Nr. H5
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Erstes Blatt
<71. Jahrgang
Zreilag, 20. Mai 1921
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ietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Dn»d und Derlay: vrühl'sch« Unw.-Vuch- und Sttinbruderei H. Langt. Sdjriftleitimg, 6ef*äftsfttllt und Bruderd: Schnlftratz« 7/
Deutschlands „Schuld" am Kriege.
Feststellung« von E. D. Morel.
Zstn Anrilheft der Zeitschrift „Foreinn AffairS" äußert sich deren öer<ni*qe6t’- E.D. Morel — brr im August 1914 aus dem englischen Ministerium austrat, weil er Englands Eintritt in den Kri"n nicht gut- beißen konnte — über die Anklagen gegen Deutschland und dessen Kriegsschuld folgendermaßen:
Darum muß die Legende von Deutschlands Verschwörung, ein ahnungsloses Eu- rova in den Krieg xu stürmen, von allen redlichen und weitblickenden (Meutern von neuem untersucht werden? Weil sic schon bei Kriegsausbruch unhaltbar war und seitdem durch Vef-nntnisse und Entbüllunaen geradezu läche-lich geworden ist. Weil wir u. a. jetzt wissen, daß das zaristische Rußland sich seit dem Frühjahr 1909 eifrig zum Kriege gerüstet hatte und daß von 1912 bis zum Frühjahr 1914 diese Rüstungen ungeheure Ausdehnung angenommen hatten. Weil wir jetzt wissen, daß die Ermordung des österreichischen Thronerben der Höhepunkt der Tätigkeit einer serbischen Militärcliaue war, die die serbische Regierung völlig in ihrer Hand batte, und deren Politik darauf binauslief, Oesterreich zum Kriege zu reizen. Weil wir jetzt wissen, daß der serbischen Regierung ibre auswärtige Politik von Petrograd auS diktiert wurde. Weil wir jetzt wissen, daß das zaristische Rußland im Februar vor Kriegsausbruch beschlossen hatte, die Frage der Meerengen gewaltsam zu lösen, und das bedeutete „Krieg". Weil wir jetzt wissen, daß der russische nnd französische Oseneral- stab sich unter Mitwirkung des Zaren feierlich verständigt hatten: eine allgemeine russische Mobilmachung sollte einer Kriegserklärung gleich gewertet werden. Weil wir jetzt wissen, daß die allgemeine russische P!obilmachnng zwei Tage vor der offenen Erklärung im geheimen im Gange war und daß französische amtliche Persönlichkeiten das wußten. Weil wir iefct wiften, daß der englische und französische 'Oseneralstab volle acht Jabre vor Kriegsausbruch emsiae, gemeinsame Vorbereitungen zum Krieg mit Deutschland w'trofsen hatten und die strategischen Pläne so lü^enlos waren, daß so gar die Vervflegungsstellen auf der Marsch route der englischen Truvven in Frankreich seststanden. Weil wir jetzt wissen, daß gleicher Weise die englische Admiralität gemeinsam mit der Frankreichs zum Kst-icg mit Deutsch land gerüstet hatte, und. daß der verstorbene Marineminister den König zweimal zu einem 1 plötzlichen Angriff aus die deutsche Flotte ohne . Kriegserklärung gedrängt hatte, und zwar in Verbindung mit einer Landung an der Küste Pommerns. Weil wir jetzt wissen, daß irr Avril vor Kriegsausbruch die Basis eines eng lisch-russischen Marincabkommens festoelegt war, und daß von diesem Zeitvunkt an russische und englische Marinesachvcrständige gemeinsame Pläne für Operationen gegen Deutschland in der Ostsee aufzustcllen begannen. Weil wir jetzt wissen, daß bis fast unmittelbar vor Kriegsausbruch Deutschland große Mengen betreibe an Frankreich und Rußland verkauft hat. daß bei-Kriegsausbruch die deutsche Flotte nicht konzentriert war, daß deutsche Armee- unb Marineoffiziere in hoher Stellung bis wenige Tage vor Hereinbruch des Unheils au> Urlaub waren.
Srotzer Tag in der französischen Kammer.
Paris, 19. Mar WB? Kammer. Unter großem Andrang des Publikums Und vor für! besetztem .räufe bat hmtc nachnr ttag in der Kam mer die Beratung ter vorliegenden Jnterpel- ta tihnen über die auswärtige Pvliti. der Regierung begonnen.
Ms erster Interpellant ergrift'das Dort Der Wa Andre Tardieu Er sagte, er habe vor ter Wreise des Mi Cerp. ä venten nab. bauten _tr Frage an ihn geridvet, ob er mü den Verbündeten verbandeln trolle, damit he lürenLn'e Au.- fü-brung ter Klausel 'des Friedensvertrages gefordert werde, unb damit b:e Zahlunc
ferner Schuld ausgezwungen werde, bamu es inu Zwangsmaßnahmen tedroht werde, tm Falle cs jid) weigere oder im Falle es forrnhre. eie P>- litik des Feilschens zu terra Man mune bi Alliierten auf ihre llnieilcbn ten . ttunxi en, da fei bie an irre Grundlage für neunte urb normale Beziehung. Mrnsterpra id nr Zrrand . a:e itd) geweigert, eine Dntvorr zu geoen. -t: agniife bitten für ihn ' v Antwort erteilt- 2m 1. ^ar Täte Deutschland die r-cringte 1 Militari Goldmari bezahlt, und nun tete jitan bte ratteren* tefr 4-2 Milliarden zur großen »tulb Silagen Keine Sankrisn sei ergrv en werten ote Verhandlungen mir den Verbündeten an.'.- trefre, so hätte sie als Prolog euie lebneriW Kundgebung erzeugt, d'.e eine i elf ante Vcr feimimg fr<r,s:i'i'"<f'cr meali äten berxi e, dtt au' die Schwäche r frangojischen Regte-
tUTtfl -urültzu führen fei bei ter Verteidigung deS Interessen des Landes. (Beifall und Widerspruch.) Tre Regierung habe üne Berpsli-chtungen nicht ausgeiührt. S4e sei nicht xur Grundlage teS Versailler rrrredensvectrageS prrückge^h.t Le Abg. Louis Dubois habe die Schade.c FvankverchS 1919 aus 200 Milliarden Franten geschätzt. Die Wschätzung von Oktober 1920 sei durch Millerand und Lvuchsur erfolgt und hätte den Betrag von 232 Milliarden Pap.er'ftanten ergeben. Augenlnrr- loch müsse man 214 Milliarden Papiers nm iicn in Goldmark umrachnen. Man Haie es also mit einem Betrage von 136 Milliarde i Goldmark zu tun. Tiefe Summe habe die französische Regierung Et ihrem Memorandum von der Revorarronslom- m ssion Verl ngt. Ti? Reg erung Bri nds (ab der Kanuner als Betrag ter sra-i-ösuchen Schaden 210 ÄdÄliarden Gold mark angegeben. 23v könne also die Reparationsvommis.f.m den Gefamt- betrag ter alliierten Mäckfte auf 132 Milliarden OJöIbm<rrt al-schätzen? Tee Franzosen würden 25 Prozent dieser Summe zu sor- tent haben. Sie werten eben nur 68 'Milliarden Gold mark erzielen. Nach seiner Ansicht habe also Frankreich einen Verlust von 50 Prozent zu verzeichnen. Txrrtecu fragt nach Instruktionen, die den svanzösisäicn Delegierten bei ter Repa rat i onS- kommission erteilt worden feien. Man solleihm nicht er^vidern, die Kommission sei autonom und unabhängig. Briand selbst habe sie eine Konferenz ad referenbrnn genannt Wenn das nicht bedeute, daß die Rcparationskom- mifsion von den Negierungen ahhinge, dann verstehe er nicht mehr franzöäsch Die Reparations- kommissivn habe sich nach London begeben müssen, um dort das Abkommen, das beschlossen war, an- z unehmen. Während die Regierung Briauds beitätigt habe, daß infolge der deutschen Weigerung das Pariser Ab kommen anzunehmen, man zu den Versailler Vertrag Kurückgekehrt sei. Hütte die englische Regierung behauptet, das Wkommen von Paris allein bestehe- Infolgedessen habe die Re- narationskommission die Ziffern der alliierten Forderungen h-vabsetz-m müssen, damit sie ungefähr den Ziffern des Pariser Abkommens gleichkomme. Erst nach Feilschen sei die Reparationskommission v.t ter Summe von 132 Milliarden gekommen. Weil sich die französische Regierung an das Abkommen von Paris gebunden glaubt, deshalb habe sie diese Ziffern angenommen. Tardieu fragt, ob deshalb die Kammer der Regierung das Vertrauen ausgesprochen habe, um diese verkrüppelten Ziffern annehmen zu müssen. Der Abg^.ordnete spricht alsdann von verschiedenen Verfehlungen Deutschlands. Briand habe ausdrücklich ■rfiärt, wenn Deutschland am 1. Mai nicht zwölf Milliarden gezahlt habe, dann werte es eine starke .Hand am Halskragen fassen. Deutschkmd habe nicht b^ahlt. Man habe sich mit Versprechungen zuftie- bcit gegeben. Die französische Regierung habe er- llärt, wenn Deutschland im Verzug sei, werte sofort das Ruhrgebiet besetzt werten. Man habe ater nichts getan und immer wieder neue Konferenzen abgehalten. Er habe also Bedenken für die Zukunft. Zctzt laste man durch Zeitungen verkünden, die Sanktionen würden automatisch in Tätigkeit treten, wenn Deutschland seinen Verpflichtungen nicht Nachkomme. Er befürchte aber stark, daß man in diesem Falle nur immer wieder zu neuen Konferenzen komme. (Beifall.) Das sei eine Verletzung des Friedensvertrages, ein Nichtersüllen ter im Parlament gegebenen Verfpreck>en. Wenn man im Namen Frankreichs gewisse Worte ausspreche, barm müsse man hanteln, wie man gesprochen habe.Wenn man aber sein Versprechen nicht halte, vermindere man bie Autorität Frankreichs. Clemenceau habe sich nicht vor den Vorschlägen Lloyd Georges gebeugt. Er bedauere feststellen zu müssen, baß Lloyd George einzelne .Klauseln des Friedens- vertvages, namentlich aber die, die die Palm be- träsen.bekämvft.Die Rete Lloyd Georges sei um so üterraschenter.weil Llovd George seit 16 Monaten nichts anderes tue, als die Revision des Frie^ms- vertrages.ter seine Unterschrift trage, ui ver anlasten und zwar immer zum Schaden Frank.eichs. 93ä>eT im Kriege noch im Frieden könne das englische und das ftanzö ische Volk sich tone:runter trennet. Die hättet einen Vertrag imteneicfmet, bet sie trintet Tie Politik ter fortgeetzten Konzessionen lwbe in England gefährliche. Illusionen hervor- aerusen. Sie sei zum größten Teil aus die Schwäche ter jetzigen Regierung vrruckzuführen. Tardieu schießt, intern er das Mi:n-?erium Brr- an.ds kritisiert, weil es die Verstümmelung der französtichn Forderungen aneLwmmen habe und weil es nicht gelungen sei, bie Beziehungen zwischen Frankreich und England zu rerteffern und schließlich, weil es die IahresLasie 1919 unter d e Fahnen gerufen habe, ohne zu den Zwangsmaßnahmen zu gre.wn. für bie man die Mannschaft mobilisiert habe. Tie Ersahrtmg be- wei'e, daß man den ftantzösischen Standounki aus- recherhalten könne, ohne sich mit England zu ent* weien.
Ter Abgeordnete Baudry D'A.isvn er- zrift nach kurzer Unterbrechung ter Sitzung jn--- -iweiter Znterpellant das Dorr Der Äbgeordr.ese Forgeat habe bewiesen, daß bas Ate Ämmen ton Paris bie fran-^öfischen Forderungen x'rfhlnnnc.'t bäte. Hinsichtlich ter Londoner Äon serenZ ist ter Abgeordnete der gleichen Ansicht .nie Libre Tarüieu.
Briand rerps' iträe sich vor ter Kammer und dem Senat, sofort Sanktionen zu ergreifen, um das Ruhrgebiet zu b’ie&cn. wenn am 1. Mai Deutschland sein? Bervflicbwngen nicht erntet bäte Der 1. Mai hätte das Z'el, nicht der Beginn ter Aus- sorderung an Deutschland sein müssen, Lloyd (vrorge aber habe ein neues Ultimatum verlangt. Briatch habe die Tad'ache angenommen. Das Abkommen von London fei für Deutschland günstiger als alle üo-angegangenen. Der R^mcr sagte, Briand habe chcht- anderes als Papier jn äänbok
DaS, Wort „Mobilisteruno der Schuld" auSzu- sprrchen, sei eine vollständige Verkennung seiner Bedeutung, wenn man kein Pfand in Händen habe. Der Redner wendet fitb gegen Lloyd George, der kein Hüter ter Gerechtigkeit sei. Seit zwft Jahren wolle er Polen dem Martyrium der Bolschewisten ausliefern. iBei- sall.XBriand hätte mit Belgien daS Ruhk gebiet b e f.e tz e n müssen, trotzdem sich England dem entgegengestellt habe. Die internationale Finanz und nicht England fei gegen die Besetzuiw des Ruhrgebietes. T« Rotue.diglii. ter Br-jetzung dieses Gebietes sei erwiesen Er sei scst davon überzeugt, daß er damit die Gefühle von 90 Prozent der franzöfischen Ration ausgesprochen habe. Der Zteoner sagte zum Schlüsse, man würde ein nationales Verbrecher! begehen, wenn man dias Abkommen von London gut beißen würde. Oberschlesicn nannte er notwendig für Deutschland, damit eS wieder KriegS- matenal Herstellen könne.
Ter Abg. Bargaine ergeht sich zuerst in Betrachtungen über den Weay'ellurs uuD prüft die Frage der Deutschland auserleg>en Annuitäten. Er erinnert davon, datz EngIand den Kohlenpreis zu einer Zeit erhöht habe, zu der es ganz Europa an Kohleri gefehlt habe Es habe den Zvohlenpreis herabsetze,i müssen, weil Md! len in Mengen vorhanden gewesen seien. Deshalb in Llo y d George für die augenblickliche Krise verantwortlich Rach An'icht des Redners habe sich Deutschland bemüht, die innere Lage Polens zu verschärfen. Seil 600 Jahren weigerten sich bte Polen f i Oberschlesien oeuheb zu bleibens!). Tie Abstimmung hab.' den Polen günstigere Resultate gegeben, als Lloyd George behauptet habe. Wenn Teutschand verzweifelte Anstrengungen mache, um Olerschlesien zu behalten, so tue es das, well das Gebiet für Deutschland einen befestigten Platz im doppelten Sinne des Wortes, im militärischen und industriellen, darstelle. Der Abgeordnete versuchte seine Behauptungen über die industrielle Stärke deS polnischen Oberschlesiens durch Statistiken zu erhärten, und erklärte, Deutschland wolle dieses Gebiet in den Dienst seines Heeres stellen. Zum Schluß sprach ei bie Hoffnung aus, baß bie Bereinigten Staate n mit ben Alliierten zusammen- arbeiten würden, um dne neue Gemeinschaft der Böller aufzurichten.
Hierauf wird gegen 7 Uhr die weitere Diskussion auf morgen nachmittag 3 Uhr vertagt.
Eine englische Anfrage an Frankreich.
Paris, 19. Mai. (WTB) Ter „Temps" bestätigt in einer offiziös beeinflussten 9b)te, daß schon Be rhandlungen stattgefunden haben .über bie Frage, wie si ch Frankreich gegenüber einem Einmarsch deutscher Truppenstn Oberschlesien verhalten würde. Und zwar lellt das Blatt mit, baß sowohl Lord Cuitzon mit dem ftanzöfischen Botschafter in London als auch ter britische Geschäftsträger mit ter französischen Regierung Be» sprechungen hierüber gehabt habe. Tie englische ^Regierung wünsche, daß sobald wie möglich eine Ko n ferenz des Obersten Rates über bie vberschle fische Frage stattfinde. Tie ftanzösische Regierung könne sich jedoch hierüber erst nach Beerdigung ter parlamentarischen Verhandlungen ausspreckien und auf das englische Er luchm vor Montag Seine Antwort gchen. Zn zwischen habe die englische Regierung wiften nrollai, pb Frankreich eme Bese tzung dec Ruhrgebietes ins Lluge fasse. Ein derartiges irontan von Frankreich aus geführtes Vorgehen werte in London Einwendungen her vor rufen. Die französische Regierung ihrerseits habe aber schon jetzt bestätigen können, baß sie das nicht beabsichtige, wenn kein Ereignis ein- tritt, das die Beetzung des Ruhrgebietes er* fortere. Man glaube zwar in Paris nicht, daß sich ein derartiges Ereignis in Cbendtfefien voll-- zieten werte, aber man könne nicht cb oTut garan- tieren, baß es sich nicht doch ereignen werde, denn das hänge ja nicht von Frankreich ab. 3m übrigen bemerk man in Paris, daß die Lage Der polnischen Regierung im Vergleich zu ter der deutschen RegieruTig eine ganz andere sei. Tie polnische Regierung habe ihre Grenzen gestärkt und die Auft'TÖndiscten Korfanrys handelten außerhalb des ihrer LberHoheit unterstebenden Gebietes Aber deutsche Banden, die in Cba> sclLesiei einfallen, organisierten und bewaffneten sich auf einem Gebiet, das ter deutschen Regierung unterstehe. Wenn man allo den Frieden Herstellen wolle, müsse man in Berlin Vorgehen und auf bie Gefahr btnnri’en, benm sich Deutschland ausfetze. wenn es nicht bie Kriegs- Vorbereitungen unterbreche, die sich in Deutschland vollziehen.
Der Aufstand in Gderschleflen.
Opveln, 19. Mai. kWTB.) Im Kreise K r e u z b u r g ist bie Lage wesentllch unverändert. Die 3m'urgenten drangen nachts ut> ter Maschinengewehr- unb Minen feuer gegen die Brücke bei Areuzenort vor. Nachdem bei Angriff gescheitert war, versuchten dio Aufttändischen noch, die Brücke in die Luft zu sprengen, aber auch der Sprengungsver'uch mißlang. Tie polnischen Insurgenten oeriuch- ten ebenfalls erfolglos bei Kobelw.tz auf dem linken Lderufer festen Fuß zu fassen, örtern Schießereien werden aus Rogau und Mechnttz gemeldet. Aus beirt Kreise Beuthen wird mitgeteill, daß die Insurgenten Etlenbcchn- waggons mit polnischen Bezeichnungen uver- malen, polnische Lummerschüder lür Krcurwa-
gen ausgeben. In Kattowitz wurde die Laa« sehr bedrohlich. MoraenS stellte eine polnisch« Abordnung an ben Magistrat bie Forderung auf Uebcrgobc der Stadl. Tie Forderung wurde abaelehnt. Die Stimmung der Bevölko rung in Kattowitz ist sehr erregt.
Sin Erlaß des Kürstbtschoss Bertram.
BreSlau, 19. Mai. (Wolfs) Die „Schlesische Volkszeitung" veröffentlich» eineit Erlaß des Fürstbischofs Bertram für daS besetzte oberschlesische Diözesangebiet, in ben/ die Geistlichen aufgeforbert werden, in ben besetzten Gemeinden, in denen der Gottesdienst und die Seelsorge teilweise oder ganz aufgehört haben, Aushilfe zu leisten. Sie sollten dabei b e* ruhigend auf die Bevöllerung einwirken und besonders auf das Verbrecherische der Awgriffe auf Leben und Habe der Mitmenschen mit allein Freimut unb Nachdruck Hinweisen. Es wird ferner darauf hingewiesen, daß sich die Geistlichen jedweden P o l i t i f i e r e n S in der Kirche und bei der Seelsorge zu enthalten unb in der Ausübung politischer Rechte ein würdiges Maß einhalten sollen. Außerdem wird not1 verhetzender und verleumderischer Agitation oemnrnl.
Bevorstehende Abberufung de» Generals Le Rond?
^er^irt. 20. Mai. (Privattel > .Wie der „Berli-er Lokalanz." aus Ovtoln mrfbet. bringen bie „Oppelner Nachrichten" folgende Meldung: Es tritt immer stärker bie Annahme auf, baß durch bie letzten Borgänae die Stellung Le Rands unhaltbar ist und daß feine Abberufung» bevorsteht.
Eine polnische Rote an Amerika.
Washington, 19. Mai. (Reuter.) In einer Rote an dieVereinigtenStaa- ten erklärt die polnische Regierung, daß die Plebiszi kammission dadurch, daß sie die Entscheidrmg 2 Monate lang in der Schwebe hielt, mit den hochgesvannten Gefühlen der Bevölkerung spielte. Der Aufschub scheine das Gerücht zu bestätigen, baß bie Entscheidung nicht in Uebereinstimmung mit dem Ergebnis der Abstimmung getroffen werde, sondern auf politische Kombinationen und die Iw- teressen der in der Plebiszitkommission und dem Obersten Rat vertretenen Mächte gegründet sein würde, ftn Anbetracht der im Volle verbreiteten Auffassung sei es nicht überraschend, daß die schlesischen Polen zu den Waffen gegriffen hätten.
Verhaftung von Mitgliedern der italienischen Militärmifsion in Wien.
Berlin, 20. Mai sDrivattll. Der „Berl. Lokalanz." meldet au8 Lugano: G pen den Dov> sitzenden bet italienischen Militärmi, um in Wien, General Se g re, und 13 HSHir Offeriert wurde nach einer vom obersten Gerichtshof auf Befehl hfd ftzri^gsMinisters Dorgmommrnrn Untersuchung Haftbefehl erla sen. 2aut „Nuovv Giornale" werten ben Offttimen schwere Berfehllmgen ftrum- zicller Art yir Last gelegt.
(Ein öemofratifdjer Protest gegen Dr. Strecker.
Die lrnks-deuwkvatifche ,^etL Morgenpost "schreibt:
„Reinbard Sfrecker, ter Präsident des Londesamtes für bas Bil bungewesen m Torrn stndt, bmter welctem langen Namen sich tes Hes isto KultuS- mnnfterium verli gl, üterfenbet u's durch Eü- boten in einem a m tlichen Bi'Umschlag mit tem Arnlssieget und ben Dieftt-a f-i em« Arftkel ,7Lm Ronde des Abgrundes", in oem er sich für btt Unterzeichnung be; Ultimatum» aus spricht Auch bas MaTmskrivl Ist vf cn i tlich im Landesamr aap amtlichem Papier et Der großen Schreibmofchinenschrifl cb^aßt, bv jfber au5 dem SchrifTwechfel mit ter. Behörden tarnt Dir haben sachlich gevri den Art'5ck gar nichts emzuwenden, aber gleidxrM* fei "bte -mage pe- ftattet, wer Für bie Kosten dieser lltevan'schc» Tätigkeit auffommt Mr fier Streuer hat natürlich das Reckt wie jeter Staatsbürger, eine Ansichten überall M entwickeln. Aber baß er lern Amt rn ben Ttensr b-.eer Wft tersönlihen Betätigung Helft, nru7, texb Setenten erregen. Einmal wäre jebem ante ei Mi. i er, te sen Anschauungen uni rtebt yo grollen, recht, was Herrn Strecket billig ist, unb dann ist du Sacht auch recht kostspielig, 'wenn sie so im großen betrieb« wjA wie hier. Nur an Porto hat ter Brief 2,10 Mk. gefonrt unb dazu kommen noch die Malerial- toihm. Dars ein Minister in Hessen w vev- 'ckpvenderisch mit amtlichen Geldern umgeben? Auch will es unZ ganz und gar nicht gefallen- daß persönliche Jlnsichten mit tem ÄmtS- i'iegel verschickt werden, denn von weniger auf» "-nffamen Lesern können >'te baroi leicht als amtlich? 2leußerungen auf gefaßt werten, was ne aber nicht sind. Herr Strecker täte daher gut, auf diese Neuheit recht schnell zu verzichten."
In ter Zuschrift, mit bet uns Der Fall mit gexät wird, ist roch die Frage geirellt, ob bet gleichlautende Artikel Tr. Streckers in ter, „Frank- Turter Zeitung" auf bemtechen Wege tabnueTt und terianbt worden fei. Hoffentlich Dm: Minister Strecker dafür das Honorar ter Dim Settioifl" äs die SiOAiStan^


