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Snmstag, 20. August 1921

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

Nr. 194 Drittes Blatt

Aus Stabt und Land.

@ i e h e n, ben 20. Äug 1921

Vermehrte Wasscrz»ftthrunq für Wietzen.

Das Stäbtische Wasserwerk |<b reibt uns

ftarf gewachsen, so bah die Schiffahrt saft in vol­lem Umfange wieder ausgenommen werden konnte. An manchen Tagen weiden über 100 deladene Schisse bergwärts gefchleppi. Der Verkehr auf dem Main ist wieder besonder- in Kohlen recht lebhaft geworden.

3n der Stadtverordneten-Dersammlung vom 29. 3uli d. Os ift die Errichtung eines Hilfs' Wasserwerks auf dem Gelände der "Brauerei an der Hardt beschlossen worden. Die Arbeiten wurden eiligst betrieben, so datz bereits am vorigen Samstag mit den Pump­versuchen begonnen und die örgicbigfeit der vor- Kandenen Schachtbrunnen sestgestellt werden konnte Nachdem die vom Hygienischen 3nftitut der Landes-rioiversität vorgenommenen bak­teriologischen Untersuchungen abgeschlossen fmb und das Wasser als einwandfrei befun­den worden ist. wird das Hilfs Pumpwerk, das nabeln automatisch arbeitet, unverzüglich einen Teil des Wasserbedarfs der inneren Stadt (Nieber- druckgebiet) liefern. Die Zentrifugalpumpe wird elektrisch angetrieben; sie drückt das geförderte Wasfer in den auf der An höbe hinter der "Brauerei liegenden "Behälter von 150 Kubikmeter Inhalt, ocm wo aus eS dem städtischen Rohrnetz zu» geführt wird Da nun dieser "Behälter, der schon vor langen Jahren mit dem Niederdrucknetz ver­bunden worden ist und der Niederdruckbehälter auf dem Lut Herberge fast auf gleicher Höhe liegen.

Handel.

"Berlin, 19 Äug. B ö r f e n ft i m m u n g e- bild. An der Börse veranlaßte der llmfiaiiö. hab das Privatpublikum mehr als eruxirtet an seinem Besitz von Öndustriewerten festhglt. eine kräftige Erholung nach der gestrigen Berflauung. Die Spekulation nahm vielfach Deckungen voc. zumal die Besserung der Blarfoaluta im Aus- 1 arrde kaum Fortschritte machte Am lebhaftesten ging es wieder am Blontanmartt zu. wo die Steigerung der Phönixaktien um 150 Prozent eine gewisse Aufregung hervvrrief. Den Anstob hierzu gab die hohe Schätzung des Bezugsrechts. Es wurde mit 600 verschiedentlich genannt Daneben erfolgten bedeutende Steigerungen bei Rhein- stahl (um mehr als 40 Prozent) und Rombacher (um 30 Prozent). Thale gewannen 37. Deutsch- Luxemburger 23 und Lothringer Hütte 22 Prozent. Farbwerte und elektrische Papiere waren we- niger lebhaft, aber zum Teil über 10 Prozent höher. Bon Spezialpapieren waren Augsburg- Nürnberger Maschinen um 17 Prozent und Köln- Nottweiler mit ziemlich 50 Prozent Besserung be­

befleben Druckunterschiede nicht. Ein gutes In- ! omanbergretfen den alten (Siebener Wasserleitung . nnb des Hilfswasserwerks wird nun gewährleistet. - - Herrn Bichler gebührt Dank, hab er in selbst- i loser- Weise die vorhandenen Anlagen der Stadt < (Sieben zur Verfügung gestellt hat.

Wenn auch durch die Inbetriebnahme des ; ^llsswasterwerks eine vermehrte Wasser- ' zuführungin das Stadtrohrnetz stattfindet, so wird die Bevölkerung dennoch ersucht, mit dem Wasser so viel als möglich zu sparen, denn vor­aussichtlich stehen uns noch wasserarme Monate bevor "Das Hilfswasterwerk ist auch namentlich deshalb errichtet worden, um die Brunnen rn , Oueffbnrn. deren Ergiebigkeit nachgelassen hat. zu ; entlasten

Mnfrastsn an die Siadlf erwaltnnq.

Am 8 August stellte Stadtv Simon, wie er uns mitteilt, folgende Anfraaen an den Herrn Oberbürgermeister der Stadt Diesten.

1. Tie Notlage der Beamten wird infolge der steigenden Lebensmittelpreise immer schlimmer so dast es den Beamten nicht mög­lich sein wird, mit dem jetzigen Einkommen die Winter Vorräte einzukaufen. Ich frage den S'erm Oberbürgermeiftcr, was er zu tun ge­denkt, um es den Beamten zu ermöglichen, die zum Leben notwendigsten Wintervorräte einkaufen zu kennen \

? :yn diesiger Gegend wird durch die grobe Trockenheit die Kartoffelernte schlecht aus- fassen und ich frage den Herrn Oberbürgermeister 'vermit, was er zu tun gedenkt, um der Ein­wohnerschaft den Bezug von Winterkar- i off ein aus billiaem Wege sicher zu stellen?

An» die zweite Anfrage ist noch feine Antwort erfolgt Ec verlautet jedoch, dast Vorbereitungen z»m Bc?un von Winterkartoffeln in Arbeit find. Auf die erste Anfrage antwortete die Stadtverwal­tung unter dem 13. August.

v*ic >-urd) die Preissteigerung bedingte Not­lage der Beamten wird von her Stadtverwaltung nicht verkannt. Hinsichtlich der zu ergreifenden BTabnahmen ist die Stadtverwaltung abhängig von den THafmabmen, die die hessische Staats- regrerunn mit B"zug auf die Staatsbeamten ein­treten l'-stt ^e Stadtverwaltung hofft ?m Interesse der "Beamten, dast letzteres bald geschieht.

i c Warenausgabetabelle des Stadt. Lebensmittelamtes ist aus dem Anzeigenteil unseres heutigen Blattes zu ersehen.

Kreis Lauterbach.

la Schlitz, 19. Aug. Eine auswärtige D i a- tnantfdjleiferei beabsichtigt, hier einen "Be­trieb einzurichten. Hoffentlich findet die Firma die hierfür notwendigen Bäume, denn damit würde manchem hiesigen Arbeiter Arbeitsgelegen- heÜ und Verdienstmöglichkeit geboten werden. , Die Maurerarbeiten für das sofort zu errichtende; /Doppelhaus des gemeinnützigen Bauvereins wurden dem Maurermeister Hohann Schmidt übertragen.

Starkenburg und Rheinhessen.

gm. Mainz. 20. Aug. Durch die starken Rege,nage sind Rhein und Main wieder

vorzugt. Nheinmetall erzielten 20, Orenstein u. Koppel 12 Prvzertt Erhöhung. Kvlonialwerte waren teilweise sehr lebhaft. Otavi wurden zeit­weise 70 Prozent höher bezahlt. Auch Südsee- Phosphat wurden lebhaft gekauft. Schifsahrts- toerte unb BankaNttm waren meist mäßig an- ziehend. Anlagewerte waren vernachlässigt und wenig verändert. Devisen behaupteten ihre vor­mittägigen Besserungen nicht und schwankten.

Frankfurt a. M., 20. Augnst.

Berliner Devisenmarkt.

Geld Brief Veld Brief Datum: 18. August. 19. August.

Amsterdam- fRotterb. 2592,90 2597,60 2614,65 26.0,15 Brüffel-Anttoerpen . 634,35 635,65 639,35 640,65 (Tbriftiania 1088,90 1091,10 1098,96 1101,10 Kopenhagen . . 1368,601371,40 1378,601381,40

Stockholm ..... 1775,701779,30 1798,20 1801,80 fielfingfors 123,60 123,90 124,05 124,35 Italien 359,60 360,40 363,90 364,40 London 304,15 304,85 308,65 3 9,35 NeuyorK 83,41 83,59 86,41 86,59

«Paris 647.35 648,65 65i,30 655,70 Schwei, 1416,05 1418,95 1428r55 1431r35 Spanien 1086,40 1088,60 1096,401098,60 Wien (altes),

Deutsch-Oesterr. . . . 9,88 9,92 10,13 10,17

Prag 101,45 101,75 101,30 101,60

Budapest 22,07 22,13 22,07 22,13

Bulgarien

stonstanlinopel. . . ., -,

Börsenkurse.

granlfurt Berlin 1-Ubr- 1-iUir- Schluß- Schluh-

| . Kurs Kurs Kurs Kurs

Saturn' 18.8.*) 19.8. 18.8. 19.8.

6 e THfd). Äriegsanl. 77,50 77,50 77,50 77,50 4 */, Dtsch. Reichsanl.78,60 78,40 8'/. Dtsch. Reichsanl.76,80 76,50

4®L Preuß stonsols68,20 67,80 Darmstädter Bank .175, 176,50

Deutsch« Bank . . .,324,50 323,

Disconto»Gesellschaft,, 261,50 266,25

Dresdner Dank. .. 236,- 237,50 234,- 237,-

Nationalbank f. D. .,195,50 135,50

Mitteld. Treditbank.170,50 173,50

H.-Amerik. Pakets. . 181,25 180,- 176,75 178,

Norddeutscher Lloyd. 170,- 174,- 172,25 172,75

Doch Gußstahlwerk . 594,50 610,-

D.-Luxemb. Dergw..473, 451, 482,

Delsenkirch. Dergw. . 48\ 498,- 467,- 500,

Harpener Bergbau . 670, 740, 685, 721,

Oberschles. Lisenb.-B. 425, 445, 425, 440,-

Oderfchles. (kifenind. . 374,- 378,- 368,- 370,-

Phönix-Bergb.Akt . -,- 1135,- 1050, - 1244,-

Bad. Anilin- u. Soda 472,- 497,- 500,-

höchster Farbwerke. 380, 399,-, 405,

Elektt.A.E.G 360,-720,- 359,- Schuckeri-Werke. . .,, 327, 325,-

. Feltrn.Guilleaume. .,,495,-

: Daimler . 262,- 260,- 257,75 257,75

Bud.. Gisenw.. Akt. . -,- -,- 637,- 656,-

Adlerwerke S20,- 325,- 330,- 339,84 4°/,Hess Staats«nl. ,,-,70, (Elektron Griesheim. 394,

) Die Abendbörse fällt bis 26. Aug. aus.

Züricher Devisenmarkt I 0rn 3obre bic argentinische Republik Es sei in*

1:'. 8. 20.8 offen anMnichmcn. bah bas Gutachten des Nates

Wechsel auf Schweizer Franke, ron den Beteiligten angenommen würde.

Holland 100 Fk 18 j.aO 183. -

Deutsckland 100 5FL = 7.- 7. -

Wien 1OU Mi. = 0.70 0.727

Prag ........ 100 Ar. = 7.16 7.10

Paris 100 Fr. » 45 75 45-S7»

London 1 £ = 21.63 21.65

Italien 100 ß. - 25.45 25.45

Brüssel 100 Fr. - 41.90 44.4t,

Budapest ...... 100 Ar 1.60 1.57 |

77 eu yorK........100 $ = 592.- 591.-

Agra«. ...... 100 Ar. » 3.40 3 40

Bukarest 100 C.= 7.25 7.20

Marknotierungen.

Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt.

Datum: 1.7.1t. 18.8. 19.8

Zürich Fr 12»,4) 7,- 7,-

Slmfferbam Fl. 59,23 3,87 3,82

Aopenhagen Ar. 89,83 7,65 7,40

Prag Ar. 117,30 99,-

Stockholm Ar. 83,8) 5,60 5,70

Wien Ar 117,88 -,-1284,-

London Sh. 97,8) 6,27 6,35

Paris Fr 125,43 15,50 15,50

NeuyorK I 23,83 1,16 1,18

Frankfurter Obst- und Gemüfemartt.

Frankfurt a. M, 19. Aug. Bei sehr groben Zufuhren zeigte der Obstmarkt das gleiche Bild wie stets in letzter Zeit. Qualitätsware fand zu hohen Preisen flotten, glatten Absatz, während geringere Ware selbst zu sehr niedrigen Preisen unverkäuflich blieb. 2luf dem Gemüse- marft waren die Zufuhren erfreulicherweise besser. Die Preise waren dagegen noch recht hoch Der Verkauf war sehr flott und wurden die Zu­fuhren in kurzer Zeit glatt geräumt. Besonders zu erwähnen verdient die reichliche Zufuhr von jungen Gemüsen, wie Karotten, Kohlrabi und Wirsing. Hier machen sich besonders die 'Be­wässerungsanlagen bemerkbar. Gärtner, welche über solche verfügen, bringen schone zarte Ge­müse zur Verlauf, während andere ohne solche Anlagen nur altes, hartes Gemüse zum Verkauf bringen können. 3m Großhandel wurden bezahlt Pslückäpfel 1,00 2,80 Mk.. Falläpfel 0,75-1,00 Mark, Birnen 1,20 -3,30 Mk., Bühler Zwetschen 2-50- 3,00 Ml., hiesige 2,00 2,50 Mk., (Sier- pflaumen 2,803,50 Mk., Mirabellen "3,504,50 Mark, Reineclauden 2,503.00 Mk., Pfirsiche 5,00 bis 9,00 Mk., Tomaten 3,00 -3,50 Mk., Blumen­kohl, holländischer, 20 Stück 150 Mk., hiesiger 1.00 -9,00 Mk., Weihkraut 1,001,20 Mk.. Wir­sing 1.80-2,00 Mk., Rotkraut 1,60- 1,80 Mk., Gelberüben, Pack 0,750,90 Mk., das Pfund 1,60 bis 1,80 Mk., Kohlrabi 0,751D0 Ml.. Salat- gurken, holländische. 4,005,00 Mk., hiesige 3,00 bis 7,00 Mk., Cinlege-Gurken 0,350,75 Mk.. Salat 0,75-2,00 Mk. Endivien 1,002,00 Mk., Römisch 1,00-1,20 Mk., Rhabarber 0,60- 0 80 Mk.. Sellerie 1,80- 3,00 Mk., Lauch "0,400,60 Mk., Suppengrünes, 10 Pack 7,00 Mk., Kartoffeln 0,901.00 Bit., Zwiebeln 1,20 Mk.

Letzte Nachrichten.

Die Vollmachten des Völkerbundes in der oberschlesischen Frage.

Paris, 20. Aug. (WTB.) DasEcho de Paris" meldet, daß nach Informationen aus amt­lichen Kreisen der Völkerbundsrat im Ge­gensatz zu den in der Presse erscheinenden Meldun­gen sich nicht über zwei Thesen auszusprechen ha­ben würde. Er sei in seiner Arbeit un­beschränkt. Als Grundlage diene ihm nur der Friedensvertrag und die Volkkasstimmung. Es stehe dem Völkerbund frei, wenn er es für not­wendig halte, zu prüfen, ob die Volksabstimmung unter den vom Friedensvertrag vorgeschriebenen Vorbedingungen vor sich gegangen sei. Nach Be­handlung dieser Frage könne der Rat die Ergeb- niste der Abstimmung, wie es ihm passe, auslegen. Er könne ergänz enbe älntersuchunaen anordnen. Er ßnne ganz Oberschlesien Deutschland oder Polen zuteilen, oder er könne das Grubengebiet teilen oder einer Macht ganz zuteilen. Nach Erledigung der Untersuchung werde S& Völkerbundsrat ein Gutachten abgeben, aber ein schiedsrichterliches Gutachten. Aankreich habe sich moralisch ver­pflichtet, es anzunehmen. Es sei indessen selbst­verständlich, bah, wenn das Gutachten gegen die Lebensinteressen Frankreichs verstoße, Frank­reich die Möglichkeit hätte, seine Durchführung zu verhindern, indem es zum Beispiel aus dem Völkerbund austrete, wie im vori-

Hondelsvertrag statt Friedensvertrag mit Amerika?

London, 20 Aug <MTB.) .Daily Tete» araph" meldet aus Washington: 3n politi­schen Kreisen ist man allgemein der Ansicht, baß die Verhandlungen mit "Berlin sich nicht auf bet GrnnNage eines Sonderfrieden-, sondern eines Handelsvertrages bewegen werden. Die Friedensverhandlungen würden später statt- inden Ein Handelsabkommen wird nur eine vor­übergehende Maßnahme sein, unter der die Kon­suln zeitweilige Vollmachten erhalten. Die Han­delsbeziehungen zwischen den beiden Ländern wür­den wieder aufgenommen werden. Mit der Her­stellung diplomatischer Beziehungen werde man je­doch bis zur ^Interzeichnung des Frieden-vertra- Ses warten. Es werde nicht notwendig sein, ein erarliges Handelsabkommen dem Senat.zu unter­breiten.

Der neue König von Mesopotamien.

London, 20. Aug. (WTB.) .DaiH Mall" meldet aus Kairo, bah Emir Fef , at 'durch Volksabstimmung in Mesopotamien ein­stimmig zum König gewählt wurde. Die Thronbesteigung findet morgen statt Die Begeisterung in Bagdad ist ungeheuer. AuS allen Teilen Mesopotamiens sind etwa 300 000 Menschen eingetroffen.

Ein englischer Kolonialaufstand.

London, 20. Aug. (WTB.) Das Kolonial* amt gibt bekannt, bah in der Nähe von M v s s u» Unruhen ftattgefunben haben Da Bomben­abwürfe auf die Lager des Feindes unwirksa» geblieben seien, würden jetzt Truppen an den Schauplatz der Unruhen entsandt

Das Einfallstor des Bolschewismus.

Aus Oberschlesien wird unS von etnef besonders gut unterrichteten Stelle geschrieben:

Die bolschewistischen Führer ent­wickeln sowohl auf polnischer Seite, als leider auch auf der deutschen Seite in letzter Zeit regt Tätigkeit. Der Bolschewismus rechnet fest mit einem polnischen Einmarsch Die Arbeit der bolschewistischen Führer besteht in: Begün­stigung aller Unruhen, Schürung und Verschär­fung der Gegensätze, Herbeiführung von Kämpfen. Das absolute Shaos wüste erstrebt werden. Dann sei in Oberschlesien die Stunde gekommen, in der das Proletariat zum entscheidenden Kamps aufrufen werden könne, weil in dieser Stunde das gesamte revolutionäre Proletariat tn Mitteleuropa auf ft eben und den russischen Brüdern die Hand reichen wird

Wir "Oberschlesier machen darauf aufmerksam, dast schärfste Uebertoacbung der bolschewistische« Umtriebe gerade in dieser Zeit sowohl in Ober­schlesien selbst als auch in Deutschland bringen» notwendig ist

Die Herbstarbett des Reichstags.

Berlin, 20. Aug. Wie die «Dtsch. 2lllg. Ztg." erfährt, befinden sich unter den Geletzes- vorlagen, die dem Reichstag sogleich nach feinem Zusammentritt* zugehen werden, auch eine Reihe von En twürf en sozialpolitischen 3n- halt«, sowie umfangreiche Vorlagen über das Wohnungs- und Siedlungswesen,so­wie über das Beamten- und Schulgesetz. Ferner dürsten die groben Gesetzentwürfe über die Aenderung des Strafrechts und die neue Strafprozehordnung dem Reichstage bat- bigft zugehen.

Die Lohnbewegung.

Berlin, 20 Aug. Am kommenden Montag werden im Reichsfinanzministerium die ersten Verhandlungen mit den Vertretern der Beamten und der Gewerkschaften über die Er­höhung der Gehälter und Löhne beginnen. Ob auch der Deutsche Beamtenbund und der Allge­meine deutsche Gewerkschaftsbund in ihrer Eigen­schaft als Spihenorganisationen an der Konferenz leilnlljmen werden, steht noch nicht fest.

Metallardetterstreik.

Halle a. S.» 19. Aug. (WTB.) De, Halleschen Ztg." wurde nachmittags in einer Metallarbeiterversammlung das Ergebnis her Urabstimmung in den Betrieben der Metallindustrie bekanntgegeben. 5367 Metall­arbeiter sprachen sich für den Streik aus, 468 dagegen. Es wurde beschlossen, sosott in den Ausstand zu treten.

Die 116er in der Schlacht von Anloi (22. 8.1914).

3m Verbände der 25. (hessischen) Division war doS Regiment Nr. 116 im Aufmarschgebiet tn Luremburg Anfang August angekommen.

Nachdem am 17. August der langersehnte Vormarschbesehl eingetroffen war, wurde am August in begeisterter Stimmung bte belgtiaje Grenze bei Martelange überschritten Schon am gleichen Tage zeigte sich ein französisches Kaval­lerie-Korps vor der Front der Armee, wtch aber nach kurzem Gefecht mit der 21. Dtvtfton bet Fronguoy in westlicher Richtung aus. 3n ber Nacht vom 21. 22. August war bas Regiment tn Recogne unb Libramont untergebracht, ^.ortwsten nach Westen vorgeschoben. Starke feinbliche Ka­vallerie zeigte sich in ben Wälbem westlich ber Ortsunterkünfte.

Der 2 2. August, ein strahlend schöner Augustmorgen, brach an. Das Regiment mar­schierte gegen 6 Ahr vormittags als Borhut der Division vom Westausgang von Recogne auf der groben Straße nach Cibin vor. Bei einem Halt nordöstlich Glaireuse schloß das Regiment 115 auf, ebenso folgte die 2 Abteilung 8.-X 61 dicht auf. Die 50. 3ufanterie-Brigabc marschterte über Libin nach Maissin.

Die bei der Division inzwischen eingelaufenen Nachrichten über den Feind betagten, daß bas feindliche Kavallerie-Korps stch tn den Waldern südlich Maissin und Anlot tn bretter Front jen­seits des tief eingefchnittenen Lesse-Bachgrundes festgesetzt habe. Untere Kavallerte-Patroutllen vom Dragoner-Regiment 6 konnten nicht durchs

Gegen Mittag kam der Dtotstonsbefehl, den Lesse-Bachgrund zu überfdjrciten unb das Ra- vallerielorps anzugreifen. Das 2. Bataillon 116 iam in die erste Linie rechts, das 3. Bataillon 116 kam in die erste Linie links. 1. Bati folgte hinter dem linken Flügel links, gestaffelt als -Dti=

gadereserve. Die M. G. K. folgte dem 1. Batl. 116 mit freigemachten Gewehren.

Gegen 1 Llhr mittags traten die Bataillone entfaltet, mit vorgenommenen Schützenlinien die Vorwärtsbewegung an unb überschritten ohne Störung den Lesse-Bachabschnitt. Vom Feinde war nichts zu sehen. Das 2. unb 3. Batl. 116 er­stiegen rechts an bas Regiment 115 angelehnt, die Höhen südwestlich Anloi.

Da plötzlich beim Erreichen des Höhenkammes fielen zünachst einzelne 3nfanterieschüsse aus den Getreidefeldern und Waldstücken, dann setzte das 3nfanteriefeuer fast auf der ganzen Front ein.

Auf 200400 Meter lagen unsere braven Hessen bald im schärfsten Feuergefecht mit dem Feinde, der nervös seine Salven abgab.

3nzwifchen war das 1. Batl. 116 östlich Anloi vorbeigehend, selbständig gegen den sich rasch verstärkenden, weit überlegenen Gegner in das Gefecht eingetreten. 3n weiten Sprüngen nach vorn griff unser tapferes Geib-Bataillon an ynb eröffnete im Verein mit ber M. G. K. ein ruhi­ges. wirkungsvolles Feuer.

Gegen 2 Uhr 30Min. nachmittags stand das ganze Regiment in schwerstem Ringen mit dem Feinde, ber dauernd Verstärkungen einsetzte. -Unter ruhiges Punktfeuer tai seine Schullügkeit, der Feind wurde niebergehalten. einzelne Teile seiner Schützenlinie brannten aus. Aber auch wir hatten schwere Verluste, mancher liebe Kamerad gab fein Geben dahin ober wurde kampfunfähig.

3mmer schwerer wurde der Kampf, ein Vor­stoß des Feindes in Richtung Anloi wurde in stundenlangem Nahkampf von Baum zu Baum durch die heldenhaft kämpfende 10. und 11 Kom­pagnie abgewiesen. Beide Kompagniesührer gin­gen ihren Kompagnien voran in den Tod

Während ber rechte Flügel bes Regiments eine Entlastung durch das Vorgehen des 3nfan- terie-Regiments 115 erfuhr, gestaltete sich die Lage des 1. Batl. 116 unb der M G. K. kritisch. Die Franzosen setzten ein Bataillon nach dem an­

deren ein, und fingen an, bas 1. Bataillon in wei­tem Bogen nach Südosten Hm zu umfassen.

Der Einsatz der 2. Kompagnie des Pionier- Bataillons 21 am linken Flügel schaffte vorüber­gehend Lust. Unter dem Schutz ber schweren M.G. griffen bie 2., 3 unb Leib-Kompagnie sowie die Pioniere an. Eie erreichten zum Teil ben Walb- ranb des Haies de Wey und tagen hier in ra- seikdem Feuer mit dem Gegner.

Seit 2 Uhr 30 Min. hatten bie beiberfeitigen Artillerien in ben Kampf eingegriffen. Dumpf schlugen schwere feindliche Granaten nach Anloi hinein. Das 3nfanterie-Regiment aber hatte mit säst 4 Kilometer breiter Front feinen letzten Mann eingesetzt unb rang schwer gegen dreifache Ueber- macht.

Da meldeten Seitenpatrvuillen des 1. Batl. zwei neue feindliche Hägerbataillone im Vor­marsch gegen den linken Flügel des 1. Batl. 116. Hetzt ritt der Regimentskommandeur, Oberft Schimmelpfennig, zur Haubitz-Batterie östlich An­loi unb leiüte persönlich das Feuer biefer Batterie auf den neuen Feind. Eine in der Nähe stehende Feldkanonen-Batterie schloß sich diesem Feuer an. Ueber Visier und Korn wurde Schnellfeuer in den auf engen Waldfchneisen in Kolonnen zu- fainmengebrängten Feind gesandt. Rach halbstün­diger Wirkung waren bie feindlichen Hägerbatail- lone zerschlagen, bie Gefahr für den linken Flügel beseitigt.

Es war gegen 5 Uhr, schwer lastete der Kampf auf den heldenhaft ausballenden Schützenlinien des Regiments, da ließ die Stärke des feindlichen Feuers nach. Die Entscheidung reifte heran. Ein­zelne Teile des Feindes wandten sich zur Flucht. Da waren die schweren Stunden vergessen, das 2. .-nd 3. Batl. stieß mit Tellen von 115 tief in die vorliegenden Wälder, während die 10. und 11. Kompagnie noch bis zum Anbruche der Dunkel­heit im Nordranbe des An-Torelwaldes mildem sich verzweifelt wehrenden Feinde rang. Das 1. Batl. und die M. G. K. ainaen auf Befehl zum

Schuhe der Artillerie in eine mehr nach Süden und Osten gestaffelte Stellung hart östlich Anloi zurück.

Heiß brannte am Abend die Sonne auf das Schlachtfeld, erschöpft und durstend lagen die tap­feren 116er zwischen Toten und Verwundeten, ben Blick nach dem Feinde. Unruhig flackerte hier und hort nochmal der 3nfanteriekampf auf, um ball» wieder äu verstummen Der Feind floh, der Sieg war unser.

Da gegen 7 Uhr 30 Min. abends ertönten Kommandorufe von rückwärts. 3n breiter Front durchfchrttten die Musketiere des Reserve-3nfan- terie-Rcgiments Nr. 28 die Reihen unserer bra­ven Hessen und übernahmen bic Verfolgung des fliehenden Feindes. 3n ununterbrochenem 20-Ki- lometermarsch waren fie von ber Auslabestation auf den Kanonendonner zumarschiert, um den hart ringenden Kameraden Hilfe zu bringen.

Die Nacht über verblieben die Bataillone aus dem Schlachtfelbe, sich verpflegend und die Ver­wundeten versorgend.

Am 23. wurden die Kompagnien neu formiert, am 24. August die Verfolgung aufgenommen.

Großes hatte unser braves zweites Regiment geleistet. Breit entwickelt traf sein Angriff auf einen vielfach überlegenen Feind und rang ihn zu Boden. Vor seiner Front lagen mehrere tau­send Tote unb Verwundete fünf verschiedener feindlicher 3nfanterieformationen.

Aber auch bei uns fehlte mancher brave Ka­merad. Dreriehn Offiziere und 340 ilnteroffiMere und Mannschaften hatten den Heldentod gefunden. Hinzuzurechnen sind noch 72 Vermißte, die iw Waldkampf ihr Geben Netzen. 20 Offiziere und wettere 599 Kameraden dcs Regiments toarer verwundet Dieses bedeutete einen Verlust von 50 Prozent der Offiziere unb 35 Prozent ber sin­ter Offiziere unb Mannschaften ber Ausrückstärke

Sie haben geblutet im festen Glauben an bic Gröhe unb ben Sieg ihres geliebten Vaterlandes