Au» Sinti nnd Canb.
Gießen, ben 24. Jmt 1921.
Veranstaltungen.
Montag-. Neue Aula. b Uhr, PortragKibend veS Bundes für anthwyoioMstfie docfoxbufaTheit — Hotel Einhorn, SU IITtt, Vortrag non Pros. So nt cf ter über „T<te. Gebot der Stunde". — Casd Leib, "x > M,r Syv%~rt iinb ^torftrlluiig der Ghiemseer. — LickitlptetthkVer rmr gestern.
Bommer in dem Prozeß gegen Stephan,! B ie rau, Lutze unb Füau Burk wegen tianb- iricdensbruchs hatten dieBerurLilten Revision eingelegt, die jedoch, wie wir ersochren, verwor- en wurde.
** Eisenbahndrebstähle. Arn Freitag und Samstag wurde vor der hiesigen Strafkammer ein großer Prozeß gegen den Eisenbahn- arbeite! toatl Krombach und 34 „Mitarbeiter' wegen umfangreicher Eisen bahn breb- iähle und Hehlerei verbandelt. Uxnen aus ührlichen Bericht über die Verhandlungen, die zum Beispiel am ersten Tage bis gegen 12 Uhr nachts dauerten, bringen nn." morgen Am Samstag wurde nach viers^iirdiger Beratung das Urteil verkündet. (5s wurden wegen T4ebstahls oder Hehlerei verurteilt: Krombach zu 3 Jahren, Spmgler zu 2 Jahren 6 Monaten, Faber zu 2 Jahren 3 Monaten Gefängnis. Ludwig Licher von Trohe zu 9 Monaten, Wilhelm Jung atm Großen Lmdcn zu 2 Jahren 2 Monaten, Goorg Weiß von Gr- Linden zu 1 Jahr 8 Monaten, Wilhelm Neeb von Gwßen-Linden zu 1 Jahr 1 Monat, Franz Pauli von Gießen zu 1 Jahr 7 Monaten, Ludwig Loh 4. von Dutenhofen zu 3 Monaten, Ernst Pfc.fer von Klein-Li-cden, P«er Hormel zu Frvnhauscn, Wil- Helm Schön von Hausen zu 6 Monaten, Karl Politz von Kstern-Linden zu 7 Monaten, Heinrich Weinandt und Johannes Cyriax von Großen- Linden zu je 4 Monaten, Wilhelm- Luh III. von Allen do rs, Johannes Jung II. von Hochelheim, Hemrick,' Lotz IX. von Wreseck, Friedrich Weber von Gießen, Karl MMer von Dutenhofen, Karl Buß von Watzenborn, Johann Auqust Ruhl von Kirck--Göns zu je 2 Monaten, Christian Kummer von 2ang Gons und Wilhelm Wagner III. von da zu je 3 Monaten, Karl Burger II. von Steinberg, Cito Hofmann von Großen--Linden und Ludwig Weber von Klein-Linden zu je 4 Monaden Gefängnis. 7 Angeklagte wurden frergesp.ochrn.
** 3. Konzert-Abend zu G unsten der Gedächtnisspende der Untversi- t ä t. Für diesen dlbend ursprünglich als heiterer Abend vorgesehen — war Herr und Frau Gareiz vom Frankfurter Openchaus gewonnen, worden, die aber leider im' letzten Augenblick absagen mußten. Es ist nun dem Bund zur Pflege von Musil und Literatur gelungen, andere Künstler für diesen Abend zu gewinnen. In Frau Palma von Paßthvry-Erdm-ann aus München 'B o'ine) wird man eine ÄÜnftlerin kennen lernen, die einen tiefen Eindruck hinterlassen wird. Weiterhin hat seine Müwirkung zugesagt Cellovirtuose Hans Scheulen aus Mühlheim, ein Meister seines^ Instruments. Wir werden in den nächsten Tagen nochmals auf das Programm zurüä7ommen. Zum Schlüsse machen wir nochmals besonders daraus aufmerksam, daß das Konzert nicht rote zuerst vorgesehen, am Mittwoch den 26., sondern rote die heutige Anzeige besagt, am Sonntag den 3 0. Januar, nachmittags 5 Uhr statt- sindet. Möge diesem lebten Abend derselbe Erfolg beschiedcn fern, wie den beiden ersten Veranstaltungen, so daß der Bund eine würdige Summe der Gedächtnisspende überwrisen kann.
** Freibank. Dienstag den 25. Januar findet Fleischverkaus von 1 Uhr ab statt
** Kohlen - Höchstprei se. Der Höchstpreis für Union-Briketts wird auf 12,05 Mk. pr. Ztr. festgesetzt, nicht 12,50 Mk., wie es am Samstag irrtümlich hieß. Die üblichen Zuschläge bleiben unverändert.
** Der H ausbesitzerverein hielt am 20. Januar 1921 im Hotel Groscherzvg von Hessen seine Hauptversammlung ab, die einen überaus starken Besuch auf^uweisen hatte. Der Vorsitzende Malermeister L a u n s p a ch erstattet: Bericht über bie gegenwärtige wirtsck-aftliäx Lage des Haus- besiyes, sowie über den ersten Entwurf eines neuen Miebgesetzcs und erbrackste den rechnerischen Nachweis, datz die Ausführung eines solchen Gesetzes die Miete bzw. die Grundmiete ge.Tcn 1914 paar etwas ermäßigt habe, daß jedoch durch die Ver- febrdftciier, Unterhaltungskosten und dergleichen, wclckie der Mieter zu tragen hätte, die Gesamtkosten für eine Wohnung sich um etwa 112 Pvoz. gegenüber den Mitten von 1914 echobm müßten. Dieser 1. Ent>vurf ist von den Mietern wi: den Vermietern alS undurch.fülnbar abgttehnt morben. Aue. ben durch, den Geschäftsführer eritatteten Jahresbericht ging hervor, daß der Verein im Jahre 1920 einen Zuwachs von 237 Mitgliedern zu verzeichnen und die Tätigkeit der Geschäftsstelle einen sehr großm Umfang angenommen bat. Nach Erstattung des Kassenberichts wurde ein Antrag zur Beitragserhöhung auf 15 Mk für das Jahr rin stimmig angenommen Bet der Vvrstands- ersatzwahl wurden folgende ,Herren wieder- bzw. neu gewählt: Fabrikant Suberrisen, Schreiner- meister Lahn, Daumfterroehmer Sch-ncider: neu gewählt : Fabrikant L. Dender, Kaufmann Ad. 33uv dewald, Buchdruckeoeibesitzer A. Klein, Kaufmann Ad Schmidt. In lebhafter allgemeiner Aussprache berichtete u. a. Arckntekt Nikolaus über eine E^n - gäbe, die der Hausbesitzerverein am 29. September 1920 an die Stadtverwaltung gerichtet hat und die den Zweck haben sollte, eine Verständigung zwischen Mieter und Vermieter rov gen der Mietpreise unter Mitwirkung de: Stadtverwaltung herbeizuführen. Eine Antwort auf die Eingabe des Beverns tri jedoch nicht erfolgt, auch sei den Anträgen und Wünschen wegen Neubesetzung der Beisitzer zum Mietcrmgrmgsamt keine Folge gegeben worden. Es würd' deshalb einstimmig beschlossen, an die Stadtverwaltung eine nochmalige dringliche Eingabe zu richten mit folgendem Wortlaut: „Die im Hotel Gtoßhcrzog tagende Versammlung des Hausbesitzervenrns, vertreten von sZi der Gießener Hausbesitzer, betrachtet das Verhalten der Stadtverwaltung betreff» Nicht- beantroorttmg der Eingabe vom 29. September 1920 als eine Nichtachtung und Vernachlässigung eines großen Teiles der Gießmer Bürgerschaft. Wir betrachten eS als üoTndmtÜt Pflicht dri Stadt-
ÄertragvonVersailleS, der eine un- erhörtt Nichtachtung des Privateigentums darstelle. Dieser Vertrag müsse ersetzt werden durch ben Geist wahrer Gleichberechtigung. Der Völkerbund müsse eine Zusammenfassung der wirtschaftlichen Kräfte aller Nationen fein. Nach »einem Rundgang durch das Rathaus begaben sich die Teilnehmer nach dem Uhlen- horfter Fährhaus.
Die kommunistische Kampforganifation.
Berlin, 22. Jan. (Wolfs.) Auf Grund des <bei Len Dur ch such u n gen nach dem Bestehen th'tt „RotenArmee" am 19. Januar in Essen, Düsseldorf, Elberfeld und Lünen bei Dortmunds gefundenen Beweismaterials «und der Geständnisse einzelner Festgenommener ist, soweit die Ermittelungen bisher ergeben haben, folgender Sachverhalt als seftstchend zu erachten:
In Berlin besteht eine militärische Leitung der „Roten Armee", welche von der politischen K. P. D. ins Leben gerufen ist und die übergeordnete Stelle für mehrere Kvrnmanbobebör- ben hübet Eine biefer Kommandobelsttrden lZen-- tralobcrleitung Z. O. L.) befindet sich 'm Essen und ist wiederum die vorgesetzte Stelle für vier Bezirksleitungen iB.-L.), nämlich in Esstn. Rern- sche d, Bi?leleld un> Kassel. Diese B. L in> de Lommandostcllen für die entftr.chenten ort tteil Bezirke. Der Bezirk E len ist in drei U iterbezirke «'Elfen. Samborn, Dortmund) gefiebert nnD die Unti rberirfc endlich zer al'e i in K cif? mit Kreis- ftaben, <>te Kreise in örtliche Organ at.onen m.i Ortsstäben. Neben ben der Z. O. L. Elsen unterstehenden Bezirken Essen, Remsch.id, Bielefeld und Kassel besteht noch ein besonders organisierten Bezirk mit einer von Essen unabhängigen Oberleitung M. O. 2.i in Düsseldorf. A t oer Gesamtorganisation ist seit Aisang Dezember 1920 in beonders verstärkter Wei'e gearb.net worden. Tie Ocgani atioii hat durchaus mitt ärischen El a-akter.
Die „Rote Armee" wird unmittelbar von bet K. P. D. organisiert. DieK. P. D. betrachtet sich gewissermaßen als rinen © aat ini Deinen mit Ressorts wie Fi lanzween, ArbeilS wesen. Zivilorganisation, Militärwesen usw. Tas Mtlitärwesen teilt »ist in die Mii.ärpropaga ba (M. P. > und die Mttitärabteilung (M. AI. D e M. A. umfaßt die eigene mitt ärftche Organisa ion, rote sie eben geschildert ist, und ben Nachrichtendienst, der die Beobachtung und Feststellung der Starke der Gegners zur Aufgabe Hal und der beonberS durch einen straff durchgeführten Kurierdienst der kommunisti'chen 3Sugenbot;,a: i at on versehen wird. In der M. A. sind folgende bemerkenswerte Organisationsakten rennten worden: Akte: Feldgendarmerie, Berpf.egunnswe.'eu, BeDeidungswesen, Nachrichtendienst, Verkehrswesen. Fahrtbereitschaften, Wasfev und Munitionsbeschaffung mit Listen über Waffenloser der Reultionare und ausqelüllten Maffenb standslisten der Regimenter. Akte: Bezirkskommando.Rekruten- depot Werbcbureau, Löhnung der Ro en Armee, ©pezioltruppen. Radahrschaft-n. Fi 'anzwesen, ©xrnUätifoiatft, So Laten rate. Akte: Gerick/Skxn- Mission. Kassenbücher, Registraturen, BefestlSeuch, Generalstabskarten, Telegrammschlüssel für den Verkehr »wischen der Zentrale in Berlin und Düsseldorf, Korresvondenz zwischen Berlin und Düsseldorf, DrganifationSPlän e. Außerdeni wurden ein Stempel „Militärische Oberleitung Düsseldorf Rote Armee" mit Sowjetstern, und eine Unmenge Soldbücher unb StammwllenauS- züg: beschlagnahmt. Die Stäbe selbst hatten eine DezernatSbearbeiwng, wie sie friTer in der Armee » üblich war, so z. D. die Zentraloberleitung, rin Organi'ationsbureau. rin OpetattonSbureau, rin Nachrichtenbureau usw.
Sitzungen der MikitLroberleitun- 9en haben zum Teil im Bureau M kommunisti schen Organs „Ruhrecho" stattgc'unben, so bah «nck hieraus ein unmittelbarer Zu'amrnenhang zwischen Partei und Kampsorganisalion zu er- Ttraten ist.
An Beweismateria» ist außertem eine überaus große Anzahl von Mob'lmachungsvlänen, Stem' veln roter Fvrmattonen, stenographischen Berichten über die Stärke b*8 nneren Gegners, der als „Feind" bezeichnet wird. Mridunnen der Unter» fübrer an die Oberführer über die ZM der Waften der Orts- und KrriSbekS--den, über ^afte"- lager irfm. gefunden worden Nach diesem DeweiS- matcriat sind leichte und schwere Waffen sowie sonstiges Kriegsmaterial n er* heblicher Menge uorimben. Aus ev’er Ni dcr- schrist ist zu erkennen, baß die beroafmete Aktion ftn Anschluß an den Hamborner Streik der Hüttenarbeiter der bis zum Gene-alst''rik vrova- giert werden soUte, gevlant war. Nach einer Aeuße- tung XfS Politischen Leiter- bei Ve-ei inten Kom» mim'stischen Partei, in Essen. Sck>önbeck. bat jedoch rin Eintreten in die Aktion auf Grund einer An- tocifirng der Berliner Zentratlritung nich» statt- finbrn können, weil diese eine GZamtakt on im ganzen Reich nock nicht für möglich hielt. Die Aktion sollte mfolgede'sen »orr5ufi-» au' 1» Tn-'e verschoben werden Durch die Au^ckung „Roten Armee" ist sie zunächst vereitelt worden
Wettervoraussage
für DienStag:
Unbeftänbig, zeitweise Niederschläge, Temperatur wenig geändert, westliche Winde
Die nördlich von uns über Skandinavien nach Osten ziehenden Depressionen folgen sich nneder in ununterbrochchier Reihenfolge. ES ist daher weiterhin mit trübem regnerischem Wetter zu rechnen.
*
** Die Kinderhilfsmission der Quäker macht die erfreuliche Mitteilung, daß die Zahl der Teilnehmer an der Quälerspeisung von 600 auf 800 erhöbt werden kann.
** ,.Ter Massenkrllwall im Stadl- Hfltlament." G'*gai das Urteil der ©trat-
Verwaltung, daß sie die Aufgabe zu erfüllen hat, denjenigen Burgern, aus welchen ihr nur noch die Hmivtsteuerguellen zuflieftrn, auch Beachtung kbav !cn muß. Es acht utdi: an. daß man diejenigen, bie am wenigsten aufwegeln, unbeachtet läßt, rofrhrenbbem man denjenigen, die verletzend wirken, in der Beziehung nadyibt und Aufmerksamkett f(teuft. Wir haben m Anbetracht der überaus fd roiertgen La^e seither Zurückhaltimg unb Geduld g-nlbt, weil wir glaubten, auf diesem Wege die beste Lösung zu frühen. Aber cs war *ür funS ein Trugschluß Wir können nach den gemachten Er- fahrurgen nickt mehr slillschwrigend zuselxm, daß bem Hausbesitz fortgesetzt und rückwirdmd neue Lasten auferlegt werben, wogegen am Mietrini- gungsamt die Mieten künstlich zum Schaden der Hausbesitzer nicdegIohaltrn und die neuen Lasten । daselbst kaum in Betracht gezogen werden. Auch | gebt es nicht an, daß die Erledigung der Anträge
am Miereonvungsamt »um Schaden der Vermieter auf Monate hinaus verschleppt werden. Es müfien- unbedingt xndjr Sitzungen anherxnunt und dafür gei'orgt werden, daß die Entschevuiigen des Miet- euiigungsauttes nicht durch nebentagenbe Wohnungskommissionen und -Deputationen wieder illu» 'oriidj gemacht werden. ES enttprÄht nicht der Gerschtiykrit, daß bas Reich, Staat und viele Bau- genoiieiiicfaftai die Miete um 100 bis 200 Pwz. erhöhen, wähvend der private Hausbesitz zu seh en muß, wie sein Besitz infolge der unzureichenden Mieteinnahmen dem Verfall preisgeyi-ben rotrb. Diese Ungerechtigkeiten sind unhaltbar und können nicht länger ertragen werben. Wir müssen darauf bringen, daß endlich Wandel unb Abhilfe geschaffen wirb. Einzelfälle, die den Stempel der Ungriechrui- keit tragen, hier anMführen, würde zu weit gehen. Wir bitten und erwarten allen Ernstes, daß bi-.1 Stadtverwaltung unseren Beschiverten unb Wünschen alSdalb Rechnung trägt und diejenige Beachtung scheirkt, bie rin so volkswirtschaftlich wichtiger Körper unbedingt beanspruchen kann und muß."
Kreis Schotten.
B. Burkhards. 22. Jan. Die Zeitoer- hAttiisse vcranbaß'.en ine Gcmri .Le zur ÄnfkLung eines zweiten Nachtwächters, zu dein ter Landwirt Konrad Knoblauch verpflichtet wurde.
Laubach, 21. Jan. Gestern mittag kam mit dem 4-Uhr-Zug die Leiche der Gräfin Ernst ru Solms-Laubach, geb. Gräiin Schimmklmann, von Marburg aus hier an. Ter Sarg wurde von einer Madchenklaiie dec Laudacl^er Stadtschule empfangen unb von ben Solms-Lau- bacher Forstberiensteten unter Führung von Forstmeister KSniger zur Friedhofskavelle geleitet. Hier wurde der Sarg aufyebahrt.. Heute um 2 Uhr mittags übernahmen ine solmsischen Fvrstbedimste- ten ine Wache am Sarg. Von dieser Zeit ab bis 3 Uhr war icbcm der Zutritt in die Kapelle gc stattet Um 31/, Uhr wurde der Hauptringang ber Kapelle für die Leidtragenden und die zur Frier geladenen Perso>ren geöffnet. Um 47t begann die kirchliche Feier. Dce Geistlichkeit der Slanbes- herrschaft stellte sich zu beiden Seiten des Altars auf. Die Bänke rechts und links Pom Altar wurden von den Leidtragenden, die Banke im Hinterschiff von den Staats- und stanbesherrlichen Beamten, von den Bürgermeistern der Standesherrschaft unb dem Gemcinderat der Stabt Laubach befetzt. Au: ber Empore nahm der Laubacher Kirchenchor und ein Musikchvr ber RrickMvehr aus Gkefem'i Platz Der Kirchenchor eröffnete die Frier mit „Wenn ich einmal soll scheiden". Hieraus folgte eine geistvolle Grabrede vom Ersten Stabtpfarrer Th. Nebel. Sodann wurde unter ben Klängen eines Trauer Marsches die Leiche zum Friedhof geleitet, bei- gesetzt unb eingesegnet. — Die Verewigte war geboren am 13 Juni 1847, heiratete 1874 und verstmL 18. Jrm. 1921. Sie hinterläßt 6 Kinder. Ihre Jugend hatte sie in Ahrensburg in Holstein, die Zeit ihrer Ehe im Elsaß, den Lebensabend in Marburg verbracht. Wegen ihres wol.l a tgen und gemeinnützigen Sinnes stand sie überall in hoher Achtung. ___
Wetterfeld, 23. Jan. Mrt großer Mühe bat die Krrisverwalkung an den Obstbaunven, welcke bie Straßen einfassen, Kleb ringe angebracht, um die Schädlinge, die die Baume bedrohen, abzu- halten. Ein großer Teil diese'' 1 ('bringe ist ruchlos abgerissen toorden.
Kreis Friedberg.
=■ Bad-Nauheim, 23. Jan. Die hiesige Tramat sche Gesellschaft veranha tei am Dienstag im Kurhaus einen hessischen Tichterabend. Karl Bolck vom Gießener Stadttheaier wird Dichtungen von Mfted Bock zum Dorttag bringen.
[j Friedberg, 22. Jan. In zwn ausgedehnten Sitzungen beschäftigte sich die Stadtverordnetenversammlung am 20. unb 21. Jraruar mit der Beratung des Voranschlages für 1920. Der Vorsitzende teilt einleitend mit, daß die Finanz! age der <Stai>t zwar nicht allzu rosig, aber auch nicht ^hoffnungslos sei, auf aTle Falle sei größte Spiarfamfrit geboten. Aus der Versammlung wurde bemängelt, daß der Voranschlag vor drei Tagen in die Hände ber Stahl - verordneten gelangt sei und deshalb Vertagung ber Beratung beantragt. Dieser Antrag nnirte aber abgelchitt. Bon besondereni Jnleresfc itxzr, die Rubrik „Für Erbauung von Mahnungen zur Linderung der Wohnungsnot", die Summe von Mk. 1 000 000 einnistellen. Diese Forderung rief eine mehrstündige Debatte hervor und wurde schließlich mit großer Mehicheit genehmigt. Die Gciirigtheit, diese Summe zu bewilligen, bestand ja auf allen Seiten, nur über die Form deS Antrags wurden Bedenken geäußert, besonders darüber, daß mx6 keine bestimmten Baupläne Vorlagen Ans diesem Grunde stimmten auch die drei öritalidber ber Dxutsch-nattonalen Partei bei der Schlußabstimmung gegen ben ganzen Borachchlchg, der mit allen anderen Stimmen, genehmigt wurde.
Starkenburg und Nbeinhe'sen.
un. Darmstab t, 22. Jan. Die Stadtverordneten genehmigten gestern für die Teuerungszuschläge ber Beamten und Nichtang^stellten eine Gesamtsumme von 431 890 Mark, außerdem als Besatzung^zulag- für die Beamten und Lehrer 43 000 Mark Sie stimmte ferner bä Garantie für eine neue IQ 000 000- Anlcihe zum Ausbau der Haag zu. Die Stadt übernahm die Garantie zu Gunsten der Gemeinnützigen Heimstätten Baugenossenschaft, welche 24 Wohnungen neu er Härten will in Hohe von 708 000 Mari Hierbei stellte Beia. Buxbaum fest, daß bisher die Errichtung von 300 Dehnungen vorgeschen ist, wofür bi? Stabt rund 13 000000 Mark zu tragen bat. Nach den Aufstellungen beS Wohnungsamtes fehlten am 1 Januar in Darm- floht 2777 Wohnungen. Die Stadtoerardneten fiimmten entern Beschluß des GesamttnietriniglmgS- amtcö zu, roonadp eine Miethöhe der ortsgericht- lick«! Taxe bis 7»/, Pro-rnt, in ?lusnovmefäNen bis zu 87-, Prozent zuzulassen ist.
Heffkn-Nassau.
LrhnfvlDkrungcn der städtischen Arbeiter.
tfb. Frankfurt a M., 21. Jan. Tas Schiri>sgericht billigte heute bat srädtischen Arbeitern, bie an ben Magistrat um Erhöhung ihrer Bezüge herangetreten, aber wegen der finanziellen Lage ber Stabt abgewiesen waren, eine Er- hübungderjetzigen Teuerungszulage von 10 auf 15 Prozent zu. Ter Dvrschende bemerkte, daß diese Teuerungszulage eine weitere Erhöhung der Steuern unb städtischen Ge- bühr n im Okfalgc haben müsse, daß es aber nicht Sache des Schiebsgerichts sei, über die Teckungs- fragt zu beraten.
Sturmschäden im Taunus.
fd. A u S bem TaunuS, 23. Jan. Das Unwetter. daS in der Nacht vom DienStag zum Mittwoch über den TaunuS zog, hat namentlich in der Lahngegend schwere Scha
den angerichtet. Biele Bäume wurden entwurzelt. zahlreiche Telegraphenstangei'. und Leitungsmasten der elektrischen Ueberlandzen- traten knickte der Sturm um und setzte die >en Anlagen angeschlossenen Ortschaften in Finsternis. Am schlimmsten hauste in her Umgebung von Heftrich eine Windhose, )ie ungezählte Ob schäume abbrach unb mehrere Hauser ihrer Ziegel beraubte. Mehrere Hallen würben hinweggefegt. Der Schaden ist außerordentlich groß.
sl »Marburg, 20. Jan In ber gestrigen Stadtverortn.tensitzung b schäft! te man sich in einer 1 < .itünoigen Ausspraare mit einer Ruhelohnor bnung für bie städt. Arbeiter, die am 1. April in Kraft treten soll. Der Ruhelohu soll auf die Hälfte her für bie Beamten gellenben Sätze festgri.-tzt werden und im günstigen Fall 4331 Mk. betragen, wovon harnt die Invalid en re nt? abg:jogm wirb. Fallt der Lohn so fällt auch bei Ruhriohn, ber auf bte Angestellten überhaupt nicht ausgesehnt wird. Vckn verschiß denen Seiten ivurde b:tonl, baß der Ruhttotm für die- Arbeiter Sach: des Rrich.'s f?i, wo blt-beu beute die anderen Arbeiter. Die Vorlage fand ichlicßl-ch Annahme. Eine weiten.' lange Aussprache veranlaßten die Anträge sämtlicher hiesigen Tum und Sportvereine, daß die Veranstaltungen, welch.« der Jugendpflege dienen, von bet Lustbarkrits- steuer befreit werden. Die Verordnung soll in ber gewünschten Weise abgeändert werben
Siehener Uonzerwerein.
Gießen, 23. Jan. 1921. Klavierabend: Paul Schramm.
In Paul Schramm lernten wir einen begna beten Pianisten kennen, der sein Jnstrumen' meistert unb darüber hinaus das eigene Könne, beherrscht. An seiner abgcftfjlor.e.icn Technik is vor allem zu rühiMr. kristallene Klarhrit imt erstaunlicher Fa.benrrichtum Ec verfügt über di zartesten Töne des Pia.w unb bat ben Anschlas berart in her Gewalt, daß er im 83.Ticbroin.enIa er bcs Tones bis an die äußerste Gne tze geben bari Auf der anderen Seite steigert sich sein^Foitte bst zum grollenden Donner, ohne daß ein Schein tun Härte oder auch nur Dumpfheit die künstlerisch Wirkung trübte. Anschlagstechnik mitsamt den Pedalaebrauch sind bis auf» kleinste durch ach und die seltenen Fähigkeiten mit Rafftnemen ausgebeutet. Aber die vornehme Na.ur diestt Künstlers läßt sich zu keinerlei Blendwerk her leiten. Mit vollem Bedach: läßt er sich Gelegen heften entgehen, die mancher gleich ser ige Pianist zu tosender Massenwirkung ober plötzlicher Er- schüttcrung benutzen roürbe; er sucht selbständig unb mit ausgesuchtem Geschmack, wann er ben Hörer int innersten packen will. Wftl er es so gelingt eS ihm: es ist eine angreifntbe Sache, diesem Vortrag zu folgen, ber zwingt unb mckl losläßl
Der Abend begann mit einer Eharonne von Bach in Bussonischer Bearbeitung, die neben unerläßlicher Klarheit eine endlose Skala von Stärk- graben verlangt, um nicht zu ermüden. Paul Schramms Meisterschaft feierte diesen Aufgaben gegenüber von vornherein ihren Triumph. Man hatte den Eindruck, als lernte fein Forte überhaupt keine Schranken und könne, immer als künstlerischer GedankenauSdruck, bie Gewalt deS «(Iet> Orchesters erreichst , , „ ,
Die dritte Beetbovensch- tironafe brachte Ueber- raschnngen. Den ersten Satz hielt der Künstler te Mittelgröße. Manche Stellen, insbesondere in Durckstühmng und Schluß könnte man sich größer angcfaßt und wuchttger durchge'ührt denken. Mau könnte es! aber Schramms Darbietung war in sich so sein gerundet und festgefügt, daß man ihr das Daseinsrecht durchaus nicht bestreiten mag, zu- mal er in dem abgeklärten Adagio einer ganz ent- sprc chenden verhaltenen Innerlichkeit zu vollkvm- men überzeugendem Ausdruck verhalf. Die beiden letzten Sätze zeigten em sabelbafteS. dazu in sicho rem Zügel gehaltenes GesehwindigkeftSspiel.
Der Höhepunkt des Abends schien uns der Vortrag der Edward-Ballade v. BraHmS zu sein Dieses spröde Stück, dem das Klavier ungern seine eigensten Wirkungsfähig'e''ten opsritt, gcTxxltete sich unter SckirammS gnoszartiger Vortragsweise, bet unerschöpflichen Fülle feiner Nümteen unb der ungeheureren Wucht seines Ansturms zu einem (teroaltinen Tongemälde von unheimlichem grausigem Eharakter Eine intabertrcfflkb» Msster- leii'fung! — ES folgte die viel gehörte D-Dur- Ballade mit ihren ergreifenden KlSnaen Wucb- z«nder Entfay ung, wundervoll toeber gegeben; ebenso wie bte Variationen OpuS 21 Nr. 2, bie weniger zu sagen schienen und eher ein interessmiteS Bild des starrköpfigen trockenen DvahmS gaben, ber zwischen den Zauberschöofungen kriner Kunst regelmäßig hie und da den Kops berauSstreckt Dte folgenden kleinen Stücke von Dd^art usw . gesetzt vom ^>rtragmbcn, waren zumeist gefällige Kleinigkeften, voll Schötcheft unb Frisckre, denen gerecht zu werden auch hier Paul Schramm mehr am Herzen lag. als ein zur Schau stellen bei eigenen Könnens Zum Schluß kam Ehopm mit dem F-Dur-Nvcturn dem trrohen As-Dur-Dalzer unb der klassischen AS^Dur-Ballade zu Wort, sonne mit dem Minutenwalzer als Zuaabe Da- Noc- tum erfuhr täte schlechthin vollendete AuSleaung. während bei der Mhntgmbcn Stelle d--S AS-Dur- Walzers, wie auch zuweüen in her Ballade durch übermäßige Temposteigung bei aller inneren Folge- riftrigkeft doch tne Linie zu sehr verwischt wurde
Der stürmische Beifall der Zuhörer bewies, daß .man diesen hervorragenden Pianisten mit seinen vornehmen kimsttertschen Absichten richtig verstanden hatte. R
Reid)$grünöunq$fdtrn.
O Friedberg. 22. Jan. Erne besolde» Reick^gründutrsSfeier veranstaltete hier im Hotri Trapp bie Freie Bauernschulgevreind« '3 e 11 e r a u. Die aus der g iraen Wetterau frari besuchte Beranstaltmty war einfach gehalten unb von vaterländischem (Sci'je getragen De Festrede hielt Oberiehner Lenz (0rften\ der es verstand, bie reckten Töt» zu treffen. Der Leiter stet Schulgemeinde, Tr. Roßberg (Gießm) ve bnitete sich auch eingehend über ben Bauernschulgedan». Außer den beiden Hauptrednern spvachen noch eine Reibe von Führern des HessiÄen BauernbunbcB. so Dr. v Hrimrttt, Cetonomicrat Biridenbach Pros Gchhard. Im Unterhalttn-gSteil sand vor allem daS Thvtter'.ück „Oberhes ich: DorsbLderi', das eine Gemcfttdeoatssitzung glänsend roiebecflab, viel Beifall.
O Butzbach, 22. Jan. Die gestern Deren* fraltrte Re ich SgründungS feier war von amb 900 MLraterrt unb Frauen aus allen Bo-
ßsK jdtt. .ShtiüDtttcrk
fjssE'
Es 1
per P
Hz
Mäu
d/sch» h üflnu in Ule« leitii hr Müh Ailihirili 3. k»tac <n Ä Ju ti lir hui FrauP
Mur (Violine)
Hr. Cello- Mfl|1 Virtuose ||g||
ani Mühl ^HOgekHeiTEher Tk#ae: Werke von R J w«ne von Ht
III n.* '
tut (


