Ausgabe 
19.12.1921
 
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Montag, 19. Vezemdrr 1921

Siehener Anzeiger (General Anzeiger für Gberheffen)

Zweites BlaN

Nr. 297

sich aiebann aut morgen

152

18 Dezember 1921,

153 Sitzung vom

Ueberkhung.

(Lachdruck verboten.) Kapitel.

nommen

DaS Hous vertagt vormittags 12,15 U&r.

Schiutz 12 Uhr

Spuren Im Schnee

Roman von Sven Elve stad.

Ermächtigte

16. Fortsetzung.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 17. Dezenwer. nachnnttags 12 Uhr

ja ein Freund des HauleS Ich wäre Ihnen fcfrr verbunden, wenn Sie sich der Frau annehmm wollten. Ich "bin hier nur als Rechtsvertreter und habe keine Zeit zum Trösten."

'Stabrenb die beiden Männer noch vor der Dür der Apotheke sianden. tagte der Kapitän:

.Man hört drinnen Stimmen"

.Das wird der Arzt sein." meint« der Vogl

.Gr wohnt ja in der Aäfre."

.Ach so. der junge Arzt, Doktor Flodins Rachfo'.ger Meinen Sie den?"

_3a, den meine ich."

Die beiden Herren standen immer noch vor der Apotheke

,'Sanim treten Sc« nicht ein?" fragte der Vogt .Sie zittern. Herr Kapitän. Frieren ©ie* Knöpfen Sie doch Ihren Pelz zu"

.Rein, ich friere nicht." antwortete der Ka pitLn. .Ich betrachte mir nur die Fenster der

Neunte«, - - -

2lS der Kapitän der Apot!)ekc anf,chttg wurde, bemerkte er, datz dort die Fenster er­leuchtet waren. Ron der entgegengefeylen Seite kam in eiliger Fahrt etn Magen Zxibcr. er war noch weit entfernt, aber der Kapitän konnte doch deutlich daS Räderrollen und Ben Hufschlag auf

flriroc# die den Frauen die Schof^enfählflörtt zueriennl. in kürzerer Frist erledigt unrb. Der Au »schütz bat im übrigen m dem Okr>cr i^egerich'.s- grien eine g rotze Anzahl von Aenderungen not* genommen De AuS'ch^.N wtll die Beruf ungs» Terrze auf 5000 Mark festkven Sin Antrag

eusch «As. die Zu st änd,g5ett »grenze auf 10 000 Mark festzutenen. wird angenommen Im übrigen wird d,e Au»'chutzfallung genehmigt, cbenfo die Sntfcbbc^ung Auch die dritte Lriung eriolgt ohne Debatte. Zu dem Anträge zur Untersuchung der Zustände in der

Strafanstalt Vichtcudurg

beantragt der Aueschuitz. da st da» Haue Sengtnii

st er», da st sofort eine ctngehendc Prüfung er* folgen soll, und erwartet Durchführung und Be» rrchlerstattung über da» Ergebnis hick. Prüfung

Adg Rosenfeld (U ) begründet em en An­trag der Linksparteien, der Reichstag möge die ^averttchc Regteruna ersuchen, eine Untersuchung der Verhältnisse in der Rtederschönrielder Srrab anstalt zu gestatten

Die weitere Erörterung des Antrag« tühri zu stürmischen Szenen Adg Kolenfeld wird mögen der Morte .Lugen,zentrale" und .baveritche Schandregierung" zweimal gut Ord­nung gerufen

Schliestlich wird der Auslchustdntrag ange« nommen uird der Antrag der Linksparteien abge­lebt

Der Entwurf über die Erhöhung der Teue­rungszulagen für die Reichstagsmitglieder wird gegen die Stimmen der Deurfchnattonalen ange-

I Mährend sich der Bogt sogleich in da« Nein« I 71 ebenjimmer begab, blieb der Kapitän an der Gingangitür stehen, nachdem er sie langsam ge­schlossen hatte.

Er sah sich zögernd rund um, und in seinen Augen lag ein« sonderbare Angst, als ob er sich vor allem fürchte, was er hier zu sehen bekommen könnte, ja al» ob jeder bekannte Gegenstand ihm

ob es angebracht war. dast das Reichsar- beitsmir. jsterium von Berlin aus in die Verhandlungen eingriff, statt s,e durch di« mit den Derhältnrssen brifer vertrauten örtlichen bzw hessischen Instanzen führen zu lassen. «As ist ferner mehr als trag'.ich, ob es zweckmässig war gerade den Präsidenten Raab, der doch daneben auch sozialistischer Abgeordneter, alk Partei ist. mit den Besprechungen zu betrauen Bor allem aber wird man sich genug erneut dar» über verwundern müssen, wie wen»g Desonnenheil und Einsicht auch beute noch tn Arbeiterfrei kn schwerwiegendste *ndd>lülk zeitigt S» bat sich tn Beispiel dafür rft vorstehend genannt im Solle der Drude Rotzbach wohl gezeigt, dast es auch begonnene Slemente tn der Arbeiterschaft jenug gibt, aber diek werden und gerade in >er ganzen Möllers Henner Angelegenheit ist dies, wte uns aut das Arilumnlefte versichert wurde, wieder recht auffällig in Erscheinung ge­treten - von urteilslosen Radikalen zum Scha­len ihrer selbst und ihrer Arb«ü»foliegen in an­deren Betrieben in durchaus unnötige Ausstände dineingezogen Man must wünschen und frohen, dast auch in Arbeilerkveifen mehr als bisher er­kannt wird, wie schwerwiegend ^rtfchlüsse zum Au«ftanbc sind, da sie meistens nicht nur die Arbeitgeber sondern auch di« Arbeitnehmer schä­digen, und bah es also unbedingt notwendig ist, erst alle Möglichseiten zur Bcrfianbigung zu er- schöpfen. ehe man sich zum Streik entschliefst.

Ter (Gesetzentwurf betr Mochenhilk und Dochensurforge wird mit einet; Aenderung. wo­nach das Stillgeld mindestens 4,50 Mart statt 3 00 Mart betragen Hin, in dritter Lesung an­genommen. 1

Es folgt die zweite Lefung eines Gesetz- cntwurfes über di« Steuerp'licht der x-julage.i und Abfindungen im UntaUveriicherungswefen

Abfl Karsten (USP) Der Entwurf der Regierung zeigt, dast vom Reictzsarbeitsmlniste- rhim eine vernünftigere Form der sozialpolitischen Gesetzgebung nicht zu erwanen ist. öinc -Ver­sicherung der Arbeitskraft sei ebenso notwenig wie di« Versicherung de» Viehes Mir bean­tragen di« Prüfung der Bedürittgkeit zu streichen

Reichsarbettsrntnister Braun bittet, an den Beschlüssen deö Ausschuss«« festzuhalten

Tie Abänderung der Anträge wird abgelehnt

Tie Borlage wird in der Safung des Au«- schusse» auch in dritter Lotung angenommen.

SS folgt die dritte Lesung eines Gesetzent­würfe« betreffend die öffentliche Bekannt­machung von

lernet «Hungen wegen Preistreiberei, Schleichhandels verbotener AuS- fuhr lebenswichtiger Gegenstände und uazu- lässigen Handels , ,

Abfl. Kleinath (Dem.) beantragt Au«- schustberatung

Rrichsiustizminifter Dr Radbruch erklärt, die Ausschustderatung würde die Verabschiedung de» Gesetzes noch lange hinausschieben und weite Kreise verlangten «in beschleunigtes Eingreifen

7lach unerheblicher weiterer Debatte wird her Entwurf dem Aas schütz für Bolkswirtschaft überwiefen.

Dec Gesetzentwurf über den Berkehr mit auslä ndischen Zahlungsmitteln wird an den VolkswirtschaftsauSschust zurückverwiesen.

S« folgt die zweite Beratung eines Gesetz­entwurfes zur Erweiterung de»

Anwendungsgebietes der Geldstrafe und zur Einschränkung der kurzen Freiheits­strafen.

Ter Ausschuh bat die Vorlage mit einigen Aendcrungen angenommen. Unter anderem kann danach bei Vergehen, wegen der eine Strafe von drei Monaten Gefängnis (Vorlage 1 Monat) verhängt ist. dies« Strafe in eine Geldstrafe um- gewandelt werden. Der der Verhängung einer Geldstrafe soll der Staatsanwalt nur gehört werden

Abg. Tr. Herzfeld (Komm > empfiehlt einen Antrag, die Bestimmungen über d,e Ver­hängung der Geldstrafe durch da« Reich zu re­geln, und nicht den Ländern zu überlassen.

Iustizminister Radbruch: Die Tendenz deS Entwurfes geht dahin, die Freiheitsstrafen unter 3 Monaten überhaupt zu beseitigen. Der Richter muf? aber zunächst von Fall zu Fall freie Hand behalten Der Reichstag soll über dielen Ge­danken befinden, die Länder werden sich seinen Wünschen anpa's<-n Von den Organisationen er­warten wir. dast sie nicht einseitig und mit einem

der bart gefrorenen Straste frören

Der Kapitän und der Wager, gelangten zu gleicher <Jeil vor der Apotheke an. Als der JUann. der im Wagen fast, ausstieg und die Zügel dem Pferdesungen zuwarf, erkannte ihn der Kapitän E« war der Vvqt

Denn vielleicht die ernsten und ungewöhn» sichen Ereignisse dem Kapitän bi« letzt immer noch nicht vollkommen zum Bewutzttein gekommen waren, so bekam er jedenfalls ;«tz! durch die un- heimliche Stimmung, die die Polizei überall um­gibt, einen klaren Begriff davon, dast er plötzlich Mitspieler in einem Drama geworden war

Der Vogt erkannte und grüfrte ihn.

/Ab. Sie find es. Herr Kapitän 7- sagte er iDas ist schön. dast Sie 6>m:nen

Der Kapitän bl'-eb hoi dem Vogt stehen Troy der Kalte war ihm von dem raschen Gang fo warm geworden, dast er kinen Pelz auftnöp'en mu^te. Er keuchte

Darum ist e» schon, dast ich frier bin " fragte gx. Ich "bin aus dem Sch la- geweckt worden " "Wenn der 2U>otfreier wirklich ermordet w?r- den "ist. so herrscht setzt im Haufe Trauer und Verzweiflung, erwiderte der Vogt. »Sie sind

ten an seinem Ohr vorbei, ohne «inen Eindruck auf fein Bewusttfetn zu machen Seine Augen fuhren fort, forschend da» Innere der Apotheke zu durchsuchen Und da war es immer wieder, al» ob ihn eine Angst überfiele, wie feine Blicke den bekannten Gegenständen begegneten Da war der Rezeptiertisch. hinter dem noch gestern abend der Apotheker gestanden und sich mit feinen Re­zepten zu fchaffen gemacht hatte. Hier lag ein umgeworfenei Stuhl und dort ein zweiter Diel« umgetnerfenen Stuhle, da» Schluchzen und die bangen Stimmen aus dem Rebenzimmer in dieser späten Rachtstunde erzeugten die grauenhafte Stimmung eine» Trauerfraufes Etn Skandgtas war vrm einem her Gestelle gefallen, und über den Fußboden fratte sich eine rotbraune Flüssig­keit gegosten. bei deren 2lnblick man unwillkürlich an Blut denken mutzte. Das leise Singen der Gasflammen klang wie ein unaufhörliche», unver­ständliche» Flüstern und Raunen Hell fiei das Licht auf di« Fenster und zeigte deutlich alle Astknorren und die eisernen Beschläge der Höl­ze men Läden Aber durch da« eine Fenster, zwi­schen dellen Läden ein Spalt klaffte, starrte di« Finsternis herein. Mieder und immer wtedei. und fedeSmal neu Don entsetzlichem Grauen ge­schüttelt. blickte der Äafritän auf die dunkle Deh­nung Durch biries Fenster mutzte der Mörder herein- und nach der Tat wieder frinautgeftle­gen sein Die dunkle Megfpur, die der Mörder jn birierr. Fenster hinter fich zurückgelassen hatte setzte (ich weiter fort in« Geheimnisvolle und Unergründliche Der Kapitun zitterte am gan­zen Leide, es war ihm, als dränge fich bte Fin­sternis gleich einem Mitidhauch durch die Deh­nung Herrin und erfüllte den ganzen Raum mit Kälte.

(Fortsetzung folgt)

Apotheke" ** _____

.Darum denn? Da« ist Merkwürdige» daran zu fefren?

.Richt« Tie Laden smd überall Vorgelege Aber kfren Sie doch den Lichtschein dort an dem Fenster links. Herr Bogt' Da» Licht bongt t>on innen heraus, biekr Laden 11 nicht frii ge- (r<fen - _

Richtig." sagte der Bogt verwundert _Ss ficht' aus. als cb das Fenster geöffnet worden

Die beiden traten jetzt in die Apotheke rin: der Vogt ging voran, ifrm folgte der Kapitan Tic Gaslichter in der Apvthekc waren an- gründet Tie Tür zum Apothekerstübchen stand offen, und drinnen bewegten fich Menschen. An dem «men Türpfosten lehnte die weinende Haus- frau; tiefer drinnen war der ilmrifr eine» Mannes I tu sehen, der fich über eine menschliche Ge- | stall beugte.

Entsetzen einjagte. Zuerst sucht« sein Blta den unverschlossenen Fensterladen. Er fafr, tah d e Schraubr. mit der er am Fensterrahmen befestigt sein sollte, auf den Boden gefallen war Das Fenster selbst ,edvch fafr fest im seinem Rahmen Doran dachte der Kapitän in friefem Augenblick', Sein Blick Blieb lange an dem Fenstersims haften, als verfolge er die Bewegungen eines Manschen. der heimlich und voriichtig über btc Fersterbank flieg Dann glitt lein Blick weiter bem kleinen Rimmer ju. au« dem Stimmen drangen, vermischt mit Schluchzen Der Arzt di« Frau de» Ermordeten und der Vogl bewegten fich b rinn en. Der Kapitän sah sie alle drei, wie sie ab und zu an der Türöffnung oorbciQlitten, und fröne ihre Stimmen Aber es war trotzdem, als folge er mit den Augen auch frier einem vierten, unsichtbaren Menschen Er durchlebte etwas in der Erinnerung, und biete Erinnerung dünkte ihm so lonbcrbar und entsetzlich, datz er allein mit ihr fein mutte. Deshalb olieb er Peden, wo er stand. Seine Augen backten geistes­abwesend in weite Ferne, gerade wie in jenem Augenblick, da er von Maria geweck; wurde Abe» wie er fo blatz und ergriffen dastand. It-irtc feine Zurückhaltung gut für eine gewisse Scheu gelten, sich Menschen auszudrängen, denen der Tod fo plötzlich und so graianr nafrcflefreien i war Er fronte alle», was drinnen in dem 1 Stübchen gesprochen wurde, aber free Sorte flO 1

vormittag« 1 2V* U fr r

Die nachgesuchte Genebintgung zur Straf­verfolgung der Abflfl Reich «Komm.) und Brodaus (Dem.) wird nicht erteilt.

Die dritte Lesung des Rachlragsetats wird ohne Aussprache erledigt.

6« folgt die

dritte Lesung des Postgebuhrengesetzes.

Die neuen Postgebühren betragen im Reich«' für Postkarten im Ortsverkehr 75 Pf. im Fern­verkehr 1.25 Mk. Briefe im Ortsverkehr bis 20 Gramm 1,25 Mk.. über 20 bis 250 Gramm 2 Mk. im Fernverkehr bis 20 Gramm 2 Mk.. über 20 bis 100 Gramm 3 Mk.. über 100 bl« 250 Gramm 4 Mk . für die Drucksachen karte 40 Pf.^ für Drucksachen bis 50 Gramm 50 Ps. 50 bi« 100 Gramm 1 TUT. KXJ bi« 2CO Gramm 2 IRL, 250 ttS 500 Gromm 3 Mk. 500 Gramm bi« 1 Kg 4 Mk: für die Ansichtskarte mit fünf Grutzworien 40 Pf. Geschäftspapiere bi« 250 Gramm 2 TU.; Darenprobeu bi« 250 Gramm ebenfalls 2 Mk.: Päckchen bis 1 Kg 4 ML: Paketgebuhr bis 5 Kg. für di« Rafrzone (bis 75 Km.) 6 Mk. für die Fernzone (über 75 Äm.) 9 ML: Zeitungspakcte bis 5 Kg. tn der Rah- zvne 3 Mk Die Iritungsgebühren betragen für eine Zeitungsnummtr im Durchschnittsgewicht bis zu 20 Gramm 2 Pf., die Telegrammgebühr 1 Mk für jedes Dort, die Postscheckgeb>ihren für Be­träge bis zu 100 Mk 75 Pf

Minister Giesberts tritt für seine Be­amten gegen den Vorwurf etn, datz nicht ge­nügend gearbeitet werde.

Das Gesetz wird sodann gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der Demokraten und der äutzersten Linken angenommen, ebenso bk Aende- runfl de» Postscheckgesetzes und der Telegraphen. gebühren: desgleichen wird das Diätengesetz für die Mitglieder de» Reichstages in dritter Lesung gegen bie Stimmen der Deutschnationalen an* genommen.

Die nächste Sitzung soll spätestens am 19 3a» nuar ]922 erfolgen

Schlutz gegen l1/* Uhr

Schlichtungsausschus; der Provinz Lberhcsien.

Sitzung vorn 13. Dezember 1921

Der Einspruch eines Posthelfers be» Post» amte« Gietzen gegen Kündigung wurde für zur Zeit unzulässig erfind, weil der nach § 84 des Detriebsrätegesetze« rechtzeitig anaerusene Be­triebsrat vor der Anrufung de» Schlichtungsaus- fckmsfeS noch nicht ordnungSgemätz, d fr in förm­licher Sitzung mit dem Arbeitgeber verhandelt batte und die in § 86 Absatz 1 vorgeschriebene Frist von einer Doch« für den Versuch Der Ver­ständigung de» Betriebsrates mit dem Arbeit­geber daher noch nicht in Laus gefetzt war

Das D e r s o r g u n g » k r a n k en ha u s Gietzen soll zwei Pfleger, denen zur Vermin-

VvlkSpartei. Das Ergebnis wird mit Bravo­rufen auf der Linken. Zischen und Pfuirufen auf der Rechten ausgenommen.

Die Deiterberatung deS RachtragSetatS wird ohne wesentliche Debatte zu Ende geführt und der Etat genehmigt; ebenso wird der AuSschuhantrag, zur möglichst schnellen Unterstützung der Kleinrentner die Verhandlungen mit den Ländern und Gemeinden zu beschleunigen, ange­nommen Für die Geschädigten von Saarwellingen werden 300 000 Mk. bewilligt.

Es folgt der Entwurf über die Erteilung be« passiven Wahlrechts an die Frauen

bei Den Kaufmannsgerichten. Der Ausschuh be­antragt eine Gntschlietzung. datz die in Aussicht genommene Abänderung des GerichtSverialsungs-

Aerutieil vrn mwr gerechten Würdigung des i 5*ehe» Abstand nehmen

Aach weiterer unerheblicher Debatte wrro I Die Vorlage tn der Auetch-istiallung unter Ab- I lefraung de» kommunistischen Anträge«, angenom­men Ebenso tn drittel äefung. Die Beratung de» Ausfchu'bericht« über cio«.i kvmntunist llchen Antrag auf Auffrcbuug de« preutzifchcn Schietz- «rlafses <Hein«> ergübt freffm Alle bnung gegen btc Stemmen der Unabhängigen und An- tiag»fiell«T S« folgt der Sntwuri über das Verfahren m Derivogung»<ach«n zur rascheren Erledigung der Ansprüche von früheren Krtegsteilnebmern Der Ausfchutz emp- stehlt Annahme Im Lauf« einer langen Debatte stellt ber Arbntrmmtfter seit dast bte richterliche Unabhängigkeit tn ferner Deik beeknträchttgt er­scheint Unter Ablehnung einiger Abänkerungs- anträge trnrb btc Aurichustfasfung angenommen Ter A<tcheardc.ti>mintster betont dabei, datz zu der Annahme der Auffaffung. al« ob die Stellung dc« Richters n^cht freiei, nicht der geringste Grund vorlicge Auch in dritter Lefung erfolgt Annahme der Vorlage

Ter Entwurf eine« Gektze» über die Rechts­verhältnisse und btc Besoldrtngsordnung ber elfatz- lothrinflischen Landes beamten wird in zweiter und dritter Lefung genehmigt.

E« folgt die zweit.- Cefung de« von- den Adg Ai a r i (3 ) und Emminger «Bavr. Vpt > und Gen eingediachten Gesetzentwürfe» über

die Aenberung der Gmkvmmeafteuer.

Der Berichterstatter Abg Dr Hertz (U.: empsiehtt, bae AuSschustkompromitz anzunehmen

Abfl Hö11ein «K ) beantragt eine andere Steuerstallelunfl Die Bilaniterung des Etat«, die der Reichskanzler als so nötig bezeichnet, lasse tick aber nicht aus dein Wege erreichen, bah man alle Lasten auf die Sckmttern der breiten Mallen abwälze. Dagegen werde bie deutsche Arbeiterschaft noch Mittel und Akgc linden Mo bleiben die positiven Angaben de« Reichskanzler« über sein« neuen Pläne der Massenausplünde- rung ?

Ohne weitere Aussprache wird sodann die Steuervorlage mit der Matzgade angenommen, datz für die ersten 50 000 Mark 10 Proz Steuer erhoben werden, für bie nächsten 10 000 Mark 15 Prozent, für bie wetteren 20 000 Mark 20 Pro­zent. für btc wetteren 20 000 Mark 25 Proz für bie wetteren 100 000 Mark 35 Prvz. für die weiteren 200 000 Mark 40 Proz, für die näch­sten 500 000 Mari 45 Prvz und für weitere 500 000 Mark 50 Proz Die Einkommensteuer ermähigt sich um je 240 Mark für ben Steuer­pflichtigen und feine Ehefrau und 360 Mark für jedes Kind Von bem lOproz Abzug sind autzer- dem abzugssähig 45 Mark für jeden Monat.

ES folgt die Beratung des 3 Rächt rag« zum Etat. Hierzu liegt eine Entschliessung der Recht«« vor. die Melterlübrung ber alten

Handelsflagge schwarz weist rot zu gestatten

Im Verlaus der Aussprache erklärt Minister des Innern Köster, datz die Reichsregierung sich autzerstanbe sehe, ben Anregungen Folge zu leisten. Die neue Flagge sei seit bem 1 Iuli eingeführt Lediglich au» technischen Grünben sei die Mebergang«frift bi« zum 31. Dezember dieses Iahre» geschaffen Ab 1.3auuar 1922 werden alle Krieg«- und Handeisfahrzeua« die neue Flagge zu führen haben. Die Durchführung de» Antrages würde die Auherkraftsetzung eines Teile» be» Artikels 3 ber Verfassung bis aus weitere» bedeuten Die ReichSregierung könne einem solchen veriassungSändernben Beschluss nur zustnnmen. wenn ReichSrat und Reichstag mit qualifizierter Mehrheit diesen Beschlutz sassen.

DaS Gehalt de» Reichspräsidenten wird ge­nehmigt.

Die Entschlietzung wegen der Flaggenfrage wird in namentlicher Abstimmung mit 195 gegen 138 Stimmen bei drei Stimm- entbaltunflcnabgclefrnt Ta ür frimmlen die Rechte sowie einzelne Mitglieder de» Zen- trumS und der Demokraten und die Bayerische

Ende des Wölfersheimer Streikes. , ®ie Tttgatbräer btt ®tnb«n bt< ®öl« i er «Heimer Bezirkes haben heute früh die Ar­beit wieder ausgenommen.

Die Arbeitsaufnahme erfolgte auf Grund eine» am Freitag tn Berlin im Reichs- arbeitsministerium getroffenen 2lb- kommens, nach bem den Arbeitnehmern vom 1. November ab eine SchichHulage von 12 Mark, vvm 1. Dezember ab eine solch« von 16 Mark gezablr werden soll.

In Ergänzung unterer bisherigen Mtttrilun- fltn verot .etlichen wir nachstehend, um rinen Uebcrbltd über ben Ausstand Im TB ölfers» Heimer Grubenbezirk zu ermöglichen, die folgcnbn auf Grund umfassender Informationen npn tnkrem in da« bestreikte Gc eibcibcri<frt«rHatter angeftellten Er­mittelungen:

(~r) Friedberg. 17 Dez 1921

Ueber Me Beweggründe, die zu bem für da« gesamte Mirr'chattsleden ber Provinz

k.i Id g Affdnbc >!' den das

Kraftwerk in Dölfersheim behefemben BvauTckvhlengruben führten und über seinen Be- alim und Verlauf läfrt fich folgendes lagen Die Arbeiter tn den Braunkofrlengruden bezogen m bar Spitzengruppe für die Schicht einen Ge­dinge l o hn von 38 QÄarf. wozu feit September 6 Mari Iulag« kamen, zusammen also 44 Mark. Di« getagt, im Gedinge-, nicht tan I a g l o fr n. so datz es ben Bergleuten wohl möglich war ihre Bezüge über diesen garan­tierten Mtnd« stlvhn frinau« durch sleitzige Arbeit zu erhöhen Es trat zu bleiern Arbeits­verdienst ^dvch iwch hinzu auher Deputaten an Kohle eine M i r t s cha f t s b e i h i l 1 e von monatlich 50 Mark, was also, 25 Arbeits­tag« im Monat gerechnet, auch noch 2 Mat^ für bte Schicht auSmachr Diele Bezüge waren aber f<n Bergarbeitern noch zu gering, sie verlangten 3»lagen Am 26. Rovember fand tn Gietzen unter Leitung eines Vertreters be» R c i ch S - arbettsminlsteriums ein Schiedsgeiichi statt, da» bk Arbeitgeber dazu verurteilte, vom 1 Rovernber ab eine Zulage von 18 Mark für die Schicht zu zahlen Diekr Schiedsspruch wurde von den Arbeitgebern und zwar sowohl von den privaten Grubenver­waltungen hn Arbeitgeberverband Hellen. Fach­gruppe Braunkohlenbergbau, wie von dem Staate nicht angenommen, da er über bas Höchstmatz ber möglicherweise zu gewährenben 3utagcn bin- ausainge Die Arbeitgeber erklärten sich jedoch bernt, ab 1 Dezember eine Zulage von 1 5 Markzu zahlen Für den Hellischen Staat fagir der mit den Verhandlungen beauftragt« Präsident be« Landesardeits- und MirtschaftsamieS Raab au« eigener Machtvollkommenheit den Arbeitern die Rachzafrlung auch der noch fehlenden 3 Mark (von 15 also auf 18 Mari) zu. toemt das ReichS- acbeil«mtniftcrhun tn Berlin den Gtetzenci Schiedsspluch als höchste Instanz bestätigen sollte Da also eine Einigung in dem SchiedsgerichtSver- tafrren nicht erzielt worden war. hätten nun vor allem, da e» sich tn Möller«heim um einen lebenswichtigen Betrieb handelt - nach den be­stehenden gesetzlichen Vorschriften wettere 'Ver­handlungen sich anfchliehen müssen Die Arbeit­nehmer warteten jedoch dies« nicht ab sondern traten also recht «widrig in den 'Aus­stand. und zwar auch die der staatlichen Gruben, trotz ber Zusage de« Präsibenten Raab, um für ihre Kollegen in den privaten Gruben ebenfalls die Zusage auf 18 Mark zu er­zwingen. Entsprach schon dies« Ontfeffelung eine« so gcsähllichen Ausstandes nicht den gesetzlichen Vorschriften, so widerspricht diesen noch mehr bte Durchführung de» streik Die Arbeitnehmer verweigerten nämlich tie Vornahme auch der Rotstandsarbeiten, zu denen sie verpflich­tet waren, und verhinderten sogar, datz Arbeiter ber Grube R o h b a ch, um ihre Grube vor dem ®riaufen zu schützen zu diesem Zwecke Rotstands­arbeiten leisteten. Di« Folgen be» AusstandeS machten sich bald geltend, und waren, wie eS vvrauSzusehen war schwer Abgesehen von ben Schädigungen, die durch da« Vertagen be« Stro­me« das Geschäft«leben gerade in ber Vorweih- nachtszeik in vielen oberhelltschen Gemeinden er­fuhr. wurden Hunderte von Arbeitern brotlos deren Merke stttlgeiegt wurden: so z. D. bei den Firmen Meauin in Butzbach. Buderus in Hirzenhain. Schiefer st «in in Lich und auf ber Gewerkschaft Luise in Rtederohmen.

Bei einer Beurteilung deS Streiks wird man zunächst im Zweifel darüber sein muffen.