Ausgabe 
21.9.1921
 
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Deutsche Bücher in Amerika. Der Verlag von Thomas Seltzer in QIeuhork hat durch einen Generalvertrag das Vorrecht auf die Herausgabe aller Bücher von WaDemar Bon» sels in englischer Sprache für Amerika erworben. Die .Biene Maja" und dieIndienfahrt werden als erste noch in diesem Jahre erscheinen Di. .Diene Maja" erlebt mit dieser englischen Aus­gabe ihr El-scheinen in der zehnten, die später erschienene .Indienfahrt" in der fünften Sprache.

Umkreise sind die Fensterscheiben zertrümmert und am Platze selbst ist der Materialschaden unge­heuer. Es geht das Gerücht, daß 7 00 Menschen den Tod gefunden haben. Die Mannheimer Spitäler sollen mit Verwun­deten überfüllt sein. Wie verlautet, sind auch die Hafenanlagen Mannheims in Mitleidenschaft gezogen. Näheres über das Unglück konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, da das Mann­heimer Telegraphenamt den Betrieb eingestellt hat.

Von unserem Darmstädter Mitarbeiter erhal­ten wir folgende Drahtmeldung:

rm. Darmstadt, 21. Sept.. Die schwere Detonation bei den Badischen Anilinwerken wurde auch in Darmstadt gehört. Der Luftdruck war selbst in Darmstadt so stark, dah zahlreiche Erker - und andere Scheiben sowie Ober­lichter zertrümmert wurden. Auch in der Umgebung Darmstadts, wie überhaupt an der ganzen Bergstraße, wurden viele Scheiben zer- trümmert und sonstiger Schaden angerichtet. Aus Weinheim wurde gemeldet, dah in Ludwigs­hafen ganze Strahenzüge eingestürzt sein sollen.

der Stadt ausgenutzt. Auf diese Weise gelang es dem Wohnungsamt, insgesammt 140 neue Woh­nungen hervorzuzaubern, davon allein 58 seit Be-

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Aus dem besetzten Gebiet.

Gesangsverbote im Mainzer Hauptbahnhof.

Mainz, 20. Sept. (GAZ.) Nachdem in letzter Zett Gesangvereine, Musikkapellen, Schul- llassen und Hugendtruppen aus dem unbesetzten Gebiet auf dem Mainzer Hauptbahnhvf deutsche patriotische Lieder gespielt und gesungen hatten, oie von Angehörigen der Besahungstruppen und Zivilpersonen aus den Ententeftaaten als belei­digende Demonstrationen aufgefaht wurden, hat der französische Dahnhofskvmman- dant auf höheren Befehl ein allgemeines Verbot des Singens und Spielens deutscher Lieder innerhalb des Mainzer Hauptbahnhofs erlassen.

hinein." In diesem letzten Satz ist wie in einem Brennpunkt die Tragik des »hübschen schlanken" Burschen bezeichnet, der sich zunächst von dem bekannten Komiker Treumann dramatischen äln- terricht erteilen lieh und dann in einem der elendesten*Musentempel". die es je gegeben, in dem Meidlinger Theater des Direktor Groll 'die weltbedeutenden Bretter betrat.lieber den Spielplan," so schildert Kleinwrg diese Bühne, entschied der Geschmack der Schusterjungen oben auf der Galerie, weshalb noch an manchem Sonn- und Feiertag denn nur an diesen erlaubte die Konzession Herrn Groll'Theater zu spielen Schauerslücke vom Schlage derTotenglocke um Mitternacht" oder desGespenstes vom Naben­stein" über die Bretter gingen. Stubenmädchen und Kellnerburschen muhten ihr Bedürfnis, sich als Karl Moor oder Ieanne d'Arc zu zeigen,, mit teueren Anschaffungen für die Garderobe bühen, und es versieht sich von selbst, dah Groll niemandem ein Honorar zahlte." In dein hand­schriftlichen HeftchenUnterm Mond" hat An­zengruber Grolls Sorge um die von der Mutter beizustellendenSubsistenzmittel" des Anfängers gutmütig verulkt, und in diesem Heft ist auch einDramatisches Mixed Pickle: Theatrum Meid- lingianum" erhalten, worin die von Anzengruber gespielten zwanzig Röllchen nach ihrer inneren Lehre und ihren beträchtlichen Kosten an Perücke Schuhen, Bärten usw. einander szenisch gegenüber­treten.

Anzengruber hat dann den Jammer des Schmierendaseins bis zur Neige durchgekostet. Heute war er mit einer Wandertruppe in Ober­

österreich und der Steiermark, ein paar Monate später an der ungarisch-türkischen Militärgrenze. Agentenkniffe und Ränke der Derufsgenvssen, De­mütigungen in der Wiener SchauspielerbörseZum Wasen". Bettelgehalte von 2030 Gulden den Monat und Kontraktbrüche Dachkammern und öde Wirtsstuben als Rahmen desBürgerlichen" Le­bens, Scheunen und ausgelassene Kirchen als Rahmen derKunst" das sind die Ereignisse, die bald immer lauter von dem Ruf des Ent­täuschtenFort von der Schauspielerei!" übertönt werden Zu der Erkenntnis, dah er feinen Beruf verfehlt habe, ringt er sich aber doch erst langsam durch und schreibt schließlich am 25. November 1863: Ich bin im vierten Jahre meiner Schau­spielerlaufbahn da, wo ich anfing, denn am heu­tigen Tag spiele ich in derWaise aus Lowood" den Sam, also gerade jene Rolle, welche ich vor vier Jahren in Meidling gespielt habe. Das er­mutigt und spornt an zum Totschiehen." Schril­ler noch Hingt der Ausdruck:Ich bin so elend, nicht das sein zu können, was ich fein könnte wenn je einer so geknebelt, angebunden war, so bin ich's die Knebel von einer Kunst, die nicht einmal feiles Brot ist die kein Brot ist ich bin tagelang in einer Stimmung, die mich wünschen läht, ich wäre nicht oder ich wäre nichts - als das halbe Etwas!" Nun wird ihm klar, dah in der Eommerspielkunst Vernunft und Verstand nie das Genie ersehen können und dah ihm das Genie fehlt. Heber die mangelnde mi­mische Begabung Anzengrubers sind sich die we­nigen, deren Urteile über seine schauspielerischen Leistungen erhalten sind, einig. Der Sohn des

Wohnungsnot und Bautätigkeit in Gießen.

(Sieben, 21. Sept. 1921.

Trotz der so ungeheuer gestiegenen Baukosten wird, wie überall, auch m (Ziehen seit Kriegsende eifrig gebaut An verschiedenen Stellen der Stadt wuchsen und wachsen neue Häuser empor, meist zu kleinen Kolonien bereinigt, ober werden Bau­plätze gerichtet, und grohzügige Pläne gibts auch genug. Bei dieser verhältnismähig regen Bau­tätigkeit mühte man glauben, dah die Wohnungs­not langsam abnehme. Leider ist dem nicht so. Die traurige Liste des Wohnungsamts wird von Tag. zu 2ag umfangreicher, und die Zahl der Wohnungfuchenden hat sich feit einem Jahre an­nähernd verdoppelt.

Vor Jahresfrist tagen beim Wohnungsamt insgesamt 783 Wohnungsgesuche vor, darunter 142 sogenannte sehr dringende und dringende Fälle. Und am 1. September waren nicht weniger als 1364 Wohnungsuchende vorgemerkt:, darunter 510 sehr dringende und dringende Anträge. Von diesen 1364 Wohnungsuchern sind derzeit 857 ohne eigene Wohnung. Freilich liegen diese Familien nicht auf der Straße, sondern sind notdürftig bei Eltern ober Schwiegereltern unter­gebracht ober wohnen möbliert Bei den rest­lichen 507 Wohnungsgesuchen handelt es sich meist um Tauschgesuche, entweder weil die Wohnung zu klein geworden, oder weil es zwischen den Parteien zu Ilnzuträglichkeiten gekommen ist, ober weil ein neuer Hausbesitzer gerne in sein Haus einziehen möchte usw. Interessant ist auch, bah sich unter den Wohnungslosen 119 Personen be­finden, die noch nicht 25 Jahre alt sind. Es sind dies junge Ehepaare oder Brautleute, die gerne heiraten möchten, aber noch keine Wohnung haben. Diese hohe Zahl junger Paare zeugt gewih von erfreulichem Mut und Zuversicht unserer Jugend.

Gegenüber den nahezu 1400 Wohnungssuchern will es eigentlich nicht viel bedeuten, toenn seit Kriegsende in Gießen insgesamt 433 Wohnungen neu errichtet wurden. Aber immerhin eine an­sehnliche Leistung, wenn man die ungeheuren Schwierigkeiten bedenkt, mit denen das Hauser­bauen in unserer Zeit verknüpft ist.

Diese 433 Wohnungen sind in der Hauptsache durch Errichtung neuer Häuser erstanden. Die bei­den städtischen Grohhäuser in derMühlstrahe enthalten nicht weniger als 47 Einzelwohnungen. Die neuen Häuser der Baugenossenschaft an der Licher Strahe, gegenüber der Siechenanstalt umschließen 54 Wohnungen. Dom Eisenbahnheim­stättenverein wurden in der Nähe des Bahn­hofs, in Klinikftrahe und Wetzlarer Weg neue Häuser mit 34 Wohnungen erbaut. In diesen Tagen, am 1. Oktober, werden die von der Stadt in der Kaise r°A l l e e erbauten Häuser bezogen werden können: 39, vornehmlich Zweizimmerwoh­nungen. Auch die neuen städtischen Häuser in der Bleichstraße stehen dicht vor der Vollendung. Hier handelt es sich meist um Drei- und Vier­zimmerwohnungen, insgesammt 48. Das erste Haus wird wahrscheinlich am 1. November dieses Jahres bezogen werden können.Die übrigen zum 1.Januar ober spätestens 1. April nächsten Jahres. Neben Kolonien würben von Privaten an verschiedenen Stellen der Stadt noch 41 Wohnungen hergestellt, meist durch Neubauten.

Die Zahl von 433 neuer Wohnungen umschließt aber auch eine ansehnliche Reihe solcher Woh­nungen, die in alten Häusern neu e r- richtet wurden, sei es durch Teilung übergroßer Wohnungen, durch Einbau einer kleinen Wohnung in eine größere, durch Einrichtung von Dachgeschos-

Feuilleton.

Anzengruber als Schauspieler.

Wie so mancher große Dramatiker der Welt­literatur, wie Shakespeare und Möllere, Raimund, imb Nestroh, ist auch Anzengruber ursprünglich Schauspieler gewesen, und wir haben in seinen Briefen eine erschütternde Schilderung des gan­zen Elends, das die edle Natur bei dem Schmie­ren treiben der fahrenden Komödianten ergreift So viel wir aber über die Empfindungen des Dichters in diesem wirrevollen Wanderjahrzehnt wissen, so wird doch die wirlliche Umwelt, in der er sich damals bewegte, erst jetzt lebendig in dem sein Schauspielertum behandelnden Kapitel Der ausgezeichneten Anzengruber-Biographie, die Prof. Alfted Kleinberg soeben im Cotta- scheu Verlag zu Stuttgart erscheinen läßt und die unter Benutzung des gesamten handschriftlichen Nachlasses des Dichters Gestalt nach allen Seiten hin plastisch darstellt. Der Wunsch des jungen Anzengruber, Schauspieler zu werden, war etwa wie der Drang des jungen Keller zum Malen, eine verkehrte Richtung, die der unbewußt zum Licht drängenden Begabung gegeben wurde. Die Dildnerse hu sucht des werdenden Dramatikers grifl heiß nach allem, was ihm eine Gestaltung der , einstürmenden Lebensfülle versprach. Er selbst hat in einer im Nachlaß erhaltenen Aufzeich­nung gesagt: .Mein erster Ehrgeiz war ein schau spielerischer. Natürlich, es galt ja nur sich zu zeigen, was man fei; das dichterische Schaffen >vvr allem für m ich. Das kam aber zur Idylle «zeigte alles. Der Kampf warf erst das Elend

Gin großes Explofionsunglück in den Badischen Anilinwerken.

Karlsruhe, 21. Sept. (WTB.) Heute vormittag 1/28 Uhr ist ein Hochofen der Ba-s

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Aus Stadt und Land.

Gießen, den 21. Sept. 1921.

Zur Tariferhöhung bei der Eisenbahn.

Zur Deckung der der Eisenbahnverwaltung entstandenen und noch entstehenden Mehrkosten soll eine Bsrrmehrung der Einnahmen durch eine weitere Erhöhung der Personen- und Gütertarift um 30 Prozent herbeigeführt werden. Die Er­höhungen sollen so bald wie möglich, für den Güterverkehr voraussichtlich ab 1. (November uni für den Personen-, Gepäck- und Exprehgutverkehi ab 1. Dezember d. Is.. in Kraft treten. Die Er­höhung der Personenfahrpreise erstreckt sich auch auf alle Zeitkarten (Monatskarten, Wochen- karten usw.), und zwar werden die ab 1. Sep­tember d. Is. geltenden, nachträglich ermäßigten Sähe um 30 v. H. erhöht; ebenso werden auch herauf gesetzt die Fahrpreise für Hunde und bte sonstigen Gebührensätze für den Personenverkehr des Deutschen Eisenbahn-Personen- und Ge- päcktariss Teil I. Ob auch die Bahnsteigkarten und Bettkarten erhöht werden, wird noch be- stimmt. Im übrigen werden erhöhte Tarife dem­nächst rechtzeitig bekanntgegeben. Die Preise der Schnellzugzuschlagskarten betragen ad 1. Dezember 1921: für die Zone I '(175 Km.) in der 1 und 2. Klasse 10 Mark, in der 3. Klasse 5 Mark; für die Zone I! (76150 Km.) in der 1. und 2. Klasse 20 Mark, in der 3. Klasse Mart und für die Zone III (über 150 Km.) in der 1 und 2. Klasse 30 Mark, in der <3. Klass« 15 Mark.

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** Zwei amerikanische Original- film« werden bis einschließlich heute im Licht- spielhaus gezeigt.Die Bettlerin von Stambuf, ein Siebenatter schildert die Aben­teuer eines schönen türkischen Bettelmädchens, einer rassigen Wildkatze, die vor allem rührend in ihrer Liebe zu den Tieren ist. Mehr alS die Handlung inteerffiert und packt die Ausführung des Films. Der in Kalifornien erbaute Orient ist wirttich großartig und wohl nur mit ameri­kanischen Mitteln möglich. Prunkvolle, stilechte Dekoration, prächtige Bauten, Basare, türkische Eafös und Straßentreiben, SerailS, die Hagia Sofia märchenhafte vrientallfche Städtebilder, Häuserkampf, arabischer Reiterangriff all das st immungs echte Flugsandwüste, Kamelerennen, ist äußerst wirkungsvoll. Hebertoältigenb ist ein­fach der Reiterangriff. Der Operateur hat fkb dabei cingegraben und die wilde Jagd buchstäb­lich über sich wegrasen lassen: den gleichen Ein­druck hat man auch vor der Leinwand. - Dazu wird ein entzückendes Tierlustspiel gegeben, das die Schrecken. Verwirrungen und Verwick­lungen zeigt, die von den loSgelassenen Insassen einer Menagerie angerichtet werden.

Ein Zechbetrüger wurde hier f eft - genommen und dem Gericht zugeführt. Er hatte es verstanden, in den letzten Wochen eine ganze Reihe hiesiger und auswärtiger Wirte zu prellen Er ließ sich mit Essen und Trinken reichlich bewirten und verschwand in einem gün­stigen Augenblick unter Hinterlassung seiner Zech- schuld durch eine Seiten- ober Hintertüre.

Direktors von Radler unter dem 2k"äengruber einige Zeit spielte, weiß zu erzählen, daß Gruber eine etwas barsche und doch wieder trockene ko­mische Darstellungsweise in Gebärdenspiel und Redemanier in die Kategorie der Kerkermeister, Profosen und solcher Theatercharaktere drängte, die ihren lieben Nebenmenschen recht tüchtig und unverhohlen bte Wahrheit zu sagen hatten. Wah­rend er als Vorleser Vortreffliches leistete, fehlten ihm als Schauspieler die äußeren Mtttel.Die Gliedmaßen sitzen äu fest an dem knorrigen Kör­per um der Rede den begleitenden Gestus in ent­sprechender Schnelligkeit folgen zu lassen, und daS Mienenspiel scheint jener Durchsichtigkeit zu ent- raten die das Antlitz zum untrüglichen Spiegel der 6eete macht." Sv gab Anzengruber nach schmerzlichem Kampf die Eroberung der Bühne als Schauspieler auf. aber er hatte doch hier zum erstenmal sein angestammtes Reich betreten, das er später alS Dramatiker beherrschen sollte.

Der Sozialdemokratische Parteitag.

Görlitz, 19. Sept. Den Vorstands bericht erstattete am Montag Franz Krüger. An die Spitze stellt der Redner die Befriedigung der alten Führer über die Rückkehr der Massen und über den Wiederaufstieg der Partei an Zahl und Macht. Der Radikalismus von links und rechts laufe sich tot. Die Deutsche Volkspartei sei immer mehr bereit sich durch die Sozial­demokratie die geschmähtenroten Ketten" an­legen zu lassen. Die Unabhängigen seien gezwun­gen, über die radikale Phraseologie hinauszu- schretten. linier den Anträgen der Pro­vinz findet sich auch die Forderung, den l.Mai und den 9. November zu Nationalgedenktagen zu erheben. Mit Nachdruck setzte sich Krüger für den 1. Mai ein; die Maiforderungen: Friede und Heber Windung des Militarismus, könnten doch Wohl von der ganzen Nation vertreten werden. Der 9. November sei kein Iubeltag; an ihm sei das alte System zusammengebrochen, doch sei er auch der Geburtstag der Revolution. Schematisch dürfe gerade dieser Gedenktag nicht behandelt werden; man müsse sich ferne Behandlung von neuem überlegen. Krüger ist auch kein Einigungs­fanatiker.Unter allen Umständen" fordere heute niemand mehr wie in Kassel den sozialistischen Zusammenschluß. Wir kümmern uns, so fuhr der Redner an einer anderen Stelle fort, nicht um den Namen der Koalition, sondern darum, was uns geboten wird. Die Demokratie ist heute auf dem Wege, zur verknöcherten liberalen Partei zu werden. Mit Gothein ist die Einigung so wenig möglich wie mit Stresemann. Die Demo­kratie ist zudem einflußlos. Wir brauchen nicht nur eine parlamentarische Mehrheit. Alle Pro­duktionskräfte, die sich ehrlich für den heutigen Staat einsetzen wollen, müssen herangezogen wer­den! Es ist allerdings ein Gebot der Ehrlichkeit, auszusprechen, daß.in der künftigen Regierung keine sozialistische Polttik geleistet werden kann. Aber die Republik kann geschützt, der Ver­fassungsgeist weiter gepflegt werden. Es genügt freilich nicht, wenn die Datsche Volkspartei er­klärt. die Republik gegen gewaltsame Angriffe zu schützen. Vor allem muß eine republikanische Regierungspartei auf jebe monarchistische Pro - paganba verzichten. Wenn die Deutsche Volks- Partei das tut, sind wir zur Zusammenarbeit mit ihr bereit. Der Redner faßt seine Stellung­nahme zusammen: Wir sind zur Kvalttion bereit, doch nicht um der Regierungsteilnahme an sich, sondern nur um unserer Ziele willen, deren drin­gendster Teil verwirklicht werden muh. Die Massen erwarten von uns aktive Polttik.

Berlin. 20. Sept. Die Blätter melden, daß der frühere Reichskanzler Hermann Müller auf Dem sozialdemokratischen Parteitag in Görlitz eine Entschließung einbrachte, welche die Frage der Außenpolitik behandelt. In der Entschlie­ßung heißt es, daß die wirtschaftlichen und finan­ziellen Bestimmungen des Versailler Ver­trages die Wiederkehr normaler weltwirtschaft­licher Beziehungen verhinderten. Die Gesundung der europäischen Wirtschaft habe die Mitarbeit der aufbaubereiten Kreise aller Länder zur Vor­aussetzung. Die deutsche Sozialdemokratie habe alles getan, um den schleunigen Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Nordfrankreichs und Belgiens zu fördern. Die dem deutschen Volk durch den Ver­sailler Vertrag auferlegten Lasten seien auf die Dauer unerträglich. Die Schäden des Weltkriegs könnten nicht von einem Volke allein getragen wer­den. Die Lage der Arbeiterklasse in allen Ländern der Welt fordere gebieterisch die R e v i s i o n des Versailler Vertrages. Eine schleunige Entscheidung über das für Deutschland lebenswichtige ober- schlesische Industriegebiet sei erforderlich. Ferner müsse die sofortige Aufhebung der völker­rechtswidrigen, dem Versailler Vertrag wider­sprechenden mllitärischen und wirtschaftlichen Sanktionen gefordert werden. Die deussche ©Mialbemofratte sei gewillt, mit allen Mitteln die Republik gegen jeden Ansturm zu sichern.

» In der Resolution des Parteivorstandes über den Eintritt in die Regierung ist das WortGrundforderungen" nunmehr durch das WortMindestforderungen" ersetzt wor­den. Der lehte Absatz wurde dahin geändert, daß die Fraktionen im Einverständnis mit dem Partei- Vorstand über den Eintritt von Parteigenossen in die Regierung entscheiden sollen. Die Resolu­tion wurde in namentlicher Abstimmung mit 290 gegen 67 Stimmen angenommen; damit sind alle anderen zu dieser Sache gestellten Einträge erledigt.

Görlitz, 20. Sept. (WTB.) Der Sozial- demokratische Parteitag nahm einen Antrag be­treffend die Bildung einer einheitlichen proletarischen Partei an. Alle weiteren Anträge, die sich auf die Vereinigung mit der USP. beziehen, sind damit erledigt, Angenommen wurde auch ein Antrag, der das Schreiben über parteitattischr Fragen inbürgerlichenDlät- t e r n verbietet. Der Antrag L ö b c auf Schaf- |

fung eines republikanischen Abzei­chen s wurde angenommen. Abgelehnt wurde mit großer Mehrheit ein Antrag, wonach zur Partei nicht gehören kann, wer Mitglied eines Krieger- ober Wilitärvereins ist. Darauf er­stattete bet Abg. Hoch den Bericht der Reichs­tagsfraktion.

ginn dieses Jahres. 96 dieser Wohnungen sind von Hausbesitzern selbst ober auf ihre Kosten ein- gerichtet worden. In 44 Fällen muhte die Stadt die Kosten übernehmen und hierfür etwas mehr als 150 000 Mark aufwenden. Oft waren die Kosten recht beträchtlich. Zum Beispiel kostete die Ein­richtung von sechs Wohnungen in der früher Scheidschen Zigarrenfabrik an der Marburger Straße etwa 50 000 Mark, die Schaffung von nur zwei Wohnungen in einem Gartenhaus 30 000 Mk und die Herrichtung einer Wohnung in ynem Nebengebäude der Alten Klinik 16 000 Mark. Vom 'Bauamt wurden in städtischen Häusern weitere 25 Wohnungen eingerichtet. Es handelt sich hier entweder um Häuser, die wegen Baufälligkeit be­reits leet standen, in der Not der Zeit aber doch wieder benutzt werben muhten oder um Einrichtung von Wohnungen in Dachgeschossen, Lagerräumen usw. In den früheren Dureaubaracken des Ge­fangenenlagers (bei der Germania) wurden außer­dem noch fünf Notwohnungen errichtet.

Nicht eingerechnet in diese Zahlen sind die zwölf Beamtenwohnungen, die vom hessischen Staat in zwei Häusern in der Senkenbergstrahe erbaut werden. Weit vorgeschritten ist übrigens auch bei große Anbau an bie Frauen­klinik, besten Kosten auf drei Million«! Mark veranschlagt sind, der allerdings aber nicht füi Wo hnungszwecke vorgesehen ist.

Wenn bisher also schon viel zur Errichtuna neuer Wohnungen geschehen ist, so bedarf es dvq weiterhin aller Anstrengungen, um die Wohnungs­not mit ihren schlimmen Folgen langsam einzu­dämmen.

Aus Hessen.

Aus dem Finanzausschuß.

rm. Darmstadt, 20. Sept. Der Finanz­ausschuß des Landtags hat den Antrag Lenhart betr. die Entschädigung bzw. die Umzugskosten und die Teuerungszulagen an die aus dem besetzten Gebiet vertriebenen Beamten auf Grund der Antwort der Regierung für erledigt erklärt. Der Antrag des Abg. S o h e r r bett, die Rückver­gütung der Zölle ttn besetzten Gebiet wurde an­genommen. Die Vorstellung des Hess. "Beamten- bundeS betr. Erholungsurlaub wurde nach der Er­klärung der Regierung, dah für das nächste Jahr eine Revision der Bestimmungen in Aussicht stehe, für erledigt erklärt. Der Antrag des Abg. Schreiber bett, die Regelung des Kreisblatt­wesens veranlaßte eine längere Aussprache, in deren Verlauf die Regierung eine Reihe von Mög­lichkeiten der Erledigung vorschlug. Das Ideal, allen in Frage kommenden Blättern die Anzeigen zukvmmen zu lassen, komme allerdings wegen der hohen Kosten nicht in Betracht. Es wird daher empfohlen, mit den Zeitungen nochmals im Sinne des Antrags Schreiber zu verhandeln. Der Anttag Hattemer, Steuererlaß für Klein-Rent­ner, wttd in Verbindung mit dem Anttag Soherr und Knoll, betr. Steuererleichterung für Haus­haltungsvorstände, sowie mit dem Antrag Balser, betr. die Unterstützung von Rentnern, Witwen usw. behandelt. In der Aussprache wird angeregt, dah das Reich einen Zuschuh leiste, damit den Ländern und Gemeinden die Regelung dieser Fra­gen erleichtert wird. Der Antrag Hattemer wird für erledigt erklärt, der Antrag Knoll und Soherr abgelehnt und der Antrag Balser der Regierung als Material überwiesen mit dem Zusatz, dah Reich, Länder und Gemeinden gemeinsam entspre­chende Mittel zur Verfügung stellen. Der An­trag des Abg. Reh, betr. die Abtrennung von 300 Morgen Feld vom Gut Selgenhof in Ober­hessen zu Siedelungszwecken, wird für erledigt er­klärt, nachdem festgestellt wurde, dah die in Frage kommenden umliegenden Orte in der Lage sind, selbst Feld abzugeven. Der Siedelungsausschuh soll sich mit der Angelegenheit nochmals befassen. Der Antrag des Abg. Reh, bett. Abänderung des Art. 881 der LGO. wttd mit Zustimmung der Re­gierung angenommen. Der Anttag Neff, bett, die Kosten der höheren Schulen wird der Regie­rung zur Berücksichtigung überwiesen. Eine Re­gierungsvorlage in der das Dvlksschulgesetz dahin abgeändert werden soll, daß die Einstellung eines juristischen Referenten und eines Vorstandes für das Sekretariat der Schulabteilung vorgesehen werden soll, findet Annahme. Der Antrag des Abg. Herbert, bett, die Wirtschaftsbei­hilfe für Geistliche, wird nach der zustim­menden Erklärung der Regierung gutgeheißen.

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x Reichelsheim, 21. Sept. Am Sams­tagabend sprach im Auftrage der Deutschnationalen Volkspartei Prof. Dr. Werner- Butzbach über die Erfüllung des Ultimatums und die wirtschaft­lichen Folgen für das werktätige Voll und über die hessischen Landtagswahlen. Die gutbesuchte Versammlung nahm zum Schluß folgende E n t - schließungan:Wett über 100 Besucher einer Wählerversammlung im Gasthause zur Post er­heben Einspruch gegen die Festlegung des Wahl­termins der hessischen Landtagswahlen auf den 1. Advent, da dieser Tag in den meisten Ge­meinden als hoher Feiertag gilt, verbunden mit Gang zum heiligen Abendmahl. Wir fordern bringend"Verlegung des Wahltermins."

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