Nr. 51
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roftfcbedtontc:
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Erstes Blatt
WL Jahrgang
Mittwoch, V Marz 1922
GietzeimAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
vnick und Verlag: vrühl'fche Univ.-Vuch- und 5teindruckerei R. Lange. Zchnftlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstratze 7.
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Neue Ausschreitungen des Militarismus in der französischen Kammer.
Paris, 28. Febr. CDTD.) 3n der heutigen Kammersttzung wurde die Diskussion über den Gesetzentwurf, betreffend Rekrutie- rungdeS französischen Heeres eröffnet. 3n der Generaldebatte ergreift zuerst der Dericht- ctft alter Fabry das Dort zu einer eingehenden Begründung. Tille Kammer ritglieder seien Anhänger der kürzeslen Dienstzeit. Dir Herabsetzung der Dienstzeit auf 1 Hahr fei untergeordnet gewissen politischen Bedingungen^ die die Regierung und das Parlament stellen muhten, so u. a. die Organisation einer ständigen Kontrolle in Deutschland, die Schaffung eines neuen Schuhvertrages, die Vorbereitung von Intcrven- tionsmitteln für den Völkerbund. Der Heercsaus- schuh sei der Ansicht, dah die 18monatige Dienstzeit notwendig sei, eben wegen der politischen und technischen Bedingungen, die noch nicht erfüllt seien, der Ausschuh hofft jedoch, dah sie im Jahre 1925 Wirklichkeit geworden seien. Der Berichterstatter tritt alsdann den falschen Auslegungen e&gegen, die im Auslände den Worten „Sicherheit" und „Entwaffnung" gegeben werden. Diese Begrisfe seien nicht die gleichen in Frankreich, in England und in den Bereinigten Staaten. Frankreich bereite nicht den Krieg vor. Es treffe nur Borsichtsmahr e g e l n. Die Sicherheit eines Landes beruhe auf der Unverletzlichkeit seines Bodens. Zwischen der Lage vor 1914 und der heutigen Lage sei ein groher Unterschied. Bor dem Kriege habe Frankr-.ich niemals die gleiten Anstrengungen wie Deutschland machen können, jetzt aber feien die Bedingungen günstiger, fo da)') die deutsche Bedrohung nur in dem Mähe gefährlich werden könne, indem Frankreich sie gefährlich werden lasse. Die materielle Entwaffnung in bezug auf seine Kriegsmittel sei durch die Kommission Rollet in befriedigender Weise durch- geführt worden. Sie werde es bleiben, solange die interalliierte Kontrolle ständig ausgeführt werden könnte. Allerdings gebe es .roch viele nerfterfte Waffen in Deutschland Der Bericht- -rftatter spricht alsdann von der industrieel- l c n Mobilisierung Deutschlands, die nach seiner Ansicht organisiert bleibt. Die chemischen Fabriken bedeuten eine gefährliche Waffe, icöod) sei es gut, dah 30 Prozent dieser Industrie auf dem jinten Rheinufer gelegen seien. Man könnte also eine ständige direkte Kontrolle ans- nben. Es seien aber Airzeichen dafür vorhanden, dah die Deutschen sich bemühten, auf dem rechten ‘■Rbtlnufer Fabriken dieser Art zu schaffen. Die .deutsche F i v i l f l u g z e u g i >r d u st r i e rverde sich nun au's neue entwickeln tonnen. Hier sei die Verantwortlichkeit der Alliierten direkt engagiert und die Notwendigkeit einer ständigen strengen Ueberwachurig könne nicht abgLleugnet werden. Der Berichterstatter spricht alßbanr. von den deutschen Hochschulen, den deutschen Beamten, den deutschen Richtern und "on dem Deutschland, dem auch das Heer ange- i.üre. Dieses Deuischlandvn Berbindung mit der Schwerindustrie bilde Vas Deutschland, das denke und handle. Es predige den Hass ^egen Frankreich und d i e Revanche. wtinnes und Ludendorff seien seine offiziellen Vertreter. Es gebe auch ein anderes Deutschlaitd, von dem hauptsächlich in beit arbeitenden Klassen gesprochen werde. Aber diese Leute wurden selbst zugestehen, wenn man sie frage, dah sie gegenüber dein ersteren ohnmächtig bleiben. Der Bodner versucht alsdann zu beweisen, dah Deutschland alle Anstrengungen mache, um eine Organisation zur raschen Mobilisierung zu erhallen, also Reserven iMisrricller Mannschaften und eine Reserve en cadres. 3n Berbindung damit bespricht er die Organisation der R e i ch s w e hr, oci Schutzpolizei und der L e ch n i s ch e n A o th i l f e. Die letztere nennt er den organisierten Flügel der Benvaltungs-, Wirtschafts- und Industriemobilisierung. So verfüge Deutschland über wenigstens 250 000 Mann hervorragender Eadres, von denen 100 000 in der außerordentlich vervollkommneten Armee und 150 000 in Formationen Ungeteilt seien, die für eine rasche Mobilisation ausgerüstet würden. 'Diese Bedrohung entspreche Leineswegs der, die entstehen würde, wenn der Friedensvertrag nicht ausgeführt werde. Also müsse ständig kontrolliert werden und man müsse eine Politik auf lange Sicht betreiben. Der Adg. Fabry weist alsdann auf die unsichere Lage Polens hin, das zwischen Deutschland und Russland einer Gefahr ausgesetzt sei und das sich noch nicht an die Kleine Entente durch eine Militärkonvention gebunden habe. Das Gleichgewicht in Mitteleuropa jtönne nicht gestört werden, solange Frankreich am Rhein fte he;, solange Frankreich gegenüber Deutschland eine genügend starke Militärmacht besitze. Sv erscheine die Aotwendigteit eines starken Heeres auch in Friedenszeiten. Die Kammer müsse deshalb einmütig für die erforderliche Heeresstärke sorgen. Der Berichterstatter geht alsdann dazu über, sich im einzelnen über die Organisation, wie sie im Heeresausschuh vorgesehen sei, auszusprechen. Er betont vor allem die 'Bedeutung der industriellen Organisation und weist auch auf die Notwendigkeit einer Verbesserung des Kriegsmaterials hin. Die Sitzung dauert weiter an.
Paris, 28. Febr. (WTB.) Der französische Gewerkschaftsführer I o u h a u r, der vor einiger Zeit an einer Studienreise durch Deutschland teilgenommen bat, die die Gewer^cbaftsintcriratio- nale veranstaltete, um sich über den Stand der Abrüstung in Deutschland zu unterrich
ten, hielt gestern abend in der französischen Bereinigung für den Völkerbund einen Vortrag über feine Feststellungen. Sein Urteil ist günstig. 3n den grossen Industriezentren habe eine rasche Umgeftaftung der Kriegs- in die Friedensfabrikation sich vollzogen. Es sei wünschenswert, dah die französischen Industriellen die e Fabriken besuchten, um sich über das in diesem Sinne Erzielte zu unterrichten. In Deutschland bestehe ein wahrhaft neuer Geisteszustand. F ar- zösilcherseits seien Fehler begangen worden. Die alliierte Lleberwachungskommission toi fe noch nicht den erforderlichen Unterschied zwischen Kriegsund Friedensindustrie zu machen.
Gin kostspieliger Uebungsplatz für die BcfatzungStruppcn.
Berlin, 28. Febr. Auf eine Anfrage der Abgeordneten Dr. Moldenhauerund Dr. -Zapf (D.D.P.) über die Anforderung eines Truppenübungsplatzesfürdie Besatzungsarmee erklärt das Reichs- fchatzministerium in seiner Antwort, dah für den von General Degoutte geforderten Divisionsübungsplatz das Ministerium einen in der Bayerischen Pfalz bei den Orten Eppenbrunn — Ludwigswinkel — Fischbach gelegenen, auf etwa 3000Hektarge- schätzten Wald st reifen hergeben will. Für den Truppenübungsplatz sind eine Reihe von Massivbauten zu liefern. Ausser- dem wird die Anlage einer Schmalspurbahn gefordert. Der Gesamtkostenbetrag für die Herstellung des Truppenübungsplatzes beläuft sich voraussichtlich auf 200 Millionen Mark. Am Schlüsse der Antwort wird bemerkt, daß es sich bei dieser Forderung um eine der vielen Vertragsverletzungen infolge per Besetzung des Rhrinlandes handelt.
Hetzereien im englischen Unterhaus.
London, 28. Febr. (Wolff.) 3m Unter» Haus fragte Sir John Butchler den Attorney- General, ob feine Aufmerksamkeit auf die Tatsache gelenkt worden sei, dah die stl-Boot-Offiziere Oberleutnant Boldt und Wittmar aus bem Gefängnis entwichen feien und ob die britische Regierung irgendwelche Erkundigungen bei der deutschen Regierung über die Umstände der Flucht eingezogen habe, sowie ob die Flüchtigen bis her- verhaftet worden seien. Der Attorney-General antwortete, die britische Regierung habe eine A n= frage mit n achdrücklichem Protest an Sie deutsche Regierung geächtet. Diese habe die Zusicherung gegeben, bat- sie irden möglichen Schritt getan habe, um die Wiederverhaf- turg der Offiziere zu sichern. Bisher sei keine Mitteilung erfolgt, dah die Offiziere wieder verhaftet worden seien.
Sire Frederec Halt fragte, ob hr Anbetracht der Tatsache, dah Deutschland die Bestimmungen des Friedcnsver träges bezügliche der Zerstörung des Kriegsmaterials und de.' Einstellung der 'Fabrikation neuen Materials vorsätzlich umgehe, Schritte getan würden, am die alliierten Militä tcntrol t.mmif ionen zu siär'en und die .Untersuchungsvollmachten dieser Kommissionen seitens der Regierung za erweitern. Gin enbereä Parlamentsmitglied fragte, cb de Regierung sich Rechenschaft al).ege, das) Deutschland die Bestimmungen über die Abrüstung v.r fasslich und systematische umgehe unb ob die Regierung ihre Aufmertfamkeit sofort dieser ernsten Bedrohung des Weltfriedens zuwenden werde.
Chamberlain erwiderte auf beide Anfragen. Er erklärte, es hätten von einzelnen Personen, darunter untergeordneten Beamten, in Deutschland Verstösse stattgefunden. Rach Ansicht der Regierung würde es jedoch nicht z u- t reffen, zu sagen, dah von der deutschen Regierung beständige und vorsätzliche ihn* gelungen stattfänden. Erschöpfende Berichte über den Fortschritt der Abrüstung würden regelmässig von der interalliierten Kontrollkommission dem alliierten Komitee in Versailles übermittelt, das solche Angelegenheiten der Botschafterkonferenz oder bem Obersten Rat zur Kenntnis bringe. Die Befugnisse seien im 'Friedensvertrag festgelegt und könnten nicht abgeändert werden.
Der Reichskanzler Dr. Wirth über die Konferenz in Genua.
Berlin. 28. Feer. Der Reichskanzler gewährte den Abendblättern zufolge, während ferner Anwesenheit in Karlsruhe dem Vertreter der badischen Zsttrumskorrdspoirdenz eine Unterredung, in deren Verlauf er über die Konferenz von Genua u. a. sagte:
Gedanken und Anregungen werden auf deutscher Seite nicht fehlen. Die Vorbereitungen sind in allen Ministerien in vollem Gange, man muh aber eilte bedenken: Die Konferenz von Genua ist nicht zusammenberu^en, um lediglich über das Schicksal des deutschen Volkes zu beraten, fte beschäftigt sich auch mit der europäischen, ja noch mehr mit der Weltwirtschaft. Wenn man nicht raschestens beginnt, die europäische Wirtschaft als Ganzes zum Gegenstand eingehender Erwägungen zu machen, und danach zu handeln, so steht man vor dem Untergang des Abendlandes. Man mag über das englische Wort spenglerism denken tote man will, und es als Fehlgriff an- sehen: Europa ist durch und durch wirtschaftlich krank. Diktate und Sanktionen, wie die Besetzung deutscher Städte und Gewaltmassnahmen können I den europäischen Kontinent nicht seiner Gesundung entgegenfübren. Aber auch mit Guropa | allein ist es nicht getan. Die Katastrophe des
Weltkrieges hat die Weltwirtschaft fo tief bc» einstusst, dass nur Klugheit und Mässigung auf allen Gebieten innerhalb der Grenzen menschlicher Vernunft der Weltwirtschaft zur Gesundung bringen können.
Am Schluss der Unterredung erklärte der Reichskanzler zu den Gerüchten über Differenzen innerhalb der Z e n t r u m s p a r t e i, dass es wohl im Zentrum wie in allen politischen Parteien auch Mcinungsverschiedc beiten gegeben habe: die Hauptsache sei aber die Grundem st el- lung und daoei gäbe es nur eine Antwort: Einig und geschlossen wie kaum jemals!
Ablieferung weiterer 31 Millionen Goldmark.
Paris, 28. Febr. (WTB.) Wie der ,^Temps" mittellt, hat die deutsche Regierung die ReparativnSkvmmission von der Uebcr- wersung weiterer 31 Millionen G o l d m a r k an die dazu bestimmten Banken in Kenntnis gesetzt. ES handelt sich um die 5. Rate seit den Beschlüssen von Cannes.
Schweizerische Kritik an den Beschlüssen von Boulognc.
'Bern, 28. Febr. (WTB.) Der .Bund" nimmt energisch Stellung gegen die Beschneidung der Konferenz von Genua und schreibt: Die Konferenz ist doch einberufen worden, um das europäische Wirtschaftsleben und Wirtschaftschaos zu heilen, um in gemeinsamer Arbeit aller europäischen Mächte das Beste für die Gesundung zu suchen. Wo der eigentliche Fieberherd steckt, weiss jedermann, der gesunden und nüchternen Sinnes in die Welt blickt. Jede Lösung der europäischen Krise, die nicht die Revision der Friedensverträge ernstlich in Angriff nimmt, ist von Anfang an zur Hoffnungslosigkeit verurteilt.
Die „Baseler Aachrichten" sehen einen sehr wichtigen negativen Erfolg der Genueser Konferenz darin, dass sich die Erkenntnis von der Unfähigkeit der französischen Doktoren, heissen sie nun Briand ober Poincar^. zur Heilung Europas vor aller Welt herausstellt und dass nachher Amerika di.ese Doktoren selbst in bi e Kur nehmen wirb, da es die Mittel dazu besitzt.
Die .Reue Schweizer Zeitung" betont, dah die von ^nglani) eingeleitete Politik des europäischen Wiederaufbaues und möglichst des Ausgleichs aller Gegensähe mir bet dem guten Willen Frankreichs möglich ist.
Schanzer und Poincare.
Paris, 28. Febr. (WB.) Der neue italienische Aussenminister Schanzer ist heute nachmittag aus Washington in Paris eingetros- fen und vom Ministerpräsidenten Potncarö empfangen worden.
Paris, 1. März. (WTB.) Die Besprechungen zwischen dem italienischen Minister des Aeuheren Schanzer und Pvin - c a r e haben eine halbe Stunde gedauert. Es handelt sich lediglich um einen Höflichkeitsbesuch Schau zcrs und um ein erstes Kontaktnehmen, da der italienische Minister noch nicht vereidigt und sich noch nicht mit seinen Kollegen beraten hat. Schanzer ist gegen 10 Uhr abends nach Rom weiter gereist.
Paris, 1. 2!kärz. Wie das „Journal" mit- tcilt, hat der italienische Minister des Aeussereu Schanzer erklärt, das Telegramm, durch bad ihm fcas Ministerium des Äusseren angeboten sei, sei ihm erst am Montag zugegangen und erst bann yabe er erklären können, dass er bas Amt annehme. Er wisse nichts von brr augenblicklichen Lage und könne beshalb also keine Entscheidung treffen, ohne vorher mit dem Ministerpräsidenten Facta und seinen Kollegen gesprochen zu haben.
Argentinien und Brasilien wollen auch nach Genua.
Paris, 1. März. (Havas.) Argentinien und Brasilien haben an Italien das Ersuchen gerichtet, zu der Teilnahme an der Konferenz von Genua zugelassrn zu werden. Italien habe die britische, französische, belgische und japanische Regierung verständigt.
Die Förderung der amerikanischen Handelsmarine.
Paris, 1. Marz. (WTB.) Havas berichtet aus Washington, Präsident H a r - ding habe gestern dem Kongress einen Gesetzentwurf über die Entwicklung der Handelsmarine vvrgelegt. Die jährliche Subvention beträgt 32 MMonen Dollar, die aufgebracht werden sollen durch eine lOprvzentige Abgabe von den Zolleinnahmen. Die Eisenbahntarife sollen herabgesetzt werden für Waren, die durch amerikanische Schisse transportiert werden. Präsident Harding fügte hinzu, die Amerikaner mühten es als Ehrensache ansehen, ihre Waren nach Möglichkeit durch amerikanische Schiffe befördern zu lassen.
Ein deutschrr Dampfer in Santa (5r»z.
Madrid, 28. Fedr. (Wolsi.i Die gesamte Presse bringt ausführliche Brrickite über die Fest - I li^tc iten, die in Santa Eruz de Teneriffa anlässlich des Eintreffens des auf der Fahrt |
nach Südamerika befindlichen DampferS „Gar Po 1 onia" stattgefunden haben. Es ist dies bei erste grosse deutsche Passagierdampser. der sei Beendigung des Krieges Santa Cruz berührte
Die Untersuchung des Unterganges der „Dnbantia".
Berlin, 28. Febr. (Wolff.) Die auf Grund einer bereits während des Krieges getroffenen Vereinbarung zwischen der deutschen und- der niederländischen Regierung unter dem Vorsitz des Altbundesrats Hoffmann im Haag Anfang 1922 zusammengetretene internationale Unter« suchungstommission zur Feststellung der Ursache des am 6. März erfolgten Unterganges des niederländischen Dampfers u b a n t i a“ hat am 21. Januar den Spruch verkündet. Die Kvmmisiion hat die Ueberzeugung gewonnen, dass die „‘iubantia“ durch ein Torpedo, das durch ein deutsches U-Dvot lanciert war, gef unten ist. Ob die Torpedierung wissentlich oder infolge eines Irrtums geschehen ist, wurde als nicht entschieden erflärt.
Wie das Wolffsche Bureau dazu bemertt, hatte die Antersuchungstommission lediglich die Ausgabe, den Tatbestand festzustellen. Mit der Entschäbigungsfrage war sie nicht befasst. Die Stellungnahme zu dieser Frage wird erst möglich sein, wenn der Spruch im Worllaut vorliegt.
AuS Aegypten.
Paris, 1. März. (WTB.) Rach einer Meldung aus Kairo kündigt eine Prvkla- mation des Marschalls Allenby die Aushebung des englischen Protektorates über Aegypten an und erklärt das Reich für souverän und unabhängig.
Die Vermählung der Tochter des englischen Königspaares.
London, 28. Febr. (WTB.) Heute hat in der Westminster-Abtei die Trauung der einzigen Tochter des englischen KönigSpaareS, Prinzessin Mary, mit dem Viscount Lascelles stattgefunden. Auf der Fahrt vom Buckinghampalast zur Abtei wurde die königliche Familie von einer vieltausendköpfige-n Menge begeistert begrüsst. — Bei der Trauung, die vom Erzbischof von Canterbury vollzogen wurde, waren anwesend die gesamte königliche Familie, das gesamte diplvmottschc Korps, darunter der deutsche Botschafter, Mitglieder der Regierung, hervorragende Politiker und zahlreiche Mitglieder des hohen Adels.
Aus dem Reiche.
Beschlüsse des Reichsrates.
Berlin, 28. Febr. (WB.) Der Reichs- r a t nahm u. a. einen Gesetzentwurf über das Eingehen deutscher Festungen an der Wcst- grenze und oji bet Küste an. Der Gesetzentwurf ist eine Folge des Versailler Frted'.'nsvErtrages. Rach seinem Inkrafttreten gehen bi? Festungen Wesel, Köln, Koblenz, Rlainz, Germer^hüm, bie rechtsrheinischen Befestigungen von Strassburg, br Cberrbeihb f.'Higu gen sow e Friebr.ch^or —K> ktnb Helgoland ein. Iugleich hören auch die Rayonbeschränkungen auf, mit Ausnahme der nach Osten gerichteten Teile der Rhei st.'stuttgen, die auf Wunsch der Alliierten noch erhalten blep ten. — Staatsrat von Wolf berichtete über bas Ergebnis der Rachprüfung des Ortsklassen^ Verzeichnisses, mit bem sich nicht weniger als ach' Ausschüsse des Reichstages beschäsiigien. Insgesamt sind 3525 Höherstufungen erfolgt. Das Plenum des Reichsrats nahm die Vorlage nach den Beschlüssen der Ausschüsse an.
Erhöhung der Bergarbeiterlöhne.
Berlin, 1. März. Der vom Reichsarbeitsminister eingesetzte SchlichtungSauS- schuss zur Regelung der Löhne im Stein- und Braunkohlenbergbau hat den Blättern zufolge für das Ruhrgebiet und da.-' mitteldeutsche Braunkohlengebirt durch Schiedsspruch Erhöhungen der Schicht- und Gedinglöhne sowie des Kindergeldes festgesetzt. Die Arbeitgeber nahmen den Schieds- spruch an. Die Vertreter der Arbeitnehmer werden für die Annahme des Spruches seitens der Arbetterschaft eintreten.
Deremsgründung eines ehrmaligen Königs- Hauses.
Blättermeldungen aus Dresden zufolge ist in das Vereinsregister des Amtsgerichts Dresden unter dem Ramen „Verein 'Lettin“ ein Verein der Mitglieder des früheren sächsischen Königshauses eingetragen worden. Der Verein hat folgende Ziele: Pflege christlicher Anschauungen, Pflege der Liebe zum deutschen Doll und Land sowie zur sächsischen Heimat. — Den Vorsitz führt auf Lebenszeit der frühere König Friedrich August.
Sedering und die Kommunisten.
Berlin, 1. März. In der WilmerS- dvrfer Oberrealschule sprach gestern abend der preußische Minister des Innern Severing über das Thema ReichSpvlitll, Genua und Streik. Die Rede wurde jedoch durch fortwährende Zwischenrufe der Kom- tnuntsten unterbrochen, so dass die Versammlung schliesslich aufgelöst werden mußte.


