Ausgabe 
24.5.1921
 
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Arrs Ktadt uns Land.

Gießen, den 24. Mar 1921.

Deutschnationale Kundgebung aus dem Gleiberg.

Man schreibt unS:

Zu einer machtvollen fontbgefcung für den naturralen Gedanken gestaldrie sich am letzten Sonntag die Zuammenkunft der de u l s ch n a t i o- na len Ortsgruppen Gießen und Wetzlar auf dem Gl?ib?rg Wohl an 400 Pi onen, darunter auch Parteifreunde a lS den 92afibarorten, hakten sich dort eingefunden, denen Seminarbireftor Groth- Wetzlar einen herzlichen Willkommen­gruß entbot. Er verglich den heutigen Zustand des Deutschen Reiche- m't der jetzt in Trümmern liegenden, einst so stolzm Bergfeste. Ober-Post- insvektor Kvhlhase-Meßen sprach sei eFreude über die zahlreiche Beteiligung be'anders seitens der grauen und Zdmgf anm. aus Deutsch und na^ionr'L solle die Lritrng für bi.1 hauttge Tagung sein. Prof Dr. W e rn e r - B'tzdach, schon bei feinem Erschernen stürm ich ('eq-ü'l, wies oatxruf hin. daß vom deutschen Rnchsschiff di? Notflagge >: >he. ^frin werde al-er feite Hilfe zii'etl. Bis heute hätten die Lenker deS Reichsschiffes noch nicht aewagt, den Gegenbeweis ba'ür anzutreten, daß wir Deutsche am Ausbruch' des .Krieges nicht schuld gewesen seien. Leider fehle im deutschen Volke noch vielfach dar G?fühl für nationale Würde tote sie bei unseren Gegnern vorhanden sei. Erst toeren sich unsere Feinde gegenseitig die Schädel einschlügen, könnten wir hoffen, aus dem Zusammenbruch wieder herauszu­kommen. Unsere Hoffnungen beruhten auf der ftugenb, die heute überall im deutschen Land? Zeugnis ihrer nationalen Gesinnung ablege. Ein Gedanke müsse sieghaft über die deutsch? Erde leuchfen: Bekenne dich zu deinem Volke, hier ist dein angestammter Platz. Jn^ernationalis- mus und Sozialdemokratie seien im Absterben, be-> griffen, mächtig empor aber steige der völkische und nationale Gedanke. Wir dürften nicht den Glauben an die Zukunft verlieren. Es werde mich rrrteber einmal nach oben gehen. Unser tiefstes Mitgefühl gölte den deutschm Brüdern in Ober­schlesien. Aufs freudigste sei es aber zu begrüßen, bati "bon den Tivober Bergen der Ruf erschalle: Wir wollm wieder zurück zum Vaterlande. Bis- marck-Geift müsse uns erfüllen. Roch lange nicht H Deutschland am Ende der Prüfirngszeit. Das deutsche Volk werde aber einmal wreder anfge- rufen werden zum Kampfe um seine Eristenz. Darum müsse es eine nationale und völkische Ein­heit bilden. Wenn jeder Deutsche hierin feine Pflicht tue, dann werde auch die Zeit kommen, wo wir wieder im freien Vaterlande leben könnten. Mächtig brauste das Lied:Deutschland über alles" durch die weiten Räume der Burg. Musi­kalisch» und gesangliche Darbietungen verschönten die Veranstaltung.

Liederabend von Therese Kübel.

Der vorgestrige Nachmittag bot uns in der neuen Aula einen künstlerisch reichen Genuß. Unsere junge Konzertsängerin Fräulein The'-eie Kübel, brachte unS eine Reihe edelster Komposi­tionen der GesangSliteratur zu Gehör. Eine reine, sympathische, hell timbrierte Sopranstimme mit emer durch feine Schulung weichen, schmiegsamen Tonbildung paart sich mit vorzügliche Vortrag, guter Aussprache und vorteilhaftem. dem Konzert- t saal ganz an gepaßten Mienenspiel Eine aniänglich kleine Befangenheit, die den Tonan'atz etwas beein­trächtigte, verlor sich jedoch bald. Das Programm, das mit Liebe ziisammengestellt war, führte uns vom großen Beethoven über Schubert und Reger zu Beethovens größtem Nachfolger Brahms. Der Höhepunkt deS Abends war SchubertsGretcl-en am Svinnrad", das die Künstlerin mit tiefer Ver­innerlichung wiedergab, das sinnigeDu meines Herzens Krönelein" von Reger und das Brabms- sche leidenschastdurchwebteVon ewiger Liebe", worin sich die sonst nicht gerade sehr große Stimme vi einer prächtigen, vollen Klwtgstärke eutsaltcte. Den Beethovaischen seelenvollen Tondichtungen, von denen ich als bestgelungenDas Glück der Freundschaft" hervorheben möchte, standen die schlichten, feinsinnigen Kinderweisen des sonst so herben Max Reger g^g?nüber Und ans der B-adms- schen Liedersolge sang Fräulein Kübel außer dem schon genanntenVon ewiger Liebe" nochAm Sonntagmorgen" mit durchdachtem Vortrag.

Das leider nicht zahlreiche Publikum lauschte mit Interesse, daS sich bis zu begeistertem Beifall steigerte und eine Zugabe verlangte:Zerstörtes Glück", ein kleines, anspruchsloses Liedchen, ober em e(fiter Schubert.

Dir Begleitung wurde von Eberhard Delp auS Darmstadt in äußerst feinfühlender und durch­dachter W'ise ausgeführt. S'ine perlende Technik, weicher Anschlag und Anpassungsvermögen macbm chn zu einem nicht leicht zu übertmfcnben 'Be­gleiter und zrngen von einer planistischen künst- lenschen Durchbildung. Qjg.

y-f ffrvtlDl-nuÖlrtne fürMittwoch.

Vorwiegend wolkig und trocken, warm, östliche Winde.

Ein Hochdruckrücken liegt über Sfanbi* natiien und den britischen Inseln und bewegt

Eichener Thealerverein.

Cosi fan tutte.

Komische Oper von Mozart.

Kr. Gießen, 24. Mai 1921.

Die Wiederholung von Mozarts entzückendem Rokokospiel fand gestern abend unter gleich aün- fttgen Umständen wie die Erstaufführung statt, lecher vor nicht ganz ausverkau tem Hause. Mag fein, daß Mozart- heiter abgeklärte Melodien aur manchen Gießener nicht die An-,iehungskra t aus- uben wie Wajmers ober Verdis oder d'Älbcrts nervrnreizende Ptuiik. Möglich Mich, daß mancher gedacht hat: es aibt^doch keine Karte, also bemühst du dich gar nicht. Sicher ist jcd.m'allS. daß, wer ^>Li^n-roar ,U1£ kincn großen Genuß gekommen ist. Worin er bestand, daS habm wir hier für du? "tai* Auf'üdrung schon MiSrührl-ch barg-'egt und dürfen uns nicht wiederholen. Aber einiges ist da was sich zu unterstreichen lohnt Da rotvcn zu­nächst die farbenfrohen Bühnenbilder, deren stil­gerechter Aufbau den streng bemejenen Raum bot, auf dem sich daS locker tand'lnd:. doch s-in verhaltene Spiel der Po zellan ifuren 6eroeae-i konnte. Ta waren di'se Figuren selbst, vor al em der plastisch wirkend« Philosoph, der mit gutem .Fug von sich sagen durfte: non sono ca t-vo comico ick bin teilt sch echter Komiker, imh nebe i ihm das lose Kammerkätzchen, in ihrer Art auch eine P> r'c» sovhin, für deren über ihre jungen Jih.-e hinaus geschärften LebaiSwitz eS feitite.'rt, daß das Stück eigentlich Cosi fan tutti heißen müsse. Ta waren

sich in nordöstlicher Richtung. Im Süden liegt eine Depression, unter deren Einfluß bei dÖk ltchen Winden leichte Ntederschläge aurnreten können.

*

L- U. Bon der Landesuniversi- t ä t. Der außerordentliche Professor bei der philosophischen Fakultät der Landesuniversi­tät, Dr. Hermann Graßmann, wurde zum außeretatsmäßigen, ordentlichen Professor an der hiesigen Landesuniversität ernannt, eben­so der ordentliche Honorarprofessor bei der philosophischen Fakultät der Landesuniversi- tät, Geheimer Hofrat Dr. Karl Fromme zum außeretatsmäßigen ordentlichen Profes­sor der Landesunioerfität.

** lieber Farben und Farbenwech­sel in der Pflanzenwelt sprach Pros- Küster geilem a end aus Anlaß de- 214. Ge­burtstags LinnZs. Er trat in kurzen Gebeni- toorten dafür ein, daß Lurnd den Vorwurf der Trockenheit und Pedaulene, den t jm sein System eingetragen habe, durchaus nicht bercttnc. T'.m guofec Gelehrte habe in Dorträgen und Rersebe- schreibungen eine bedeutende, fiere Liebe zu bei oie Erbe schnürenden Pflanzen bekundet. Im weiteren enthüllte Pros. Küster efutge Geheim­nisse aus dem Farbenfoben verschedes er Blumen. Physikalische icu> chemi cbe llrlad.en des Furben- wecksÄs zeigte er in Tilü und Beriuch, ließ eure rote Rose unter der Sßatuung dvn sck^vefliger Satire erbleAen, Veilchen wt werden und et Cf arte es als Wirkung von Säure am 'bat Blumen farb- swfs, das Äbithozyan. Er berrtct so ernt es aus den Farbenlück.mi der Blumenzüchter und mich aus hem Natürlftchm Wtrkungskvcis der &rb. Bo- daibeschasfenheit, Wetter und Klima wurden er­klärt in ihren Cüiflüsfen aus bie Farbenwand- lungcn in Blättern und Blumen. Es waren fesselnde Einblicke in das Leben der Pslcmzrn, zu­mal in der jetzigen farbenprachten schönsten Zeit des JahreS. <"

** Schwestern für Oberichle - sten. Zur Hilfeleistung in Oberschlesien wer­den Schwestern und Hilfsschwestern sofort dringend benötigt. Die Not ist groß, es hcm-- delt sich um. eine vaterländische Pflicht. An-- Meldungen nimmt der Hess. Landesverein vom Roten Kreuz, Darmstadt, Paradeplatz 3, ent­gegen.

** Umzug des Kommunalverbandes Wegen Umzugs bl.iben die Amtsräume be3 Kom- munalverbandes vom 28. bis 31. Mai geschlossen. Dam 1. Juni ab befinden sich btefeEben in ber Alten Klinik, Liebigstraße

"'** Das Telegraphenbauamt für Oberhessen, das bisher behelfsmäßig in Friedberg untergebracht war, ist gestern nach Gießen ver­legt worden. Die Geschäftsräume befinden sich in der alten Klinik.

* * Kohlenausgabe für den Hausbrand. Gegen Abgabe der Marken 1, 2 und 3 der Haushaltstohlenkarte schlaue Karte) können durch die hieslgeu Kohlenhand­lungen je 2 Zentner, insgesamt bis zu sechs Zentner, Kohlen bezogen werden. Zur Ab­gabe kleineret Mengen, etwa V, Zentner ab Lager, ist der Händler verpflichtet. Die Kohlen sind von derjenigen Kohlenhandlung zu be­ziehen, die im Besitz der Kontrollabschnitte ist.

* * Tieersten Kitschen neuer Ernte sind m den Frankfurter Markthallen und den Obst- schästen zu haben. Das Pfund kostet 810 Mk Erdbeeren kostennur" 2628 Mk. daS Pfund.

* * WohnungSlose und Wohnungs­suchende hielten gestern abend im Felsenkeller eine öffentliche Versammlung ab, in der der vorläufige Der handlunas fester Wagner über Selbsthilfe und Mitwirkung bei Be- kanipfung der Wohnungsnot sprach Er forderte u. a. die sofortige Beschlagnahme der in Betracht kommenden Wohnungen. An der Aus­sprache beteiligten sich Tr. Riemann, Weißbinder- mziftcr Laimspach. Stadtverordneter Winn, Tele- graphensekretär Reitz, Ingenieur Webee und Frau Dr. Riemann. Es wurde ti: Gründung einer V e r- einigung für Wohnungstose und Wohnungssuchende unter Anschluß an den Mieter verein beschlos'en und in den Vorstand ge­wählt die Herren Wagner fl. Vorsitzender), Dr Ehambrs i2. Vorsitzender), Hußke ('Schriftführer)' Gensheimer (Kassierer), sowie als Beisitzer Oest- reich, Pfeiffer, Schmälster, außecdeni Frau Kauf­mann, Frau Hofmann und Fran Weigel. Weiter soll dem Oberbürgermeister persönlich röte Ein­gabe übermittelt werden, deren Ausarbeitung dem Vorstand überlassen wurde.

** Ter Verein ehemaliger 116er feierte am Samstag und Sonntag sein zehntes Stiftungsfest, Tie Feier rouroe durch einen Herrenkommers rm Hotel Einhorn eingeleitet. Ter Vorsitzende begrüßte die zahlreich erschienenen Ver- treier der übrigen Militarvereine, gab einen kur- ien Überblick über die Entwicklung des Vereins und über seine Tätigkeit roäfcenb des Krieges unb wie- besonders darauf hin, daß der Vorwurf, der Verein verfolge monarchistische Zwecke, unbe- recmigt lei. Mitglied des Vereins könne jeder die Bläser und die Streicher, bie sich nicht genug tu« konnten im Wetteifer um die Wiedergabe der köstlich verlenden Melodien. Da war endlich des SvieleS Meister, den in seiner wundervollen, alles beherrschenden Ruhe am Pult zu beobachten eine l.ust war. Möchten sich die Gerüchte nicht bewahr- heiten, daß er seinen Stab niederlegen will, er wird schwer »u ersetzen sein. Und endlich mag auch der Lokaloatriotisrnus einmal zu Worte kom- men: eS ist poch eine hübsche Erinnerung, daß Hermann Levi, dem wir bas gute Deutsch ter jertbcarbntung verdanken, ein Gießener Kind gewesen ist.

Balling nach Dresden verpflichtet.

v. rm. Darmstadt. 24. Mai Generalmusik- btrcrtöc '«all i n o hat nach einer Mitteilung aus der Theat-'rrommission einen ihm vom Stabt- theater in Dresden angebotenen Amstel- lung-vertraa angenommen. Der Ervä- rung des Finan,Ministers gegenüber wirb fesr- grstellt. baß weder bi- Jntendaii noch die Kvm- mifsion überhaupt etwas inLcnuDmmert haben, um BaUing für Darmstadt zu erhalten.

Rabindronnih Taqorr

der über Pfingsten als Gan deS Grafen Äenferlmg in Darmstadt weilte un> zunächst auf Einladung Des fchwedischcn Königs nach Schweden nxeitet- gcreist ist, kebtl im Juni zu längerem Au enthalt nach Deutschland zurück. Die Goaf Keyserling im

werden, bei at dem rraglichen Regiment oder nn Er atzbaiaiUon habe, unbcLimmeri um

fernen parteipolitischen Standpund und um fein Religionsbekanntnis. Mu ir- und Ge angSvorttäge iteche.L-n darin ab. Die 'JJtitg.irber Des Gießener Stadttheaters, Fräulein Türk uno Herr Hellborn, trugen m hervorcagenoer Weise zum Gelingen Des Abends bei: ihre gut zusammengestellren Vorträge ernteten reichen Beifall. Am Sonntag fand ein Familienausslug nach der Liebigshöhe statt, bei dem Tanz sowie Scheibenschießen zu ihrem Rechte kamen

** Teoernseer Bauerntheater. Am Sonntaa abend ge'.angteDe Wallfahrt", erie lustige Komöd:e vo.i Manz und Schulz zur Au?- ftihrung. Tie einzelnen M^twirkenden zeigten, daß lie nicht nur in ernten, sondern auch infpm'ii- zen" Rollen gute Leistungen » bieten vermögen. 'Uzie Pau e.i wurden weder durch Zither- und Ge- 'augetortcäge sowie Schuhp.attler in bester Weise ausgefüllt.

Bornotizeu.

Tageskalender für Dienstag: Cafs Leib, 8 Uhr, önentliche Versammlung Der wx/.<lldemokvatischsn Partei. Sxitcl Eirthorn, o Uhr, Tegemseer Baue^nchoater. Hwtei Grov- f/eryn, 8Vl- Uhr, oftenilöche Versammlung be-3 Reichsbundcs der Krregsbeschädrgten. Licht- spiellheater, nxe gestern.

Bund zur Pflege von Musi kund Literatur. Für Den 1. Wend aus der Reihe bet Kunstabende, die bet Bund im Laufe des Sommers zum Besten derGedächtnisspende der Universität gibt, ist das Stuttgarter Kammertrro gewonnen worden. Tie Konzerte einer Triovereinigung dürften zu den musikalischen Seltenheiten gehören. Tie großen künstlerisck^n Erfolge dieses Trios in anDeren Kvnzertstädten verbürgen einen hohen Kunstgenuß. Ten An­fang des Programms bildet ein Jugendwerk Beet­hovens, eine Se re nabe, bie aus ied)3 kurzen, aber scbarf charakterisierten Sätzen besteht. Ten Mittel­punkt bet Bortragsfolge nimmt das Trio in D-HRoll von Volkmar Andteae ein eine überaus wirkungsvolle und klangschöne Komposition, die sich äußerlich an die Beethovensche Act durch kurze charaktervolle Sätze anschlfeßt. Den Schluß bildet ein Quartett für Klavier, Violine, Viola und Cello von Dvorak, dessen Klavierpart Herr E. Delp aus Darmstadt übernommen hat (s. Anzeige).

Zu dem morgen von der D e u t s ch n a t i o- nalen Vvlkspartei vevansdalteten Vortrag des Herrn von Braun wird uns geschrieben: Unterstaatssekretär a. D. Edler von Braun ist der Präsident des Reichswi ckschaftSvates. Auf bteie Körperschaft und ihre Tätigkeit, als die einer Kammer der Arbei t", richten sich die Hoff- itunaen vieler für die Zukunft wciaus mehr als auf Den Reichstag. Wenn allo Herr von Braun als der erste Vertreter dieser Versammlung sprechen wird, sv ist zu erwarten, daß man von ihm ein anschauliches, klares Bild über unsere derzeitige wirtschaftlick^e Lage erhalten roüb. Alle bieienigcn, bie mittelbar ober unmittelbar an unserem wirt­schaftlichem Leben beteiligt sind, werden daher ihm und feinen Ausfühvungen ein ganz besonderes Interesse entgegenbringen: vor allem aber werben/ zweifellos Industrielle, Angestellte, Handwerler und Landwirte gerade großen Gewinn aus fetneie Darlegungen schöpfen können.

Landkreis Gießen.

ne. Bellersheim, 23. Mai. Tem Vete­ran Adam (km m e L frarroe beim Mathltahren durch ein ausschlagendes Pferd Der Unter scheu kelkwochen zerschmettert. Eine Lungenentzündung, bte sich hieraus einstÄlte, führte den Tod beS 79iäbngen Greises herbei, der bte Feldzüge 1864, 1866 und 1870 mitgenurdgt hat. Unter großer Beteiligung wurde er am Freitag beerdigt. Tr (öemcmbe BellerÄ-eim beabiichttgt, bei Gefallenen beS Wellkrieges ein Denkmal zu erlichten. (Ls soll vor ber Kirche aufgestellt werbet. Tie Kosten sollen größtenteils durch freiwillige etpenben auf­gebracht werden. Mit der Ansertigung bos Ent­wurfes wurde ÄrckMk^Mi'svlaus ri Gießen betraut

jvn. Hungen, 24. Mai. Ter bei der lieber» lmidzentrale Wölfersheim angestellte, hier wohn­hafte Willi Weinhold aus Unter-Schmitten h>nr in einem Transformatorenhäuscheii in der 9aifoe Musck« le imls mit Itht Ein e en e:n, sTrans- formators beschäftigt. Dabei kam der erst 21iäfrrigc lungc Maim der Leitung zu nahe und wurde von dem Strom getötet. Ter Verunglückte war noch 3 Stunden bewußtlos, konnte aber, trotz sofortiger ärztliclrer Hifle, nicht mehr ins Leben zurück gerufen werden. Tie Lei>che wird nach ber gericht- lichm Be ilü^gunt in bis He vrat ix^'IEenntgiücrtci übergeführt.

* Lollar, 24. Mai. Ter Nachtwächter des Bahnhofs Lollar traf vor einigen Taam gepn: 1 Ubr nachts bat Nachtwächter G D. brr Buoerusschen Eisenwerke babei an, als er einen auf einem Nebengleis stehenden Stückgu' wagen erbrochen hatte und sich mit einem Ballen Teppiche entfernen wollte. Bei ber am nächsten Morgen burd) bie Eiienbahnkriminalvolizci Gießen vorgenornrnenen Hausiuchung wurden in einem Bett noch zwei wertvolle Teppiche unb im Keller ein neues Weinfaß vorgefunden. Eine Kiste Tafol- 'alz, die D. in fernem Schrank in der Fabrik versteckt hatte, war von einem Mitarbeiter, eben-

BerlinerTag" schreibt, liegt Tamrenichts an Massenveranstaltungen, Feiern, Vorträgen, die er dock nur in englischer Sprach? halten kann. Des­halb ist folgender Plan verabredet worden: Nach kurzem Au/enthalt in Berlin wird Tagore auf eine Woche etwa nach Darmstadt kommen, als Gast des Großherx>as von Heffen, und in dessen Gatten unb ben stillen Räumen ber Schule ber Weisheit allen baten zugänglich fein, bie nicht als Neugierige kommen, sondern mit dem Weisen über feine M mschlnitszi le unb die Annaderung zwischen Ost jnti) West ernstfachlich: Zwiesprache hallen wollen. Mögen alle, denen eS ernst ist, bie zu enwfangen unb zu geben fähig finb, in brr Zeit biefet Doch«, berat genauer Zeitounkt noch ver­öffentlicht werben w rb, nach Darmstadt kommen Tie Vcrm'ttlung. bi: gmze Organi'atim liegt in beit Händen bet Oiei'cIMyirt Tür freie Phllo'ov' i Ich per'önlich werb« erforberltcheirfalls den Uebci- setzer spielen."

Ein tragisches Ersin der,'chick- f al. Ein '"asm. der den Ltspruch erbeben darf, ber ei«imtche E r finde des Kinemato- g r a phe n ^u e n dieser Ta-e in Englmid ge-

William Friese Green, der 1855 ui Bristol idxntr-t nr.rrbe beschäftigte sich viel mit toifsenschaftlicher Photvgeavl4e, er erwarb am 21. Juli 1889 ein Sltoaton für den ersten bnt- mawgracvf Äm Xona.at und sch uz bamu Edi on um 3 3abDe. Jahre 1891 erkarrnLen bx ameri- kamschen Geruhte ,emen A-ppruch an, demtufolge

falls Nachtwächter, in die Lahn geworfen toorba. Der Wett ber aus bem Sagen entwendeten Gegen­stände belief sich auf etwa 4003 Mk.

SB iefed, 24. Mai. Silberne voch- ze11 feiern morgen August sttodenHausen und El-efrau Helme, geb. Loy: Hämrich Werner und Eh-.nrau Sofie geb. Schäfer, sowie Friedrich Klein und Ehefrau Eli to-t-e geb. Hvanann.

A Kreis Ä-Sfelü

3 Als seid, 22. Mai. Heuve, wo wir über­all der Obersclilefier gebenden, toerben wir erinnert an frühere Zeiten, da auch idjon eiama. in unserer Gegend Tür die notl?Lenden Oberschlaier ge am- mcLt wurde. Ite Not war damals bedingt durch Hungersnöte. Im Jahrgang 18 4 8 des In­telligenzblattes für bat damaligen Regierungs­bezirk As selb und die angrenze udr.i Gebi-te rauet inan die Aufforderung, der Oberschl:sier zu ge­denken, und an aitxrcr Stelle auch bte Quittungen über bie ein gegangenen Betrüg: aui ver chedenm Gemeinden, Zal,lm, Di: für die damaligen Verhält­nisse recht ansehnlich sind.

Kreis Friedberg.

nt. Friedbet g , 23. Mai. Am Samstag trafen der Stab und die Stammannschtft ber für F^rLbng ro g sthenet Schutzpolizeiabtei- lang em, bie m brr Bergkaserne untergebracht wurden. Ti« Aoxllung soll in etwa 4 ÄLochen voll- tänbrg ausgestellt fein und eine Gesamtstärke von 270 Mann aufweifen. Die städtischm N o t ltandsarbeiter traten infolge Lohnstreilig- Leiten am vergangenen Freitag erneut in Streik.

4 Bab-Nauhetnt, 22. Mai. Ci e von Einheimischen und Kurgästen zahlreich betuchte Volks kundgebung für unsere O ber­sch lest er, zu der alle völkischen Parteim mit Ausnahme ber Kommunistischen Ortsgruppe cxigo laden hatten» sand gestern nachmittag unter freiem Himmel in bat Tit ckllrraulagen ftunt Prof. Tr. Schi an (Gießen) sprach von dem Unrecht, bas unfern Brüdern im Osten angetan wird. Ta tetr ihnen nicht durch die Tat hassen können und dürfen, sei es Pflicht, fjrer wenigstens in treuer ©efuunnig zu geben Ben. Mit großer Zustimmung wurde eine Entschließung angenommen, in der alles zum Ausdruck kommt, was wir fn tiefen schcveren Stun­den für unsere Brüder fühlen und was wir und das Recht für sie fordern. Eine Sammlung für bte Oberschlesier wurde vor genommen.

(BericbtsfaaL

Die Prozesse gegen bk Kriegsdeschnwigten.

Leipzig, 23. Mai. (Wolff.) 'Die Pro­zesse gegai die deutschen Kriegs bei chul-- big ten begannen heute vor dem ReichSgerttL 2. Strafsenat unter dem Vorsitz des Senprsprä-, fidenlen Schmidt. Der erste Pro»:tz tilget sich gegen Dai früheren Unteroffizier und ictxitn Küfer» meister Karl He ynen aus Barmen wegen Ge­fangen enmihhanblung un Lager Lome Anwesenb waren bte Vertreter des Auswärtigen Amtes, des Reichsfustizmi islerimns unb der cng- ltschen Regierung und GerihtSbarkeit mit Solli- citvr General Sir Ernest Pollack an bei Spitze. Tie Anklage wurde vvm OberreichSanwall Dr. Ebermeyer vertreten. .

Can^tvirffebafL

Der Eierwucher.

fpd. Aschaffenburg, 22. Mai. S$on der diesigen Lanbeswuchettstelle wurden im Monat Marz 19 000, im April 24 000 und im Mai bisher über 30 000 Stück Eier beschlag­nahmt, die zu Wucherpreisen über bie Grenzte verschoben werden sollten.

rnt. Darmstadt, 22 Mai. Die 31. ordent­liche Generalversammlung ber Lonb- wir tschastlichen Zentralgenosscn schäft tagte im Rummelbräu. Aus dein Ge- schäftSberrckst geht hervor, daß ber Genossenschaft 4Ö6 Mitglieder angehören. Der Gesamtumsatz lat lick gegen das Vvnahr verdoppelt und betrug etwa 83 Millionen Vtark. DivÄtor Strasburger mach» Mitteilungen über die jetzige Geichäsislage, ins­besondere über den Bezug von Kohlen, Kartoffeln, Mais, Getreide usw. Hierbei kritiiierte er das Ver­halten des Kommunaloerbandes Mainz, Der offen die Landwirte zu Gunsten der Händler baiach­teilige. In der Aussprache wurde die aidliche Aushebung der Zwangswirtschaft aa-ch in den Ge- treideversahren energisch verlangt. Deformmirrat Dr. Hamann lehnte das Um ageverfahren für die Getreihfversorgung unbebaigt ab Die Hes si schenLandwirtschaftlichenGenosfen- schäften hinten ihren 47. SZerbandstaa unter dem Vorsitz von C^bnxnninm Walter-Lengfeld nm Samstag ttrenfalls im Rumm?lbrau ab Rfoch der Begrüßung wies der Generalanwalt der Reicks zenossenschäft Dr. Gennes auf daS gute Verbälmis des he siscken SZerbandes zur Preußenkasse hm irnb lxx.eichnet bie landwirtsck^iftliche Crgarafation tn Hessen als vvrblldlich für das Reich Energisch verwahrte er sich gegen bat Versuch, die Gelder der Landwirtschaft in andere Kanäle zu leiten. Aus dem Geichäflsberickn ging das auvewrdenr- lidx SBach'en des Veibmrdes> des Geldumsatzes, er im Berichtsfabre über 3l/> Mllliarden betrug ben»r. T' s Ve wandSvermögen betrug Ende 1920 über 2 Milliarden.

ber von Edison erfundene Kinewskop, ein« Ver­letzung seines Patentes sei. Als es ihm zum miertmal glück», einlebendes Bild" auf ber Ifointoanb zu zeigen, war er darüber No aufgeregt, bau er auf die Strafte lief, einen Schutzmann tm- bidt und mit zu sich schleppte. Ter Polizist hielt ihn zunächst für verrückt, war aber bann höchst- ftck'ß erstaunt über bas, was er sah. Dieser erste -ttlm, ber noch erhallen ist, zeiat eine Straften yne au8 bem Hpbv-Park. 1898 machte Friese Green bie erste Entdeckung ber Photographie in natürlichen Farben: feine Reckte auf biese Er- tinbimn nnrrbot ihm in bemXben Jahre von den m(rin eben Gerichten garantiert, und er führte feine Erfindung öffentlich vor. Während ber letzten Jahre war er damit beschäftigt, die Fi m Plofo- graphie in natürlichen Farben zu verbessern Aber eine all^meine Anerkennung feiner Verdienste war ihm versagt, und er ist rühmlos, im größten Elend «ihtngegangen. Ter Mann, der die Grundlagen für bte Entwicklung des Kftios schuf und damit einer Milliardeninbustrie den Weg bahnte, ist so arm gestorben, baß für feine övtterbliebaten ge- tannndt werben muß In größter Not war er gezwungen pemefen, bie Rechte an feinen Patenten rin 200 Pfund ui verkaufen Nun ist ihm bie Cbre ä"eS Begräbni'fes auf öffentliche Sofien zuteil geworben, und ein Komitee hat sich gebildet, um wenigstens nach feinem Tod feinen Ruhm <lls den erneS der größten englischen Erfinder zu be­gründen.