llr. 277 Zweites Llatl Siehener Anzeiger (Sencral-Anzeiger für Gderheffen)Freitag, 25. November 1921
Aus den Steuerausschüssen.
"Berlin. 23 HtDember.
3m Reichstagsausschah f ü r 6 t c erfragen tyirf fcv.iv 4>t OtaaUfefvctär Zapf ba- bin bah bie Umfaijfieuer in Höbe von 24 ? Uinrben auAbrüitii) als Derbrauchssteuer m der Utberft* ange'ührt fei
3bg Dr Bernstein So;.) begründete eingehend bie Sorbetung nach iSrfaffung btr 6ad)tnerte. Die Ersaffung könnte qefch hei du'ch Beteiligung be# Reiches an den Sinnabmcn d tnbuiiriellcn Untemcbmunge ' bie in Antellfch«'. nen 11 hergestellt toerben mühten
Abg Dauch lD. Bp.> kritisierte bie ©teuer* oorfagen die einer ÄxmfiStil ton gieiiilämen u?b das Ausland abkhrcdien Aapi'.al in* 2inb zu bringen und der P ivaltolrfschast Kredite zu gewahren
Tbg. Dr Helfferich «D B.i warnte i>oc dem Eingriff in da-* Prlvai iqrntum. er wü^f^-e und er hoffe auf eine allmähliche Sanierung der inneren Finanzen Unfern Einkommensteuer tei bei valutarischer Parität bedeutend höher als in England. Amerika und FrankrZch <3inc An- paffuna der Besteuerung an bie jeweiige, Ber- möaenswerte sei zu forbem Die örfaHung ber Äachwene wo sie am leichtesten mönltl) sei. nämlich bei industriellen Aktiengefellschaf ten. könne uni ber Entente gegen übe nur eine Atempause do* etwa einem halber nern. Paqevien
fei man mit einer Besteuerung in erträglichem Bkaste einverstanden Leide: hab. man gar keine Ueberficht. wie hoch bereits durch Länder und Gemeinden, Grund und Boden Gewerbe. Handel und 3ubuftrie vorausbelastet leien Es fei burch- aus unzulässig, nunmebr eine völlige Verwirrung in bie althergebrachten Steuer begriffe zu bringen Der landwirtschaftliche und städtische Gruibdefitz sei und bleibe Grundvermögen Sine Besteuerung «ruf Betriebsvermögen ft werden, ba sonst bie Grundlagen des Einkommen- sienergeseyes und die ganze Arbeit der Steuer- bebbroen ins Schwanken geraten mühten. Die Pavagraphen 7 und 8 des Dermögenssteuergeseh- entwurs» mühten deshalb völlig beseitigt werben. Auch der andere Regierung-Vorschlag. da» landwirtschaftliche Vermögen künftig nach dem sogenannten gemeinen l$>ert zu besteuern, sei undurchführbar, denn bei den heutigen verworre- nen Verhältnissen lasse sich überhaupt keine einwandfreie Feststellung dessen machen. waS man als gemeinen TBert ansprechen kann. Für die Landwirtschaft sei nur der Ertrag-wert geredet- fertigt.
Abg Dr Hertz fit) hielt es nicht für zutreffend, bafj die Desihsteuern aufs äusterste an- aespannt feien. Vlan muffe unterscheiden zwischen ©teucrmarl und Veranlagnngsmark Die Steuer- mark sei wegen der mangelhaften und rückständigen Erhebung der Steuern geringer als die Veranlagungsmark Diese Vergünstigung treffe aber nicht mi für bie Lohn- und Del-altsempfänger. bet denen ber Steuerabzug sofort eintrete
Abg Scholz (D Dp s führte aus, bah Mast- nahmen, wie fie in ber Erfassung ber Sachwerte vorgesehen seien, nicht als Steuern gelten könnten, sondern eigentlich Konfiskationen seien. Zu ber Erfassung ber Sachwerte kann erst beim Vorliegen genauerer Unterlagen Stellung genommen werden, aber sicherlich wirb die Hossnung ber Anhänger ber Erfassung ber Sachwerte auf eine Stabilisierung ber Mark Infolge ber Erfassung nicht in Erfüllung geben. Die Sachwerte find zunächst auch 3nlanbswerte, die nicht ohne weiteres aus da- Ausland übertragen werben können. Vimmt man aber biete Sachwerte heraus, ohne dadurch eine Abbürbung ber Schulden zu erzielen, etwa lediglich um einzelne Raten ober Zinsen der Auslandsschuld zu tilgen, so muh ba« Vertrauen des Auslandes zu dem Inneren Wert ber deutschen Wirtschaft abnehmen und in diesem Rückgang bes Vertrauens liegt ein Druck auf den Kurs der Mark. 3n den Steuergesetzen, sowohl den Vermögens- unb Einkommensteuergesetzen, wie den Sibfchaftsfteuergesetzen muh man grundsätzlich von der Xariflerung nach Papiermark abfehen and so zu einem auf Goldmark auf gebauten Tarif schema übergehen Rur so kann man bie ständige Abänderung dieser Gesetze durch Rovellen verhindern. Dem Gedanken ber Vermögenssteuer als solcher steht meine Fraktion nicht ungünstig gegenüber. doch sind viele Schwierigkeiten zu überwinden. insbesondere in der Frage des gemeinen Wertes. Es muh ein objektiver Ertragswert gefunden werben, ber mit bem richtig verstandenen g an einen Wen gleichbedeutend ist
Weiterberatung morgen.
3m Rcichstagsausschuh für Verbrauchssteuern, Zölle ufw wurde heule zunächst der Gesetzentwurf über Erhöhung von Zöllen behandelt
Die sozialdemokratischen Mitg . ie- • er gebe : -ber ihre Mitarbeit i< der ber Verbrauchssteuern fo.gcnbe Erklärung a. . An den vor regenden Steuer- und Zo.lvvrlaget werben wir sachlich Mitarbeiten oh 'c uns jebcch durch unsere 2ü>’.lnvnunafür geaunben au bal*e l Die Haltung unserer Aus ch lstmitglieber wird davon ab hänget*. ob bie Besitzbesteuerung in so ausreichendem Maste erfolgt, bah eine spätere Heranziehung de» Verbrauches sich rechtfertigen lästt, und ferner ob die 3nbu(lrtc sich zu annehmbaren vorübergehend« > Cet'tungen für ba« Reich bereit erllärt. ohne an bide Hrlfe unannebmba.e Bedingungen zu knüpseir Solange über bide entscheidenden Punk e kerne Klarheit herrscht, müllen such die sozraldemokratilchen Ausfchustm t- gliet-er ihre endgültige Stellungnahme Vorbehalten"
Sie Abstimmung über bie Zollsätze für Kaffee, ÄafciD. Tee ufw wurde zunächst ausgefetzt. Dagegen würben bie nachstehenden Hummern des Zollatnss angenommen, wobei bie Zahlen ben Zollsatz ir Rlark für einen Doppelzentner bc tragen Bananen, frisch, getrocknet ober einfach Aübereilet 10 Mark Datteln getrocknet: Trauben- rofinen 60 Rlark. Paprika «panischer Pfeffer) sitsch (grün) 10 TRarf getroAiel ober in Salz- toaf’er eingelegt 50 Mark. Gewürze. Karbamome, Sternanis. Vanille ISO Mark anbere. z. V Gc- tpürznelle-'. Zngwer Muskatblüten. ReUenrinbe. Pfeffer. Zimt ufw. 50 Mark. Für Gewürze in gemahlenem oder gepulvertem Zustande erhöht «ich der Zoll um 50 Prozent. Gewürzezur Gewinnung fluffiger «ätherischer, Oele sowie Muskatnüsse und deren Samenmäntel zur Gewinnung von Muskatbutter unter Zollsicherung frei
Deiterberatung morgen
Berlin. 24 .'lov < DB.) Der Reichs - tagsauStchust sür Verbrauchssteuern lefmte bie Zollsätze des Regierungsentwurfes für Kaff«. .Kakaobohnen. Kakaomaste. Kakavpulver and T« ab Für diele Artikel bleibt es bei den alten niedrigen Zollsätzen. Dagegen wurde der neue erhöhte Zollsatz für Schokolade, ochvkolade- ersatzmittel sowie Waren daraus, vom Ausschust bewilligt Für Schokolade soll demnach für den Doppelzentner ein Zollstttz von 200 Mark wirksam werden Auch bie Erhöhung ber Zündwaren - steuer wurde vvm Ausschust angenommen.
Die Wahlbeweguny.
Giesten, den 25. Vov 1921
• Für die Deulfche Volkspartei sprach gcflern abend in einer Versammlung, die von Professor D r g e n e r mit einigen Worten der Begrüssung. die den Erschienenen wie dem Referenten galten, eröffnet wurde, der 'Parteiführer Dr. ©trelcmann über die politische Lage Deutschlands in der Gegenwart. Eingangs Ieiner Ausführungen bezeichnete es der Redner al« grundfalsch, noch immer fruchtlose Erör- lenmgen über bie Schuld an unterem Zusammenbruch anzustellen Wir waren zermürbt und gingen letzten Endes daran zugrunde, das) weite Kreise unseres Volks den lügnerischen Deo- «pi-eHungen ber Feinde und namentlich deS Prä- sidenten WMvn Glauben schenkten Von allsten her würbe ber Zwiespalt in unser Voll, bas im August 1914 durchaus einig da stand. b( nein- getragen, bis unter Widerstand erlahmte. Vichts bat sich von den Hoffnungen, die Sozialisten, Demokraten und Pazifisten auf die angebilche Milbe unb ben an gekündigten Verstäubt gungs- toiUen ber Entente setzten, verwirklicht. 3hre Antwort war Versailles war Spaa unb ba« illtte matum Vichts hat fo kläglichen Schiffbruch gelitten wie die 3llusivnspvlitik der Rovember» leute. Für die Feinde gilt auch heute noch aus- schiiestllch der feste Wille. Deutschland jede Möglichkeit zu nehmen, wieder in die Höhe zu kommen. Aus diesem Gesichtswinkel heraus must man auch die gegenwärtigen Verhandlungen in Washington bewachten 5Xe Abrüstung, über bie dort angeblich beraten wirb, ist bloste Heu- chelei unb Blendwerk. 3n Wahrheit geht cS auf ber Konferenz um neue Bünbnisse: neue Mach tegruppierungen künden sich an. Für uns ist wichtig, dast man sich sicher in Washington auch über die Lage Deutschlands unterhalten wird Mm selbst unser Schicksal noch mit zu bestimmen, ist uns als einzige Machtquelle nach der >Zer- trümmerung unseres Heeres, nach bem sich mancher letzt zurücNehnt, ber früher gegen den Militarismus wetterte, untere Wirtschaft geblieben. Wir sind noch immer ein Volk von SO Millionen Erzeugern unb Verbrauchern. 5km Rückgang unterer Kaufkraft merkt man besonders in Amerika recht stark, wo es jetzt 6 bis 7 Millionen Arbeitslose gibt. Da« eigenste 3ntereffe wird Amerikaner wie «Engländer zu der Mcberlcgung zwingen. ob sich der Friedensvertrag und seine Rach- wirkungen aufrechrerhalten lallen. Es fragt fich
nur. ob es den angelsächsischen Staaten gelingen wird. Frankre. L auch auf diesen ttand- punkt zu t ringen; bas Ist bie Zu tuns:ss rage ber
.tt.l Bctl asig nZrd 6 c Iw'. •' Staalslettung r.o^, gauz bestimmt vor. Item <>i i gegen Deut« 4anb und namentlich gegen P ca’ c Daher die französische llntedlützu ng m.narch.sti- 'ch--r Krecke im C-^en unb kommunistischer ,m Rorben .3 chhln Monarchist und bleibe e s." erklärte Dr Stresemann. .aber we» icrt im Laben invnarchi'ltsche Zonderztele betreib:. beforgt Fcanlreich^ GdchäfteF De lente Giund für Frankreichs Politik »st die Furcht, die es noch vrr dem wehrlo cn. entwaffneten Dcut«ch- !<mb bat 5ki» ist ein mittelbarer Beweis l-r die GroNe unterer Kriegsieistung unb zugleich einer für bi* schwer^ Schu'd. bie jene Leute unter uns auf sich geladen haben, bie bem deutschen Volle rieten, die ballen aui der Hand zu legen, um Frieden, Freiheit and Brot ui bekommen Au, bie Dauer wird sich z cd och auch Frankreich räch! den weltwirtschaftlichen Forderungen. octfäHtehcn können Mnsere gan;e Hoffnung lieh! alfo auf der schmalen Bali» n'crcr Wirtschaft Wenn S11nneS jent in London ist und von Lloyd tfeorgr empfangen worden ist, fv beweist dar-, la' man im Au.-lande und namentlich in England nicht d-.e Pazifistifchen Deich- linge. sondern die Märner der Tat schützt und für oerbanNd;iq«»abig hält Mit Stinnes hat aber aut vor kurzer Zeit Herr StrafUn, de. Beauftragte Lenins, verhandelt Also der britische Staatsmann und der Vertreter der Sowiets erhandelten mit dem '71 lärme, der seine 5Vnnpfer unter den Ramen .Hindenburg" «mb .Tirpitz' fahren lästt. Hier zeigt sich, wie wir uns m unterer Aussenpolitik einstellen müssen, imb wie wie untere letzte Kraftquelle, bie Winschaft, ais- miyen rönnen Au« dem Elend fühlt ins nur ein Weg betau«, wenn sich nämlich die beiden Träger untere» Win schuf:«leben«, die Arbeitgeber und bie Arbeitnehmer, die Hand reichen. So nur wird sich auch bas 5>efizit im deutscheii 3er- lehrswelen beseitigen lassen, das behoben werden muh. weil wir mir fo eine Herabminderung unserer x*)tib:unflen von ber Entente erreichen können. Mnmögllch ist. die Schlbeträge in unserm Finanzweten in der Gegenwart durch die 'Besteuerung ber Sachwerte au-gleichen zu wollen, da hiermit das Letzte, was uns Mied, untere deutsche Wirtschaft, dem Feinde ausgellesert wird. Die (Bctundang Deutschlands kann nicht das Werk einer Partei sein, sondern nur eine- Zusammenwirkens möglichst umfaffenber Voskskreise Ein grober Block aller derer, bie zur Erreichung dieses Zieles Mitwirken wollen, muh angestrebt werden, eine grobe Koalition. Richt bars Rechts- f^od gegen Linksblock flehen, sondern eine starke nationale Vvlksgemeinschasl must unS einen. Alle Kräfte muffen eingesetzt werben, um das Reich zu retten Mit einem festen Vetzennlnis des Glaubens an eine deutsche Zukunft, endete Dr Stresemann seine Darlegungen, für die ihm die Zuhörer, die den Saal bis aus den letzten Platz füllten, mit anhaltendem Verfall dankten Die Versammlung schlob mit dem Gesänge des .Deutschland -Liebes
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♦ Dersamm lungen bet D« v ts ch - nationalen *3 oltspartet fanden in der letzten Woche bl« auf den heutigen Tag fit ganz Oberhessen unter erfreulicher Teilnahme aller DevdlkerunaSfchtchten in Stadt und Land statt. 3a Schotten, Gedern, Lauterbach, Sschenrvd, Grün lugen, Stangenrod, Großen- Buseck, Äirtorf Freienfeen, Bvbenhausen, Rudingshain, Burkhards, Romrod, Saasen, Swckheim, Drvh-Felda, Dauerrrheim, Atzenhain , Allendorf, Mufchenhefm, Ranstadt, Merlau, Treis a. d. Lda.. Berstadt, Grünberg, Friedberg und anderen Orten fanden sehr gut besuchte und erfolgreiche Versammlungen statt. GS sprachen Professor Werner, AmtSgerichtSdirekwr Sch mahl, LandwiN G i s e r, ReichStaqSabgeordneter B u d j u h n n, Abg. Pastor D o h, Schä- fer, Haseloff, Rüffer.Dr. Lenz, Generalsekretär Klett, die Geschäftsführer Baller, Riedel. Hesse, Dr. Steinbruch, Lehrer Kling, Studienrat Kauer, von Schor lernet, Arbeitersekretär Kube und Lindner.
• 3n her sozialdemokratischen Wahlversammlung im Cate Leib sprach gestern abend Oberbürgermeister Scheidemann vor einer groben Zuhörermenge 3m ersten Teil seiner Ausführungen beantwortete er bie Frage: .Wie kam Deutschlanb zu seinem jetzigen Zustanb bes Glends?" und kam dabei zu den nicht ganz neuen Behauptungen von den deutschen Kriegshetzern. die da» deutsche Voll in den Krieg hin ein- geflohen unb bann noch 1917 eine, tote er sicher
behaupte i tön ne. wirklich lesteh<nbe Friedensmöglichteil laboutrt ballen Zw ir lrüaen bie gleichen Kreise in allen Länder: S b l> m San W itkriege, n'.<r den Reg erunc« , der Riitrel aächlc falle doch die g.obere zu — 3m zweiten Teil seiner Xe de Wege die aus dem Zusammenbruch berdnöfütren Iönn:en Rachktem einzige Möglichkeit »um Ad- lehren iin Hunl 1919 i'c.fäumi worien fei. bleibe nun nichts anbere» mehr übrig, al» in der «lr- füllung bis zu ber Grenze der Leistungssahigke-« die allerdings von der Entente viel zu hoch gc- ft cd i werde, zu gehen Rian mülle daraus Holle last die au nehme nie A be.tslosigkett In bei andc .en Ländern dort allmählich die Einsicht für dr Mrdur<tf;:hrbür*r.i des Verte'.Ncr Fr.edensve - träges bringe.' werd. D-.e Meuerert schlotz ferne ÄusfüHrungcn mit der Forderung, da«» im 3nncrn die Einigkeit des gc'amien Prole:a-.iats zu erst«
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von freiem propigiei ten 3Mxil entfernt sind zeigte bie sich an Scheidemanns Bvikrog anlchllebende Aussprriche. in der ein Terlveicr der .Kommunisten H.,.n Lcheidemann in verschiede..en Punkten er- qt?' tvoqrgen sich der Hauptrcdn«-r in selncir Schluf'wviir roanbte Die mannigs iltigen, u»enrj Ichmeicheüxrsten Behauptungen, die sich bleibet die beiden Redner vvrwarsen. konnten kaum ote Shmplom der beginnenden Einigkeit bes Prvle larials aufgefaht werden
• Grohen-Vukeck, 24. Rov Gestein abend spiach Rektor F i s ch e r - GicHen in einci gut besuchten Versammlung für die Deutsche Demokratische Partei. Klar und loh- kungevo'.l unterrlchleie er die Anwesenben über du gegenwärliae politische Lage unb über bie Mitarbeit der Demokratischen Partei bei der Führung ber Regicrunqsgeschäfte Es schlost «ich eine rege Aussprache an
tng. Gedern. 23. Rov. Die von her Hiessen Ortsgruppe der Dc u t f d) n a 11 o n a- (en DolkSpar tei veranskaliete Wahlversammlung war stark besucht. Pastor V o st auS Hannover. Mitglied des Preustischen Landtags. sprach In fesselnder Welse über die austen- und tnnenpvlitifctze Lage und entwickelte dann das Programm der Deutsch- nationalen Volksparett. Die unsachlichen Zwischenrufe eines kommunistischen Wiesbadener Oberlehrers wurden von dem Vorkragenden in geschickter z.T. humorvoller Weise pariert. 3n der Diskussion ergriff nun der kommunistische Gegenredner das Work, ohne jedoch viel Gegenliebe zu finden. Unter dem Beifall de« weitaus qröfvcn Teils der Versammlung rechnete Abg. V v st in schlagender Weife mit seinem Gegner ad. Die Versammlung wurde um ' :2 Uhr von Bauingenieur Zecke! geschlossen.
Amerikanisches Durchschnittseinkommen und der Rückgang der Kaufkraft des Dollars.
Sine interessante Untersuchung über den amerikanischen Dollar, feine Kaufkraft und seine Beziehung zur Produktion und zu den Steuern liefert ein soeben vom national Bureau of Gconomic Research herausgegebener Bericht. Darnach belief sich im Zähre 1918 da« gesamte Ginkommen von Angehörigen der Vereinigten Staaten auf 61 000 000 000 Doll, gegen 34 400 000 000 Doll, im Zahre 1913, eine Erhöhung, die in der Hauptsache nominell ist und vielmehr auf eine Steigerung der Preise zutückzuführen Ist al« auf eine Steigerung der Produktion, denn der Dollar befatz 1918 und 1919 weit weniger Kaufkraft al« 1913. Die tatsächliche Warenerzeugung steigerte sich, wenn überhaupt, nur wenig, und diese Steigerung bezieht sich zum gröstten Teile auf Kriegsbedarf.
Da« Durchschnittseinkommen stieg von 340 Doll, im Zahre 1910 auf 354 im Zahre 1913 und auf 586 Doll, im Zahre 1918, aber der Bericht stellt fest, daß 586 Doll, ihrer Kaufkraft nach nur der Kaufkraft von 372 Doll, im Zahre 1913 entsprachen.
1 Proz. aller Einkommensteuerpflichttgen in den Vereinigten Staaten erhielten 1918 14 Prozent des Nationaleinkommen« oder 8 540 000000 Doll., d. h dast unter 100 je einer über ein ZahreSeinkommen von 8000 Doll, und darüber verfügte. Auf 5 Prozent, die über Einkommen von mehr als 3200 DoIL verfügen, entfallen 26 Proz. de« Rational«
Der Schuh im Blut.
Roman von Horst Dodemer.
47. Fortsetzung (Rachbruck verboten.)
,WaS hast bu mir gesagt, ©rohbatcr? Innere Würde verlangt «US Räbrdoden pflichttrcue Arbeit! 3ch hab daS ein vitzchen Ipal verstanden, aber wohl nicht zu spät!"
Der Alte sagte nichts, er schmunzelte nar. Unb fanb, bah «eine Enkelin in ber groben weilten Kleiderschürze trotz der eingedrückten Rase and der breiten brandroten Jlarbe schöiter aus- fad. denn je. Run kam's daraus an. ob sie durch- hielt. Aller Anfang Ist sHwec. Hänschen schien ja auf den rechten Weg gekommen zu «ein. Bon Sonnabend bis Sonntag abend kam er beim, und der Direktor der 'Brrbcreltungeanflalt hatte neulich auf eine Anfrage geschrieben, bah der Zunge zweifellos bei feiner guten Begabung in ablebbarer Zeit bie Einjährigenprüfung bestehen tperbc. wenn er auch weiterhin sich so grohe Mühe gäbe, wie bisher. Unb doch etwas war ihm an Hänschen ausgefallen, bah er sehr au»- v.crham gegen feine Mutter war. 3hm schien es überhaupt, alS käme alles im Haute jetzt in em viel helleres Geleile. de; Henner war mehr auf dem Posten. Warrn 'Pleite häufiger auf dem Flügel, und Streit zwischen den Eheleuten sch en nicht mehr aus der Tagesordnung zu stehen. Diese Verabschiedung übler Angewohnheiten war fo augenfällig, bah der Cclonomierat, der ge- kvohnt war. den Dingen auf den Grund zu gehen, an einem schönen FrühNngsadend. die groben Gärten -standen in voller Blütenpracht, seine
Schritte in ben Hainbuchengang lenkte, um sich ein riare« Bild über die erfreulichen Tatsachen zu machen. Und dort kam er zu der Ueber- zeugung .Der Schutz tm Blute" machte stch nun geltend. Sm bihd)cn spät freilich, aber bas lag daran, bah Mana, an der wvdl nicht allzuviel mehr zu ändern war, den Schutz leichten Blute« recht reichlich in den Abern hatte. Da war es Ihr nicht schwer gefallen, ben Henner bei seinen wenig beweglichen DeisteSgaben unterzubuttern. Ader nun schien ber sich wieder auf sich selbst zu besinnen. Bei Grete unb Hans lagen bi« Dinge wesentlich anbei«, ba hatte bas leichte Blut ber Mutier mit bem schweren ber Wä. Hahns sich erst gründlich au sei na nbe rtetzen ttüften. Run war bas geschehen, lieber ben Bep schienen seine Enkelkinder zu fein, vielteicht fcm noch einmal ein letzter Rückfall — aber ba würbe sich das Wärhahnsche. da« zähe, bellllche Bauern blut sehr schnell melden «mb dafür soryen, batz »Disziplin im Leibe" gehalten wurde
Rachdem er das fest gestellt, kehrte er befriedigt ins Haus zurück und sagte zu Maria:
.Wie wär » denn, Schwiegertochter, du spieltest abends rocht oft wieder und ich dürfte mich dazu still in meine Dcke setzen«'
»Wenn bu es wünschest, werbe ich es immer gern tun. Drotzvater l"
Marias Augen glänzten teucht. Lhristoph Wärhahn schlug fie leicht auf bie Schulter, nickte ihr freundlich zu. Rur nicht neben jetzt! Und waS konnte ber Mensch dafür, wenn bei ihm der .Schutz im Blute" recht reichlich ausgefallen war? Alter dämpfte den schlietzlich! Itnd wenn dann ein beweglicher Geist übrig blieb, wurde ein sol
cher Mensch nach allerlei 3rrungen unb Wirrungen doch noch zum Segen!
Hcins bestand bie Prüfung, würbe aber, feines Beines wegen, nicht eingestellt. Sr sagte zu Drotzvater nach ber ärztlichen älntersuchung:
»Leiber wutzte ich das! Run kann ich wohl gleich nach Halle aus bie Landwirtschaftliche Hochschule gehen!"
»Rcttürlich. Hänschen! Und einen anständigen Mvnatswechtel wirst bu nun wohl auch vertragen ?" \
Da lachte er Grotzvater mit Nantm Augen an
Grete hatte nach und nach ber Mamsell bie Aufsicht über ben Ho» unb die Gärten abgenommen Die seufzte zwar, »txnl sie setzt gar nih's mehr zu lagen batte", lieb es sich aber doch gern gefallen Die alten Knochen waren mürbe geworden. in ber Küche würbe sie sich aber nie bas Regiment nehmen lassen.
Gro'-vater mutzte sich immer schwerer auf »einen Stock stützen, ber Rheumatismus machte ihm zeitwerlig auch viel zu fchassen. ba ergab es sich von allein, batz auch sür den Henner du Arbeit — unb bie Verantwortung wuchs Die holte ihn nach unb nach von ber Rheinwetn- flasche weg. nnb wenn er abends seinem Baler Über das Tagewerk Bericht etftattet halte, bi« beiden besprochen hatten, rrad am nächten Tage zu tun sei. bann stchug ber Oetonomierat seinem Sohn nach alter Gewohnheit auf bie Schulter unb tagte
»Gehen wir rüder zu Maria unb Grete. Für meinen Hau-fr-bar» haben fie sich ausgezeichnet WTyändig emgeiptelt. 2bif bie Abende treue
ich mich setzt Immer unbändig, vielleicht weil Ich fühle, dah ich kurz vor ber letzten Rächt stehef Unb als leb» Sohn Ihm ben Debanlen auSrebea wollte, fchütkelte er ernst den Kops: .3ch habe doch keine Furcht vor ber Rächt Seh ich doch, batz c« euch gut geht! Und bah mein Werk bestehen wirb. Ratürlich hab ich meine Fehler, unb ich bin vielleicht als echter Bauer, was anderes hab Ich nie fein wollen, zu streng gewesen! Aber ner Beste« hab ich immer gewollt — und wie ich sicher glaube, auch erreicht! Auf das Ziel kam m i r ' s a nF
Der Zufall hatte vor Zsahren einen tüchtigen Äu-ftmaler .nach Fritzlar geführt Die alte Äai ter habt mit ben stillen Ecken, dcn fhönen Giebeln, ben engen St ratzen, ber hohen Stadtmauer. den trotzigen Türmen, dem herrlichen Dom, hatten es ihm angetan Und herzlich willkommen war er von der Bevölkerung a ich gedeihen werden. 3m Glaspalast in München unb bei Schulte in Bersin hatte er eine ganze Sammlung ausgefiell: — unb gute Geschäfte gemacht 3r ?Hale’1reik.i war man aufmerksam geworfre» auf bie Lä-önheiten Fritzlars 3m nächsten Zahre waren im «Sommer fchon drei Landschaftsmaler ttagcr^efen, hatten ihren Beruf «gen ofen bei ihrer Rücklehi die Fruchte ihres S:mm^ rauf enthalte« geze'g' unb erzählt bah auch für bie Btlfrnf«- mclcr bie Frihsarer Ggmd eine reich« Fundgrube wäre Zum Beispiel das Schwalmtal mü le-nen allen Trachten. — vor allem an Eharaarr- »öp-en tei ba lern Mangel - unb billig Lehea könne man ba auch unb gut!
s Fortsetzung folgt)


