden ausgelegt werden könnte. Aus jeden Fall müssen nach dem neuen Formular alle Ver­käufe von Wertpapiere, Devisen, ausländischen Zahlungsmitteln einzeln angegeben werden unter Hinzufügung des Tages des Erwerbes, des Kaufpreises, und zwar auch dann, wenn die Ge­winne von dem Steuerpflichtigen nicht für Spe­kulationsgewinne gehalten werden, son­dern für K a p i t a l s a n l a g e n, die er mit eigenen OBfttteln und nicht unter Inanspruch­nahme von Bankkredit durch Ankauf von Wert­papieren vorgenommen hat.

Aus Stadl und Land.

Gietzen, den 1. März 1922.

Anlagenmusik findet am Donnerstag mittag um 12 Hhr am Liebigdenkmal statt (nur bei günstiger Witterung). Spielfolge: 1. Marsch der finnländifchen Reiterei aus dem 30jährigen Kriege bearbeitet von F. Wieprecht: 2. Ouvertüre zur komischen OperCosi fan tut- von W. A. Mozart: 3. Fackeltanz aus der Over: .Die Mei­stersinger von Nürnberg" von Richard Wagner: 4. Grohe Fantasie aus der Oper .Mignon" von K. Thomas: 5. Armeemarsch Vr. 161 (Alexander- marsch) von Leonhardt.

♦♦ Oessentliche Bücherhalle. Im Februar wurden 1597 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzhählende Literatur 960, Zeit­schriften 146, Zugendschriften 163, Literatur­geschichte 4, Gedichte und Dramen 17, Länder­und Völkerkunde 41, Kulturgeschichte 17, Geschichte und Biographien 68, Kunstgeschichte 21, Vatur- wissenschast und Technologie 64, Heer- und See­wesen 3, Haus- und Landwirtschaft 17, Gesund­heitslehre 2. Religion und Philosophie 22, Staatswissenschaft 11, Sprachwissenschaft 9, Fremdsprachliches 27 Bände. Vach auswärts kamen 43 Bände, -t- Infolge Kohlenmangels ist die Bücherhalle nur noch Mittwoch und Samstag abends geöffnet.

** Das Fest der silbernen Hochzeit feierte gestern das Ehepaar Anton Breuer und Frau Klara geb. Kuhl, Lindenplatz 5.

Landkreis Gießen.

Bersrod. 27. Febr. Vachdem der Ge­sangverein in einer schlichten Feier seine vier im Well kriege gefallenen Mitglieder durch Ent­hüllung einer Gedenktafel g hrt ty tte, wobei Psr. Ma rgut h° Winnerod d.e Weihe­rede hielt und entsprechende Chöre gefangen wur­den, hatten sich am Sonntagabend die Mitalieder des Kriegervereins mt ihrcm Familien im Saale des Gastwirts LudwigBeier versammelt, um ebenfalls eine Gedenkta el für ihre fünf ge­fallenen Kameraden zu enthüllen. Psr. M a r - g u t h weihte auch diesmal die Tafel, während Lehrer Wolf in seiner Ansprache ehrend der ©efti[lenen gedachte. Tie 1. Schulklasse umrahmte die 5 et er mit entsprechenden Gesängen und Ge­dichtvorträgen. Entwurf und Ausführung der

Ehrentafel stammt von dem Dereinskameraden Roll. Demnächst will auch der Turnverein seine vier gefallenen Zumer tn derselben Wrise ehren.

' Lich, 27. Febr. Eine Überraschende Aufklärung hat der Heberfall gesunden, bei dem. wie wir berichteten, ein Mädchen aus Albach ihrer Angabe gernätz von zwei Strolchen überfallen und vergewaltigt worden sein sollte. Wie uns jetzt mitgeteilt wird, ist durch eingehende Hntrrsuchunaen und Vernehmungen festgestellt worden, bah die Aussagen der Hebersallenen nichtderWahrheitentsprechen Richtig ist, dah sie von zwei vorübergehenden Arbeitern aud Burkhardsfelden teilweise entkleidet und völlig erschöpft aufgefunden und nur mit Mühe nach Hause gebracht wurde. Vachdem sich bad Mädchen völlig erholt halte, wurde sie nach vvrhergegangener ärztlicher Hntersuchung, die kein Ergebnis hatte, nochmals vernommen, und gab nunmehr dem vernehmenden Gendarmeriebeamten an, den Hcbcrfali erfunden z u haben. Cs ist festgestellt worden, datz die Bedauernswerte seit einiger Zeit an hysterischen Anfällen leidet. Ein derartiger Anfall wird sie wahrscheinlich auch in den willens- und verantwortungslosen Zustand versetzt haben, in dem sie aufgefunden wurde.

Watzenborn-Steinberg, 23. Fcbr. Am kommenden Sonntag findet in Watzenborn im Gasthaus zum Löwen ein Vortrag statt über .Die Anwendung der Kunstdünger in heutiger Zeit" (Vortragender: Landwirtschaftsrat Dr. May). Im Anschlutz daran hält Bürgermeister Schäfer- Watzenborn einen Vortrag über Steuerfragen".

x Wieseck, 27. Febr. Die am Samstag­abend vom hiesigen Ob st - und Gartenbau­verein im Saale von Gastwirt Schneider ver­anstaltete Versamntlung war gut besucht und brachte dem Verein sieben neue Mitglieder. Der Vorsitzende, Lehrer Draunewell, berichtete über die ©iefjener Versammlung des Oberhessi­schen Vereins vom 22. ßanuar, in der die Ver­schmelzung des Landesvereins mit der Landwirt­schaftskammer beschlossen wurde. Die Erhöhung des Mitgliedsbeitrags auf 10 Mk. wurde als zeit- gcmäfj gern bingeirommei; soll doch dafür auch eine bedeutend reichhaltigere Monatsschrift ge­lle fei: t tTMT^cn. Ein sehr eingehender Vortrag des KreisobstbautcchniferS Heberer -Heuch Ibcim überSortenwahl. Sehen und Pflege der O b st b ä u me" wurde mit sich'.lichem Inter­esse und grobem Beifall aufgenommen. In der recht lebhaften Aussprach? konnte der Vortragende noch verschiedene Fragen beantworten. Beschlossen wurde, für kommenden Sommer eine Besichtigung der Heuchelheimer Obstbaumschulen und gemein­same Spritzung der Stachelbeer- und Iohannis- beersträucher mit Kupferkalkbrühe. Den Schluß bildete eine Verlosung von Sämereien.

Kreis Alsfeld.

l. Alsfeld, 28. Febr. Hier fand am ver­gangenen Samstag imDeutschen Kaiser" die t/ieSjädrige Kreisverfammlung deSH e s- sischen Bauernbundes" unter Leitung des Kreisvv rsi.henden Bürgermeister Schröder» Elbenrod statt. Insbesondere wurde Stellung ge° frommen gegen den viel zu niedrigen Preis des Hrnlagegetreides. Vach SHlutz der Versammlung terregte sich, wie bereits gemeldet, ein Demon- strationszug von mehreren Hundert Bauern dirch die Strafen der Stadt nach dem Kreisamts-- gebäude, woselbst gegen die Abgabe des Hmlage- getreides zum jetzigen Spottpreise protestiert wurde. Später wurde noch vor dem Finanzamt Stellung gegen die Steuereirschähung genommen, Am Abend veranstaltete dieFreie Bauernschule Alsfeld" hnDeutschen Kaiser" eine wohlgelungene Abendunterhaltung Die vier Theaterstücke:Wer lieben will, mutz leiden,"Ter feine Bräutigam",Eckensteher Vante" undDie gute Wirtschafterin" wurden von Tarnen und Herren aus Eudorf gespielt und waren seinerzeit von Lehrer G u n d r u m für eine Abendunterhaltung des dortigen Gesang­vereins eingeübt worden. Bei guter Musik, Ge­sang und Tanz blieb man noch lange beisammen.

Kreis Büdingen.

X Usenborn, 28. Febr. Ein Opfer seines Berufes. Don einem Pferd er­schlagen wurde gestern vormittag der Land­wirt und Schmiedemeister Schnur von hier. Er war gerade dabei, einem Pferd ein Huf­eisen aufzulegen, als dieses abrutschte und das Pferd ihm so gegen den Leib trat, daß Sch. getötet wurde. Die ganze Gemeinde und Um­

gegend nimmt herzlichen Anteil an dem tragi­schen Ende des tüchtigen Mannes und an dem Schicksal der Witwe mit ihren zum Teil noch kleinen Kindern.

Kreis Lauterbach.

£ Lauterbach. 27. Febr. Eine D^r- ammlung der Flcischbe schauer des Kreises fand gestern imJohannesberg" statt, die Vertreter des Kreisveterinäramtes wohn­ten derselben bei. Der Vorsitzende Komp- Ilbeshausen erstattete bie Schlachtungsstatistik ür das Jahr 1921. Veterinärrat Dr. Kick hielt einen Vortrag über lebenswichtige Fragen der Fleischbeschau und deren Bedeu­tung Jur die Volksgesundheit. Daran schloh sich eine Vachprüfung für die Fleischbeschauer. Das Abdeckereiwesen des Kreises soll eine Neuregelung erfahren. Im Saale des Gast­wirts Kautzer wurde bei starker Beteiligung die Gründung eines Hausbesitzer- Vereins endgültig vollzogen.

Kreis Schotten.

B. Burkhards, 28. Febr. Auf dem Wege zur Kirche wollten Schulkinder im Mühlgrabai der sogenannten Obermühle, oberhalb des Dor­fes, am Ausgang nach Kaulstos zu, die Leiche eines unbekleideten kleinen Kindes gesehen haben. Die Hntersuchung durch die Gen­darmerie und die Nachforschungen an Ort und Stelle bestätigten die Rich isteit der Aussagen der Kinder. Die gerichtliche Hntersuchung stellte fest, dah es sich um eine nicht lebensfähige jrü&gcbuti handelte. Es ist möglich, dah die Leiche nicht In Burkhards in die Vidder geworfen wurde, son­dern durch das infolge bei Schneeschmelze hoch- gehende Flühchen von einer höher gelegenen Stelle im oberen Viddertale hierher geschwemmt wurde

Kreis Friedberg.

"2$. Dad-Vauheim, 28. Febr. Die Kur- zeit, die seither aus Sommer« und Wrntrr-- saison bestand, findet von nun an eine andere Einteilung. Die Frühjahrskurzeit dauert vom 1. bis 31. März, cS schliefst sich als Haupt­saison die Sommerkurzeit vom 1. April bis 30. September an. Den Deschluh bildet die vom 1. Oktober bis 30. November währende Herb st kur zeit. Die Winterkurzeit, die in den letzten Jahren der Kurverwaltung nicht zu deckende Hnkosten verursachte, kommt künftig in Wegfall. Das Kurhaus wird also während der Monate Dezember, Januar und Februar geschlossen blei­ben. Der Dadebetrieb wird in bescheidenem Um­fange aber auch während des Winters aufrecht­erhalten. Morgen hält also das Frühjahr, hoffent­lich auch von dem herrlichen Frühliugswetter der letzten Sage begleitet, feinen offiziellen Einzug in Bad-Nauheim. Das Bad öffnet wieder seine Pforten.

Starkenburg und Rheinhessen.

spd. N a u h e i m i. R., 28. Febr. Während dem ersten Turnwart gelegentlich seines Hoch- zeitsfestes am Samstag vom Verein ein Ständchen gebracht wurde, benutzten Diebe die Gelegenheit und stahlen den HochzeitS- kuchen und die Hochzeitszigaretten.

* Offenbach, 28. Febr. Vorn Spiel in den Tod. Arn Sonntagabend kehrte eine Fa­milie vom Spaziergang heim und scherzte im Hausflur noch mit Dem 6 Monate alten Kinde, das im Kinderwagen lag. Dabei fiel das Kleine aus dem Wagen und erlitt einen Schädelbruch, an dem gestern starb. Gestern ging eine Frau mit ihrem 16 Monate alten Kinde nach der Dornst raste, wo ihre Mutter eine Mansarde bewohnt. Grostmutter, Mutter und Enkelkind be­fanden sich im Mansardenslur. Dort lief das Kind in einem unbewachten Augenblick an das Treppengeländer, dessen Stäbe unglücklicherweise weit ausrinanber stehen und fiel durch die Stäbe durch ins Treppenhaus. Es erlitt einen Schädel­bruch so schwerer Art, dast der sofort herbel- geiufene Arzt nur noch den Tod feststellen konnte.

tob. Mainz, 27. Febr. Während der Hochzeit bestohlen wurde am letzten Samstag ein junges Ehepaar von hier. Wäh­rend die Brautleute in der EhristuSkirche weil­ten, wurde aus dem Auto, das vor der Tür hielt, der Heberzieher des Bräutigams mit einem größeren Geldbetrag gestohlen.

Kreis Wetzlar.

ra. Wetzlar, 28. Febr. Unsere Stadt­verordneten haben auf Antrag dem

Wie gebe ich meine Steuer­erklärung ab?

Don amtlicher Seite wird uns geschrieben:

Anfang Februar dieses Jahres haben die Finanzämter die öffentliche Aufforderung zur Einkommensteuer-Erklärung an alle diejenigen erlaf'en, die ein steuerbares Einkommen von mehr als 24 000 Mt. im Kalenderjahre 1921 gehabt haben Den meisten Steuerpflichtigen ist inzwischen das Steuererklärungslormular zugestelll worden. Wo eS bisher nicht geschehen fein sollte, tut der Steuerpflichtige (also auch der Festbesoldete, der im Kalenderjahr 1921 ein Gin- konnnen von mehr als 24 000 Mk. bezogen hat) gut, sich bei der zuständigen Steuerbehörde um bas Formular zu bemühen. Das Formular für b« Steuererklärung ist spätestens bis zum.Mär^ 1922 dem zuständigen Finanzamt ausgefüllt und eigenhändig unterschrieben wieder einzusenden. Auch die mündliche Abgabe der Steuererklärung vor dem Sinanyimt ist zulässig.

In dem Formular ist, je nachdem, ob sich bas Einkommen aus Grundvermögen, ©etoerbe- betrieb, Kapitalvermögen, aus Arbeit ober sonsti­gen Einkommen zusammenseht (vgl. Ziffer 1 bis 5 beS Formulars), eine genaue (Srftärung barüber abzugeben, wie hoch sich bas steuerpflichtige ZaHreseinkommen einschliestlich bes Einkommens der zur Haushaltung zählenden minderjährigen Kinder und der in der Haushaltung lebenden Ehefrau aus diesen einzelnen Steuerarten i m Kalenderjahre 1921 belaufen hat, wobei zu bemerken ist, bah zum steuerbaren Einkommen alle Einkünfte aus Grundbesitz, Gewerbebetrieb, Kapitalvermögen, Arbeit und sonstigen Einnahmen ohne Rücksicht ba r au f gehören, ob e s s i ch um einmalige ober wieberkeh» rende Einkünfte handelt. Anzugeben ist das Einkommen, bas im ganzen Kalenberjahr 192 1 tatsächlich bezogen ist. Don dem baraus durch bie Steuerbehörde errechneten Zahres­st euerbetrag werden nur brei Viertel- jahresbeträge (für die Zeit vom 1. 4. 1921 bis 31. 12. 1921) erhoben, weil bas bisher mit dem 31. März ablaufenbe Rechnungsjahr von Enbe 1921 ab mit bem Kalenberjahr zusammen- gelegt ist.

Bei Abgabe der Einkommensteuererklärung für bas Kalenberjahr 1921 ist es für ben Steuer­pflichtigen wichtig, zu wissen, bah nach Art. 11 des Gesetzes zur Aenberung bes Einkommen­steuergesetzes vom 20. Dezember 1921 bie Ein­kommensteuer für das Rechnungsjahr 1921 noch nach ben bisherigen Vorschriften veranlagt wird: es kommt also noch der alte Steuertarif (vorn 24. 3. 1921) zur Anwendung. Die Bestim­mungen der Novelle vom 20. Dezember 1921 und ihr Tarif treten erst für die Anfang 1923 vorzunehmende Veranlagung für das Ka­lenderjahr 1 92 2 in Kraft.

Im einzelnen bedeutet diese Anwendung der bisherigen Bestimmungen, dah z. B. bei der dies- maligen Veranlagung Versicherungsprä­mien nur insoweit abzugsfähig sind, als sie ben Betrag von 1000 Mk. nicht übersteigen. Ferner färb noch bie bisherigen Vorschriften über bie Ermähigung ber Steuer wegen be -- sonberer wirtschaftlicher Verhält­nisse (§26 des Gesetzes) mangdxmb. Als Ver­hältnisse dieser Art gelten insdes.auhergewöhnliche Belastung des Steuerpflichtigen durch Hnterhalt i. Erziehung ber Kinder/ burch Verpflichtung zum Unterhalt mittelloser Angehöriger, durch Krank­heit, Körperverletzung, Verschuldung, Unglücks- fälle ober burch befonbere Aufwendungen im Haushalt infolge einer Erwerbstätigkeit der Ehe­frau kann also für 1921 nur bis zu einem Einkommen von nicht mehr als 30 000 Mk. ge­währt werden. Die Anrechnung der im Ka­lenderjahre entrichteten Kapitalertrags» (teuer kann nur bis zu einem steuerbaren Ein­kommen von 14 000 Mk. erfolgen, und zwar nur, wenn der Steuerpflichtige über 60 Jahre all ober erwerbsunfähig ober nicht blotz vorüber­gehend behindert ist, seinen Lebensunterhalt durch eigenen Erwerb zu bestreiten. und wenn das steuerbare Einkommen hauptsächlich aus Kapital- einkommen und Wartegeldern, Ruhegehältern, Witwen- und Waisenpensionen, Deamtenpenfio- nen und ähnlichem besteht (§ 44 Abs. 1 des Ein­kommensteuergesetzes).

Zu den Fragen des Steuererklärungs- fvrmularS nach der Zusammensetzung der Einkünfte ist als besonders wichtig hervor- zu heben :

Die Blüchernichten.

Roman von HannsvonZobeltih.

(Nachdruck verboten.) (Schluh.)

Ach . . . nun war das Glück fort, doch ber Stein auf dem Herzen blieb, die Angst und Sorge Aber gezeigt hat es Charlotte nicht. Hai sich gereckt, glutrot im Gesicht:Ja, Frau Mutter, eS bleibt habet Tut mir weh, bie Frau Matter betrüben zu müssen wir lassen nicht voneiw ander! Gute Nacht

Trinnen im Kämmerlein haben d e Schwe­stern noch lange aufgesessen. Ter Mond schien durch die beiden schrägen Fenster, mild und frub» llch. Und sanft und friedlich sprachen bie Schwe­stern Charlotte zu und ratschlagten mit ihr. Lore tat ihr Mäulchen am weitesten auf:Mach's wie ich, fall' deinem Schatz auf offener ©träte um den Hals. Und wenn bas nich s nützt, lay dich entfuhren. Das hält' ich auch getan. ES findet sich schon ein warmherziger Pastor, ber Mitleid mit euch hat unb each 5ufamment.1t. Luise hat für Olbia ten gestimmt, tm No.falle wolle sie das Lottekinb nach Wien schicken za ihrer Schwiegermama, der Gräfin: bann käme b:t ber Matter schon bie Sehnsucht, day sie nachacde. Julie riet bau, bie zierliche Frai zu H.lfe za rufen, and Fiekchen endlich hat gemeint: wenn bie anberen Schwiegersöhne heimgekehrt, sollten sie gemeinsam einen Ansturm auf bie M itter machen.

Zu einem Entschllitz kamen sie nicht, mb Charlotte mu'jte unter dicken Tränen ci isch'afrn.

Am Margen wurde ber Kornett ins Ver­trauen gezogen. Der warf sich in die Brust: »LatzL mich nur machen!"

Und er ging schnurstracks nach dem Prdais Blüchers, hatte auch Glück, wurde vorgelassen,

nachdem er seinen Namen genannt unb brinnen beim Fürsten angefragt worden war.

Im Bett Hal ihn der Herr Felbmarschall empfangen, war ober frischer als gestern, hatte die Piep Tobak zwischen ben Lippen unb das Patz­glas Pontak neben sich auf bem Nachttischchrn.

Hallo, der Junker Giese: Na, mein Jung', alles in Ordnung? Wunde heil and rein? Freut mich. Bist ein braves Kerlchen, hast gu e Heile­haut. Und ... ja ... ber Doktor Hünswanger . . . das ist mal ein richtiger Medikus, nicht blotz solch Pslasterkasten. Mein alter Q3.e Sie lobt ihn auch über die Hutsch rar."

Wegen des Hünswanger grab komme ich, Euer Durchlaucht."

Richtet sich ber Alte auf, pafft eine mächtige Wolke.Wegen bes Hünswanger? Da bin ich doch neugierig. Darfst üb igens ruhig Onkel Blücher sagen, wo wir so alleine zu zweien sind. Also schietz los"

Diesmal hat's der Kurt gut gemacht, weil et keine diplomatischen Allüren arma^m, f t e Fisimatenten redete, sondern frisch von der Leb:r in einem Zuge, bis er, schsotz:Jetzo mutzt du helfen . . . lieber guer' Onkel Blücher . . .

Der Greis hat sich wieder zurück^elehnt, dehnt sich behaglich, sinniert unb hat bald fein pfiff ges Husarenlächrin. Es dauert eire Weile, bis er antwortet: mutz erst seine Pfei'e ausklopfen and muh ben bunlelroten Pontat trinken.

Ja also, mein Junge, Habs eigentlich ver­schworen, mit ber Frau Mutter noch einmal an» zubänbeln. Ist fein S.a*" vergnügen. Ader, nun ja, das mit dem Bürgerlichen, das geht mir doch zu sehr gegen ben Strich nun gar, wo sich's am solchen 'Mann wie ben Hünswanger handelt. Schnurrige Idee von der Muller als ob vor Gott nicht alle Menschen gleich wären. Ja . . . ich denk' auch an euren gllen Da ter. Der hätt nicht anders über ben Kasus gedacht als ich, und versprochen hab' ich ihm, euch za Hel,en, wo

ich nur kann. Ja . . . unb nun klingle mal ba steht bie Schelle."

Ter Diener hat die Schreibmappe bringen müssen unb Tinte unb Gänsekiel unb hat Durch­laucht im Rücken gestützt, während er schrieb:

Werte Frau Muhme mit Freud hab ich vernommen das nu alle ihre fünf liebe Medels an den man gekommen hab mir auch noch be- sohnders gefreit über die Lotte unb ben Dok­tor Hünswanger so ich sehr schützte und so ihrem Kurth ja datz junge Leben gerettet über- nem auch vor Lotte die Aussteier unb ich teil so es ber Frau Muhme genehm den fünfen b e Hochzeyi in Krieblowitz au rihchten fobalbe s e all gefunnt un behänder sind. Alsdann and toolln wihr auch meines alten Freundes Giesr gedehnten das er vom Himmel bie fangen Pah re segne.

Blücher."

Schried's, faltete ben Dogen, siegelte ihn mit dem fürstlichen Wappen unb gabs bem Kornett: ^Das hier gibst du der Mutter, and ber Blücher lieft grüßen. Ich denk', es wirb helfen."

Hat ter Kornett feine Revue'z gemacht, gedankt unb bie Sooren zusammeng.schlrgen, da ft sie Hinten, unb ist stolz von bannen gegangen.

Wirklich ist im nächsten Frühahr, als ber Flieder hn Schlo'-parck blüh'e unb duftete, in ter Dorfkirche tu Krich'owitz die fünffache Hochzeit gewesen. Tenn ter Blücherbrief hat Wunder ge­tan an ber Frau Mutter.

Nachdem ber alte Pfarrer loa die Paare vor dem Altar des Herrn ?ufamiren^ean, fand im grosten Sch'otz'aal das Festmahl statt, wostei ter Feldmar chall bie Gräfin Mar incz u b des Bttomtes Vater die Frau von Gie'e, die vor Glück strahlle und ganz verjüngt gewesen, zur Tafel führte.

Ter Marschall hat auch eine wunderschöne Rede auf die jung Vermählten gehalten, wie er denn überhaupt viel schöner feierlich sprechen.

als schreiben gekonnt. Als die Hoch"a"e ver° riungen, aber hat er sich noch einmal erhaben und in tiefer Rührung gebeten, einstilles GlaS" auf seinen lieben Kameraden tm Himmel, ben Vater Giese, zu leeren, hat seines Heldentod- in schwere' Stunde gedacht unb erzählt, wie er dem Todwunden als Trostwort zugerafen: Wir können fallen unb sterben . . . unser Vater­land, das bleibt 1 Und wie sich das erfüllt Haber Tem Mar'chall Vorwärts sind bahei bie Tränen in die Augen gekommen, und selbst die beiden Franzosen an ber Tafelrunde sind erschüttert gewesen.

Ter neugebackene Leutnant Kari von Gie'e hat mit der Frau Mutter geheult. Ader wie solch junges Voll ist, hat er sein Herzleid ertränken wollen und ist schliestllch, als er um die Tasel herumlief, um Onkel Blücher für alles Gute, wa­ber an ben Gieses getan, zu bauten, nicht mehr ganz sicher auf den Beinchen gewesen.

Tann haben die fünf jungen schönen Frauen antreten müssen, nach derAce nität in Rcih und Glied unb hinter jeb eihr Ehemann. Tenen hat Turchlaucht fest die Hand geschüttelt, ater die Frauen Haden jede ei en orce llichen dicken Kutz bekommen. CS ging gcwz glatt, der Herr Felbmarschall hatten seinen Rasiertag gehabt.

Tie Frau Fürstin, die Gräfin Marti ez unb die zierliche Frau sahen lächelnd zu, wie der Alte sich nach jedem Schmay ben Husarenbart strich, datz man merkte, es schmeckte ihm.

Als er aber die Lore absolv e tt, ist er zur Frau Muller getreten unb hat schmunzelnd ge­sagt:Nun hätten wir sie ja alle säte unter die Haube. Frau Muhme, haben S,e ein Glückt"

Glück?" hat sie zurückgegeben und sich stolz ausgerichtet.Hat sich was mit bem Gl ck' Glück alleine tutS nicht. Wenn ich nicht getre'en wäre?! Wer hat beim bie guten Kinber zusammen­gebracht?!"