Folge zu leisten. Die drei anderen Haden eine Bedenkzeit von einigen Stunden erhalten, um sich zu entscheiden. Bei den heutigen Unruhen wurden zwei Manifestanten getötet. Polizei und ägyptische Truppen durchziehen die Stadt und zerstreuen die Manifestanten.
Aus Alexandrien wird gemeldet: Die Polizei zerstreute hier eine Ansammlung von etwa 500 Perrsonen. Verletzt wurde niemand. Die Ruhe ist wieder hergestellt. Einige Kaufläden sind geschlossen.
London, 23. Dez. (WTB.) Au- Malta wird vom 23. d-. Mts. gemeldet: Der kleine Kreuzer „Ceres" und ein Hilfsschiff haben Befehl erhallen nachAeghpteninSeezugehen. Sie werden unverzüglich abfahren. Andere Kriegsschiffe sind angewiesen worden, sich bereit zu hallen, um nötigenfalls sofort in See zu gehen.
Oesterreich und die Tschechen.
v e n f. 23. Dez. (Wolff.) Wie das Völ- ^rrbundssekretariat mitteilt, ist es von dem tschechischen Ministerpräsidenten B e n e s ch davon unterrichtet lvorden, daß seine Regierung mit der österreichischen VundeSs republlk einen politischen Vertrag abgeschlossen hat, dessen wichtigste Klausel beiden Staaten die Verpflichtung auferlegt, Streitfälle dem obligatorischen Schiedsspruch des ständigen internationalen Gerichtshofes oder gegebenenfalls einem anderen Schiedshvf zu unterbreiten. Der Vertrag soll dem Völkerbund noch amllich mitgeteilt Verden. --------
Aus dem Reiche.
KabinettSfitzung.
Berlin, 24. Dez. Der »Deutschen Allgem. Zeitung" zufolge beschäftigte sich das Reichskabinett gestern nachmittag mit der Kohlenfrage. Die maßgebenden Stellen find der Auffas'ung, daß alle Anstrengungen gemacht werden müssen, um den Kohlentransport zu steigern und damit die dem Wirtschaftsleben drohende Gefahr zu beseitigen. 3m Anschluß an die Kabinettssitzung fand eine Besprechung der an der Reparationsfrage beteiligten Ressorts über den gegenwärtigen Stand des Reparationsproblems statt. Der Termin für die Beantwortung der drei von der Reparationskommission in ihrer Rote vom 17. Dezember gestellten Fragen steht noch nicht fest.
Rückkehr Ralhenaus.
Berlin, 24. Dez. Wie die Blätter berichten, wird Dr. R a t h e n a u heute abend aus London hier eintreffen.
Der Eisenbahnverkehr.
Berlin, 23. Dez. (WTB.) Der Rückstand, worin die deutsche Regierung mit den aufgezwungenen Ko h le n lie fe ru n ge n an die Entente gekommen ist, beeinflußt naturgemäß die für den OnlandSverbrauch übrig- bleibenden Kohlenmengen. Darunter wird auch die Reichsbahn zu leiden haben, da ihre Dienftkvhlenversorgnng unter den Dedarfs- Siffern bleibt. Wenn auch für den eigentlichen Weihnachtsverkehr eine Einschränkung des Personenverkehrs vermieden wurde, so muß doch sogleich nach Weihnachten eine Verminderung der dem Personenverkehr dienenden Züge ein treten, um möglichst viel Kohlen für den Güterverkehr übrig zu behalten. Eine Bewältigung des Verkehrs, der übrigens erfahrungsgemäß nach den Festtagen zunächst etwas abnimmt, wird dadurch nicht tn Frage gestellt. Die Reisenden werden aber eine engere Besetzung der Züge zeitweilig t in Kauf nehmen müssen.
f Eisenbahnerforderungen.
Breslau, 23. Dez. (WTB.) Beamte, ' Angestellte und Arbeiter des Eisenbahndirek» tionSbezirke Breslau zogen heute nachmittag in einem etwa 8000 Personen umfassenden Zuge vor die Eisenbahndirektion und forderten einen sofort zahlbaren Vorschuß von tausendMark und sofortige Regelung der vrtsklasseneinteilung für alle Orte. Für den Hall der Ablehnung wurde sofortiger Ausstand angedroht. Es wurde eine dahingehende Entschließung angenommen und der Reichsregierung und Spitzenorganisation telegraphisch übermittelt. 3m Anschluß an die; Kundgebung fanden Verhandlungen mit der Eisenbahndirektion statt.
Die Auseinandersetzungen der Kommunisten.
Berlin, 24. Dez. Die „Rote Fahne" bestätigt heute in längeren Auslassungen die Meldung der „Freiheit", daß eine Erklärung, die von einem großen Teil führender Kommunisten unterzeichnet ist, gegen das 03 er- bleiben der Führer des März- putsches in der Zentrale der K.P.D. protestiert. Die Erklärung trägt dem Blatt zufolge, 128 Unterschriften, davon 66 aus Groß-Berlin, 53 aus Rheinland-Westfalen
Weihnachtsabend« .
Von Theodor Storm.
Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll. Der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus. Weihnachten toar'd; durch alle Gassen scholl Der Kinderjubel und des Markts Gebraus.
Und wie der Menschcnstroin mich sortgespült. Drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr: .Kaust, lieber Herri" Ein magre-' Händchen hielt Feilbictend mir ein ärmlich Spielzeug vor:
3ch schrak empor, und beim Latcrnenschein
Sah ich ein bleiches Kinderangesicht: Wes Alter« und Geschlechts es mochte sein, Erkannt ich im Vorübertreiben nicht.
Dur von dem Treppenstein, darauf es saß. Doch immer hört ich, mühsam, wie es schien: .Kauft, lieber Herr i" den Ruf ohn Unterlaß; Doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.
Unb ich? — War'S Ungeschick, war es die Scham, Am Weg zu handeln mit dem Bettelkind!
Eh meine Hand zu meiner Börse kam, Verscholl daS Stimmletn hinter mir im Wind.
Doch als ich endlich war mit mir allein, Erfaßte mich die Angst im Herzen so. Als säß mein eigen Kind auf jenem Stein Und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.
und 9 aus Ostpreußen. Wie das Blatt weiter mitteUt, hat die Zentrale die Forderung nach dem Rücktritt der für die Märzaktion verantwortlichen Mitglieder abgelehnt, einer weiteren Blattermeldung zufolge wird die Opposition in der K. P. D. nunmehr über den Kopf der gegenwättigen Zenttale hinweg einen Parteitag einberufen, auf dem die Märzaktion und die Führer derselben einer Kritik unterzogen werden sollen.
Aus Hessen.
rm. Darmstadt, 23. Dez. Die Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat den Abg. Dr. Osann wieder zum Vorsitzenden und den Abg. D i n g e l d e h zu seinem Stellvertreter ernannt Zum Schriftführer wurde der Abg Oekonomierat Hahn bestimmt.
Aus dem besetzten Gebiet.
Koblenz, 23. Dez. (WTB.) Die 3n- teralliterte Rheinlandkommission hat die „Deutsche Zeitung" ab 25. Dezember auf drei Monate verboten, well der Artikel vom 18. Dezember „Die deutsche Schande" die Würde der BesayungSttuppen beeinträchtige.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 24. Dez. 1921.
Das Fest der Sittiber.
Weihnachtsheiligabend--ein kleines
Erlebnis aus dem Felde kommt mir in den Sinn. Wir saßen unser drei im Keller eines zerschossenen französischen Hauses und feierten das Christfest. Kriegsmäßig — auf einem zerbrochenen Stuhl ein winziges Bäumchen mir noch kleineren Lichtstümpfchen als einzigen Schmuck, davor eine Kanne mit heißem Punsch und drei Decher und die geladenen Gewehre zur Rechten. Wir sprachen nicht viel, sondern ließen lieber unsere Gedanken wandern, weithin über den Rhein nach Deutschland, wo der eine im Süden, der andere im Westen, und der Dritte im Norden des deutschen Vaterlandes seine Lieben wußte. Da warf der kleine Sachse seinen Zigarrenstummel, nachdem er ihm vergebens noch ein Rauchwölkchen zu entlocken versucht hatte, weg und brach das Schweigen: „Warum sitzen wir hier in dieser Stadt des Todes und lauem auf Töten und Kämpfen, statt in der Heimat unter dem Lichterbaum das Fest des Friedens zu feiern?“ Der bärtige Bayer ihm gegenüber nahm noch einen Schluck aus seinem Glase, dann sagte er: „Das will ich dir mit einem Worte sagen, Kamerad! Wir sitzen hier, damiit daheim unsere Kinder ihr Christfest haben!"---3ch weiß -nicht,
was aus dem braven, lieben Kerl geworden ist; ich wleih nicht, ob er zu den ©einigen zurückkehrte oder ob ihn heute die Erde deckt, chn wie so manchen anderen, der einem näher trat in Kampf und Gefahr. Aber seine Worte wurden mir heute wieder lebendig. Um unserer Kinder willen sollen wir auch Diesmal zum Weihnachtsheiligabend uns unserer Tages- sorgen entschlagen. Und ist allen nicht danach, Feste zu feiern; zu schwer lastet die Rot der Zeit, die Sorge um das Land unserer Väter und Kinder auf uns. Aber heute sollen sie vergessen sein und ausgelöscht werden von dem Leuchten, das aus glücklichen Kinderaugen strahlt. Wie werden Die Stuben auf einmal hell von diesem Glanz. Klingt nicht wie Glockentönen ihr Lachen und wie Vogelgezwitscher chr Plaudern? Wird in ihren Händchen nicht zum kostbarsten Wertgegenstand auch die kleinste Gabe? Was ist gegen diese Freude Kummer und Plage? Einmal wieder jung werden können wir mit ihnen und an Märchen glauben und--hoffen.
Das ist Der Gewinn der Weihnacht, daß die Herzen weiter werden. Sehen wir zu, um unserer selbst willen, daß heute unsere Kinder lachen und singen. — r.
Wettervoraussage -
für Sonntag:
Wolkig bis heiter, trocken, kälter, Winde aus nördlichen Richtungen.
Die nördliche Depression liegt heute mit ihrem Kern über Finnland, so daß wir langsam unter dem Ginsluß des von Irland sich ostwärts aus- dehnendM hohen Drucks gelangen.
•• Amtliche Perfonalnachrichten. Am 16. Dezember 1921 wurde der Fvrstwart der Kommunalforslwartei Bischofsheim, Oberförsterei Raunheim Heinrich A st h e i m e r zu Raunheim, unter ter Amtsbezeichnung „Fö ster" vom 1. April 1921 ab in den Staatsdienst übernommen. — Am 20. Dezember 1921 wurden die Forstassefforen
WUyerm Kratz aus Darmstadt, Adoll Klamm aus Echzell, Otto M ä f e r aus Ruppertsburg, Karl Cha n tre aus Dreieichenhain, Ku-.t ‘Blume n a u aus Gießen vom 1. Januar 1922 ab zu Oberförstern ernannt. — Am gleichen Tage wurden die Forst Wartaspiranten Kon. ad Oestreich aus MetzlvS-Gehaag Heinrich Lehn aus Schöl- enbach, Karl Drück aus Rödgen, Georg K l ip- st e i n vom Forsthaus Döllenfalltor bei Darm- »adt vom L Januar 1922 ab zu Förstern ernannt.
2.U. Von der LandeS-Universität Gießen. Der ordenlliche Professor für Römisches, Bürgerliches und Handelsrecht, Dr. Otto Eger, hat einen Ruf an die Universität Königsberg i. Pr. erhalten.
Bornotizen.
— Tag eS ka l e n de r für Samstag: Astoria-Lichtspiele, heute und morgen: »Der geheimnisvolle Dolch". — Lichtspielhaus, Bahnhof- ltraße, heute und morgen: »Die Erlebnisse der berühmten Tänzerin Fanny Elßner".
— Tageskalender für Sonntag: Ätadttheater, I Ufcr: .Turandot". —
— Tageskalender für Montag: Staütlheater, 3 Uhr: „Börsenfieber"; 6‘ _> Uhr. .Die Tanzgräfin". — Astoria-Lichtspiele, ab heute: .Taschendiebe" und .Dauernhah". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Das große Ra- diumgeheimnis", 2. Teil „Sie elektrische Hölle" und „Eine amüsante Geschichte mit haarsttäuben- dem Ausgang".
— Oberhessischer Kunstverein. Die Ausstellung bleibt vorerst wegen Wechsels der Gemälde geschlossen. Am 3. Feiertag, an welchem die Verlosung stattfindet, ist nur für Mitglieder des Kunstvereins von 11 bis 12 Uhr geöffnet. 3m Januar wird der Kun st verein wixder einmal eine Ausstellung der Künstlervereinigung .Der Sturm" bringen. Da der Ausstellung von Werken der Sturmkünstler welche im Januar 1919 stattfand, so großes Interesse, daS stch in Besuch und Verkauf bemerkbar machte, entgegengebracht wurde, hat die Geschäftsleitung der Kunstausstellung „Der Sturm" in Berlin, für die kommende Ausstellung nur erste Werke ihrer bekanntesten Künstler zur Verfügung gestellt. Siefe Ausstellung, die neu zufammengestellt ist, wird von hier auS noch in ersten Kunstsalons größerer Städte gezeigt werden. Die Eröffnung der Ausstellung wird hier am 15. Januar erfolgen.
— Kriegerverein. Am 3. WeihnachtStag hält der Kriegerverein gemeinschaftlich mit dem Verein ehern. Leibgardisten auf der Liebigshöhe seine diesjährige Weihnachtsfeier ab. Von den Mitwirkenden ist fleißig geübt worden und die Auswahl der Vorführungen ist so, daß ein schöner Verlauf des Abends zu erwarten ist.
Landkreis Gießen.
Watzenborn-Steinberg, 23. Dez. Der vor etwa 40 Jahren als schlichter Weißbinder nach Amerika ausgewanderte Gg. S ch ä - f e r, der es durch emsigen Fleiß und Ausdauer zu Altsehen und Wohlstand gebracht hat, ist vor einigen Tagen zum Besuch feiner Heimatgemeinde hier eingetroffen. Der Gesangverein „Eintracht", dem er als Ehrenmitglied angehört, lieh es sich nicht nehmen, gestern abend in einer recht eindrucksvollen Feier den seltenen Gast zu bewillkommnen.
* Großen-Duseck, 24. Dez. Das Fest der silbernen Hochzeit begehen am 2. Weih- nachtsfeiertag Ober-Postschaffner Friedrich H a hn und Frau Margarethe geb. Hahn.
Kreis Friedberg.
2$. Bad-Nauheim, 23. Dez. 3n der bis zum letzten Platz gefüllten großen Turnhalle des Turnvereins 1860 veranstaltete die Ernst - Lud- tv i g - S ch u l e eine wohlgelungene Weihnachtsfeier. Das reichhaltige Programm erfüllte mit echter Weihnachtsstimmung Besonderen Anllang fanden die Reigenaufführung ..Das Tanzlied der Jahreszeiten" von Dal- c r o z e und das schöne, alte deutsche W e i h- n a ch t S s p i e l von H i l g e r. Der Schülerchor unter Leitung von Lehrer Dechtolsheimer zeigte *in schönes Können. — Ein Weih- nachtskonzert veranstaltete der Vortragsund Musikverein in der Dankeskirche und bereitete damit den Musikfreunden unserer Stadt und der Umgebung eine wirkliche Weihestunde. Mit- wirkende waren zwei Mannheimer Künstler, Arno Landmann (Orgel) und -Frau Jane Freund- Rauen (Alt). Zum Vortrag kamen Werke von Dach, Cornelius, Franck und Reger An den Feiertagen halten mehrere Vereine ihre Weih- nachtSfeiem.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Darmsta dt, 23. Dez. Die örfran- kungenanGrippe nehmen nach den stets sich vermehrenden Meldungen auS den verschiedensten Städten und Orten am Rhein, Main und Neckar dauernd au. 3n vielen Fällen mußten dieSchu - len geschlossen werden, mehrfach sind dic Krankenhäuser derart überfüllt, daß sie zur Ausnahme der Erkrankten ni$t mehr ausreichen. Das unbestimmte trübe Wetter, das der WitterungS- umschlag gebracht hat, trug jedenfalls sehr zur Ausbreitung der Krankheit bei, deren Erscheinen auch in Dayem wie am Niederrhein gemeldet wird.
(Biebener Stadttheater.
Turandot.
Don Friedrich v. Schiller.
G i e ß e n, 24. Dezember 1921.
Hier ist nicht der Ort und der Raum, den literaturgeschichtlichen Fragen nachzugehen, die sich an die ‘Bearbeitung des MärchenspielcS Turandot deS Grafen Carlo Tozzi durch Schiller knüpfen. Uns freut eS. seine schöne Lebenskraft und seine trotz einigen Schwächen immer neue Wirkung festzustellen. Mit Schillers eigenem Matz das Stück zu mellen, wäre Torheit. Turandot will ja auch keine Nebenbuhlerin der Maria Stuart oder der Jungfrau von Orleans sein. Richt um der Menschheit große Gegenstände wird hier gerungen, sondern der Reiz deS Spiels liegt im oft nur ganz lose verknüpften Auf und Ab der märchenhaft gesponnenen Handlung.
Die Aufführung brachte unterem Stadttheater einen wohlverdienten Erfolg 3m einzelnen wie im Zusammenspiel aller Kräfte war der gestrige Adend Ti<fcer einet der besten in diesem Winter. Alle 'Beteiligten bis zu den Statisten waten mit sichtlicher Freude bei der Sache AIS Träger der Hauptrollen seien die Damen Karla Keller (Turandot», Elle Koop (Adelnra), Cläre Türk (Zelima) und die Herren G. H e d i n g (Kalafl. K Dolck (Daraki, G Baduta (Al- toum) und O. Feige! (Pantalon) genannt, ohne
dah damit daS Verdienst der Träger der Heineren Rollen geschmälert sein soll.
Auch äußerlich ließ die Darstellung nichts zu wünschen übrig. Die vortrefflichen neuen Dilder. die sie brachte, machen der Spielleitung Hofrat SteingoetterS alle Ehre. Sie können sich ihrer Ausführung und technischen QualUät nach getrost neben den Ausstattungen größerer und reicheret Bühnen sehen lallen. Das technische Personals unter Theatermeister Löfflet hat einen schönen Beweis seines Könnens erbracht.
Das Stück, daS für den 1. Feiertag auf dem Spielplan steht, fei bestens empfohlen. Hoffentlich ermuntert der Erfolg unfere Bühne, sich noch öfter- der Lösung solcher schönen und dankbaren Ausgaben zu widmen. W.
1 • 1
— Russische Mammut-Srpedition. Die Petersburger Akademie der Wisienlchafie ha vor einer Reihe von Jahren zwei Expeditionen zur Ausgrabung von Mammut-Kadavern in daS IakutSk-Gebiet entsandt, über deren Ergebnisse jetzt ihr Leiter Hofrat Pfihenmaher in einem Vortrag ausführlich berichtet hat. Wie Petersen in der „Raturwillenschastlichen Wochenschrift" auf Grund dieser Angaben mitteilt, hatte man zunächst das 3n le teste für das Vorkommen des MammutS bei der eingesessenen Bevölkerung Ost- sibirienS dadurch geweckt, daß Preise für die
• Offenbach, 23 Dez. 3m Stadtbezirk Offenbach sind neuerdings für Verfehlungen gegen Oie Steuergesetze, insbesondere gegen das Um- .hsteuergesetz in nahezu 300 Fällen Geldstrafen in Höhe von 1,3 Millionen Mark erkannt worden, die im einzelnen bis über 100 000 Mark anfi eigen. Qfcbcn diesen Geldstrafen wurden an ovrenttzal- tenen Steuern allein an Umiah- und Lurussteuer ohne die freitot hgen Nachzahlungen 1 2 Millionen Mark eingezogen. Die Gesamtsumme der im Arrestverfahren zur Sicherung des Eingang« von Steuern verfügten Beschlagnahmungen beziffert llch auf mehr al« 5 Millionen Mark. Die Steuerpflichtigen werden gut tun, die Steuererklärungen mit größter Sorgfalt au«jufertigen, da in Zu- fünft die seitherige geübte Rachsicht nicht mehr erwartet werden kann. Die Gewerbebetriebe inS- befonbere werden im verschärften Matze der Steueraufsichr unterliegen. Bon dem gesetzlichen Recht der Veröffentlichung der 'Bestrafungen wird lunflig in keinem Fall abgesehen werden können, auch wenn eine wirtschaftliche Schädigung darau« geltend gemacht wird. (Off. 31g.)
. ‘ ^oer-Ingelheim 21 De^ In einer
der letzten Rächte wurde in der hiesigen evangelischen Kirche eingebrochen und eS sollen, tote man hört, fast alle Läufer und 60 elektrische Birnen von den Dieben mitgenommen worden sein. Hieraus entsteht der evangelischen Gemeinde ein Schaden, der nach Taufenden zu beutest en ist. Don den Dieben fehlt bi« jetzt noch jede Spur. (Worms. Zta.)
Hcsscu-Nasfau.
mc. Franksurt a. M. 23. Dez. Da danach Frankfurt zur Anlieferung kommende Milch- quantum nicht mehr für den dringendsten Bedarf ausreicht, veranstaltet daS Lebensmittelamt allabendlich an den Bahnhöfen Milchkon- trollen, too den Hamsterern ihre auswärts aufgekauften Milchvvrräte abgenommen werden. BiS zu 3 Liter bleiben von der Beschlagnahme frei. Am gestrigen Donnerstag wurden innerhalb 2 Stunden über 800 Liter Milch beschlagnahmt. Beim Eintreffen des letzten Zuges auf dem Bahnhof Bockenheim kam es au Schlägereien zwischen den Beamten und Dem Publikum, toobei letztere« die Oberhand behielt. Die Beamten mußten unverrichteter Dinge den Bahnhof verlassen, wollten sie nicht in ernstliche Mitzhand- lungSgefahr kommen.
Aus dem Amtsverkündigunstsblatt.
• • DaS ArntSverkündigungSblatt Rr. 185 vorn 23. Dezember enthält Abänderung der Verordnung über die Darnpfkestel - Schutz der Heilquel en zu Bad Rau heim, Schwalheim und Bad Salzhausen. — Aufnahme der taubstummen Kinder in die Taubstummen-Anstalten deS Landes. — Statistik der Streiks und Aussperrungen. —- Prämientarif der Genvsfenfchaft für die RcichS- unfallversicherung der Fahrzeug- und Reittier- Haltungen. — ©rünbuna einer Zimmermeister- Zwangsinnung für den Kreis Gießen. — Landtagswahl. — Vermißte. — Feldbereinigung Grü- ningen. — Ergebnisse der Hauptkörungen in Dienstbezirke der AmtSveterinLrarztstelleG.ünberg
Sofhfcbulnnchri dften.
Prag, 23. Dez. (WTB.) Die Senatoren Dr. R a e g l e und Dr. Mayr-Harting und Genossen haben im Senat einen Antrag cingc- bracht, nach welchem die Prager deutsche Universität nach Reichenberg und die PragertechnischeHochschuie nach Aussig a. E. verlegt werden sollen.
öermifchtes.
* Hagen, 23. Dez. (WTB.) Bei der Stativ- Letmathe ist gestern gegen 11.20 Uhr abend« ein Güterzug auf der Strecke Hohenlimburg— Letmathe auf einen anderen, vor dem Bahnhof Letmathe haltenden Güterzug aufgefah- r e n, wodurch zehn Wagen entgleisten Beide Hauptgeleise wurden dadurch stark beschädigt. Die Aufräumungsarbeiten werden etwa Awölf Stunden in Anspruch nehmen. Der Personenverkehr wird durch Umfteigen über Schwerte—Iserloy« geleitet.
• Zwangsweiser Verkauf von Weihnacht So äumen. In der Putlihstratze in Berlin forderte ein Weihnachtsbaumbändler Preise von 25 bi« 75 Mk. je Stück selbst für kleine und unansehnliche Bäume. Beamte der Schutzpolizei brüllen die Einkaufspreise nach, wobei eS sich ergab, dah der Händler beim Einkauf im Durchschnitt nur 4,50 Mk. je Baum bezahlt hatte. Die Bäume wurden beschlagnahmt, und unter Aussicht der Polizei wurde Der Verkauf zu 10 Mk. je Stück fortgesetzt.
• E i n Hindenburgdenkmal für Oldenburg. Gin vorbereitender Ausschuß, dem u. a. Oberbürgermeister Dr. Görlitz angehört, hat eine Einladung ergehen lassen zur Gründung eine« Ausschusses für die Errichtung eine« Hin- LenburadenkmalS in der Landeshauptstadt Oldenburg, dem früheren Gamifonorte Hindenburg«. GS wird beabsichtigt, durch eine Sammlung Die Mittel aufzubringen, um die zur Zeit In Oldenburg ausgestellte, von Prvfelfor Lederer nach dem Leben in Porphyr au«gefübrte Hindenburg- büste zu erwerben und aufzustellen.
Auffindung von Mammut-Kadavern ausgeschrieben tmirben. Rach den Darüber ergangenen Meldungen wurden in den Zähren 1931 und 1906 Expeditionen ausgerüstet, um die aufgefunbenen Mammut-Kadaver zu bergen. Der erste Kadaver war von Tungusen am Ufer Der Beresowka. einem rechten Nebenfluß Der In« EiSrneer mündenden Kolyma, entdeckt worden. Unter Führung Pfihen- mayers gelangten Die Reisenden nach monate- langer anstrengender Fahrt durch die Urwälder und Tundren de« Zakut«k-GebieteS an den Fundort. wo Die Leiche De« Riesenliere« durch einen Ufersturz teilweise sichtbar geworden war. E« gelang In zwei Monate dauernder mühevoller Arbeit den fast vollständig erhaltenen Kadaver zu bergen. Skelett, Haut und Weichteile, die letzteren in gefrorenem Zustande, wurden auf Schlitten nach dem nahezu 6000 Kilometer' entfernten Irkutsk gebracht und von Dort nach Petersburg geschafft. Die zweite Expedition ging sieben Zahre später ab, um einen neuen Mammut-Fund zu bergen. Der in der Omulach-Tundra, im EiSrneer» Küstengebiet zwischen Zana und Indigtrka. am Ufer deS Küstenflützchen« Sangajurach entdeckt worden war. Der zweite Mammut war nicht so gut erhalten, doch wurde unsere Kenntnis vom Mammut durch einzelne bei Dem ersten Mammut nicht gefundene Weichteile, vor allem durch Den fast ganz intakten Rüssel, vervollständigt. Durch diese beiden Funde ist unser Willen über den fossilen Elefanten erst auf eine feste DasiS gestell worpen.


