Ur. 255
Der tiejentr »«zelAer erscheint äglich, auyer Sonn» uub Feierlaos. monafliditSeragsprffe: Mk 6.50 «nschl. Träger» lohn, durch die Dost Md. 65<i einfdil. Bestell» gell», auch bei Nichterscheinen einzelner Nummer« infolge höherer Gewalt. Ferniprech» Anschlüsse, für die Schrill leitung 112; fflr Druckerei, Verlag und Ge'chasrsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
voftschecklanto:
Srnntfnn «. M. 116M.
Montag, 51 Gttober 192|
Erster Blatt
171. Iahrgang
Annahme von Anz klgen für die laqtsmimm.T ois zum Nachm «tag vorher ohne jede Verdindlichdeil. Preis für l mm höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 55 ‘Pf. auswärts 65 Pf.; für Reklame' Anzeigen von 70 mitt Breite 250Pf. Bel Platz- Vorschrift 20' .Aufschlag. Haup:schrif«I<'ler Auy. Goetz Verantwortlich für Politik: .lug. Goetz; für den übrigen Teil i D : Aug. Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Giehen.
SiehenerAMger
General-Anzeiger für Gberheffen
vnick »nt Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steinbruderei R. Langt. Schristltilnng, Stschlifirfttllt und vruckerti: Schulftratzc 7.
Das vorläufige (Ergebnis der badischen Landtagswahlen.
Karlsruhe, 31.Oktober. (WTB.) Aach dem vorläufigen Ergebnis der gestrigen LandtagS- koahlen sind gewählt: 20 MehrheitSfozialisten, 34 Zentrum, 7 Demokraten. 7 Landbund, 7 Deutsch- nationale, 1 Wirtschaftliche Vereinigung, 5 Deutsch« VolkSporlei. zwei unabhängige Sozialdemokraten. 3 Kommunisten, zusammen also 86 Abgeordnete
Die alte Koalition, bestehend auS Mehrheitssozialisten. Zentrum und Demokraten, »ählt demnach 61 Abgeordnete. Der verflossene Landtag setzte sich auS 107 Abgeordneten zusammen, wovon 39 dem Zentrum. 36 den Sozialdemokraten, 25 den Demokraten und 7 den Deutschnationelen angehörten. Mithin ist bisher eine Verringerung der Mandate um 21 eingetreten, waS neben der verminderten Wahlbeteiligung auf die Abnahme der Zahl der Wahlberechtigten zurückzuführen ist. Auf je 10000 Stimmen entfällt ein Abgeordneter.
Im ganzen Lande wurden abgegeben: für die Sozialdemokraten 204591, Zentrum 341656, Kommunisten 35 375, Demokraten 76167, Landbund 74730. ilSP 27102, Deutschnationale 76013, Wirtschaft!. Vereinigung 11427, Deutsche Volkspartei 54393, insgesamt 901457 Stimmen.
„Grundlos, null und nichtig".
Paris, 29. Oft. Vach HavaS hat die Bvtschafterkonferenz die Note des deutschen Botschafters Dr. Mayer über die Teilung Oberschlesiens geantwortet, die Alliierten betrachten den deutschen Pro - t e st gegen die Entscheidung über die Teilung Oberschlesiens als null und nichtig und nehmen Kenntnis von der Bereitwilliqfeit D«itschlandS, diese Entscheidung auszuführen.
Hierzu bernerkt das amtliche Wolfbureau: Die vorstehende HavaSnachricht gibt vermutlich den Inhalt der zu erwartenden Bote richtig wieder, wobei es dahingestellt bleiben muh, ob diese den Protest der deutschen Regierung in so schroffer Form zurückweist, wie HavaS behauptet. Wie dem aber auch sei, eS wird dadurch, das) die Entente erklärt, die Rechtsverwahrung nicht anzunehmen, die Rechtsverwahrung nicht aus der Welt geschafft und ihr nichts von ihrer historischen Bedeutung genommen. 3m übrigen hat die Entente nach der HavaS- meldung die Tatsache festgestellt, dah wir uns der Entscheidung fügen. Daß Deutschland die Entscheidung angenommen habe, wird auch von der Entente nicht behauptet.
Der Wortlaut der Note Briands.
Paris, 30. Oft (Havas.) Vriand hat in feiner Eigenschaft alS Vorsitzender deS Obersten AateS an den deutschen Botschafter Dr. Mäher folgendes Schreiben gerichtet:
Herr Botschafter! Eure Erze'lenz haben durch 3hr Schreiben vom 27. d. M. mich wissen lasten, dast die deutsche Regierung gemäst der am 26. Oktober 1921 von den alliierten Mächten getrostenen Entscheidung betreffend Festsetzung der Grenze zwischen Deutschland und Polen in Obrrschlesien die durch diese Entscheidung vorgesehenen Delegierten namentlich im voran- bezeichnen und unverzüglich mit'eilen wird. Ich gestatte mir. Sie willen zu lassen, dah die alliierten Mächte von dieser Mitteilung Kenntnis genommen haben: doch können sie nicht zugeben, dah die von ihnen getroffene Entscheidung aus Grund k!>es Artikels 98 des Versailler Vertrages eine Vertragsverletzung — welcher Art auch innner — auSmacht. Sie betrachten infolgedessen den Pro- test der deutschen Regier ung alS grundlos, null und nichtig. Sie wollen ie an sie durch Eure Srzellenz gerichtete Mitteilung mir insoweit zur Kenntnis nehmen, als die Erklärung ohne Bedingung und Vorbehalt von der deutschen Reg erung gemach' ist und als diele sich allen Vorschriften der Entscheidung vom 20. Oktober mit den sich daraus ergebenden Folgerungen, zu denen der Friedens- Vertrag Deutschland verpstichtet, untervrdnet gez.: Briand.
Die Ausschüsse für Oberschlesien.
Berlin, 29. Oft. Rach der Entscheidung der Bvtschafterkonferenz über 0 b e r s ch l e - sien müssen insgesamt vier Kommissionen gebildet werden, erstens eine Kommission für die Verhandlungen über die WirtschaftS» bestimmunqen und den Minderheitsvertrag. Die deutschen Bevollmächtigten sind Reichs- Minister a. D. Schiffer und Staatssefretär a. D. L e w a l d. Die ^Interkommissare werden voraussichtlich heute ernannt werden. Zweitens eine gemischte Kommission für Oberschlesien, bestehend aus zwei deutschen und zwei polnischen Bürgern und einem neutralen Präsidenten. der vom BöllerbundSre' bestimmt wird. Drittens ein Schiedsgericht, wofür ein deutscher Schiedsrichter bestimmt werden muh. Bienens eine Grenzfestsetzungskommission für Oberschlesien. AlS Kommissar bleib! Herr von Treu Her. der bisher bei der Grenzfest- setzung zwischen Deutschland und Polen tätig war.
Der Poftanweisungsverkchr zwischen Frankreich und Deutschland.
PariS, 29. Ott. (WTB.) 216 1. llkovem- ber wird der Postanweisungsverkehr zwischen Frankreich undDeutsch- land wiederherge stellt. Postnachnahmesendungen sind von diesem Tage ab auch wieder zugelassen. Der Höchstzahlungsbetrag für diese Sendungen ist auf 1000 Franks festgesetzt.
Lloyd (vcorge entschuldigt die farbigen Truppen.
Paris, 30. Oft. (Wolff.) HavaS meldet aus London: Der englische Abgeordnete WeekS hatte nach seiner Rückkehr aus Deutschland an Lloyd George einen Brief gerichtet betreffs der Verwendung farbiger Truppen durch die Franzosen in den von ihnen besetzten Gebieten Deutschlands. Lloyd George lieh darauf am 27. Oktober durch den Staatssekretär des Auswärtigen, Hamsworth, antworten, daß die gegen die farbigen französischen Truppen vorgebrachten Beschuldigungen im allgemeinen stark übertrieben gewesen seien. Für 133 Anklagen in einem Zeitraum von zwei Jahren seien nur Beweise in 30 Fällen geliefert worden. Von 30 Schuldigen seien 13 verurteilt, zwei freigesprochen, sieben disziplinarisch bestraft und bei acht anderen das Verfahren eingestellt worden. Diele Anklagen hätten auf freier Erfindung beruht und andere gründeten sich auf leichtfertige Erklärungen. Die deutsche Regierung könne weitere Anklagen in Koblenz erheben und in diesem Falle werde die Oberkommission sofort eine Antersuchung einleiten.
ES scheint übrigens — so heißt eS nach Hadas weiter —, als sei eS nicht richtig, die von den Franzosen verwendeten farbigen Truppen als Schwarze zu bezeichnen, da sich unter den farbigen Soldaten M a l a h e n und Marokkaner befanden. Die englischen Offiziere, die man im allgemeinen nicht als An- Hänger einer Politik bezeichnen tonne, die darin bestehe, farbige Truppen bei den deutschen Einwohnern unterzubringen, seien im allgemeinen der Ansicht, dah diese farbigen Soldaten nicht mehr Ausschreitungen begangen als andere Soldaten, die deutschen Soldaten selbst in den Garnisonstädten vor dem Krieg nicht ausgenommen. Der Brief schlieht fvlgen- dermahen: „Wie Sie sich selbst überzeugen können, hat die britische Regierung sorgfältig die Tatsachen nachgeprüft und Sie werden mit mir darin übereinstimmen, dah kein Grund v o r l i e g t. irgendwelche Vorstellungen bei der französischen Regierung wegen der Verwendung farbiger Truppen im besetzten Gebiet zu erbeben."
Marschall Rorfr an das amerikanische Volk.
Paris, 29. Oft. (Wolff.) Rach einer Meldung aus Washington hat Marschall Foch sofort nach seiner Ankunft in Reuyork eine Botschaft an das amerikanische Volk gerichtet, in der er seine grohe Befriedigung zum Ausdruck bringt, aufs neue den amerikanischen Waffenbrüdern zu begegnen, die jetzt der Friedensarbeit mit denselben Eigenschaften, die während des Krieges ihre Stärke und ihren Ruf ausgemacht häten, ergeben seien.
Aus dem Reiche.
Die Kreditbeschaffung der Industrie.
Berlin, 29. Oh. Wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" hört, berief der Reichs- verband der deutschen Zndustrie seine nächste Mitgliederversammlung auf den 5. Rovember ein. Dieser Sitzung wird eine besondere Bedeutung beiqemessen. well über die vielerörterte Frage der Kreditbeschaffung endgültig Beschluß gefaßt werden soll.
Der Reichswirtschnftsrat gegen die PreiS- tre'bsrei.
Berlin, 29. Ott. (Wolff.) Die Gruppe 7 des vorläufigen Reichswirt- schaftSrateS (Derbraucherschaft) brachte folgende Entschliehung ein: „Der ReichSwirt- schaftSrat lenkt die Aufmerksamkeit der Regierung nachdrücklichst auf die sprunghafte Steigerung der Preise für alle Gegenstände deS täglichen Lebensbedarfes", sowie auf die daraus hervorgehende unerträgliche Rotlage der gesamten Bevölkerung und ersucht die RcichSrecirrung. schleunigst alle Mahnahmen zu ergreifen, um dieser Entwicklung, insbesondere den lediglich auS gewinnsüchtigen Absichten entsprungenen Preistreibereien und zunehmenden Derkäufen an das Ausland entgegenzutreten."
Aus dem besetzten (Bebte4
Koblenz, "29.Oft. (Wolff.) Enrgegen anders lautenden Prestenachrichten wird von zuständiger Selle mitgetsilt, daß in allen Tei
len des besetzten Gebietes sowie in Essen, der bayerischen Pfalz, Birkenfeld, Brückenkopf Kehl einheitliche Bestimmungen zur Derhütung deS infolge des Markkurses einfeyenden Ausverkaufs erlassen wurden. Die Bestimmungen in allen Teilen des besetzten Gebietes halten sich inhalllich an die Verordnung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz und wurden von der interalliierten Rheinlandkommission genehmigt.
Der Parteitag der Deutschnationalen (Hessischen) Volkspartei.
2lm Sonntag nahm der Parteitag um 11 llhr wieder seine "Beratungen auf und empfing den Bericht des
21 bg. Prof. D. Dr. Diehl- Friedberg über die Tätigkeit der Fraktion im Hessischen Landtage während des vergangenen Jahres und die Aufgaben des lov.- menden Landtages. Mit großer Feinheit, öfter durchsetzt mit köstlichem Humor, zeichnete er das Bild des vergangenen Landtages an Hand der beiden groben .Sensationen" Abgang Fulda and Strecker. Fulda matzte gehen, weil er nicht in ungesetzlicher Weise die Verwaltang demokratisieren wollte. Als Historiker, der D.ehl ist, wies er nach, welch grohe Gefahr es bedeutet, day der Kampf gegen daS historisch gewordene Recht noch nicht zu Ende ist, datz man Vorsicht wallen lassen muh. Kindlichster Dilettantismus herrsch:, der in den einfachsten Fragen nicht mitlommt. Wenn ein Minister nicht weih, was eine Patro- natspräsentation ist, wie es bei Fall war. so ist man sprachlos. Strecker stürzte über seine eigenen Ideen und am gesunden Sinn des Volkes Dazu, welche Heuchelei, wenn er sich als Mann der Freiheit brüstet und gleichzeitig den Auö- spruch gegen die Oberlehrer tut, man müsse ihnen zwei Monate den Gehalt sperren, um sie kirre zu machen. Er war 2lutokrat vom reinsten Wasser. Wenn die Partei auch klein war, so gelang cs ihr doch, durch sachliche positive Mitarbeit in den Ausschüssen, wo ja die Parlamentsarbeit geleistet wird, mahgebenben Einfluh zu gewinnen. 2lufgabe für die Zukunft wird sein die Entsendung von Persönlichkeilen in die Kammer, die vom Leben etwas verstehen und mitarbeiten können. Dah wir dazu in der Lage sind, zeigt unsere Kandidatenliste.
Reichstags- u:id Landtagsabg. Dorsch grl^te in packenden Worten, wie es im Reichstag hinter den Kulissen ausfieht, wie auch hier blutigster Dilettantismus und Parteiegoismus herrschen, welche die großen Ziele für das Vaterland vergessen lassen.
Die Krönung erfuhr der Parteitag durch die Rede des Vorsitzenden der Deutschnationalen Partei, des
Staatsministers a. D. Erz. Hergt Der Cinhornsaal erwies sich als zu klein, um die Massen zu bergen, Scharen mußten, ohne Einlah erhalten zu können, weil eS unmöglich war, in den Saal zu gelangen, umkehren. Rach herzlichen Begrühungsworten durch den Landes» Vorsitzenden Dr. K l i n g s p o r - Offenbach begann Exz. Hergt, stürmisch begrübt von den Mengen:
Es ist ein eigenartiger Zufall, dah in den letzten entscheidenden Wochen drei Landeswahlen stattfinden. Berlin, Baden und Hessen. Wie Berlin es bereits getan hat. werden auch Baden und Hessen zeigen, wie das Voll denkt, was es vom Kabinett Wirth gehalten hat und hält. Sie wisien am Besten, was Ihnen in Hessen nottut. 3ch will daher nicht von den lokalen Zu- lammcnyängen sprechen, sondern von den groben Fragen. Die Antwort geben auf Gens und Berlin, wohin aller 2Iuqcn gerichtet sind. Wir rufen hinein ins Land: Kommt zu uns, tretet herein, wir wollen euch den rechten Weg zeigen.
Es war ein schwarzer Tag. der 26. Oktober. Richt nur schwarz wegen Oberschlesien, schwarz, weil man nicht die richtige Stellungnahme dazu nahm. Reichstatspräsidmt Lobe sagte 'ehr richtig zu Anfang der Sitzung: „Gewalt steht gegen uns Aster niemals kann Gewalt Recht schaffen!" Die Regierung hat im Reichstag versagt. Rathe- nau bat vorgestern in Frankfurt den Vergleich mit 1871 gezogen. Die richtige Konsequenz zog er aber nicht. Wie war es damals: Die Rationale Regierung legte der Rationalversammlung in Bvrrleauze den Friedensv^rtrag von Frankfurt vor. Es war kein Vertrag nach Art des jetzigen. Elsah-Lothringen war deutsches Land feil jeher, uns durch Raub und Gewalt von Ludwig XIV. in Zeiten deutscher Ohnmacht und Unetnigfeil entrissen. Die Versammlung konnte daher nur an- nehmen. Wer. die Deputierten aus Elsaß und Lothringen legten feierlichen Protest gegen die Abtrennung ein. So erwuchs die Revancheidee, die das ganze französische Volk, Kultur, Leben, Schule und Famllie durchtränkte. Wer sie nicht mitmachte, dem ging es schlecht. Wenn sie auch manchmal uneinig waren, immer einigten sie sich im Hast gegen Deutschland, scharten sich um die verhüllte Statue von Elsah und Lothringen, ünb was ir-a- der Erfolg? Die ganze uns jetzt feindliche Welt nahm die 3 b ee auf. sie focht unter ihr. ilnb wie war es bei uns am 26 Oktober? 3n tiefer Trauer müssen wir den Unterschied (eben. Es fehlte uns die nationale Einheit die nationale Erziehung. Dabei ist dieser sch.amlo'e Raub en eflaanter B uch des Versailler Vertrages. Richt, wie die Gegner geteilt haben, sondern, dah sie überhaupt geteilt haben ist der Bruch. Man hatte den 25erbleib Oberschlefiens
abhängig gemacht von der Mst immung in der Hoffnung, dah für Polen gestimmt würde. 211# das wider ihr Erwarten nicht geschah, setzten sie sich über ihr gegebenes Wort im Vertrage hinweg und teilten.
Untere Stellung war daher gegeben: Ab- Icbnung des Diktates und keine Entsendung einer Kommission. cu3 ke notw.md g Wei e d e Annahme gefolgert werden must, ^tau d.ssen uutb eine Kommission unter dem Demokraten Schisser entsendet, die jeder 3rredent.npolitll den Boden entzogen hat Wir muhten eine kräftige Zrredent r>.Politik treiben, vucdclter als Frankreich, das muhte zu unserer (Sinigung führen. Statt dessen eine Regierungserklärung, die nicht im entfemteflen das sagte, wo- man erwarten muhte. Es muhte vielm.hr eine kraftvolle Protestkundgebung des ganzen Boik.S, der übertoiegenben Mehrheit deS Reichstags fia.Tinten. 3n engster Zusammenarbeit mit Deutsche r Volkspartei. Zentrum und Demokraten hatten wir einen Entwurf ausgearbeitet.
Dir hatten jegliche Rücksichtnahme auf unfen Partei fallen lassen. Sie nxir so gehalten, dah die Mehrheitssozialdemokratie ihr zustimmen konnte und zustimmte Sie werden sie in den Zeitungen gelesen haben. Dir verzichteten sogar darauf, sie von unS aus einzubringen, wollten nicht als "Partei auftreten. Zentrum und M. S. P. sollten sie einbringen und beide waren bereit. 3 n letzter Stunde vereitelte Wirth ihre Vorlage unter Androhung deS Kabinett rücktrittes, mit der Begründung, die Resolution sei für das Kabinett unannehmbar. Daran scheiterte die einmütige Kundgebung Dazu kam. dah die Demokratisch? Partei plötzlich und ihrer vorherigen Mitarbeit entgegengesetzt ab- schwenkte So ist eS gekommen, dah uns die Grundlage für die 3rredentapolitik entzogen wurde.
Doch nicht rasten und nicht rosten, bis unser Ziel err.'icht. bis ein Einsehen bei unseren Fein- den erreicht und Oberschlesien wieder deutsch ist Wir müssen gegen den Reichskanzler sein, wenn er nicht mit unS ist.
Breitscheid von der ll. S. P. hat die jetzige Regierung die Regierung der Persönlichkeiten genannt. Rur Köster und Radbruch sind neu. Sonst bekannte „Persönlichkeiten". Radbruch, der juristische Beirat der M. S. P., ist bekannt durch seine heftigen Angriffe gegen die deutsche Richterschaft. Rathenau war voryer die Persönlichkeit. Er ist eben nur auf Ferienurlaub und wird wiederkommen. Wer weiß, inwieweit daS Wiesbadener Abkommen dadurch auf daS Schicksal Oberschlesiens eingewirkt hat, dah wir England gegen uns bekamen.
Die alte Regierung war belastet durch ihre Vergangenheit. 3hr Sündenregister ist groh Mit wenigen Worten: Die Frage der Handelsflagge, das Ultimatum. Glauben Sie nicht, dah die SarH- tionen aufgehoben sind Die militärischen bestehen ncch, die wirtschaftlichen durch die Einsetzung einer Kontrollkommission für Ein- und Ausfuhr ins besetzte Gebiet ebenfalls noch. Oberschlesien. Die Ersüllungspolitik. Eine Milliarde Gold haben wir gezahlt. Die am 15. 11 fällige Goldmilliarde ist gesichert. Am 15.1. ist eine halbe Milliarde fällig. Wie wir sie leisten sollen, ist sraglich Die Valuta wird noch mehr sinken. Gold können wir nicht ausführen, ohne den Lebensnerv der Reichsbank zu treffen. Sachleistungen nehmen Frankreich und England nicht mehr an. Sie sind mit deutschen Waren mehr als gesättigt. Devisenauskauf? Be^thlen mit Papiergeld? Sie wird dann gar nichts mehr wert sein. Am 15. Mai sind 400 000 Goldmark zu zahlen, was uns nach Ansicht ausländischer Kenner Deutschlands, z. D. KehneS unmöglich sein wird.
Dabei sehen wir in den Koalition-Parteien nicht vaterländische Politll, sondern reine Parteipolitik. Es ist ein Hohn, wenn Rathenau in Frank- iurt Wirch mit Bismarck vergleich'.. Rückzug über Rückzug von feiten des Kabinetts. Blamagen über Blamagen. Die Berliner Wahl ist die Quittung. Bayern ist auf das schwerste gekränkt. Die Reichseinheit war aufs schwerste gefährdet. Man setzte Himmel und Hölle und das Wolffsche Bureau v* Bewegung um am ande-n Tage die Worte, die man am vorherigen als Parteimann gesprochen, ua.jer zu giutie.t <jü: uns waren die Persönlichkeiten etwas Rebensachlich:s. 2lls selbstverständlich erschien es aber, dah sie verschwanden.
WaS wir brauchen ist eine Umstellung. Wir müssen vor den Feind treten und sagen, w i r können nicht mehr, wir verlangen eine Revision te3 Vertrages von Ver ailles. Keine Teil- erfüllungen, die unS gaiu Niederschlagen mit der Zeit. Für Rathenau ist die Frage der E.süllung mir eine Frage der Rot. Für unS haben die Leistungen eine Grenze an der Lebensfähigkeit des deutschen VolkeS.
Das Bild der hinter ter Regie ung stehenden Partrirn ist klar. Früher war die Zentrums- Partei cii feier ftar'er Turm Z tz' g'eicht sie einem Schiff im wogenden, brausend" n Sturm, mit zerfetzten Segeln. Arn ©teuer ein Mann, der fein Sernnann ist. Sie ist in Gefahr, ihre Stellung als stärkste Partei an uns zu verlieren. Zu zerfallen in einem Teil an die Rechte, im andern an die Linke. Spahn ist nicht der einzige, der zu uns abgefchwentt ist. Wie beim Zentrum, so bei den Demokraten. Es ist als Erfolg zu buchen, dah sie jetzt auf feiten der Rechtsparteien standen. Sie verboten ihren drei Ministern, im Kabinett zu bleiben, ilnb doch. Demokrat bleibt Demokrat. Schon sehen wir, dah sie durch Er.t'endung Schissers .dabei" fern wollen. Das Vertraurnsvotum für Wirth zeugt für ihre Halb'eil und ilnllarheit. 3hre Sehnsucht geht nach der Koalition der Mitte.
Alles war gespannt, ob die Deutsche Volksvartei Seite an Seite mit der Sozialdemokratie marschieren werde. 3m letzten Augen»


