Unterhaltung ♦ Erhebung ♦ Belehrung
Ff
Siu neuer Weltverkehrsweg
See
; jetzt setzt man womöglich auf
Nächtliche Gondelsahrt.
Don Wilhelm von Scholz*).
Der Grund liegt vornehmlich in einer veränderten Wertung des Tieres. Während der Mensch früher zum Adebar, dem Glücks- bringet“, Me besten Beziehungen unterhielt und Wert darauf legte, sich mit ihm so gut als möglich zu stellen, macht er ihn jetzt häufig zu einem Oagdziel. Der ehedem fast heilig gehaltene Bogel gilt nun fast als vogelfrei! Früher lockte man ihn auf die Häuser des Gutes und Dorfes und legte ihm aus den First als Grundlage seines Restes
Die besten Fürsprecher hat der Storch an älteren Landleuten. Ein richtiger Dauer vermeidet alles, was den Adebar beim Nestbau stören könnte — selbst eine notwendige Reparatur am Dach. Wer ein Stvrchnest zerstört, sagen die Masuren, begeht eine Sünde. Darum hält es auch schwer, etwa durch Vermittlung des Grundstücksbesitzers einen jungen Storch zu erhalten: versteht sich der Dauer doch dazu, ein junges Tier aus dem Rest zu holen, so tut er es nur gegen Dezahlung, die er dem Storchpapa ins Rest legt, damit dieser wisse, daß sein Interesse allezeit gewahrt bleibt.
den Abgrund, dah um mich raumloses Leuch«
*) Wilhelm von Scholz, der sinnige Ausbeuter heimatlicher Schönheit, hat eine Reihe landschaftlicher und historischer Skizzen und Betrachtungen aus der Bodenseegegend gesammelt, die unter dem Titel .Der Bodensee" bei Georg Müller, München, erschienen sind, und von denen
Ich bin aus der Ducht hinausgefahren. Die weiten Gestade liegen ganz im Licht, als ob die Ferne, in die der See nach Osten uferlos hinausschimmert, rings allen Strand, ihn entrückend, überflutet habe.
Ich wende. Wie vom Atem des Wassers leise bewegt, steigt und sinkt das runde Bild der Mondscheibe. ES bleibt mir schwebend zur Seite. Ich fühle das Gleiten des Rachens nur noch so, als ob eine unsichtbare Strömung des Sees ihn trüge. Er nähert sich einer Stelle des Ufers, an der Pappeln in den fahlblauen Himmel steigen.
Ich folge der sanften gebuchteten Uferlinie. Jetzt seh' ich durch das klare Glas des Dotschattens auf der Landseite auch den hellgrünen, von den Ruderkreisen überwellten Lehmgrund. Ein weit vorgebauter Landungssteg taucht dunkel im Dämmern auf. Dir Pfähle stehen da, ohne Grenze gegen ihren langen Spiegel im See, wie ein schattenhaftes Gebilde, das ringsum in den Mondduft zergeht, das nirgends ruht, das nur im Licht schwebt.
Leise, kaum hörbar, spielen hier, wic Pulsschläge des Sees, kleine Wellchen am gerölligen Ufer. Ueber ihnen schimmert das zitternde Licht, als hätte sich das Spiegelbild von der glänzenden Fläche aufschwebend gelöst
Dann fährt der Nachen an einer grauen eufeuüberwucherten Terrassenmauer hin. Der Blick geht weit in den monddurchdämmerten lichten Park. Eine schwarze schweigende Wald- bucht nimmt mich in ihre Schatten auf. Dic dunklen Ufer wachsen, Gewölk umzieht lang' sam, in der Tiefe seine lichten Ränder spiegelnd, den Mond.
Mit beiden Rudern ausgreifend, fahr ich über die nächttg verdunkelte Fläche heim.
Am schönsten rudert sichs bei nchigem mit einem Ruder. Man muß ganz hinten am Heck des Bootes auf dem Sitz stehen dazu, daß die Leute am Ufer in jedem Augenblick denken, man würde gleich ins Wasser fallen. So gleitet die Gondel reglos, wie im Traum, über den ^Spiegel.
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ES war schon sechr spät, als ich das Boot loskettete; ich hörte es nachher während des Fahrens von den Schweizer Ufertürmen Mitternacht schlagen.
Eine weite Nachtstille, die nur vom Nollen der Kette, dem Einsteigen und dem Abstößen einen Augenblick unterbrochen wurde. Der See schlief im Mondschein. Die verschwimmende Helligkeit des Spiegels floß atmend über die Ufer, um Badehütte und Weiden.
Don den Wellenkreisen um mich ziehen zitternde, geschlängelte Lichtstteifen über den Steg und das Schllf. Mein Ruder taucht fast laullos ein, nur ganz hinten im schwarzen Schatten der Gondel, damit der Seespiegel unzerstört bleibt, während ich langsam über ihn hingleite. Augenblicke seh' ich das Mond» licht in die grüne Tiefe ein sinken, einmal den Schauen und gleich darauf das Flossenblttzen
Wir wiesen beim Westfälischen Frieden auf die verwickelte Rechtslage im Elsaß hin. Run war für Frankreich die Stunde gekommen, sie in der nieberträdjtigften Form auszunuhen. Wie auch heute wieder, bemäntelte man den Raub durch voraufgegangene juristische Beschlüsse. Es wurden zu Tournay, Metz, Breisach und Besamen Gerichtshöfe, die Chambres de r^union, eingesetzt Diese hatten festzustellen, welche Landschaften jemals Lehen der in den Friedensschlüssen von 1648, 1659, 1668 und 1678 an Frankreich übergegangenen Eebiete gewesen waren. Wer eine Ahnung von den eigentümlichen Lehensverhältnissen des Mittelalters hat, wo selbst der deutsche Kaiser Lehengüter vpn Bischöfen hatte und die Lehen beim jeweiligen Aussterben eines Geschlechtes von einer ^arth in die andere gingen, mag ermessen, welchen Unfug man mit diesem „Rechtsverfahren“ üben konnte. Aber auch sonst ging man in diesen Dingen nnt einer echt französischen Skrupellosigkeit vor. ©0 befahl der Minister Louvois, um eine Reunion festzuhalten, Dokumente vorzulegen, und deren Dctten zu fälschen, „so dgst niemand weiß, was ich euch anfgetragen habe“. Das Vorgehen Ludwigs zf1 -SlcT schändlichen Raube charakterisierte Der französische Bischof Fönölon treffend also: ..Sie sind mcht einmal innerhalb der Grenzen dieses Friedens (1678) geblieben, den Sie mit so viel Hochmut gegeben hatten. Mitten im Frieden haben Sie Krieg geführt und wunderbare Eroberungen gemacht. Sie haben eine Reunionskammer cinge- ^chtet, 11m zugleich Richter ur3 Partei zu sein, das hieß die Beleidigung und den Spott der ilfur- patwn und der Gewalt hinzuzufügen. Sie haben im Westfalischen ^rieben, um Straßburg zu überraschen, nach zweifelhaften Andrücken gesucht" - Danz tote heute, nur fehlt der Bischof, der seiner Ration also die Wahrheit vor Augen hält - doch auch Fsnelons Brief ist nur im Konzept erhallen, ob er je seinen Adressaten erreichte?
Sttaßburg, Saarbrücken, Zweibrücken und eine Reihe anderer Städte und Orte von der Schweizer Grenze bis hinauf zur Mosel und Maas gewann der allerchrtstlichste König durch seine Reunions- lammem,
Der» moderne Raubzug gegen den Storch ist sehr zu bedauern und hat weder eine moralische noch eine naturwissenschaftliche Berechtigung. Wir bringen uns dadurch — man möchte beinahe sagen: um das letzte Ueberbleibsel aus dem Paradiese. Kein Haus- oder Rutztier, geht der Storch mit dem Menschen doch die innigste Gemeinschaft ein, ist so gesellig und zutraulich. Wie ruhig er da vor unseren Augen auf der Wiese steht — erhaben über die gemeine Wirklichkeit der Dinge! Die auffallend langen Stelzbeine sind so schön, daß sie trotz ihrer Länge nur ganz kurzer Höschen bedürfen. Ein schwarzer Frack umschließt die Lenden — mit der weißen Weste und dem roten Gebein ein wahrer Verherrlichet schwatz - weiß - roten Deutschtums. Sein beschaulicher Kopf mit den klugen Augen erinnert daran, dah er der Vetter des Marabu ist, des größten Philosophen, der gewohnheitsmäßig auf einem Dein steht und unablässig über die Sterblichkeit der Maikäfer nach- denkt, weil er sie so gerne frißt . . . Harmlos und friedliebend von Ratur, läßt der Storch den Menschen ganz dicht an sich heranllrmmen, bis er endlich fürchtet, gegriffen zu werden, seine schwarzen, Schwingen ausbreitet und starr — davon heißt der „Storch", mittelhochdeutsch „starah" — in die Lüfte aufsteigt.
Adebar in Nöten.
2us Ostpreußen wird uns geschrieben:
Leider, leider ist es schon wieder so weit: die Störche machen sich reisefertig. Also, mithin, folglich Ende des Hochsommers! Ohne daß den Herrschaften bisher der Desih eines Kalenders nachgewiesen werden konnte, pflegen sie aus unseren Gegenden ziemlich regelmäßig am 25. August aufzubrechen. Schon seit einiger Zeit konnte man sie auf den Wiesen ihre „Kontrollversamm- hingen“ abhalten sehen, in denen jedenfalls das Rähere über die Stunde des Aufbruchs, den Reiseweg und die zurückzulassenden unsicheren Kandidaten festgesetzt wird. Man sieht ihnen jetzt mit besonderer Wehmut nach, denn mehr als je wird man sich bewußt, daß das Vorkommen des Storches auch in Ostpreußen, einem seiner bevorzugtesten Lieblingswohnsihe, in starkem Rückgang begriffen ist. Man hat vor einigen Iahten bcr Lehrerschaft in der Provinz eine Zahlung der Störche vorgenommen, durch die eine starke Abnahme dieser schönen Vögel nachgewiesen wurde. Damit ist auch wissenschaftllch festgestellt worden, was Eingeweihte schon lange wußten und diese Erscheinung bezieht sich nicht etwa nur auf Ostpreußen, sondern ohne Zweifel auf die ganze norddeutsche Tiefebene.
Kanada ist das neue „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, nachdem dieses Schlagwort auf die Vereinigten Staaten, die jetzt in den meisten Singen schon recht begrenzt sind, nicht mehr anwendbar ist. Dieser „Schlußstein des brllischen Welt- reiches“, von dessen Verbleiben beim Muttet- lande nach der Ansicht vieler Engländer das Fortbestehen der britischen Macht abhängt, hat in letztet Zeit bedenkliche Selbständigkeitsgelüste gezeigt und durch seine Leistungen im Kriege erst seine ganze Bedeutung erwiesen. Daher wird dies Land, das die Union an Ausdehnung übertrifft und über ungeheure Raturschätze verfügt, in der Weltpolitik immer mehr in den Vordergrund treten, und die Kenntnis Kanadas ist für uns von größter Dedeutung. In musterhafter Weise wird uns diese Kenntnis vermittelt durch das soeben im Verlage von Ft. A. Perthes in Gotha erschienene Werk von Louis Hamilton, in dem Geographie und Politik, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung des Riesengebietes datgestellt sind. Von der deutschen Einwanderung sagt der Verfasset, daß sie nur eine Frage der 3eit ist. Das Land, das fünf Iahte lang ganz ohne Einwanderung war, braucht neue Menschen dringend notwendig, und den deutschen Ansiedler sah man .früher besonders gern und suchte ihn herüberzuziehen. Der Einwanderersttvm aber wird sich auf einem neuen Verkehrswege nach Kanada ergießen, der Wohl das kühnste und wichtigste Unternehmen auf dem ganzen nptdamerikanischen Kontinent ist, auf der H u d s 0 n - Da h - D a h n Dieser Schienenweg, der Hunderte von Meilen durch völlig unbewohnte, ja noch nicht einmal erforschte Gegenden führt, rückt uns die Prärien näher und erschließt der Welt ein ganz neues Riesengebiet der Ansiedlung. Die Gründe für den Dau dieser Dahn, die ungeheure Summen verschlingen wird, sind strategischer und wirtschaftlicher Ratur. Kanada bedarf einer Route, die im Fall eines Krieges mit der Union den Weg nach Englands Kornkammer offen hält und ein Abschneiden verhindert. Auch Truppen können ttn Sommer und Frühherbst vom Mutterlande auf diesem Wege herübergeschafft werden. Wirtschaft- llch will sich dadurch Die ständig zunehmende westliche Devölkerung Kanadas von den hohen Wo ren- und Transportpreisen des Ostens frei machen Nkan hat ausgerechnet, dah durch die neue Bahn 2 Shilling pro Quarter (= 282 Pfund, für den Weizen an Fracht gespart werden, und daß durch die verkürzte Eisenbahnfahrt jedes Stuck Fettvieb um 100 Pfund schwerer in England ankvmmt, da ja bekanntlich Vieh durch Eisenbahntransporte sehr an Gewicht verliert. Die kanadische Kornkammer wird dadurch dem Mutterlande außerordentlich viel näher gerückt, denn man erzielt gegenüber den bisherigen Routen eine durch schnittliche Wegkürzung von 1000 Meilen (1 Meile — 1709 Meter). Die Dahn läuft durch die verschie benartigflen Gelände. Westlich vorn Winnepeg-Sec bis zum Saskatchewan-Fluß liegen große Sümpfe, nördlich davon 50 Meilen Kalksteinboden: barem schließt sich bas sog. Clah-Country bis zum Nelson-Fluß. Dann folgen 100 Meilen gutes Ackc lanb. dann eine fanbtge steinige Strecke, bie in einem nach ber Küste abfahenben Sumpsland enbet Zur Hälfte zieht bie Dahn burch bichtbe- waldete Gegenden, zur anderen Hälfte bunt, baumloses Gebiet. Erst beim Bau ber Bahn wird sich feststellen lassen, welche biefer ungeheueren Strecken sich für Ackerbau eignen unb welche mi neralreich finb. Der bebaubare Dvben wirb auf 20—30 Millionen Acker geschätzt. Südöstlich bc: Dahn ist der Boden für Ackerbau untauglich, bock sollen sich hier Mineralschätze befinben. Die letzten zwei Drittel ber Dahn können nicht besiedelt weiden, doch wird sich mit der Zeit hier ein starke' unternehmungslustiger Menschenschlag festsehen. Mit ber Hubson-Day-Dahn beginnt eine neur Epoche in ber Geschichte Kanadas. Das Dampfroß wirb balb burch jene Gegenben schnauben, bie bis her nur einsame Zager burchstreiften. Stäbtchen werben entstehen, wo ber Trapper sein Felb auf- schlug, und durch bie Schiffahrtslinien auf ber Dah, an bie sich die Dahn schließen soll, wird der „neue Osten“ Gemeingut der Menschheit werden.
Ueber ber Frage nach Ruhen unb Schaben steht aber vielleicht die Poesie, bie biefer Dogel in das deutsche Lanbleben hineinträgt wie kein zweites Tier. Möge es nie bahin kommen, daß ber Storch, wie ja schon ber ostpreuhische Elch, als Sehenswürdigkeit im Zoo oder endlich gar nur ausgestopft im Museum als Wundertier gezeigt wird! Mögen bie von Brahms so herrlich komponierten Verse für immer zu Recht bestehen:
Diese Zutraulichkeit ist bie Folge eine- tausendjährigen freundschaftlichen Verkehrs zwischen Mensch und Tier, den bie Zeitgenossen nicht aufheben sollten! Rur hieraus erklären sich auch bie zahlreichen Rebensarten, Sagen unb Fabeln, bie auf ben Storch Bezug nehmen. Wie fleißig wird ober würbe bisher all sein Tun unb Treiben auf dem Lande beobachtet! Was für Schlüsse auf Wind unb Wetter, auf Menschenwohl unb -wehe würben baraus gezogen! Wenn ber Storch z. D. zeitig ankommt unb viel klappert, so gilt bas als Zeichen eines warmen Frühjahrs. Hat ber Reu- angekommene viel mit bem Ausbessern seines Bestes zu tun, so „steht ein nasser Sommer bevor". Mit welchem Zubel empfangen bie Kinber den ersten „Schnibbelfchnabel", wie sie sich aus- brüden! Was geht sie bie Meise an, bie Lerche unb selbst bie Rachtigall? Aber ber Adebar — das ist ganz was anderes! Sie fingen ihm Reime unb Willkommen entgegen, unb es ist noch gar nicht so lange her, daß ostpreuhische Zungen, sobald sie einen Storch im Frühling erblicken, zum Lehrer liefen unb mit bem Berschen „Der Storch ist gekommen, hat unsre Bücher genommen“ einen schulfreien Tag erbaten, ber ihnen bann auch bewilligt würbe. Und bas weiß ja jeber, wie bie erste Begegnung auch für ben Erwachsenen nach allgemeinem Volksglauben bedeutungsvoll ist. Fliegt ber Storch, wenn bu ihn zum erstenmal im Zähre siehst so wirst du „fleißig“ fein; steht er stille, so bedeutet das Faulsein; llappert er, so kann daS dem Hausherrn Segen an Gelb unb Gütern, ber Hausfrau — Kindersegen bringen.
Es kehrt die dunkle Schwalbe Aus fernem Land zurück, Die frommen Störche kehren Und bringen neues Glück. Dr. L. G.
Aus der Geschichte Frankreichs.
Frcnrkreichs Verhalten bei ben Pariser Beratungen, die Berufung BriandS auf Lehren ber Geschichte, die ganze Eigenart des französischen Nationalismus, ber so anmahenb auftritt, wie kaum je zuvor, lenken bas allgemeine Interesse auf bie Geschichte Frankreichs, bie Rolle, die es im machtpolitischen Kampfe ber Völker tatsächlich gespielt hat. Dem vor einigen Tagen veröffentlichten offenen Brief eines Deutschen, der bie Trümmer in beutschen Landen saufzeigje, bie von ber Zerstörungswut ber Franzosen zeugen, gesellen wir heute einen Abschnitt aus Frankreichs Geschichte zu, ben wir einem soeben erschienenen Buche von Dr. Johannes Bühler entnehmen: „Der Franzose, eine Geschichte Frankreichs für Deutsche“ (Verlag Riehn u. Neusch, München). Wenn eS auch eine Kampfschrift ist, die sich nicht auf bem Boden temperamentloser Objektivität bewegt, >so ist es doch gegenwärtig recht interessant, ben Spuren ber Gewalt- unb Machtpvlitik zu folgen, bie z. B. auch Frankreichs größte Epoche, baS Zeitalter Lubwigs XIV., ^ausgezeichnet hat. Dir entnehmen darüber dem angeführten Buche folgende Stelle:
„Der Krieg von 1672—1678 mußte jedermann die Augen über die gefährliche Raubpvlitik Frankreichs öffnen. Trotzdem hatten sich die deutschen Fürsten zusamt dem Kaiser nicht zu einer wirklich großzügigen Aktion auftaffen können. Blättert man in den alten Flugschriften jener Zeit, so fühlt man sich in die Gegenwart verseht. Es ist überraschend, wie wenig sich der Franzose seit jenen Dagen verändert hat — leider auch der Deutsche.
Turenne hatte am 18. Zuni 1674 an die Herren vom schwäbischen Kreis geschrieben: „3m Fall nun der Herren abfassende Resolutiones zur Dey- behaltung der ReichSruh abzielen und gemeint sehn wird, so kan dieselbe im Rahmen meines Königs ich versichern, dah seine Truppen diesen Eraiß nicht betretten werden." Dazu bemerkt in einer Flugschrift ein recht teutsch-patriotischer Me- dicuS: „Mich wundert zwar nicht sein Vornehmen, beim die Französische Kühnheit, eher zu sagen Grobheit, steiget so hoch, daß sie vor (für) eine ungebundene Freyhett oder alamodische Hässlich- keit gehalten werden will, und bildet dieses Hof- fartSvolle Volk ihnen ein, was sie auch nur anfangen, solches müsse vor (für) gut erkennet werben. Wenn ein Polentat oder Krahß des Römischen Reichs an einer der Frantzösischen Provint» zien-Bersamblung dergleichen Erinnerung oder Schrifft abgehen liehe, meyn, was würde dieses »bei ihrer angebvhmen Hochmütigkeit vor Gelächter verursachen? Unb wir Deutschen sollen hingegen eS vor eine Gunst und Zuneigung unseres Wohlstandes erkennen? Gott seh es g e- klaget, dah eS mit uns soweit gekommen, daß unsere alte teutsche Frevheit von Ausländern und den schädlichsten Rachbaren, die sich aus unserem Fette zu bereichern suchen, vorgegebenermahen erhalten werden solle; Gott seh eS geklaget, dah wir glauben sollen, unsere Feinde und Verwüster sehn unsere besten Beschützer und Freunde."
Doch waS half dem deutschen Volle seine Erkenntnis? Heute lähmt seine Kraft der Zwiespalt der Klassengegensätze, damals gab seine kleinstaatliche Zersplitterung und der Eigennutz feiner Fürsten es dem Uebermut und der Habgier der Franzosen preis. Ludwig schickte sich alsbald zu dem Raube deutscher Städte und Gaue an. Er glaubte: „eine neue politische Grundlage für seine militärischen Entwürfe gefunden zu haben;*eben ■ daS war sein Ehrgeiz, alle seine Ansprüche, so ' zweifelhaft sie auch sein mochten, jedem andern zum Trotz, zur Geltung zu bringen. Indem die ; Welt der Herstellung der allgemeinen Ruhe sich ; zu freuen erwartete, schritt er, dieselbe durch- : brechend, zu den Unternehmungen, die er sich vorgenommen hatte, fort, ohne alle Rücksicht der i Rechte der andern. Er wendete vielmehr eine le- < diglich der französischen Ordnung der Dinge ent- i sprechende Form auf diese an." (L. v. Ranke.)
nämlich mit einem Male entdeckt, daß der Storch I eines Fisches. Mer rasch verhüllt der Spiegel- N^rwi- ein aut wjLöene: Schlei«
Geringeres als vorsätzlichen Mord: er tote und fresse Zunghäschen und Wildenten. Das ist allerdings nicht ganz unrichtig; dafür frißt er aber auch Würmer, Maulwürfe und Feldmäuse und erwirbt sich dadurch ein unleugbares Verdienst um die Landwirtschaft.
Doch all das formte die Habsucht des Franzv- | senkönigs nicht stillen. Einige Zahre später rief er einen neuen Krieg, seinen dritten Raubkrieg, den sogenannten pfälzischen Erbfolgekrieg hervor ' (l688—1697). Am 26. Mai 1685 starb der letzte . pfälzische Kurfürst der Simmernschen Linie des ; Hauses Wittelsbach. Die Schwester dieses Kur- , fürsten, die durch ihre Briefe bekannte Liselotte von der Pfalz, hatte den Herzog von Orleans, einen Bruder Ludwigs XIV. geheiratet. Der erhob nun im (Kamen feiner Schwägerin Anspruch auf die Hausgüter der Kurpfalz für seinen Bruder. Da man nun in ganz Europa die Raubgier der Franzosen sattsam kannte, schlossen sich der deutsche Kaiser, die wichtigsten deutschen Reichsstände, Spanien und Schweden im Augsburger Bündnis 1686 zusammen. Nachdem sich der Kaiser dadurch gegen Westen hin gedeckt fühlte, konnte er mit aller Kraft gegen die Türken Vorgehen und seine Truppen erfochten gegen diese glänzende Erfolge. Run wußte sich Ludwig vor Eifersucht nicht mehr zu halten. Als bei der Wahl des Kölner Erzbischofes sein Schützling durchsiel, gab er plötzlich feinem Heere Ende September 1688 den Befehl, in die Pfalz einzufallen. Mit dem Kaiser erklärte sich nun auch Holland und England solidarisch und so stand durch die Schuld des Franzosen wieder fast ganz Europa im Kriege, der von den Riederlanden den Rhein entlang bis gen Italien hin tobte. Wir übergehen dessen Verlauf, nur auf die unerhörten Verwüstungen in der Pfalz, die schon früher die schlimmsten Erfahrungen mit den französischen Mordbrennern gemacht hatte, sei kurz hingewiefen. „Ende Zamiar 1689 wurden Ladenburg, Heidelberg und die Orte der Umgebung geplündert und verbrannt. Die schönen Ruinen des Schlosses Heidelberg sind heutzutage noch ein Denkmal der Schmach für Louvois und Ludwig XIV. Im März wurden Maynheim, Pforzheim und eine Menge Dörfer und Schlösser zerstört, die Lebensrnittel vernichtet oder nach französischen Plätzen gebracht. Cs war Winter, vergebens boten die Einwohner große Summen oder Qlbtragung der Festungswerke an. „Der König will's", hieß es; wer auswandern wolle, solle in Frankreich Aufnahme finden. Ganz gründlich wurde namentlich Mannheim zerstört, nicht bloß angezündet, kein Stein sollte auf dem andern bleiben. Als die deutschen Truppen nahten, schlug Duras vor, nicht bloß die Festungen und Dörfer, die den Angriff aus Mainz begünstigen könnten, zu zerstören, sondern alles zu verbrennen, was zwischen Philippsburg und Mainz liege. Der Befehl kam und die Ausführung war schrecklicher als der Befehl. Ueber 100 000 Menschen wurden obdachlos, keinem Alter, keinem Geschlecht wurde Schonung zuteil. Die alten Reichsstädte Worms und Speier gingen in Flammen auf, die Kaisergräber in Speier wurden geplündert und dann zerstört; Kunstwerke, historische Denkmäler, alles wurde vernichtet, diese Stätten großer Erinnerung waren nur noch ein Hausen Trümmer. Im Zuni wurde noch die Landgraftchaft Baden-Durlach verödet, Rastatt Baden, Stvllhofen und andere Orte verbrannt.“ (Weiß.)
Äicht etwa aus milltärischen Gründen hatte Ludwig XIV. und sein Minister Louvois den grausamen Befehl gegeben. „Brülez le Palatinat!" (Brennt die Pfalz nieder!). Rur die Wut gegen den neuen pfälzischen Kurfürsten, den Schwiegervater des Kaisers Leopold, hatte den allerchristlichsten König zu dieser viehischen Barbarei veranlaßt. Eine Ration, die solche Schandtaten auf sich geladen, hat jedes Recht verwirkt, jemals einer anderen Kriegsgreuel vorzuwerfen.
Frankreich litt schwer unter den ungeheueren Aufwendungen für die fortwährenden Kriege Ludwigs XIV. Man schmolz bereits das Silber und Gold von Kftchengeräten ohne Rücksicht auf deren . Kunstwert ein; außerdem schritt man zu Zwangseintreibungen in den besetzten Gebieten. Aber dadurch wurden nur wieder die Kosten für das 1 Besatzungsheer gesteigert und die Franzosen in aller Welt verhaßt. Auch wieder eine der 1 Parallelen zm unserer Zeit!
All diese Schwierigkeiten und die bevorftehen- 1 den politischen Ereignisse, welche die in unmittel- ' bare Rähe gerückte Erledigung des spanischen 1 Thrones zur Folge haben mußten, veranlaßten ! Ludwig, seinen dritten Raubzug mit dem Frie- ! den von Rhswhk 1697 abzuschliehen. Er sah sich < genötigt, die Reunionen bis auf Straßburg und biö auf das Elsaß mit Ganbau, Freiburg und Breisach wieder herauszugeben. Seine Desfte- bungen, die Grenzen Frankreichs immer mehr zu erweitern, waren gescheitert."
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I S man womöglich aus i ler, München, erschienen sind, und von" denen
’ tuckifcye Zmken, um ifm von vorn- wir mit der ..Nächtlichen Gvndelfahrf eine kurze
Verein zu v-rlcheuchen. Die ganz Klugen halben I Probe bringen.


