Ausgabe 
21.12.1921
 
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Spuren im Schnee.

Roman von Sven Elve st ad.

* Ermächtigte lleberlchung.

16. ehunq. (TMhrvd verboten.)

.Wer auf leinen Hall kann es ein Toter gewesen sein, der ihn umgebracfct hat," sagte der 2lrat, immer nM) lächelnd. »Tote können keinen Mord begehen "

Hern, natürlich nicht," gab der Kapitän -u. .Aber in dem allem ist doch etwa-, das durch­aus nicht stimmen will."

.Und was ist da»?"

.öt hat mit dem Mörder gesprochen, un­mittelbar, ehe er tödlich aetrossen wurde." ant­wortete bei Kapitän. .Dielleicht hat er sogar lange mit ihm gesprochen. Und mit einem Ver­rückten löt t man sich doch nicht in ein lange« Vcfpräch ein."

Zehnte- Kapitel.

Ter junge Artt fing an, den Aussagen de« Kapitän» mehrMkuiung teUunvffcn, und unterdrückte die Müdigkeit, die ihn b:lm An- bören des verwirrten Reden leine» Gastes über­

kommen war. Ter Kapitän sprach cuhcrorbcnt- und au» seinen bleichen AnUlh strahlte Innere Glut, deren Einwirkung sich der junge .2lrzt nicht ganz zu entziehen Der-

©le mcklnen, der unglücklich: Mann habe sich mit festem Mörder unterhalten, ehe er den Todesstoß e^pNng?" fragfc er

.3a," cx^'^vte der Kapitän. .Davon bin ich seit überzogt.

CHMmn s»ch diese Ohre Ucberzeua..ng nur auf XSpren TrauiN gründet, so mstfsen Vie zugeben,

das) sie für andere nicht sehr überzeugend ist," sagte der- Arzt.

□lern," entgegnete der Kapitän scharf und augenscheinlich von dem überlegenen Ton deS anderen unangenehm berührt. .Ich sehe dabei jetzt von meinem Traume ganz ab. Ich bin wohl etwas nervös, aber Ich bin nicht abergläu­bisch, und ich gebe zu, bah mein Traum nicht« mit der Wirtlichkeit zu tun bat; er ist nur eine eigentümliche psychologische Erscheinung. Diel- leicht kann er als eine Art Fernwirkung ober Gedankenübertragung crllärt toirben. Ap.the'er Frykmann war ja mein guter Freund, und ich fände e« nicht unbegreislich, wenn er in seinen lebten Auacnblicken an mich gedacht hätte Ich laste also den Traum ganz au« dem Spiel und rechne nur mit den vorliegenden Tatsachen."

Ter Kapitän sah auf die Aufzeichnungen, die er sich gemacht halte. Auch der Arzt beugte sich darüber, konnte aber nicht« davon verstehen ®r sah mir. das) an einer Stelle .Kops" stand und an einer anderen .Telegramm'.

Ter Kapitän fuhr fort.

.Ich rechn« allo nur mit den Aufklärungen, die die Frau de« Apotheker» dem Dogt gegeben hat Aber wenn ich diese mit allen unteren Um« ständen zusamme «halte, fo komme ich zu mcrl- würdiaen Qvgcbniffcn."

.Ich bin >u keinem anderen Ergebnis ge­langt. als zu dem, bah ein Verrückter in die Apotheke cirgcbruiigrn fein muh und b.n 2 ?- theker ermortet tat." tagte der ju ige Arzt ,2icr vielleicht können die Austlärungen. die Sic mir geben wollen, meine Atifich.en ändern. Allo lasten Vie hören."

.Tie 2pottc!cirtür stand offen, nicht w^hr?" .Ia."

beitoftrafen wurde ebenfalls kein Sinschrmtz er« pobeiL

DerchSlninifter a. D. Dr. einton» gegen Aelcherungen Hindenburgs.

'Berlin, 20. Dez. (WTB.) Reichs- tmntfter a. D. Dr. Simons veröffentlicht durch das TRoIffbureau einen offenen Brie cm General seidmarschall v. Hindenburg, in dem er unter Hinweis auf den vorgestern in Der Presse veröffentlichten Brief Hindenburgs dessen Aeußerungon über Dr. Sitnons Hal­tung zur Schuldfrage auf der Londoner Kon­ferenz als eine schwere ülngerechtig- keit bezeichnet und erklärt:In Versailles haben wir die alleinige Verantwortung für den Krieg auf uns genommen. In London habe ich hiergegen Derwahrung eingelegt und mich auf ein gerechteres Urteil der Geschichte berufen. Gegenüber der damals von Lloyd George aufgeworfenen Frage: Wann beginnt die Geschichte? habe er (SimonS) erklärt, bah die Geschichte ihre Arbeit in der Schuldfrage schon begonnen habe."

Wechsel tm Reichstag.

Derlin. 2l. Dez An Stelle de« verstorbenen Abgeordneten v. Delbrück tritt in den ReichS- tag Frau Hedwig Hoffmann (Bochum) ein, die als nächste auf der deutschnationalen Liste steht.

Der 9. November als Feiertag!

Braunschweig, 20. Dez. (WTB.)Die LandeSversammlunA hat mit 29 Stimmen der Linken gegen 27 Stimmen der Rechten be­schlossen, den 9. Rovember als gesetzlichen Feiertag zu erklären und den Buhtag als ge­setzlichen Feiertag aufzuheben.

Aus Stabt und Land.

Diehen, den 21. Dez. 1921.

Steuererleichterungen bei Ansiedlung Kriegsbeschädigter.

Der Rc-ichSbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerbintcrblicbcncn schreibt unS:

Auster der Im §84 d«S Reichsverforgungs- gcscche« vorgesehenen Kosten- unb S.'empelsreiheit sind den Kriegsbeschädigten unb Hinterbliebenen beim Erwerb von Grundstücken nachstehende Ver­günstigungen eingeräumt worden:

1. sind sie von der GrunderwerbSsteuer auf Grund deS § 21 Abs. I deS Grunderwerbüsteuer- gesetze« vom 12. Dezember 1919 unb somit nach § 37 diese« Gesetze« von allen Abgaben befreit. Die vor dem 1. Oktober 1919 nach den Vorschriften deS ReichSstempelg-.'setze«, der Lande^geletze unb Satzungen der Gemeinden bei GrundstückSüber- tragungen erhoben worden find. Da die AuSsüh- rungSbesttmmungen zum §21 bisher vom Rcichs- rat noch nicht erlassen sinh, hat da» Reichsfinanz­ministerium angewiesen, einstweilen die Grund- erwerbssteuer zu stunden.

2. Der §29 de« ReichssiedlungSgesetzev vom 11. August 1919 sieht eine Stempel- und Ge- bührenfreibeit für alle Geschäfte unb Handlungen vor, die zur Durchführung deS SiedlungSversah- ren« im Sinne diese« Gesetze« bienen.

3. Die gleichen Vorteile wie zu 2 bietet der J 36 de« Relchöheimstättengesetze« vom 10. Mai

Zu 2 und 3 handelt e« sich jedoch nur um sächliche Stempel- und G'bührenfreiheit. Abge­sehen davon sind bei Grundstücksübertragungen jedoch noch persönliche Stempel- unb Gericht«- ga»ühren nach Mastgabe der Auftänbigen Landes- gstetze zu entrichten. Wegen Der Riederschlagung bitfer Gebühren, soweit Kriegsbeschädigte unb Hinterbliebene in Frage kommen finden noch Verhandlungen mit den Landesregierungen ftalL

Wettervoraussage

, für Donnerstag:

Wolkig, vorwiegend trocken, kühler, westlich- nordweslltche Winde.

Bei vorwiegend westlicher Luftströmung wird da« feucht kalte Wetter vorerst noch anhalten. Vor- flöhe de« südlichen Hoch« können zeitweilige Auf­heiterung bringen.

®in BerbotderNebenbeschäf- kigung im Handwerk. Seit Einführung der achtstündigen Arbeitszeit werden unaus­gesetzt Klagen darüber erhoben, bah Gehilfen unb Arbeiter nach Llbleistung ihrer haupt­beruflichen Tätigkeit anderweitig Arbeiten (Pfuscharbeit) selbständig verrichten oder bei anderen Gewerbetreibenden gegen Bezahlung Arbeit leisten. Auf Veranlassung der Hand­

wertSkammer Darmstadt hat daher da« Hrs- sische LandeSarbeitS- unb Wirtschaftsamt emp­fohlen, daß fünftig in alle Tarifverträge Be­stimmungen herüber ausgenommen werden sol­len, wonach jeder berartige Mthbrauch deS Achtstundentage« zur Kündigung be« ArbeilS- vertrages ober gar zur sofortigen Entlassung berechtigt. Jeder bekannt geworbene Fall wäre überdies der einschlägigrn Gewerkschaft oder dem Betriebsrat mit dem Ersuchen mitzu­teilen, durch Cinwirlen auf den betreffenden Gehilfen ober Arbeiter Abhilfe zu schaffen. Zweckmäßig würben von diesen Instanzen auch AeberwachungSauSschüsse gebildet, deren Hauptaufgabe e« sein müßte, ausklärend zu wirken. Kein Arbeitgeber dürfte sich dazu ver­stehen. Aufträge an solche Personen zu er­teilen, die oft nur Pfuscharbeit ausführen und mit Material arbeiten, das nicht immer in einwandfreier W'ife beschafft sein wird. Ein Unfall, den jemand bei Pfufcharbeit er­leidet, dürfte von dem Arbeitgeber zu ent­schädigen sein, da die Berufsgenossenschaft in solchen Fällen nicht haftbar sei.

"Warnung vor Zuzug in da« rhei­nisch-westfälische Industriegebiet. Im Industriegebiet Rheinland« und Westfalen« wird von privaten Arbeitgebern unb von öffent­lichen Körperschaften über die neuerdings wieder lebhaftere Zuwanderung ungelernter Arbeiter aus allen Gegenden Deutschlands stark geklagt. Die planlos Zugewanderten werden in den meisten Fällen, da bte Industrie unb der Bergbau sich weiterer Ausnahme Ungelernter verschliefen müs­sen. in Aot geraten unb der Oefsentlichkeit zur Last fallen. Da« Aeichsamt für Arbeitsvermitt­lung warnt baher Im Interesse der Arbeiterschaft davor, ohne Zuhilfenahme der öffent­lichen Arbeitsnachweise das Risiko einer Zureise in jenes Gebiet zu übernehmen.

" D i e Schlafwagen 3. Klasse. Vor einiger Zeit bereit« meldeten wir. daß von feiten bet Eisenbahnverwaltung geplant sei, Schlafwagen 3. Klasse einzustellen Nunmehr wird mitgeteilt, daß zunächst zehn solcher Wagen vorn 1. Ianuar ab dem reisenden Publikum zur Verfügung stehen werden. Die Wagen dienen vor allem dazu, dem weniger bemittelten Reisenden für bte Rächt eine Lagerstatt zu bieten, die es ihm ermöglicht, nach einer Ruchtreife frisch unb arbeitsfähig am Reise­ziel anzukommen. Selbstverstänblich bieten die Schlafwagen 3. Klasse nicht alle Bequemlichkeiten der Schlafwagen 2. Klasse. Im allgemeinen wird bei Reisende nur Schuhe unb Obcrflclber ablegen können, da die Derwenbung von Bettzeug nicht vorgesehen ist. Auch Decken werden nicht gehalten, da sie in den meisten Fällen von den Reisenden selber mitgebracht werden. Ueberhaupt ist, um den Preis niedrig zu halten, alles in den Schlafwagen einfach, aber außerordentlich zweckmäßig au«- gestattet. Heber Wagen enthält 12 Halbabteile so­wie an jedem Ende einen Waschraum und einen Abort mit Waschgelegenheit. In jedem Abteil sind drei Schlaflager übereinander angebracht. IebeS einzelne Lager ist mit einer mit Plüsch überzogenen Matratze unb einem ebenfalls mit Plüsch über­zogenen Rosthaarkellkissen versehen. Eine weiche und ausreichende Liegestatt ist also geboten. Der Preis für eine Bettkarte 3. Klasse beträgt 40 Mk., wozu jeweils 10 Prozent Vormerksgebühr hin­zutreten, gegen 140 Mk. in der 1., unb 70 Ml. in Der 2. Klasse.

*3nberOrt«fa6ungbetr. Aende- rung oe r Verbrauchsabgab- für Branntwei n.die im vorgestrigen Anzeigenteile veröffentlicht würbe, hat sich ein Druckiehler ein­geschlichen, der heute richtiggestellt wirb.

* Stellt Flüchtlinge ein! Die Aufnahme der aus den abgetretenen Grenz­gebieten geflüchteten und aus dem Auslands ausgewiesenen deutschstämmigen Familien und Ledigen ist ein unbedingtes soziales Gebot. Eine namhafte Zahl solcher Familien und Le­digen ist bereits seit längerer Zelt den ver­armenden Folgen der Arbeitslosigkeit auSgr- etzt, die durch die unproduktive Unterstützung keinesfalls erfolgreich gemildert werden kann. Den Betreffenden können daher wohl zu Recht gewisse Vorzüge bei der Unterbringung in Arbeit eingeräumt werden. Zur Wahrung der Belange Hessens, der Provinz Hessen-Rassau und Waldecks wird die Arbeitsvermittlung der sehr gesuchten Fachleute unter den Flücht­lingen mit besonderer Aufmerksamkeit vom Landesamt für Arbeitsnachweis beobachtet. Zur Zeit befindet sich in dem Lager Zeithain noch eine Anzahl von Familien und Ledtqen, )ie der Landwirtschaft und verwandten Be­rufszweigen entstammen und für die versucht

wtrd, ahnlrcye Berufsstellungen zu ertasten. Die Erfahrungen mit den Flüchtlingen sind in der Regel durchaus zufriedenstellend.

" Der Alice-Frauenver-"in hevof- sen Nicht im h u'igen Anzeigenteile Die Gew in n- e über Die von ihm veranstaltete Berlo ung. Tie Gewinne können am Freitag gegen Rück­gabe ter Lote in der alten Bürgermeisterei, ®aiten'irah« 2. vorm.tt.tgs von 1012 unb nach­mittags von 35 Ahr in Empfang genommen werben. *

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: Stadtthearer, 7 Uhr:Börfenfieber". Astv- ria-Lichtspiele: ..Das geheimnisvolle Tele­phon'" undDer lebende Propeller-. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße, heute und morgen: Das große Radiumgehcimnis-.

Krciv Büdingen.

)( Ortenberg, 19. Dez Da« Konzert, da« am Samstag abenb Kapellmeister Acker­mann im Mauergartenfaat veranstaltete, war leider infolge verschiedener Mmftänbe nicht so be- sucht. tote e« dasselbe verdient hätte. Sa» Konzen hatte eme wesentliche Bereicherung durch die PistonsoloS von Herrn Kauh erfahren, der ton- rein unb ansprechend .Die Post im Walde" von Schäffer, und die Lavatine von Hasfelrnann vor- trug. Den Höhepunkt des Konzert« bildeten die Trio-Sonate von Sandberger, vorgetragen von Herrn Ackermann fen, Ctt und Frl. Acker­mann, weiter da« Violin-Solo des Herrn Ackermann jun. Man weih nicht, wa« man mehr an diesem ,ungen Künstler bewundern soll, die leich e u.td doch in jeder Lage gleich sichere Bogenfüstrung, oder die beseelte Wiedergabe des bcticffcnben Werte«: es tarn daS Vlolln-Konzert Qir. 6 von Rode zum Vortrag. D.e Zuhörer spendeten für alle Darbietungen reichen Beifall. - Gestern nachmittag um 5 Llhr fand, wie bereit# angekündigt, in unserer von zwei Tannenbaumen hell erleuchteten Kirche die WeihnachtSdc- fcherung der Kleinkitderschulc statt Heller strahlten die Augen der Kinder, als fic unter dec Führung ihrer Sch veiler Lhlotilde unter fröhlichem Weihnachtsgesang betet nm.rr- schierten unb die Violen Lichter und die auf weih- gedeckten Tischen aufgabaulen reichen Gescheute sahen. Zunächst tragen die Kleinen einige ®e- dichte vor unb fangen bte alten schönen Lieber, dann folgte die Gefchenkvertcllung. Die Eltern ater sprachen der Schwester und ihren Mi'.h.l- ferinneä für die wochcnlange Mute, die die'e 3<ler allein zustande gebracht hatte, herzlichen Dank auÄ. An freiwilligen Gaben waten 1000 Mark i g gangen. Einen sehr f.honen Unter- Haltungsabend chot der B. H. E. gestern abend durch einen Voiksliederabend. Dor neue Vorfltze.ade, V. H E.-Br Haas. b.grüßte die Erschienenen, die Kinder führten unter An- stitung und Begleitung von Frau H e n e r - Lih- berg drei schön« Reigen auf. V. H. E. Lchw.H a a s sprach den Prolog, V. H. E.-Br. S ieg sr i e d- Dotenhaufen hielt einen einleitenden, und später die einzelnen Darbietungen verbindenden Vor­trag über die Geschichte, Eigenart unb Schönheit des deutschen DottSli:bes, dazwischen fang Frau Hener zur Laute alte Landsknechtslieber, geist­liche Volkslieder, Lieder, die die Ratur ver­herrlichten, die Liebe befangen, und vorn Scheiden sprachen. Trefflich wurden in lebenden Bildern targestellt die Volkslieder .Es zogen drei Bur­schen wohl über den Rhett,". _Ieyt gang i an# Drünnele", .Ta« Rachtwächterlied" und das Lied des .Krähwinkler Landsturms". Gemeinsam ge­lungene Lieder tragen wesentlich zum Gelingen der Veranstaltung bei. die der Vorsitzende mit Worten des DankeS an alle Beteiligten geg-n 12 ttlhr schloß. Am nächsten Mittwoch findet taue Mitglied, iv-ttsammlu >g, al e Monat einmal ein Familienabend statt.

Kreitz Lauterbach.

rr. Schlitz, 20. Dez. Förster W i 11 - Hardt vom nahen Forsthaus WehnertS hatte das Glück, nachts auf dem Anstand einen kapitalen Keiler im Gewicht von fast V/t Ztr. zur Strecke zu bringen. Der hiesige Stadtrat setzte mit rückwirkender Kraft vom 1. Dezember an den Preis für das elek­trische Licht von seither 3,50 Mk. auf 4,50 Mark für die Kilowattstunde herauf.

Mrcib Schotten.

wg. Au« dem vorderen Vogels­berg. 20. Dez. Der Naturfreund hat in diesem Iahre die eigentümliche Beobachtung machen kön­nen, daß Bäume und Sträucher trotz der strengen Kälte der letzten Zeit noch da- h c r b ft - liche Laubkleid tragen Das Laust der Wald- bäume ist erst zum Teil gefallen; Sträucher und Buschwerk haben vielfach noch vollständig grüne Blätter. Allem Anschein nach muh diese eigen­tümliche Erscheinung mU den anormalen Witte-

rungsoerbältninen dieses Zahres in Zusammen» Hang gebracht werden.

Kreitz Kriedberg.

* WölferSdeim, 21 Dez Am 1 Weid- nachtsfeicrtag begehen d?r Veteran Heinrich L e ck unb feine Ehesrau Katharine, geb Dauemheirn. in voller Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit.

Ltarkcnburg und Rheinhcsieu.

* Offenthal, 20. Dez. Sine Zi- geunerbandc macht seit einigen Tagen den südlichen Teil des Kreises unsicher. S« sollen im ganzen acht dichtbevölkerte Wagen sein. Am LamStag sollte einer der gefähr-, lichsten Burschen dingfest gemacht werken. Aach mehrmaligem Kugelwechsel flüchtete er jedoch in der Richtung nach Darmstadt. Al« gestern wieder einer sich hier beim Wein güt­lich tat, telephoniene man der Gendarmerie, die dann auch den Zigeuner hn Wald ver­haftete. Gestern abend wurde hier ein Wa­gen aufgehalten. Es sanden sich, nach Anga­ben derOffcnb. Ztg.-, ungefähr 2 Zentner Schweinefleisch, zwei Schwcineköpfe, ein Kalbskopf und anderes Gut darin. P^ord und Wagen wurden einstweilen beschlagnahmt.

* Don der Bergstraße, 20. D^ C i n Darmstädter La st automobil, da» mit einer Cabuna Zigarren nach Mannheim fu ?r. flieh an der Sulzoacher Landstraße bet Weinheim beim Ausweichen gegen einen Baumast, wobei drei mächtige Kisten auf die Straße fielen und «w4- fprangen. Eine rasch sich sammelnde Menschen menge darunter viele Kinder stürzten sich, dem .Darmst. T-agcbl." zufolge, über die Vorräte her unb fchlepptc die Zigarrenpakete weg Die vom Ehausfcur berrachrichtigte Gendarmerie konnte einen Teil des gestohlenen Gute« wieder bcrbei- f(baffen, doch ist ein Verlust von gegen 10 000 Zigarren festgestellt. Ocae.i verschiedene Per o: en ist Strafanzeige wegen Diebstahls erstattet.

Henett-Siasiau.

mc. F r a n k f u r f a. M.. 20. Dez. Dom Obermain wrrd ziemlich starkes Stei­gen des Wassers gemeldet. Dir Haden also Aussicht, daß in den nächsten Tagen, wenn die Webre wieder völlig aufgerichtet sind, die Schiffahrt aufgenommen werden kann, um die fast zusammenbrcchende Kopien- Versorgung mit neuen Dorräten zu beliefern. Im Ruhrrevicr wird nun schon seit Wochen die geförderte Kohle auf Halden gelegt, weil der Abtransport infolge DagcnmangelS und Ber­eifung der Flüsse nicht möglich war.

mc. Frankfurt a. M., 20. Dez. Dach« dem erst am 1. Dezember die Fahrpreise für die Straßen - und Waldbahn er­höht wurden, soll am 1. Januar abennal« eine nicht unbeträchtliche Steige­rung der Fahrpreise eintreten in der Art, daß künftig die billigsten Fahrscheine 1.50 211. kosten. Der Aachtzuschlag soll von 25 Pf. aus 50 Pf. erhöht werden. Außerdem siebt sich der Magistrat veranlaßt, zur Deckung der er­höhten Arbeiterlöhne den Strompreis auf 4.80 Mk. pro Kilowatt zu erhöhen und di? Gebühren für Schlachlhos-. Lagerhaus- und Hafenbahnbenugung beträch'lich zu steigern.

F r a n kf u r t a. Ai, 20. 5 z iWollf.) Doch» dem das bl« zum Frühjahr als Operetten­theater dienende Schumann-Theater wieder in ein Varietöunternehmen umgetoantelt wurde wird jctzt Frankfurt ein neues Operettenthea­ter in bk-m bekannten Gtablüsement Groß- ^rinl- fuit am Eschenheimer Tor c ballen. De Di r.'tirm liegt in den Häntei der Herren Dewald und Glock. Zur Erstausführung fommt die Otdefte _Wenn Lieke erwacht ' von Haller unb Rideamu«, Musik von Eduard Künfiele.

* Fulda, 20. Dez. DaS seither an bi« Demokratische Partei verpachtete .Ful­daer Tageblatt" geht nach einer Mittei­lung be« Verlages vom l Ianuar 1922 al» freie« kVolk» blatt wieder in dessen Hände zurück.

Gerichlssaal.

Mainz, 20. Dez. (Wolff) Im Oppen» Heimer Mordprozeß (wegen Tötung des Winter) bejahten die CMditoorenen bei den An­geklagten Heinrich Schmitt unb Melchior Ze fi­te l die Frage nach Totschlag ohne mildernde Um- stände und bei August unb Iakob Schmitt die Körperverletzung mit Tobesfolge Da« Urteil, da« erst in später Abendstunde verkündet wurde, lau­tete bet den beiden ersten auf je 15 Iahre Zucht­haus und bei den zwei letzten auf je 10 öapre Zuchthaus.

.Wa« schließen Sie darau» V* fragte der Kapitän.

»Ich schließe selbstverständlich darau», bat) der Mörder zur Tür beretngetommen ist," ant­wortete der Arzt.

»Aber die Apotheke ist um neun Upr ge­schlossen worden, unb Frhkmanns F au be­hauptet bestimmt, sie habe nach dieser Zeit die Aachtglocke kein einzige« Mal läuten hören. Sie war wach, al« der Mord begangen wurde, unb sie sagt, die Aachtglocke sei im ganzen Haus zu hören. Da« könnte daraus hindeuten, bah der Apotheker den Besuch erwartet unb in aller Stille hereingelassen hat."

.Ein sonderbarer Schluß," sagte Der Arzt .Metten Sie nicht, e« sei wahrscheinlicher, daß der Mörder geklopft und der Apotheker ihn dar­aufhin berelngelaffen hat? Sicherlich ist es öfters porgefemmen, bah die Leute die Aachtglocke nicht gefunden und darum an die Tür geklopft haben. Da# hätte für Frykmann gewiß nicht« Ausfallen­de« gehabt."

.Unb trotzdem glaube ich, daß der Mörder nicht zur Tür hereingekommen ist," erflärte der Kapltan.

.Wie wollen Sie kann seine Anwesenheit In der Apotheke erklären?"

.Er ist »um Fenster bereingeftiegen."

Der junge Arzt lächelte wi der.

.Da« haben ole wohl aetraumt. tagte er

Ader er hörte auf zu lächeln, al» er da« in­grimmige Deficht be» Kapitän« erblickte, da« sich ihm langsam »utoanbte.

,3a," sagt? der Kapitän .So ist die Sache ätt'-klich in meinem Traum wugegangen Te. Mörder (am durch« Fenster he reim durch da« Fenster links. Ader ich brauche mich mit

dieser Behauptung nicht allein an meinem Traum zu halten."

Sie sollten die Fenster selbst aber doch auch ein bißchen in Betracht ziehen." bemerkte der Arzt. .Haben Sie nicht geloben, daß alle ge­schlossen waren, auch da» linke, von dem Sie so viel zu sagen wissen."

.Zawohl, aber die Fenster lassen sich auch von innen schließen."

.Ader jebenfall« nickt von außen öffnen. Id lange die Läden davor befefllgt sind Unb bat waren sie alle miteinander."

.Aber nicht der Laden vor dem Fenster link», der war feit mehreren Tagen nicht mehr in Cvbnung. Ich weih das beni der Apotheker hat davon gesprochen, daß er einen Handwerks- mann au« der Stadt erwarte. Run allo, der Ver- fchtuß diese« Gaben« war so lose, daß er geöffnet werde konnte, wenn man nur von außen ein wenig an der Cifenflange rüttelte. Unb alle Fenster in der alten Apotheke schließen auf eine Weife daß man sie ganz leicht von auhen öffnen kann, wenn man eine Messerklinge zwischen bte Fugen steckt."

Ter Arzt war stumm vor Uederratchung Reugierig betrachtete er den allen Kapitän, ^nd von dessen gebeugtem, fahlem Gesicht glitten feine Blicke über besten Arme und Br rst. bi» sie leim Handgelenke und Hände trafen Mll der nrr- vösen Ucberempfinblbtfelt, die dem Kapitän eigen war. fühlte er den forschenden Blick und ver­steckte unwillkürlich feine Handgelenke in den Rvckärmelfi. Er tegr-s' wohl, was der Arzt dachte und wonach er schatte.

(Fortsetzung folgt)