Ausgabe 
24.8.1921
 
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iaL. Qkrftfcfen baren *ßalgatien, China, Finnland, DÄnkreich, Griechenland, Polen, ^tumänien, die Schweiz, die Tschschv-Skvwakei und Jugoslawien. -3um Präsidenten Wunde Ivwanowitsch, der jugo­slawische Gesandte in Berlin, zum Vizepräsidenten Selaquis (Schweiz) gewählt. Die Delegierten leg- len die Klagen der Flüchtlinge dar. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, die es als unerläßlich erklärt, genaue Informationen über die Zahl und berufliche Eignung der Flüchtlinge zu erlangen. Gs wurde der Wunsch ausgesprochen, daS internationale Arbeitsamt möge bei den ver­schiedenen nationalen Verwaltungen oder Orga- Rationen der Flüchtlinge derartige genaue An­gaben einholen, welche eine Einteilung der Flücht- ange nach ihrem Beruf behufs späterer Verwen­dung ermöglichen.

Die griechischen Friedens- . bedingungen.

Athen, 23. 2Iug. Hävas. Auf eine An­frage bezüglich der vomDailh Telegraph" ver­öffentlichten Rachricht, daß die alliierten Regie­rungen bei der griechischen Regierung einen Schritt unternommen hatten, um die Absichten Griechen­lands bezüglich der Friedensbedingun- gen zu erfahren, erklärte Gunaris, daß er diese Rachricht weder bestätigen noch dementieren wolle. Aichtsdestoweniger werde Griechenland den Krieg weiterführen bis zur völligen Verwirklichung der erstrebten Ziele. Die Friedensforderungen Grie­chenlands seien gemäßigt, jedoch den neuen Opfern, die dem Lande auferlegt worden feien, angemessen. Griechenland würde vor allen Dingen eine Grenzlinie verlangen, die ihm volle Ver­teidigung zu Lande sichern würde.

Eine Schwindelmeldung«

Paris, 24. Aug. (WTB.) Laut einer Ha- dasmeldung aus Achen wird die von einem Schweizer Blatte verbreitete Rachricht, daß der frühere deutsche Kaiser anläßlich des Sieges der griechischen Armee in Kleinasien einen Glückwunschbrief an König Konstan­tin gerichtet habe, amtlich für vollständig unwahr ferflärt.

Die Kämpfe in Marokko.

Paris, 23. Aug. (WTB.) Rach einer Mel­dung desParis Midi" griffen die Mauren das Lager von Sokohat an. Rach heftigem Kampfe schlugen die Spanier die Mauren zurück, die ernste Verluste erlitten. Die spanische Artil­lerie brachte die Geschütze des Feindes zum Schweigen.

Aus dem Reiche.

Die Einberufung des Reichstag-.

Berlin, 23. Aug. (Wolff, i Der Reichs­tag ermächtigte in seiner letzten Sitzung vom Z. Zuli den Präsidmrten, die nächste Plenar­sitzung auf den 6. September anzuberaumen, für den Fall, daß bis dahin die Beratung der Steuer- gesetze in allen vorbereitenden Instanzen erfolgt sei. Da die Steuergefetze den hierzu be­rufenen Körperschaften zur Zeit noch zur Be­ratung vorliegen und da die oberfchlefifche Frage, auf deren Entscheidung man noch im l August gerechnet hatte, durch den Obersten Rat vertagt wurde, so hat der Reichstagspräsident f nach Fühlungnahme mit den Fraktionen und der Reichsregierung die Einberufung des Reichstags * aufgefchoben. Als Termin des Zufammen- tritts ist nunmehr der 2Z. September vor­gesehen.

Eine dentschnationale Anfrage an die Reichsregierung.

Berlin, 23. Aug. (Priv.-Tel.) Rach einer Meldung desD. T." aus Braunschweig haben wegen der Entlassung von 54 Beamten der Brauns chweiger Schutzpolizei, die demStahlhelm" angehörten, die deutsch- nationalen Abgeordneten Westarp und S) er gt an die Reichsregierung die Anfrage gerichtet, was sie gegen die willkürliche und ungefetzliche Ent­lassung der Schuhpolizeibeamten durch die Braun­schweiger Regierung zu tun gedenke.

Die Polizeistunde in Preußen.

Berlin, 23. Aug. (WTB.) Der preußische Minister des Innern, Dominicus, richtete an den Rc-g'erung'Präsidenten und Pol zripräsidenten von Berlin einen Erlaß, wonach dieP o l i z e i st u n de nach folgenden Grundsätzen festzusehen ist: [.Ver­gnügungsparks, sogenannte Rummelplätze, sind mit Einbruch der Dunkelheit zu schließen. Es bleibt den Ortspolizeibehörden jedoch überlassen, eine Verlängerung bis halb elf älhr eintreten zu lassen. 2. Für Theatervorstellungen und Licht­spielvorführungen ist die Polizeistunde spätestens

auf halb zwölf Uhr sestzusehen. 3. Cafes. Gast-, Speise- und Schankwirtschaften sind spätestens um zwölf Albr, Samstags um 1 Llhr, zu schließen. Die Ortspolizeibehörden in größeren Städten und Badeorten sind berechtigt, bei nachgewiesenem dringendem Bedürfnisse die Polizeistunde auch für die übrigen Tage bis 1 Uhr auszudehnen. 3n be­sonders gearteten Einzelfällen, beispielsweise für Wohltäligkeitsveranstaltungen, können Ausnah­men jedoch keinenfalls über zwei Hbr hinaus ge­stattet werden. Die Reuregelung soll mit dem 1. September in Kraft treten. Das preußische Mi­nisterium des Innern wandte sich in einem Rund­schreiben an die Länder mit der Bitte, in Sinne der Aussprache im Reichsrat auf eine möglichst einheitliche Ausgestaltung der Polizeistunde durch sämtliche Länder hinwirken zu wollen.

Die Milchdersorgung im Industriegebiet.

D o ch u m, 23. Aug. (WTB.) Heute fand eine Tagung des Meiereiverbandes für West­falen und Lippe mit den Milchhändlergenos- senschasten für Rheinland-Westfalen in der Milchversorgung statt. Die Oberprasi- denten von Rheinland und Westfalen und die Landwirtschaftskammer in Münster entsandten Vertreter. Die Versammlung war darin einig, daß alle Kriegsmaßnahmen besei­tigt werden müßten und daß die Frage der guten Versorgung der Städte mit Milch in erster Linie durch eine straffe Organisation aller an der Milchwirtschaft beteiligten Kreise zu losen sei.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 24. Aug. 1921.

Die Bewältigung des Herbstgüterverkehrs.

Zur reibungslosen Bewältigung des Herbst­güterverkehrs verbreitet die Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M. eine Reihe von Leitsätzen, denen wir folgendes entnehmen:

Die gesteigerten Anforderungen des Heri>st- verkehrs an die Eisenbahnverwaltung machen sich bereits geltend. Der durch die Erfüllung des Friedensvertrages aufs äußerste geschwächte Wagenpark reicht im Herbst nicht aus, um allen Anforderungen sofort entsprechen zu können. Be­deckte Wagen müssen an andere, stärker notleidende Bezirke zum Versand von Getreide, Mehl, Kar­toffeln, Obst, Rüben und sonstigen Lebensrnitteln abgegeben werden. Dies führt zu Ausfällen im eigenen Bezirk. Gleiche Verhältnisse bei offenen Wagen durch Teildeckungen infolge Abgabe der leeren Wagen nach dem Ruhrbezirk. Deshalb die Eisenbahnverwaltung nicht sofort mit tele­graphischen und schriftlichen Beschwerden über­schwemmen. Die Eifenbahndirektton kennt die An­forderungen und die Rot aller Betriebe aus jahrelanger Erfahrung, muh aber allen An­sprüchen durch möglichst gerechten Ausgleich zu genügen suchen.

Folgendes sei beachtet:

Schnelle und fristgemäße De- und Enttadung der Eisenbahnwagen. Gabetolonnen verstärken. Doppelschichten einlegen. Größere Mengen von Massengütern, wie Kohlen, Koks, Erze ufw. in Anschlußwerken auch nachts entläben. Wagen­standgeld und Lagergebühren können zu Zeiten der Verkehrs- und Wagennot grundsätzlich nicht erstattet werden!

Stückgüter den Transportanforderungen ent­sprechend ausreichend und gut verpacken und deut­lich, zweifelsfrei und in ilebereinftimmung mit den Angaben im Frachtbrief bezeichnen, alte An­schriften vorher entfernen. Bei Stücken, Körben und ähnlichen Verpackungen Signierfahnen mit Metallösen verwenden und mit geglühtem Draht befestigen. Abschrift der Dezettelung auch unter die Verpackung einlegen (Rotadresse).

Auflieferung größerer Mengen möglichst in den frühen Morgenstunden, sonst im Laufe des Vormittags, weil gegen Annahmeschluß Gedränge, Zeitverlust, hastige Austieserung und damit Ge­fährdung der sicheren Beförderung.

Sendungen nach einem Platz möglichst in größeren Mengen, nötigenfalls noch sammeln, gleichzeitig aufliefern. Dadurch Vorteil der zu­sammengefaßten .und schnellen Beförderung in ge­schlossenen Wagen. Auch richtungsweise Auflie­ferung bietet solche Vorteile.

Beachtung der Aus- und Cinfuhrvorschriften bei Sendungen nachdem Ausland und dem Rhein­zollgebiet. Bei Mängeln erhebliche Beförderungs- Verzögerungen infolge der Rückfragen und nach­ttäglichen Erteilung der Vorschriften. Die Ver­stopfung der Zoll- und Vorbahnhofe und Güter­böden ist zum erheblichen Teil auf solche Mängel zurückzuführen.

Wettervoraussage

für D vnners tag:

Heiter, trocken, tags etwas wärmer, nachts kühl. Winde aus nördlichen Richtungen. Das südeuropäische Ties hat sich noch mehr verflacht. Von Westen folgt hoher Druck, der unsere Wetterlage beernfhiffen wird.

" Ein verräterisches Zeichen. Schon gar oft ist an reiselustige Leute die Warnung er­gangen, sie sollen beim Verlassen ihrer Wohnung nicht die Rolläden herablassen, weil das die besten Fingerzeige für die Diebeszunft seien. Immer wieder ergibt sich aus Gerichtsverhand­lungen. daß diese Mahnung nicht befolgt wird, und daß man den Einbrechern nach wie vor ein sicheres Merkmal gewährt, wo sie ungestört ar­beiten können. In einem kürzlich verhandelten Fall kam aber auch zur Sprache, daß sich ein Ein­brecher danach richtete, daß der Briefkasten der betreffenden Herrschaften mit Zeitungen vollgepfropft war und daß das ein un­trügliches Zeichen für die Abwesenheit der Woh­nungsinhaber bildete. Man wird also gut tun, wenn man auf Reisen geht, auch die Leerung des Briefkastens besorgen zu lassen.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Astoria-Lichtspiele, Seltersweg »Das Geheimnis der Spielhöllen von Sebastopvl" undIm Rausche der Milliarden". - Lichtspielhaus. Bahnhofstr., Der Erpreffertrick" undLeben und Lüge".

Aus dem Stadttheaterbureau. Zur Feier von Goethes Geburtstag bringt das Stadttheater am kommenden Samstag die beiden Lustspiele GoethesDer Bürgergeneral" undDie Mitschuldigen" forgfältigft ein­studiert zur einmaligen Aufführung. - Der Kar­tenverkauf beginnt am Donnerstag. Vorbestel­lungen an der Kasse erbeten.

Die erste Herbst-Ruderregatta des Lahn-Regatta-Verbandes, veranstaltet vom Verein Rudersport Gießen 1913 e. V. auf der Lahn zu Gießen findet Sonntag den 28. August, nachmittags 3 Ubr statt. Siehe Anzeigenteil.

Die Stenographen-Gesell- schäft Babelsberger und Samenabteilung e. V. eröffnet am 6. September einen neuen An- fängerfurfu» in der Gabelsbergerschen Stenogra­phie. Im Hinblick auf die Wichtigkeit der Steno­graphie im Handel in der Industrie und bei Behörden kann die Erlernung der Kurzschrift nur warm empfohlen werden. Räheres siehe Anzeige.

_ Der Evangelische Arbeiterver­ein häll am Sonntag im großen Gerstensaale der früheren Vnion-Brauerei seine diesjährige grö­ßere Svmmerveranstaltung in Form eines Fa­milientags ab. Rach den getroffenen Vorberei­tungen steht den Besuchern auch 'diesmal ein genußreicher Rachmittag bevor.

Kreis Lauterbach.

z. Grebenhain, 22. Aug. Gestern mittag fuhren mehrere Wagen einer vielköpfigen Zigeu­nerbande durch den Ort, in der Richtung nach Gedern zu. Da die Weiber im Dorf umhergingen und bettelten, nahm die Gendarmerie die Verfol­gung auf und (teilte die Bande bei Hartmanns- Hain. Einer der Zigeuner, der mit einem Zagd- gewehr ausgerüstet war, warf es weg und floh, ie anderen gaben noch acht Schüsse ab, ob es Schreckschüsse oder Freudenschüsse gewesen sind, wie die Zigeuner behaupten, da sie eine Hochzeit ge­feiert haben wollen, wird die Untersuchung lehren. Da sich die männlichen Personen bei der Durch­suchung der Wagen widersetzten, wurden drei von ihnen verhaftet und heute dem Amtsgericht Herb­stein zugeführt. Die Bande treibt sich schon das ganze Hahr in unserem Kreise an den preußischen Grenzwaldungen herum ohne jede Beschäftigung.

Kreis Schotten.

Laubach, 22. Aug. An Stelle des wegen Erkrankung beurlaubten Oberlehrers Frank ist As­sessor Gans am hiesigen Gymnasium verwandt worden. Assessor Fucks, der bisher nur eine zwei- brittel Stelle innehatte, erhielt nunmehr eine volle Lehrerstelle.

spd. Aus dem Vogelsberg, 22. Aug. Als ein Opfer des Weltkrieges kann die jetzt lang­sam ersterbende Kanarienvogelzucht im vorderen Vogelsberg angesprochen werden. Groß­händler kauften die Vogel auf und versandten sie in großen Mengen in das Ausland. Diese Ausfuhr hat jetzt aufgehört. Außerdem sind Samen und Eier als Futter für junge und alte Tiere zur Aufzucht derart teuer geworden, daß sich der ganze Betrieb kaum noch lohnt.

Starkenburg und Rheinhessen.

rrn. Bischofsheim, 23. Aug. Die Dürgermei st erwähl in Bischofsheim ergab am Sonntag für den bürgerlichen Kan­

didaten Fischer 1340. für den SoziaZDemv« traten Hary 1311 Stimmen. Fischer ist so­nach mit 29 Stimmen Mehrheit gewählt. Der Wahlkampf war scharf.

Hessen-Nassau.

Für 428 000 Mk. Eteuerbanderolen gestoUen.

fd. Fra nkf u rt a. M. 23. Aua. Sie Kri­minalpolizei kam im (Sügüterbahr.bot riesiges Diebstählen auf die Spur. Ser Ladef chafsner LichtiNg Hagen entwendete aus einer Sendung der Reichsdruckerei .für 428 000 Mark Steuerbande­rolen. die von mehreren Hehlern in den HandÄ gebracht wurden. Ser weitaus größte Sei ds Banderolen konnte wieder herbeigeschafft werden. In die Angelegenheit sind bis jetzt 15 Eisenbabn- beamte verwickelt, die verhaftet wurden.

mc. 5 r a n l f u r t a. M., 23. Aua. Augen- blicklich hält sich in Bad Homburg der Ma­haradscha von Iind in Indien mit fei­nem Hofstaat und Töchtern auf, um dort die Quellen zu benutzen. Der edle Herr, der erste indische Fürst, der Deutschland nach dem Kriege aufsucht und außerordentlich große Shmpachien für unsere Heimat hat, ist von 32 Personen begleitet, also ein recht stattliches Gefolge, darunter vier Aerzten. Jetzt hat man es sogar noch für nötig befunden, zwei wettere Schweizer Aerzte zu engagieren, die ein Mo­natseinkommen vonnur" 30 000 Franken haben. Der Maharadscha scheint überhaupt über ungezählte Millionen zu verfügen, was übrigens auch kein Wunder ist, wenn man be­denkt, daß die indische Rupie nach heutiger Kurs ungefähr 50 deutsche Reichsmark aus- macht.

mc. grantfurtn. M., 23. Aug. Sic Dank« beamtenfdxrft hat bisher freiwillig ohne Be­zahlung 'üeberftunben gemacht, ober sich, so­weit die Mehrarbeit bezahlt wurde, mit einem ganz geringen Sah begnügt. Ser Forderung der besseren Bezahlung der ileberftunben gegenüber verhielten sich die Banken ablehnend. Gestern hat nun eine stark besuchte Dankbeamtenversamrn- lung beschlossen, die Leistung aller Leber stunden- arbeit mit sofortiger Wirkung abzulehnen und die Betriebsräte aller Banken beauftragt, sofort bei den Sireltionen vorstellig zu werden, um eine angemessene Bezahlung durchzufetzen

fd. Oberscheld, 23. Qhig. Der Bürger­meister Heuser stürzte beim Pflaumenpflücken von einem Baum ab und erlitt eine Gehirn­erschütterung, der er nach kurzer Zeit erlag.

Die Regnnentsseier ehem. 168er in Butzbach.

Butzbach, 23. August-

Am Samstag und Sonntag sand in Butzbach, der ehemaligen Garnison des 1. Bataillon- Inf.- Regts. 168, eine größere kameradschaftliche Zu­sammenkunft statt. Am Samstag kamen schon viele Teilnehmer nach Butzbach. Die Stadt prangte in vollem Flaggenschmuck. Abends trafen sich die Gäste in der Festhalle, da sich daS vorgesehene RestaurantGambrinus" als zu klein erwiesen hatte. Es waren schon am Samstag bald doppelt soviel Teilnehmer erschienen, wie man erwartet hatte

Am Sonntag früh weckte ein Seil der Musik, dann versammelten sich alle in ihren Kompagnie- Lokalen und im Zuge gings zum Friedhof, um dort der Gefallenen zu gedenken. Pfarrer L o h - Butzbach hielt die Gedenttede. Von dem Friedhof aus marschierten die Tellnehmer »um Marktplatz, wo Herr Link, der Vorsitzende der Ortsgruppe Butzbach, den Gruß entbot. Hieraus ergriff der ehemalige alte Feldzugskommandeur des Regi­ments, Oberst v. Pfeil, das Wort, gedachte gleichfalls nochmals der gefallenen Helden und stellte die Taten des Regiments in eingehender Schilderung vor aller Au:en DaS LiedO Deutsch­land hoch in Ehren" wurde gelungen. Bürger­meister Kohler- Butzbach sowie der Vorsitzende der KriegerkameradschaftHassia" begrüßten alle Gäste und gaben ihrer Freude Ausdruck. Mit frischem Tritt ging es unter den Klängen der al­ten Militärmärsche durch die Sttaßen Butzbach-, überall von den Einwohnern auf das herzlichste begrüßt. Rach dem gemeinsamen Esten strömte alles zur Festhalle hinaus. Durch die große An­zahl von Kameraden erwies sich leider der Raum etvxrs Nein, doch wurde dem mit Humor und heiterem Sinne Rechnung getragen. RachmittagS ergriff Herr Dle11ner - Offenbach das Wort und hieß auch hier nochmals alle willkommen und dankte auch der Stadt Butzbach für ihr im»

Dantes Persönlichkeit.

Dantes Größe beruht nicht zum geringen Teil darauf, daß er der erste Mensch war, der es nach dem Riedergang der antiken Kultur wieder wagte, seine Persönlichkeit in die Mitte einer Dichtung zu stellen. So ist Santo nachzehn schweigenden dunklen Iahrhunderten" wieder die erste Helle Stimme, die mit Herzenswärme zu uns spricht, der erste IndividuÄist, und deshalb hat man ihn, dessen Werk die Krönung des mittel­alterlichen GedankenbaueS darstellt, mit einem ge­wissen Recht den ersten Renaissancemenschen ge­nannt. So wie Santes Anllih unS unter all den ttzpifchen Gesichtem der damaligen Kunst zum erstenmal wieder das Spiegelbild genialer Eigen­art offenbart, so tritt aus seinen Sichtungen dem schärfer Blickenden seine Persönlichkeit deullich entgegen toenn er auch in seiner ..Göttlichen Ko­mödie" die innere Erlösungsgeschichte des Men­schen schlechthin barfteltt. In einem außerordent­lich llaren, die schwierigen Probleme der Sante- Fvrschung geschickt behandelnden Buch stellt Sr. Helmut HatzfeldDantes Weltanschauung" (Röst u. Eie.. München) dar und hat dabei auch die einzelnen. Züge seines Eharakterbildes vortrefflich herausgearbeitet. Ein Grundelement seines We­send war seine konservative Geistesrichtung, die den Geist seiner Zeit auf dem politischen wie auf sittlichem Gebiet ablehnte Gegen Betrug und Wucher, der damals so zügellos herrschte wie heut, schleudert der Dichter seine vernichtenden Anllagen und preist jene Zeiten,wo sicher waren Stadtbuch und Gericht". Mit dieser kon'ervaotiven Gesinnung hängt eine andere seiner r.niiehmsten Eigenschaften zusammen, die Ehrfurcht vor der Autorität. Wenn er in derHölle" neben seinem Lehrer Brunetto Lattni ein Stück Weges daher- schreitet, fo bemerkt er ausdrücklich dazuIch büdte mich im Schreiten, wie Leute tun, die ehrerbietig gehn". Auch bei feinem Zusammen-

treffen mit Papst Hadrian V. vergißt er nicht, fein Knie zu beugen, und die päpstliche Würde durchehrerbietige Gebärde" zu achten. Sie Ehr­erbietung, die er gegen seine Herrin Beatrice an den Tag fegt, ist letzten Endes in einer pietät­vollen Anhänglichkeit begründet, die wir überall in seinem Wesen finden. Rach seinen eigenen Worten lebt ihmdas teure, gute, väterliche Bild" seines Lehrers Brunetto Litini im Herzen. Reid ist Dante ein verhaßtes Laster, der Inbegriff und die Verkörperung alles Dösen aber bedeutet für ihn, wie er in seiner lateinischen Bekenntnis­schriftDas Gastrnahl" sagt, der vermaledÄte Geizhals, der nicht bemerkt, daß er verlangt, immer zu verlangen, indem er danach strebt, eine unmögliche Summe zu gewinnen".

Eine der hervorragendsten Eigenschaften Dan­tes ist seine Rächstenliebe, die Antellnahme am Geschick seiner Mitmenschen, sein Mitteid. Kaum hat er beim Betteten derHölle" dasGestöhn und Weh und Heulen" der Verdammten ver­nommen, da beginnt er vor Mitgefühl zu weinen. Und als er erkennt, daß auch die hervorragendsten Heiden in der Vorhölle schmachten müssen, da meint er:Schwer wird ums Herz mir, diese zu betrachten". Dem Florentiner Rusticucci und seinen Leidensgenossen ruft er zu:Um Euret­willen fühl' ich "im Innern solches Herzeleid, daß lang es währen wird, den Schmerz zu stillen". Als er die Wahrsager mit umgedrehten Köpfen sieht, da kann er ob der Entstellung der mensch­lichen Gestalt seine Tränen nicht zurückhalten, und bei der entsetzlichen Geschichte vom Hunger­tode Dgelinos meint er. der müsse ein steinernes Herz haben, der da nicht weine. An einer Stelle des Fegefeuers sagt er er könne nicht glauben, daß auf §rden Menschen gehen, fo grausam, daß sie sich nicht rühren ließen zu Millew. wenn sie sähen, was er selbst gesehen" Diesen Zügen in Dantes Charakter steht aber ein starkes Selbst- bewutztsein gegenüber, wie es der typische mittel­

alterliche Mensch nicht besah. Unerhört kühn für seine Zeit ist die Prophezeiung, die er seinen großen Lehrer über sich auSsprech en läßt:Glor­reicher Hafen kann dir nicht entgehen, wenn du folgst dem eigenen Sterne" undSir wird das Schicksal Ruhm so reichlich messen daß jede Seite nach dir hungrig ist". Sante erkennt selbst das Uebermah dieses seines Selbstverttauens und fürchtet daher, daß er den Stolz, den Grundzug seiner Ratur, im Fegefeuer werde büßen müssen. Sieter Stolz verleitet ihn dazu, den Ruhm für das Höchste zu halten, ohne den nur solche Spur vom Menschern auf Erden zurückbleibtwie von dem Schaum im Dach, vom Rauch im Winde". Sein schönster Traum in der Verbannung bleibt die Hoffnung aus eine triumphierende Rückkehr nach der Vaterstadt Florenz,um den Lorbeer als Sichter zu empfangen am Stein, wo mich der Vater taufen lieh". Sieses stolze Selbstbe- wuhtsein trennt Sante vom Mittelalter und macht ihn zum ersten Menschen der Renaissance. Aber sein Selbstgefühl ist nicht so groß, dah er wagen würde, wie es die späteren Vorkämpfer einer neuen Weltanschauung taten, den Schleier von den letzten Geheimnissen lüften zu wollen Wohl hat auch ihn der Sämon des Zweifelns angefallen, aber er hat ihn niedergerungen, und das Ergebnis seiner ZweifelSkämpse war ein um so stärkerer Glaube. Deshalb kann er imParadies" mit Recht von sich sagen:Kein Sohn der Kirche, der auf Erden schreitet, hofft mehr denn er.

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Die Passionsspiele erlaubt.

fd. Frankfurt a. M. 23. Aug Ser Re­gierungspräsident hat nunmehr die aus Anlaß des Katholikentages geplanten Aufführungen von Passionsspielen genehmigt. Sie städtische Rachrichtenstelle führt zur Begründung der an­fänglich vom Maaistrat verweigerten Aufführung der Spiele folgendes an: Sie Stellungnahme des

Magistrats erfolgte mlf Grund des Gutachtens eines Kunstsachverständigen, das unter Würdi­gung der obwaltenden ttmstände das Dedürfnis für diese Passionsaufführungen verneinte, um fv mehr alS eine große PafsionSaufführung im hie­sigen Schauspielhaus vorbereitet wird und dieses Vorhaben durch die von auswärttger Seite beab­sichtigten Aufführungen gefährdet werden könnte. Ser Magistrat hat sich aljo bei feinen Erwägungen über die Erlaubniscrieilung für das Passivnsspiel lediglich von fiskalischen Intereffen leiten lassen. Auch ein Standpunkt. *

rm. Sarmstadt. 22. Aug. Oberregisieur Sr. W. Harnisch vom LandeStheater wurde an das Stadttheater in Minden i. W. berufen. Bruno Harprecht hat das von ihm mit gutem Erfolg geleitete Svmmertheater mit einem durchschlagenden Abschiedsabend geschlossen und wird nunmehr seine neue Stellung am Ham­burger Stadttheater und der Leitung Sr. Sgerä antreten, der si-n seiner Zeit auch nach Darmstadt berufen hat.

Seutsche Kunst. In den ersten Tagen des September soll in Gießen eine Ortsgruppe der GenoffenschaftSeutsche Kunst" ins Leben ge­rufen werden. Es handelt sich hierbei um ein rein soziales Unternehmen, eine Wohlfahrts Verkaufs- Organisation, die es sich zur Aufgabe macht, nur gute Originalkunstwerke zu günstigen Preisen zr verkaufen und notleidende begabte Künstler aus den lleb erschössen zu unterstützen. Ser AuffichtSral der Genossenschaft seht sich aus einer Reihe be­kannter Künstler zusammen, die eine Gewähr da­für bieten, daß nur gute Kunstwerke veräußert werden. Sie Genossenschaft finanziert sich auS privaten Mttteln; jeder kann Mitglied der Gesell­schaft werden. Ser kleinste Anteil beträgt 200 Mk-