Ausgabe 
24.9.1921
 
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Nr. 224

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Samstag, 24. September 1921

171. Jahrgang

(Erftes Blatt

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnlck und Verlag: vriihl'sche Univ.-Vllch- und Steindruckerei H. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.

Wochenrückblick.

Man lann den Krafttönen der heutigen Legierungsmänner und ihres Gefolges nicht nachsagen, daß sie die Lage wirklich be­herrschten. Der Berliner Sturm hat in Bayern manche Bäume umgeschlagen, mancherlei Be­sorgnisse undSchäden herDorgerufen.aber er hat das politische Wachstum im Lande nicht stark beeinflußt; das Land wird unter Graf Lerchen­feld wohl nicht viel anders bebaut als unter Kahr. Auch dieser würde mit der Zeit den Ausnahmezustand abgebaut, der allgemeinen Entwicklung sich angepaht haben. Aber die Bayerische BvlkSpartei, als Beherrscherin des Parlaments, will das Land künftig vor Or­kanen aus dem Norden schützen, indem sie um die bayerischen Rechte einige Staketenzäune beantragt, wissend, daß solche Demonstration schon genügen wird, um die Berliner Cle­mente zu zähmen. Die föderativen Gegen­winde werden Herrn Dr. Wirth zu einigem Nachdenken bringen, und es ist zu begrüben, bah an die Errichtung dicker Mauern des Partikularismus niemand im Reiche denkt. Graf Lerchenfeld hat betont, daß er nicht Willens ist, einen Wechsel der bisherigen Politik dorzunehmen, auch er hat die Ver­dienste des Herrn v. Kahr ausdrücklich ge­rühmt und im Sinne der Mehrheit, die ihn als dessen Nachfolger berief, den Sturz des starken Mannes" mehr als unglückliches Na­turereignis denn als wohlbedachte Zwecktat hingestellt. Der Landesacker wird keineswegs politisch umgegraben und neu bestellt, und Mördergruben brauchen nicht zugeworfen zu werden, weil es keine gibt. Ein peinliches Verscharren wurde nur den Aus- und Tot­geburten preußischer Kommissarsfindigkeit zu­teil, wobei allerdings der Spaten auch den lebendigen Reichskanzler ein bißchen traf. Man atmet auf darüber, daß die Kluft zwischen Süd und Nord sich wieder zu schließen scheint; eine mehr oberflächliche als tiefgründige Politik in der Reichshauptstadt hatte den Mund zu voll genommen. Der bayerische Löwe, zuerst empfindlich gereizt, hat sich wieder be­ruhigt und kündigt durch den Mund seines neuen Ministerpräsidenten an, daß er künftig in Berlin selbst gelegentlich nach dem Rechten sehen wolle, damit Meinungsverschiedenheiten nicht mehr so unvermittelt eintreten . . . Herr Stegerwald, der preußische Ministerprä- stdent, hat durch seine bekannten Veröffent­lichungen in der bayerischen Sache ebenfalls zu erkennen gegeben, daß ihm das feurige Ausschlagen der Reichsregierung auch nicht recht imponiert hat.

And so ist es um den Reichskanzler Dr. Wirth auf einmal viel stiller geworden. Seine schmetternde Aufforderung zum politischen Tanz, zur unerbittlichen Abrechnung, hat ein viel friedlicheres Bild im Gefolge, als man es sich vor ein paar Tagen hätte träumen lassen wollen. Die Hände, die sich wütend zum Schlage erhoben hatten, fielen plötzlich ganz aus der Rolle und streckten sich einer anderen, verbreiterten Koalttton entgegen. Und zwar ist der Funke polittscher Vernunft nicht zuerst im Kopfe des Reichskanzlers, son­dern in den Beratungen und Vorbereitungen zum Görlitzer Parteitag der Sozialdemokratie aufgesprüht. Die Krafttöne zum Entschei- bungSkampf für die Sicherung der Republik schlugen um in ein Friedensangebot an die Deutsche VvlkSpartet. Das war zweifellos eine Ernüchterung, ein Selbstgeständnis, daß die rohe Kraft, das bloße Drein schlagen, nicht ausreichen, um die Republik wirklich zu sichern und zu festigen. Der Geist des er­mordeten Erzberger würde eine gänzliche Um­gestaltung seiner politischen Rezepte wahr­nehmen. Das gemeinsame Kreditangebot der produkttven Stände Deutschlands, Industrie, Danken, Landwirtschaft, will das Wrack der Srzberger-Wirthschen ErfüllungSpvlitik mit einem ttagfähigeren Fahrzeug vertauschen und dem fürchterlichen Problem der sogenannten Wiederherstellung und deö Ausbaues der Steuern wenigstens eine Möglichkeit der Lösung sichern. Der Gedanke ist in den Links­parteien auf ein düsteres Mißtrauen ge­stoßen, und auf dem Görlitzer Parteitag hat der sozialisttsche Finanzier Keil noch unver­mindert nach demEingriff in die Substanz", nämlich des Volksvermögens, gerufen well es die Parteidemagogie so will. Indessen, daß der Besitz sehr ausgiebig zu Leistungen für das Reich herangezogen werden muß, ist richttg, und in Berücksichtigung dieser berech- ttgten Forderung die richtigen Mittel und Wege zu finden, das soll eben Sache einer neuen, erweiterten Koalition sein. Die Deutsche Dollspartei hatte schon immer laut versichert, daß sie bereit sei, mitzuwirken an der Lösung der großen Finanzfragen zur Erfüllung unserer Pflichten nach außen und innen. Daß sie überhaupt bei der posittven Arbeit, zu der ste alle Vollskreise aufforderte, im Rahmen der gegeuwärttgen Verfassung bleiben wollte,

das findet nun eine späte Bestätigung und | Anerkennung von jener Seite, die bisher nur Verdächtigung und Absage für die Partei Sttesemanns gehabt hatte.

Den Wünschen und Bedingungen, die der Görlitzer Parteitag für die anzubahnende Koa­lition aufstellte, wird Herr Sttesemann, wie schon aus seiner Lüdenscheider Rede hervor- ging, Gegenforderungen gegenüberstellen. In den parteiamtlichen Blättern der Deutschen DollSpartei wird von vornherein darauf hin­gewiesen, ein Zusammenarbeiten mit der So- zialdemokratte sei nur dann möglich, wenn diese mit ihrer zahlenmäßigen Bedeutung als ein nicht ausschlaggebender Faktor innerhalb der Koalitton sich zufriedengebe. Zu der auftallenden Verkündigung des Ge­nossen WelS in Görlitz, daß die Maßregeln, die vo,p der sozialdemokratischen Partei im Einvernehmen mit den Unabhängigen ge­troffen seien, jede reaktionäre Regierung in Bayern auch auf kurze Frist zur Anmöglich­keit machen würden, erklärte dieNationall. Korresp.":

Man muh in der Tat sagen, daß die So­zialdemokraten in der Beurteilung der bayerischen Frage offenbar alle Besinnung verloren haben. Sie behaupten, die berufenen Schützer der De­mokratie und der Verfassung zu sein. Wenn sich Bayern auf Grund des demokratischen Wahlrechts eine Regierung gibt, so hat jedermann und jeher Demokrat in erster Linie eine solche Regierung zu respettieren, mag sie auch seiner Ansicht nach reaktionär" sein. Hätte sich eine parlamentarische Mehrheit in Bayern wieder für Herrn von Kahr entschieden, so wäre jeder Widerstand dagegen, sei es in Bayern oder außerhalb, eine schwere Versündigung gegen die Demokratie gewesen. Die Sczialdemvkratie aber spielt ganz offen mit dem Gedanken eirvs gewaltsamen Aufstandes und eines verbrecherisötm Generalstreiks, wenn die Entwick­lung in Da.ft-rn nicht den Lauf nimmt, den sie wünscht. Sie wird sich darüber klar sein müssen, daß verfassungstreue Parteien mit Politikern, die derart ungescheut mit der extremen Linken und mit der Anwendung verfassungswidriger Mittel liebäugeln, unter keinen älmständen eine Arbeits­gemeinschaft eingehen können.

ES wird sich in der bisherigen Hebung einiges ändern müssen. Daß Aufforderungen zu Mord- und Gewalttaten innerhalb der regierenden Parteien keine Duldung finden dürfen, ist selbstverständlich; aber selbstverständlich muß es erst noch werden, daß die Links­parteien, oder gar die Regierungen selbst, sich keine Eingriffe mehr erlauben in Dinge, die Freiheit und Recht in der Demokratie jederzeit gestatten: Veranstaltungen zur Er­innerung an große nationale Ereignisse der Vergangenheit, Pflege des nationalen Ge­fühls auch da, wo es sich von sozialisttschen oder pazifistischen Auffassungen entfernt. Mit Recht geißelte Herr Stresemann auf das schärfste den schroffen, die Leidenschaften auf­peitschenden Parteigeist des Reichskanzlers Dr. Wirth, der darum als Leiter einer neuen Regierung keinesfalls geeignet ist, so heftig und unmäßig auch sein Leiborgan, dieGer­mania", die sich zu einem wahren Hetzblatt entwickelt hat, die Angriffe gegen ihn ab­zuwehren versucht.

Es muh fortan überall der gute Wille gestärkt werden, Agitation und Propaganda in den bisherigen Bahnen und Formen mehr und mehr zurückzustellen zugunsten positiver Arbeit und Stärkung der Volksgemeinschaft. Eine vollkommene GesinnungSgemeinschaft herzustellen, daran ist nicht zu denken, aber eS wird Grundsatz und Anstandspflicht wer­den müffen, die Gesinnung des Gegners, so­lange sie sich auf dem Boden des Rechts und der Sachlichkeit bewegt, nicht mit gehässigen und unflätigen Anwürfen zu bekämpfen. Blicken wir uns dabei im Hessenlande um, so gewahren wir vieles, was sich von Grund aus ändern muß. Das RegierungSvrgan, die Darmst. Ztg.", hat durch chre Tvnesart in allerweitesten Kreisen das Ansehen der Re- publll nicht gefördert, sondern stark herab­gesetzt. Und es wird erlaubt sein, im Hinblick aus die bevorstehenden Veränderungen im Reiche und in Preußen daran zu denken, daß auch das Regime Ulrich-Strecker nicht für die Ewigkeit aufgebaut ist. Nach den eilfertigen RegierungSmahnahmen, die sich der Wirth- schen Parole anzupassen trachteten, schien es, als hielten die Darmstädter RegierungSmänner jetzt erst ihre Macht für gekommen. Der neueste Bilderstürmer-Erlaß ist ein Zeugnis jenes ge­reizten und unduldsamen Geistes, der zurück- treten muß, zumal er auch dem notwendigen Sparsamkeitssinn ins Gesicht schlägt. Inner­halb weniger Tage sollten Bilder entfernt, Aufdrucke geändert und womöglich auch llni- formknöpse mit Kronen abgeschnitten werden! Dabei gibt eS doch wahrlich auch in Hessen Gelegenheiten genug, durch friedliches Zu­sammenwirken der gesamten Bevöllerung bes­sere Zeiten für ßanb und Voll hevaufzu- führen.

Die Umbildung der preußischen Regierung.

Berlin, 23. Sept. Dach derVoss. Ztg." efTIärte der Vorsitzende der preußi- chen ZentrumSftaktwn P o r s ch, daß auch in Preußen nut der Weg der mittle­ren Basis unter Ausscheidung der extremen Rechten und der extremen Linken gangbar ei. Am nächsten Mittwoch werden nach aus­drücklicher ÄnverständniSerklärung Sieger- walds im Reichstag Verhandlungen über die Neubildung der preußischen Regierung tattfinden und das Zentrum werde dabei rück­haltlos auf dem Boden der Verfassung stehen. Die Umbildung der Regierung im Reich werde vermutlich nach der geglückten preußischen Re- gierungSblldung folgen. Diese Umbildung werde auch vom Reichskanzler gewünscht. Die gegen Wirth unternommenen Versuche, ihm die Verantwortlichkeit für die Annahme des Ultimatums zuzuschieben, müßten zurückgewie- en werden. Für die Annahme trage die ge- amte Zentrums Partei die Verantwortung. Sie war eine unbedingte Notwendigkeit.

Stegerwald gegen sofortigen Kanzlerwechscl.

InDer Deutsche" wendet sich Ste­gerwaldin eigener «Sache" gegen die Ar­tikel des Abgeordneten Zoos in derGer­mania"Die Verantwortung Stegerwalds". Er sagt u. a.: In den letzten 14 Tagen fanden zwischen dem Reichskanzler und mir mehrere sehr eingehende Besprechungen statt, die sich sowohl durch Freimut, wie durch Freundschaft auszeichneten. Als gestern morgen von Paris Depe schen einliefen, wonach Wirth dort als erledigt und ich als der kommende Mann hingestellt wurde, erklärte ich sowohl Herrn Wirth wie auch einigen Pressevertretern gegenüber sofort, daß Deutschland gegenwärtig einen Kanzlerwechsel aus vielen Gründen nicht vertragen könne, auch deshalb nicht, well eine Anzahl rechts­gerichteter Zeitungen den Kampf gegen Wirth zu durchsichtig führten. ES darf zu alledem, was in den letzten Wochen geschah, nicht auch noch der falsche Anschein erweckt werden, daß eine kleine Gruppe rechtsgerichteter Kreise in Deutschland die Kraft besäße, den Reichs­kanzler zu stürzen. So steht die Partie nicht. Ich kämpfe, nachdem der mehrheitssozialdemo­kratische Parteitag die hauptsächlichsten Hin­dernisse für eine 6 r e it e Mitte mit einem starken Arbeiterflügel beseitigte, für Wirth.

Kommunistenunfug in einer Versammlung des Admirals Scheer.

Berlin, 24. Sept. (Priv.-Tel.) Dlättrr- meldungen aus Mülheim a. d. Ruhr zufolgr sprach gestern abend in einer Versammlung des Vereins für das Auslandsdeutschtum A d m i r a i Scheer über .Marine und Auslandsdeutsch­tum". Der Vortrag des Admirals wurde von den Kommuni st en andauernd durch Zwischen­rufe gestört. Rach Schluß des Vortrages stimm­ten die Kommunisten die Internationale an, wäh­rend die übrigen Versammlungsteilnehmer das Deutfchlandlied sangen. Beim Verlassen des Saales kam es zu wüsten Zusammen- stoßen. Die Kommunisten, meist junge Bur­schen, stürzten mehr als 30 Mann stark, in den «Saal und schlugen mit Latten und Knüppeln wahl­los auf Frauen und Kinder ein. Es entstand eine ungeheure Panik. Schließlich setzten sich die An­gegriffenen zur Wehr, so daß die Kommu­nisten flüchten mußten. Ein junger Mann wurde schwer verletzt. Die Polizei nahm eine An­zahl Verhaftungen vor.

Eine reaktionäre Geheimorganisation?

Karlsruhe, 23. Sept. (WTD.) DerStaats- präsident Trunk sprach heute im Landtag über Geheimorganisationen im Reich. Er führte u. a ftlgendeS aus: Es handelt sich um eine große Geheimorganisation, der auch die bei­den Mörder Erzbergers angehören. Ihre Statuten besagen folgendes: Die Ziele unserer Partei ergeben sich aus der Lage: a) geistige Ziele: Pflege und Verbreitung des nationalen Gedan­kens, Bekämpfung aller antinationalen und inter­nationalen Richtungen, Bekämpfung des Zuden- tums, der Sozialdemokratie und der linksradikalen Parteien, Bekämpfung der antinationalen Wei­marer Verfassung in Wort und Schrift, Aufklä­rung weiter Kreise über die Verfassung, Prvpa- gandierung der für Deutschland allein möglichen Verfassung auf föderalistischer Grundlage; b) materielle Ziele: Sammlung von entschlossenen na­tionalen Männern zu drm Zweck, eine vollständige Revolutionierung Deutschlands zu verhindern, bei inneren älnruhen deren vollstÄrdige Niederwer­fung zu erzwingen und durch «Ansetzung einer nationalen Regierung die Wiederkehr der heuti­gen Verhältnisse unmöglich zu machen, die durch den Versailler Vertrag angestrebte Entmannung und Entwaffnung unmöglich zu machen und dem deutschen Volle die Wehrmacht soweit wie mog- lich zu erhalten.

Den Zweck der Organisation charatteristert das Statut wie folgt: Die Organisation ist eine Geheimorganisation. Eie verpflichtet die TTrTtflrtph-r, untereinander ein Schutz- und Trutz­

bündnis zu schließen, durch da- jeder Angehörige der Organisation der weitestgehenden Hllfe der anderen Mitglieder sicher sein kann. Die Mit­glieder verpflichten sich, ein Machtfaktor zu sein und geschlossen eine starke Einheil zu bilden, wenn die Not und Ehre des deutschen DalerlandeS die Erringung unserer Ziele erfordert. ZedeS Mitglied verpfllchtel sich zu unbe­dingtem Gehorsam gegenüber der Ceitung der Organisation und deren Organen (Große Be­wegung.). Weiter heißt es: Juden und über- »aupt jeder fremdrassige Mann ist von der Auf­nahme in die Organisation "ausgeschlossen. Die Mitgliedschaft erlischt: a) durch den Tod, b) durch Ausscheiden infolge unehrenhafter Handlungen, c) durch Ungehorsam gegen die Vorgesetzten, d) durch freiwilligen Austritt. Alle Leute unter b) und c) und alle Verräter verfallen der Feme. (Hört, hört.) Die DeitrittSformel lautet: Ich erkläre ehrenworllich. daß ich deutscher Ab- stamnrung bin. Ich verpflichte mich ehrenwörtlich durch Handschlag, mich den Satzungen zu unterwerfen und danach zu bandeln. Ich gelobe dem obersten Leiter der Organisation und den Vorgesetzten unbedingten Gehorsam zu leisten und über alle Angelegen­heiten der Organisation strengstes Stillschweigen zu bewahren, auch nach meinem Austritt.

Staatspräsident Trunk sagte im Landtage weiter: Einer dieser Abteilungen der Geheim- organisativn gehören Schulz und Tlllensen an. ©benfo gehören ihr Killinger und Müller an. Diese beiden sitzen in badischer llntersuchungs- haft wegen Verstoßes gegen § 139 des Reichs- strafgesehbuches (Begünstigung). Killinger ist der­jenige, der den Mörder Schulz, der am 9. Sep» temver nach München kam, abends samt Gepäck in der Wohnung abholte und wegbrachte.

Die Mörder Erzbcrgers.

«Stuttgart, 23. Sept. (Wolff.) Nach Mittellung des Vorstandes des toürttembergi» schen Landespolizeiamtes haben die württembergischen Polizeibehörden wesent­lich dazu beigettagen, um die Personen der Mörder ErzbergerS zu ermitteln. Sie wohnten vom 21. bis 26. August unter dem Namen Riese und Bergen imHirschen" zu Oppenau. Man fand dort nachttäglich einen Zettel mit Angaben, die einen Zusammenhang mit den Mördern nahelegten und auf Schultz- Hamburg verwiesen. Am 19. August hatten die Täter in Ulm, vom 14. bis 17. August un* ter ihren richtigen Namen Tillesen und «Schultz in Stuttgart gewohnt. Nach dem Morde hielten sich die Täter längere Zeit In München auf. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatten Schultz und Tillesen Mitwisser und Be­günstiger. ES handelt sich dabei um einen kleinen Kreis von Personen, die die Unter­gruppe eines Geheimbundes bilden und aus dem Milieu des Antisemitismus und des Nationalbolschewismus erwachsen sind, und bei dem frühere Angehörige der Brigade Ehrhardt beteiligt sind. Entsprechendes Ma­terial ist gefunden worden, aber keinerlei An­haltspunkte über Beziehungen der Täter zu einer politischen Partei.

Die Aussichten der Kartoffelernte.

Berlin, 23. Sept. (WTB.) In der im Reichsministerium für Ernährung und Land­wirtschaft unter dem Vorsitz von Ministerial­direktor Dr. Hoffmann abgehaltenen Be­sprechung erstatteten «Sachverständige aus landwirtschaftlichen und Handelskreisen ein­gehend Bericht über die Aussichten der diesjährigen Kartoffelernte in einzelnen Reichstellen. Aus diesen Berichten, die im wesentlichen mit den Feststellungen der Kartoffelbaugesellschaft übereinstimmen. ergab /ich, daß, verglichen mit den drei letzten Jahren, die diesjährige Ernte etwa 8 0 Pro - zeöt des Durchschnitts dieser Zähre bettägt. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß, da die Ernte noch nicht abgeschlossen ist, son- dem erst begonnen hat, diese Schätzung eher eine zu niedrige sein dürfte und das End­ergebnis llch voraussichtlich noch günstiger ge­stalten wird. Die Ernte gibt daher zu Besorg­nissen keine Veranlassung, zumal auch zu be­rücksichtigen ist, daß nach Oeffnung der Gren­zen die Kartoffel im Leben der Bevöllerung nicht die gleiche Rolle spielt wie während der Kriegszeit und der Bedarf, wie die Erfahrun­gen des Vorjahres zeigen, bereits erheblich zurückgegangen ist. Hinsichtlich der Preise wurde betont, daß die öffentlichen Notierun­gen, die zur Zeit zwischen 45 und 50 Mk. schwanken, der Marktlage. entsprechend sind. Nach den bisherigen Erfahrungen kann nur dringend davor gewarnt werden, 7xrß von den Großkonsumenten, insbesondere den industriel­len Werken, Kartoffeln angekauft und hier­durch die Preise in die Höhe getrieben wer­den. Eine Gesundung kann nur bann ein- tteten, wenn man allgemein zu den Friedens­gewohnheiten zurückkehrt und den «Sachverstän­digen im Handel das Einkäufen der Kar­toffeln überläßt. Auch in diesem keineswegs leichten Geschäft können ungeschickte Hanoe mehr verderben als nützen.