Ausgabe 
23.7.1921
 
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Nr. 170

Der etfNtntr Lnzefger mit bet 'Dienstagsbeilage »tpelt llmicharf er. scheint täglich, aufeer Sonn- und feiertags. Monatliche Se,«a<ore>ie: Ularii 5. - einschließlich Trägerlebn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Ferniprech-Anschluste: fürdieSchriftleUung 112; für Druckerei, Verlag und iLelchafisstele 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Änielger Ließen.

vsßfchetnsit»:

Sraeffurt a. M. U6N.

Erster Blatt

171. Jahrgang

Samstag, 23. Zu'.i 1921

GietzenerAnMger

General-Anzeiger für Oberhessen

vruck und Verls-: vrühl'fche Univ.-Vuch. und Steiudruckerei H. Lange. Schrtftlettm-, Geschäftsstelle und Drutferel: Zchulstratze 7.

Annahme von AnzeigeR ftr bie lagesnummer bi» zum Nachmittag vorher »hnejebe Derdindlichbeit. Dreis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 40 Pf, auswärt» 50 Pf.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Steile 180*Pf Bei Platz. Vorschrift 20", Ausschlag. Hauptschriftleiter. Aug. Goetz Verantwortlich fürPolitik: Aug Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz; für den Anzeigenteil. Hans Deck, sämtlich in Gießen.

Wochenrückblick.

Die brohenben Sorgen deS Herbstes liegen unserem Dolle schon jetzt schwer auf der Seele. Wir sehen eine Teuerung im Anzuge, deren Ankündigung schon profitsüchtige Perso­nen und Branchen -um Hinaufschrauben ihrer Preise veranlaßt hat. Eine Teuerung ist un­vermeidlich weil die Produktion uns er­schwert worden ist. 'eurereKvhlenprei'e InTBirt- schaft und Handel sich bemerkbar machen, und weilSanktionen" und bevorstehende unmög­liche Steuerlasten und an der Notdurft des Lebens fressen. Der Staat ist nicht mehr in der Lage, die Preise der notwendigsten Le­bensmittel zu limitieren und größere Summen dafür in seinen Etat einzustellen. 3n der Bil­dung von Organisationen ist der Deutsche groß aber in der Preiskontrolle und Wucherbe- kämvfung ist fein Wilsen und Handeln noch Stückwerk geblieben. Wie während des Krieges appelliert man bei Produzenten und Händlern an deren Gewissen und Moral und predigt voll ungläubiger Bitterkeit das Hamlet-Wort: Nimm eine Tugend an, die du nicht hast!"

Vielleicht bringt die wachsende Not des gesamten Volkes schließlich eine Hm» kehr. Jedenfalls dürfen wir nicht ermüden, die Geister in diesem Sinne wachzurütteln, daran zu erinnern, daß jeder nur ein Glied des Ganzen ist. von dessen Schonung und Wohl a rt sein eigenes Wohlbe'l der a'hättet. Wir'schmieden uns unser Schicksal selbst. Mit einer gesunden Mischung von Idealismus und Opttmismus würden wir auch über die härte­sten Bedrängnisse Hinwegkommen. Wie oft ist in den letzten Jahren das Hnmögliche mög­lich geworden? Wie häufig haben die Pro­pheten sich geirrt, und das Schicksal in seiner ungemessenen Größe hat aller Berechnungen und Erfahrungen gespottet! Der deutsche Drlkskdrper ist noch lebenskräftig, wenn ihm nur Geist und Seele nicht erstickt werden. Hat man die Deutschen schon entwaffnet Wille und Würde müssen sie behalten, und darauf muh die Politik der Parteien und der Regie- rung unablässig gerichtet sein.

Der Reichskanzler Dr. Wirth chat einem amerikanischen Journalisten sein Leid geklagt, und diesmal gibt es gegen seine Bekundung wenig einzuwenden. Es ist Wahrheit, daß Briand ihm ins Gesicht geschlagen hat und daß das deutsche Volk sich von seiner ..Politik der Erfüllung" empört loSsaaen wird, wenn die oberschlesische Frage und die sogenannten Sankttonen" nicht nach Recht und Gerech­tigkeit erledigt werden. Wer da, unbelehrbar, das Verstandesspiel noch weiter treiben, dem Kabinett Wirth raten möchte, im Amte zu bleiben, dem Hohn des Feindes sich zu beugen, dem Gefühl des eigenen Volkes zu trotzen der erweist sich als volksfremd und unwürdig der Gotteshilfe, auf die wir bauen müssen . . .

3n der schlimmen Prüfung, die uns be° vorstebt, ist es natürlich auch von großer Wich- ttgkeit, was wir von der Sozialdemo­kratie zu erwarten haben. Es war kein sozialdemokratisches, sondern ein in eine be­sondere Demokratie verbissenes Blatt, näm­lich dieFranks. Ztg.", die das Kabinett Wirth, komme was da wolle, zum Ausharren auf seinem Posten aufsorderte. Die Sozial­demokraten stehen auf dem Wege des Ver­ständnisses nationaler Notwendigkeiten zwar noch sehr weit zurück, aber sie haben von der Entwicklung der Dinge in den letzten Jahren doch außervrdenttich viel gelernt und sind be­reit, Konseguenzen daraus zu ziehen. Der imVorwärts" erschienene Entwurf eines neuen Parteiprogramms, die Arbeit eines im vorigen Jahre eingesetzten Aus­schusses, beweist es. Danach würde die maxi- sttsche Haut der Partei so halbwegs abgestreift. Don der Verelendungstheorie, von der De- seittgung der kapitalisttschen Betriebsweise, von Klassenkampf, ist in dem Entwurf nicht mehr die Rede. Der Revisionismus hat ge­siegt. Wir sind weit entfernt, über diese Mau- ferung zu spotten, denn es liegt etwas durch­aus Großes in diesem Lernen und Streben. Besonders weil heute die radikale Orthodoxie sich andere Tempel erbaut hat, wo sie die gelehrten Gespinste der alten Apostel mit tatendurstigen Thesen vertauscht. Die Mehr- heit'so iold'mv'rattemeint siealtenGlaubenS- fätze, aber auch die radikalen Grundforderungen des vor 30 Jahren entstandenen Erfurter Programms nicht mehr festhalten zu können. Erfahrung und Entwicklung haben den alten politischen Katechismus zerstört. Der Verlauf der neuen Rerolu ionen offenbarte dieHnwah-- heit, Hnzulänglichkeit und Hnmöglichkeit der Erfurter Sätze und Forderungen.

Aber die vollen Konsequenzen werden noch immer nicht gezogen. Alte Irrtümer spuken weiter, während die Partei zu einem wissenschaftlich begründeten Bekenntnis-Pro­gramm überhaupt nicht mehr sich aufzu- schwingen vermag. Der genannte Entwurf, allgemeiner Heberzeugungssätze ermangelnd,

enthält, nach einer Zählung Friedrich Stamp­fers, hundertfünfunddreißig Spe­zialforderungen, die ziemlich unver­mittelt nebeneinanderstehen und keine rechte innere Beziehung zueinander haben. Fttedrich Stampfer, der frühere Chefredakteur des Vorwärts", läßt seine Kritik des Programm­entwurfs in dem Vorwurf gipfeln, daß der Staatsgedanke darin nicht lebendig ge­nug zum Ausdruck gekommen sei. Hnd da hat er freilich recht: ohne einen Staat, der wirt­schaften kann, ist Sozialismus überhaupt nicht möglich. Großer Wert wird in dem Programm- Vorschlag darauf gelegt,daß die großen kon­zentrierten Wirtschaftsbetriebe soweit sie bereits zu Privatmonopvlen geworden sind oder eine das Wirtschaftsleben der Nationen beherrschende Machtstellung erlangt haben in die sozialistische Gemeinschaft durch Ver­gesellschaftung der kapitalistischen Produk­tionsmittel übergeführt und zugleich alle im Voll vorhandenen Kräfte in planmäßigem Aus- und Aufbau der Produktton zur höch­sten technischen Vollkommenheit und leben­diger Arbeitsfreudigkeit erzogen werden." Für die Gefahr internationaler Konflikte und im­perialistischer Ausdehnung machen die Ver- fertiger des Entwurfs nämlich in der Haupt­sache denEinfluß des großen Finanzkapitals auf die Politik der Regierungen" verantwort­lich. Man erkennt hier, tote der Blick durch die internationale Brille die Theorie aufbaut und zu Vorsätzen treibt, die in unseren deut­schen Verhältnissen heute ganz und gar nicht begründet sind. Stampfer fragt denn auch da­zu:Wenn wir heute Kohle, Eisen, Stahl und noch einiges andereReife" so­zialisieren, glaubt dann wirklich jemand, daß damitdie unerträglichen Zustande überwun­den" wären?"

Noch entschiedener rückt Eduard Da­vid, ebenfalls imVorwärts", vom Pro­grammentwurf ab. Das Maß der Sozialisie­rung geht ihm zu weit; werde doch sogar die Dollsozialisierungdes gesamten Heil- und Gesundheitswesens" verlangt!Wer," so ruft David aus,an die Durchführbarkeit dieser Schablone glaubt und Verlangen trägt, mög­lichst viel weitere, staatliche oder kommunale Defizitwirtschaften zu schaffen, mag sich dafür begeistern; ich teile diese Begeisterung nicht." Besonders aber ta­delt David die unter Wohnungswesen im Programmentwurf vorgeschlageneVer­gesellschaftung des Grund undBo- d e n s". Damit werde den Gegnern der So­zialdemokratie eine Keule in die Hand ge­drückt, mit der sie alle sozialdemokratische Werbearbeit unter den kleinen Landwirten und Besitzern einer Wohnheimstätte mühelos tvtschlagen könnten. Viel besser sei es, einen Satz aus dem Agrarprogramm der Kommu­nistischen Partei Deutschlands zu übernehmen: Das Privateigentum des Kleinbauern an Land und Arbeitsmitteln bleibt unangetastet. Er erhält das bisher von ihm bewirtschaftete Land zur freien Verfügung überwiesen."

Die sozialdemokratische Partei von heute ist noch immer stark befangen von ihren alten Vorurteilen und falschen Voraussetzungen. Statt einfach dazu überzugehen, sozialen Fort- schritt, Besserung der Lage des Proletariates auf ihre Fahne zu schreiben, und mit den an­deren Parteien zu fühlen, daß diese Ziele weit erheblicher durch das gegnerische Ausland als durch innerpolittsche Widerstände beeinträch­tigt werden, hält man sich an die aussichtslose Internationale. Hundertfünfunddreißig Spe­zialforderungen wurden ersonnen, aber sie ent­stammen meist, wenn auch das Wort Klassen- kampf nicht mehr genannt wird, der alten Vorstellungswelt. AgitattonSbedürfniS und angeborener Oppositionsgeist hindern die sozialdemokratische Partei, unbefangen zu prüfen und zu beschließen, was in der heutt- gen verwickelten und gespannten Lage wirk­lich dem Nutzen deS Vaterlandes, und damit auch der deutschen Arbeiter, dient. Der v a - terländische, von aussichtslosen, inter­nationalen Phantasien nicht zersetzte Staats­gedanke muh das deutsche Volk zu seinem Wiederaufbau und zu seiner Befreiung füh­ren. Der bevorstehende Görlitzer Parteitag der Sozialdemokratie wird übrigens schwer­lich dazu kommen, ein neues Programm >u be­schließen und durchzusetzen; es liegen bereits Anttäge vor, den erwähnten Entwurf noch ein Jahr lang zu verdauen, geistig zu durch­dringen, bevor man etwas Entscheidendes unternimmt. Da gerade die heuttge Zeit mit ihrer Aussicht auf die Washingtoner Konferenz und die Lösung internationaler Probleme uns in die ange­strengtesten Lehrkurse stürzt, wird man in der Tat im Interesse der deutschen Gesamtheit unserer Sozialdemokratte für die Erneuerung und die Hmwandlung ihres polittschen Glau­bens noch etwas Geduld wünschen müssen.

Die englisch-französischen Meinungsverschiedenheiten.

London, 22. Juli. (Wolff.) Ein diplorna- ttscher Derichterstalter bei .Daily Telegraph" schreibt: .Die britische Regierung bleibt bei der energisch ausgesprochenen Heber- z e u g u n g, datz die Fragen von O b e r I ch 1 e - I i e n, der Sanktionen am Rhein und der Kriegsbeschuldigten ohne weitere Ver­zögerung verhandelt werden sollen. Verschiedene Punkte der Reparationsfrage dulden keinen wet­teren Aufschub. Es wäre zwecklos, Meinungs­verschiedenheiten zwischen London und Paiis zu verheimlichen. Rach der Auffassung der britischen Regierung kann die Lage nicht so blei­ben, da äußerst kritische Probleme durch eine Art passiver Resistenz durch Frankreich ausgehalten werden. Heber die Haltung der bri­tischen Regierung wird möglicherweise schon heute vom Kabinett beschlossen."

Paris,. 22. Juli. (Wolff.) DieChi- cago Tribüne" meldet aus London, in Lon­don ziehe man jetzt die Möglichkeit in Be­tracht, daß Truppen nach Oberschle­sien gesandt werden müssen, weil eS, wenn die Franzosen mit dem unumschränk­ten Einfluß allein in Oberschlesien weilten, zu Herausforderungen kommen und dadurch eine Lage geschaffen werden könne, die zu einem weit ernsterem Eingreifen späterhin notigen würde. Man gebe sich keine Mühe mehr, zu verbergen, daß Frankreich und England vor ernsten Meinungsverschiedenhei­ten über die Politik gegen Deutschland stän­den. Nach englischer Ansicht würden die Fran­zosen alles tun, was in ihre Macht stehe, um Deutschland zu einem Aufstand zu rei­zen, um so weitere Gebietsbesetzungen ihrer­seits zu rechtfertigen. England sei, wie man erkläre, entschlossen, sich in ein derartiges Vor­gehen nicht hineinziehen zu lassen.

London, 22.3u(L (Wolfs.) 3m .Daily Ehronicle" schreibt ein diplomatischer Mitarbeiter: Gestern nachmittag übermittelte der französische Botschafter Lord Curzon die Antwort der fran­zösischen Regierung. Danach ist Briand nicht geneigt, einer Zusammenkunft des Obersten Rates zum 2 8. Zuli zuzu- st i m m e n. Er verlangt anstatt dessen die Ent­sendung weiterer britischer Truppen nach Ober­schlesien und ersucht ferner um Zustimmung der britischen Regierung zur Entsendung einer neuen französischen Division. Inzwischen wird berichtet, daß eine französische Division eiligst nach Oberschlesien geschickt wird, ohne aus britische Antwort zu warten. Hn- glücklicherweise ist der Oberste Rat die einzige Körperschaft, die die Autorität besitzt, die schle­sische Grenzfrage zu regeln. Bis zu seinem Zu­sammentritt bleibt daher die Lage gefährlich. Die Ankunft weiterer französischer Truppen ist kaum geeignet, die Luft zu Hären, sondern dazu, die Polen zu weiteren Angriffen auf die Deut­schen anzureizen. Wenn dies geschehen sollte, würde naturgemäß die Bevölkerung Widerstand leisten. Das ganze Land würde unter den Waffen stehen und ein neuer Grund zur Beschwerde gegen Deutschland würde von den Franzosen gefunden sein. Wahrscheinlich würde die Forderung er­hoben, daß zur Strafe das Ruhrgebiet beseht werden solle. Großbritannien wünsche keine wei­teren Soldaten nach Oberschlesien zu senden, da es keine zur Verfügung habe. Der von Briand vor» geschlagene SachverständigenauSschuß kann die Frage nicht regeln. Er kann nur dem Obersten Rat berichten. Es wird daher immer notwendiger, daß der Oberste Rat zusammentrete. Der französische Ministerpräsident schlägt, wie verlautet, ein Datum im August vor. Aber dies ist eine verhältnismäßig lange Frist. Die bri­tische Antwort an Paris wird, wie wir er­fahren, diese Auffassung hervorheben, ohne end­gültig bie Entsendung von Truppen zu verwei­gern. und noch einmal ersuchen, daß die Zusam­menkunft des Obersten Rates so bald wie möglich abgehalten werde.

3m Unterbaute erwiderte Lloyd Ge­orge auf die Anfragen mehrerer Abgeordneten: .Ich kann über die Aufhebung der Besetzung von Düsseldorf, Duisburg und Ruhr- o r t vor dem Zusammentritt des Obersten Rates keine Erklärung abgeben. Ferner erklärte Lloyd George, daß zur Lösung der oberschlesischen Frage kein Schritt erfolgen könne vor der näch­sten Zusammenkunft des Obersten Rates, die noch den Gegenstand von Verhandlungen zwischen den alliierten Regierungen bilde.

Aus Oberschlesien.

Berlin, 23. 3uIL Rach einer Meldung des .Lokalanzeigers" nehmen die Ausschrei­tungen der 3nsurgenten in Oberschlesien immer weiteren Umfang an. 3n G l e i w i h wurde ge­stern der Stadtteil Petersdorf von den 3nlur- genten lebhaft beschossen. 3m Labander Wald treiben sich bewaffnete 3n|urgenten in Scharen umher. 3n L i p i n e wird eine Bureaugehillin des deutschen Plebiszitkommistariats vermiet Man vermutet, daß fte von den 3n)urgenten beseitigt worden ist. InTarnowih verhafteten die Eng­länder bewaffnete 3n|urgenten, die eine 63jährige Frau überfallen und auSgeraubt hatten. Auch in Miechowih haben sich wieder starke 3n- lurgentenbanöcn gebildet. 3n Loslau hat eine allgemeine Flucht der Deutschen eingesetzt. In­folge der Abwanderung der Deutschen sind viele Häuser an die Polen verkauft worden.

Beuihen, 22. Zull. (Wolfs., Wie toentg die Polen daran denken, die Macht au# den Hän­den zu geben, zeigt folgender Vorfall, der sich gestern in FriedenShütte abgespielt hat. Gin Gastwirt und ein Arbeiter erhielten ein mit dem polnischen Adler versehenes Schreiben, in dem sie von dem polnischen Kommandanten von Friedenshütte aufgefordert wurden, sich am 21. Zull abends 6 V» Uhr vor einem außei - ordentlichen polnischen Gericht in Friedenshütte einzustnden und sich dort zu recht- fertigen.

3n Schientochlowitz kam c8 in der letzten Nacht wieder zu größeren Schießereien. Nähere Einzelheiten fehlen noch.

Königshütte, 22. Zull. (Wolff.) In bet Umgegend von Königshütte wird ne-erdingS be­obachtet, daß die Polen jetzt shstema isch auch diejenigen terrorisieren, bie sie während des AufstandeS verschonten.

, Hindenburg, 21. 3ull. (Wolfs.) In BIS« kupih fanb vorgestern abend wieder eine größere Schießerei statt, wobei es einen Toten gab. Später hielten bie Insurgeten bie Kleinbahnen an und nahmen allen Inhabern grüner Legitimation-» karten, b. h. in Oberschlesien ansässigen, aber nicht dort gebotenen Personen, die Karten ab und zerrissen sie.

Hindenburg, 22. IM. (Wolff.) In Hin­denburg verlangten bie Polen, es solle eine rein polnische Gemeinbewache peblTiet werden, obgleich die Stadt Hindenburg mit 21 250 deutschen und 14 853 polnischen Stimmen sich in der Mehrzahl zum Deutschtum bekannte Zur Seit hat Hindenburg überhaupt keine Polizei. Die nicht aus Oberschlesien gebürtigen blauen Polizisten sind von der Interalliierten Kommission ausgewiesen worden. Die zurückgebliebenen Polizeimanns<^sten dürfen aus Ve a-'lastunq der Polen keinen Dienst tun. Der französische KreiS- konttolleur tat nichts, um diese unhaltbaren Zu­stande zu befeitigen.

Ruhland und die Abrüstungskonferenz.

Paris, 22. Juli. (Wolff.) DieChi­cago Tribüne" meldet aus London: Das Foreign Office erhielt gestern eine lange Note des Kommissars der Sotosettegierung für Auswärtige Angelegenheiten Tschitscherin, in der geklagt wird, daß Rußland von Washington nicht zur Teilnahme an der Ab­rüstungskonferenz aufgefv'dert würde. In einer Meldung derChicago Tttdune" aus Wa hington wird n uerlich da auf hinget ie en, daß in Rußland ein radikaler Wechsel eintteten müsse, bevor es auf der Konferenz toillkommen sein könne, da mit Bolschetoisten keine Verhandlungen möglich seien.

Paris, 22. Juli. (WTB.) DerTempS" veröffentlicht eine von zuständiger Seite aus Washington stammende Nachricht, der zufolge man sich dort zuerst mit dem Gedanken ge­tragen habe, die geaentoättige Regierung Rußland zu der Washingtoner Kon­ferenz einzuladen. Die offizielle Mei­nung sei jedoch die, daß. solange die in Ruß­land zurückgehaltenen Amerikaner nicht frei­gegeben würden und die Sowjettegierung sich nicht bereit erlläre, ihre Versprechungen zu erfüllen, von irgendwelchen Verhandlungen mit der russischen Regierung keine Rede sein könne.

Der türkisch-griechische Krieg.

Angora, 22. Zuli. (Havas.) Der offizielle türkische Kriegsbericht besagt, daß tm Brussaabschnitt die Griechen die Linie Diledjik Bazardjik erreicht haben. Im Hschakabschnitt wurde ein griechischer Angriff abgetoiefen. Die Türken haben ihre Sicherungstruppen von Afinm Karahissar zurückgezogen, wo Kämpfe stattgefun­den haben. Die Nachrichten von der Front be­weisen, daß sich die Türken unter Mitnahme deS Kriegsmaterials zurückziehen. Der rechte türlllche Flügel fährt fort, mit dem linken griechischen Flügel zu kämpfen, der gegenwärtig zum Stehen gebracht ist.

K o nst a n t i n o p e l. 22. Juli. (HapnS.) Rach der Schlacht bei Kutahla wurden 3000 grie­chische Verwundete nach Smyrna gebracht. Die türkische Gegenoffensive scheint lich auf beiden Flügeln zu entwickeln. Karahissar und Dumja sollen bereits wieder genommen fein. Die griechische Armee soll Tn eine schwierige Lage geraten sein, da die Verpflegung SmymaS größtenteils durch diese Städte kam.

Belgrad, 22. Iuli. (WTB.) Havas. Die Zeitung -Delgradski Dwinna" meldet aus Sa­loniki, daß am 10. 3uli Mustapha Kemal Pascha der albanischen Regierung von Tirana vorgeschlagen habe, sich mit ihr zu verbinden. Er versprach, ihr mit Waffen und Geld zu bellen

Ein kommunistisches Attentat gegen einen jugoslavischen Minister.

G r a z, 22. Zull. (WTB.) Der Grazer Tages­post wird aus Agram über das Attentat auf den früheren jugoslawischen Minister Drasko » witsch folgendes berichtet: Während dieser mit seinen Kindern im Park von Delnlce ging, eilte der Mörder namens A 1 y a g i s aus ihn ,u Ungefähr zwei Schritte vor ihm, zog er einen Revolver und und gab rasch hintereinander zwei Schüsse ab, wovon der eine Draskowitschs Kopf traf und der zweite in das Herz drang. DerMinisterwop