iidbct Reingewinn erzielt worden sein.
ZE.
Be- Be-
worden sind, die einer Wiederaufnahme der ztehungen zwischen der Regierung und der rufsvertretung im Wege standen.
Aus Hessen.
Dr. Strecker und der Oberlehrervereia.
rm. Darmstadt, 21. Juli. Das Staats- Ministerium meldet, bah in eingehender Aussprache zwischen dem Präsidenten des Landesamtes für das Bildungswesen Dr. Strecker und einer Abordnung des Borstandes des Hessischen Philologenvereins die Schwierigkeiten beseitigt
Der Skiäjspräfiöcnt zum Tode Hitzes.
Berlin, 21. Juli. (Wolff) Der Reichs- Präsident sandte der Familie des verstorbenen Reichs tagsabgeordneten Prof ssor Hitze folgendes Beileidstelegramm: „Anläßlich des Hinscheidens Ihres Herrn Bruders spreche ich Ihnen meine aufrichtigste Teilnahme aus. Der von mir hochverehrte Verstorbene hat in unermüdlichem bahnbrechendem Wirken sein Leben der 2lrdeit auf sozialpolitischem Gebiete gewidmet und sich hier bleibende Verdienste erworben.
Reichspräsident Ebert."
Aus Stabt und Land.
Gieven, den 22. Juli 1922.
Deutsche Kriegsgräberfürsorge.
Schon mehrfach ist in der Zeit nach dem Kriege in der Presse erörtert worden, welche ‘^Regelung für den Nachweis, die Instandsetzung und Pflege der Gräber unserer in fremder oder deutscher Erde gebetteten Krieger getroffen ist. Da aber doch noch mancherlei Unklarheiten obzuwalten scheinen, durfte es vielen, die im Kriege einen teuren Angehörigen verloren haben, willkommen sein, wenn möglichste Aufklärung darüber gegeben wird.
Die Ausübung der zwischen den Negierungen des In- und Auslandes vertraglich geregelten oder noch zu regelnden Gräber- ängeleaenheiten und der amtlichen Gräberfür- iforge im Reichsgebiet ist Sache des kürzlich aus der Dorvtheenftrahe 48 in Berlin nach der iSchmidt-Knobelsdorffkaserne in Spandau verlegten Zentralnachweiseamtes. Neben anderen wichtigen Aufgaben hat dieses Amt den Nachweis über die genaue Lage Ialler Kriegergräber im Gebiete des Deutschen Reiches und der deutschen Kriegergräber im Ausland zu führen, die ihn- bettungsfragen und den Gräberbefuch zu re» geln, sowie Auskunft über alle die Kriegergräber betreffenden Fragen zu geben. Außer - 'dem obliegt dem Zentralnachweiseamt die ein* Ibeitliche Regelung einer einfachen und wür- | Digen Herrichtung und Pflege aller Krieger» .grober im Gebiet des-Deutschen Reiches und der deutschen Kriegergräber in den Gebieten fremder Länder, mit deren Regierungen noch leine vertragliche Regelung getroffen ist. In
matische Entwicklung bedeutsamer werden lieh, als die Problematik der Charaktere.
Den ParalelliSmus zwischen Strindberg, einer nachgerade symbolischen Gestall unserer Zeit, und Zacharias Werner, dem Symbolträger einer anderen Zeit, aufzutun, war wohl der Zweck, sicher aber das Verdienst dieser Aufführung. Es ist höchst überraschend, wie sich die Wesensverwandt» schaft der beiden Dichtergestalten bis auf die letzten Einzelheiten ihrer dramatischen Mittel erstreckt: die Steigerung des Grausigen durch Stimmungsmomente wie Mondschein. Eulenschreie, Sturm, schlagende Ähren. Die ewige Mahnung des Fluchgedankens in Bisioneir Träumen, unverfänglich gemeinten Worten. Die Verwendung der Musik (hier in der Form zweier Lieder) und nicht zuletzt die Ablösung der kausalen ßogil durch nur halb wahrscheinliche Verkettung von Zufällen.
DaS Wesentliche ist jedoch die grvhartige Einseitigkeit der Einstellung auf den Leitgedanken deS Dramas. Auch die kleinste Nebensächlichkeit ist eine wohlberechnete Figur der vielstimmigen Fuge über das Thema von des Vaters Fluch.
Die Darstellung hatte sich in das Wesen dieser Kunst tiefer eingelebt, als man eS von Dilettanten erwarten konnte. Die Art der Auffassung ist bereits zu Anfang gekennzeichnet worden. Vom ersten Einsatz biS zum Ausllana faß jeder Ton richtig, ßlefti Deyagbel sand l'ch ' mit erstaunlicher Sicherheit in den Gemütszustand
— Der Giehener Schützenverein feiert am kommenden Samstag den 23., Sonntag den 24. und Montag den 25. Juli auf dem Schützenhausplah sein diesjähriges Schützenfest, bestehend aus Preisschieben für die Mitglieder des Deutschen ^chühenbundes und Volksbelustigungen aller Art. Kein Fest verdient mehr als Volksfest im wahrsten Sinne dieses Wortes genannt zu werden, als das Schützenfest. Der Die- tzener Schühenverein, einer unserer ältesten Vereine, hat keine Mühe und keine Kosten gescheut, um das Fest zu einem Volksfest zu machen: für alle Schichten der Bevölkerung ist gesorgt, sowohl für Unterhaltung und Belustigung, als auch was Stillung des Durstes und Beruhigung des knurrenden Magens betrifft Jeder sollte es sich an den Tagen des Schützenfestes vornehmen und zur Pflicht machen, durch regen Besuch dieses Festes auch seinerseits mitzuhelfen, daß das Giehener Schützenfest ein wirlliches Volksfest werden möge.
— Die Vereinigung ehemaliger Kriegsgefangener OberhessenSO.ts- gruppe Gießen, veranstaltet am Samstag abend 8 Ahr bei Kamerad Heckmann, Kaiser-Allee, eine außerordentliche Mitgliederversammlung.
— E h e m. 168er. Die schon ate geplant gemeldete Regimentsfeier findet nunmehr bestimmt am Sonntag, 21. August 1921, in Butzbach (Ober- Hessen) (ehern. Garnison des 1. Bataillons) statt. Zu der Feier sind alle Kameraden, die ehemals im Inf.-Regt. 168 und dessen Ersatz-Bataillonen gestanden haben aufs herzlichste eingeladen, auch wenn sie nicht Mitglieder der einzelnen Vereine ehern. 168er sind oder werden wollen. Anmeld in- gen werden schon jetzt an Kamerad Alexander Stang, Gießen, Dammstraße 24. erbeten, insbesondere ob Quartier und Teilnahme am Mittagessen am 21. August 1921 gewünscht wird. (Wir verweisen auf unseren heutigen Anzeigenteil!)
Hessen-Nassau.
Wolkenbruch.
fd. Ufingen, 21. Juli, lieber einem Teile des Kreises Ufingen entlud sich ein Un to e 11 er, das von einem wolkenbruchartigen Regen und schwerem Hagelschlag begleitet war. Am schlimmsten hauste das Unwetter In den Gemarkungen Laubach, Gemünden und Niederlauben. In Laubach ist die Iahresernte fast vollständig vernichtet. Die Aecker sind tief verschlammt, auf den Wiesen liegen Schlammassen und Geröll teilweise bis zu einem halben Meter Höhe. Der Schaden in Laubach wird auf hunderttausende geschätzt. Aus den Ortsstraße von Niederlauchen mußten etwa 500 Wagen mit Schlamm und Geröll abgefahren werden. Auch in dieser Gemarkung richtete der Hagelschlag einen Schaden an, der vorläufig noch nicht abwagbar ist.
mantischen Schule. Der Mensch fühlte sich als Zentrum der Welt und da alles nur auf ihn Bezug hatte, wurde er erdrückt von allem, was auf ihn einstürmte und er verlor fein Ich an die Einflüsse der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Bei einer sensiblen, unftäten Natur, wie Zacharias Werner, zeigte sich dies am Auffallendsten. Von Leidenschaften gehetzt, jagte er von Gegensatz zu Gegensatz, verbrannte, was er angebetet hatte und betete an, was er verbrannt hatte, fühlte er in sich den Zwiespalt seiner Zeit, benUebetgang zweier Stil- epochen, suchte er zuletzt seine Zuflucht im Mystischen und flüchtete in den Schoß der katholischen Kirche.
Die ganze Erscheinung Zacharias Werners findet eine Parallele in August Strindberg, der auffälligsten Verorderung des Umschwungs zu rein subjektiver Kunsteinstellung, deS UebergangS zweier Stilepochen, der Zerrissenheit deS Zeitgeistes, die die Wende unseres Jahrhunderts kennzeichnete. Auch bei Strindberg die Entwicklung vom geschichtlichen Drama zur „Gespenstersonate^ der vermenschlichten D.nge.en wirll.chten Menschen u d verdinglichten, übersinnlichien Mächte zuletzt der „Weg nach Damaskus". Es ist nicht zufällig, daß beide ein Lutherdrama schrieben und sich an der Gestall LutherS aus f seligen Kämpfen zur befreienden Tat durchringen wolllen. Es ist auch nicht zufällig, daß Strindberg für sich die Schicksalstragödie wiederfand und Requisiten für die dra-
Aus dem besetzten Gebiet.
Der geprellte Dr. Dorten.
Wiesbaden, 21. Juli. Bei dem Kultus- niuiifter der noch immer nicht errichteten /Rheinischen Republik", Dr. Kräm r, der uvrigenS vom Schuldienst pensioniert und mit vollem Gehalt auf staatliche Kosten lebt, erschien ein Reisender Ernst Worms aus Solingen, der Behauptete, die rheinische Arbeiterschaft habe sich infolge einer Einigung zwischen Mchrheitssozial-- 'demolratie und USP. für die rheinische Republik gewinnen lassen. Zum Beweise zeigte Worms Schriststücke, die der bekannte Sozialistenführrr Hus beglaubigt hatte. Aus Grund dieser Mll- Heilungen wurde Worms dem D r. Dorten persönlich vorgestellt und das Haupt der rheinischen .Republik übergab ihm für Propagandazwecke aus seiner wohlgefüllten Privatschatulle 10 000 Mi. Nach einigen Tagen wiederholte Worms leinen Besuch bei Dr. Dorten und empfing abermals 25 000 Mk. zur angeblichen Bearbeitung der Arbeiterschaft. Als man aber nach einiger Zeit von den Erfolgen nicht das geringste horte, schöpfre 'man Verdacht, und Dorten mußte zu seinem größten Leidwesen erfahren, daß er einem ab» .gefeimten Schwindler in die Hände gefallen war. Die Schriftstücke mit dem Namen Hu^s waren falsch und Worms hat das Geld in leichtsinnigem Lebenswandel durchgebracht. Man könnte dis ganze Geschichte für einen Schwindel halten, wenn nicht Dr. Krämer jetzt Anzeige erstattet hätte. Ob man aber Worms noch erwischt, ist eine andere Frage.
Die Frage der Zurückziehmig der amerilani» schen Truppen.
Neu York. 21. Juli. (WB.) Wie aus Washington gemeldet wird, wurde un Senat eine ^Resolution des Republikaners Dorah etnge- -bracht, die das Kriegsdepartement um Ausschluß über die Kosten der Unterhaltung der amerikanischen Truppen in Deutschland ersucht. Es wird angenommen, daß hinter der Resolution ein Antrag auf Zurückziehnna L der Truppen steckt.
Theatherabend des kunstwissenschaftlichen Instituts
Der vierundzwanzigste Februar.
Tragödie von Zacharias Werner.
Gießen, 20. Juli 1921.
DaS Kunstwifsenfchaslliche Institut hat kein kleines Wagnis unternommen, als es ZachariaS Werners „Vierundzwanzigsten Februar" auS der Literaturgeschichte wieder auferweckte. Nicht alle Zuhörer werden eS ihm gedanll haben, daß ihnen die grausigen Vorgänge deS Vorläufers der Schick- falStragödien mit modernem Realismus, tetltoelfc sogar mit expressionistischer lieberfteigerung auf der Bühne vorgeführt wurden. Cs geht in diesem Stück zu wie in dem Dänkelfängerliede, das mit den schönen Worten beginnt: »Leute, hört die Mvrdgeschichte, die ich schaudernd euch berichte". Viele werden sich daher gefragt haben, warum die Wahl gerade auf dieses Stück gefallen sein mochte.
Bei einiger ileberlegung findet man jedoch, daß eS sich bei der Aufführung weniger um einen literarischen WiederbelebungLver uch hindelle, aL8 um ein DergleichSbeifpiel auS einer anderen geistigen Wellwende mit unserer heutigen. Der „Vier- urwzwanzigst^ Feo uar" bildet einet Ma kstein des äleberganges von der klassischen Objektivität zur völlig fubjeftiben Einstellung der jüngeren ro-
der von trüben Ahnungen gefolterten Frau, für die das Verbrechen zuletzt zur Zwangsvorstellung wird. Dei aller Charakteristik wahrte sie eine wohltuend ruhige Linie. Dr. Eurt von Faber du Jour zeichnete mit unerbittlicher Strenge die Gestalt des ManneS, der bis zuletzt dem Schickfal trotzt und eS dann noch in die eigene Hand zu nehmen glaubt, als er sie zum Morde erhebt.Erstaunlich war seine Sprachgewall bei der Schilderung des nächtlichen Heimweges. Dem cp prefsivnistischen Dühnenstll am meisten näherte sich Werner Finck, bei dem jede Fiber des Körpers mitspielle und dessen gespenstische Hände sich unerhört ausdrucksfähig zeigten.
Wohl nur um Den Abend zu füllen wurde zuvor .Die Laune des Verliebten" gespielt. Trotz guten Geschmackes und vieler Anmut kam man über den Eindruck der Liebhaberbühne hier nickt fo ganz hinweg. In den ehrlichen Beifals teilten sich Liesel Dehaghel, GlSbcth Hesses- ba cher, Dr. Curt von Faber du Fau r und Dr. Cornelius Balser.
In der Zwischenpause spielte Frl. L e u t e r l mit geschulter Technik und vornehmem musikalischem Ausdruck eine Sonate von Tartini.
Da der Saal deS Kathollschen DereinShauseS überfüllt war, wird zugunsten deS Kunstwissen- schafllichen Seminars der Universität ein anfebn*
Kreistag.
Gießen, 20. Juli 1921.
Zu der auf heute einberufenen ordentlichen Sitzung des Kreistags waren 27 Mitglieder des Kreistags, 2 Mitglieder und 1 Ersatzmitglied des Kreisausschufses erschienen. Den Vorsitz führte Oberregierungsrat W e l ck e r. Als ilrkundSper- sonen wurden die Mitglieder des Kreistags Frau Marianne Hüter, Gießen, und Ludw. Lindenstruth, Heuchelheim, bestellt und der Kreisamtsobersekretär Schäfer als Protokollführer durch Handschlag an Eides Statt verpflichtet.
Die Rechnungder Kreiskasse für 1919, die mit einem Rechnungsrest von 68 655,94 Mark abschließt, sowie der Verwaltungsbericht und die Kreditüberschreitungen wurden vorbehaltlich der Prüfung durch die Oberrechnungskammer genehmigt.
Der Vorsitzende trug den Voranschlag der Kreiskasse für 1921 vor und gab zu den einzelnen Rubriken kurze Erläuterungen und Auf- llärungen. Der unter Rubrik IXc vorgesehene Beitrag zum Gießener Säuglingsheim in Höhe von 1000 Mark wurde nach längerer Aussprache mit Stimmenmehrheit auf 5000 Mark erhöht unter der Bedingung, daß der KrelSver- waltung ein Mitbestimmungsrecht eingeräumt wird.
Bei Rubrik X1 entstand hinsichtlich des Pachterlöses der KreiSsammelwasenmeisterei eine längere Aussprache, wobei die vom Kreisausschuß vorgeschlagene Wahl einer Kommission genehmigt und diese Kommission durch das Kreistagsmitglied Schieferstein noch erweitert wurde Diese Kommission soll die Angelegenheit weiter prüfen und dem nächsten Kreistag entsprechende Vorschläge machen.
Die unter Ruhrik X Vll vorgesehenen Mittel für die Kreispreisprüfungsstelle tourten nach längerer Aussprache mit Stimmenmehrhell gestrichen, weil die Provinzialpreisprüfungsstelle in Gießen ihren Sitz habe und eine besondere Kreisprelsprüfungs- stelle nicht erforderlich fei
Der durchberatene Voranschlag wurde unter Berücksichtigung der beschlossenen Aenderungen genehmigt.
Weller genehmigte der Kreistag den Verkauf von Kreisgelände mit einem Erlös von 4857 Mark und erteilte dem Kreisausfchuh mit Rücksicht auf die Geldentwertung die Ermächtigung, Verkäufe bis zu 10 000 QKarf selbständig abschließen zu dürfen.
Im weiteren genehmigte bet Kreistag, daß die Kleiderkosten für taubstumme Kinder für die
den Gebieten der Länder, deren Regierungen sich in dem Friedensvertrag verpflichtet haben, die Kriegergräber instandzuhalten, nimmt das Zentralnachweifeamt die deutschen Interessen auf diesem Gebiet im Zusammenarbeiten mit den entsprechenden Organen dieser Länder und künftig auch Durch Besichtigung der Begräbnisstätten im Ausland wahr.
Diese von in» und ausländischen Behörden ausgeübte amtliche Tätigkeit ist naturgemäß nicht imstande, die Fürsorge ganz zu leisten, die dem Gefühl des Volkes für seine Toten entspricht. AuS diesem Empfinden heraus hat sich.seinerzeit der Bolksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, e. B., gebildet als Die einzige von den beteiligten Reichs- und Staatsbehörden für das Gebiet der Kriegsgräberfürsorge anerkannte Organisation. Er hat seinen Hauptsitz in Berlin W. 10, Matthäikirchstr. 17, und ist bereits in zahlreichen Verbänden und Ortsgruppen Über das ganze Deutsche Reich verbreitet. Der Vvlksbunü bezweckt: Herrichtung, Schmuck und Pflege der Deutschen Kriegsgrabstätten im Ausland und der Kriegsgrabstätten im Reichsgebiet Dem BolksempftuDen entsprechend zu fördern; den Angehörigen der Gefallenen und Verstorbenen in allen Angelegenheiten der Kriegsgräberfürsorge behilflich zu fein, soweit sie über die vertraglich geregelte, amtlich zu leistende Tätigkeit hinausgehen; Verbindungen mit den gleichstrebenden Organisationen des Auslandes aufzunehmen. Der Vollsbund entfaltet also eine Liebestätigkeit, die eine wertvolle Ergänzung der amtlichen Fürsorge ist.
Wettervoraussage
für Samstag:
Zunahme der Dewölkung, noch meist trocken. Kühler, westliche Winde Das Hoch über der Discala verliert langsani an Intensität, so daß v ir stärker unter dem Einfluß der nördlich der britischen Inseln liegenden Depression geraten. Die starke Hitze und das trockene Wetter dürften Daher tu den nächsten Tagen allmählich nachlassen.
*
LM. Von der Landes-Hniversität Gießen. An Stelle des nach Vreslau berufenen Lektors für jüdische Wissenschaften, Dr. Israel Rabin, ist der Rabbiner Jakob Weinberg getreten.
** Milchbelieferung. Infolge ungenügender Milchzufuhr können heute nur die Bezugsberechtigten der Gruppe I, Säuglinge und Kinder bis zu 3 Jahren, mit Vollmilch beliefert werden.
*• Schlagsahneverbot. Es ist fest- gestelll worden. Daß hiesige Konditoreien und Eaf6s Schlagsahne Herstellen und verabfolgen. Die städtische Preisprüfungsstelle weist darauf hin, daß die Herstellung und der Verkauf von Schlagsahne in Konditoreien sowohl wie in Cafös nach wie vor verboten ist, und Zuwiderhandlungen Strafverfolgung und eventuell Ge- schäftsschliehung wegen Unzuverlässigkeit zu gewärtigen haben. — Angesichts der neuerlichen MilchÄappheit ist es wichtiger, daß die Heinen Kinder ihre Vollmilch, als daß die großen Kinder ihre Schlagsahne bekommen.
*• 3 n der Vertreterversammlung des Hessischen Deamtenbundes vom 17. Juli wurde nach einem Berichte t>e8 Pros. Dölzing»Dießen über das neue Ruhege- haltsgeseh folgende Entschließung einstimmig angenommen: Der Hessische Beamtenbund ersucht die hessische 6taat8regierung, unter allen Umständen das Ruhegehallsgeseh vom 19. Mai 1920 mit feinen günstigeren Berechnungs- sähen beizubehalten und das preußische Gesetz vom 17. Dezember 1920 nicht zu übernehmen: Sollte dies nicht mehr möglich fein, Dann Den §23 Des preußischen Gesetzes als rechtliche Norm anzuerkennen.
Bornotizen.
—TageSkalender für Freitag: Hör- faal des Physikalischen Instituts, 8' \ Uhr. Vortrag Der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- unD Heilkunde. — Lichtspielhaus, Der Leidens* weg der Inge Krafft und Hasemanns Töchter. — Lichtspiele, Großstadtmädels, Kämpfende Herzen.
** AuS Dem StaDttheaterbureau. Nochmals sei auf das Tanzga st spiel Hille Bobbe-Raventos hingetolesen. Der Schtoeäner Presse entnehmen mir den Schlußsatz „Von den Theaterbesuchern wurden ihre Leistungen mit ganz besonderer Anerkennung ausgenommen. Sie wurde mit Beifall überschüttet? - In Gotha schrieb man: .die wilden Rhythmen des Tanzes Der Meisterin waren fein erfühlt, ihr Tanz besticht durch die unbedingte Beherrschung jedes Muskels ihres Körpers, durch federnde Spannkraft ihrer Bewegungen und Linienschönheit der Gestaltung.....
Ein Genuß für das Auge und ästhetisches Empfinden.
— Die Deutsche Demokratische Partei, Kreisverein Gießen, hat eine Mitgliederversammlung auf Sonntag Den 24. Juli, vormittags V,9 Uhr im Aquarium, Gießen, Wall- torstrahe, festgesetzt.
Folge von den betreffenden Armenverbänden getragen werden.
Ferner beschloß Der Kreistag, Den Vorsitzen- Den zu beauftragen, das Ministerium deS Innern zu bitten, Daß über die von Der Regierung auS- gearbeiteten Entwürfe über die Neuorganisation Der Bauverwallung, ehe sie an Den Landtag gehen, zum mindesten der Kreisausschuh gehört wird.
Auch wurde dem KreisauSschuß die Ermächtigung erteilt, die Besoldung der Kreisbeamten usw. in Anlehnung an die hessische Besoldungsordnung Demnächst enDgültig zu regeln.
Dr. Schüppert gab sodann einen ilebei- blty über die Entwicklung der Schulzahnpflege im Landkreis. Auf Veranlassung des Zahnarztes Köhler, Des GrünDerS der Darmstädter Schulzahnklinik, fanden im Jahr 1911 auf Veranlassung Der VezirkSsparkassa. Nidda, welche zu Diesem Zweck 600 Mark zur Verfügung stellte, Alntcrfud)ungen sämtlicher SchuMnDer des Bezirks statt, welche für uns insofern Interesse Haden, als einige Orte des KreiseS Gießen dazu gehören. Heber das Resultat wurde damals an Das Kreisamt Gießen berichtet, es war sehr schlecht, nur etwa 20 Prozent der Kinder hatten gesunde Zähne. Im Jahr 1914 wurde im Kreistag angeregt, es sollten statistische Unterlagen durch systematische Untersuchungen geschaffen werden, die die Grundlage für die Einführung der Schulzahnpflege bilden sollten, aber im schulärztlichen Jahresbericht vom Jahr 1915 wurde dies wegen der großen Ausdehnung des Kreises mit 78 Schulen, zumal der eMntrlschen Lage Dießens, für undurchführbar erklärt. Im Oftobcr 1915 wurde in einem Gutachten des Deh. Rat Sommer Darauf hingewiefen, daß Die Sorge für Die Zähne Der Jugend eine bedeutende sozialpolitische 2Iuf- gäbe darstelle, zu deren Lösung Kreis, Stadt und auch Staat beitragen müßten. Im März 1916 wurde dann im Kreistag nach lebhafter Debatte ein Antrag angenommen, 2000 Mark zur Förderung der Schulzahnpflege einzustellen, wenn auch der Staat sich beteilige. Die Beihilfe des Staates blieb aus und die vorgesehene Summe hat keine Verwendung gefunden. Kriegsverhällnisse und Die Versetzung des Damaligen Schularztes in einen anderen Kreis im Jahre 1917 liehen weitere Maßnahmen nicht zur Durchführung kommen.
Im Jahr 1919 wurde nach der Wlederbe sehung der Dchular-ttstelle auch die Frage der Schulzahnpflege wieder aufgenommen, es kam im Mai nach DorauSgegangencn Besprechungen im Kreisausschuß und Verhandlungen mit dem Verein Gießener Zahnärzte zu einem Vertragsabschluß, nach welchem Die Behandlung der durch den Schularzt überwiesenen Kinder nach bestimmten Einzelsähen gewährleistet wurde. Nach diesen Vorarbeiten brachte Dann DaS Einsehen einer Summe von 10 000 Mark in Den Voranschlag Des verflossenen Rechnungsjahres die VasiS für Die Einrichtung und die weitere Gestaltung der Zahnbehandlung Der Schulkinder mit der Bestimmung, den Schulkindern die Instandsetzung ihrer Zähne auf Kosten deS Kreises zu ermöglichen.
Dr. Schüppert berichtet Dann über die nun geschaffene Organisation, die sich sehr gut eingefübrt und betoafjrt habe und gibt Rechenschaft über die Verwendung Der bctollligten Summe. Wohl sei er sich bewußt gewesen, daß bet der großen Zahl Der Schulkinder (etwa 11 000) eine derartige Summe niemals auSreichen töroie zu einer einigermaßen ausreichenden Behandlung aller Schulkinder, aber es sollte doch eine Grundlage geschaffen werden, eines allmählichen Ausbaues fähig bis zu dem Ziel, daß aud> schon das in die Schule ausgenommene Kind behandelt werden mühte.
Die Gröhe Des KreiseS und die Lage Glehens habe eS notwendig gemacht, daß auch in Lich und Hungen schulzahnärztliche Sprechstunden ab- gehalten würden, diese hätten auch im Winter Dort stattgefunden, biS zur Neubeschaffuna geeigneter Lokale müßten aber zur Zeit die Diesen Sprechstunden zugewiesenen Kinder nach Gießen kommen. Der ganze Kreis sei In 7 Bezirke geteilt, die nach Gießen kommenden Kinder hätten Die Wahl zwischen zwei Zahnärzten.
Mit Rücksicht auf Die zur Verfügung stehende Summe seien vorlänslg nur die Kinder des 7. und 8. Schuljahres, also die 12—14jährigen Kinder, der Vehandlung zugeführt worden, wobei besonders der Gedanke leitend 'gewesen sei, Den aus Dei- Schule entlassenen Kindern die Möglichkeit zu geben, mit saniertem Gebih inS Erwerbs» leben zu treten.
Von November bis 1. April wurden in dieser Weise 39 Schulen und zwar namenllich die große ren in Der Nähe GießenS untersucht unD einem jeden mit kariösen Zähnen behafteten Kind eine „Anweisung" ausgehändigt, mit der eS den darauf bezeichneten Zahnarzt auf suchen konnte. Von 1846 untersuchten Kindern deS 7. und 8. Schuljahres wiesen 1074 die Notwendigkeit zahnärztlicher Behandlung auf — 58 Prozent der Untersuchten Von diesen liehen sich biS zum 1. April 504. d. h. 46,8 Prozent behandeln; 2 4 0 unter bi c- senwurdenanOsternnachabgeschlos- f e n e t Behandlung auS der Schule entlassen.
Für die Behandlung dieser 504 Kinder betrugen die Behandlungskosten 9661 Mark, Die Behandlung des einzelnen Kindes beläuft sich durchschnittlich auf etwa 19 Mark.


