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Donnerstag, 20. ©ftober 1921
IN. Jahrgang
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Wie's in der französischen gone gemacht wird.
Man schreibt ums:
Die Wahrheit über die politische und wirt- ftxaftliche Lage in der französischen Zone deS ftsitzten Gebiets. über die zahlreichen Lieber- Izrsffe. Geuxllttaten und Drangsalierungen oer sivtschen Zivilbevölkerung durch weihe und strbige französische Offiziere und Mannschaften setzt sich auch im Auslande immer mehr furch. Die wahrheitsgetreuen Schilderungen tob Berichte über diese Zustände haben die französische Propaganda zu einer Gegenaktion cuf den Plan gerufen. Das offizielle Organ ki französischen Besatzungsbehörde, das .Scho du Rhin". das französische Nachrichten- Matt, daS angeblich zur Bekämpfung und Be- kichtigung von Falschmeldungen über das besetzte Gebiet ins Leben gerufen wurde, in Dirklichkeit aber nichts weiter als ein ftan- fbsischeS Prvpagandaorgan in deutscher Sprache ist. und die von der französischen Be- sttzungSbehörde nicht nur moralisch unter* fützten Organe des kleinen Klüngels der soge- lannten rheinischen Separatisten, mühen sich tit Wochen vergebens ab. die Wahrheit zu rerdunkeln und die wahrheitsgetreuen Berichte mb Schilderungen in der rechtsrheinischen und cuSländischen Presse abzuschwächen und zu Emtleren. Nicht genug damit, sind ge- nlose Verräter im besetzten Gebiete geworden. die den deutschen Zeitungen sich
Berichterstatter aus dem besetzten Gebiet bieten versuchen, um auf diese Weise chte und Artikel mit französischer Tendenz te Zeitungen zu landeten. Sin solcher .lf im Schafspelz" ist der Dolmetscher der s französischen Besatzungsbehörde in Schiffer- liabt in der Pfalz namens Georg Forster. C-r bot vor einiger Zeit rechtsrheinischen Zei- rmgen einen Arttkel an. der sich mit der t Warzen Schmach beschäfttgt. und der für iic unbefangenen Leser zunächst ganz harm- vS aussieht. Die ersten Abschnitte des Ar- ttfeld könnten sogar den Eindruck aufkommen assen, dah er gegen die schwarze Schmach erichtet sei. 3n dem Artikel werden Fälle )on Vergetvalttgungen aufgezählt; zum Schluß v!rd jedoch der Pferdefuß sichtbar. CS wird mSgeführt. daß die Schwarzen nur durch das Verhalten der deutschen Frauen und Mädchen fti ihrem Treiben veranlaßt würden, daß sie elsv gewissermaßen die Schuld für die we- ilgen Ausschreitungen der Schwarzen trügen, interessant ist es, daß der Artikel teilweise dörfliche Auszüge aus einem kürzlich in der .Neuen Badischen Landeszeitung" in Mann- ktm veröffentlichten Aufsatz enthält, in dem He Anlage von Besatzungsbüchern gefordert burbc. welche die Namen aller der Männer int Frauen der Nachwelt überliefern sollen. Ma ihre nationale deutsche Würde verletzt baten. Durch geschickte Auslassung von Sätzen utb durch Hinzufügen anderer Gedankengänge fft von Forster die Tendenz des Artikels der .Neuen Badischen Landeszeitung" im fron* Mschen Sinne geändert worden.
Daß Forster im Dienste der französischen Propaganda steht, geht auch aus einer Veröffentlichung hervor, die er in das Schiffer- ßadter Blatt lanciert hat. 3n dieser Ver- »ffentlichung. die zugleich ein Musterbetsptel -für die französische Kulmrprvpaganda ist. for- bart Forster die Einwohnerschaft auf. ihm Material. Dokumente usw. für em ..Schiffer- ftflbter Heimatbuch" zur Verfügung zu stellen. ‘ Der mit ^en Verhälttrisien im besetzten Ge- - biet genau vertraut ist. weiß, daß das söge- nannte Heimatbuch eine französische QRacpen* sHaft ist und dazu dienen soll, künstlich htsto- rische Zusammenhänge der pfälzischen Be- tölkerung mit Frankreich zu konstruieren, um toraus den Nachweis zu führen, daß die Ä'alz und das Nheinland eine „keltisch-romanische Seele" haben, und daß also diese Gebiete historisch zu Frankreich gehörten. Der Eingeweihte weiß, daß die französische Be- ■ ^mungsbehörde mit dem Ersuchen auch an die ^ilzischen Bezirksämter herangetreten ist. ihr Stznlichc Nachrichten und Dokumente, wie sie Morfter verlangt, zugängig zu machen.
Man wird daher im rechtsrheinischen Marschland gut daran tun. Angeboten gegenüber. wie sie Forster einigen rechtsrheinischen Leitungen gemacht hat. äußerst vorsichttg zu sein und alle Anerbieten von unbekannten Personen genau zu prüfen, damit nicht die französische Propaganda ungewollt durch das rechtsrheinische Deutschland unterstützt wird Wd damit nicht die NechtSrheiner ihren links- rheinischen schwerbedrängten Brüdern bei 5:em schweren Kampf um ihr Deutschtum un- beabsichttgt in den Rücken fallen.
Eine Konferenz zur Senkung I bet Kartoffelpreise.
Berlin, 10. Oft. /WTB.) 3n einer im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft unter dem Vorsitz des Ministers HermeS abgehattenen Besprechung wurde die augenblick- liche Lage der Ka r t o f fel ve r s o r g u n g und der Preisentwicklung eingehend besprochen und anschließend die Maßnahmen erörtert, die geeignet sind, eine Verstärkung der Anlieferungen und eine Eindämmung der Preise herbeizuführen. Seitens des Ministers und seines Vertreters wurde entschieden darauf hingewiesen, dah im Interesse der Konsumenten die Senkung der Kartoffelpreise brtngenb notwendig sei; die Vertreter der Landwirtschaft und des Handels wurden ersucht, im Hinblick auf den Ernst der Lage fein Mittel unversucht zu lassen, eine Preissenkung herbeizuführen. Weiter wurde dringend empfohlen, die bereits in vielen Teilen eingeleitete Hilfsaktion, durch Abgabe verbilligter Kartoffeln die Notlage der Minderbemittelten zu lindern, und die bereits in einzelnen Landesteilen mit anerkennenswertem Erfolg durchgeführt wurde, in noch größerem Umfange möglichst in allen Reichsteilen durchzusühren. Auch die Frage der Festsetzung einheitlicher Höchst- und R i ch t p r e i s e. die die Konsumenten vielfach fordern, wurde eingehend besprochen, von der Landwirtschaft und vom Handel aber einstimmig mit der Begründung abgelehnt, daß eine solche Maßnahme lcbiglich geeignet sei, die Ware vom Markte xu vertre.ben und dadurch >,ur Verschient.rmg der Versorgung zu führen. Die Vertreter der Landwirtschaft und des Handels stimmten den Ausführungen des Ministers zu, daß auch sie die augenblickliche Preisentwickelung in Anbetracht der starken Belastung der Konsumenten für beklagenswert hielten und versprachen, durch Einwirkung unk» Ohifftärung innerhalb der Berufs-- gcnossen auf eine Preissenkung hinarbeiten zu willen. Desgleichen wiesen sie darauf hin. daß bereits in vielen Bezirken von den Kommunal- verbänden Hilfsaktionen zwecks Belieferung der Minderbemittelten mit verbilligten Kartoffeln eingeleitet seien. Sie versprachen, in Anbetracht der Notlage der Konsumenten nochmals die Deruss- genossen auf die Wirksamkeit derartiger HilfS- aftionen Hinweisen zu wollen.
Uebereinstimmend wurde die Ursache der unglücklichen Preisentwicklung in dein mangelhaften Abtransport der Kartoffeln gesehen und insbesondere die stockende Abfuhr aus den Hauptüberfchußgebieten Pommer i. OftVreu en und Mecklenburg beflagt. Seitens des Vertreters des Reichsverkehrsministeriums wurde entgegen- gehallen, dah vom 1. September bis 14. Oktober insgesamt 128 663 Wagen zum Abtransport der Kartoffeln gestellt worden seien. Rechne man mit einer Wagenbeladung von 10 Tonnen, so ergebe sich, daß in diesem Jahre bis 14. Oft 25 732 600 Zentner den Bedarfsbezirken zugeführt wurden. Diese Zahl bliebe hinter dem Vorjahre lediglich um 1 Million Zentner zurück. Nicht berücksichtigt tist hierbei der Stückgutversand, der nach der kürzlich eingeführten Frachtermäßigung be onders umfangreich sein wird. Das Reichsverlehrsministe- rium beabsichtige jedoch, noch durch weitere einschneidende Maßnahmen eine Verstärkung der Wagengestellung zu erzielen.
Im Schlußwort des Ministers wurde die Landwirtschaft und der Handel nochmals mit Entschiedenheit ersucht, sich der Notlage der Konsumenten nicht zu versch i:h;n und in gemeinschaftlicher Arbeit mit den zuständigen Behörden und Organisationen darauf hinzuwirken, dah biejeni- 8en Derufsgenossen, die in Verkennung der Notige der Konsumenten durch zu hohe Preisforderungen sich ungerechtfertigterweise bereichern, rücksichtslos zur Rechenschaft gezogen werden. Er bitte, im weitesten Umfange durch Aufklärung in der lokalen Dresse und durch Rundschreiben an die unlerfteluen Organisationen die Landwirtschaft zu einer verstärkten Ablieferung zu angemessenen Preisen anzuhalten und durch lokale Verhanb- lungen die bereits eingeleiteten Hilfsaktionen zu unterstützen und auf eine breitere Basis zu stellen. Was die Transportlage anbelangt, hoffe er, dah es dem Reichsvcrlehrsministerium gelingen werde, das günstige Verladewetter noch zu einer möglichst starken Abfuhr von Kartoffeln zu benutzen Er müsse anerkennen, daß der oben angegebene ®e» famtoerfanb als unbefr edigend nicht anzusehen sei uni> daher auch für die Bevölkerung zu übertriebener Besorgnis kein Anlaß vor'iege
Lloyd George über die Arbeitslosigkeit. London. 19. Ott. (WB.) Lloyd George hielt nachmittags feine mit Spannung erwartete Unterhausrede über die Arbeitslosenfrage. Er sagte, das Land mache die schärfste Periode von Arbeitslosigkeit seit 200 Jahren durch. Im gegenwärtigen Augenblick seien in England 1 750 COD Erwerbslose. Die größte Arbeitslosigkeit heri-sche in der M e t a 11- Industrie. Die Ursachen cinschliehllch der Störung der Har.delsmaschinerie und der Schwankungen der Wechselkurse könnten in dem Worte .Krieg" zusammengefaht werden. Zwei Arten von Politik seien möglich: Entweder tue der Staat nichts, oder er biete, soweit es ihm seine beschräntten Mittel gestatten. Unterstützungen. Niemand trete ernstlich für die erste Politik ein. Sie würde, ganz abgesehen von Erwägungen menschlicher Art, auch nicht klug sein. Sie Regierung empfehle ohne Zögern die zweite Politik. Es entspreche nicht den Tatsachen, dah die Regierung bisher nichts unternommen habe. Lloyd George gab eine Uebersicht über die bisherigen
Maßnahmen der Regierung zur Wiederbelebung des Handels und zur Behebung der Erwerbslosigkeit. unter anderem durch Förderung der Ansiedlung von Kriegsteilnehmern in den verschiedenen Dominions des britischen Reiches. Der Premierminister erklärte, die Regierung werde weitere 300 000 Pfund Sterling beantragen, um es noch mehr KriegUcilnebmern zu ermöglichen, auszuwandern. Lloyd George sagte, dir Behauptung, dah für Rußland genug Arbeit vorhanden sei, um für Zedermann Erwerb zu schaffen, sei vollkommen irreführend, denn der Handel, der unter dem englisch-russischen Handelsabkommen In der Zeit zwischen dem 1. Januar und 31. August .zwischen Rußland und England getätigt worden sei, belaufe sich auf 3 150 000 Pfund Sterling. Lloyd George fuhr fort, es beständen zweifellos Anzeichen, die auf ein Wiederaufleben einiger der wichtigsten erg lischen Industrieen deuteten. Andererseits g<b;> es einige wichtige Handelszweige, die lemerlci I Besserung aufwiesen. Eine grofe Besserung tm Handel könne vorläufig nicht eintreten. und es müsse beträchtliche Elwcrbslo igteit he.rächen Das Beste, was man hoffen könne, sei eine langsame und gleichmäßige Besserung. Inzwi chrn würd' Erwerbslosigkeit in großem Umfangs bestehen und man müsse sich entsprechend einrichten. England sei ein Ausfuhrland und hänge vom ^Überseehandel mehr ab als irgend ein anderes Land unter der Sonne. Soweit der Handel in Betracht komme, beruhen Englands Intercs e i in seiner Wiederherstellung, in einem Wiederaufleben des Handels, der Indus! r ie und der Kaufkraft des Auslandes, denn, dah englische Waren benötigt werden, darüber herrsche kein Zweifel. Die Regierung beabsichtt.ge. den Exportkreditplan abzuändcm. Es sei klar, daß weder der Exporteur noch der Importeur auf einer »akrobatischen Grundlage" der Wcch.el- hirfc aufbauen könne. Wenn überhaupt der Handel wieder in Gang gebracht werden solle, müsse das Risiko bestehen. Die Regierung sei jedoch zu dem Entschluß gekommen, dah das Risiko viel gröher sei, wenn sie die Hände in den Schoß lege und nichts tue. Es sei geplant, die Garantie für die Kaufleute von 85 auf 100 Prozent zu erhöhen, und für jede Fabrik ein Maximum festzusehen, das von einem beratenden Komitee bestimmt werden solle. Bisher sollte daö Cxpvrtkreditsystem nur auf die Länder Anwendung finden, deren Kredit durch 'den Krieg so gut wie zerstört ist. Jetzt werde vorgeschlagen, den Cxportkreditplan noch auf andere Länder einschließlich des britischen Reiches anzuwenden Es bestehe kein Zweifel daran, dah die Produktionskosten zu hoch seien. Die Regierung würde für neues Kapitel für Unternehmungen, wie z B Eisenbahnen und Elektrizitätsanlagen, die dazu bestimmt feien, das Erwerbsleben zu verbessern, die Bezahlung der Zinsen unter gewissen Bedingungen garantieren. Rach dem Plane solle je» doch'die gesamte Garantie des Staates die Summe von 25 Millionen Pfund Sterling nicht überschreiten.
London, 20. Olt (WTB > Nach einer ergänzende Reuter-Depesche sagte Lloyd George in der Tlnterhaussihung unter anderem noch: Die politische llnruhe hindere den Handel am Wiederaufblühen; ein Beispiel dafür biete Deutschland, wo das ungeheure Fallen der Mark, das bereits drei Wochen andauere, keiner wirtschaftlichen Ursache zuzuschreiben sei. Wenn politische Ursachen vorhanden sind oder militärische Putsche drohen, kann der Handel nicht wieder aufgebaut werden W i r müssen uns von einer Atmosphäre frei machen, in der man nicht als Patriot gilt, wenn man über Deutschland anders als mit Stirnrunzeln spricht Groß- Britannien tritt für Freiheit und Ruheein. Was auch immer über unsere Motive im Ausland gesagt werden möge, wir haben keine anderen. Sowohl zwischen den Nationen als auch den Volkern müsse ein guter Wille zur Zusammenarbeit bestehen Asquith trat dafür ein, daß die ganze Frage der internationalen Verschuldungen und der Reparationen erneut erwogen werden sollten Er begrüßte das kürzlich abgeschlossene beut ch-^ran;öfische Abkom- man als ein gutes Beispiel dafür, wie der Repara- tionsprozeh ohne die geringste Storung des normalen Verlaufs deS internationalen Handels vor sich gehen könnte.
Die Kritik des Genfer Spruches.
London, 19. Oft (Wolff.) Der Sonderberichterstatter des „Daily Ehronicle" in Oppeln meldet seinem Matte, in Oppeln, dem Sih der interalliierten Abstimmungskommission, wo sich zahlreiche wirtschaftliche Sachverständige befinden, herrsche zum Teil Erstaunen und selbst Entrüstung über die Vorschläge des Völkerbundsrates zur Teilung Oberschlesiens. Man hege die schlimmste Befürchtung wegen der wirtschaftlichen Folgen der Döllerbundsentscheidung, soweit diese bekannt fei. Für diese Befürchtungen würden berartig zwingende Gründe angeführt, daß man die Entscheidung des VolkerbundSrates nur bedauern könne. Einige Sachverständige seien der Ansicht, dah. abgesehen von der Ungesehlich- keit des Döllerbundsvorschlages, der Erfolg der Empfehlung des Bundes davon abhänge, ob Deutschland mit vollem wirtschaftlichem Sinne mitwirken wolle, was man selbst von Engeln nicht erwarten könne, und ob die Polen bereit feien, mit den verhaßten Feinden in Freundschaft zusammenzuwirfen. Der Berichterstatter weist darauf hin, daß Polen nicht über genügenbe Transportmittel verfüge, um den Anforderungen des ihm ^geteilten Gebietes gerecht zu werden. Au Herdern würden alle deutschen Beamten, selbst
Angestcllle, Ingenieure, gelernte Techniker, Offiziere und Lehrer nach und nach auSwandern. und obgleich sich vielleicht an ihre Stelle eine beträchtliche Zahl französischer Beamten in diesem Gebiete niederlassen werde, .davon verschieden« Mttg ieter bc: Opp Incr Komm ss cm", so herrsche doch allgemein die Ansicht, dah bas oben^-xestsche Dreieck wirtschastlichundkulturellab- sterben werde. Die Sachverständigen erklären, die Empfehlung des Vollerbundsrates trenne wirtschaftliche Realitäten von politischer Macht; die Vorschläge mühten entweder zum ChaoS führen. beschleunigt durch dirttsche Passive Resistenz, oder dazu, daß Polen durch Deutschland gezwungen werde, einen derartigen Wirtschaftsvertrag mit ihm abzuschliehen, durch den die pvlttifchen Zwecke, die der ursprünglichen Absicht. Oberschlesien von Deutschland wegzureißen. zugrund« liegen, hinfällig werden
(?in Bcschlttsi des Deutschen StädtetageS.
V e r l i n, 19. Olt. (Wolff.) Der Vorstand des Deutschen StädtetageS hat in seiner in Berlin abqehaltenen Sitzung vom 19. Oktober nachstehende Entschließung gefaßt: Der Städtetag gedenkt mit schmerzlichster Empfindung der deutschen Städte in O b e r s ch l e f i e n. Ein G c w a! t a k t, der sich über den Verttag und über den Abstimmungswillen hinwegfetzt, will Oberschlesien zerreißen und zahlreiche rein deutsche Städte, die von jahrhundertelanger deutscher Kulturarbeit zeugen, von Deutschland trennen. Durch den Versailler Vertrag seiner Machtmittel beraubt, kann Deutschland sich gegen die Gewalt nicht erfolgreich wehren, aber das Recht kann durch Gewalt nicht ewig unterdrückt werden; die Hoffnung bleibt, daß der Tag des Rechts schließlich kommen wird. 3n dieser Ueberzeugung wird das Deutschtum in den vberschlesischen Städten treu auS- harren. Die gesamten deutschen Städte werden ihnen in ihrer Not tteubrüderlich zur Seite stehen.
Die (Kntscheiduna der Botschafterkonsercnz.
Pari-, 20. Oft. (WTB.) Wie „Petit Pa- rtfien" mitteilt, wirb bie Lösung, die die B o t - s chaf terf onf erenz gestern in dec or*er- schlesischen Frage gefunden hat. morgen veröffentlicht, zu gleicher Zeit mit dem Tert der Empfehlungen des VölferbundsrateS. Das B'att schreibt, bah man entschieden habe, sofort bieGrenz- festsehungsarbeit vorzunehmen, und zwar nach ben Bestimmungen von Genf, ohne zu warten, bah man sich zuvor über die vorgesehenen wirtschaftlichen Maßnahmen geeinigt hat Die interalliierte Verwaltung in Opveln werbe erst zu Ende gehen an dem Tage, an dem die wirtschaftlichen Kompensationen ausgeführk worden sind. Auf Grund dieser Entscheidunz gab man zu erkennen, daß es nicht genügt auf der Karte eine Grenzlinie zu ziehen, und l>iß man erst dann von einer endgültigen Grenzbestimm'-ng fvrechen könne, sobald an Ort und Stelle minutiöse Arbeit geleistet worden fei. Die Grenze könne also erst nach dieser Arbeit als endgültig bezeichnet werden Dadurch gewinne man die nötige Zeit zur Schaffung der vorgesehenen wirtschaftlichen Organi'ativn Die Mitteilung der DotschafterkoTlferenz erf ärt ferner, daß im Falle, bah bie eine oder andere Partei 'ich weigere, bie vorgesehenen wirtschaftlichen Abmachungen anzuerkennen, die Mächte sich Zwangsmahnahmen vorbehi'lten Man glaubt sogar zu wissen, daß es sich nicht nur um eine Drohung handele, sondern dah man sich jetzt schon über bie Mittel, die anzuwenden feien, geeinigt habe.
Aus der französischen Kammer.
Paris, 19. Oft. (WTB.) In der heutigen Kammerf'ihung werben die Beratungen über die Interpellationen und über die allgemeine Politik der Regierung fortgesetzt. AIS ersterRed- ner ergreift das Wort Maurice B a r r tz S.^Durch die Aufhebung der Zvllinie am Rhein habe man die Sanktionen Frankreichs gegenüber dem besiegten Deutschland geschwächt. Wie könne Frank- reich Cßertrauen in die deutsche Demokratie haben, wenn der Abgeordnete Oberkirch (?) ganz richtig bemerke daß Deutschland niemals verpreuhtec gewesen' fei, und daß der deutsche Minister' für auswärtige Angelegenheiten em Minister bet ancien r6gtme fei. Man habe viel von dem Abkommen von Wiesbaden gesprochen. Minister Loucheur dürfe aber nicht aus dem Gesicht verlieren, dah die Konstituierung eine- Syndikats rheinischer Unternehmer notwendig sei. Frarikreich könne sich am linken Rheinufer nur in Sicher heft fühlen, roerm es wisse, daß zwischen Frankreich unb Preußen eine Zone moralischer Entwaffnung bestehe. Die Ausfüh- i*ng des Vertrages müsse garantiert werden. Minister Rathenau dürfe nicht mehr sagen: Kom- Men Sie nochmals nach Wiesbaden, alles ist «rchmals "3 Geraten!
Ministerpräsident Driand erhebt sich zu einer ' Zwischenbemerkung: Die wirtschaftlichen Sanktionen hätten llch nur auf die Weigerung Deutschlands, die Rejxxrationszablungen vorzu- nehmen. bezogen.
Der nächste Interpellationsredner, Abg. M a i l l a r d. spricht über bie oberschlesifche Frage und wirft Driand vor, daß er die Regelung dieser Frage als eine solche bezeichnet habe, die nur burd) die Sorge um bie Gere ch ti gk eil erledigt werden könne, während Frankreich sich


