m. Jahrgang
Mittwoch, 27. M 1921
Erstes Blatt
Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. 5reis litt 1 mm höhe für nzeigenv 34 mm Breite örtlich 40 Pf, auswärts 50 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite I80Pf Bei Platz, vorfchrift 20'/, Aufschlag. Hauptschriftieiter: Auq. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Rernhold Ienz; für den Anzeigenteü. Hans Beck, sämtlich in Dietzen.
Nr. 173
Der «iefcener Anzeiger mit der Dienstogsbeilage d§p»rt-Umlchau- er. scheint täglich, außer Sonn, und Feiertags. Monatliche vezuaspretfe: Mark 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Fernsprech.Anschlüsse: für bie Sd)riftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen.
Postscheckkonti:
Srowffirt a. M. 11686.
SiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
vnick nnb Verlag: Vriihl'sche Univ.-vuch- und Steintruderei H. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.
Ein vorläufiges englisch- französtsches Uebereinkommen.
Konferenz am 4. Anglist in Paris.
London, 26. Juli. (Reuter.) Die britische und die französische Regierung erreichten nunmehr ein Einverständnis über die Fragen prinzipieller Bedeutung, die mit Oberschle- s i en Zusammenhängen. Wie bereits mitgeteilt, erklärte sich die französische Regierung damit einverstanden, daß der O b e r st e R a t am 4. 2l u g. zusammentritt. Die britische Regierung nahm den Vorschlag an, vor dem genannten Zeitpunkt eine Sachverständigenkonferenz stattfinden zu lassen. Ilm den Wünschen Driands entgegenzukommen, stimmte sie zu, dah die Konferenz d?s Obersten Rates in Paris stattfindet. Die britischen Sachverständigen, Sir Cecil Hurst, Rechtsbeirat des Auswärtigen Amtes, Tuston, Vorstand des mitteleuropäischen Departements, und Waterlow, Mitglied des gleichen Departements. reisten abends nach Paris ab. Eine Reise
Mehr Wirtschaftspolittk!
„Mehr Wirtschaftspolitik, weniger Sozialpolitik", eine in solche Worte gefaßte Forderung erscheint auf den ersten Blick als außerordentlich brutal. Jeder denkt sofort an die so wichtigen sozialen Fragen, die gerade jetzt zur Lösung drängen, so z. B. die Verteilung der neuen Steuern, die Aushebung der Zwangs- wirtschaft mit der wahrscheinlich folgenden Preissteigerung, an die Frage der Sozialisierung der Kohlenbergwerke usw.
Hierzu muß mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß nicht die Fragen der Verteilung, der Preise, Steuerprobleme usw. die soziale Frage lösen werden, sondern daß es vor allem darauf ankommt, die so außerordentlich wichtigen Fragen der Erhöhung der Produktivität zu erledigen. Keine Zwangswirtschaft, kein noch so fein ausgeklügeltes Derteilungsshstem wird z. D. den Mangel an Nahrungsmitteln beseitigen, hier kommt alles darauf an, die Erträgnisse der Landwirtschaft auf den Friedensstand und durch Intensivierung der Düngewirtschaft möglichst noch darüber hinaus zu heben.
Lenin sagte einmal, der einzige Maßstab, an dem man das kommunistische System beurteilen könne und dürfe, sei die Höhe der Produktion. Damit hat Lenin das vernichtende Urteil über die kommunistische Wirtschaft gesprochen. Wohl nirgends ist das VerteilungS- fystem straffer organisiert wie in Sowjetrußland. Die Industrien sind zusammengefaßt in Zentralen, genannt z. B. Zentro-Eisen, Zen- tro-Wolle, Zentro-Papier. Auf dem Papier flehen auch die wunderbarsten sozialen Ge- etze, aber sie sind nicht durchführbar, weil die Produktion zusammengebrochen ist bis auf 5 bis 6 Prozent Friedensleistung. Wo nichts zu verteilen ist, nützen auch die schönsten Der- teilungsgesehe nichts. Wenn wir also über die Sozialisierung des Kohlenbergbaues sprechen, darf auch bei uns nur der einzige Maßstab sein: ist man sicher, dah die Kohlenerzeugung steigt, dann muß die Sozialisierung kommen. ist das Gegenteil der Fall, dann darf sie unter keinen Umständen kommen. Alles bei uns hängt davon ab, daß unsere Industrien mehr Kohlen bekommen können, daß unsere Produktionskraft gesteigert wird. Ist mehr Kohle vorhanden,T>ann werden die Industrien, die wegen Kohlenmangel ihre Betriebe stilllegen muhten, wieder anfangen zu arbeiten. Die Zahl der Arbeitslosen wird fallen, es werden neue Verdienstmöglichkeiten geschaffen.
Cs wäre eine außerordentlich große wirtschaftspolitische Kurzsichtigkeit, die Verbraucherinteressen ganz in den Vordergrund zu schieben. Diese haben gewih ihre außerordentlich große Berechtigung, aber eS darf ihnen nicht soweit nachgegeben werden, daß darunter die Produktionskraft leidet. Für jede Wirtschaft, sei es eine sozialistische oder kapitalistische. ist die Grundlage die Produktion. Wir müssen unsere Wirtschaft intensivieren. Dabei kommt eS aber nicht nur darauf an, Maschinen in Bewegung zu setzen, durch Organisationen und technische Neuerungen einen möglichst großen Nutzen aus unserer Wirtschaft zu schlagen, sondern man muß daran denken, daß die Arbeitenden Menschen sind. Die Sorge um daS tägliche Brot darf nicht der alleinige Inhalt unseres arbeitenden Volkes sein. Wie sagt doch Fichte? Der Mensch soll arbeiten, aber nicht wie ein Lasttier, sondern er soll auch Zeit übrig behalten, um seinen Sinn zum Höheren zu erheben.
Wir stehen vor der Aufgabe, die soziale Frage unserer Zeit zu lösen. Jagen wir nicht falschen Zielen nach. Nicht ein noch so schön ausgedachtes DerteilungSsystem, sondern Erhöhung der Erzeugung ist hier die erste eiserne Forderung.
Mehr Wirtschaftspolitik ist die Grundlage zu mehr Sozialpolitik.
der Genannten nach Oberschlesien wird nicht erwogen. Als Ergebnis der Auseinandersetzungen zwischen den Regierungen wurde eine viel bessere Atmosphäre geschaffen. In der Tat besteht jeder Grund zu der Annahme, dah die oberschlesische Frage sich auf dem besten Wege zur Lösung befindet. Weitere Mißverständnisse bezüglich der Entsendung von Truppen oder eines anderen Punktes können wohl noch kaum entstehen.
Paris, 26. Juli. (WB.) Die „Cibert6u "teilt mit, daß sich Amerika im Ober st en Rat durch feinen Botschafter in London, Harvey, vertreten lassen wird.
Lloyd George nicht zugegen?
London, 26. Iuli Reuter. Amtlich. Der Oberste Rat tritt am 4. August in Paris zusammen. Lord Curzon und Balfour vertreten England auf der Konferenz. Lloyd George ist wahrscheinlich nicht zugegen.
London, 27. Iuli (WTB- Reuter erfährt, zu der bevorstehenden Konferenz des Obersten Rates, dah Lloyd George wegen der Fülle der zu erledigenden Arbeiten nicht in der Lage fein werde, London zu verlas- f e n. Die Zusammenkunft des Obersten Rates toiti), wie man glaubt, nur von kurzer Dauer fein, da lediglich bie oberschlesische Frage auf der Tagesordnung steht. Die englischen Sachverständigen sind dereits nach Paris abgereist.
Der Sachverständigenausschutz.
Paris, 26. Zull. Die Havasagentur teilt mit: Entsprechend dem jetzt von Frankreich, England und Italien aufgenommenen Verfahren wird die Sachverständigenkommission, die die oberschlesische Frage vor dem Zusammentritt des Obersten Rates prüfen soll,. am kommenden Donnerstag in Paris zusammentreten.
Die Frage der Entsendung einer französischen Division.
Paris, 26. Iuli (WTB.) Das „Journal des Debats" schreibt an hervorragender Stelle, auf alle Fälle erscheine es schwierig, die für die Absendung der französischen Division nach Oberschlesien nötigen Maßnahmen bis zu dem für den Zusammentritt des Obersten Rates angesetzten Tage durchzuführen.
Verschlechterung der Lage im Kreise Nybnik.
Oppeln .26. Iuli. (WTB.) Die Lage im Kreise R h b n i k hat sich wiederum verschärft. Auch auf dem Lande verstärkten sich die Insurgenten auffallend schnell und zwar hauptsächlich durch Zuzug aus Kongrehpolen. Der polnische Kreisbeirat in Rhbnik hält nach wie vor die Gewalt in den Händen und schickt sogar Fragebogen an die einzelnen Gutsvorstände, welche die Anzahl der Bewohner, die Menge des Getreides, die Anzahl des Viehs, Übersichten über die Gröhe der einzelnen Gutsbezirke usw. betreffen. In Emmagrube wurde vor einigen Tagen eine Delegschaftsversammlung abgehalten, in der die Polen beschlossen, sämtliche deutschen Beamten hinauszuwerfen. Die Donnersmarckgrube wird von bewaffneten Insurgenten beseht gehalten. In Rybnik tauchte neuerdings der bekannte Polenführer Ro- funski auf, der bis zum Beginn des letzten Aufstandes polnischer Plebiszitkommissar in Rhbnik war. Alle Fäden der polnischen Kampforganisationen laufen augenblicklich nach N e u - deck östlich von Tarnowih an der polnischen Grenze. Rund 80 deutsche Familien haben die Stadt Loslau verlassen. In Rhbnik ist die Zahl noch höher. Rach Dzierkowih wurde aus Befehl des italienischen Obersten Sal- vioni in Ratibor eine Kompagnie Italiener gelegt In Räuden ist ein Zug französischer Husaren eingetroffen.
Aus Beuthen.
Beuthen, 26. Ouli. (Wolff.) In der «eitrigen Stadtverordnetenversammlung wurde ein Schreiben verlesen, das der Magistrat wegen Ausweisung des Ober- bürgermetsters Dr. Stephan aus dem oberschlesischen Gebiet an die Interalliierte Kommission richtete. In dem Schreiben wird besonders betont dah Dr. Stephan geborener Ober- fchlesier ist und aus diesem Grunde feine Ausweisung eine außergewöhnliche Maßnahme fei Das Schreiben schließt mit dem Ersuchen, die Ausweisung aufzuheben. Der Antrag des Magistrats, die Stadtverordneten möchten dem Schreiben zustimmen, wurde angenommen. Weiter wurde mitgeteilt, dah die Interalliierte Kommission die Erlaubnis, dem Oberbürgermeister Dr. Stephan seine am 9. März 1921 datierte Ernennung zum Oberbürgermeister auszuhändigen, bisher nicht erteilte.
Amerika und die Abrüstung.
Paris, 26. Iuli. (Wolff.) Die Havas- Agentur berichtet aus Washington, Senator Borah beantragte im Senat, daß die Zahlung der Schulden der Alliierten bis nach der geplanten Abrüstung skonferenz aufgeschoben werde. Wenn die auswärtigen Regierungen nicht in der Lage seien, sich mit den Vereinigten Staaten über das Abrüstungspro- gramm zu einigen, werde das der amerikanischen Regierung das Recht geben, auf der pünktlichen Bezahlung ihrer Schulden und Zinsen zu bestehen. Wenn die Regierungen fortführen, erhebliche Summen für Rüstungen aus^ugeben, würden die Vereinigten Staaten wahrscheinlich eine andere Politik einschlagen. Frankreich fei gegenwärtig bie am meisten militaristische Nation, seine Armee von 800 000
Mann sei übermäßig stark, auch England gebe ungeheure Summen für Armee und Marine aus.
London, 26. Ouli. (Wolff.) Nach einer „Exchange"-Meldung aus Washington verlautet dort, daß nach Auffassung des Staatssekretärs Hughes das britische Reich auf der Abrüstungskonferenz nur eine Stimme haben soll, auch wenn Vertreter der Dominions zur britischen Delegation gehören.
Ratifikation des Friedens mit Ungarn.
Wien, 26. Iuli. (WTB.) Heute wurden in Paris die Ratifikationsurkunden des Friedensvertrages von Trianon zwischen den Verbündeten und Ungarn ausgetauscht. Der Vertrag tritt sofort in Kraft. Eine Folge der In- trafttretung des Vertrages von Trianon ist die Uebergabe West Ungarns an Oesterreich und des Kohlengebietes von Fünfkirchen von Jugoslawien an Ungarn. Der Prozeß der Uebergabe Westungarns an Oesterreich wird einige Wochen zu seiner Durchführung brauchen. Die Botschafterkrnserenz setzte den 27. August als Endtermin für die Uebergabe fest. Die Offiziersdetachements der Ententemächte, die mit der Überwachung der Uebergabe betraut sind, werden verstärkt.
Die Sozialisten und das hungernde Rntzland.
Berlin, 26. Juli. (Priv.-Tel.) Die Zentrale der K. P. D. richtete an die Sozialdemokratische Partei ein Schreiben, worin sie eine gemeinsame Aktion der Gewerkschaften, der Sozialdemokraten, Unabhängigen, Kommunisten und Kommunistischen Arbeiterpartei zu Gunsten des hungernden Sowjetruß- lands anregt. Der Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei erklärte sich mit einer allgemeinen Hilfsaktion einverstanden.
Die Spanier in Marokko.
Madrid, 26. Iuli- (Havas.) Amtlich wird berichtet: Die ganze Linie bei Mellila wurde befestigt, so dah jede Gefahr eines neuen Angriffs als beseitigt gelten kann. Mehrere alleinstehende spanische Truppenabteilungen verteidigen sich weiterhin heldenmütig gegen den überlegenen Feind. Man glaubt, ihnen in Kürze Verstärkungen senden zu können. Von anderen Abteilungen fehlt noch fede Nachricht. General Be- ringuier hat die Truppen, welche Sidi-Driß beseht halten, von der Verpflichtung entbunden, sich weiter zu verteidigen, angesichts der Unmög- lichtrit, ihnen Verstärkungen zu "schicken. Bei Gurgi ist alles ruhig.
Ein Ministerrat beschloß, alle Maßnahmen zu ergreifen, um das Vorgehen des spanischen Oberkommissars in Marokko zu unterstützen. Es werden aber feine weiteren Truppen mehr dorthin gesandt werden. Alle Zeitungsberichte über "die Lage in Marokko unterliegen in Zukunft der Zensur. Amtliche Berichte an die Presse werden ausgegeben.
Einer Havas-Meldung zufolge erklärte der Kriegsminister Pressevertretern gegenüber, daß der befestigte Platz und das Lager von M e l l i l a keine Verbindung mit den äußern Stellungen mehr habe. Die Erhebung der feindlichen Stämme fei allgemein. Bisher könne man noch nicht sagen, wie viel Abteilungen überhaupt jemals wiederkehren würden. Kanone"donner aus der Richtung Datem lasse dort noch die Anwes en- tzeu spanncher Truppen vermuten. Die Spanier hätten ihr gesamtes Flugmatericu Zerstört, damit auch nicht ein einziges Flugzeug in die Hände der Feinde fallen könne.
Staatssekretär a. D. Trimborn f.
Bonn 26. Iuli. (Wolff.) Staatssekretär a. D. Geheimrat Trimborn, Vorsitzender der Zentrumsfraktion des Reichstags und der deutschen Zentrumspartei ist gestern abend hier an den Folgen einer Operation gestorben.
Trimborn gehörte seit 1896 der Zentrumsfraktion des Reichstages und bis zum Iahre 1918 auch der des Preußischen Landtags an; auch in der verfassunggebenden Nationalversammlung vertrat er als Mitglied des Zentrums seine rheinische Heimat. Seit (Januar 1920 bekleidete er das Amt des Vorsitzenden der deutschen Zentrumspartei und ebenso war er im Reichstag der Führer der Fraktion.
Berlin, 26. Iuli. (WTB.) Anläßlich des Ablebens des Vorsitzenden der Zentrumsfraktion des Reichstags, Trimborn, richtete der Reichskanzler an die Z e n t r u m s f r a kti o n bei Reichstags folgendes Beileidstelegramm: Der Fraktion des Zentrums spreche ich zu dem schweren Verlust, den sie durch den Heimgang ihres Vorsitzenden des Staatssekretärs a. D. Trimborn, erlitt*meine und der Reichsregierung aufrichtige Tellnahme aus. Weit über feine Fraktion und Partei hinaus wird fein Heimgang beklagt Seine staatsmännische Klugheit, die Lauterkeit seines Wesens, sein warmes menschliches Empfinden und sein sprühender Geist sichern ihm in allen politischen Kreisen, die mit ihm zusammen gearbeitet haben, ein dankbares und ehrenvolles Andenken zu.
Der Reichskanzler richtete an die Tochter des verstorbenen Abg. Trimborn folgendes Beileidstelegramm: Ich erfahre soeben den Heimgang dbred von mir hochverehrten Vaters, Staatssekretärs a. D. Trimbern. Schmerzbewegt beeile ich mich, Ihnen innigstes Beileid auszu
drücken. Was der Verstorbene Ihnen und Ihrer Familie war, können nur Sie In vollem Umfange ermessen. Mich bewegt In erster Linie der Verlust den das Vaterland und auch die Zentrumspartei durch seinen Heimgang erleidet Für Familie, Vaterland und Partei starb Ihr Vater allzufrüh. Das Vaterland brauchte in seiner großen Not seiner dringend, brauchte feine staatspolitische Gesinnung, sein sicheres Urteil, seine zum Ausgleich geschaffene gütige Persönlichkeit und die rastoste Schaffenskraft seines Führeriums, Eigenschaften, toomit er auch die Zentrumspariei durch die politischen Erschütterungen der Zeit sicher leitete. Den Schmerz um sein Fehlen überwiegt die Bewunderung über feine dem Dienste der Allgemeinheit und des Reiches gewidmete glänzende Lebensarbeit Mit der Reichsregierung trauert das deutsche Volk am Sarge dieses Mannes, dessen hervorragende Charaktereigenschaften ihm Freunde In allen Schichten des Volkes und bei allen Parteien schufen. Möge Ihnen und Ihrer Familie diese innige Mittrauer ein Trost bei dem schweren Schlage sein, der Sie getroffen hat
Aus dem Reiche.
Eine Krise im sächsischen Landtag.
Berlin, 27. Juli. Blättermeldungen aus Dresden zufolge sind die Grund - und Gewerbe st euern in den Ausschüssen des sächsischen Landtags mit den Stimmen der Deutschnationalen, der Deutschen Dolkspartei, der Demokraten und der Kommunisten abgelehnt worden. Finanzminister Heidt erklärte darauf, daß, wenn auch das Plenum die Vorlage ablehnen sollte, die Regierungzurücktreten und der Landtag auf- gelöst werden würde.
Wahlen zum deutschen Metallarbeiterverband.
Frankfurt a. M., 26. Juli. Bei den Wahlen der Abgeordneten für den DerbandS- tag des Deutschen Metallarbeiterverbandes entfielen auf die Liste der Mehrheitssozial i st e n 4627, die Liste der Unabhängigen 3795, und die Liste der Kommutt i st e n etwa 900 Stimmen. Don 30 000 Mitgliedern machten etwa 9000 von ihrem Stimmrecht Gebrauch.
Der „Vorwärts" teilt mit, daß die endgültigen Ergebnisse der DelegiertenwaHl für den Ienaer Verbandstag des Metallarbeiterverban- des jetzt vorliegt In Berlin wurden 54 668 Stimmen abgegeben, davon erhielt die Liste A (Amsterdam) 31 841 Stimmen, die Liste B (Moskau) 22 827 Stimmen. Wie das Blatt weiter mitteilt, erlitten, nach den aus dem Reiche vorliegenden Nachrichten, die Kommunisten überall Niederlagen.
Zimmererstreik in Berlin.
Berl in. 27. Iult Die Berli ne r Zimmerleute sind wegen Lohnstreitigkeiten heute in den Streik getreten. Das Berliner Baugewerbe ist dadurch stillgelegt In den Streik eingeschlossen sind auch die Zimmerleute, die bei der Hoch- und Grundbahn, den Metall-, Textil-, Beton-, Film-, chemischen Betrieben usw. tätig sind.
Aus dem besetzten Gebiet.
Wie die Franzosen an der Versöhnung arbeiten.
Saarbrücken, 25. Iult Am ftanzösischen Nationalfeiertag wurde an die französischen Truppen im Saargebiet, die vor dem Völkerbund als sogenannte SicherheitS- oder Polizeitruppe gelten, obwohl sie, wie die zahlreichen von ihnen verübten Raubüberfälle auf friedliche Bewohner beweisen, in keiner Weise dazu geeignet sind, eine Vronzemedaille verteilt. Diese Medaille trägt auf der einen Seite die Figur der Freiheit mit der Umschrift ..Gloire ä tous pollus". Auf der anderen Seite enthalt sie das Bild des ehemaligen deutschen Kaisers, der einen Maulkorb und einen eisernen Halskragen mit einer dünnen Kette um den Hals trägt, dazu die Umschrift „Guilleaume dernier". Die Saarbevölkerung ist über die Verteilung dieser Medaille sehr empört. Aber sie wird sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und wird das Urteil über diese Mekmille ruhig der zivilisierten Welt überlassen.
Don Desatzungstruppen erschlagen.
fpd. B e n S h e i m a. d. 26. Juli. Wie das „Bergfträher Anzeigeblatt" erfährt, ist der Sohn des Sanitätsrats Wiegand von hier, der als Chemiker bei einer Firma in Andernach tätig war, gestern abend von den Defatzungsmannschaften erschlagen worden. Nähere Angaben hierüber stehen noch aus.
Ern Pfadfindertag in Aachen.
Aachen, 25. (Juli (Wollt - Anlähstch ieurer Fahnenweihe hatte das Pfadfinderkorps in Aachen einen besonders aus dem Rheinlande stark beschickten Pfadfindertag berufen, zu dem Abordnungen aus England und der Schweiz und besonders zahlreich aus Holland erschienen waren. Die Hauptfeier brachte die Ausführung der Rütli-Szene aus Schillers „W i l h e l m Teil" durch Aachener Pfadfinder. Nach dem Weiheakt sprachen die Eng- länber und Holländer die besten Wünsche aus Den Abschluß bildete eine Feier auf dem Ehren- friedhof für die dort ruhenden und fürs Vaterland gefallenen Pfadfinder.


