pLunfl bei den französischen Arbeitern zugunsten Der Russen empfohlen. 3n der Debatte über den Ülntrag, von der C. G. T. Ausgeschlossenen mit «beratender Stimme zuzulassen, kam es zu einem Wütenden Zusammenstoß zwischen Mehrheitlern jund Minderheitlern. Es wurden Stühle geworfen und mehrere Revolverschüsse abgegeben. Drei Personen wurden verwundet.
Der türkische Vormarsch.
Paris, 25. 3ult Rach einer Havasmeldung Lus 3 s m i d setzten die Türken ihren siegreichen Vormarsch auf Biledjik, Ieni Sche- hir und Inhisiar fort. Die türkischen Truppen sollen Afium Karahissar und Tulu Dunar bereits besetzt haben. — Rach einer weiteren Havasmeldung aus Konstantinopel meldet der Korrespondent des türkischen Vlattes»Vakiti" auch die Einnahme von älschak durch die Türken.
*
Spanische Verluste in Marokko.
Madrid. 24. Iuli. (Wolff.) Die Matter »nelden aus Melilla den Tod des Generals fS i l v e st r e. der Obersten Morales und Maxell a und deS Oberstleutnants M a n e r a. Rach perschiedenen Rachrichten sollen diese Offiziere umzingelt worden fein und S e l b st m o r d begangen haben. Rach anderen Rachrichten sollen sie beim Rückzugsgefecht gefallen sein. Die spanische Regierring entsandte sechs Regimenter und Drei Kriegsschiffe zur Verstärkung. Der Madrider Garnison werden keine Truppen entnommen. Die »Presse mahnt zur Ruhe.
Aus Hessen.
Eine Landskronfeier.
Oppenheim, a. Rh., 25. Juli. Auch in Diesem Jahre veranstaltete die Deutsche Volkspartei Rheinhessens einen -,Deutschen Tag" auf der Landskrone. Trotz der Erntezeit waren Männer und Frauen aus der ganzen Umgegend in so großer -Zahl herbeigeströmt, daß Halle und Garten bald überfüllt waren. Pfarrer V e r ck - Mainz hielt sodann eine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Ansprache namens des Provinzialverbandes Rheinhessen. Abg. Dr. Becker feierte die alten Tugenden des deutschen Volkes, die Liebe zur Heimat, die Treue zum Reich, Fleiß und Familiensinn. Auch der Partei müsse man die Treue halten. Die wirtschaftlichen Interessen dürsten nicht dazu führen, daß bei Wahlen das Volk durch neue Parteigruppen zerrissen wird. Der Redner Hing sodann auf die Lage in Oberschlesien ein >und verlangte für das besetzte Gebiet die Be- tselttgung der „Sanktionen". Rach weiteren Musikstücken und Darbietungen der Jugend- Gruppen sprach Generalsekretär Wittig ein Schlußwort.
. Aus Stabt und Land.
Giehen, den 26. Juli 1921.
1 Das Ergebnis der hessischen Kinderhilfswoche in Gießen 1921.
Die Veranstaltungen der Kinderhilfswoche Häb^n folgende Reinerträgntsse gebracht.
(1- Dei den Danken und beim städtischen Woh.fahrtsamt eingezahlte Spenden 10 807.— Dl.
2. Kollekte in den evangelischen Kirchen Gießens am 19. Juni 157.75 ..
3. Sammlung des Gewerkschaftskartells Gießen 2300.— „
4. Straßen» und Haussammlung am 19. Juni 8915.32 „
5. Ehrensingen des Lahntal- Sängerbundes 1000.— „
6. Märchenaufführungen der Gießener Waldbühne vom 20. bis 25. Juni 3000.— „
,7. Vorführung des Möve-Films 271.—
V8. Sportliche Veranstaltungen am
22. 24. und 25. Juni 2922.85 „
9. Rosenfest im Cafs Aftvria 568.30 ,, 10. Theaterabend des FrauenvereinS
am 23. Juni 12198.85 „
11. Kinderhilfsfest am 26. Juni 26 278.45 „
12. Sommerfest des Vereins Thalia 200.— „
[13. Ergebnis aus einem Konzert von Willy Schättler's Schule für höheres Violinspiel vor Beginn der Ktnderhilfswoche 200.—
.14. Verein für Bewegungsspiele
(aus Dereinsmitteln) 100.— ,
68919.52 „ An allgemeinen Werbungskosten
sind entstanden 4378.20
Es verbleibt hiernach ein Rein- erträgnis von 64 541.32 M
Wettervoraussage für Mittwoch
Wolkig, Gewitterregen, warm, südwestliche bis westliche Winde. Die westlich Englands liegende Depression, die endlich Regen bringen sollte, hat ihre Lage nur wenig veränderk, so daß Riederschläge vorerst noch nicht auftraten. Bei der durch die starke Sonnenbestrahlung und durch den Südwestwind bedingten großen Wärme und durch die Randwirbel des Tiefs ist Gewitterbildung zu erwarten.
*
Gestern wurden in Frankfurt mehrfach Temperaturen von 36 Grad Celsius im Schatten gemessen. Die Hitze war drückend und es dürfte wohl der heißeste Tag dieses Jahres gewesen sein. Die Rettungswachen hatten vom frühen Morgen an mit der lleberführung Hiherkrankter in die Krankenhäuser zu tun. Es sind eine ganze Anzahl schwerer Hitzschläge vorgekommen.
" Polizeibericht. Eine Zigeunerin beim Hausierhandel mit Spitzen übte auch wie gewöhnlich die Wahrfagerei aus, wobei das nötige Geld und Bettzeug nicht fehlen durfte. Eine Frau von hier mußte ihr ganzes Geld in ein Taschentuch wickeln und mit Bettzeug auf ihr Bett legen. Rach dem Wahrsagen ließ sich die Zigeunerin bewirten und 'verschwand und mit ihr das Bettzeug und die eingewickelten 1000 Mark. Die Zigeuner hatten bereits Gießen verlassen und konnten durch die Polizei hinter Klein- Linden eingeholt werden. Die Weiber waren bereits im nahen Wald verschwunden. Dei dem einen Zigeuner wurde das Taschentuch der De- stohlenen in seiner Tasche vvrgefunden, wogegen das Dettzeug schon wieder abgefeht war. Für die 1000 Mark hatten die Zigeuner anderweitige Einkäufe gemacht. Daß die geschädigte Frau wieder in Desih ihres Geldes kommen konnte, muhte der Zigeuner ein Pferd verkaufen. Später wurde auch die Zigeunerin noch ergriffen, sie gab den Diebstahl zu und wanderte in Untersuchungshaft. — Weiter konnte an demselben Tage ein anscheinend gewerbsmäßiger Fahrradmarder fest genommen werden, welcher in Frankfurt a. M. ein Fahrrad entwendet hatte und es hier in Gießen verkaufen wollte.
** -Unfall. Heute morgen kurz vor 8 Uhr wurde im Wiesecker Weg ein etwa 16jähriger junger Mann von einem Auto angefahren, wobei er unerhebliche Hautschürfungen davontrug. Das Auto brachte den Verletzten selbst in die Klinik.
” Das Jubiläum der Stadtkirche. Zur Erinnerung an die vor 100 Jahren erfolgte Einweihung der Stadtkirche wird kommenden Freitag den 29. Juli, mittags 12 Uhr, mit allen Glocken der Stadtkirche eine Viertel st undo lang geläutet werden.
** Oberhessischer Kun st verein. Morgen, Mittwoch, ist der letzte Tag der Ausstellung. Die Räume sind geöffnet am Vormittag von 11—1 Uhr und am Rachmittag von 3—5 Uhr. Don Donnerstag ab Ist die Ausstellung geschlossen.
"Der Fe st ausschuß der 116er richtet an die Bürgerschaft Gießens im Anzeigenteil unteres Blattes einen Aufruf für den am 20. und 21. August stattfindenden ersten 116er-Tag (Gedenktag der Schlacht von Anloy) Freiquartiere oder fölche gegen entsprechende Bezahlung aur Verfügung zu stellen. Spend rn werden an das Konto .Regiments-Appell 116" bei der Mitteldeutschen Creditbank Gießen erbeten.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag Großer Hörsaal, 8 Uhr Vortragsabend der Hess. Vereinigung für Volkskunde. — Lichtspielhäuser wie gestern.
°e. Hessische Vereinigung für V o l k s k u n d e. Heute abend wird im großen Horsaal der Universität, 8 Uhr, Herr M e t r o p. Lic. Doe11e von Marburg in der Hessischen Derei ag ung für Volkskunde über »Hessische Dauern" sprechen. Der Vortragende ist vielen Freunden der hessischen Volks- und Heimatkunde kein Unbekannter. Seine Dücher, vor allem das .Aus einer vergessenen Ecke", haben ihn weithin bekannt gemacht. Die Schärfe seiner Beobachtungen, seine Weitherzigkeit, sein Verstehen suchen der Sitten und Bräuche, aber ganz besonders seine Charakterschilderungen, denen wir in seinen Büchern begegnen, versprechen einen lehr- und genußreichen Abend. Auch Richtmitglieder sind herzlich willkommen.
Kreis Lauterbach.
0 Schlitz, 23. Juli. Wie schon kurz berichtet, traf gestern das auf'dem Rückmarsch von Thüringen befindliche Marburger Ausbr'l- dungs- Bataillon des Reichswehr-Infan- terie-Regiments 15 hier ein und bezog mit dem Regimentsstab hier Quartier. Die Truppe fand äußerst freundliche Aufnahme, so daß die Soldaten über die Gastfreundschaft des Lobes voll waren. Am Rachmittag gab die Dataillonskapelle
auf dem alten Marktplatz ein Konzert, das von der Bevölkerung mit Begeisterung ausgenommen wurde. Das Gießener Bataillon bezog in verschiedenen Ortschaften des Schlitzerlandes, so in Hatzdorf und Fraurvmbach, Quartiere. Heute früh führten kleine Gefechtsübungen beide Bataillone über Bad Salzschlirf nach Lauterbach, wo in der Stadt und Umgebung Unterkunft vorgesehen ist. Dach einem Ruhetage am morgigen Sonntage trennen sich beide Bataillone, um auf kürzestem Wege in chre Garnisonen zurückzumarschieren. — Wie von den Soldaten erzähtt wird, fanden fie unterwegs auch in Thüringen überall freundliche Aufnahme, vor allem auch in Schmalstrlden, trotzdem dort vorher von radikaler Seite in Prefte- artikeln gegen die bevorstehende Einquartierung demonstriert worden war.
Kreis Schotten.
ed. Eschenrod, 25. Juli. 3n dem fast 500 Einwohner zählenden Dorf Eschenrod wurde in der letzten Zeit ein besonders häufiges Auftreten der Blinddarmentzündung beobachtet. 3m Laufe des vergangenen Halbjahres muhten sich 7 Personen dieser Gemeinde im Alter von 11—30 Jahren einer Blinddarmoperation unterziehen. Wie wir hierzu voy unterrichteter Sette erfahren, hangt wohl die auffallende Häufung dieser Krankheit mit einer ausgedehnten schweren Grippeepidemie zusammen, welche im letzten Winter in diesem Ort herrschte und bis in die letzten Monate ihre Ausläufer sandte. Es dürfte sich bei der Blinddarmentzündung in den erwähnten Fällen wohl um lokale Affektionen einer derartigen Allgemeinerkrankung handeln, daher auch die Häufung der Fälle in der Gemeinde und in einzelnen Familien entsprechend dem epidemischen Charakter der Grippe.
Kreis Friedberg.
Zugzusammenstoh.
Friedberg i. Hessen, 25. Juli. (Wolff.) In der Rächt zum Sonntag fuhr hier ein von Gießen kommender G ü t e r z u g auf einen anderen im Gleise befindlichen auf, wobei mehrere Wagen entgleisten. Es wurden dabei zwei Eisenbahnbeamte verletzt, von denen einer seinen Verletzungen erlegen ist. Untersuchung ist eingeleitet.
Starkenburg und Rheinhessen.
Große Waldbrände im Rheingau.
fd. R ü d e s h e i m, 25. Iuli. Der Riederwald war vom Freitag bis Sonntag der Schauplatz umfangreicher Waldbrände. 3m Kammerforst wütete ein zweitägiger Brand, dessen Flammen die Straße überschritten und einen Bezirk nach dem anderen sowie zahlreiche Getreidefelder einäscher ten. Oberhalb Aßmannshausen vernichtete ein Brand, der ebenfalls mehrere Tage andauerte, erhebliche Waldflächen. Bei dem Schloß Rhein st ein unterhalb Dingen wurden gleichfalls mehrere Waldungen vernichtet. Die DrandHerde dehnten sich bis an die Weinbeige hinunter. £er Schaden ist ganz guher- ordentlich groß. Die Feuerwehren der Rheintal- orte waren gegen die Brände so gut wie machtlos. Rur ein durchdringender Regen kann ein Wiederauflohen der Flammen verhüten.
•
* Kurze Rachrichten aus Hessen uno den Rachbar st aaten. Der Obersch l e s i er ta g erbrachte in Dad-Rauheim durch Straßen- und Haussammlungen 13 000 Mt. — Rachdem vor mehreren Wochen einer der Riesenbäume in der Bad-Rauheimer Park-Allee plötzlich zusammenstürzte, brach dieser Tage von einem der ‘Säume wieder ein starker Ast bei völlig windstillem Wetter ab. Die alten Ulmen scheinen demnach größtenteils allersschwach und morsch zu sein, wodurch sie ei-2 Gefahr für das Publikum bedeuten. — Beim Iugendfest in L i ch, übet das wir ausführlicher berichtet haben, gingen für das Oberschlesierhilfswerk durch Blumen- verkauf über 500 Mk. ein. — Das Fest der goldenen Hochzeit feierte in Ettingshausen das Ehepaar Zimmermeister Konrad Seip in körperlicher und geistiger Frische.
Kirche und Schule.
Heimatkundliche Studienfahrt deutscher Lehrer.
Gießen, 25. Iuli. Bon der Ansicht ausgehend, daß alles pflanzliche, tierische und zuletzt menschliche Leben größtenteils bedingt ist von der Art des. Grund und Bodens, worauf es sich entwickeln soll, wurden als erster Gegenstand des heutigen Tages die Teilnehmer durch einen Vortrag des Universitätsprofess ors Dr. H a r r a s s o» wih mit der Geologie und Geographie Oberhessens und der angrenzenden Gebiete bekannt gemacht. Unterstützt durch ein reiches Anschauungsmaterial in Form der vorkommenden Gesteinsarten und an der Hand von Karten und guten Lichtbildern, die auch der Gegend landschaftlich gerecht wurden, zeichnete der Vortragende ein Bild der Landschaft, die später wenigstens teiltoeife in Augenschein genommen werden soll,
und die dann besser verstanden und gewürdigt werden lann. Ein Gang durch den hiesigen Botanischen Garten schloß sich an. Unter der sachkundigen Führung des Gartenbauinspektors R e b • nelt besichtigte man die mit großem Flciße und Sachkenntnis zusammengetvagenen einheimllchen und ausländischen Pftanzen, woraus noch die im botanischen Lehrsaal aufgelegten einschlägigen Karten und Reliefwerke angesehen wurden. Der Rachmittag war der denachvarten Stadt Wetzlar gewidmet. Der erste Besuch gatt den optischen Werken von E. Leitz. Mit Staunen konnte man sich hier davon überzeugen, welche ungeheuren Fortschritte die Optik in letzter Zeit in der Anfertigung von Mikroskopen und Projektionsapparaten gemacht hat. Die Gröhe des Unternehmens wird wohl am besten gekennzeichnet, wenn man erfährt, daß 12—14 000 Instrumente jährlich angefertigt werden, und daß in nächster Zeit der 200 000. Apparat! fertig wird. Prof. Dr. Seher- Marburg leitete einen Rundgang durch die Stadt. Der Tag wurde würdig geschlossen durch den Vortrag von drei durch den Dichter selbst dargebotenen Erzählungen Dr. Alfred Bocks, die ein getreues Abbild unseres oberhessifchen Volles darstellken und mit viel Beifall ausgenommen wurden.
(Bie&ener Stadttheater.
Tanzabend Hille-Bobbe.
Gießen, 25. Iuli 1921.
Tanzen! Wenn man sich schon beim Zuschauen vorkarn wie ein Dutterkloh in der Sonne — die Künstlerin konnte einem leid tun. Sie muß schon über eine beneidenswerte Elastizität verfügen, um diese doppelte Anstrengung auszuhallen. Sie hat die Iugend dazu, wenn man auch nach dem Hille- Bobbe-Dild von Franz Hals erwarten konnte, eine alte Hexe auf der Bühne erscheinen zu sehen. Die Ramenswahl für eine junge, hübsche Künstlerin erscheint absonderlich, aber wir leben ja in einem Zeitalter, das die Kontraste liebt.
Der Abend bot mancherlei Reu es. Richt genug, daß der Tanz Hille-Bobbes die must« kalische Stimmung ausdrückte, ließ er diese Stimmung durch Rezitationen Erich R a v e n t 0 s vorbereiten. Die Wahl der Gedichte war meist sehr glücklich. Raventos brachte sie unaufdringlich zu voller Wirkung, wobei es sich an „©olgatba" und „Betrunken" erwies, daß seine Vortragsweise besonders Liliencron nahe steht. Die Tänze zeugten von guter körperlicher Disziplin und sicherem musikalischem Gefühl, ohne daß die Künstlerin sich bisher einen vollkommen persönlichen Sill her- ausgearbeitet hätte. In den Tänzen ohne Musik scheint sie ihn anzustreben. Für diese wäre bk Stimmungsvorbereitung durch Rezitation wichtiger gewesen. Die Gefahr, hierdurch in pantomimische Ausdeutung zu verfallen, wie in „Faun und Rixe", könnte vermieden werden. Tänze ohne Musik find sicher daS zu erstrebende Ziel einet selbständig gewordenen plastischen Tanzkunst. Hille- Bobbe machte den Weg dahin nur in dem durch Paukenschläge rhythmisierten ganz ausgezeichneten „Spuk" überzeugend. „Berufung" blieb ali Körperbewegungsstudie sehr interessant, aber zum Tanz mangelte die letzte innere Beschwingtheit, die tanzende Seele. Besonders bemerkenswert waren die Vorführungen alter Ballettschule. Von ihnen fühlte sich das Publikum, trotzdem schon manche moderne Tänzerin hier gasttert hat, außer dem köstlichen .Matrosentanz" am meisten begeistert Erwähnt seien noch „Geschichten auS dem Wiener Wald" und .Hochzeit auf Trv>dhaugen". Hille- Bobbe ist auf jeden Fall ein aufstrebendes Talent. das bei fester Selbstzucht die Entwicklung des modernen Kunsttanzes bereichern kann. zz.
Aus dem Amtsverkttndigungsblatt.
•’ Das Amtsverkündigungsblati Rr. 106 vom 25. Iuli enthält: Gö'.reSgesellschaft. — Reuregelung der Höchstpreise für Kohlen. — Erhebung und Auszahlung der örtlichen Kirchensteuern für das Rechnungsjahr 1920. — Feldbereinigung Steinheim. — Klauenviehmarll in Grünberg. — Ortssahung über den Bezug von Wasser aus dem Wasserwerk der Gemeinde Ron- nenroth.
Ein Klauenviehmarkt findet Mitt» woch den 27. L MtS. zu ©rünberg statt. Es darf nur Klauenvieh, das aus dem KreiS Gießen flammt oder der vorgeschriebenen Quarantäne unterlegen Hai, aufgetrieben werden. Sin Ursprungszeugnis der betreffenden Bürgermeisterei oder das Zeugnis eines beamteten Tierarztes muh beim Auftrieb vorgezeigt werden.
Vermischtes.
Paris, 25. Iuli (WB.) Drei maskierte Banditen haben in der letzten Rächt die Reifenden eines Wagens erster Klaste in dem Zuge Paris — Mars eille zwischen den Bahnhöfen Beaune und Chagny ausgeplun- d e r t. Ein Schüler des Polytechnikums wurde bei dem Versuch, sich zu verteidigen» von den Räubern getötet. Diese setzten die Dotbrems« in Bewegung, verließen den Zug und entkamen
Die Nothersteins.
Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1919 by ©reiner & Eornp., Berlin W 30.
16. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Später, als sie gemeinsam den Heimweg an- traten. und Hertha zufällig ein paar Schritte voranging, beugte er sich rasch mit einem warmen, bittenden Blick zu Do.
„Liebe, teure Komtesse," stammelte er befangen, „ich habe Ihnen noch jo viel abzubttteni ©ie sind mir damals so rasch entflohen — wie ich später erfuhr, aus einem traurigen Anlaß, der es mir bann unmöglich machte, Sie in den folgenden Tagen aufzusuchen —, aber nun, wo ein Io glücklicher Zufall mich wieder in Ihre Rähe brachte, muh ich Ihnen sagen . . .“
Sin erschreckter, angstvoller Blick aus ihren Augen, der ihn beschwor, zu schweigen, lieh ihn verstummen.
Aber sie konnte es nicht hindern, daß er rasch chre Hand an die Lippen zog und einen heißen Kuß darauf drückte.
Verwirrt hastete sie Hertha nach, hing sich an deren Arm und überließ ihr für den Rest des «Weges alle weitere •Unterhaltung.
21m Fuße des Berges angelangt, erinnerte sich Hertha an die Blumenkränze, die fie beide noch immer im Haar turnen.
»Ach, Liebste, das hätten wir bald vergessen: Schnell Do, nimm sie fort, ehe wir unter Leute kommen."
Do löste die Kranzlein schweigend von chrem Vnb Herthas Kopfe und wollte sie wegwerfen.
Aber Waldemar Ruhland nahm sie ihr aus der Hand. '
„Schenken Sie sie mir zum Abschied als Andenken an diese schöne Stunde des Wiedersehens," sagte er bedeutungsvoll.
Hertha lachte.
„Wenn Ihnen daran liegt, gern. Aber dafür müssen Sie sich nun auch von uns trennen. Ich habe keine Lust, Ihretwegen von Papa eine Rase zu bekommen, weil ich mit dem „ Feinde" konspiriere."
„Wie Sie befehlen. Komtesse. Aber — wann und wo sehen wir uns wieder?"
Ohne eS zu wissen, ruhte sein Blick dabei in selbstvergessener Zärtlichkeit auf Dos gesenktem Köpfchen.
Hertha stutzte und sah einen Augenblick ganz bestürzt drein. 3m nächsten Augenblick hatte he sich wieder gefaßt und sagte, während ein sanftes resigniertes Lächeln um ihre Lipven spielte:
„Bestimmen Sie selbst. Wir sind morgen den ganzen Tag frei."
„Dann a(fo wieder hier an der Ruine?"
„Ia. Wir werden um neun Uhr hier fein. Rachmittags könnten Do und ich vielleicht eine Spazierfahrt zu den Laslafällen machen und in der Mühle Kaffee trinken."
„Sie sind ein Engel, Komtesse!" rief Waldemar stürmisch und kühle ihre Hand
Sein Blick war so strahlend, und alles, was er dachte, stand so deullich in seinen offenen Zügen zu lesen, daß Hertha nicht mehr daran Zweifeln konnte, seinen Blick aus Do vorhin richtig gedeutet zu haben.
Hertha liebte den um zwei Iahre jüngeren Freund ihres Bruders insgeheim, jo lange
denken konnte. Aber sie war viel zu [lug, um je an dieses Gefühl Hoffnungen oder Wünsche geknüpft zu haben. Rur der Gedanke, wer die Glückliche sein würde, die er eines Tages wählen würde, machte ihr manchmal schwere Sorgen. Denn ihn vielleicht unglücklich an der Seite eines oberflächlichen Wesens zu sehen, hätte sie nicht ertragen.
Run sah fie, daß sein bisher nur der Kunst ergebenes Herz plötzlich zu sprechen begann. Diese Entdeckung entzückte sie. Wenn Do seine Frau wurde, blieb er ja auch in ihrer Rähe . .
Do wollte Einwendungen wegen morgen machen. Aber Hertha schnitt alles kurz ab.
»Es bleibt dabei," sagte sie, dem Maler die Hand schüttelnd.
»Wir kommen bestimmt! Aus Wiedersehen, lieber Freund!"
mich freuen, wenn . . . wenn gerade ihr beibc Freundschaft schließen würdet!"
Dv blickte unruhig auf bei dem ernsten ein* dringlichen Ton. Sollte sie Hertha tagen, warum ihr die Gegenwart dieses Mannes so furchtbar peinlich war? Welche Dreistigkeit er sich gegen sie erlaubt hatte?
Do fühlte instinktiv, daß Hertha diesem Manne gegenüber für alles Entschuldigung gefunden hatte.
Inzwischen hatten die beiden Komtessen Grasenegg erreicht. Dort schien alle« von einer verärgerten Stimmung beherrscht zu sein.
In der Halle stand Fräulein Miller, die Mamsell, und richtete Fruchtaufsätze zurecht, denn die Gräfin und Anneliese erwarteten für den Rachmittag einige Rachbarn zu Besuch.
„Warum willst du mich zwingen, mitzugehen, wo ich doch nicht mag?“ sagte Do, nachdem sie eine Weile schweigend gegangen waren, plötzlich heftig.
Hertha blieb ganz gelassen
.Weil ich sah, daß es Waldemar Ruhland Freude machte. Du haft ihm sehr gefallen, ich merkte es. und er ist sonst keiner, der sich rasch begeistert."
„Hnb wenn? Mir ist das sehr gleichgülttg. — Was geht mich denn Waldemar Ruhland an?“
»Ist er dir unsympathisch?"
„Darüber habe ich noch nicht nachgedachtl Ich kenne ihn ja nicht!"
„Dann lerne ihn kennen, Dvi Tu es mir zuliebe! Er ist der beste, warmherzigste 'Mensch, den es ßibtl Dabei ganz ohne Zalsch. Ich mürbe,
Auf dem hageren Gesicht der Mamsell "brannten zwei rote Flecken, und während sie die Früchte auf den Aufsätzen verteilte, machte sie dem nebenstehenden Hausmädchen gegenüber ihrem Berger laut Luft.
»Ratürlich — alles soll im Handumdrehen gemacht fein! Die Komtesse muß justament das blaue Kleid heute anziehen, an dem noch so vier zu ändern ist, und Se Durchlaucht muß dazu noch ausgerechnet heute wieder einen Gichtanfall 'bekommen, wo er dann nie weiß, was alles er verlangen soll . . .“
Sie verstummt eerschrocken, denn Hertha und Do kreuzten eben die Halle, und erstere warf ihr einen scharfen Blick zu.
(Forffehung folgte


