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ein bedeutungsloses Ereignis angesehen wer­ben kann.

London, 19. Aug. (Wolff.) Der Pariser Berichterstatter derMorning Post" erfahrt, diese weitere Erörterung der oberschlesi­schen Frage werde bis zur zweitenn Vollversammlung im Völkerbundsrat vertagt, die am 15.September in Genf er­öffnet werde.

Die irische Frage.

London, 19. 2hig. (WB.) Wie die Blätter melden, hielt der König in der vergangenen Macht einen K r o n r a t ab. Heute nachmittag fand eine Kabinettssihung statt.

London, 19. Aug. (WB.) 3m Ober- Haufe erklärte Lord Curzon, die Regierung habe 3rland alles angeboten, was gegeben werden konnte, ohne die Sicherheit des Meiches, die Sou­veränität der Krone und die Einheit des briti­schen Meiches zu gefährden. Keine Regierung könne die völlige Abtrennung 3rlands gewähren. Dies würde den Bürgerkrieg in 3rland und 3rlands wirtschaftlichen Muin bedeuten.

Der Lordkanzler erklärte, wenn die Verhand- kungen zufammenbrechen sollten, svwürdeman zu Feindseligkeiten gezwungen wer­den in einem Mähe, wie dies bisher Irland gegenüber niemals geschehen s e i. Die Regierung werde vor keinerlei Maf>- n ahm en zurückschrecken, die etwa notwendig wer­den könnten, um zu verhindern, dah ein wesent­licher Teil der britischen 3nseln sich vom britischen Reiche ab trenne . Die Regierung stehe oder falle mit dem, was sie angeboten habe. Die Entschei­dung. ob sie angenommen oder verworfen wer­den sollte, liege jetzt auf der anderen Seite.

London, 19. Aug. (WB.) 3m Unter- Hause fand heute nach der Erklärung Lloyd Georges eine Besprechung der irischen Frage statt, die jedoch zu keiner Entschließung führte. Daraus vertagte sich das Parlament bis zum 18. Ok­tober- unter den von Lloyd George angegebenen Boraussehungen.

London, 19. Aug. (Wolff.) 3n einer Ver­sammlung der Unionisten beider Häuser des Parlaments wurde eine Entschliehung angenom­men, in der gegen das Friedensangebot der Regierung an Irland Einspruch erhoben wurde, da es weitreichende gefährliche Bestimmungen enthalte, wie z. B. die Bestimmung bezüglich eines Sinnfeinheeres, was eine Abkehr von dem in der Homerule-Bill 'des letzten Jahres enthaltenen Beschluß des Parlaments bedeute. Der diplomatische Derichterstatter desDaily Chro- nide erklärt, die Entschliehung stelle keineswegs die wirkliche Ansicht des Parlaments dar, eben­sowenig wie de Vaseras Haltung gegenüber dem Angebot der englischen Regierung die wirkliche Ansicht 3rlands sei. Ein kleiner Teil reaktionärer Konservativer habe keinen anderen Wunsch, als dah 3rland mit Feuer und Schwert behandelt werde.

Dublin, 19. Aug. Gestern abend wurde bekannt gegeben, dah das Sinnfeiner-Par- l a m e n t die Antwort auf die Vorschläge der britischen Regierung am Montag in geheimer Sitzung beraten wird.

Der griechische Vormarsch.

Paris, 20. Aug. (WTD.) Aach einer Matin"-Melbung aus London sind die griechischen Truppen nur noch 75 Km. von Anaora entfernt. Angora ist von grie­chischen Flugzeugen bombardiert worden.

Konstantinopel, 19. Aug. (Havas.) Dlättermeldungen zufolge ist in Angora eine neue Heeresgruppe gebildet wor­den, die den größten Teil Der Kaukasustruppen umfaßt und in Stärke von 3540 000 Mann an die griechische Front geworfen werden soll.

Die spanische Niederlage bei Melilla.

Paris, 20. Aug. (WTB.) Wie der »Matin" erfährt, hat die spanische Regierung soeben den amtlichen Bericht über die erstens Kämpfe in der Umgebung von Me­lilla erhalten. Danach sind i ns g e s a m t 14 712 Mann gefallen, ohne bte Ver­mißten zu zählen. 139 Feldgeschütze, 332 Ma­schinengewehre und über 29 000 Gewehre fie­len in dle ^ande des Feindes.

Madrid, 19. Aug. (Wolff.) Aach den hier vorliegenden Meldungen wurde in der vergangenen Aacht von den Eingeborenen in Marokko heftig geschossen, die Spanier hätten aber keine Verluste gehabt. Den Rebellen seien bisher bedeutendes SanitätS-, Eisenbahn - und Flugzeugmateri al,

sowie viele Pferde, Maultiere, Ge­schütze, Maschinengewehre und Ge­wehre, diese allerdings meist in unbrauch­barem Zustande, in die Hände gefallen.

Madrid, 19. Aug. (WTB.) Die im letz­ten Mi nister rat beschlossenen Anweisun­gen über die militärischen Maßnahmen in Marokko sind gestern, dem General Berenguer zugestellt worden. General Berenguer hat sich nach Melilla eingeschifft.

3n Melilla ist man ohne jede Nachricht der Offiziere und Dolmetscher der e i n g e - borenenPolizeitruppen. Man glaubt, dah sie ums Leben gekommen sind.

Aus dem Reiche.

Abg. Durlaae f.

Berlin, 19. Aug. (Wolff.) Der03. Z." zufolge ist heute vormittag der 2. Vorsitzende der Zentrumsfraktion im Reichstag, Abg. 03urläge, im Elisabeth-Krankenhaus ge­storben.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 20. Aug. 1921.

Willkommen 116er!

Morgen, am 21. August, werden die ehe­maligen Angehörigen unseres Infanterie-Regi­ments 116 und seiner Kriegsformationen in un­serer alten Garnisonstadt eintreffen. Die Bürger­schaft. die von jeher große Liebe und Anhänglich­keit zu ihrem Regiment gezeigt hat, weiß, was sie den Söhnen des Hessenlandes zu danken hat, die unbesiegt auf dem Schlachtfelde über vier Jahre die Heimat erfolgreich gegen eine Welt von Feinden schuhten. Viele haben ihr Leben, viele ihre Gesundheit und Körperkraft geopfert, um die Heimat zu schützen. Darum: Seid herzlich willlommen, alle ehemaligen Angehörigen un­serer Garnisonstadt I

Die Zusammenkunft sieht in erster Linie eine Gedächtnisfeier für die tapferen Gefallenen vor. Ihnen vor allem soll die Zusammenkunft, soll unser Gedenken heute gelten.

Gerade in den letzten Tagen haben sich noch Hunderte zur Teilnahme an der Feier gemeldet, so daß etwa 7000 Anmeldungen eingegangen sind, und da sicher wie bei der 115er-Feier noch sehr viele unangemeldet eintreffen, so kann unsere Stadt mit 10 000 Gästen rechnen. Unsere Stadt weiß, was sie all denen schuldig ist, die zum Teil zwei Jahre und noch länger in ihren Mauern zubrachten.

Jahrzehntelang hat das Regiment 116 hier in Garnison gelegen, dadurch sind die 03eziehungen zwischen Stadt und Truppe stets recht herzlich gewesen. Mit den 116ern treffen ferner dessen Kriegsformationen hier ein: Das Reserve-Regi­ment und das Landwehr-Regiment. Dazu fommen die hier zusammengestellten, bzw. von hier aus­gerückten Regimenter 222, 186 und 254, sowie die Ersatzbataillone. Besonders eng haben sich auch die Beziehungen zu dem.Landwehr-Regiment 116 gestaltet, welchem die Stadt am 7. Dezember 1918 einen außerordentlich herzlichen Empfang bereitete.

Bürger Gießens, zeigt, daß das schöne Ver­hältnis zwischen Stadt und 116em heute noch das gleiche ist wie früher, als das Regiment bestarid. Beflaggt und schmückt euere Häuser und tragt so bei zur Hebung der Wiedersehens­freude!

Steuermahnzettel.

Man schreibt unS:

Den Steuerzahlern sind in den letzten Tagen eine große Zahl von Mahnzetteln zugestellt wor­den, die sich auf Heinere, zum Teil auch größere Beträge mit der BezeichnungKriegsabgabe 1919" oderKriegsabgabe 1920 beziehen. In der üb­lichen Weife wird dem Steuerzahler angedroht, daß, wenn er nicht innerhalb drei Tagen bezahlt, er ausgepfändet wird. Run weih aber niemand von den Steuerzahlern, woher'der angemahnte Be­trag rührt, d. h., wie er zustandekommt, ob es sich um eine Restzahlung handelt, oder um Zinsen auf noch nicht gezahlte Steuerbeträge. Es ist doch wohl für die Steuerbehörde bzw. die Bezirkskasse eine Kleinigkeit, diese Aufllärung auf den Mahnzetteln zu vermerken, um unnötige Rückfragen zu ver­meiden. Tatsache ist doch, dah sich niemand mehr im Wust der steuerlichen Bestimmungen zurecht­findet. Za, böse Menschen behaupten, daß dieses selbst der Steuerbehörde schwer falle. Und da be­kannterweise eine große Zahl von Mahnzetteln von feiten der Steuerbehörde herausgegeben worden ist, ohne dah sich die Steuerbehörde vorher davon überzeugt hat, dah die Steuerbeträge schon längst ordnungsmäßig entrichtet worden sind, so wird durch diese Art der Handhabung und durch die Art der Aufforderung eine starke Verärgerung hervorgerufen, zumal doch dem Steuerzahler im umgekehrten Fall, d. h. wenn er Steuern zu viel

gezahlt hat, nicht das gleiche Recht der energischen Mahnung zusteht. Steuernzahlen ist an sich schon eine Beschäftigung, die niemand gern leistet, und man sollte deshalb von feiten der Steuerbehörde doppelt vorsichtig und gewissenhaft zu Werke gehen. Wenn die Behörde für sich das Recht her- ausnimmt, den Steuerzahlern sofort mit Aus­pfändung zu drohen, fo muh sie andererseits aber auch alles tun, um den Steuerzahlern klar und einwandsfrei auseinanderzusetzen, um welche Steuerbeträge es sich handelt. Das Vertrauen in die Behörde, die in die intimsten Angelegenheiten der Steuerzahler Einblick gewinnt, wird zweifellos gestärkt, wenn etwas mehr Ordnung im Betrieb, etwas mehr Klarheit in den Mitteilungen und ein etwas höflicherer Ton auf den Steuerzetteln Platz greift.

Ruhrerkrankungen int Umkreis von (Rieften.

In letzter Zeit find in einigen Landorten in der Rähe von Giehen mehrere Erkrankungen an Ruhr vorgekommen. Kreisarzt Medizinalrat OB a I g er teilt uns deshalb folgendes mit: Es liegt kein Grund zu irgend welcher Beunruhigung vor, denn im Spätsommer pflegen fast überall einige Ruhrerkrankungen vorzulommen. Ruhr ist eine von Cholera völlig verschiedene, wenn auch gleichfalls durchaus ernste Krankheit, und ent­steht durch Ansteckung. Die Krankheitserscheinun­gen bestehen hauptsächlich in Leibschmerzen, hefti­gem und schmerzhaftem Drang zu Stuhlentlee­rungen sowie häufigen wässerigen, mit schleimigen Flocken und Blut gemischten Ausleerungen, nach deren Abgang der Stuhldrang nicht aufhört.

Man versäume ja nicht, rechtzeitig den Rat eines Arztes einzuholen. Einer sorgsamen Pflege nach näherer Anweisung des Arztes verdanken selbst Schwerkranke oft ihre Genesung.

Die Ansteckungskeime werden mit den Darm­entleerungen ausgeschieden. Zur Ucbertragung der Krankheit genügen selbst Spuren der von OUdjr- kranken herrührenden Ausscheidungen. Gelangen diese auf die Leib- und Bettwäsche, die Kleider, den Fußboden, auf- und Trinkgeschirre, so kön­nen sie leicht von anderen Personen ausgenommen werden unb bei diesen die Krankheit hervorbrin- gen. Auch farm der Krankheitskeim durch OBasfer, welches beim Abspülen von- und Trinkge- schirren von Obst, Gemüse u. dgl. mit Ruhrkeimen verunreinigt wird, weiter verbreitet werden. Die Pflege eines Ruhrkranken ist zu Hause wegen der damit verbundenen Ansteckungsgefahr meistens nur mit Schwierigkeiten durchführbar. Solange es sich also nur um einzelne Fälle handelt, ist die Heberfüfjrung in ein Krankenhaus zu empfehlen.

Wo dies nicht möglich ist, muh der Kranke in ein von den übrigen Wohnräumen getrenntes Zimmer gebracht unb jeder unnötige Verkehr von ihm ferngehalten werben. Im Krankenzimmer soll man Speisen und Getränke niemals zu sich neh­men, unb wer einen Ruhrkranken ober besten Wäsche oder 03ett berührt hat, reinige unmittel­bar nachher die Hände gründlich mit einer des­infizierenden Flüssigkeit.

Selbstverständlich müssen die Ausleerungen der Ruhrkranken durch Desinfektion( Kalkmilch. Chlorkalk) unschädlich gemacht werden. Ebenso bedürfen Wasche, Kleider unb alle Gebrauchs­gegenstände. besonders auch bas Ehgeschirr, sorg­fältigster fortlaufender Desinfektion nach Anwei­sung des Arztes.

Zu Zeiten von Ruhrepidemien ist der Genuß von Milch, Obst unb Gemüse in rohem Zu - ftanb dringend zu widerraten. Direkt gefähr­lich kann der Genuß von unreifem Obst werden, desgleichen soll man sich vor Erkältungen des Leibes hüten. Wo keine Wasserleitung ist unb das Wasser aus Brunnen entnommen wer­den muh, ist sorgfältig auf Reinhaltung der Brunnen zu sehen, und zu Epidemiezeiten soll am besten das Wasser erst nach vorherigem Ab­kochen genossen werden.

Wettervoraussage

für Sonntag:

Wolkig bis bei.er, trocken, warm, östliche Winde.

Die im Norden unb Süden liegenden Tiefs scheinen sich zu einer Tiefdruckwelle vereinigen zu wollen. Vorerst hält die heitere, warme Witterung unter bem Einfluß des über den Ostseeländern lie­genden Hochs noch an.

Amtliche Perfvnalnach richten. Ernannt wurde am 13. August der etatsmähige außerordentliche Professor für Volkswirtschafts­lehre Dr. Friedrich Lenz zu Gießen mit Wir­kung vom 1. August 1921 ab zum außeretats- mäßigen ordentlichen Professor in der philoso­phischen Fakultät der Landesuniversität Gießen.

"Marktbericht. Der heutige Markt war einer der stärksten. Es waren besonders große Mengen Obst und Gurken angefahren. Auch der Gemüsemarkt war gut beschickt während Butter unb j^icr nur in kleineren Mengen vertreten waren. Es kosteten: Weißkraut 12 Mk. das

Pfund, je nach Qualität, Wirsing 22,50 OBl bas Pfund. Rotkraut, ausländisches. 2.50 Mk das Pfund. Blumenkohl 59 Mk.. Römischkvhl 60 -70 Pf. das Pfund. Gelbe Rüben 1,502 Mk. das Pfund. Kopfsalat 0,ZO1 Mk. daS Stuck, Zwiebeln 1.401.8? Mk. das Pfund, Rote Otüben 0,801 Mk. das Pfund. Dohnen 3,804 Mk. das Pfund. Salatgurken 25 Mk.. je nach Gröhe. Eimnachgurken 3?40 Pf. daS Stück Champignons 2 Mk. das Pfund, Aepfel 1,502 Äk. das Pfund. Birnen 12,50 Mk. das Pfund, je nach Qualität, Zwetfchen 2 Mk. das Pfund^jalläpfel 4050 Pf das Pfund, Butter 2728 Mk. das Pfund, Eier 1,651,70 Mk. das Stück. Gänse 67 Mk. daS Pfund, Hühner 57 Mk. das Pfund, Hähne 1820 Mk. das Stück, junga Hahnen 610 ML 1820 ML daS Stuck, junge Hähne 610 ML und kosteten 8085 Pf. das Pfund:

"Preuhisch-SüddeutscheKkassen- Lotterie. Die Lose zur 3. Klasse müssen unter Vorlegung des Vorklassenloses bis zum 24 August, abends 6 Uhr, bei dem zuständigen Lotterie-Ein­nehmer zur Einlösung gelangen. Auch müssen biö zu diesem Zeitpunkt die Ersatzlose gegen Rückgabe Der Gewinnlose eingelöst werden.

Bornotizen.

TageSkalender für SamStag Sportplatz an der Hardt, 6^ Uhr, Werbefuhball- spiel des Sportllubs 1900 gegen Svielvereinigung 1904. Lichtspieltheater, wie gestern.

-- TageSkalender für Sonntag Erster 116er-Tag: 9 iUjr trorm., Versammlung ber Festteilnehmer auf dem Hof der Reuen Kaserne. 9 2 ilfcr vorm., Begrüß ing und Gedächtnisfeier für die Gefallenen. IV2 Ubr nachm., Versammlung zum Festzug Ecke Kaiser-Allee. Moltke-, Licher Strahe, Schiffenberger Weg 2 Uhr nachm., Fest­zug durch Ludwigsttahe. Alicefttahe, SelterSweg, Goethestraße. Süd-Anlage. Ost-Anlage. Rord-An- tage zum Festplatz Oswaldsgarten. 4 Uhr nachm., Oswaldsgarten. Kameradschaftliches Beisammen­sein. Kraft. Frankfurter Straße 81, 3 Uhr. Ver­sammlung des DienenzüchtervereinS. D. f. D. Sportplatz Trieb, 4y2 Uhr, Ligaspiel gegen Ger­mania Frankfurt. Lichtspieltheater, wie gestern.

Die Giehener Kunstsammlung mit der Dr. Hans Dock-Gedächtnisstiftung im Reuen Schloß. Eingang ©endenbergftrabe, die Sonntags unentgeltlich geöffnet l't, Hal eine Anzahl neuester Arbeiten des bekannten Münchener Malerradierer Ernst Hahmann im graphischen Kabinett ausgenommen. An den Bild­chen, die verkäuflich sind, werden die Liebhaber deS Hunde- und Pferdesports ihre Freude haben.

Landkreis Gicsten.

o-v. Beuern, 19. Aug. Kommenden Sonn­tag ist unsere Kirchweih. Die? veranlaßte den hiesigen Radfahrverein gleich ',edlg ein Radfahr- fest abzuhalten. Zu diesem werden eine grohe Zahl auswärtiger Radfahcvereine erscheinen

' W i e s e ck 19. Aug. Gestern abend kam eS auch hier nach einem Vortrag von Lehrer West­phal zur Gründung eines OrtSkartellS des Landeskartells des Deutschen Bearntenbunbes, dem alle anwesenden Reichs-.Landes- und Gemeindebeamten bei traten. Richt erschienen waren die Eisenbahner die be­reits zum Ortskartell Gießen gehören Als Mo­natsbeitrag wurde 1 Mark festgesetzt, ber Beitrag zum Landeskartell noch in ber Schwede gelassen Der einmütig gewählte Vorstanb besteht aus Leh­rer Westphal (1. Bors ), Postmeister Guthier (2. Dors.), Dürgermeistereischreiber Göbel (Schrift­führer), Oemelnbeclnnebmer MöbuS (Rechner), Postschaffner Rahn (Beisitzer).

Hcffen-Raffau.

Reichsausstellung für Kolonialwaren und Lebensmittel.

Frankfurt a. M., 19. Aug. (Wolfs.) Die Reichsausstellung für Kolonial­waren unb Lebensmittel in ber Frank­furter Festhalle geht ihrer Vollendung ent­gegen. In ber Halle herrscht fieberhaftes Ar­beiten an den Ausstellungsständen, die zum großen Teil von führenden Architektenftrmen entworfen worden sind unb ausgeführt werden. Rachbein die Fesseln ber Kriegswirtschaft von bem Le- bensmittelhandel gefallen sinb, regen sich alle Kräfte. Ihren Besuch zugesagt haben bis heuN ein Vertreter des Reichsernährungsministers Dr. Hermes, ber Emährungsminister für Hessen unb von den Preußischen Behörden ber Oberpräsibent der Provinz Hessen-Rassau, Dr. Dchwanber unk der Regierungspräsibent für ben Regleumgsbezitt Wies haben Dr. Momm.

ileberfafi.

Frankfurt a. M, 19. Aug. (Wolff.) Am 5. August wurde eine Händlersfrau in ber Ostenb- strahe in ihrem Geschästslvlal von zwei Männern überfallen unb mit einem chlorvsvrmgetränk- ten Taschentuch "betäubt. Es wurden ihr etwa 400 Wart geraubt. Die Polizei hat nunmehr bie beiden Täter festgenommen, bie in Obernburg bereits einen E i s e n b a h n r a u d t verübt Haden.

Die Nothersteins.

Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1919 by ©reiner & Cvmp., Berlin W 30.

33. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Aber wer konnte dies fein? Rüdiger ließ im Geiste alle männlichen BZ.-cher aus der Rach­barschaft Revue passieren; aber fand niemand, der sich besonders um Do bekümmert hätte, bie ja auch selten genug zum Vorschein kam, wenn Gäste vor sprachen.

Er beobachtete sie selbst verstohlen, so weit bies möglich war. Aber auch da konnte er nichts entdecken. Sie spielte viel mit den Kindern, ver­brachte täglich einige Stunden bei seinem Vater unb machte zuweilen mit Hertha Spaziergänge. Das war alles.

Da erfuhr er eines Tages aus einem zu­fällig hingeworfenen Wort Herthas, die Do mit ihrer_ Leidenschaft für Frühaufstehen neckte, dah sie täglich schon mit Tagesanbruch aufftanb unb allein weite Morgenspazicrgänge unterua^m.

Wohin ging sie? Der Gedanke beschäftigte ihn den ganzen Tag über unb regte ihn förmlich auf.

Wie konnte Hertha dies zulasten.' Es war doch gar nicht passend, daß sie so allein herum- ftreifte; man konnte ja gar nicht wissen, was für Begegnungen sie dabei hatte!?

Sie war jung unb schön, dabei ganz uner­fahren. Wie leicht konnte irgend ein gewisten- loser Fant ihr Torheiten In den Kopf setzen . .

Zuletzt redete er sich ein, feine Pflicht als Vormund gebiete ihm, den Dingen vorerst einmal auf den Grund zu gehen, ehe er mit Hertha sprach Hder weitere Maßregeln traf

Am nächsten Morgen war er mit Tages­anbruch auf unb stand lauernd am Fenster, von wo aus er bie Haustür im Augo hatte.

Wirklich dauerte es gar nicht lange, so öff­nete sich diese, und Do, in ein warmes Wolltuch gehüllt, schlüpfte heraus. Sie nahm den Weg nach bem Wirtschaftshof.

Rüdiger beschloß sofort, ihr zu folgen. Roch tag Dämmerung über bem Tal, und im Schloß selbst schlief noch alles. Aber drüben im Wirt­schaftshof herrschte schon reges Leben. Der Meier wies den Leuten die Tagesarbeit an. Die Wagen für bie Felbarbeit wurden bespannt und im Kuh­stall, wo noch Licht brannte, molken Mägde die Frühmilch. Rüdiger achtete nicht sehr auf di.s alles, sondern wollte eben nach dem rückwärtigen Hoftor, durch das Do, wie er glaubte, gegangen sein müsse, als er ihre Stimme plötzlich aus dem Kuhstall vernahm.

Immer noch der Meinung, sie fei nur für einen Augenblick dort eingetreten, trat er rasch in den dunklen Schatten eines ojenen Schuppens und wartete, bis sie weitergehen würde.

Aber fle kam erst aus dem Stall, als zwei Knechte in einem blitzblanken Holzbottich die Morgenmilch herausschafften unb folgte ihnen In die Milchkammer.

Gleich darauf rasselte ber Wagen mit den großen Blechkannen bort vor, und Rüdiger be­obachtete erstaunt, wie Do jebe Kanne, bie man nun gefüllt auf ben Wagen stellte, eigenhändig mit der Plombe versah unb auf einem Täfelchen, das fle am Gürtel trug, notierte.

Dies bauerte etwa eine halbe Stunde. Dann winkte fie zwei Mägben.

Run rasch zur Gärtnerei! Wir sind beu'e schon ein wenig spät daran Die Händler brum­

men sonst, wenn Martin nicht rechtzeitig mit ben Lieferungen erscheint."

Eine Viertelstunde später war sie wieder da unb ließ unter ihrer Kontrolle Gemüse unb Butter verladen. Dabei hatte sie für alle ein freund­liches Wort, scherzte mit ben Mägden unb war babei doch jeder Zoll vornehme unb wachsame Gebieterin.

''Als der Wagen endlich verschlossen werden konnte und abfuhr, wandte Do sich an die Ober- magb:Haben Sie die Eier schon abgezählt, die morgen zum Händler kommen sollen?"

Rein, Komtesse ..."

Dann wollen wir es jetzt noch rasch gemein­sam hin, Trina, denn wer weiß, ob Sie später unter Tags Zeit dazu finden."

Beide verschwanden in der Richtung nach dem Geflügelhof. wo sich eine Kühlkammer be­fand, in ber bie Eier aufbewahrt zu werden pflegten.

Rüdiger aber trat aus seinem Versteck unb winkte bem Meier, der eben mit bem letzten Leiterwagen ben Hof verlas en wollte.

Was sind denn das für Sachen hier, Peter?" frug er mit gerunzelter Stirn.Seit wann unb zu welchem Zweck befaßt sich bie Komtesse mit Arbeiten, bie ber Mamsell zukommen?'

Der Alte kraute sich verlegen hinter den Ohren.

Erlaucht wissen das nicht?" tagte er endlich. Ich pachte, die Frau Gräfin hätten es Erlaucht mitgeteilt . Die Komtesse wollte auch nicht, daß darüber geredet würde . . ."

Warum nicht?"

Ich glaube der Mamsell wegen. Anfangs, als die Miller Knall und Fall ging, und niemand recht Bescheid wußte, hat bie 5rau Gräfin uns dm Komtesse selbst hergeschickt. Unb nachher blieb es eben so. Denn die neue Manuell kroch niet

zu spät aus ben Febern, so daß ich hier meint liebe Rot hatte und alles ber Obermagb hätte allein Überlasten muffen. Da sagte bte Komtesse, sie wolle die Oberaufsicht hier behalten, den» Mamsell Dender hätte wirklich im Schloß drüben Arbeit genug, unb man könne nicht verlangen, daß sie so zeitig aufstehe. Sie aber, bte Kornteste, sei s gewöhnt, unb eS sei ihr diel IfVber, hier Ar- beit zu tun. als die ganze Zeit diS zum Frühstück im Park herumzuschlendern. Rur brauche davon niemand etwas zu wisten, damit die Mamsell nicht Angelegenheiten hätte. Unb alles was wahr ist, Erlaucht: die Komtesse mach«'S zehnmal besser und gewissenhafter als alle Mamsells, die wir bis jetzt noch hier hatten l"

Trotzdem sind das keine Arbeiten für eine Kornteste RothersteinI Sje hätten sich daS längst sagen und mich daraus aufmerksam machen müssen, Peter!"

Ru, sehen Sie, Erlaucht, daS ist mir, bat- ich's frei heraussage, wirklich nicht in den Stich gekommen! Denn, sehen Sie, was die erste Frav von Seiner Durchlaucht war, die hat's nämlich genau To gehalten. Ich weiß es, denn ich bm damals schon als Halterbub auf Gralenegg ge­wesen. Dazumal hatten wir noch gar keine Mam­sell. Da stand Ihre Durchlaucht jeden Morgen schon um vier Uhr hier im Hof, und kein Tropfer Milch und kein Ei tarn heraus, ohne dah sie'S kontrolliert hätte. Und akkurat so wie jetzt, seil die Komtesse hier zum Rechten sieht, war auch damals alles in musterhafter Ordnung, unb wir nahmen trotz ber niebrigen Preise mehr ein, alS später unter ben Mamsellen. Haben Sie's benr nicht schon an ben letzten Wochenrechnungen ge­merkt, baß die Molkereiprvbukte unb daS Gemüse jetzt viel mehr einbringen als früher?"

l Fortsetzung folgt)