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Nr. <98

Der Siehener Auzeiger mH der Dienstoysbeilage ^Sport-Umschau' er. fchrmt täglich, außer Sann- und feiertags. Monatliche Vezuqrvreife: HJlarii 5. - einschließlich Trägerlohn, durch die Polt bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Hernsprech -Anschlüsse: fürdieSchriftleitunq 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Linelaer Sießen.

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UL Jahrgang

Donnerstag, 25. August 1921

SietzenerAMiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dnirf rmö Verlag: vrühl'sche Umv.-Vuch- und Zteinöruckerei R. Lange. Schriftleitnng, SeschästrfteLe und Druckerei: Schulstraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer di» zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Dreis für 1 mm Höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 40 Pf, auswärts 50 Pf.; für Reklame« Anzeigen von 70 mm Breite 180Pf Dei Platz- Vorschrift 20* Aufschlag. Houptfchristleirer: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Gießen

Neues von Kurt Eisners Minifterpräfidentschast.

In den .Münch. Reuest Rachr." veröffent- Iichi auf die falschen Ausstreuungen eines un­abhängigen Blattes, die deutsche Diplomatie habt nor dem Kriege mit doppeltem Schriftverkehr, nämlich einem privaten und geheimen, sowie einem offiziellen und für die Oeffentlichkeit be­stimmten. gearbeitet, der Vorsitzende der baye­rischen demokratischen Landtagsfraktion. Abg. Dr Dir r, interessante Tatsachen und bisher unbekannte amtliche Aktenstücke. Dr. Dirr war alS Vorsitzender und Berichterstatter des vom Bayerischen Landtag eingesetztenAusschus­ses für d i e Prüfung bayerischer Do­kumente über den Weltkrieg und die deutsche Autzenpolitik" in der Lage, die in Betracht kom­menden amtlichen Akten genau kennen zu lernen. Gr schreibt u. a.:

Dewitz haben auch unsere bayerischen Ge­sandten neben ihren gewöhnlichen amtlichen Be­richten zuweilen in besonderen Briefen oder Be­richten an den Ministerpräsidenten oder an son­stige politische Persönlichkeiten von Rang In­formationen übermittelt. Das ist aber ein Brauch, der sich bei den Gesandtschaften allerStaaten findet. Gs heitzt diesen Brauch willkürlich mihdeuten, wenn man die Dinge so hinstellt, als ob bei unS nur diese .private Be­richterstattung" allein dazu bestimmt gewesen sei, die Wahrheit zu sagen während die gewöhnlichen Gesandtenberichte ausdrücklich dafür eingerichtet gewesen seien, gegebenenfalls die Oeffentlichkeit mit Cügen zu täuschen. In den Akten des baye­rischen Ministeriums des Aeutzern und der baye­rischen Gesandtschaft in Berlin finden sich keine Anhaltspunkte, die eine solche Beschuldigung recht­fertigen könnten. AlS Berichterstatter des Land- tagsauSschusseS konnte ich dieprivaten" Berichte einsehen. Ich kann mit gutem Gewissen sagen: Ihr Inhalt vermag an dem Gesamtbilde, daS durch die amtliche deutsche Aktenpublikation und durch die seitdem zahlreich bekannt gewordenen ausländischen Dokumente entstanden ist, nichts Wesentliches oder Entscheidendes zu ändern.

Dr. Dirr bespricht dann die bekannten E i s - nerschen Veröffentlichungen, in denen der bayerische Gesandtschastsbericht vom 18. Juli 1914 tendenziös zusammengestrichen worden sei. CiSner glaubte damals, durch ein deutsches Schuldbekenntnis eine versöhnliche Stim­mung bei der Entente schaffen, einen günstigeren Frieden erzielen und daS neue revolutionäre Re­giment in Deutschland, vor allem das in Mün­chen. empfehlen und festigen zu können. Zugleich ahc sollte den aus dem alten Regime übrig gebliebenen politischen Kräften, die nach der Mün­chener Anschauung noch völlig in veralteten und verderblichen Auffassungen und Praktiken befan­gen waren, der Garaus gemacht werden. Dieser doppelte Zweck deS Eisncrschen Vorgehens erhellt, so schreibt Dr. Dirr. besonders deutlich aus einem Bericht, welchen der von der Münchener revo­lutionären Regierung bestellte Berliner Gesandte Dr. M u ck l c unterm 19. Rovember 1918 per­sönlich an Eisner richtete. Also auch in der Formprivater Berichterstattung"-

Danach hatte Mückle am 18 Rovember abends eine lange Unterredung mit Maximilian Harden. Der befand sichin einer verzweifel­ten Stimmung" und gewann erft durch Mückle wieder einenLichtblick'. Beide stimmten darin überein, datz die herrschenden Berliner Regie­rungsmänner .unfähig seien, die grohen Auf­gaben zu lösen, die in diesem Augenblick das nie- dergeworefnc.. von Kräften des Aufruhrs durch­zucke Deutschland beb rängen.

- Harden bekräftigt", so schreibt Mückle,mein Urteil: es handelt sich um Klein- und Spieß­bürger, oder doch um Menschen ohne Leidenschaft und Schwung, denen die Revolution kein heiliges Erbe ist. das eS zu mehren gilt, sondern irgend ein politischer Vorgang, den man hinnimmt wie einen Punkt in der Tagesordnung einer Parla- mentssihung. Während in Bayern förmlich lebensdurstige Kräfte aufguellen. ein Drang zur Höhe die Massen belebt und ein feierlicher Emst das gewaltige Ereignis weiht herrscht in Berlin Verdrossenheit, eine bange Schwüle. Man hat den Eindruck, als ob das Ideal des Sozialismus die Regierungsmänner falt lietze. das Wort So­zialismus, artig es auch in die ferne Zukunst todfen, verpönt wäre. . . Ebert mag ein auf- nötiger, pflichteifriger Mensch sein. Zeder weite Blick, jebc Selbständigkeit in der Beurteilung der Lage, der politische Instinkt, der das erst Wer- dende wittert, geht ihm ab. E r z b e r g e r, den ich geltem sprach, hat man richtig als den süd­deutschen Scheidemann bezeichnet Auch ich habe den Emdmck bekommen, datz er bei allem Fleitze ferner Aufgabe nicht von ferne gewachsen ist Er ist ein Kleinbürger ohne tiefere Bildung, ein Emporkömmling, dessen wichtigste Sorge war zu fragen, ob ich mich mit Exzellenz ai.reden lasse."

Dabei war nach der Meinung Hardens und Mückles ..die Reaktion im Anzuge" und auf der anderen Seitedie Gefährdung durch Liebknecht arvh". Beide gaben Liebknecht recht, wenn er die Revolutioneine Halbheit" nannte. Allein

Wenn Liebknecht die Diktatur des Proleta­riats preist uiid den Terror heilig spricht, so birgt eine solche Agitation ungeheure Gefahren. Sollte es Liebknecht gelingen, mit feinem, Geiste gröbere Arbeitsmassen zu entflammen, und mit dieser Möglichkeit muh gerechnet werden, so ist nicht nur nicht an einen Friedensschlutz zu den- ken. sondern es muh selbst damit gerechnet wer­den, datz die Entente mit eherner Hand Ordnuna schafft." |

In dieser überaus mihlichen Lage konnte nach Anschauung der beiden Herren das Heil nur

noch auS dem Süden Deutschlands kommen. Die Süddeutschenbilden einen festen Mittelpunkt in dem Wirbel, der uns hier uinbrandet" Und sie verfügen über Machtmittel, die Klärung und Festigung herbeiführen können. Eie müssen also zur Tat schreiten. Es heitzt in Mückles Schrei­ben weiter

.. Um die sinkende Flamme des revolutionären Geistes zu beleben müssen wir verlangen ldaS ist auch Hardens Meinung):

a) sofortige Veröffentlichung der Geheim­akten. Verhaftung der Schuldigen, Einführung eines Staatsgerichtshofes. Damit würde man Liebknecht zu einem guten Teil das Wasser ab­graben ;

b) es soll versucht werden, die Regierung so­fort von den unfähigen Elementen zu säubern. Eine Regierung (des Reiches) mutz gebildet wer­den, die aus überzeugten starken, hochgebildeten Männern sich zusammenseht die auch vor den Augen der Feinde bestehen können, und es ist sehr zu erwägen, ob nicht Liebknecht aufzunehmen wäre, um ihn, der gefährlich ist wie ein Spreng­stoff, zu versöhnen.

Sollte die Reichsregierung solchen ernstesten Vorstellungen kein Gehör schenken, so mühte man, meint der Berichterstatter,den Abfall des Südens wenigstens androhen.

Bei der engen Wahlverwandtschaft, die Mückle an dem Herausgeber derZukunft" ent­deckte, nimmt es nicht wurder, wenn er am Schlüsse seines Schreibens Harden für den weitaus be­deutendsten der Politiker erklärt, die er in Berlin gesprochen habe. Die Ruhanwendung lautete:

..Ich glaube dah Harden als Delegierter bei den Friedensverhandlungen schon seines Ansehens wegen, das er auf Seiten der Entente genieht, Gröhes leisten könnte. Wie stellt sichMie bayeri­sche Regierung zu einer Entsendung Hardens?"

In der Ueberzeugung, dah mit. einem deut­schen Schuldbekenntnis der Boden für einen besse­ren Frieden bereitet werden könne, wurden die Münchener Revolutionsmänner namenllich auch von dem Amerikaner George H e r r v n bestärkt, der während des Krieges in der Schweiz fein We­sen trieb. Er strebte ihnen den Glauben beizubrin­gen, 'dah er bei Wilson gut genug akkreditiert sei, um vermitteln zu können. In einer Drahtnachricht Herrons vom 17. Rovember hieh es:

Ich habe mein Möglichstes getan, um den Präsidenten und die Entente zu überzeugen, dah Ihre Regierung vertrauenswürdig ist. . . . Vor allem rate ich dringend möglichst viele deutsche Staaten zu überzeugen. Ihrer Führung zu folgen. Zweitens, die ersten Schritte zu einem vollen und offenen Bekenntnis der Schuld und Untaten der deutschen Regie­rung im Anfänge des Krieges und an den Grausamkeiten der Kriegführung zu unter­nehmen Die moralische Wirkung einer solchen Handlung wäre gewaltig und entscheidend."

Am 24. Rovember begann der bayerische Mi­nisterpräsident dann von sich aus mit dem deut­schenSchuldbekenntnis', in dem er als ersten der angekündigtenBeiträge zur Vorge­schichte des Weltkrieges" den Bericht des Herrn v. Schön auszugsweise der Oeffentlichkeit übergab. Die Enthüllungen erregten in der ganzen Welt ungeheures Aufsehen. Die Presse der Entente stempelte das deutsche Volk zum blutigsten Ver­brecher der Weltgeschichte und rief nach härtester Strafe.

Eine halbamtliche Mitteilung in derRord- deutschen Allg. Zeitung" sah schon wenige Tage nach der Enthüllung am 28. Rovember, denkla­ren Beweis geliefert, datz durch derartige aus dem Zusammenhang gerissene Dokumente die an sich schwierige Lage Deutschlands auf dem Friedens- kongreh ins Ungemessene gesteigert werde". Eine Voraussicht, die sich leider bewahrheitete

Der deutsch-amerikanische Vertrag.

Washingtvn, 15. Aug. (WTB.) Reu- ter. Präsident Harding hofft, dah die Rati­fikation des deutsch-amerikanischen Vertrages bald erfolgen werde. Er halte es für wünschenswert, dah der Deutsche Reichstag und der amerikanische Senat den Vertrag gleichzeitig beraten. Deshalb werde der Senat nicht aufgefordert werden, auf seine Ferien zu verzichten. Er werde am 20. Sep­tember wieder zusammentreten.

3n einer amtlichen Erklärung des Weihen Hauses wird betont, daß der Vertrag nur ein vorläufiger Friedensvertrag sei, auf dessen Ratifikation ein Freund- schaftS- und Handelsvertrag folgen werde. Ferner wird mitgeteilt, dah mit Deutschland vereinbart worden sei, den Text zu veröffentlichen, bevor der amerikanische Ge­schäftsträger in Berlin und der deutsche Auhenminister Dr. Rosen den Vertrag unter­zeichnet haben. Der Text werde gleichzeitig in Berlin und Washington veröffentlicht. Wie verlautet, ist der Vertrag ein verhältnismäßig kurzes Dokument.

Der Friede zwischen Amerika und Qefterreich.

Wien 24. Aug. (WTD.) Heute mittag wurde der Friedensvertrag zwischen den Ver­einigten Staaten von Amerika und Deutschöster­reich unterzeichnet.

Die (^ntwaffnungskonferenz.

Paris, 25. Aug (WTD.) Rach einer Havasmeldung aus Washington hatte der ia- panische Botschafter gestern im Staatsdeparte­ment mitgeteilt, datz Zapan die Einladung zur E n t wa f f n u n g S k o n f er e n z an­nehme.

Vicomte Ifbij übernimmt selbst das Verichtcrstatteramt.

Paris 24. Aug. (Havas.) Havas meldet aus Genf: Da der Vertreter Spaniens vom Völ- kerbundSrat Quinones de Leon, den Vor-- sitzenden des Völkerbundsrates Vicomte I s h i j wissen lieb, datz er zu seinem lebhaften Bedauern das ihm angetragcnc Mandat der 'Berichterstat­tung über die oberschlesische Frage nicht überneh­men könne, hat Vicomte Ishiy beschlossen, in Anbetracht der kurzen Zeitspanne, sich der Aufgabe selb st zu unterziehen und selbst den Bericht vorzulegen.

Die Kosten der Besatzungsarmee in Oberschlesicn.

Oppeln, 24. Aug (WTD.) Rach einer Mitteilung der Interalliierten Kommission be­tragen bis zum 1. August die Kosten für die Besahungsarmee in Oberschlesien 9,5 Milliarden Mark.

Frankreichs Vernachlässigung des inneren Wiederaufbaues.

Dijon, 24. Aug. (WB.) Im hiesigen Ge­neralrat wurde eine Tagesordnung eingebracht, in der darüber Bedauern ausgedrückt wird, datz die Regierung die schwierige auswärtige Lage zum Vorwand nehme, um das unerläß­liche Werk einer Reorganisation im I n ° nein auf dem politischen, administrativen und finanziellen Gebiet zu vernachläsfigen. Der Präfekt beantragte einen Deschlutz über diefen An­trag auszusehen. Der Generalrat lehnte dies ab, worauf der Präfekt erklärte, er werde nach der Besprechung der Resolution zurücktrcten

Paris, 24. Aug. (WB.) Wie derMatin" aus Breft meldet, lagern dort 10 000 Ton­nen Weizen, die der Staat für 7 Millionen Franken 'in Australien gelaujt hat und die wegen Sinkens der Getreidepreise jeht nur noch 4Vs Mil­lionen Franken wert seien. Die Regierung wei­gere sich aber, das Getreide mit Verlust zu ver­kaufen. Es fange bereits zu keimen an und es bestehe die Gefahr, datz e« völlig wertlos werde.

Das Lenkluftschifl Z R II explodiert!

London. 24. Aug. iWTB.) Das große Lenkluftschiff Z R II ist über der Stadt Hüll explodiert. Die Trümmer fielen in den Humber-Fluh. Das Luftschiff kehrte gerade von einer Versuchsfahrt vor der Ueberquerung des atlantischen Ozeans zurück. Es sollte 50 Menschen tragen. Die Besatzung umfaßte 47 per­lenen, von denen nur sechs am Geben blieben.

Heber 40 Personen nmgekommen.

Weiter wird dazu gemeldet: Das Luftschiff sollte in den nächsten Tagen einen Flug über den Ozean antreten. Als es heute abend um 53,4 Uhr von einem Versuchsflug zurückkehrte, er­folgten über der Stadt Hüll zwei Explosionen in dem Luftschiff, das in zwei Teile auseinander brach und 'in Flammen gehüllt in den Humber hinab- stürzte. Das Luftschiff war an die Regierung der Vereinigten Staaten verkauft worden und sollte eben in Amerika abgenommen werden. Es handelt sich um das frühere Luftschiff R 38. Durch die Explosionen wurden die Fenster­scheiben, Spiegel und Dächer der benachbarten Häuser völlig zertrümmert. An Bord des Luft­schiffes befand fich u. a. General Matland Einige der Insassen, etwa 4 Mann, konnten sich durch Fallschirme retten, darunter der Führer des Luftschiffs, Kommandant Mann, der aber schwer verletzt wurde. Rach den letzten Mel­dungen sind von den 49 Mann Besatzung nur fünf gerettet worden. Unter den Ueberlebenden befin­det sich ein Schiffsleutnant der amerikanischen Marine.

... London, 25. Aug. lWTD.» Zu dem Luft- schifsunglück meldet das Reutersche Bureau er­gänzend: Der Führer des Luftschiffes, der schwer verletzt worden ist, bewies ein Wunder von Gei­stesgegenwart, indem er das Rieder­geh e n des Luftschiffes auf den Fluh lenk t e, anstatt auf die Stadt, wo es schrecklichen Schaden verursacht hätte. Das Luft­schiff war auf einer Probefahrt für den Flug nach Amerika begriffen. Die Besatzung zählte 69 Mann, davon fünf englische Offiziere und einige ameri­kanische Marineoffiziere, Die das Schiff über den Atlantischen Ozean führen sollten. Das Luft­schiff war das größte der Welt, 695 Futz lang, fatzte 300 000 Kubikfuh Gas und führte ge­nügend Brennstoffe für eine Reise von 6500 eng­lischen Mellen mit.

Paris, 25. Aug. (WTD.) Wie derMatin" über das Luftschiffunglück in Hüll meldet, befanden sich unter der Besatzung 18 Vertreter der amerikanischen Marine. Unter den Toten befindet sich der englische General Maitland. Dem Blatte zufolge hörte man zuerst eine furcht­bare Explosion, worauf das Luftschiff langsam her- unterzukommen begann. Bald darauf ertönte eine zweite schwächere Explosion, und in Flammen ge­hüllt, stürzte das Luftschiff in zwei Tellen in den * Humber. Die Rettungsarbeiten der sofort herbei­

eilenden kleinen Schiffe und Schlepper wurden da­durch unmöglich gemacht, datz die Trümmer eint ungeheure HiNe ausströmten und jede Annäherung verboten.

Die Hungersnot in Rußland.

Berlin 24. Aug. (WTD.) Die internatio­nale Vereinigung für Kinderhilfe in Genf macht dem deutschen Zweig ihrer Organisation, der Ver­einigung für Kinderhilfe, Eharlottenburg, Der- linerstrahe 137, von nachstehendem Telegramm Mitteilung das ihr von Hänfen aus Riga zu- ging Hunderttausende russischerKin- der sterben HungerS, Millionen anderen droht das gleiche Schicksal. Durchdrungen von der Ueberzeugung. datz nur eine unverzüglich unter Ausbietung aller Kräfte einsetzende Hilfsaktion hier Rettung bringen kann, bitte ich die inter­nationale Vereinigung für Kinderhilfe, einen Auf­ruf an allle Männer und Frauen, besonder- an alle Kinder zu richten, damit sie alles, waS sie erübrigen können, zur Rettung der hungernden Kleinen in Rußland hergeben. Riemals noch ist im Weltgeschehen die Hilfe so verzweifelt not­wendig gewesen, wie hier. Ich danke Ihnen für Ihr Anerbieten, nach meinen Weisungen zu han­deln und verbürge mich für eine gerechte Vertei­lung aller für Rutzland bestimmten Gaben, die durch meine Hände gehen.

Die Vereinigung für Kinderhilfe in Eharlottenburg antwortete folgcnber- matzen: Der ergreifende Aufruf Fritjof RansenS bestärkt uns in unserer Absicht, Rutzland jede Hilfe zur Verfügung zu stellen, die wir aufzubrin­gen in der Lage sind. Da Deutschland jedoch, so­weit es sich um Lebensmittel und Kleidungsstücke handelt nicht einmal seinen eigenen Bedarf decken kann, sondern auf die Wohltätigkeit deS Auslandes angewiesen ist, werden wir gezwungen sein unsere Hilfeleistung darauf zu beschränken, datz wir Rutzland unsere Arbeitskräfte und or- aanisatorischen Einrichtungen zur Verfügung stel­len. Die Einzelheiten unseres AktionSplaneS wer­den wir Ihnen brieflich unterbreiten.

Kopenhagen, 24. Aug. (WTD.) Wik Politllen" auS Reval gemeldet wird, scheint man in russischen Regierungskreisen nicht besonders be­friedigt zu sein über die llcbcreinfunft, die zwi­schen Litwinvff und Drowne abgeschlossen ist. Für besonders gefährlich hält man die ameri­kanische Kontroll ierung der Vertei­lung der Produktion, da sie nach Ansicht der Kommunisten eine indirekte Einmischung in die Angelegenheiten SowjetrutzlandS bedeute. Auch gegenüber der internationalen Hilfsaktion macht sich eine Aenderung in der Haltung der Kommunisten, besonders der radikalen Elemente bemerkbar. Rach einer Rigaer Meldung treten in der Moskauer Kommunistenpartei starke Ge­gensätze hervor. Der linke Flügel ist unzufrieden mit der neuen Wirtschaftspolitik der Sowjet- regierung.

Ein englisch russisches Wirtschafts abkommen.

Verl in, 24. Aug. DerLokalanzeiger" er­hält von angeblich gut unterrichteter Stelle eine Rachricht über ein Wirtschaftsabkommen, das vorgestern in London zwischen dem Deauf- tragten der Sowjetrepublik Krassin einerseits, den englischen Wirtschafts­gruppen, dem amerikanischen Standard Oil- Konzern andererseits abgeschlossen sei. Die wesent­lichsten Punkte des Abkommens lauteten: 1. die Gesellschaft bewilligt der russischen Regierung einen Kredit im Werte von ungefähr 30 Mil­liarden Papiermark: 2. das allrussische Hilfskomi­tee wird zu der Ausführung des Wirtschaftsver­trages mit her angezogen: 3. die russische Regie­rung begibt sich des Rechts mit Konkurrenzwn- zernen ohne Einverständnis der amerikanisch-eng­lischen Gruppen Wirtschaftsverträge abzuschlietzen; 4. die Gesellschaft erhält Konzessionen im Ural­gebiet und Petroleumkonzessionen.

Die griechischen Ziele.

Athen, 24.* Aug. (Wolff.) Wie HavaS mel* bet, erklärte Kriegsminister Theotokis Presse- vertretern über die Ziele deS wiederauf genomme­nen Feldzuges:Wir wollen auf Ang ora mar­schieren, nicht etwa, um unS dort festzusetzen, son­dern um sachliche Unterpfänder zu haben gegen den Einfall jedes AufrührerS, der gegen die Entschließungen Europas angehen will. Die Grie­chen sind von den Türken zu diesem Kriege ge­zwungen worden, die weder den Vertrag von Sevres noch die Destimmungen des Waffenstill­standes innehielten .Ein neuer Friedens- Vertrag wird also den Opfern Rechnung tragen müssen, die daS griechische Doll hat auf sich neh­men müssen, um den türkischen Widerstand nieder- zuzwirrgen. Jede Regierung muh dieser Forde­rung des Vollsgewissens Rechnung tragen. Der Kriegsminister schätzte die national!ftischen Streitkräfte in Anatolien auf etwa 64 000 Mann. Er gab der Überzeugung Ausdruck, datz bei den jetzigen Erfolgen des Vormarsches die militärischen Operationen etwa in einem Monat zu Ende geführt fein würden.

Angora, 24. Aug. (WTD.) Der amt- liebe Kriegsbericht vorn 24. August meldet: Auf der Westfront setzten starke feindliche Ab­teilungen ihren Vormarsch fort Im Wschnitt AfrumKarchissar zieht sich der Feind infolge unseres Angriffes zurück.

Paris, 24. Aug. (WTD.) Die türkische Rachrichtenftelle in Paris erhielt von dem De- fehlshaber in I s m i e d folgende amtliche Mel­dung : Im Abschnitt von Eski Schehir hat der Feind nach fünftägigen Kämpfen eine Schlappe erlitten und zieht sich in der Rich­tung auf EskiSchehir zurück. Wir verfolgen den Feind.