Nr. 170
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vsßfchetnsit»:
Sraeffurt a. M. U6N.
Erster Blatt
171. Jahrgang
Samstag, 23. Zu'.i 1921
GietzenerAnMger
General-Anzeiger für Oberhessen
vruck und Verls-: vrühl'fche Univ.-Vuch. und Steiudruckerei H. Lange. Schrtftlettm-, Geschäftsstelle und Drutferel: Zchulstratze 7.
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Wochenrückblick.
Die brohenben Sorgen deS Herbstes liegen unserem Dolle schon jetzt schwer auf der Seele. Wir sehen eine Teuerung im Anzuge, deren Ankündigung schon profitsüchtige Personen und Branchen -um Hinaufschrauben ihrer Preise veranlaßt hat. Eine Teuerung ist unvermeidlich — weil die Produktion uns erschwert worden ist. 'eurereKvhlenprei'e InTBirt- schaft und Handel sich bemerkbar machen, und weil „Sanktionen" und bevorstehende unmögliche Steuerlasten und an der Notdurft des Lebens fressen. Der Staat ist nicht mehr in der Lage, die Preise der notwendigsten Lebensmittel zu limitieren und größere Summen dafür in seinen Etat einzustellen. 3n der Bildung von Organisationen ist der Deutsche groß aber in der Preiskontrolle und Wucherbe- kämvfung ist fein Wilsen und Handeln noch Stückwerk geblieben. Wie während des Krieges appelliert man bei Produzenten und Händlern an deren Gewissen und Moral und predigt voll ungläubiger Bitterkeit das Hamlet-Wort: „Nimm eine Tugend an, die du nicht hast!"
Vielleicht bringt die wachsende Not des gesamten Volkes schließlich eine Hm» kehr. Jedenfalls dürfen wir nicht ermüden, die Geister in diesem Sinne wachzurütteln, daran zu erinnern, daß jeder nur ein Glied des Ganzen ist. von dessen Schonung und Wohl a rt sein eigenes Wohlbe'l der a'hättet. Wir'schmieden uns unser Schicksal selbst. Mit einer gesunden Mischung von Idealismus und Opttmismus würden wir auch über die härtesten Bedrängnisse Hinwegkommen. Wie oft ist in den letzten Jahren das Hnmögliche möglich geworden? Wie häufig haben die Propheten sich geirrt, und das Schicksal in seiner ungemessenen Größe hat aller Berechnungen und Erfahrungen gespottet! Der deutsche Drlkskdrper ist noch lebenskräftig, wenn ihm nur Geist und Seele nicht erstickt werden. Hat man die Deutschen schon entwaffnet — Wille und Würde müssen sie behalten, und darauf muh die Politik der Parteien und der Regie- rung unablässig gerichtet sein.
Der Reichskanzler Dr. Wirth chat einem amerikanischen Journalisten sein Leid geklagt, und diesmal gibt es gegen seine Bekundung wenig einzuwenden. Es ist Wahrheit, daß Briand ihm ins Gesicht geschlagen hat und daß das deutsche Volk sich von seiner ..Politik der Erfüllung" empört loSsaaen wird, wenn die oberschlesische Frage und die sogenannten „Sankttonen" nicht nach Recht und Gerechtigkeit erledigt werden. Wer da, unbelehrbar, das Verstandesspiel noch weiter treiben, dem Kabinett Wirth raten möchte, im Amte zu bleiben, dem Hohn des Feindes sich zu beugen, dem Gefühl des eigenen Volkes zu trotzen — der erweist sich als volksfremd und unwürdig der Gotteshilfe, auf die wir bauen müssen . . .
3n der schlimmen Prüfung, die uns be° vorstebt, ist es natürlich auch von großer Wich- ttgkeit, was wir von der Sozialdemokratie zu erwarten haben. Es war kein sozialdemokratisches, sondern ein in eine besondere Demokratie verbissenes Blatt, nämlich die „Franks. Ztg.", die das Kabinett Wirth, komme was da wolle, zum Ausharren auf seinem Posten aufsorderte. Die Sozialdemokraten stehen auf dem Wege des Verständnisses nationaler Notwendigkeiten zwar noch sehr weit zurück, aber sie haben von der Entwicklung der Dinge in den letzten Jahren doch außervrdenttich viel gelernt und sind bereit, Konseguenzen daraus zu ziehen. Der im „Vorwärts" erschienene Entwurf eines neuen Parteiprogramms, die Arbeit eines im vorigen Jahre eingesetzten Ausschusses, beweist es. Danach würde die maxi- sttsche Haut der Partei so halbwegs abgestreift. Don der Verelendungstheorie, von der De- seittgung der kapitalisttschen Betriebsweise, von Klassenkampf, ist in dem Entwurf nicht mehr die Rede. Der Revisionismus hat gesiegt. Wir sind weit entfernt, über diese Mau- ferung zu spotten, denn es liegt etwas durchaus Großes in diesem Lernen und Streben. Besonders weil heute die radikale Orthodoxie sich andere Tempel erbaut hat, wo sie die gelehrten Gespinste der alten Apostel mit tatendurstigen Thesen vertauscht. Die Mehr- heit'so iold'mv'rattemeint siealtenGlaubenS- fätze, aber auch die radikalen Grundforderungen des vor 30 Jahren entstandenen Erfurter Programms nicht mehr festhalten zu können. Erfahrung und Entwicklung haben den alten politischen Katechismus zerstört. Der Verlauf der neuen Rerolu ionen offenbarte dieHnwah-- heit, Hnzulänglichkeit und Hnmöglichkeit der Erfurter Sätze und Forderungen.
Aber die vollen Konsequenzen werden noch immer nicht gezogen. Alte Irrtümer spuken weiter, während die Partei zu einem wissenschaftlich begründeten Bekenntnis-Programm überhaupt nicht mehr sich aufzu- schwingen vermag. Der genannte Entwurf, allgemeiner Heberzeugungssätze ermangelnd,
enthält, nach einer Zählung Friedrich Stampfers, hundertfünfunddreißig Spezialforderungen, die ziemlich unvermittelt nebeneinanderstehen und keine rechte innere Beziehung zueinander haben. Fttedrich Stampfer, der frühere Chefredakteur des „Vorwärts", läßt seine Kritik des Programmentwurfs in dem Vorwurf gipfeln, daß der Staatsgedanke darin nicht lebendig genug zum Ausdruck gekommen sei. Hnd da hat er freilich recht: ohne einen Staat, der wirtschaften kann, ist Sozialismus überhaupt nicht möglich. Großer Wert wird in dem Programm- Vorschlag darauf gelegt, „daß die großen konzentrierten Wirtschaftsbetriebe — soweit sie bereits zu Privatmonopvlen geworden sind oder eine das Wirtschaftsleben der Nationen beherrschende Machtstellung erlangt haben — in die sozialistische Gemeinschaft durch Vergesellschaftung der kapitalistischen Produktionsmittel übergeführt und zugleich alle im Voll vorhandenen Kräfte in planmäßigem Aus- und Aufbau der Produktton zur höchsten technischen Vollkommenheit und lebendiger Arbeitsfreudigkeit erzogen werden." Für die Gefahr internationaler Konflikte und imperialistischer Ausdehnung machen die Ver- fertiger des Entwurfs nämlich in der Hauptsache den „Einfluß des großen Finanzkapitals auf die Politik der Regierungen" verantwortlich. Man erkennt hier, tote der Blick durch die internationale Brille die Theorie aufbaut und zu Vorsätzen treibt, die in unseren deutschen Verhältnissen heute ganz und gar nicht begründet sind. Stampfer fragt denn auch dazu: „Wenn wir heute Kohle, Eisen, Stahl und noch einiges andere „Reife" sozialisieren, glaubt dann wirklich jemand, daß damit „die unerträglichen Zustande überwunden" wären?"
Noch entschiedener rückt Eduard David, ebenfalls im „Vorwärts", vom Programmentwurf ab. Das Maß der Sozialisierung geht ihm zu weit; werde doch sogar die Dollsozialisierung „des gesamten Heil- und Gesundheitswesens" verlangt! „Wer," so ruft David aus, „an die Durchführbarkeit dieser Schablone glaubt und Verlangen trägt, möglichst viel weitere, staatliche oder kommunale Defizitwirtschaften zu schaffen, mag sich dafür begeistern; ich teile diese Begeisterung nicht." Besonders aber tadelt David die unter Wohnungswesen im Programmentwurf vorgeschlagene „Vergesellschaftung des Grund undBo- d e n s". Damit werde den Gegnern der Sozialdemokratie eine Keule in die Hand gedrückt, mit der sie alle sozialdemokratische Werbearbeit unter den kleinen Landwirten und Besitzern einer Wohnheimstätte mühelos tvtschlagen könnten. Viel besser sei es, einen Satz aus dem Agrarprogramm der Kommunistischen Partei Deutschlands zu übernehmen: „Das Privateigentum des Kleinbauern an Land und Arbeitsmitteln bleibt unangetastet. Er erhält das bisher von ihm bewirtschaftete Land zur freien Verfügung überwiesen."
Die sozialdemokratische Partei von heute ist noch immer stark befangen von ihren alten Vorurteilen und falschen Voraussetzungen. Statt einfach dazu überzugehen, sozialen Fort- schritt, Besserung der Lage des Proletariates auf ihre Fahne zu schreiben, und mit den anderen Parteien zu fühlen, daß diese Ziele weit erheblicher durch das gegnerische Ausland als durch innerpolittsche Widerstände beeinträchtigt werden, hält man sich an die aussichtslose Internationale. Hundertfünfunddreißig Spezialforderungen wurden ersonnen, aber sie entstammen meist, wenn auch das Wort Klassen- kampf nicht mehr genannt wird, der alten Vorstellungswelt. AgitattonSbedürfniS und angeborener Oppositionsgeist hindern die sozialdemokratische Partei, unbefangen zu prüfen und zu beschließen, was in der heutt- gen verwickelten und gespannten Lage wirklich dem Nutzen deS Vaterlandes, und damit auch der deutschen Arbeiter, dient. Der v a - terländische, von aussichtslosen, internationalen Phantasien nicht zersetzte Staatsgedanke muh das deutsche Volk zu seinem Wiederaufbau und zu seiner Befreiung führen. Der bevorstehende Görlitzer Parteitag der Sozialdemokratie wird übrigens schwerlich dazu kommen, ein neues Programm >u beschließen und durchzusetzen; es liegen bereits Anttäge vor, den erwähnten Entwurf noch ein Jahr lang zu verdauen, geistig zu durchdringen, bevor man etwas Entscheidendes unternimmt. Da gerade die heuttge Zeit mit ihrer Aussicht auf die Washingtoner Konferenz und die Lösung internationaler Probleme uns in die angestrengtesten Lehrkurse stürzt, wird man in der Tat im Interesse der deutschen Gesamtheit unserer Sozialdemokratte für die Erneuerung und die Hmwandlung ihres polittschen Glaubens noch etwas Geduld wünschen müssen.
Die englisch-französischen Meinungsverschiedenheiten.
London, 22. Juli. (Wolff.) Ein diplorna- ttscher Derichterstalter bei .Daily Telegraph" schreibt: .Die britische Regierung bleibt bei der energisch ausgesprochenen Heber- z e u g u n g, datz die Fragen von O b e r I ch 1 e - I i e n, der Sanktionen am Rhein und der Kriegsbeschuldigten ohne weitere Verzögerung verhandelt werden sollen. Verschiedene Punkte der Reparationsfrage dulden keinen wetteren Aufschub. Es wäre zwecklos, Meinungsverschiedenheiten zwischen London und Paiis zu verheimlichen. Rach der Auffassung der britischen Regierung kann die Lage nicht so bleiben, da äußerst kritische Probleme durch eine Art passiver Resistenz durch Frankreich ausgehalten werden. Heber die Haltung der britischen Regierung wird möglicherweise schon heute vom Kabinett beschlossen."
Paris,. 22. Juli. (Wolff.) Die „Chi- cago Tribüne" meldet aus London, in London ziehe man jetzt die Möglichkeit in Betracht, daß Truppen nach Oberschlesien gesandt werden müssen, weil eS, wenn die Franzosen mit dem unumschränkten Einfluß allein in Oberschlesien weilten, zu Herausforderungen kommen und dadurch eine Lage geschaffen werden könne, die zu einem weit ernsterem Eingreifen späterhin notigen würde. Man gebe sich keine Mühe mehr, zu verbergen, daß Frankreich und England vor ernsten Meinungsverschiedenheiten über die Politik gegen Deutschland ständen. Nach englischer Ansicht würden die Franzosen alles tun, was in ihre Macht stehe, um Deutschland zu einem Aufstand zu reizen, um so weitere Gebietsbesetzungen ihrerseits zu rechtfertigen. England sei, wie man erkläre, entschlossen, sich in ein derartiges Vorgehen nicht hineinziehen zu lassen.
London, 22.3u(L (Wolfs.) 3m .Daily Ehronicle" schreibt ein diplomatischer Mitarbeiter: Gestern nachmittag übermittelte der französische Botschafter Lord Curzon die Antwort der französischen Regierung. Danach ist Briand nicht geneigt, einer Zusammenkunft des Obersten Rates zum 2 8. Zuli zuzu- st i m m e n. Er verlangt anstatt dessen die Entsendung weiterer britischer Truppen nach Oberschlesien und ersucht ferner um Zustimmung der britischen Regierung zur Entsendung einer neuen französischen Division. Inzwischen wird berichtet, daß eine französische Division eiligst nach Oberschlesien geschickt wird, ohne aus britische Antwort zu warten. Hn- glücklicherweise ist der Oberste Rat die einzige Körperschaft, die die Autorität besitzt, die schlesische Grenzfrage zu regeln. Bis zu seinem Zusammentritt bleibt daher die Lage gefährlich. Die Ankunft weiterer französischer Truppen ist kaum geeignet, die Luft zu Hären, sondern dazu, die Polen zu weiteren Angriffen auf die Deutschen anzureizen. Wenn dies geschehen sollte, würde naturgemäß die Bevölkerung Widerstand leisten. Das ganze Land würde unter den Waffen stehen und ein neuer Grund zur Beschwerde gegen Deutschland würde von den Franzosen gefunden sein. Wahrscheinlich würde die Forderung erhoben, daß zur Strafe das Ruhrgebiet beseht werden solle. Großbritannien wünsche keine weiteren Soldaten nach Oberschlesien zu senden, da es keine zur Verfügung habe. Der von Briand vor» geschlagene SachverständigenauSschuß kann die Frage nicht regeln. Er kann nur dem Obersten Rat berichten. Es wird daher immer notwendiger, daß der Oberste Rat zusammentrete. Der französische Ministerpräsident schlägt, wie verlautet, ein Datum im August vor. Aber dies ist eine verhältnismäßig lange Frist. Die britische Antwort an Paris wird, wie wir erfahren, diese Auffassung hervorheben, ohne endgültig bie Entsendung von Truppen zu verweigern. und noch einmal ersuchen, daß die Zusammenkunft des Obersten Rates so bald wie möglich abgehalten werde.
3m Unterbaute erwiderte Lloyd George auf die Anfragen mehrerer Abgeordneten: .Ich kann über die Aufhebung der Besetzung von Düsseldorf, Duisburg und Ruhr- o r t vor dem Zusammentritt des Obersten Rates keine Erklärung abgeben.“ Ferner erklärte Lloyd George, daß zur Lösung der oberschlesischen Frage kein Schritt erfolgen könne vor der nächsten Zusammenkunft des Obersten Rates, die noch den Gegenstand von Verhandlungen zwischen den alliierten Regierungen bilde.
Aus Oberschlesien.
Berlin, 23. 3uIL Rach einer Meldung des .Lokalanzeigers" nehmen die Ausschreitungen der 3nsurgenten in Oberschlesien immer weiteren Umfang an. 3n G l e i w i h wurde gestern der Stadtteil Petersdorf von den 3nlur- genten lebhaft beschossen. 3m Labander Wald treiben sich bewaffnete 3n|urgenten in Scharen umher. 3n L i p i n e wird eine Bureaugehillin des deutschen Plebiszitkommistariats vermiet Man vermutet, daß fte von den 3n)urgenten beseitigt worden ist. InTarnowih verhafteten die Engländer bewaffnete 3n|urgenten, die eine 63jährige Frau überfallen und auSgeraubt hatten. Auch in Miechowih haben sich wieder starke 3n- lurgentenbanöcn gebildet. 3n Loslau hat eine allgemeine Flucht der Deutschen eingesetzt. Infolge der Abwanderung der Deutschen sind viele Häuser an die Polen verkauft worden.
Beuihen, 22. Zull. (Wolfs., Wie toentg die Polen daran denken, die Macht au# den Händen zu geben, zeigt folgender Vorfall, der sich gestern in FriedenShütte abgespielt hat. Gin Gastwirt und ein Arbeiter erhielten ein mit dem polnischen Adler versehenes Schreiben, in dem sie von dem polnischen Kommandanten von Friedenshütte aufgefordert wurden, sich am 21. Zull abends 6 V» Uhr vor einem außei - ordentlichen polnischen Gericht in Friedenshütte einzustnden und sich dort zu recht- fertigen.
3n Schientochlowitz kam c8 in der letzten Nacht wieder zu größeren Schießereien. Nähere Einzelheiten fehlen noch.
Königshütte, 22. Zull. (Wolff.) In bet Umgegend von Königshütte wird ne-erdingS beobachtet, daß die Polen jetzt shstema isch auch diejenigen terrorisieren, bie sie während des AufstandeS verschonten.
, Hindenburg, 21. 3ull. (Wolfs.) In BIS« kupih fanb vorgestern abend wieder eine größere Schießerei statt, wobei es einen Toten gab. Später hielten bie Insurgeten bie Kleinbahnen an und nahmen allen Inhabern grüner Legitimation-» karten, b. h. in Oberschlesien ansässigen, aber nicht dort gebotenen Personen, die Karten ab und zerrissen sie.
Hindenburg, 22. IM. (Wolff.) In Hindenburg verlangten bie Polen, es solle eine rein polnische Gemeinbewache peblTiet werden, obgleich die Stadt Hindenburg mit 21 250 deutschen und 14 853 polnischen Stimmen sich in der Mehrzahl zum Deutschtum bekannte Zur Seit hat Hindenburg überhaupt keine Polizei. Die nicht aus Oberschlesien gebürtigen blauen Polizisten sind von der Interalliierten Kommission ausgewiesen worden. Die zurückgebliebenen Polizeimanns<^sten dürfen aus Ve a-'lastunq der Polen keinen Dienst tun. Der französische KreiS- konttolleur tat nichts, um diese unhaltbaren Zustande zu befeitigen.
Ruhland und die Abrüstungskonferenz.
Paris, 22. Juli. (Wolff.) Die „Chicago Tribüne" meldet aus London: Das Foreign Office erhielt gestern eine lange Note des Kommissars der Sotosettegierung für Auswärtige Angelegenheiten Tschitscherin, in der geklagt wird, daß Rußland von Washington nicht zur Teilnahme an der Abrüstungskonferenz aufgefv'dert würde. In einer Meldung der „Chicago Tttdune" aus Wa hington wird n uerlich da auf hinget ie en, daß in Rußland ein radikaler Wechsel eintteten müsse, bevor es auf der Konferenz toillkommen sein könne, da mit Bolschetoisten keine Verhandlungen möglich seien.
Paris, 22. Juli. (WTB.) Der „TempS" veröffentlicht eine von zuständiger Seite aus Washington stammende Nachricht, der zufolge man sich dort zuerst mit dem Gedanken getragen habe, die geaentoättige Regierung Rußland zu der Washingtoner Konferenz einzuladen. Die offizielle Meinung sei jedoch die, daß. solange die in Rußland zurückgehaltenen Amerikaner nicht freigegeben würden und die Sowjettegierung sich nicht bereit erlläre, ihre Versprechungen zu erfüllen, von irgendwelchen Verhandlungen mit der russischen Regierung keine Rede sein könne.
Der türkisch-griechische Krieg.
Angora, 22. Zuli. (Havas.) Der offizielle türkische Kriegsbericht besagt, daß tm Brussaabschnitt die Griechen die Linie Diledjik— Bazardjik erreicht haben. Im Hschakabschnitt wurde ein griechischer Angriff abgetoiefen. Die Türken haben ihre Sicherungstruppen von Afinm Karahissar zurückgezogen, wo Kämpfe stattgefunden haben. — Die Nachrichten von der Front beweisen, daß sich die Türken unter Mitnahme deS Kriegsmaterials zurückziehen. Der rechte türlllche Flügel fährt fort, mit dem linken griechischen Flügel zu kämpfen, der gegenwärtig zum Stehen gebracht ist.
K o nst a n t i n o p e l. 22. Juli. (HapnS.) Rach der Schlacht bei Kutahla wurden 3000 griechische Verwundete nach Smyrna gebracht. Die türkische Gegenoffensive scheint lich auf beiden Flügeln zu entwickeln. Karahissar und Dumja sollen bereits wieder genommen fein. Die griechische Armee soll Tn eine schwierige Lage geraten sein, da die Verpflegung SmymaS größtenteils durch diese Städte kam.
Belgrad, 22. Iuli. (WTB.) Havas. Die Zeitung -Delgradski Dwinna" meldet aus Saloniki, daß am 10. 3uli Mustapha Kemal Pascha der albanischen Regierung von Tirana vorgeschlagen habe, sich mit ihr zu verbinden. Er versprach, ihr mit Waffen und Geld zu bellen
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Ein kommunistisches Attentat gegen einen jugoslavischen Minister.
G r a z, 22. Zull. (WTB.) Der Grazer Tagespost wird aus Agram über das Attentat auf den früheren jugoslawischen Minister Drasko » witsch folgendes berichtet: Während dieser mit seinen Kindern im Park von Delnlce ging, eilte der Mörder namens A 1 y a g i s aus ihn ,u Ungefähr zwei Schritte vor ihm, zog er einen Revolver und und gab rasch hintereinander zwei Schüsse ab, wovon der eine Draskowitschs Kopf traf und der zweite in das Herz drang. DerMinisterwop


