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(Siebener Anzeiger (Eencral-Anzeiger für Gderhesicn) Dienstag, 27. vezemder 1921

EanneS zur Beratung gelangen soll. Die Kam­mer gehl bann xur Beratung der Jnurpella- tton betreffenb die Bankinbustriellc bc Ehtne über.

Aus Stabt unb Land.

fliehen, den 2. S.3 1921

** Fahrplanänderung. TSic anr von zuständiger Stelle hören, werden ab 2 9. De­zember 1921 naä)klgcnbc Züge wegen Mangels an Kohlen bis auf weiteres ausfalle». Streite Frankfurt a. W. Kaffcl. Cihui 82 von Kastel Frankfurt a M. Diesen an 9.43. Diesten ab 9.48 3iUug 77 Sranfiuri a 2)1 Kastel Dieben an 8.54. Diesten ab 9.00. Strecke Diesten Gelnhausen. Pz 506 von fli.- sten - Delnhaufen Diesten ab 8.16 Pz 505 IX)n Delnhaufen Dirfien Diesten an 3 32 Strecke D testen Fulda Dz 22? Gteyeu Fulda Diesten ab 3.34 Dz 228 Fulda Diesten fliesten an 9.32

" Kanalgebühren Unter den heu­tigen amtlichen Bekanntmachungen der Stabt Dtesten befindet fich auch die Tilahnung der Stadtkaffe für das 4 Ziel Kanalgebühren des Rj. 1921 Die Abgabe kann noch bis einfchl. ? Januar 1922 ohne Kosten an die Stadtkaste Diesten entrichtet werden.

ee 3 n der Oberrealfchule wird fveben eine Gedenktafel für die im Kriege gefallenen Lehrer und Schüler errichtet Die Ausführung. bte in gebranntem Ton erfolgt, ist der Firma Dail übertragen. Voraussichtlich wird am Samstag den 7. Januar die Dinweihungsfeier- lichleit stattfinden. Die Summe zur Deckung der nicht unbeträchtlichen Kosten wurde durch tret- willige 25eUrägc der jetzigen unb der ehemaligen Schüler aufgebracht. Sine Reihe non .Alten Herren" der Schule bat recht ansehnliche Summen gespendet. Wer noch ein Scherslein besteuern möchte, wird gebeten, seinen Beitrag auf das Konto der Oberrealfchule bei der Gewerbebank einzuzahlen.

" I» der Herberge zur Heimat wurde der Weihnachtsabend mit einer kurzen Feier begangen, die Pro! D. Schjan hielt. Freundlich: Spender etmög ichten die Tk-rütung von 40 -50 Wanderern mit einem nahrhaften Abendbrot, bei dem eine Sendung der Metzger- Innung Verwendung fanb. unb am Morgen deS ersten Feiertags mit einem Frühstück Auch konnte jeder Teilnehmer etwas Backwerk unb einige Zigarren erhalten.

Weihnachten im Knabenhort. Die Lichter am Tannenbaum und der freudige Dlanz aus neunzig Paar Kinderaugen durch­strahlten am 21 Dezember die Turnhalle der Stadtknabenschule. Der Knabenhort feierte fein Weihnachtsfest Gedichte und Lieder wechselten miteinander ab, einer der Leiter des Hortes hielt eine zu Herzen gehende Ansprache, ein schönes Weihnachtsfpiel beschlost die Feier Sin festes Taschentüchlein, ein Säckchen mit Milch- und Honiaplähchen unb ein Paar warme Strümpfe begleiteten jeden der Zöglinge zurück inS Elternhaus Spenden waren von Diesten und von auswärts gekommen. Herr Pelzer aus Düsseldorf und Herr L a m p u s auS Tleuporl, ehemalige Zöglinge deS HoneS, waren eS. die auch in der Ferne und noch nach vielen Jahren der kleinen Kameraden in dem Hort so liebe­voll gedachten. Möge der warme Dank auS frohen Kinderherzen allen Gebern reichlicher Lohn sein für die aufgewandten Mittel. Bon Herrn LampuS traf am 23. Dez eine weitere Spende von mehreren taufend Mark ein.

Landkreis Gießen.

Za 2D i e f e d. 27. Dez Einen Kartoffel- Prozeh bat unter Dorf nun auch Aehnlich wie in Drünberg find viele hiesige geringbemittelte Einwohner um ihr Geld, aber nicht zu Kartoffeln gekommen. Dah der Gutsbesitzer aus Borddeulsch- lanb ein ehrlicher Mann ist, geht daraus hervor, dah er den hiesigen Arbeitern anbot. ihre 2kr- luste freiwillig au« feiner Tasche zu decken Doch die Geschädigten lehnten die« ab. Das Gericht hat nun da« Wort unb soll seststellen, wohin der hie-

wimmel von Menschen sei ihm nachgefolgt, unb alle stünden nun in lautloser, aber innibiqcr Bewegung da brau Den In der Finsternis

.Doktor Flodink" rief der Kapitän .Sind Sie da'c Doktor Flodin, lebendig oder tot, sind Sie da?"

Zwölftes Kapitel.

Der Kapitän erschrak über seine eigene Stimme. Er bekam keine Antwort. Danz unbetrugt batte er gerufen, Im plötzlichen heisten Schrecken über den Anblick der vielen Ueberflclber im Halb­dunkel des FlurS unb über die Erscheinung einer Zusammenrottung von geheimnisvollem Menschen. Erft der Klang seiner eigenen Stimme brachte ihn wieder zur Besinnung.

.Groh« Gott, was machst buT tagte er zu sich selbst. .Fängst du jetzt wirllich an, ver­rückt zu werden?" Er griff mit der Hand nach dem Kops und fühlte, dah feine Stirne bis unter die Haarwurzeln nah von Schwerst war. auch zitterten seine Hänbe heftig. Gr nahm die Lampe vom Tisch unb leuchtete damit in den Spiegel hinein.

AuS einem eigentümlichen Farbengewoge von gelbem Lampenlicht und dunkelgrünem Spiegelglanz tauchte fein Angesicht auf. Die Haut erschien beinahe ganz weist, unb der Schnurrbart ding in grauen Fransen über die blutleeren Lip­pen. Seine Augen waren vvrgcguollen vor 2k r- Wanderung unb Entsetzen, denn das Grauen. daS er beim Anblick seines eigenen DesichtS empfand, starrte au« diesen Augen. Die Lampe klirrte in »einer Hand, unb er stellte sie rasch wieder auf den Tisch.

.Die Türe steht immer noch offenk" fiel ihm plötzlich mit Schrecken ein. Warum machte er fie nicht zu?

Er trat in den Flur hinaus unb fastte die dort hängenden Kleider mit den Händen an Da­bei fielen ihm Menschen ein, die sich gehängt hatten, unb alS er endlich die Türe schloß, über- kam ihn daS befreiende Gefühl, etwas Unheim­liches hinausgeschlossen yx haben.

Run setzte sich der Kapitän an den Tisch unb studierte adermal« und sorgfältiger das ge- funbene Papier. Kein Zweifel, er hatte einen r-on Doktor ZlodinS Wechseln gefunden Tast es einer von den gefälschten fei nahm er ohne wei­tere« an, well ber Revisor der Bank, der 2p>- tbefer, ihn »um Prüfen gehabt hatte

Hge Vermittler die von tzzm Gutsbesitzer geliefer­ten Kartoffeln verschoben, unb ob er 'ich de« be­mühten Betrugs schuldig gemacht hat

M t b b c. 2b Dez 3n der Hofrei e des Wilhelm Schul»e brach Fe 1 e r aue de ener­gischen Oing-.ctlen der b.digen und benachbarten Feuerwehren ist es z 1 banken, dast das Fe 1er au, fei en Herd d.fchränkt blieb Der en. tandene Schaden ist grost.

Mrctv Lautervach.

Lauterbach. 27. Det Der Rest 0 r der Lehrer ^verhelfens. Ludwrg W i 11- mann, ist im hohen Alter von 32 fahren gestorben Er batte da» Lehrerseminar za Friedberg besucht und tarn 1355 als Vcbrer tu unteren Kreis, wo er bis za feiner Ruhe i rnhs- txrkhunfl zuerst in Hörgenau dann iy S: mmrl tätig war Richt nur als Lehrer, 'ond.r .uch als Landn-ili in B^v.rttchaftunz fein.'s Schäl­gutes wirkte er vorblldlich

Mrcie Friedberg.

Friedberg. 27 Dez Auch die S h 0 r - unb Gesangvereins-Dirigenten dr- ga ':ctc1 sich, um eine den bcatigen Teuerung«* vertältnisse i entsprechende Bezahlung R i er- reichen 2iachdcm schon in andern Degen de r Hef­ten« eine Ikdammlang ber Dirigenten fiattg.'un­ten hat. ist auch hier ein? solche beabsichtigt

Mrcie H)ctzlar.

ta Wetzlar. 26 Dez 3n der jüngsten Kreistag« sitzung' wurde eine lleber'ichl über die Verteilung ber Kreissteuer auf die einzelnen Bürgermeistereien bee Kreis.S gegeben Dcr Fehlbetrag von 1 608 000 Mk des xrei«- ctats von 1920 würde fich nach dem früheren Modus wie folgt verteilt haben Astlar 33-1COO Marl. Braunfels 133 000 Älark. Dreifenstein 39 000 HXart. Hoben«olms 32 000 Mark. Kros- iD.f 134 000 2Hai!. Rechtenbach 120 000 Mark. Schösfengrunb 83 000 Mark und Wetzlar 690 000 Mark Rach dem neuen Gesetz vom. August 1921 haben dagegen jetzt zu tragen Astlar 215 000 21?atl. Braunfels 100 00? Mark. Dreifenstein 26 000 Mark Hohenfolin.» 28 00? Mark. Kros­te rf U2 000 Mark. Rechtenbach 70 900 Mark, Schöffengrund 57 000 Mk unbWetzlar 975 000 M.

Starkenburg und Rheinhessen.

im. Darmstadt. 26. Dez Aus dem Ge­fängnis ausgebrochen ist in der letzten Woch? der gefährliche Gin- und Ausbrecher AloiS H 0 ck, ber in den letzten Jahren wiederholt ver- schi d-ene Teile von Starkenburg unb Obcrheffen unsicher machte. H bat mit einer Säge daS Fenstergitter durch^usägen gewusst und gelangte ins Freie- beim Abspringen von ber hohen Mauer verletzte er sich aber berart, bah er durch De- fangenaufseher wieder feftgenommen werden konnte.

rm. 2lieberram ft ab t. 26 Dez Freche Diebe stahlen nach einem schweren Einbruch bei dem Metzger unb Wirt R. dahier in der Rächt zum SamStag etwa vier Zentner Fleisch- und Wurst- waren, sowie eine Partie Weine unb Liköre, ohne bah sie entdeckt wurden. Ein Knops von einem Damenmantel, den man am Tatort fanb. weist auf die Beteiligung eine« weiblichen Diebes hin und wird er hoffentlich auf die baldige Entdeckung ber Täter führen.

Hessen-Nassau

fpd. Frankfurt a. M 26 Dez. 2Jor zwei Jahren wurde hier ber Schutzmann Giesel- berg, als er in einem Leberlager der Franken- allee Einbrecher überraschte, von dem Schlosser Heinrich Adam erschossen. Adam wurde für diese Tat zum Tode verurteilt, dann zu lebens­länglichem Zuchthaus begnadigt und zur 2kr- bühung der Strafe nach dem Zuchthaus Lichten­burg verbracht. Dem Mörder gelang es mit Hilfe eines vor toenigen Wochen entlassenen Zuchthäuslers sich Geldmittel zur Flucht auS dem Zuchthaus zu verfchaf en. Durch einen Zufall erhielten hiesige Polizeibeamtc Mitteilung von der beaosichtigten Flucht unb meldeten dieS der Strafanstalt mit einer entsprechenden War­nung. Trotzdem ist eS jetzt dem Adam und seinem Hellersheller. einem gewissen Gröninger, ge-

tur.gc aus de . ach:! auS L'chtentzurg a u s z u » !' r . ch e n unb . . '.kommen 5\*r frühere Weinwirt Georg 2fr ü d warb.- unter bem brin­gende Tkrbachr. k.« Kiäbrige Ehefrau durch Gift g e 1 i' t c 1 au bähen, von her Äti- minalpolrzei Per ballet Die Frau kränkelte feil einigen Dagen unb wurde Samstag vormittag tot aufgc unten/' Die Levche wurde be'd/lagnahmt

Kirche und Schule.

br Weylar. 21 Dez Am 'vergangen« Samstag bieh Herr Geheimrat fl i < e » I u. Di­rektor ber Landwirtschaftlichen Hochschule zu Giesten. im Kreislehrerverein unb de: Arbeit«- acmeinlch ft der Zunglehrer einen Bort rag über länbliJj« Fortbildungsschulen Der Ot.bnci schllber e eingangs d e ?^.deutung der dänischer unb ichivebtlch.Volkshochschulen und ging dann auf die hesfifa>en Fvrttuldungsfchul« uKr. be.cn 7iesonr u bekannt Uch vor 3abr« bui tgcfübrt Hai Diefe A.-sführangen aus be­rufenem Munbe fanden reichen Beifall unb trag« nrfientlich zur Hebung dee Fortt'ilbungsfchul- we'.-uS in unterem Z^reisc bei

br. 2D c 91 a r 21. D^z Don bet Regierung zu Koblenz flnb in den letzten Tagen eine Anzahl Lehler^uDorsftzendendesSchulvot- st a n d e s ernannt worden.

Lchosfcngcrkchr.

fliehen. 23. Dez 1921

Jin angeblicher K a u f m a n n aas Kloster Reichenbach in Baden fälschte 2 Beschei­nigungen. inhaltlich bei.'i er Fliegerleat- nant sei, infolge eiter schweren Lchädelver- Ichung eine Sill '.Platteneinlage habe mb an 2icrt>cnanfdUen leide, weshalb er au: feinen Ret­ten eine« Segle lers bebürfe. Mtt Htlfe btefet Bescheinigungen inb infolge be» Mitleib». das er durch leine während feiner Reifen auftretenden Anfälle und einen Kopfvcrband zu erwecken wühle txrfki.iD er es auf einer angeblichen Reife von Berlin nach Stuttgart in Zuterb 0 a fich von dem heutigen Fahrdienstleiter eine 2>e , Rei­nigung z u verschaffen. daN er während eine« Anfälle« feine .tabrtarte verloren habe. Daraufhin wurde er über Ha lle und Kassel in der 2 Klasse auch ohne .TUhrkartc nach fliehen befördert. Al« er hier wegen ber grohe.t Hil e Ras« machte, schöpfte ein P 0 l i z ei­wach l m e 1 st e 1 g legenllich der Feststellung leine: Persönttchkeil Erdacht und lieh durch einen Heilgehilfen f.flfiellen. dast leine Angaben bezüg­lich ber filternen Schädelplatte falsch feiert. Da der Angellagte außerdem 3 ötrafcntlal- fungSbefcheinigungen bei sich führte unb zur Verhaftung ausgeschrieben war. vcran- iahte er feine .Festnahme.

Zn be. ttnlerfuchungshaft brach er mu meh­reren anderen Gefangenen, die bereit» abgeur­teilt find, ein Loch in den Kamin, am zu ent­weichen.

Heute erhielt er wegen Betrugs, fal­scher Anfertigung von Ausweispa­pieren unb Zusammenrottung eine Ge- famtgefängnisstrafe von 7 Monaten.

Zn ber Jladu vom 22 zum 23 März L ZS. kamen mehvere Studenten fmgend von einem JiaRbartiorf nach fliehen zurück Au ber Öde ber Rodbeimer u.rb Krofborfer Stratze würben fie von ei-icm Schul mann aufgeforbert, ba» Sin­gen zu Untertanen Zwischen biviem unb einem ber ©tubenten kam eS zu einem Hanbgemenge. in hel­fet'. Verlauf beide hinfielen Daraufhin eilten cm anderer Stubent unb ein Sicherheitsmann hinzu AIS ersterer den tc.deren aufforbeitc, ber auf dem Boden liegenden Studmrten gehen zu lassen, schlug ihn der Sicherheitsmann i n < fle 1 icht unb forbette ihn unter Vorhalten rineS Revolvern auf. mit zur Wadx- zu gehen Heute irbiclt der SicherheitSmann, der inzwi- 14en entlasten worden ist. tvegen Körperver­letzung und wegen Bedrohung 2 Geld­fl rafen von zusammen 1 5 0 Mi

Bier pinge Burschen von hier haben im 2IUt L Zs in Burkhardsfelden ein hort sie- ixnbc« Karussell dadurch beschädig!, bat) fie Stangen und Bretter abnffen unb einen Schaben

Titer wie war dieser 2vechfel au8 der.Apo­theke hinausgekommen?

Zemand mujtc ihn verloren haben nachdem die Apotheke geschlossen war. und wer anders konnte das gewesen fein alS der Mörder?

.Und wenn eS der Mörder gewe'en ist. fv hat er ibn verloren ober toeggetoorfen. alS er nach vollbrachter Tat zur Tür hinauSgegangen rst," dachte der Stafeitän.

.Tiber bann ist daS ja wirklich geschehen, was ich im Traum gelegen habe," sagt: er halblaut vor fich hin. .Der TRörber ist zum Fenster ber- eingcfliegen unb hat die Apotheke durch die Türe verlafsen."

Der Kapitän lehnte stch in feinen Stuhl Zurück und fann nach. Seine Augen starrten das [ T<tpetenmuster der TDanb und das Gipscmamcnt der Decke an. aber seine Gedanken schweiften in weite Ferne Durchlebte er in Gebankt noch einmal daS feltfame Gesicht. daS ihm gezeigt halte wie ber Mott» begangen wurde?

Plötzlich erhob er sich unb fing an, aut- unb abgu geben.

.Das Papier!" murmelte er. indem er immer Wiebee ben Dech'el betrachtete. .Za, es ist mög­lich. c« ist Wittlich möglich, bat) er bieS Papier in den Händen gehabt hat, aber daS war in dem unklaren

GeisteSabweienb Harrte er ?um Fenster hinaus

,TaS war in dem unklaren in dem un­klaren Teil deS Traume«. fuhr er fort

.Aber das andere ^Papier! Zch habe noch ein andere« Papicr gekben Das war ein Tele­gramm. und auf dem Telegramm war Blut."

Der melod.fche Stunbenschlag der Wanduhr weckte ihn auS feinem Grübeln. Er horchte auf leben einzelnen Schlag öS war bereits fünf Uhr.

Unb mit einem Male überfiel ihn eine ganz unwider' ehllche Mübigkeit. 2Dcrm er auf die letzt tKrfirffene Zeit zurückbllckte. fah er eine lange Reihe von Tagen, in denen er sich nervös und ad-gehetzt gefügt, u ib von Rächten, m denen <r fetre Ruhe aefuaben.hatte ör erinnerte sich undeutlich, dah er gerade in einen sehr tiefen Schlaf qe'unfen war. als er von Maria und Karin Persfon geweckt wurde, und er meinte fich zu entsinnen, das) er nur schwer wieder wach I geworden sei. /

.ES ist ganz einleuchlend. bah ich nicht leicht wieder erwache, fodald ich einmal eingelchlasen bin, wenn ich tn?rber fo lange Zeit nicht ordentlich geschlafen habe," dachte er Tßier nun fühlte er. bah der Schlaf imBegriff war. sich wieder übet ihn zu fenten. Er fühlte heften Jläbc als eine Wärme um die Augen, unb feine nächste Um­gebung enttdytoanb (unglam au» feinem Bewußt­sein. Richt» blieb zurück alS eine unendliche Ruhe, in der seine Sinne auf der Grenze zwischen Wirk­lichkeit und Unwittlichkeit hin- und herschwankten. uweilen fühlte er fich in einem nebelhaften Traum, in bem er eine Menge Gesichter zu sehen meinte, die ihn in einem langsamen Wirbel um- kreisten Hier unb ba kehrte er wieder In die Wirklichkeit zurück und hatte einen gewissen Ein­druck von seinem Zimmer, ber rote 1 Tapete und den Möbeln, die unbeweglich fttlFtanbcn. T£be» unablässig, ob im Traum ober in ber Wlttllchseik, hörte er ein Summen von viel« Stimmen um 'ich her Vielleicht kam dieser StTmeselndruck nur vom summenden Ton der brennenben Lampe her Jbm war e« ein rätselhaftes Murmeln von vielen Stimmen, ein fler.ctel von hohen und tiefen, lachenden und Nagenden Tönen, daS ihm ins Lhr drang Zn ci:tem Cater bettmhlen Aigen- blick sah er sich selbst m Hemdärmeln im Schaukel- studl sttzen. Er hatte also, otme es zi tofflen, den Rock auSgezogen Er fast allo wieder in seinem Schaukelst udl. und fein Schaukeln brachte in Ihm die Vottiellung hervor, er liege tn einer grotz« Wiege, in her er gewiegt werde.

Und liehe ba. nun stieg der Doktor. Doktor Flodin, »u ihm durch-S Fenster herein. Der kalte Wind, der hereinströmte, als daS Fenster ge­öffnet wurde, blähte den weihen Vorhang unb schwellte ihn zu einem märchenhaften, weitzfchim- memben Segel, unb unter diesem Segel trat der Mörder h»mor wie ein geheimnisvoller Reisen­der aus Weiler, dunkler Ferne GS war. alS ob lein vor roten Harren umflatterte« Gesicht, In dem ein teltfame« Lächeln schöne, weihschimmernde Zähne zum Vorschein kommen lieh, von dem .'alten Luf.strvrn langsam hereingetragen würde, bis es auf einem Schatten Halt bekam, der sich allmählich zu Schultern, Körper. Beinen unt Armen verdichtete ur.b al« menschliche Gestalt über ben Kapitän beugte.

(Fortsetzung folgt)

22 Fortsetzung.

(Rachbruck verboten.)

Spuren im Schnee

Roman von Sven Glvestad.

Grmächngte llebersehung.

Hr. 505 Zweites Blatt

AIS er ba« Papier glatt strich unb im Mond­schein näher betrachtete, ernannte er. dah c« kein Rezep! war.

ES war ein Bankwechfel.

Tlachbem er die Tiamcn aus bem Wechsel entziffert hatte, blieb er » «starrt stehen unb sah verwirrt unb entsetzt abnx-chf lnd bas Pa­pier unb hie geschlossene Apothekenlür an

Wiebe: blickte er forschend auf benWechsel unb las gdflcbabtrefcnb nochmals halblaut ben Barnen, bei ihn wie mit Zangen gepackt unb öerblüftt unb entsetzt hatte

.6 F. Slobin stand unter dem Wech'd

TaS war der Rarne deS Selbstmörders, and dies hier war einer von seinen Wechseln, wahr- fcheinlich einer von ben gefälschten

Wie In einem Taumel jagten nun ver­wirrte Gedanken reihen durch ba» Hirn beS Kapitäns.

TaS Fenster ... ber Apotheker, der am Tisch fah und hie Papiere der Bank burcbab . der geheimnisvolle Mörder . der Wech'el. der Flodin zugrunde gerich.-« hatte Wie war dieser Wechfel da b'rauSgetommen ? Hatte ihn ber Mörder mitgenommen und verloren . . .?

Ter Kapitän steckte das zerknüllte Papier in die Tafche und eilte nach Haufe

Tic ganze Zeit über war er seltsam erregt, tn einer Stimmung, gemischt aue Angst und Unbehagen unb einer Vorahnung von etwa« Un­heimlichem, bas halb etntreffen wurde. Und feine Erregung nahm nicht ab. alS er «dlich in seiner eigenen Wohnung angekowmon war.

Zuerst machte er im Wohnzimmer Licht Da­nach ging er in sein Schlafzimmer unb steckte auch hie Lampe an.

AlS er bann ins Wohnzimmer zurückkam, bemerkte er, bat) er in der Hast unb Erregung dcrgeHen hatte, die Tür zum Vorplatz zazi- 3m Tunkel braahen glaubte er setz: eine Menge Hüte unb Mäntel am Äleiberüänbcr hängen zu sehen, unb er würbe von her son- der baren Vorstellung ergriffen, ein grotzes Ge-

(Eine (Erklärung Briands in der sranzöfischen Kammer.

. Paris, 24. Dez. <WTD.) 3n der heu­tigen Kammsrsiyung ergriff der Abge­ordnete Klotz das Wort, um eine Frage an ben Ministerpräsidenten Briand zu richten. Gr sagte, er habe seine Znterpellation in eine ein­fache Frage umgetvandelt, um Aufklärung von Briand zu erlangen. Man müsse wissen, ob die letzten Londoner 2)erhandlungen Frankreich kompromittiert hätten.

Hieraus erklärte Ministerpräsident Briand, dah feine Unterhaltung mit Lloyd George tn vollkommen^ Herzlichkeit er­folgt sei» Die Sn lerne zwischen Frankreich und Drohbrirannten sei so feft wie ie und er zweifle nicht daran, dah dies auch in naher Zukunft der Fall sein werde Zn den Unter­haltungen mtt Lloyd George habe er versucht, die verschiedenen Ansichten auszugleichen, um zu einem gemeinsamen Standpunkt für die Konferenz von Sinnes zu gelangen. Gs könne nicht die Rede davon sein, Bah Frankreich eine ber Garantien aufgebe, die der Dertraq von 25ersailleS ihm zubillige, und er müsse zu Ehren Lloyd DeoraeS sagen, dah er die be­sondere Laae Frankreich« anerkannt habe 3n London habe man die besten Mittel ins Auge aefaht, die angewendet werden kögnen, um Deutschland zum Zahlen zu zwingen. Briand stellte dann sest, dah k e t n e R e d e davon sein könne, den FriedenSvertragvonDer- sa 1 lleS oder den Zahlungsplan ab­zuändern. UebrigenS sei es auch nicht mög­lich, den Friedensvertrag abzuändern ohne das Dckrlament, das ihn ratifiziert habe. Die Beunruhigung, die entstanden sei unter dem Dorwand, dah Frankreich bereit sei, seine Garantten aufzugeben, sei vollkom­men unbegründet. Briand erklärte bann, bah eine Annäherung der Dölker notwendig sei, damll man in gutem Ginver.iehmen leben könne. Sine Garantie dafür sei zum 2-eispiel das pazifische Abkommen. 3m weiteren Ver­laufe seiner Rede erklärte der Ministerpräsi­dent. bah Konferenzen, wie die von San­nes notwendig seien, wenn eS sich darum handele, die verwickelten Znkeressen zu prüfen. Die beklagenswerten wtrtsck-astlichen Be­dingungen, die auf der ganzen Well lasteten, rührten von dcr wirtschaftlichen Lage her, tn ber sich der größte Teil Europas befinde. Der Zweck seiner Besprechung mit Lloyd Ge­orge sei gewesen, den besten Plan ins Auge äu fassen, um eine Abänderung zu treffen. Briand stellt dann fest, dah in Cannes die französischen Znkeressen vollkommen gewahrt würden, und dah Lloyd George nie daran ge­dacht, ihnen Abbruch zu tun.

Rach Briand ergreift 2lbg. Klotz noch- <nal6 das Wort und fragt bezüglich der deut­schen Rentez ob die Vertreter Frankreichs in der Reparattonskommission Znstruktionen in bezug auf die Zahlung ihrer Zinsen erhalten haben. Brian d erklärte, dah die nötigen Instruktionen erteil! seien, unb bah bic fran­zösischen Vertreter tn der RcparationSkommis- sion die Znteressen Frankreichs wahren wür­den. Er erklärte ferner, dah die französische Schuld nicht herabgesetzt werde, und das) die Garantien nicht vermindert werden würden.

Der Kammerpräsident verkündet sodann, dah eine Interpellation des Abg. Magnö über die deutschen Zahlungen vom 15. Januar und 15. Februar eingelaufen sei. Rach län­gerer Debatte wird bestimmt, dah die Ver­handlung derselben nach der Konferenz von

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