Ausgabe 
1.3.1922
 
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Aus dem desetzten Gebier.

Neue Ausweisungen.

Paris, 28. Febr. (WTB.) Nach einer HavaSmeldung ans Koblenz hat die inter­alliierte Obertommission in den Rheinlanden die Ausweisung des Notars Julius B u - denbendec in Landstuhl (Pfalz) aus dem besetzten Gebiet angeordnet. Budenbender wird als ehemaliger deutscher Offizier be­zeichnet und soll in ständigen Beziehungen mit alldeutschen Kreisen des unbesetzten Ge­bietes gestanden haben, denen er alle er­reichbaren Auskünfte über die Desatzung­verhältnisse mitgeteilt hätte. Das Kriegsgericht in Landau habe ihn zu zwei Monaten Ge­fängnis verurteilt. Die Meldung besagt ferner, daß die Oberkommission die Ausweisung von vier ungenannten Personen deutscher Nationalität verfügt habe, deren Führung die Sicherheit der Besatzungstruppen gefährdet haben soll.

Berlin, 1. März. Der Kommandant der Düsseldorfer Besatzungstruppen hat, wie derLok.-Anzeiger" meldet, wegen angeb­licher Beteiligung an verbotenen Organi- satwnen etwa 30 Personen, darunter mehrere Schüler höherer Lehranstalten, unter gleich­zeitiger Verurteilung zu einem Monat Ge­fängnis ausgewiesen.

Aus Stabt und Land.

Die den. ben,l. März 1922.

* Unfer neuer Roman, mit dessen Abdruck wir morgen beginnen, ist eine er­mächtigte Aebersetzung eines Werkes der dä­nischen Schriftstellerin Zngeborg Doll- auartz und heißt: Die Pforte des Pa­radieses. Die Verfasserin schreibt ein hohes Lied der Frauenliebe, die mit Mut und Güte den Trübsinn überwindet, der den Mann in Fesseln schlagen will. Die frische, teilweise mit feinem Humor gewürzte Zeichnung der Neben­figuren erhöht den Reiz des Werkes.

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* * Die nationalen Arbeiter- und Berufsverbände haben hier für Gießen und Umgegend eine Geschäftsstelle eröffnet. Es wird uns darüber geschrieben: Der Arbeitsgemein­schaftsgedanke wird von den Verbänden beharrlich weiter vertreten und gepflegt, obwohl sie wegen des Terrors der drei Klassenkampfgewerkschaften nicht in derZentralarbeitsgemeinschaft" vertreten sind und obwohl diese selbst weit davon entfernt ist, als wirkliche Arbeitsgemeinschaft auf» gefaßt werden zu dürfen. Ihr gesunder Grund­gedanke ist aber auch der der nationalen Derufs- verbände und wird von diesen nach wie vor als der Seitgebante angesehen, mit dessen Hilfe es allein möglich sein kann, die wirtschaftlichen und politischen Gegensätze zu überwinden, zur natio­nalen Einheit zu gelangen und gleichzeitig die Produktion unserer Wirtschaft und damit die Kaufkraft der Löhne und Gehälter zu steigern, also die Lebenshaltung, insbesondere der Arbeitnehmerschaft zu ver­bessern. Soziale Reformarbeit ist nur unter dem Zeichen deS Willens zu ehrlicher Aibeits» gemeinschaft möglich. Die im Interesse der Her- öeiführung der Werksgemeinschaft auf Betriebsgruppen aufgebauten nationalen Derufsverbände kultivieren programma.isch und praktisch den Willen zur Arbeitsgemeinschaft. Zhre Praxis als Znteressenvertretungsorgani- sationen der Arbeitnehmer und ihre plan­mäßige und großzügige volkswirtschaftliche und staatsbürgerliche Aufklärungs-(Kursus°)Arbeit unter der Arbeitnehmerschaft beweisen dies. Außerdem seht ihr Charakter an Stelle des klassenkämpfe i chen sozialpolitisch zwangswirt- schastlichen Gewerkschaftsgedankens, der die Persönlichkeit und den Bec-ufsgedanten durch den seelenlosen Arbeitnehmergedanken ertötet, wieder den sittlich höher stehenden Berufsver­bandsgedanken, d. h. Bewußtsein und Wille, zu besonderen Diensten für das Gemeinwohl be­rufen zu fein.

Angestelltenversicherungs­pflicht von Lehrlingen und Volon­tären. Handlungslehrlinge im Sinne der Paragraphen 76 ff. des Handelsgesetzbuches sind während der Dauer der Lehrzeit nicht versicherungspflichtig nach dem Dersicherungs- gesetz für Angestellte. Bureaulehrlinge, d. h. Lehrlinge, die nicht im Handelsgewerbe, son­dern in Bureaus, z. B. bei Rechtsanwälten, Behörden usw. tätig sind, sind dann ver-

Die Frankfurter Goethewoche.

Eine akademische Feier.

Frankfurt a. M.. 28. Febr. (Wolff.) 3n Anwesenheit des Reichspräsidenten Ebert, der Minister Dr. Doelih und Dr. Köster, des hessischen Staatspräsidenten Ulrich und vieler geladener Gäste, unter denen man Gerhart Hauptmann und Thomas Mann bemerkte, fand heute mittag in der überfüllten Aula der Universität die von der Studentenschaft veranstaltete akade­mische Goethe-Feier statt. Prorektor S ch 5 n f l e i h wies in Vertretung des am Er­scheinen verhinderten Rektors darauf hin, daß zum erstenmal eine deutsche Universität die Ehre habe, den Reichspräsidenten zu bewillkommnen. Kultusminister Dr. Boelih dankte im Namen des Reichspräsidenten für den freundlichen Emp­fang. Er wies auf die hohe Bedeutung hin, die nach dem Verlust der Universität Straßburg der Frankfurter Universität zukomme und versicherte unter dem lebhaftem Beifall der Hörerschaft, daß er gleich seinen Amtsvvrgängern die Entwicklung der Universität mit aufrichtiger Freude verfolge und für ihr Wohl Sorge tragen wolle. Nach einer feinsinnigen Würdigung Thomas Manns durch Professor Schultz, den Germanisten der Uni­versität Frankfurt a. M., ergriff Thomas Mann das Wort zu seinem Fe st vortrage über Tolstoi und Goethe, der mit stürmischem Beifall von der zahlreichen Zuhörerschaft pufge- nommen wurde. Die Feier wurde von Gesangs- vörträgen des Akademischen Chors umrahmt. Auch Gerhart Hauptmann wurden beim Ver­lassen des Universitätsgebaudes stürmische Kund­gebungen bereitet.

stcherungSpflichtig, wenn ihre Tätigkeit nicht bloß in niederen oder lediglich mechanischen Dienstleistungen besteht und wenn das ge­zahlte Entgelt die Hälfte des OrtSlohns für Angestellte desselben Geschlechts und des­selben Alters übersteigt. Die Versicherungs­pflicht beginnt mit dem Tage, an dem der Angestellte 16 Jahre alt wird. Für Volontäre im Handelsgewerbe, für die ein regelrechtes Lehrlingsverhältnis (Lehrvertrag) besteht, gilt dasselbe tote für Handlungslehrlinge.

* * Der Gaspreis wird von heute ab infolge weiterer Verteuerung der Kohlen und Betriebsmaterialien, Frachten usw. auf 2,75 Mk. für das Kubikmeter erhöht.

* * Die Preise für Friedhof S- arbeiten find nach einer Bekanntmachung der im Dezirksverein Gießen bereinigten Gärt­ner im heutigen Anzeigenteil neu festgesetzt worden.

* Treue Mieter. Die Familie Kin­kel wohnt heute ununterbrochen feit fünfzig Jahren in Mösers Mühle zur Miete.

Vornotizen.

Tageskalender für Mitt­woch. Stadttheater 7 Uhr:Schneider Wib- bel". Cafe Leib, 8 Uhr: Lichtbildervortrag: Die Fremdenlegion". Pvstkeller, 8 Uhr: Versammlung der Deutschnationalen Frauen- aruppe. Astvria-Lichtspiele:Der Schatz der Azteken" undDie Frau im Käfig".

AuS dem Stadttheaterbureau. Es sei auch an dieser Stelle auf die heutige erste Wiederholung der hübschen Komödie von Müller- SchlösserSchneider Wibbel" hingewiesen, die bei der flotten hiesigen Aufführung am ver­gangenen Dienstag einen starken Erfolg er­zielt hat.

Ober hessischer Kunst verein. Heute sind die zur Ausstellung angemeldeten Kollektionen des Süddeutschen Illustratoren- Bundes München eingetroffen und gelangen morgen zur Aufstellung, so daß die Eröffnung am nächsten Sonntag bestimmt erfolgt.

Lienhard-Abenb. Am Donnerstag­abend veranstaltet der Goethe-Bund in dem Sing­saal des Realgymnasiums einen Lienharb-Abend, an dem die dramatische Dichtung Wieland der Schmied in verteilten Rollen zur Vor­lesung kommen wird. Frau Direktor Mendelssohn hat die Leitung und Einstudierung des Werkes übernommen, so daß ein stimmungsvoller literari­scher Abend zu erwarten ist. Auch die Wahl gerade dieser dramatischen Dichtung Lienhards ist sehr glücklich getroffen. (Siehe Anzeige.)

Auf den heutigen Aufrif des Bühnenvolksbundes zweckd Gründung der Theatergemeinde weisen wir nochmals hin. Es ist deshalb so wichtig, daß sich solche, die Mit­glieder werden wollen, noch in dieser Woche eintragen, weil bereits am 5. März dem Stadt­theater mitgeteilt werden muß, ob genügend Teil­nehmer vorhanden sind, um die 1. Vorstellung am 13. d. Mts. stattfinden zu lasten.

Wettervoraussage

für Donnerstag:

Wolkig, strichweise Niederschläge, mild, Winde aus westlichen Richtungen.

Von dem nordatlantischen Tiefdruckgebiet trennen sich flache Landwirbel ab und ziehen rasch nach Osten. Sie bringen uns auffrischende Winde und strichweise Niederschläge. Die bestehende Wit­terung wird morgen noch anhalten.

Landkreis Gieften.

Klein-Linden, 28. Febr. Dec hiesige Kriegerverein hielt auf derBurg" seine Iahresvestammlung ab. Der Jahresbericht zeigte einen Aufschwung des Vereins, der um 14 Mit­glieder zugenommen hat und jetzt 107 Mitglieder zählt. Die Weihnachtsfeier, verbunden mit dem 40jährigen Stiftungsfeste, die erste Vereinsfest­lichkeit nach dem Kriege, zeitigte ein sehr gün­stiges Ergebnis. Der Zahresrechnung wurde ein Denkmalsfonds für die im Weltkrieg ge­fallenen Söhne der Gemeinde beigefügt. Der bis­herige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Am Schluffe der Verhandlungen wurden an die Feldzugsteilnehmer aus dem Weltkriege die Kriegsdenstnün en des ReichskriegerbundeZ Kyff- häuser überreicht. Der Verein zählt 35 Kriegs­teilnehmer.

U Lang-GönS, 1. März. Die Maul- und Klauenseuche wurde bei dem Vieh in der Hofreite des Handelsmanns M. Bam­berger festgestellt.

* Steinbach, 28. Febr. Die hiesige Orts­gruppe des Hessischen Bauernbundes hatte auf Sonntag abend zu einem Vortrag von Dr. Köttgen (Lich) über .Die Steinbacher Doden-

Ein Festmahl im Römer.

Frankfurt a. M., 28. Febr. (Wolff.) Die Stadt Frankfurt hatte heute Nachmittag die zur Frankfurter Goethe-Woche erschienenen Vertreter der Reichs» und Landesregierung sowie die hier anwesenden Dichter, unter ihnen Gerhart Hauptmann und Thomas Mann, zu einem F e ft- mahl im Römer eingeladrn. Bürgermeister Gräf gedachte zunächst in warmen Worten des am Vormittag plötzlich erkrankten Oberbürger­meisters Voigt, denen sich auch Reichspräsi­dent E b e r t in herzlicher Weise anschloß. Bürger­meister Gräf brachte dann Begrüßangs Worte des Obelbürgermeisters zur Verlesung, in bin en die Hoffnung aasgesp ochen wird, daß das dankens­werte Wirken der zur Goethe-Woche erschienenen Gäste dazu beitragen werde, für viele Tausende ein Leben m Goethe zu entwickeln. Geschehe das, so bedeute das den Beginn der Erfüllung der großen Aufgabe, die der Reichspräsident tn dankenswertem Vertrauen zum alten Frankfurt dieser Stadt auch für die Zukunft z rgewiesen habe. Tie-durch die Not in allen Dingen er­forderlich gewordene Zusammen­arbeit der Bevölkerung mit einer verständnisvollen Regierung und mit den geistigen Führern im Reiche werde das Ver­trauen aller Volksteile untereinander, und das Vertrauen zu Reich und Staat befestigen. Reichs- Präsident Ebert gedachte in s.nner Erw dcrung zunächst der- großzügigen Kommunalpolitik der Stadt Frankfurt, die sich gerade in den schweren Jahren der Nachkriegszeit glänzend bewährt habe. Tas Bewußtsein der hohen geistigen und kul­turellen Werte urcseres Volkes geben uns auch den Mut und das Recht, der Zukunft Teutsch- lands zu vertrauen. Das deutsche Volk mache

arten, ihre Bearbeitung und Düngung" sin- geladen. Es hatten sich viele Landwirte und sonstige Interessenten eingefunden. Die klaren Ausführungen des Redners ernteten reichen Bei­fall. Bei dem dem Vortrag vorausgegangenen Feldrundgang wurde festgestellt, daß die Wintersaaten bedenklich gelitten haben, doch kann man hoffen, daß eine günstige Witterung den Schaden zum größten Teil be­heben wird; ein Teilschaden ist jedoch bei der diesjährigen Wintergetreideernte bei uns unaus­bleiblich.

Kreis Lauterbach.

* Lauterbach, 28. Febr. Auf der Straße von Stumpertenrod nach Kestrich ereignete sich ein schweres Fuhrunglück. Vor einer Loko­motive scheuten die Pferde eines mit schwerem Eisenbahnmaterial beladenen Wagens und liefen eine Böschung hinab. Dabei hat sich der Vorder­wagen von dem Hinterwagen vollkommen gelöst, wodurch einer der auf dem Wagen befindlichen Arbeiter auf die Straße stürzte und von den Rä­dern des schwer beladenen Wagens vollkommen zerquetscht wurde. Der Mann war sofort tot.

Vom Vogelsberg, 28. Febr. Die im ganzen Vogelsberg als Sandkathrine bekannte Frau K. B a u s ch e r aus Maar ist in ihrer Sandgrube verschüttet und ge­tötet toorden. Infolge des Regentoetters gab der Sand plötzlich nach und verschüttete die Frau. Ehe Hilfe tarn, war sie erstickt. Seit mehr als 20 Jahren durchwanderte sie den Vogelsberg und versorgte die sandarmeu Orte mit Streu- und Putzsand.

Kreis Schotten.

6 Ruppertsburg, 28. Febr. Die Fischerei in der Horloff ist in unserer Gemarkung von der Chem. Fabrik zu hohem Preis gepachtet worden, da es die Fabrik vermeiden will, daß sie für etwa durch Abwässer entstehenden Schaden von den Päch­tern haftpflichtig gemacht wird.

Kreis Friedberg.

spd. Friedberg, 28. Febr. Tie bekannte Madonna im Hausteinschen Hause, deren Ver­kauf an ein Berliner Museum das lebhafte Be­dauern aller Kreise erregt hatte, denen die Er­haltung wertvoller Kunstdenlmäler in unserem Heimatgebiet am Herzen liegt, scheint noch nicht ihren endgültigen Ruheplatz gefunden zu haben. Sie ist jetzt zum angeblichen Kostenpreis von 125 000 Marr aneinen FrankfurterKäa- ser übergegangen.

Starkenburg und Rheinhessen.

* M a i n z, 28. Febr. 3m August v. I. wurde im Museum in Donaueschingen ein g r o ß e r Ge­mäldediebstahl verübt. Der Kriminalpolizei in Mainz ist es nun gelungen, drei der gestohlenen wertvollen Bilder in einem benachbarten Orte ausfindig zu machen und zu beschlag­nahmen.

Kreis Wetzlar.

* Wetzlar, 28. Febr. Eine am Sonntag in der Steindorfer Gemarkung gelandete Leiche ist als diejenige des Heinrich Wagner aus Grohen- Duseck (Kreis Gießen) festgestellt worden. Wag­ner wurde schon seit November vermißt. Der Er­trunkene trug noch über 1000 Mk. in Papiergeld bei sich.

Hessen-Nassau.

* Wiesbaden, 28. Febr. 3m hiesigen Iustizpalast werden im ersten Stock, an dem Hauptaufgang zwei Ehrentafeln angebracht werden, die die Namen der 30 im CSJeltfrieg für das Vaterland gefallenen Richter und Zustizbeam- ten aufnehmen und dauernd der Nachwelt über­liefern sollen.

AuS dem AmtSverkündigungSblatt.

** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 28 vom 28. Februar enthält: Die Unterbrin­gung Schwerbeschädigter in Deamtenftellen. Vergütung für die stundenweise beschäftigten Handarbeits-, Haushaltungs- und technischen Leh­rerinnen. Die Dienstbezüge der Staatsbeamten und Lehrer. Dienstnachrichten. Feldbereini­gung Hausen. Aenderung bet Ortssahung über den Bezug von Wasser aus dem Wasserwerk der Gemeinde Leihgestern.

Kirche und Schule.

B. Burkhards, 28. Febr. 3n der ver­gangenen Woche hielt der Missionar der Rhei­nischen Mission Phil. Schäfer, der nach seiner Rückkehr aus französischer Kriegsgefangenschaft in den Dienst der Voltsmission eingetreten ist, all­abendlich Evangelisationsvorträge ab­wechselnd hier und im benachbarten Kaulstos. Auch für die Heidenmission wirkte der Missionar durch Wort unb Bild in der Gemeinde und in den Schul­klassen beider Dörfer.

wahrlich eine bittere Schule der Leiden und Prü­fungen durch: aber wenn wir die feste Hoff­nung haben, daß wir uns durchringen werden, so wüßten wir, daß wir in der Hauptsache doch auf unß gestellt seien und alle Kräfte zrsammen- fassen und uns anpassen müßten. Frankfurt habe oiefe Notwendigkeit stets verstanden,

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Neues vonTheodorKörnerund den Seinen. Eine Reihe wichtiger Hand­schriften, die sich auf Theodor Körner und seine Familie beziehen, kommt in der demnächst statt- sindenden Versteigerung bet Karl Ernst Henrici in Berlin zum Verkauf, und wir entnehmen den interessanten Angaben des soeben erschienenen Ka° taloges einiges 3ntereffante über diese Doku­mente. Gin paar Briefe von der Mutter Theodor Körners zeigen ihre Liebe zu dem Sohne. So schreibt sie ihm, den sie zum Weihnachtsfest im Elternhause erwartet, am 16. Dezember 1808, er solle sich bet bet herrschenden großen Kälte nur ja mit recht warmer Kleidung versehen, da er die Reise von Freiburg nad), Dresden im Schlit­ten zurücklegen müsse. Eine Nachschrift schließt s,e mit der Beschwörung:3d) bitte Dich um Gotteswillen, trink keinen Schnaps bet dieser Kälte!" Aus Körners dichterischen Anfängen stammen eine Anzahl von Gedichtentwürfen und einige Tagebuchblätter über die Weihnachtszeit 1806, in der der 17jährige Jüngling eine tiefe Liebe zu einer Ernestine gefaßt hatte, die er in schönen Versen anfingt. Aus einer späteren Epoche stammen mehrere Manuskripe, die dra­matische Entwürfe enthalten, so z. D. die Skiz­zierung einer Szene, die während des Dreißig­jährigen Krieges spielt, und der ersten Szene eines Theaterstückes, Entwürfe, die Körner beibe

:: Pvhk-Göns. 28. Febr. Am Sonntag fand dahier ordentliche Kirchenvisita­tion durch den Superintendenten für Oberhessen, Dr. Petersen von Darmstadt, statt. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz besetzt, wodurch vor allem dem Geistlichen das Vertrauen und die Anerkennung der Gemeinde ausgedrückt werden sollte. Die Visitation verlies in bester Weise: besonders wurde der gute Kirchenbesuch hervorgehoben, der sich in unserer kleinen Ge­meinde im Durchschnitt sonntäglich auf 175 Er­wachsene stellt, der Abendmahlbesuch betrug in 1921 199 Proz. Ebenso wzirde richmend hervor- gehvben, daß die freiwilligen Gaben für kirchliche Zwecke in 1921 allein 10 339 Mk. betrugen.

ra. Dillenburg, 28. Febr. Zu den Vor­bedingungen einer etwaigen Umwandlung des hiesigen humanistischen Gym­nasiums in ein Reformgymnasium oder eine Oberrealschule wurde eine gemischte Kommission gebildet aus Mitgliedern des Ma­gistrats, des Lehrerkollegiums und^"des Eltern­beirats. Auch die Stadtvertretungen von Haiger und Herborn sind um Mitwirkung gebeten, da aus beiden Städten viele Schüler die hiesigen Anstalten besuchen.

eOssenbacha. M., 28. Febr. Aehnlich wie in den Städten Mainz und Darmstadt besteht die Absicht, auch die hiesige höhere Mädchenschule zu einer Studien an st alt auszubauen, damit den Mädchen auch ohne Besuch der Oberrealschule Gelegenheit gegeben ist, das Zeugnis der Reife zu erlangen. Eine stark besuchte Elternversamm­lung faßte eine dementsprechende Entschließung, aus deren eingehenden Begründung nachstehende Stelle entnommen ist:Die Mehrzahl der Eltern kann ihre Töchter heutzutage aus pekuniären Gründen nicht mehr andervrts eine höhere Lehr anftalt besuchen lassen, trotzdem sie den Wunsch und schließlich auch die Pflicht haben, ihren Kin­dern eine volle Ausbildung angedeihen zu lassen, damit sie gegebenenfalls für eine künftige Lebens­stellung vorbereitet sind. Denn zweifellos sind manche kinderreiche Eltern nicht mehr in der Lage unter den heutigen Verhältnissen den Töchtern für die Ehe eine Ausstattung zu beschaffen." Von dem Landesamt für Bildungswesen in Darmstadt er­wartet man keine Schwierigkeiten, dagegen stand der hiesige Oberbürgermeister der Errichtung eine*- Studienanstalt bisher ablehnend gegenüber.

Vermischtes.

Erne neue Flugzeuglinie.

Berlin, 1. März. Wie der Lokal-An­zeiger aus Stuttgart berichtet, wird ab 1. April die Flugzeuglinie Stuttgart Furth Leipzig Berlin eröffnet werden.

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Frankenhausen a. Kyffh., 26. Fe­bruar. (Wolff.) Die unter Staatsaufsicht stehende Studienan st alt für Luftfahr­zeug b a u tim Khffhäuser Technikum in Frankenhaufen, welche als einziges der­artiges Institut Deutschlands Luftfahrzeug­ingenieure ausbildet, gibt bekannt, daß die Nachricht, wonach ihre Absolventen von der Aktien-Gesellschaft Friedr. Krupp für Süd­amerika verpflichtet fein sollen, frei er­funden ist. Auch dahingehende Verhand­lungen hätten nicht stattgefunden. Sämtliche Absolventen, die zur Zeit in Prüfung stehen, hätten in der deutschen Luftfahrzeugindustrie Anstellung gefunden. Keiner der Herren denke daran, deutsche Wissenschaft und deutsches Können ins Ausland zu tragen.

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* Eine neue Rasse in der Südsee, Von einer neuen Rasse, die sich in der Südsea durch die Verbindung der aussterbenden polhnesi > schen Stämme mit den Chinesen gebildet hat, be­richtet der englische Forschungsreisende Edward Salisbury, der mehr als 25 Zähre auf den Inseln des Stillen Ozeans geweilt hat. Nach seinen Mit teilungen waren die Eingeborenen der französischen Marquesas-3nseln, die vor 30 Zähren noch 80 000 zählten, nahe am Aussterben. Es gibt heute nur noch etwa 3000 Seelen. Salisbury schreibt diesen Untergang der Polynesier der Einführung europä­ischer Kleidung zu: diese begünstigt das Auftreten der Tuberkulose, an der die Eingeborenen meistens zwischen 17 und 21 Zähren sterben. Der einzige Ort, wo die Entvölkerung auf den 3nseln des Stillen Ozeans noch kein ernstes Problem bedeutet, ist Samoa, wo die Eingeborenen ermutigt werden, ihre alte Tracht beizubehalten. Die Franzosen sie­delten nun auf ihren 3nfelrt chinesische Kulis an, von denen viele polynesische Frauen heirateten. Auf diese Weise ist nun eine eigenartige neue Rasse entstanden, die augenscheinlich gegen alle durch die Zivilisation hervorgerufenen Krankheiten sehr widerstandsfähig ist und die 3nseln neu be­völkert hat.

nicht ausgeführt hat. Die satirische Lebens­beschreibung eines Bekannten begtr.nt mit den Worten:3n Kahencllenb.gen an der W Neritz bei Potschappel wurde geboren der weltberühmte Trampelmann N.... Der Schulmeister Gänse­stiel war der Lehrer feiner dummen Zagend und machte ihn mit vieler Bemühung endlich zu einem unbrauchbaren Stöpsel." Ein Schriftstück weist ein Verzeichnis der einzelnen von ihm ver­faßten Gedichte auf und war vermutlich zar Her­ausgabe derKnospen" aufgestellt. In die Stu- biensahre des Dichters an der Bergakademie in Fierberg führen einige Blätter au5 Kollegheften ein. Es finden sich hier Auszeichnungen über verschiedene Metalle und Fossilien, auch einige sehr schöne Zeichnungen, so eine mineralogische über dieFarbensuite des Diamants .mb Zir­kons" und ein entzückendes Blatt mit einem Hundsveilchen. Von seinen studentischen In­teressen erzählen verschiedene Entwürfe von Zir­keln für die Leipziger Landsmannschaft Thurmgia, deren erster Chargierter Körner war. Ein Ma­nuskript enthält Aebersetzungen aus dem Drit- schen ins Griechische und ein anderes Auszüge aas den Schriften von Novalis, zu dem sich der fange Körner sehr hingezogen fühlte. Hatte doch auch Novalis in Freiberg unter Werner Berg­bau studiert und das Bergmannsleben poetisch behandelt.

Ferdinand Wittenbauer t. In Graz starb, 65 Zahre alt, der o. Professor der Maschinenbaukande an der dortigen Technischen Hochschule Tr. ing. h. c. F e r d i n a n d W i.i t e n- b a u e r. Weitesten Kreisen wurde fern Name bekannt als Verfasser der akademischen Stücke Filia hvspitalis" undTer Privatdozent".