in. Jahrgang
Erstes Blatt
Es ist in den
dem
Karl Klingspvr, Offenbach a. M.
der
Abmachung ge Kredites lei Is
land. Auch hier soll es bereits folge zu einer definitiven kommen fern. Der Umfang des doch noch nicht bekannt.
Berlin. 19. Juli. (WB.)
Ludendorff beim D. D. St.
München, 19. Iuli. Auf dem Stiftungsfest des Vereins Deutscher Studenten ergriff nach einer Ansprache des Forstrats Esche- rich auch General Ludendorff, von brausendem Beifall empfangen, das Wort. Ludendorff sagte: Manneszucht in den Reihen des deutschen Volkes, vor allem auch in den Reihen der deutschen Studentenschaft, sei die Grundvoraussetzung für alles andere. Sie fehle heute noch stark und noch schlimmer werde es werden, wenn aus den Reihen der Studentenschaft erst einmal die alten Kriegsteilnehmer verschwunden seien. Darum könne er sich nicht mit zukunftsfrohen schönen Worten an die Versammelten wenden, sondern nur mit schwerer Sorge. Diese Sorge, die durch den Erlanger Studententag eher noch vermehrt als vermindert worden sei, müsse einmal offen ausgesprochen werden. Wenn man sich darüber hinweotäusche, leiste man dem Vaterlande einen schlechten Dienst. Ludendorff schloß mit dem Wunsche, daß der bei dem Stiftungsfeste zum Ausdruck gekommene Geist, der ihn mit neuer Hoffnung erfüllt habe, auch in der Tat seine Ausprägung finde.
Ein russisches Konsulat in Stettin.
Man schreibt uns:
Auf dem dritten Weltkongreß der roten Internationale in Moskau hielten Lenin und Trotzki, die Hohenpriester des Bolschewismus, Bräüdreden an die Adresse des Proletariats außerhalb der russischen Sowjetdiktatur. Der kurze Sinn dieser langen Reden war der, daß die Atempause des offenen Kampfes der „kapitalistischen" 2änöer gegen das Svwjetregime zur Vorbereitung der Devolution in diesen Ländern ausgenuht werden müsse. Damit ist natürlich in erster Linie Deutschland gemeint, das von den russischen Bolschewisten als geeignete Brücke nach Westeuropa betrachtet wird. Wie ein Hohn auf den gesunden Menschenverstand mutet es an, gleichzeitig zu lesen, daß die deutsche Regierung der russischen die Erlaubnis erteilt hat oder erteilen wird, ein russisches Konsulat in Stettin einzurichten. Die Erfahrungen mit der Berliner Sowjetgesandtschaft und den sonstigen Vertretern des Weltumsturzes haben also nicht genützt. Im Gegenteil: mit großer Bereitwilligkeit wird diesen Sendboten der Staats- und Volkszerstörung eine weitere Möglichkeit geschaffen, Deutschlands Wiederaufbau zu untergraben. Denn da eine russische Vertretung in Deutschland keinen anderen Zweck hat, als die strategischen Vorschriften der Moskauer Diktatoren in die Tat umzusehen, kann auch die Errichtung eines russischen Konsulates in Stettin nur dazu dienen, dem deutschen Volks- formier weitere Giftmengen zu infizieren und die völlige Zerstörung von Ruhe und Ordnung, den Zusammenbruch des ganzen Restes von staatlichem und völkischem Leben durch den heimlichen Kamp gegen die Bestrebungen des Wiederaufbaues vorzubereiten. Das sind Taten, an denen besser als an langen Festreden zu erkennen ist, wohin der Weg geht. Deutsche — merkt auf!
Oesterreichisch-uugarischc Grcnzsragen.
Englischer und amerikanischer Kredit für Deutschland.
Berlin, 19. Iuli. (Priv.-Tel.) Wie das „Berl. Tagebl." erfahren haben will, loU sowohl ein englischer als auch ein amerikanischer Kredit für Deutschland in Aussicht stehen. Die Verhandlungen mit London sollen zu einem befriedigenden Ergebnis geführt haben. Einzelheiten über den englischen Kredit dürsten in Kürze bekanntgegeben werden. In dem anderen Falle handele es sich um einen amen-
Aus dem besetzten Gebiet.
Ein Wechsel tn der englischen Besatzung?* annee.
Köln. 20. Iuli. Wie die »Cologne Post berichtet, kündigt ein vom britischen Kriegsamt erlassener Armeebefehl einen Wechsel in den englischen Desahungstruppen an Tts Bataillone, die die Rheinarmee ablösen, kommen von den Heimatstandorten nach Köln.
Bauernbund,Rechtsparteien und Landtagswahl.
Wir erhalten folgende Zuschrift:
.Bauernbund, Rechtsparteien und Landtagswahl" lautet die Ueberschrift eines Aufsatzes im .Gießener Anzeiger", der sich in kritischer Weise mit meinen Ausführungen zu dem Beschluß der Bauernbunds-Vertretung befaßt und der mit den Worten eingeleitet wird.
.Von einem führenden Landwirt, der zugleich Mitglied des Hessischen Bauernbundes und der Deutschen Dolkspartei ist. wird uns folgendes geschrieben."
Da sich die wörtlich gleiche Einführung auch inanderenZeitungen findet, wird also diese Bemerkung von der Stelle, welche den Aussatz verbreitet, mitgeliefert, und das macht seinen Ursprung etwas deutlicher.
Der ungenannte „führende Landwirt" meint unter anderem: „Der Bauernbund wird ja keinen Zwang ausüben, sondern seinen Mitgliedern immer noch die Möglichkeit lassen, für ihre Partei zu stimmen. Schreiber dieser Zeilen, als langjähriges Mitglied der Dationalliberalen und der Deutschen Volkspartei, wird deshalb für letztere eintreten, ohne seinen Standesinteressen Abbruch zu tun."
Demgegenüber stelle ich eine Aeuherung der bauernbündlerischen Friedberger „Reuen Tageszeitung", die am 14. Iuli ausführt: ..In der Wahlvorstandssihuna des Bundes, in der der Beschluß, mit eigenen Listen' in den Wahlkampf einzutreten. gefaßt wurde, betonten sowohl die Anhänger wie die Gegner eigener Listen, daß sich die Minderheit unbedingt der Mehr- beitsügenmüsseundauchfügenwolle. Die Mehrheit hat entschieden und damit ist Vie Stellung des Bundes ein für allemal gegeben. „Roma locuta est“, hieß eS bei den Römern, wenn sich der Senat für eine Angelegenheit ausgesprochen hatte, d. h. in der Anwendung auf "ben vorliegenden Fall: „Icdes einsichtsvolle Mitglied des Bauernbundes fügt sich der ordnungsgemäßen Entscheidung seiner freigewählten Führerschaft."
In den erwähnten Auslassungen der „Reuen
Tageszeitung" findet sich auch eine Festlegung, die die .zweierlei Vorbedingungen" beantwortet, welche nach Ansicht des „führenden Landwirtes" „die der Deutschen Volkspartei angehörenden und nahestehenden Landwirte .. vom Hessischen Bauernbund stellen müsien". Diese Vorbedingungen wären:
1. Die Kandidaten des Hessischen Bauernbundes. die an der Spitze des Wahlzettels stehen, muffen aus beiden Parteien entnommen werden.
2 Den so gewählten Mitgliedern des Landtages von der Liste des Bundes mühte vpn vornherein das Recht gegeben werden, sich derjenigen Fraktion anzufchliehen, die ihrer politischen Ansicht entspricht. (Also entweder Hessische Vollspartei oder Deutsche Volkspartei).
In der „Reuen Tageszeitung" aber heißt es: ..In den Kämvfen innerhalb des Landtages werden die gewählten Vertreter des Bundes schon den richtigen Weg finden und sich politisch so einstellen, wie es vom Standpunkt des flachen Landes notwendig erscheint. Erst wenn sich die Parteien, die den Kampf gegen die Demokratie und Sozialdemokratie ernsthaft führen wollen, zu einer großen Rechtspartei geeint haben, wird es dem Bauernbund möglich sein, sich dieser Vertretung des entschiedenen Bürgertums anzufchliehen. So lange aber noch Parteihader zwischen der Deutschen und der Deutschnationalen Vollspartei das Bürgertum in sich zerklüftet, geht der Bauernbund feinen eigenen Weg und glaubt damit auch einen Zwang auf die städtischen Schichten in der Richtung einer Einigung des gesamten Mittelstandes ausüben zu können."
Deutlicher kann man die in dem volksparteilichen Aufsatz geforderten „Vorbedingungen" kaum verneinen, und vielleicht ist jetzt ihr Verfasser nicht mehr der Ansicht, daß mein Warnruf zu bedauern fei und dah es, wie er sich ausdrückt, „jetzt auch keinen Zweck habe, gegen den Beschluß des Landesausschusses Sturm zu laufen“.
„Sturm zu laufen“ tag gar nicht in meiner Absicht, aber das Recht auf Behandlung der Frage und auf Aufklärung laste ich mir auch von dem ungenannten Herrn der Deutschen Volkspartei nicht nehmen. Ich beanspruche dieses Recht sowohl gegenüber meinen zahlreichen politischen Freunden, die von dem Vorgehen des Bauernbundes überrascht wurden, wie gegenüber by weitesten Öffentlichkeit, umsomehr, als gegnerische Blätter meine Partei als die Urheberin jenes Beschlusses bezeichneten.
Unb wer für meine ernsten Darlegungen kein anderes Urteil wie das des „Bedauerns" über ihr Erscheinen hat, wer sie dahin umdeutet, daß sie „eine Bekämpfung zwischen den beiden Rechtsparteien und dem Bauernbund" „befiirchten" ließen — wozu sie nicht den bescheidensten Untergrund geben —, der zeigt damit, bah Parteieifer und Parteiwettbewerb sein mehrfaches „Bebauern“ start beeinflußten.
In ber Deutschen VoWpartei scheint man übrigens teilweise meine allgemeinen Bedenken zu teilen, denn auf einer Versammlung ihres Kreisverbandes Worms hat der Generalsekretär Wittig nach der „Wormser Zeitung" (11. Iuli) gesagt:
„Trotzdem bedauern wir diesen Schritt, denn er bedeutet die Absonderung einer rein ständischen Berufsvertretung zum Rachteil dar Po-
Korfanth.
Paris, 20. Iuli. (WTD.) Der „Intransi- geant“ meldet: Korfanth soll seit heute vormittag leidend sein. Es sei wahrscheinlich, daß ihn die Krankhett hindere, sich so aktiv wie er es gewünscht habe, um die Interessen zu kümmern, zu deren Verttetung er nach Paris gekommen sei.
gruppiert, und aufzuklären über alle die großen Gefahren, die ein solches Vorgehen mit sich bringt Mit dieser Aufklärung glaube ich
letzten Tagen zwischen der Einfuhrgeselr- schaft für Getreide und Futtermittel mit Zustimmung des Reichsernährungsministeriums und des Reichsfinanzministeriums ein Abkommen mit einer größeren Gruppe englischer Großbanken (u. a. Bring, Kleinwort, Rorgen, Rothschild und Schroeder) getroffen worden, nach welchem der Einsuhrgese'llschaft ein Kredit in Hohe von zunächst drei Millionen Pfund Sterling in der Weife zur Verfügung gestellt wird, daß für die zu tätigenden Drotgetreideeinkäufe von ileberfce die Verschiffer auf genannte Banken Wechfel mit vier- monatiger Laufzeit ziehen. Auf diese Weise können noch die erforderlichen Mengen Brotgetreide im Auslande zu recht günstigen Bedingungen erworben werden.
Zunehmende Spannung zwischen Frankreich u. England.
London, 19. Iuli. (Wolff.) „Daily Expreß" versichert, von zuständiger Seite erfahren zu haben, dah in den Beziehungen zwischen Großbritannien und Frankreich infolge der Differenzen über die oberschlesische Frage eine zunehmende Spannung eintrete. Die britische Regierung weigere sich rundweg, weitere Truppen zu entsenden, da sie überzeugt sei, dah hierfür keine Rvtwendigkeit bestehe.
Paris, 19. Iuli. (Wolff.) Der Londoner Korrespondent der „Chikago Tribüne" meldet eine starke Verstimmung, welche die französische Rote im Foreign Office her- oorgerufen hat, und teilt u. a. mit, in amtlichen Kreisen spreche man offen die Vermutung aus, daß die Franzosen einen deutschen Auf- stand in Oberschlesien zu provozieren suchen, um sich die Rechtfertigung für eine Besetzung des Ruhrgebietes und für einen stärkeren militärischen Druck auf Deutschland zu verschaffen. Eine namhafte Persönlichkeit der Regierung habe erflärt, England werde immer mehr zu der Schlußfolgerung gedrängt, dah es das Beste sei, dem amerllanischen Beispiel zu folgen und sich von allen kontinentalen europäischen Angelegenheiten zurückzuziehen.
Paris, 20. Iuli. (WTD.) Dem „Petit Parisien" wird spät in der Rächt aus London berichtet, dah die Antwort Lord Curzons auf die Rote des Ministerpräsidenten Briand in der oberschlesischen Frage gestern abend abgegangen sei. Der Londoner Korrespondent des Blattes glaubt zu wissen, dah die britische Regierung die Entsendung von Verstärkungen nicht für nottoen- big halte, bah sie aber bie Zusammenkunft des Obersten Rates in Kürze als geboten erachte.
Französische Zensur.
Berlin, 19. Iuli. (Wolff.) Rach hier vor- liegenden Rachrichten aus Oberschlesien war es bisher keinem oberschlesischen Blatte erlaubt, zu dem Schritt des französischen Botschafters Laurent bei dem Außenminister v. Rosen in der oberschlesischen Frage Stellung zu nehmen. Auch die Entgegnung Rosens auf die Ausführungen Laurents wurden von der interalliierten Zensur gestrichen. 3a, sogar einige Teile der Rote selbst wurden den Oberschlesiern vorenthalten.
nicht nur meiner Partei, sondern auch Bauernstand zu dienen.
kanischen Daumwollkredit für Deutsch- ........... dem Dlatte zu-
Mittwoch, 20.3uli 1921 Annahme von Hnjdgei für bie Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher ohnejebe Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeiyenv 34mm Breite örtlich 40 'Pf-, auswärt»
Aus dem Reiche.
Kein Rücktritt des ReichskabinettS.
Berlin, 19. Iuli. (WB.) Die neuerdingS auftretenden Gerüchte, dgh das Reichskabi- nett zum Rücktritt entschlossen sei, sind unzu- treffend.
Die Steuerpläne der Regierung.
Berlin, 19. Juli. Am Mittwoch und Donnerstag wird laut „Dossischer Ztg." der Ausschuh für die direkte Besteuerung zusammentreten, dem die Steuerpläne der Reichsregierung zur Begutachtung vorgelegt werden sollen. Der Ausschuß wird sich zunächst mit einem Anttag der Arbeitnehmerabteilung bezüglich der steuerlichen Erfassung der Goldwerte beschäftigen.
Die Rechtsrichtung im Zentrum.
Die beiden Zentrumsabgevrdneten im hant», burgischen Parlamente, Pfarrer B. Dinkgrefe und Fabrikant F. Reureuter sind als H o s p i t a n * ten der Fraktion derDeutschen Volkspartei beigetreten, die außerdem den Zugang von fünf 'Mittelstandsvertretern, die sich seither in einem Wirtschaftsverbande befanden, erhalten hat. Die Deutsche Volkspartei in Hamburg ist nach der M. S. P. die stärkste Partei des Freistaates.
Die Wasserstraßenvorlagen hn bayerischen Landtag.
München, 19. Iuli. (Wolfs.) Der bähe- rische Landtag sttmmte den Wasser- straßenvorlagen zu, nämlich dem Gesetzentwurf über den Uebergang der Wasserstraßen von den Ländern auf das Reich, dem Entwurf eines zwischen der bayerischen Regierung und der Reichsregierung abzuschliehenden Dertrage- toegen der Ausführung der Main — Donau- Wasserstraße und dem Zusatzvertrag zwischen dem Reiche. Bayern und Baben und schließlich ber Denkschrift über bie Reueinrichtung einer Wasserftrahenverwaltung. Angenommen würbe babei ber Anttag Partmann (Dem ), nach dem bie zwischen bem Bayerischen Kanalverein und bem Main—Donau-Etrornverbanb getroffenen Vereinbarungen über bie Prüfung ber Dau- toürbigfeit bes Mainbreiecks auch im Rahmen des Vertrages über die Ausführung der Main— Donau-Wassersttaße Geltung haben sollen.
Außerordentliche Vermögenssteuer in Norwegen.
Kristiania, 18. Iuli. (WTB.) Das Stor- thing behandelte heute dieDorlage des vom Stor- thing ernannten besonderen Ausschusses bett, eine außerordentliche Ver mH gendfteuer auf Vermögen über 200 000 Kronen. Die Mehrzahl des Ausschusses (die Linke einschließlich ber Sozialdemokraten) stimmte bafür, baß bie Steuer nicht der Staatskasse, sondern einem besonderen Fonds zugewiesen werden solle, dessen Mittel, au Beschluß des Storthings, zur Deckung der Kriegsschulden des Staates und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit usw., zu Anleihen an die Gemeinden zwecks Einrichtung von Rotstandsarbeiten verwendet werden sollen. Die Minderheit (Rechte) wünschte, dah die Steuern ausschließlich zur Deckung der Kriegsschulden verwendet werden. Wie der Präsident des Swrthings erklärte, wird die Steuer für Vermögen von 500 000 Kronen 1800, für Vermögen von 1 Million 6000, für Vermögen von 5 Millionen 58 000, für Vermögen von 10 Millionen 140 000 und für Vermögen von 20 Millionen 350 000 Kronen betragen.Dei der heutigen Abstimmung wurde der Vorschlag der Mehrheit mit 53 gegen 38 Stimmen angenommen.
50 ‘Pf.; für Reklame, Anzeigen von 70 mm Breite 180Ps Bei Platz. Vorschrift 20' Ausschlag. Hauptschriftlener: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Gießen.
Der „Ternps" veröffentlicht eine Mitteilung ___ungarischen Delegation, nach welcher die ungarische Regierung die Dotschafterkonferen; ersucht haben soll, die Abgrenzung des Burgenlandes zu verschieben, well sie noch auf, eine Verständigung mit Oesterreich über die Grenzfrage rechnet. Der „Ternps" vertritt die Ansicht, dah eine Angliederung der west- ungarischen Bezirke an Oesterreich auf fernen Fall vereitelt toeröen dürfe.
Die „Reue Freie Presse" schreibt: Budapester Blätter bringen Meldungen über erne angebliche Hissung reic^deutscher Fahnen an verschiedenen Stellen des Burgenlandes, insbesondere in H o r n-
litischen Partei. Aber auch für die landwirtschaftliche Berufsgruppe ist das in Wirklichkeit kein Vorteil! Statt in einer einflußreichen Parte, vertreten zu fein, ist der betreffende Stand im Parlament isoliert und sinkt herab zu einer ein- luhlosen Gruppe, wie es z. D. in Preußen die sogenannte Wittelstandspartei ist. Außerdem werden durch solche Absonderungen die Parteien selbst einseitig, wenn große Stände ihnen fernbleiben. Wenn sie aus diesem Berufe dann weniger Wähler haben, so vermindert sich auch die Rücksicht auf diese, was für den betreffenden Stand starke Rachteile zur Folge hat. Daß damit der Gemeinsamkeitsgedanke geschwächt wird, liegt auf der Hand. Zudem geben derartige Dcrufs- gruppen keine Gewähr für ihre Haltung m rein politischen Fragen."
Wie man nach alledem, was ich früher ausführte, sagen kann: „Die Gefahr der Zersplitterung ist nicht sehr groß, wenn jede der drei Gruppen ihre Kraft nur nach links richtet und in der Wahlbewegung das große Ziel im Auge hält" — verstehe ich nicht. Sollte es tatsächlich so unwichtig sein, dah infolge der Aufstellung einer weiteren — rein bäuerlichen — Liste der Rechten 8000 Reststimmen mehr verloren gehen können, als wenn nur die Liste der Deutschen Vollspartei und der hessischen (Deutschnationalen) Vvk Partei erschienen? Können w r einen solchen Ausfall leisten Herzens tragen? älnd bedeutet die vermehrte Wahlarbeit durch drei, statt bisher zwei Parteien nicht eine große Kraft-, Zeit- und Geldvergeudung? Glaubt man, es sei wirklich so unbedenklich, die Parteizersplitterung noch zu vermehren in dieser so furchtbar ernsten Zeit, die doch eigentlich eine einzige Predigt des „Seid einig, einig“ sein mühte?
Davon bin ich anderer Ansicht, und ich halte es nicht nur für mein Recht, sondern auch für meine Pflicht, ab^uraten von solcher Parteivermehrung, die die Stvhttaft der Rechtsparteien wider Sozialdemokratie und Demokratte schwächen muß, zu warnen davor, dah eine Derufsgruppe — und sei sie von so großer und gerade von meiner Partei anerkannter Bedeutung wie die Landwirtschaft — sich lediglich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten im politischen Leben
stein, und behaupteten, dah diese Demonstra« tionen auf österreichische Agitation jurud\ufübrcn ei. Es ist schon wiederholt der Versuch gemacht worden, eine durch Friedensverträge verfügte Angliederung des Burgenlandes an Oesterreich als lediglich im Interesse Deutschlands gelegen hinzustellen und auf diese Weise die Entente int Sinne einer Revision der auf das Burgenland bezüglichen Vertragsbestimmungen zu beeinslus- en. Die erwähnten Meldungen bilden nur ein weiteres Glied in der leider schon langen Kette propagandistischer Versuche, die im Interesse beider Staaten gelegene reibungslose Durchführung der Eingliederung bald durch Verbreitung falscher Meldungen unter der westungarischen Bevölkerung, bald durch eine irrige Unterrichtung deS Auslandes zu vereiteln. Die öffentliche Meinung Oesterreichs bekundete bisher diesem Treiben gegenüber Zurückhaltung, die ihren Ursprung offenkundig in dem Vertrauen auf das Fest- Halten der Alliierten an den Verträgen und in dem Wunsche nach möglichster Schonung der ungarischen Empfindlichkeiten hat. Man kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, daß es an der Zeit wäre, wenn von österreichischer Seite dieser Kampagne im Interesse der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten energischer entgegengetreten würde. Charakteristisch zurKenn- zeichnung der von Bedenken freien Methoden dieser Propaganda ist, daß Hornstein auf der von ungarischer Seite herausgegebenen ethnographischen Karte als rein ttoatisch bezeichnet wird. .
Ur. 16Z
Der tiefiener Anzeiger mit ber Dknstagsbeilage „Sp»rt«Umfd)aa- er. scheint täglich, außer Sonn, und Feiertags. Monatliche vtiuarpreise: Mark 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Fernjprech.Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Gießen.
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
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