Ausgabe 
28.11.1921
 
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.daß VeurichlL.no sich beute für &ad Lon- trDTTcr Mkonimen uni) ;<zr ben -3er lüft leined Ichlrirf te, G»viels int den einzigen 'Etiifen zu rächen such', übet die es für den '-äugenblid ^xr- fugt: mit '.Betrug und Verleumdung." Es bemühe sich, Frankreich Gchäss'gkert urb 'JUiti- trauen auf den Hals >,u ziehen, zu dem ein­zigen Zwecke, es in eine boUig kotierte liege zu bringen, um die Reoilion des Fricdensverlra- geS von Versailles her beizuführen. Bei d'e'er unterirdischen Offensive finde es vielleicht vn- sreiwillige aber darum nicht tucniger lostbarr Helfershelfer 3n Italien habe es Ritti. in England Lord Curzon gefunden, um nur diese zu nennen. Dec Leiter des Foreign Office habe vorgestern kurch feine Rede gezeigt, daN er nicht begreife, bah Frankreich eine eigene Politik an keinem Punkte der Welt betreibe, an dem (fcng- land Interesse besitzt.

Botschafterwechsel in Rom.

Berlin. 26. Hob. Wie nach derDeut- schen Allgemeinen Zeitung" in parlamentari­schen Kreisen verlautet, ist als Nachfolger des bisherigen Botschafters in Rom, von Berenberg-Göhler, der Zentrums- abgeordnekc des Reichstages Dr. Mafirni- lian Pfeiffer in Aussicht genommen.

Die Lage im Oedcnburger Land.

Wien. 26t Rov (Wolff.) 2lus Kreisen, di« mit drn OedenburgerDerhältnissen vertraut sind, wird mitgeteilt:

Der Bericht über die Entscheidung der Botschafterkonserenz bezüglich der un­bedingten Entfernung der ungarischen Truppen und der ungarischen Gendarmeri" aus dem Ab» stimmungSgebiet rief nur teilweise Befriedigung fxrvvr. Man erkennt zwar an, bah die feste Haltung Oesterreichs der Entente die Unhaltbar- feit der oefamten Situation in Oedenburg vor Augen führte, benont aber demgegenüber, bah dcc auf der Bvtschafterfvnferenz in Anregung gebrachte Borfchlag, zahlreiche Sntenteoffi- ziere nach Oedenburg zu entsenden, denen öster­reichische unb ungarische Denbarmerieabteilungen tn pari ätischer 3ufammcnf chung bei gegeben wer­den sollen. alS Durchbrechung des Beschlusses der Botschafterkonserenz wegen der Entfernung der ungarischen Truppen vollständig unan­nehmbar ist. Solche Sicherheitsvorlehrungen würden wegen der zwischen den Angehörigen ter beiden Rationen bestehenden Reibungen kaum durchgrerfen. Sie würden zu Berhöltnissen führen, wie sie bei der vberschlesischen Abstrmmungspolizri eingetreten sind. 3fl es den alliierten Mächten mit der Abstimmung in Oedenburg wirklich Ernst, so ist eines der ersten Erfordernisse die unverzüg­liche Festlegung des Zeitpunktes bis zu dem daS E-ebiet von ungarischen Truppen zu räumen ist. Ferner muh unbedingt die Zensurirage geregelt werden.

Wien 26. Rov. (Wolfs.) AuS Oeden­burg wird gemeldet, bah dort ein Aufruf der ungarischen Lvkalvrganisation ver­breitet wird, wonach sämtliche Angestellte der öffentlichen Dienst-weige, alle Mitglieder der Or­ganisation sowie ihre Angehörigen für Un­garn stimmen mühten. Ob dies tatsächlich ge­schehe. werde durch den Borsland nachgeprüft. Die Mitglieder, die der Aufforderung nicht Folge leisteten, setzten ihre Stellung auffl Spiel unb tvürben zur Verantwortung gezogen. Auch die übrige Bevölkerung wird mit allerlei Drohun- gen zu der Unterschrift für Ungarn gezwungen, wobei man den Leuten einredet, das) die Unter­schrift einem Schwur gleich sei.

Das Ergebnis t der Stinnes'schen Reise.

p Berlin, 26. Rov. (Priv.-Tel.) DaS ReichSkabinett beschäftigte sich heute '»vormittag mit der Frage des Kreditange­bots der Industrie unb mit der Teuerung. Rach der Sitzung gab, demBerliner Tage­blatt" Zufolge, Hugo StinneS. der gestern abend tn Berlin eingctrvffen ist. dem Reichs­kanzler und anderen Mitgliedern der Reichs­regierung Bericht über den Aufent­halt in London und über die Ergebnisse seiner 'Besprechungen. Aus der Tatsache, daß StitmeS heute der Reichsregierung über seine londoner Besprechungen Bericht erstattete, darf, wie das Blatt mttteilt, nach Aeuherungen aus Parlamentskreisen nun nicht die Schluß­folgerung gezogen werden, daß StinneS doch in einem amtlichen Auftrage nach London gefahren sei. ES handele sich lediglich um den Bericht eines hervorragenden Wirtschaft­lers, dessen Ansichten und Erfahrungen für die Reichsregierung von Interesse sind.

Paris. 26. Äov. (Wolff.) Die Erllä- runaen des Kommerzienrats Krämer, daß Verhandlungen über eine Deutschland zu ge­

wahrende Anleihe mit emem Londonrr Bank- Hause gepflogen werden, die Aussicht auf Er- fdlg haben, veranlaßten den Londoner Be- richterstaner derAgence Havas" zu folgen­der Meldung:

Aus Mitteilungen bestens unterrichteter Persönlichkeiten gehe hervor, daß keiner­lei Berhandlungen dieser Art von dem betreffenden Bankhaus angeinüpft worden seien und daß das HauS keineswegs die Ab­sicht habe, Deutschland einen Kredit zu er­öffnen. Verschiedene finanzielle Persönlichkei­ten hätten, über die Reise von StinneS nach England befragt, die Ansicht geäußert, daß eS wünschenswert wäre, wenn man für die Reisen, die von deutschen Finanziers wegen ihrer privaten Geschäfte nach England unter­nommen würden, keine geheimnrsvollen Be­weggründe zu finden sich bemühe. Die Vor­stellung, so werde von dieser Seite versichert, daß die betreffenden Finanziers nur nach Eng­land kämen, um für ihre Regierung finanzielle Unterstützung zu suchen, entspreche in keiner Weise den Tatsachen.

Der Abgeordnete Kcnuworthy in Berlin.

Berlin, 28. Rov. lPriv.-Tel.) Der .Ber­liner Lokalanzeiger" unb bie ..Montagspost' ver­öffentlichen Unterredungen mit dem englischen UnterhausmitgliebKennworthy. der gegenwärtig in Berlin weilt. Kennworihy er­klärte. der einzig mögliche Ausweg aus dem wirtschaftlichen Chaos in Europa bestehe in der Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa. Dieser Gedanke stoße frellich bei den Regierungen und den breiten Massen der Völker noch immer auf den heftigsten Widerstand. Was aber wohl heute schon erreichbar sein müsse, das wäre der internationale Zusam­menschluß von Geschäfts- unb F i - nanzleuten zu einer gemeinsamen planmähi- gen Sanierungsaktion. Für besonders dringlich hält Kennworthy ein gemeinsames Vorgehen in Rußland um die reichen Bodenschätze dieses Landes, insbesondere auch Sibiriens, zu heben. Rußland sei ohne Zweifel auch ein Markt von unbegrenzter Ausnahme'äbigkeit, namentlich für Produkte der Maschinenindustrie. Lokomotiv- und anderes Transportmaterial sowie für landwirt­schaftliche Geräte, lieber die wirtschaftliche Lage Deutschlands äußerte sich Kennworihtz sehr zu­rückhaltend. Er glaubt nicht, daß Deutschland über die Januar- und Februarrate hinaus Repara­tionszahlungen werde leisten können. Auch im eigenen erntereife der Gläubiger müsse man daher Deutschland eine angemessene Stundung bewil­ligen.

Der Präsident der Tschechoslowakei Über das deutsch-französische Verhältnis

Prag. 26 Rov. (WTB.) Tschechoslowaki­sches Pressebureau. 3n einem interview mit dem Vertreter des Rew Vork World äußerte sich bet Präsiden t Massarhk über das mitteleuropäische Problem. Sin flriner Staat sei nicht minder eine politische Individualität als ein großer Staat ES sollte daher feinen Unter- schie dzwischen groben und kleinen Staaten geben. Heber das Verhältnis zwischen Frankreich unb Deutschlanb sagte ber Präsident: Rach bem Zu­sammenbruch ber brei absolutischen Großmächte Deutschlanb, Oesterreich-Ungarn unb Rußlanb kann keine Macht mehr die führenbe Stellung einnehmen, die Deutschlanb vor bem Kriege hatte, Europa muß eine Entente großer und Heiner Völler werben. In bi cf em Sinne spreche ich von einer freundschaftlichen Verstän- bigung zwischen Frankreich unb Deutschland, und in diesem Sinne müssen wir wünschen, daß auch Rußland seinen Einfluß in Europa wieder gewinne und bah Amerika mit ben europäischen Völkern mitarbeitet.

Ein dcutfch-östcrreichifchcr Schnlvertrng.

Berlin, 26. Rov. (Wolff.) Zwischen ber brutschen unb österreichischen Regie- r un g ist ein Ucberetnfcmmen ustanbe aclommcn, wonach bie Reifezeugnisse ber österreichi­schen Mittelschulen unb ber deutschen höheren Lehranstalten gegenseitig anerkannt werben

Aus dem Reiche.

Tagung des ReichStagSauSfck-ulleS für aus­wärtige Angelegenheiten.

Berlin, 26. Rov. Auf der Tagesord­nung des Reichstagsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, der von seinem Vorsitzenden Sttescmann für Mon­tag einberufen wurde, steht u. a. die Beratung des deulfcd-belgifcken Handelsabkommens, so­wie die Frage des McmslgebieteS. Rach der Deutschen Allgemeinen Zeitung" mißt man

Der Sitzung des Ausschusses eine besondere Bedeutung bei, da, wie verlautet, auch der Reichskanzler über die politische Lage sprechen wird.

Das Verbot derTäglichen Rundschau" aufgehoben.

Berlin, 26. Rov. Der zuständige ReichSratSausschuß hat heute daS über die ^Tägliche Rundschau ' verhängte Erschci- nungsverbor von drei Tagen aufgehoben. Rach kurzer nichtöffentlicher Beratung verkündete Staatssekretär Freiherr v. Delzer als Vor­sitzender des Ausschusses, daß der Beschwerde ftattgegeben würde und das Verbot der ^Läg- lichen Rundschau" aufgehoben worden sei. Die von dem preußischen Minister des Innern angeführten Stellen des Artikels feien vom Ausschuß sowohl hinsichtlich des Erfordernisses der Verächtlichmachung als auch hinsichtlich des Tatbestandes einer Gefährdung des öffentlichen Friedens zur Begründung des Verbots nicht für ausreichend erachtet worden.

Die Bedrohung der deutschen FricdenS- induftrie.

Berlin, 26. Rov. Die von der Genfer internationalen Arbeitersch u tz- Konferenz gebildete Kommission zum Stu­dium deutscher industrieller Werke wird mor­gen in Berlin eintteffen und Montag bie Deutschen Werke in Spandau und Ha­selhorst besichtigen. DemLokalanzeiger" zu­folge verlautet, daß die Kommission in Ber­lin General Rollet um eine Unterredung er­suchen werde, um ihm über das Ergebnis ihrer bisherigen Betätigungen Mitteilung zu machen und zu betonen, daß die internationa­len Arbeiterorganisationen an einer gerechten Lösung Der schwebenden Fragen für die deut­sche Arbeiterschaft großes Interesse haben.

Die Rote der deutschen Regierung gegen die Zerstörung von Dieselmotoren wurde nunmehr in Paris überreicht. 3n London und Rom sind gleichzeitig ähnliche Schritte unter­nommen worden.

Gründung eines Freihandelsbundes.

Frankfurt a. M., 29. Rov. (Wolff.) Hier wurde gestern ein Deutscher Frei­handels^ und gegründet, an dessen Spitze u. a. Geheimrat Brentano-Müncben, Mini­ster a. D. Gothein-Berlin. Staatssekretär a. D. Dernburg-Berlin, Eduard Bernstein-Ber­lin, Karl Fritz v. SiemenS-Berlin, Melchior- Hamburg, Dr. Bosch-Stuttgart, Kommerzien­rat Plaut-Kassel. Fürst Hatzfeld, Herzog v. Trachenburg. Konsul Jakobi-Bremen, Konsul Koyenburg-Frankfurt, Bankier Oskar Oppen­heimer und Professor Trumpler-Frankfurt stehen. Exzellenz Gothein-Berlin sprach zu­nächst über die im September in Amsterdam abgehaltene Internationa'« Freihandels-Kon­ferenz, worauf Geheimrat Brentano-München das ThemaFreihandel und FriedenSvcrtrag" behandelte. Zum Schluß sprach Eduard Bern­stein über Frechandelsfragen und Arbeiter­schaft.

Bayerische ErnährnnoSpolitik.

Münch"n, 26. Rov. (Wolff,> Das Staats- Ministerium für Landwirtschaft läßt zu Gunsten ber Bedürftigsten im Lande den bereits seit lan­gem getroffenen Maßnahmen zum Bezug ver­billigter Milch unb verbilligter Kartoffeln auf Grund eines Ministerratsbeschlusses ah 1. De­zember au i) eine Brotverbilligungs- a frf ton feigen, trobureb ein Psunb Brot um 60 Pf. unter dem sonst geltenden Preis abgcleben werden kann. Dte'eS Vorteils können im ganzen 30 000 gering bemittelte Verbrauch'r teilhaftig werden. Wenn eS gelingt, weitere Staatsmittel dafür flüssig zu machen, soll eine weitere 3er- billiiuna deS Bruges von Brot und Karwffeln durchgeführt werden.

Heidelberg und der Reckarkanal.

Heidelberg, 26 Rov. (Wolff) Der Bau des Reckarkanals hatte ben Plan reifen lasten, bei Heidelberg zwischen der neuen Brücke und Wieblingen einen Hasen zu erbauen. Da man jedoch erkannte, bah ber Bau eineS 0tld'.fanaL8 notwendig sei, will man sich auf die E'-richtung einer Anlegestelle für Schi fe be­schränken. Der Platz soll drei Kähnen von je 1200 Tonnen Ausnahme gewähren können. Die Anlage wird mit Anschlußgleis versehen und wird weiter ausbaufähig sein.

Aus dem befetten (Gebiet.

Mainz. 26. Rov. (Wolff.) Die bie Han- delskunnner Mainz mitt eilt, ist nach einer dem Reichskommissar für die besetzten rheinischen Gebiete zugegangenen Rote der Interalliier­ten Rheinlandkommission nunmehr zweifels­

frei riQTgefte'l , och auch im besetzte- rheini­schen Geb et t):c Erhebung bc s anderer Zuschläge be: Barkäufen an Aus­länd c r z u i ä s s r g ist. soweit eS sich nicht um Angehörige ber alliierten Armeen und der Rheinla:tdko!nmissroa handelt und um zua«- tc.lt« Personen und Familienangehörige, die sich als solche auSvcllen.

Aus Stabt und Land.

® i eben, ben 23 Rov. 1921.

Ter Wahlsonutag.

3er gestrige Sonntag war der erste Ad­vent, der Beginn der DcihnachtSzett. In den golbcncn Zeiten vor dem Kriege fing man an diesem Tage in den deutschen Landen an, sich auf das kommende Fest dec Liede und des Friedens zu rüsten. Die Mädchen und Buben zumal zählten von ihm ab die Tage, die sie noch von dem heiligen Abend trennten, an dem ihnen unter dem brennenden Lichtcrbaum die Erfüllung so mancher heißen Wünsche zu­teil wurde. Sie wußten |a, in der Rächt deS ersten Adventsonntaaes beginn das Christkind feine große Rundreise durch die W ft um die Wunschzettel zu sammeln. Die fröhliche, die selige Weihnachtszeit Hub mit diesem Tage an.

Gestern stand der Sonntag im Zei­chen des Kampfes; recht "tin Symbol ber traurigen Zeit, die über uns kam. Zwar her Krieg, soweit man darunter den offenen Kamps mit den Waffen versieht, endete, aber der Frieden, der ihn beschloß, verdient diesen Runen nicht und ist nur eine Fortsetzung des Kumpfes mit anderen Mitteln, grausam und tückischer als sie fe ein KriegS- mann ersann. Dir haben (einen wahren Frie­den nach außen und auch keinen im Innern unseres armen Vaterlandes. An dem Tage, der uns sonst als Eröffnung der Zeit galt, die Herzen einander näher bringt, wurde im Hessenlande die Wahlschlacht geschlagen, nach dem Willen einer Regierung, in der Kräfte ausschlaggebend sind, dir sich um solch« lächerliche Empfindsamkeiten" nicht scheren, wie sich in ihren Köpfen hie WeihnachtSftim- munq, die doch im tiefsten Gemüt unseres Volkes wurzelt, darstellt. Wahlrecht wäre deshalb für jeden, der es anders mriiU und dem deutsches Wesen und deutsche Art mehr sind als leere Begriffe, diesmal in doppeltem Maße Wahl pflicht gewesen. Sicher ist, daß wir uns als Volk nur behaupten können, wenn wir an hem Geiste, der in unseren Vätern lebte, festhalten oder zu chm zurückkehren und ihm wieder lebendige Geltung verschaffen. Rur dann wird einst für unser Vaterland auch wieder eine fröhliche, segenbringenbe Weih­nachtszeit kommen können.

Der Wahltag ist ruhig verlaufen, hn Stro­tz enbild merkte man wenig von ihm. Infolge Der Kälte hatten sich die Zeuelverteiler ber einzelnen Parteien meist in bad Innere Der Lokale zurückgezogen, überfielen jedoch hier die Wähler, die zur Urne kamen, umso eifriger. Roch am Samstag abend waren dir Parteien in Stadt und Land in Decsammlunqen rege, um Stimmen zu werben. Hebet Rächt hatten sie stellenweise eine starke Klebetätigkeit ent­faltet und Häuser und Zäune mit bunten Zetteln aller Artgeziert". Heute werden allenthalben die Ergebnisse acfammclt, die sich zur Stunde natürlich nur in großen Um­rissen übersehen lassen. Mögen sie so sein, daß sich aus ihnen eine Hoffnung für di« Zukunft ergibt.r.

Vornotizen.

Tageskalender für Montag-. Astoria-LIchtlpiele: .Die 'Zelteln äfin t>cm Kur- füiflcnbamm, ah heute bis etnfchlief'lich 1. Dez. nachmittag» 2 Hf>r: Iuge idvorstellung. .Der Konditor-Emil' Lichtspielhaus. 2Bal)n hofft r, heute bis cinfchliri'lich Tornerötag .Der ver­giftete Strom" unb .Ein TeufclS«rl".

2lus dem St'adttheaterbureau In sorgfältiger Einfttidierung bringt die msr- gige 8. Dienstag-Abonnements-Vorstelluna Hebbels grwalttqeS DramaHerodeS unb Mariamne". Dir Spielleitung führt Herr Teleky. Die Hauptrollen liegen in Händen der Damen: F ank . Ma ck.', K op und ter Herren Zuhnls. Teleky, Feigel, Badura, Volck, He» hing. Brandes, Hellborn. Für eine entfpre» cheillre gediegene Ausstattung ist Sorge ge­tragen. .

Neues von Kapitän Scotts letzter Sübpolfahrt.

Der erste Offizier bet der letzten antarkti­schen © Petition Kapitän Scott?, bei ber dieser große P^ iarfocscher den Tod sand, der 5tapUän E. R. G. EvanS hat soeben ein Buch ..Süd­wärts mit Scott" veröffentlicht, in dem er feinen Anteil an dem letzten tragischen Abenteuer Scotts erzählt. Als Scott im 6terben tag. kriselte er die Worte nieder: .Die Dinge haben stch gegen unS gewandt." Man verstand bisher nicht rocht, was er damit gemeint, aber Evans bautet uns nun diele letzten Worte SrottS. Eine beständige Folge von Ungtüdflfänen hemmte die Sädpol- sahrt vom Anfang dis zu ihrem traurigen Ende Scott brach bereits schlecht mit Vorräten ver­sorgt. auf. er trat feine letzte Reife in jeder Hinsicht gehemmt an Seine Ponnies starben, die Motorschlitten versagten: sogar die Hunde bewährten sich nicht, unb eS waren ihrer za wenige. Mit jedem Fehlschlag mu':te er deut­licher erkennen, daß sich die Möglichkeit, sein Ziel zu cncid)cn. verringerte DaS Letzte nxi# auf leite Rervcn cinflurmte, war die Rach-icht, bah 2lnmnb!en auf einem anb:rn Wege emen Vorstoß nach dem Südpol gemacht hab? .Kapitän Scott birit sich sehr tapfer." berichtet Ev-inS, brifci als einer von uni. Mn er hatte ja schon vorher so schwere Abenteuer in dielen Ge- gcnbcn be'tanbcn. Er war eS. der da» Reisen in der Antarttll mit Schlitten begonnen und

durchgeführt l)atte. wir waren mit ihm lehr lehr bekümmert über das älnglück. daS uns ver­folgte." In seinem ncu n Buch gibt EvanS groß­artige Schilderungen von der grausigen Größe ber aytarktischen Landschaft.Wie düster und erbarmungslos blickten die westlichen Berge," schrerbt er,tote kalt und darlhcrstg zcichneien sich die Linien vom klaren Himmel ab, und wie aschgrau waren die plumpen Eismassen, die dies trübe erfrorene Land umgürten. Die Eisbarriere in ihrer schaurigen Einsamkeit ist vielleicht der­jenige Tell der ErbodcrfläS-e. der am meisten Verzweiflung einfiö' t. mit alleiniger Ausnahme des Hochplateaus. daS bk eisige Oberfläche her ?! roßen antarktischen Dergkctte bltbeL Alles um

ie her war schaurig öde.Wir wanderten unter dem Schatten dcS Erebus, des großen antarkti­schen VullanS, und in iener mir stets unver­geßlichen Rächt spicllen die südlichen Lichter, eine Art von Morgenröte, stundenlang am Himmel. Erst entzündeten sich senlr.-cht auf schießende Sttah- Icn wie ein Rielenfächer elektrischer Flammen, unb bann dehnten sich diese Strah'.en zu einer dünnen, fahlroten Schicht auS. Diele verblaßte und erglühte adwechsclnb dann in einem Augen­blick. Die unheimliche Glut dieser erhabenen Vt- fron erweckte in urj allen ein Vorgefühl kom­mender Schrecken." Die Einsamkeit und Stille tker Rotur wurde allmählich fa t unerträglich »Die gräßltche Adwe'enheit tebeS Lebens packte I uniere Herren .wie mit .Krallen des Entsetzens

Selbst unsere Schlitten waren unhörbar, ba die Füße in den weichen 'Pelzstieftln steckten. DaS

Schweigen war gespenstisch, denn au**er dem Klang unserer eigenen Stimmen unb bem dumpfen Stoh­ren der Schlitten, wenn sic über Risse unb Sprünge gingen, war kein Laut, der uns an die übrige Well erinnert hätte."

©band berichtet bann von ben eigenen De- labten, bie er und seine Genossen zu bestehen hatten, als sich Scottt von ihm trennte, um ben endgültigen Vorstoß nach Süden zu machen, und ct nach Horben marschierte, um bad Depot auf- Auhnbcn unb Hilfe zu bringen. Sie gerieten plötz­lich unter eine solche llnzadl von Gletscherspallci, daß ihnen ein sicherer Tod bevorstand. wenn sie sich nicht bciaudf jnucn. .Wir saßen all« brei auf bem Schlitten. Wir waren hoIUommen erschöpst. unsere Kehlen waren trocken unb wir konnten kaum sprechen. ES herrschte kein Winb unb bie Sonne kroch langsam am süblichen Horizont wettet, sich scharf von bem stahlblauen Himmel abzeichnend. Wit waren in dieser unheimlichen Ratur bem Wahnsinn nahe ItgenbettvaS mußte geschehen. Ich stanb auf unb sagte ,Ich muh nach einem AuSwrg suchen; so können wir nicht blei'tn.J Et schleppte sich dann über eine Reihe von 6 Abenden unb erreichte schließlich ein großes Eistal. .Ich stand still und überblickte bad wundervolle Tal. unb bann fiel ich auf meine Knie unb bankt« Gott, daß er mir einen Auswege gezeigt batte. Dann sprang ich auf meine Führ und Itef kühn rorioärts. Plötzlich sah ich bas wriche leuchtend« Bett des Gletschers selbst vor mir und weitet im Rotdvelten den seltsamen röllichen Stein, unter dem unser Depot angelegt woröen war. Die Aufregung über­

wältigte mich fast. Aber mein Geber war erhört toorben, unb wir waren gerettet" Der Marsch über bas Sisf.Id war eine ^u-chtbare Ausgabe gewesen. Evans und feine Begleiter waren so ermattet und fo unsicher über den Weg. daß sie sich den hoff- nungsloscsten Gefahren auSfetzten. .Um 8 Uhr abends htf inben wir uns auf einem schmalen G' at zwilchen ^wei unaebeuten Abgrünben. unb vir fanb n eine verbindenb« Eisbrücke, bi« gerade quer bi"vibcrfü.brte ölt zu überqueren war ein außer­ordentlich gefährliches Unternehmen. Aber vir svark.'n dadurch 2 oder 3 Kilometer, und bad war In unserem erschöpften Zustanb von hohem Wert. Rachdem wir eine Minute ausgeruht hatten, stell­ten wir den Schlitten auf die schmale Eisbrücke und rutschten mit ihm herüber. Wir mußten mit bem Schlitten auf des MesterS Schneide balancieren. Erean (einer seiner Begleiter) und ich hielten ben ben Schlitten an briben Seiten. um fo für ihn mb die andern bad Gleichgewicht zu gewinnen. Es war einer ber aufregenbhen Augenblicke unseres Lebens. Keiner von unS sprach ein Wort, ein« salfche Bewegung von uns hätte die ganze Gesell­schaft unb den Schlitten selbst in di« dunkelblau« Tiefe des schaurigen AbgrunbtS stürzen lassen. Der Schiit!rn wog 600 Pfund " Bei einer andern Ge­legenheit würbe das Leben von S7>ans nur durch seine Karneraben gerettet Er war vor Ermattung ohnmächtig geworden: bk anbern glaubten, er fei tot hoben ihn auf unb weinten, wobei ihr« heißen Tränen auf sein Gesicht fielen. Dadurch erwacht« er wieder zum Leben.